
Nicht alle können mit Geld gleich gut umgehen. Svenja und Joe zum Beispiel können am Ende des Monats regelmäßig noch etwas auf ihr Sparbuch einzahlen, um in Zukunft für unvorhergesehene Ausgaben gewappnet zu sein. Carolin und Hannes dagegen kämpfen spätestens ab dem 20. des Monats, um bis zur nächsten Lohnzahlung über die Runden zu kommen. Bisweilen müssen sie in diesen Tagen auch mal hungrig ins Bett gehen.
Auch Christen kennen diese Herausforderung. Wenn es um unseren Lebensunterhalt geht, bewegen wir uns dabei im Spannungsfeld zwischen Gottvertrauen und verantwortlichem Handeln. Einerseits dürfen wir wissen, dass alles von Gott kommt – auch das Geld für unseren Lebensunterhalt. Denn „jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben herab, von dem Vater der Lichter, bei dem keine Veränderung ist noch der Schatten eines Wechsels“ (Jak 1,17).
Andererseits finden wir in Gottes Wort unmissverständlich, dass wir für unseren Lebensunterhalt arbeiten sollen, etwa in Sprüche 6,6.8: „Geh hin zur Ameise, du Fauler, sieh ihre Wege und werde weise … Sie bereitet im Sommer ihr Brot, sammelt in der Ernte ihre Nahrung ein.“ Im Neuen Testament ermahnt der Apostel Paulus die Thessalonicher, „euch zu beeifern, still zu sein und eure eigenen Geschäfte zu tun und mit euren eigenen Händen zu arbeiten, so wie wir euch geboten haben, damit ihr ehrbar wandelt vor denen, die draußen sind, und niemand nötig habt“ (1. Thes 4,11.12).
Obwohl sie bestrebt sind, ihrer Verantwortung gerecht zu werden, stehen auch Christen bisweilen vor der Frage, woher sie das erforderliche Geld nehmen sollen, um zum Beispiel eine Handwerkerrechnung oder die Autoreparatur zu bezahlen. Manche werden plötzlich arbeitslos oder schwer krank und können deshalb auf einmal ihre monatlich feststehenden Kosten wie die Miete nicht mehr bezahlen.
„So seid nun nicht besorgt, indem ihr sagt: Was sollen wir essen?, oder: Was sollen wir trinken?, oder: Was sollen wir anziehen? … denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr dies alles nötig habt“ (Mt 6,31.32). Diese Zusage unseres großen Gottes und himmlischen Vaters, uns mit allem zu versorgen, was wir brauchen, kann uns die Sorge nehmen. Gerade auch dann, wenn wir uns auf die Aufforderung des Apostels Petrus besinnen: „So demütigt euch nun unter die mächtige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zur rechten Zeit, indem ihr all eure Sorge auf ihn werft; denn er ist besorgt für euch“ (1. Pet 5,6.7). Das im Glauben zu verwirklichen, hört sich aber leichter an, als es getan ist, vor allem, wenn ich persönlich betroffen bin und das Geld fehlt, um dringend nötige Einkäufe zu tätigen.
Haben wir noch einen Blick für die Not unserer Glaubensgeschwister? Die Ermahnung des Herrn ist eindeutig: „Wer aber irgend irdischen Besitz hat und sieht seinen Bruder Mangel leiden und verschließt sein Herz vor ihm, wie bleibt die Liebe Gottes in ihm?“ (1. Joh 3,17). Darum lasst uns mit offenen Augen und einem bereitwilligen Herzen aufeinander achthaben. Und wo nötig, lasst uns im Rahmen unserer Möglichkeiten helfen, um die Not zu lindern.
Das Wissen um die Fürsorge unseres Gottes und himmlischen Vaters lässt uns andererseits nicht leichtfertig in den Tag hineinleben und das Geld mit vollen Händen zum Fenster hinauswerfen. Stattdessen gilt es, mit dem mir von Gott anvertrauten Geld verantwortungsvoll umzugehen. Auch dazu finden wir aufschlussreiche Aussagen im Buch der Sprüche wie die in Kapitel 10,5: „Wer im Sommer einsammelt, ist ein einsichtsvoller Sohn; wer zur Erntezeit in tiefem Schlaf liegt, ist ein Sohn, der Schande bringt.“ Und in Kapitel 30,25 verweist Agur dazu noch einmal auf ein Vorbild in der Schöpfung: „Die Ameisen, ein nicht starkes Volk, und doch bereiten sie im Sommer ihre Speise.“
Auch der Herr Jesus selbst gibt uns Hinweise dazu, wenn sie auch manchmal „nur“ zwischen den Zeilen zu finden sind, wie etwa in dem Gleichnis von der Frau, die zehn Drachmen hat und eine davon verliert. Diese Frau durchsucht so lange sorgfältig ihr Haus, bis sie das Geldstück wiedergefunden hat (s. Lk 15,8.9). Auf unser Thema übertragen zeigt uns diese Frau, dass es wichtig ist, darauf zu achten, was mit unserem Geld passiert. Es ist ein großer Unterschied, ob wir es sinnvoll einsetzen oder aufs Geratewohl verprassen. Dabei hilft uns sicher auch, immer wieder einmal an den biblischen Maßstab aus 1. Timotheus 6,8 zu denken: „Wenn wir aber Nahrung und Bedeckung haben, so wollen wir uns daran genügen lassen.“
Der eine oder andere Leser fragt sich jetzt vielleicht, wie er es anstellen kann, besser mit seinem Einkommen auszukommen. Eine Frage des Herrn Jesus an seine Zuhörer liefert dazu eine erste Anregung: „Denn wer unter euch, der einen Turm bauen will, setzt sich nicht zuvor hin und berechnet die Kosten, ob er das Nötige zur Ausführung hat?“ (Lk 14,28).
Ein Hilfsmittel, in diesem Sinne die (Lebenshaltungs-)Kosten zu überschlagen, ist zum Beispiel ein Haushaltsbuch, in dem für jeden Monat die feststehenden Einnahmen und Ausgaben notiert werden. Auf diese Weise lässt sich leichter erkennen, wie viel Geld danach noch für Lebensmittel, Kleidung und anderes zur Verfügung steht. Muster und weitergehende Anleitungen dazu finden sich unter anderem im Internet, wenn nach dem Stichwort Haushaltsbuch gesucht wird.[1]
Hilfreich kann es auch sein, sich vor jedem Einkauf eine Liste zu erstellen, auf der alles notiert wird, was für die nächste Woche erforderlich ist. Wer die Artikel dann noch in der Reihenfolge aufschreibt, in der sie im Laden in den Regalen zu finden sind, diszipliniert nicht nur sein Ausgabeverhalten, er spart auch noch Zeit.
Gerade beim Lebensmitteleinkauf hat es sich außerdem bewährt, nicht hungrig einkaufen zu gehen.
Eine besondere Herausforderung bei der Geldverwaltung sind Zahlungen, die regelmäßig einmal im Jahr fällig werden. Für solche Zahlungen bietet es sich an, den Betrag durch 12 zu teilen und dann jeden Monat dieses Zwölftel auf ein Sparbuch einzahlen. Wenn die Zahlung dann fällig ist, kann das angesparte Geld problemlos vom Sparbuch auf das Girokonto umgebucht werden, so dass das monatlich zur Verfügung stehende Einkommen nicht durch den großen Betrag aufgezehrt wird. Diese Vorgehensweise bietet sich oft auch für Versicherungsprämien an, da die meisten Versicherungsgesellschaften einen Rabatt im Vergleich zur monatlichen Zahlung gewähren, wenn die Versicherungsprämie einmal jährlich im Voraus bezahlt wird.
Bei anderen Ausgaben und Anschaffungen empfiehlt es sich, zuerst zu sparen und dann zu bestellen oder zu kaufen, da gerade Ratenzahlungen durch die zusätzlich anfallenden Zinsbeträge insgesamt meist höhere Gesamtkosten verursachen und den monatlich zur Verfügung stehenden Geldbetrag mehr als gedacht verringern.
Das sind natürlich nur einige wenige praktische Anregungen, die helfen können, mit dem zur Verfügung stehenden Geld auszukommen. Was im Einzelfall alles möglich und sinnvoll ist, hängt von der jeweiligen Situation ab. Wer sich unsicher ist oder noch keine Erfahrungen mit solchen Fragen hat, kann sich in seinem Umfeld nach Gläubigen umsehen, die er vertrauensvoll um Rat bitten kann. „Pläne scheitern, wo keine Besprechung ist; aber durch viele Ratgeber kommen sie zustande“ (Spr 15,22).
Stefan Busch
Fußnoten:
Zum Beispiel: https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/geld-versicherungen/kredit-schulden-insolvenz/haushaltsbuch-fuehren-ueberblick-ueber-ihre-finanzen-52179, abgerufen am 13.11.2025.

„Siehe, zum Heil wurde mir bitteres Leid: Du zogst liebevoll meine Seele aus der Grube der Vernichtung; denn alle meine Sünden hast du hinter deinen Rücken geworfen“ (Jes 38,17).
Der König Hiskia war in seiner Seele zutiefst erschüttert. Soeben hatte der Prophet Jesaja ihm im Auftrag Gottes sagen lassen: „Bestelle dein Haus, denn du wirst sterben und nicht genesen“ (Jes 38,1).
Schon länger war der König besorgt wegen seines Gesundheitszustandes – ihn plagte wohl ein ernst zu nehmendes Geschwür (s. Jes 38,21), das einfach nicht heilen wollte. Vielleicht hoffte er zunächst noch auf die Hilfe eines fähigen Arztes, aber nun war alle Hoffnung auf Besserung und Genesung geschwunden. Hiskia weinte sehr. „Ich bin doch noch jung“, mag er gestöhnt haben, „39 Jahre alt und nun am Rand des Todes …“
Bitteres Leid war über den treuen Mann gekommen, hatte er doch getan, was recht war in den Augen des Herrn (s. 2. Kön 18,3). Sein rückhaltloses Vertrauen auf Gottes Macht angesichts des übermächtig starken assyrischen Heeres, das gegen sein Land gezogen war, hatte er beeindruckend unter Beweis gestellt (s. Jes 36.37).
Vielleicht erlebst du eine ähnlich hoffnungslose Situation: Du weißt momentan nicht mehr aus noch ein. Du kommst dir vor wie in einem dunklen Tunnel – du siehst das Licht am Ende nicht mehr … „Ist das Wort wirklich wahr, dass ‚denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken‘?“ (s. Röm 8,28), fragst du dich in schlaflosen Nachtstunden. „Tatsächlich alle Dinge – auch meine so schwierige gegenwärtige Lage?“
Hiskia erfuhr die Wahrheit der göttlichen Zusage: „Siehe, zum Heil wurde mir bitteres Leid“ (Jes 38,17). Ja, zum Heil.
Seine Seele hatte er im inbrünstigen Gebet vor Gott ausgeschüttet und geklagt: „O Herr, mir ist bange! Tritt als Bürge für mich ein!“ (Jes 38,14).
Hören wir, was der Bote Gottes ihm als „Wort des Herrn“ antwortete: „So spricht der Herr, der Gott deines Vaters David: Ich habe dein Gebet gehört, ich habe deine Tränen gesehen; siehe, ich will zu deinen Tagen fünfzehn Jahre hinzufügen“ (Jes 38,5; Hervorhebung vom Autor).
Und tatsächlich: Gott in seiner Barmherzigkeit machte ihn gesund und erhielt ihn am Leben (s. Jes 38,16). Man nahm auf Geheiß des Propheten einen Feigenkuchen als Pflaster und legte ihn auf das Geschwür, damit er genese (s. Jes 38,21).
Unser Herr hat sich bis heute nicht verändert, Er ist ewig derselbe in seiner großen Treue:
Oh, wer ist Ihm gleich,
so mild und so reich
an Liebe und Macht und Erbarmen!
Erfasse im Glaubensvertrauen: Er hört auch mein Rufen, Er sieht meine Situation und – Er hat auch alle Macht zu helfen, denn Er hat gesagt: „Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf der Erde“ (Mt 28,18).
In den Tagen seiner Krankheit hatte Hiskia „wie ein Weber sein Leben aufgerollt“ (s. Jes 38,12). Vor dem Angesicht Gottes überdachte er in stillen Stunden seinen Lebensweg … Ob es eine Sünde zu bekennen gab? Er flehte zu Gott: „O Herr, mir ist bange! Tritt als Bürge für mich ein!“ (Jes 38,14).
Einen Bürgen haben solche nötig, die ihre Schulden nicht mehr selbst bezahlen können.
Nein, unsere Sündenschuld können wir vor einem heiligen Gott niemals durch eigenes Tun wiedergutmachen. Doch dankbar dürfen wir mit den Worten des Liederdichters singen:
Ich weiß sonst nichts zu sagen,
als dass ein Bürge kam,
der meine Schuld getragen,
die Rechnung auf sich nahm
und sie so völlig hingezählt,
dass von der ganzen Summe
auch nicht das Geringste fehlt.
Unser Herr und Heiland hat als Bürge stellvertretend am Kreuz unsere große Schuld bezahlt, indem Er „selbst unsere Sünden an seinem Leib auf dem Holz getragen hat“ (1. Pet 2,24). Wir durften glaubend erfassen: Du starbst für mich auf Golgatha, du hast mich so geliebt!
Der Heiland wurde im Gericht Gottes gewissermaßen „in die tiefste Grube gelegt“ (Ps 88,7), damit jeder, der an Ihn glaubt, wie Hiskia mit Erleichterung freudig bekennen kann: „Du zogst liebevoll meine Seele aus der Grube der Vernichtung; denn alle meine Sünden hast du hinter deinen Rücken geworfen“ (Jes 38,17).
Sicher, nicht jede Notlage hat einen glücklichen Ausgang, wie Hiskia es erfahren durfte, der so völlig gesundete nach Leib und Seele.
Vielleicht nimmt der Herr in seiner Weisheit unsere Last nicht unmittelbar von uns weg, wie wir es uns gewünscht hätten. Der Apostel Paulus behielt auch zeitlebens einen „Dorn für das Fleisch“ (2. Kor 12,7). Aber wir dürfen uns dennoch seiner vollkommenen Liebe gewiss sein, einer Liebe, die uns aus Gnade aus der „Grube der Vernichtung“ zog – und die immer nur das Beste für uns im Auge hat.
Der schmerzliche Gang im „Tal des Todesschattens“ (Ps 23,4) brachte bei Hiskia Gott wohlgefällige Früchte hervor. Er fasste den Entschluss,
Ist Gott mit uns bereits zu diesem Ziel gekommen? Er möchte dies so gern, damit Er uns einmal belohnen kann für das, was Er selbst in seiner Gnade in unserem Leben gewirkt hat.
Friedhelm Müller
Gerade unsere Hilflosigkeit ist unsere Rettung. Wir erkennen, dass Gott selbst eingreifen muss, weil wir nichts mehr tun können.

Familienplanung – ein delikates Thema. Ist es überhaupt ein Thema, über das wiedergeborene Christen nachdenken sollten? Die Antwort ist ein klares Ja. Ist es denn ein Thema, über das ein Artikel geschrieben werden muss? Diese Antwort ist nicht mehr so eindeutig zu geben. Denn es geht um eine sehr individuelle Angelegenheit, die Ehepartner gemeinsam mit ihrem Herrn klären dürfen. Eine Angelegenheit, in der Außenstehende kaum eine Beurteilung abzugeben haben. Insofern könnte man meinen, dass ein Artikel eher nicht angebracht sei. Andererseits können allgemeine Gedanken anhand von Gottes Wort Anregungen zum Nachdenken geben, ohne dass es Bevormundung in einer sehr individuellen Fragestellung des Ehe- und Familienlebens gibt. Denn Gottes Wort ist und bleibt ja die Grundlage für jede Entscheidung. In diesem Sinn soll das Thema in dem folgenden Artikel aufgegriffen werden.
Gott hat die Ehe eingerichtet, weil Er wusste, dass es für den Menschen nicht gut ist, allein zu sein (s. 1. Mo 2,18). Insofern ist die Ehe an sich ein großes Geschenk Gottes an den Menschen, ungeachtet dessen, ob es in einer Ehe nun Kinder gibt oder nicht. Dankbar dürfen wir einen Ehepartner aus Gottes Hand annehmen und in einer guten Ehe tiefes Glück und echte Freude finden. Dazu gehört auch – ganz unabhängig von der Frage der Kinder – die Sexualität. Auch sie ist ein Geschenk des Schöpfers und darf in der Ehe zur Freude beider Ehepartner ausgelebt werden.
Als Gott Adam Eva zur Seite stellte, hatte Er aber noch mehr im Blick als „nur“, dass Adam nicht allein sein sollte. Mit der Ehe untrennbar verbunden ist nach Gottes Gedanken auch die Familie. Das lässt sich leicht aus seinen Worten „Seid fruchtbar“ erkennen (1. Mo 1,28). Gleichzeitig beinhalten die darauffolgenden Worte „mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan“, dass Gott in Bezug auf die Familie an mehrere Kinder denkt.[1]
Grundsätzlich sind Kinder ein Segen. Auch das ist aus 1. Mose 1,28 zu erkennen, denn der Vers beginnt ja mit den Worten: „Und Gott segnete sie.“ In diesem Sinn ist auch Psalm 127,3 zu verstehen, in dem Salomo sagt, dass die Leibesfrucht eine Belohnung sei.[2]
Das bedeutet nicht, dass eine Ehe, die kinderlos bleibt, weil Gott keine Kinder schenkt, nicht von Gott gesegnet wäre. Auch ohne Kinder darf man in einer Ehe Gottes Segen erfahren und auch zum Segenskanal für andere sein.
Im Zusammenhang dieses Artikels ist es jedoch wichtig, festzuhalten, dass Kinder nach den Gedanken Gottes keine Last sind, sondern ein Segen, eine Belohnung und ein Geschenk, auch wenn das in der Gesellschaft, in der wir leben, oft ganz anders gesehen wird. Gerne wollen wir diesen Blick auf Kinder und auf eine Familie behalten und uns nicht mit dem Denken und der Gesinnung der Welt eins machen (s. Röm 12,2).
Nach Gottes Plan bringt jeder Segen, jedes Geschenk auch Verantwortung mit sich. Und um der Verantwortung zu entsprechen, braucht es Kraft und Weisheit.
Kinder müssen versorgt werden, sie müssen erzogen werden (s. Eph 6,4), sie sollen auf ein Leben auf dieser Erde vorbereitet und sie dürfen zu dem Herrn Jesus gebracht werden. Das ist wohl die schönste und wichtigste Aufgabe in der Erziehung der Kinder, sie mit dem Herrn Jesus bekannt zu machen und sie zu Ihm zu führen.
Wenn Gott uns eine Aufgabe und Verantwortung gibt, dann gibt Er auch die Hilfe, die zur Erfüllung dieser Aufgabe nötig ist. Und doch brauchen auch wir Kraft und Weisheit und wir wollen einerseits im Vertrauen auf Gott, andererseits aber auch mit gutem geistlichen Verantwortungsbewusstsein vorangehen. Dabei werden wir uns in Verbindung mit der Frage der Familienplanung durchaus Gedanken darüber machen, ob die nötige Kraft und Gesundheit vorhanden sind, um (weitere) Kinder zu bekommen. Das richtige Gleichgewicht zwischen Vertrauen auf Gott ohne Kleinglauben einerseits und Vorsicht ohne Selbstüberschätzung andererseits wird der Herr uns schenken, wenn wir zu Ihm gehen und Ihn um Weisheit in dieser Frage bitten (s. Jak 1,5).
Wie auf dem Weg in die Ehe wird Gott auch in der Frage der Familienplanung zu Hilfe kommen und seine Gedanken zeigen. Er wird den Ehepartnern Frieden zu einer Entscheidung geben und dabei dürfen sie gegenseitig Rücksicht aufeinander nehmen und sollten warten können, bis ein übereinstimmendes Ergebnis klar geworden ist.
Doch dann stellt sich natürlich die Frage, wie die praktische Umsetzung geschehen soll. Dabei ist es gut zu wissen, dass letzten Endes alles in der Hand Gottes liegt, der allein in der Lage ist, Leben zu geben. Deshalb lassen wir Ihm auch gerne „Handlungsspielraum“ und vertrauen darauf, dass Er es gut und richtig macht.
Was unsere Verantwortung angeht, so gibt es manche Möglichkeiten, Einfluss auf die Familienplanung zu nehmen. Leider gibt es Methoden, die in der uns umgebenden Welt gängig und selbstverständlich sind, die aber letzten Endes bereits entstandenes Leben töten. Solche Methoden kommen für einen gottesfürchtigen Christen nicht infrage, denn er weiß, dass nach Gottes Gedanken das Leben bereits mit der Zeugung beginnt (s. Ps 139,13-16).[3]
Nicht nur das Thema „Verhütung“ ist Teil der Familienplanung, auch ein (noch) nicht erfüllter Kinderwunsch gehört dazu. Wieder gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, doch auch in diesem Bereich gibt es Methoden, die außerhalb dessen liegen, was für einen gottesfürchtigen Christen infrage kommt. Spätestens dann, wenn andere Personen neben den Ehepartnern, die sich Kinder wünschen, in Aktion treten sollen (z. B. Samenspender, Leihmütter), ist eine Grenze deutlich überschritten, die nicht überschritten werden soll.
Wie in der generellen Frage der Familienplanung wird der Herr auch Ruhe und Frieden dazu geben, wenn wir Ihn fragen, ob eine bestimmte Methode infrage kommt oder nicht. Auch wenn ein Ehepaar überhaupt keine Kinder bekommen kann (z. B. aus gesundheitlichen Gründen), obwohl es sich das sehnlichst wünscht, kann der Herr Ruhe und Frieden schenken. Auch diese Nöte kennt der Herr (s. 1. Mo 16,1 ff.; 1. Mo 25,21; 1. Sam 1,2.10; Ri 13,2; Lk 1,7.13).
Bei allen Überlegungen hilft uns auch die Frage, mit welcher inneren Motivation wir eigentlich über das Thema Familienplanung nachdenken.
Es ist gut, wenn ein Ehepaar sich Zeit nimmt, zusammenzuwachsen, sich gut kennenzulernen und in „Ruhe“ in die Situation zu gehen, Kinder zu erziehen. Nicht gut ist es dagegen, wenn aus egoistischen Gründen zunächst keine Kinder gewünscht sind, um z. B. noch viel zu erleben, gemeinsame Reisen zu unternehmen oder zunächst einmal Karriere zu machen. Diese Motive stehen im Widerspruch zu dem von Gott gegebenen Auftrag, fruchtbar zu sein und sich zu mehren.
Es ist gut, wenn auf die Kräfte, besonders die der Ehefrau und Mutter, Rücksicht genommen wird. Als Männer sollen wir darauf achten, dass wir unsere Ehefrauen nicht überfordern. Aber wenn deshalb keine Kraft und Energie für Kinder vorhanden ist, weil Mann oder Frau alle Kraft in die berufliche Karriere investieren, dann verlieren wir die Zustimmung des Herrn.
Letztlich beurteilt der Herr selbst unsere Motive, Er kennt sie sogar besser als wir selbst. Deshalb wollen wir ehrlich zu uns und auch in der Frage der Familienplanung gerne bereit sein, Gottes Willen zu erkennen und zu tun. Als Außenstehende wollen wir mit großer Vorsicht und Zurückhaltung vermeiden, (junge) Ehepaare zu verletzen oder unter
Druck zu setzen. Wenn wir gefragt werden, wollen wir gerne bereit sein, guten, auf Gottes Wort gestützten Rat zu geben. Aber es ist und bleibt eine persönliche Frage, die jedes Ehepaar vor und mit seinem Herrn beantworten wird. Dabei dürfen Außenstehende mit dafür beten, dass der Wille des Herrn erkannt und ausgelebt wird.
Christian Rosenthal
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Fußnoten:
Um Gottes Gedanken des „Mehrt euch“ zu verwirklichen, sind mehr als zwei Kinder in einer Familie erforderlich. Davon unbenommen bleibt aber, dass Gott in seiner Weisheit manchen Ehepaaren „nur“ ein oder zwei Kinder anvertraut, manchen sogar gar keine. Wichtig ist dann, dass betroffene Christen keine Schuldgefühle entwickeln oder sich als Versager fühlen, denn sie sind ja nicht für Gottes weise Absichten verantwortlich.
Manche Christen tun sich mit diesem Vers wahrscheinlich in der Übersetzung Martin Luthers leichter: „Siehe, Kinder sind eine Gabe des Herrn, und Leibesfrucht ist ein Geschenk.“
Gute Erläuterungen zu diesem Thema finden sich im Artikel „Wann beginnt das Menschsein?“ auf www.bibelstudium.de.

Auf seinem Weg über diese Erde bediente sich der Herr Jesus in Gesprächen häufig einer Frage – und verfolgte damit verschiedene Absichten. Wenn der Herr Jesus Fragen stellte, geschah das nie, weil Er etwas nicht wusste. Die Gedanken jedes Menschen sind „bloß und aufgedeckt vor den Augen dessen, mit dem wir es zu tun haben“ (Heb 4,13). Er hatte es nicht nötig, Fragen zu stellen – umso bemerkenswerter ist es, dass Er es dennoch tat. Diese Tatsache macht es wertvoll, einmal darüber nachzudenken, welche Absichten jeweils hinter seinen Fragen standen – und welche Belehrungen wir daraus ziehen können.
Wenn der Herr Jesus eine Frage stellte, um eine Person zu einem Bekenntnis ihres Glaubens zu führen, entsprach sie immer dem geistlichen Zustand oder Wachstumsstand des Gefragten.
Die zwei Blinden, von denen wir in Matthäus 9 lesen, kamen zu Ihm, um geheilt zu werden. Er stellte ihnen die Frage: „Glaubt ihr, dass ich dies tun kann? Sie sagen zu ihm: Ja, Herr“ (Mt 9,28). Er erkannte ihren Glauben an seine Macht und wünschte, dieses Bekenntnis aus ihrem Mund zu hören. „Denn mit dem Herzen wird geglaubt zur Gerechtigkeit, mit dem Mund aber wird bekannt zum Heil“ (Röm 10,10). Er wollte einerseits ihre innere Überzeugung festigen und sie andererseits dazu ermutigen, ihren Glauben offen zu bekennen – vor Ihm und vor anderen.
Sind wir bereit, unseren Glauben öffentlich zu bekennen? Wenn Er uns heute diese Frage stellen würde, käme vielleicht auch schnell ein „Ja, Herr“ über unsere Lippen. Doch zeigen wir unseren Glauben durch unsere Werke (s. Jak 2,18)? In notvollen Zeiten wollen wir die feste Überzeugung haben, dass Ihm keine Schwierigkeit zu groß ist – und dass Er alles vermag. Ein ruhiges, friedevolles Herz in der Not ist ein starkes Zeugnis echten Glaubens.
In Johannes 1 lesen wir von zwei Jüngern Johannes’ des Täufers, die nach dessen wunderbarem Ausruf: „Siehe, das Lamm Gottes“, zum Herrn Jesus kamen. Auch ihnen stellte der Herr eine Frage – abgestimmt auf ihren noch jungen Glauben: „Was sucht ihr? Sie aber sagten zu ihm: Rabbi (was übersetzt heißt: Lehrer), wo hältst du dich auf?“ (Joh 1,38). Sie kannten Ihn noch nicht, und Er erwartete nicht mehr als eine schlichte Antwort. Entscheidend war, dass sie bei Ihm sein wollten, um Ihn besser kennenzulernen.
Auch heute stellt der Herr Jesus jeden, der mit jungem Glauben zu Ihm kommt, vor diese Frage – und wünscht sich die Antwort eines Herzens, das einfach nur bei Ihm sein, Ihn besser kennenlernen und Ihm folgen möchte.
Später, nachdem die Jünger Ihm bereits eine Weile gefolgt waren, stellte Er eine weiterführende Frage: „Ihr aber, wer sagt ihr, dass ich sei? Simon Petrus aber antwortete und sprach: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes“ (Mt 16,15.16).
Nun hatte der Herr Jesus sie so weit geführt, dass sie Ihn besser kennenlernen konnten. Er fragte nicht mehr: „Was sucht ihr?“, sondern: „Wer sagt ihr, dass ich sei?“ (Hervorhebungen hinzugefügt). Der Vater selbst hatte Petrus diese Offenbarung gegeben (s. V. 17), und so konnte der Herr aus dem Mund seines Jüngers dieses herrliche Bekenntnis hören – um ihm daraufhin eine neue Wahrheit über die Versammlung zu offenbaren, die damals noch weit über das Verständnis von Petrus hinausging.
Wachsen wir in der Erkenntnis unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus (s. 2. Pet 3,18)? Welche Antwort hätten wir, wenn Er uns fragen würde: „Wer sagt ihr, dass ich sei?“ Er wünscht, dass wir mehr und mehr seine herrliche Person erkennen – damit Er uns noch mehr von seiner Größe und Herrlichkeit zeigen kann. Und dann werden wir dem Vater anbetend von dem berichten, was wir an seinem Sohn an Schönheiten und Herrlichkeiten entdeckt haben – und so „Gemeinschaft haben mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus“ und darin völlige Freude finden (s. 1. Joh 1,3.4).
Ein weiteres Beispiel für die vollkommene Handlungsweise des Herrn sehen wir bei der Heilung des Blindgeborenen in Johannes 9. Nachdem Er ihn sehend gemacht hatte, schien es zunächst, als ließe Er ihn allein. Doch obwohl wir in den folgenden Verhören nichts vom Heiland lesen, wissen wir, dass Er alles wusste und den rechten Zeitpunkt abwartete, um sich dem Geheilten zu offenbaren.
Erst nachdem die Pharisäer den ehemals Blinden hinausgeworfen hatten – der sowohl körperlich als auch mehr und mehr geistlich sehend geworden war –, lesen wir, dass der Herr „ihn fand“ und fragte: „Glaubst du an den Sohn Gottes?“ (V. 35).
Er ließ ihn nicht allein dort stehen, verachtet und ausgeschlossen aus der Synagoge. Der Geheilte stand jetzt wie der Herr selbst „draußen“ – und teilte den Platz der Verwerfung mit dem, der sich ihm nun offenbarte als der ewige Sohn Gottes.
Der Geist Gottes hatte ein Werk in diesem Mann getan. Mit dieser Frage führte der Herr ihn nun zur Erkenntnis seiner Person. Der Mann nahm das Hinausgeworfensein in Kauf – und erhielt dafür den Herrn Jesus selbst.
Wenn wir bereit sind, den Platz der Verwerfung mit Ihm zu teilen, wird Er uns finden – und sich uns offenbaren. Dann sind wir zwar „außerhalb des Lagers“, aber wir sind bei Ihm, dem Sohn Gottes. Ein herrlicher Platz!
Bernhard Brockhaus

Gottes Wort liefert nicht immer eine genaue Anleitung für eine bestimmte Aufgabe oder Fragestellung. Auch zum Thema Berufswahl finden wir dort kein allgemeingültiges „Rezept“, das für jede Person und zu jeder Zeit gleichermaßen geeignet wäre. Es gibt unterschiedliche Voraussetzungen, verschiedene Randbedingungen und individuelle Lebenssituationen, die auch die Berufswahl ganz unterschiedlich beeinflussen können.
Doch selbst wenn es nicht das fertige Universal-Rezept gibt, so sind doch die einzelnen „Zutaten“ allesamt vorhanden: Als Kinder Gottes stehen uns verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung, um auch bei dieser entscheidenden Frage eine Antwort nach dem Willen Gottes finden zu können. Unsere Aufgabe dabei ist, dass wir uns diese „Zutaten“ von Ihm geben lassen, sie dann vor Ihm abwägen und die gesamte Mischung schließlich mit Ihm gemeinsam verarbeiten – wie eine rezeptartige Zubereitung.
Mit dem ersten Schritt wollen wir einmal gemeinsam beginnen und einige dieser Hilfsmittel zusammenstellen.
Das grundlegendste Hilfsmittel, sozusagen die essenziellste Zutat, um eine Antwort auf die Frage zur Berufswahl zu bekommen, ist das Gebet. Denn im Gebet können wir die einzige Person direkt fragen, die die Antwort in jedem Fall genau kennt – den allwissenden Gott! Das ist ein unverzichtbares Hilfsmittel.
Im Gebet bitten wir Gott, unseren Vater, von dem jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt (s. Jak 1,17), dass Er uns den Beruf zeigt, der gut zu uns passt und auch unserem Wesen entspricht; dass wir den Platz finden, an dem Gott uns haben möchte. Das weiß Gott am besten.
Mit dem Beten sollten wir aber nicht erst dann beginnen, wenn wir unmittelbar vor der Entscheidung stehen oder bereits die ersten Bewerbungsschreiben vorbereitet haben. Ein Jugendlicher sollte dieses Anliegen immer wieder vertrauensvoll vor seinen Herrn bringen und sich somit rechtzeitig vorbereiten lassen.
„Vertraue auf den Herrn mit deinem ganzen Herzen, und stütze dich nicht auf deinen Verstand. Erkenne ihn auf allen deinen Wegen, und er wird gerade machen deine Pfade.“
Und auch als Eltern sollten wir früh genug anfangen, für die richtige Entscheidung unserer Kinder zu beten.
Gott gibt in seinem Wort keine konkreten Anweisungen zur Berufswahl. Trotzdem kann Er uns durch sein Wort direkte Hinweise oder auch dezente Impulse geben. Dazu folgende Beispiele:
Doch das Wort Gottes gibt nicht nur solche wertvollen Impulse, sondern es bewirkt noch mehr: Das beständige und intensive Lesen des Wortes Gottes prägt uns und macht uns mit den göttlichen Wertmaßstäben vertraut, die wir bei der Berufswahl und auch im späteren Berufsleben nötig haben.
Es zeigt uns, dass wir auch den irdischen Beruf für den Herrn Jesus tun sollen („was irgend ihr tut, arbeitet von Herzen, als dem Herrn … ihr dient dem Herrn Christus“ [Kol 3,23.24]) und nicht, um unsere eigene Ehre zu suchen und wir deshalb schon bei der Berufswahl zuerst nach den besten Aufstiegschancen Ausschau halten.
Wenn wir das Wort des Christus reichlich in uns wohnen lassen (s. Kol 3,16), bleiben wir in der Nähe unseres himmlischen Vaters und entscheiden dann mehr und mehr so, wie es unserem Herrn gefällt.
Nun kommen wir zu einer weiteren Entscheidungshilfe, die individuell sehr unterschiedlich aussehen kann, weil sie mit den persönlichen Fähigkeiten zu tun hat. Es ist wichtig, auch diesen Aspekt bei der Berufswahl zu berücksichtigen, denn der Beruf lässt sich gewissenhafter und freudiger ausüben, wenn die eigenen Fähigkeiten und Neigungen weitestgehend dazu passen.
Gutes Gelingen und Motivation bei der Arbeit sind ganz elementare Dinge, um zufrieden und treu der beruflichen Tätigkeit nachzugehen – wir dienen auch darin dem Herrn Christus und wollen dies für Ihn so gut wie möglich tun.
Dabei kennt der Herr deine Begabungen ganz genau und lässt diese auch nicht unberücksichtigt. Wenn Er geistliche Aufgaben in Übereinstimmung mit unseren persönlichen Fähigkeiten überträgt (s. Mt 25,15), dann wird es dem Grundsatz nach auch bei der Zuteilung der „irdischen“ Aufgaben im Beruf so sein:
Ein weiteres wichtiges Hilfsmittel ist der Rat der Eltern (s. Spr 1,8; 3,21), denn auch sie kennen ihre Kinder und ihre jeweiligen Fähigkeiten nur zu gut. Dabei ist es für die Eltern wichtig, dem Kind keine zwanghaften Vorgaben aufzuerlegen, nur um (vielleicht versagt gebliebene) eigene Ziele und Interessen in den Kindern zur Darstellung kommen zu lassen oder im Gegenteil dem Kind höchstens das zugestehen zu wollen, was man selbst erlernt hat. Die Beratung der Eltern soll nach Gottes Gedanken immer dem Kind angemessen sein (s. Spr 22,6).
Wie gut, wenn du als Kind gläubiger Eltern auch dieses Hilfsmittel aus der Hand Gottes annimmst und den elterlichen Rat oder den Rat guter geistlicher Berater nicht unberücksichtigt lässt. Auch sie haben damals die Berufsentscheidung mit dem Herrn getroffen und können dir wertvolle Erfahrungen weitergeben, die sie selbst unter der Leitung Gottes erlebt haben.
Bei alledem sollten wir bei der Wahl des Berufes darauf achten, dass dieser uns nicht völlig in Anspruch nimmt, uns also nicht absehbar und von vornherein „aufzufressen“ droht. Auch die Berufstätigkeit soll und darf Dienst für den Herrn sein – aber lässt uns der Beruf auch Zeit für andere Dienste für den Herrn (abgesehen von Spitzenzeiten, die es im Beruf sicherlich auch hin und wieder geben wird)? Der Beruf sollte nie zum Selbstzweck werden (s. Mt 6,33).
Der Herr kommt bald, um uns in die himmlische Herrlichkeit zu holen. Bis dahin dürfen wir Ihm noch hier auf der Erde treu dienen, auch in unserem irdischen Beruf. Alles, was Menschen durch ihren Beruf auf der Erde selbst erreichen wollen – Selbstverwirklichung, gesellschaftliches Ansehen, materiellen Wohlstand, Karriere –, hat im Himmel keinen Bestand. „Sammelt euch aber Schätze im Himmel … denn wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein“ (Mt 6,20.21). Deshalb ist es auch nicht erforderlich, einen möglichst hohen Ausbildungsstand oder eine möglichst gut bezahlte Position anzustreben. Manchmal ist weniger mehr – wenn der Beruf zum Beispiel Freiraum für Aufgaben in der Familie oder im Volk Gottes lässt.
Neben den geistlichen „Zutaten“ gibt es auch eine Reihe von irdischen Hilfsmitteln, die wir ebenfalls sorgfältig nutzen können, ohne ihnen mehr Gewicht zu geben als den geistlichen Hilfen. Praktika in der Schulzeit, Berufsmessen, Berufsberatung und Probearbeiten sind einige Beispiele dafür. Ob wir selbst einen Beruf suchen oder unseren Kindern bei der Berufswahl helfen möchten – die Nutzung dieser Möglichkeiten, zum Beispiel der gemeinsame Besuch einer Jobmesse, können sehr sinnvoll sein.
Bei allem schenke der Herr Abhängigkeit von Ihm, damit Er dir den richtigen Beruf zeigen kann. Nutze dazu die Hilfsmittel, die Er dir schon bereitgestellt hat! Und werde nicht mutlos, wenn nicht alles so läuft, wie du es dir erträumt hast. Auch wenn es einmal so scheint, als wärst du in einer Sackgasse gelandet, wird der Herr den weiteren Weg zeigen. Wir dürfen dann Ausharren haben, bis Er eine neue Tür öffnet. Auch auf einem bereits eingeschlagenen beruflichen Weg gibt es Möglichkeiten zur Gestaltung oder Veränderung, um mit Freude den Platz auszufüllen, an den der uns Herr stellt.
Matthias Wölfinger
„Was irgend ihr tut, arbeitet von Herzen, als dem Herrn … ihr dient dem Herrn Christus.“

„Es ruhten die Landstädte in Israel, sie ruhten, bis ich, Debora, aufstand, bis ich aufstand, eine Mutter in Israel“ (Ri 5,7).
Es ist unstrittig, dass eine Mutter in der Familie eine andere Rolle einnimmt als ein Vater. Ebenso unstrittig ist es, dass „Mütter in Christus“ keine „Väter in Christus“ sind. Aber beide „Rollen“ und die damit verbundenen „Dienste“ sind im Volk Gottes wichtig.
Im Buch der Richter nennt sich Debora in ihrem bemerkenswerten Lied in Kapitel 5 selbst eine „Mutter in Israel“. Das ist weit mehr als eine biografische Randbemerkung. Es ist eine geistliche Auszeichnung – und zugleich eine Herausforderung für Schwestern in allen Zeiten.
Das Volk Gottes braucht auch heute solche Mütter: nicht nur im buchstäblichen Sinn, sondern gerade im geistlichen Sinn. „Mütter in Christus“ werden gesucht, weil sie gefragt sind und gebraucht werden. Inmitten von zunehmender geistlicher Orientierungslosigkeit, von Müdigkeit und Resignation sind solche Schwestern gefragt, die sich im Volk Gottes als Mütter im Glauben verstehen – und bereit sind, diese Aufgabe mit Liebe, Treue und Weisheit zu erfüllen.
Was kennzeichnet eine solche „Mutter“ im Volk Gottes? Debora gibt da guten Anschauungsunterricht. Sie war Prophetin und Richterin (s. Ri 4,4). Doch der Heilige Geist legt den Schwerpunkt nicht zuerst auf ihre öffentlichen Dienste, sondern auf ihr Herz: Sie war eine Mutter – für das Volk Gottes. Ihr Dienst war geprägt von Eigenschaften, die bis heute auch als Orientierung für Schwestern dienen, die sich im Volk Gottes gebrauchen lassen möchten.
Auch das Neue Testament kennt geistliche Mütter. Einige von ihnen werden namentlich genannt – als Vorbilder für heute:
Paulus schreibt den Thessalonichern einen interessanten Satz. Er lautet: „Wir sind in eurer Mitte zart gewesen, wie eine nährende Frau ihre eigenen Kinder pflegt“ (1. Thes 2,7). Natürlich übernahm Paulus nicht die Rolle einer Frau, aber er gebraucht ein Bild aus der Welt der Mütterlichkeit für seinen eigenen Dienst (in V. 11 ist es dann das Bild des Vaters). Es geht um Zartheit, Nahrung und Pflege. Das zeigt: Mütterliche Züge sind nicht nur eine Frage des Geschlechts, sondern der geistlichen Prägung. In diesem Sinn können auch Männer „mütterlich“ dienen.
Der Ruf zur geistlichen Mutterschaft im Volk Gottes sollte nicht überhört werden. Wir brauchen mehr denn je geistliche Schwestern, die diesen Dienst in ihrer ganz eigenen Weise und Rolle leben. Dazu braucht es vor allem Hingabe – das heißt ein Herz für den Herrn und für die Geschwister. Wer mit dem Herrn lebt, wird von Ihm gebraucht werden – vielleicht ganz im Verborgenen, aber mit Ergebnissen, die vor dem Richterstuhl des Christus einmal gewürdigt werden.
Darum: Wo sind sie, die „Mütter in Christus“? Wo sind sie, die beten, trösten, weise raten, anspornen, zuhören, dienen und lieben?
Ernst-August Bremicker

„Einer trage des anderen Lasten, und so erfüllt das Gesetz des Christus“ (Gal 6,2). Bei diesem Bibelvers denken wir schnell an Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft. Das sind auf jeden Fall christliche Tugenden, aber geht es hier wirklich (nur) darum? Wir wollen uns etwas genauer mit dieser Aufforderung beschäftigen und uns ganz speziell fragen, wie wir sie als Eltern bei unseren Kindern (besonders auch bei Jugendlichen und Herangewachsenen) umsetzen können.
Paulus, der Schreiber des Briefes, ist in Sorge um die Galater. Sie hatten Irrlehrern geglaubt und einige meinten, man müsse die Verordnungen des Alten Testaments erfüllen (besonders die Beschneidung), um vor Gott gerechtfertigt werden zu können. Dadurch hatten sie aus dem Blick verloren, dass allein die Gnade und der Glaube an das Werk von Golgatha errettet. In Kapitel 5 schreibt Paulus über das Wirken der alten Natur, die wir nach unserer Bekehrung immer noch in uns haben. Sie bringt nur böse Werke hervor (s. V. 19-21). Anders jedoch das neue Leben in der Kraft des in uns wohnenden Heiligen Geistes: Wenn Er in uns wirken kann, entsteht (gute) Frucht (s. V. 22.23). Der erste Vers von Kapitel 6 zeigt, dass Gläubige noch sündigen können. Sie stolpern und fallen hin (d. h., sie „werden von einem Fehltritt übereilt“), was aber nicht der Normalzustand ist , sondern eine Ausnahme. Dann sollen geistlich reife Gläubige sie zurechtbringen. Der zweite Vers fordert uns zu einem weiteren Dienst untereinander auf: „Einer trage des anderen Lasten.“
Das Wort „Lasten“ kommt in diesem Kapitel zweimal vor. In Vers 5 („denn jeder wird seine eigene Last tragen“) steht im Griechischen „phortion“. Das Wort meint eine angemessene Last und wurde unter anderem auch für Ladung (z. B. Schiffsladung) gebraucht. Bei dem Wort „Lasten“ in unserem Vers (griechisch „baros“) geht es um eine Traglast, die (zu) schwer oder bedrückend ist. Es ist klar, dass es hier nicht um Sünden geht, denn die kann niemand für einen anderen tragen. Es geht um Belastungen, die wir mit uns „herumschleppen“. Bei den Galatern waren das z. B. die Bürden, die durch ihre gesetzliche Haltung entstanden waren. Wenn es hier um Lasten unserer Kinder geht, dann kann das Verschiedenes sein. Es geht um Schwierigkeiten von außen, z. B.:
oder auch innere Nöte wie z. B.:
Die Aufzählung ist nicht abschließend, es gibt ein großes Paket möglicher Lasten für junge Leute. Gerade bei mangelnder Glaubenserfahrung können sie zu schwer zum Tragen sein und sogar zu Stolperfallen für Fehltritte werden. Leider bemerken wir als Eltern die Lasten unserer Kinder manchmal zu spät (oder gar nicht), oder wir unterschätzen sie.
Wir leben in einer Welt, die gerade für junge Leute sehr komplex ist, in der Beziehungen immer oberflächlicher werden und in der gute zwischenmenschliche Kommunikation mehr und mehr verschwindet. Diese Entwicklung macht weder vor uns noch vor unseren Kindern halt. Aber vielleicht können uns folgende Punkte helfen:
Auch für Kinder ist es nicht einfach, über ihre Lasten zu sprechen. Vielleicht ist es ihnen peinlich, oder sie haben Angst, wir Eltern könnten das als Schwäche auslegen. Doch wenn wir mit angemessener Sensibilität und Klarheit offen sind, werden unsere Kinder das in der Regel dankbar annehmen.
Das hier mit „tragen“ übersetzte Wort „bastázo“ meint ursprünglich, etwas zu heben oder aufzunehmen. Vielleicht hilft folgende Illustration: Bei einer anspruchsvollen Bergwanderung mit einer Jugendgruppe kommt einer der jungen Leute an seine Grenzen und will aufgeben. Dann sind plötzlich andere da, heben seinen Rucksack auf und nehmen ihn auf ihre Schultern. Damit erleichtern sie ihm das Weitergehen.
Dieses Bild zeigt, wie wir unseren Kindern helfen können, ihre Nöte, Sorgen und Schwierigkeiten mitzutragen. Dafür müssen wir in der Praxis aktiv auf sie zugehen und sie nach ihrem Wohlergehen (auch dem seelischen, s. 3. Joh 2) fragen. Wichtig ist, dass wir dann auch geduldig zuhören. Manchmal ist es angebracht, sie zu beraten (dazu brauchen wir viel geistliche Weisheit!), manchmal müssen wir sie auch ermahnen. Manchmal müssen wir „nur“ das tun, wovon Paulus in Römer 12,15 schreibt: „Freut euch mit den sich Freuenden, weint mit den Weinenden.“
Das fällt uns als Eltern vielleicht am schwersten. Wir können und sollen mit ihnen beten und wir dürfen ihnen Mut machen. Oft hilft es auch, wenn wir ihnen unsere (Glaubens-)Erfahrungen weitergeben oder Fehler mit ihnen teilen, die wir selbst als junge Leute gemacht haben.
Tragen heißt aber auch, als Eltern gemeinsam für unsere Kinder zu beten. Nicht erst, wenn sie unter den Lasten zusammenzubrechen drohen; natürlich dürfen wir das dann ganz intensiv tun. Aber wir wollen schon vorher täglich und anhaltend dafür beten, dass der Herr sie vor solchen Lasten bewahrt.
Im Allgemeinen gilt die Aufforderung, die Lasten des anderen zu tragen, allen Gläubigen und sie soll jedem Gläubigen zugutekommen. Wenn es um unsere Kinder geht, sind wir als Eltern hier jedoch besonders in der Pflicht. Auch wenn andere uns dabei unterstützen können (z. B. durch Jugendarbeit), ist es eine Aufgabe, die wir nicht einfach delegieren können.
Welche Voraussetzungen gibt es, um die Lasten der Kinder tragen zu können? Wenn es um das Zurechtbringen nach einem Fehltritt geht (s. V. 1), dann sind solche gefordert, die im Glauben feststehen und sich vom Heiligen Geist leiten lassen („ihr, die Geistlichen“).
Natürlich ist das auch beim Tragen von Lasten eine wichtige Basis, aber es wird hier nicht ausdrücklich vorausgesetzt. Gerne wollen wir als Eltern ein hohes Maß an geistlichem Urteilsvermögen und Glaubensfestigkeit anstreben. Aber wenn wir die „Messlatte“ hier für uns selbst zu hoch ansetzen, kann uns das darin hemmen, das Lastentragen anzugehen. Doch dann dürfen wir den Blick auf den Herrn Jesus richten, der alle Lasten vollkommen tragen kann und darin gleichzeitig auch unser vollkommenes Vorbild ist.
Als Eltern kann uns das Lastentragen an unsere Grenzen bringen. Häufig drängt sich dann die Frage auf, wie wir das schaffen können. Der zweite Teil des Verses lenkt deshalb unseren Blick auf die Gesinnung, in der wir die Lasten anderer tragen sollen: „… und so erfüllt das Gesetz des Christus.“
Dieses „Gesetz“ ist das Gesetz der Liebe[1], das im Leben des Herrn Jesus hier auf der Erde vollkommen ausgelebt wurde. Ihm war das Tragen von Lasten ein Gesetz (im Sinne von „Richtschnur“). Deswegen forderte Er dazu auf: „Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben“ (Mt 11,28). Er hatte ein Auge und ein Herz für die Nöte anderer: Er sah die hilflose Volksmenge und war innerlich bewegt über sie (s. Mk 6,34). Er nahm sich Zeit für andere: Er ließ die Jünger nach ihrem anstrengenden Dienst bei sich ausruhen und hörte ihnen zu (s. Mk 6,30.31). Er hatte ein Herz voll Liebe und Mitgefühl: Als Er die Nachricht von Lazarus’ Krankheit hörte, lesen wir, dass Er Martha und ihre Schwester und Lazarus liebte. Als Lazarus dann gestorben war, vergoss Er Tränen (s. Joh 11).
Selbstverständlich tat Er den Dienst des Lastentragens absolut vollkommen, so, wie wir das niemals tun können. Doch Er hat uns ein Beispiel hinterlassen, von dem wir lernen und das wir nachahmen dürfen; eine Gesinnung gezeigt, an der wir uns orientieren dürfen. Und wir dürfen (als beladene Eltern und Kinder) jederzeit im Gebet direkt Zuflucht nehmen zu Ihm, der gesagt hat: „Kommt her zu mir“ (Hervorhebung hinzugefügt).
Wer als Vater, dessen Kinder schon erwachsen sind, über dieses Thema nachdenkt, dem wird bewusst, wie notwendig diese Aufgabe ist. Aber auch, mit welchen Herausforderungen diese Aufforderung ver-
bunden ist, wie wenig man ihr nachgekommen ist und wie oft man diesbezüglich versagt hat. Aber dem Herrn sei Dank: Uns steht seine unerschöpfliche Gnade zur Verfügung. Wenn wir als Väter oder Mütter den Wunsch haben, unseren Kindern beim Lastentragen zu helfen und wenn wir Ihm das im Gebet sagen, dürfen wir sicher sein, dass Er uns Weisheit und Kraft dazu gibt.
Henning Panthel
Wenn Gott uns Lasten zu tragen gibt, lässt Er uns damit nicht allein. Dann trägt Er uns mitsamt unserer Last. Das wusste auch der König David, darum sagte er:
„Gepriesen sei der Herr! Tag für Tag trägt
er unsere Last; Gott ist unsere Rettung.“
Fußnoten:
Es ist, als ob der Apostel den Galatern folgenden Gedanken mitgeben will: „Wenn ihr nun unbedingt ein Gesetz halten wollt, dann erfüllt doch dieses Gesetz des Christus, das Gesetz der Liebe.“
Liebe Leser,
mit großer Dankbarkeit blicken wir auf zehn Jahre zurück, in denen diese Zeitschrift viele Familien auf ihrem Glaubensweg begleiten durfte. Dieses Jubiläum ist für uns ein Anlass zur Freude – und zum Innehalten über den Namen: „Bleibt in mir“.
Zuerst danken wir unserem Herrn:
Er hat Schreiber befähigt, aktuelle Themen anhand des Wortes Gottes zu beleuchten.
Immer wieder haben wir Rückmeldungen bekommen, dass einzelne Artikel Menschen genau im richtigen Moment erreicht und ermutigt haben – oft in Situationen, in denen sie es am meisten brauchten. Besonders bewegend ist das, wenn man bedenkt, dass zwischen dem Schreiben und der Veröffentlichung oft mehrere Monate liegen.
In den letzten zehn Jahren hat Er uns getragen, durch Höhen und Tiefen begleitet – oft auch durch unerwartete Herausforderungen.
Herzlichen Dank auch an euch Leser für euer Interesse an den Inhalten dieser Zeitschrift und eure vielen Gebete! Auch in Zukunft freuen wir uns über Ideen, Rückmeldungen oder Themenvorschläge, die uns helfen, mit den Artikeln nahe am Familienalltag zu bleiben.
Wenn wir über das Wort „Bleibt in mir“ (Joh 15,4) nachdenken, dürfen wir uns heute fragen:
Ist jeder persönlich in all den Jahren beim Herrn geblieben oder hoffentlich noch näher zu Ihm gekommen? Der Herr benutzt hier das Bild vom Weinstock und den Reben. Nur durch eine direkte Verbindung mit Ihm können wir wirklich glücklich sein und Frucht für den Vater bringen.
Vieles in unserer Welt hat sich in den vergangenen Jahren verändert: Denken wir nur an politische Wechsel, die Herausforderungen der Pandemie oder die vielfältigen Veränderungen in unserer Gesellschaft. Doch Er „ist derselbe gestern und heute und in Ewigkeit“ (Heb 13,8). Und wie tröstlich: Er bleibt treu.
So wollen wir uns gegenseitig ermuntern, bei Ihm zu bleiben und Ihm nachzufolgen.
Euer Johannes Grund

Martin Luther wurde einmal gefragt, wie er seinen Tag beginne.
„Bevor ich mit der Arbeit des Tages beginne,
verbringe ich eine Stunde im Gebet vor meinem Herrn“,
antwortete Luther sinngemäß.
„Jeden Morgen?“
„Jeden Morgen“, bestätigte Luther.
Ob er wirklich keine Ausnahme von dieser trauten Zwiesprache
mit seinem Herrn mache, wollte der Fragesteller wissen,
auch dann nicht, wenn Luther wisse, dass es an diesem Tag
besonders viel zu tun gebe.
„Doch“, gestand Luther ein,
„wenn es einmal sehr viel oder sehr Schweres zu tun gibt an einem Tag, dann mache ich eine Ausnahme:
Dann bete ich zwei Stunden.“

Möglicherweise fragt sich ein Leser dieser Überschrift, was wir als Christen mit diesem Thema zu tun haben. Im Lauf des Artikels wird allerdings deutlich werden, wie sehr wir in den gesellschaftlichen Bereichen, in denen wir notwendigerweise eingebunden sind, von den Auswirkungen des Gender-Mainstreaming betroffen sind. Deshalb ist es erforderlich, dass wir uns kritisch damit auseinandersetzen, eine biblische Position dazu finden und uns mit Gottes Hilfe richtig verhalten, ohne zu lange damit beschäftigt zu sein.
Das englische Wort „gender“ bedeutet übersetzt „Geschlecht“ und meint im Gegensatz zu dem Wort „sex“ (biologisches Geschlecht) das soziale Geschlecht und beinhaltet die Geschlechterrollen und -vorstellungen, die in einer Gesellschaft bestehen. Das Wort „Mainstreaming“ kann mit „Hauptströmung“ übersetzt werden, so dass „Gender- Mainstreaming“ dafür steht, die Geschlechterrollen innerhalb der Gesellschaft zu vereinheitlichen.
Alle Maßnahmen, die politisch und gesellschaftlich zu einer Gleichstellung und Gleichbehandlung von Mann und Frau führen sollen, werden unter dem Oberbegriff des „Gender-Mainstreaming“ zusammengefasst. Darunter werden unter anderem die Ziele der „Geschlechtergerechtigkeit“ und der „Gleichstellung der Geschlechter“ verfolgt, auf die in diesem Artikel später noch einmal in Form einer biblisch begründeten Stellungnahme eingegangen werden soll.
1999 wurden auf europäischer Ebene im „Amsterdamer Vertrag“ rechtsverbindliche Vereinbarungen getroffen, durch die sich die Mitgliedsstaaten der EU zu einer aktiven Gleichstellungspolitik im Sinne des Gender-Mainstreaming verpflichteten.
Schon 5 Jahre vorher, 1994, wurde das Grundgesetz in Deutschland dahingehend geändert, dass der Staat verpflichtet war, die Durchsetzung der Gleichberechtigung von Mann und Frau zu fördern. Auch wenn dabei der Begriff des Gender-Mainstreaming nicht verwendet wurde, geht diese nationale Gesetzgebung doch in genau die gleiche Richtung.
So sind also der Grundgedanke und die Ideologie des Gender-Mainstreaming durchaus nicht neu. Aber mittlerweile sind die Auswirkungen so präsent, dass wir die Augen nicht mehr davor verschließen können und für uns und vor allem unsere (Enkel-)Kinder einen Weg finden müssen, auf dem wir auch in dieser Frage an Gottes Hand und nach seinem Willen gehen können.
Ohne eine umfassende Untersuchung vorzunehmen, sollen einige entscheidende Inhalte der Ideologie des Gender-Mainstreaming genannt werden.
Im Gender-Mainstreaming wird die Auflösung der in der Gesellschaft bestehenden Rollenbilder von Mann und Frau aktiv betrieben. Heranwachsende werden bewusst zu einer kritischen Auseinandersetzung mit diesen Rollenbildern aufgefordert und in vielen Bereichen wird sogar ein Rollentausch herbeigeführt.
Die Gender-Mainstreaming-Bewegung bekennt sich offen zur Homosexualität.
Der Pluralismus (das Nebeneinander-Bestehen verschiedener Interessen und Lebensstile) wird im Gender-Mainstreaming gefördert. Das geht so weit, dass Umerziehungsmaßnahmen für andere Lebensstile unterstützt werden.
Da „gender“ das „soziale Geschlecht“ beschreibt, geht die Ideologie des Gender-Mainstreaming davon aus, dass geschlechtliche Rollen und Empfindungen nur durch das Umfeld und die Erziehung geprägt werden. Durch aktives Entwickeln und Herstellen einer Geschlechtsidentität und der Verhältnisse der Geschlechter untereinander („doing gender“) wird das persönliche Geschlecht und die eigene Rolle gestaltbar und veränderbar.
Dabei geht man so weit, dass man angeborene Geschlechtsunterschiede ablehnt und davon spricht, dass man nicht als „Mann“ oder „Frau“ geboren wird, sondern einfach als „Mensch“. Im Lauf der Entwicklung kann sich herausstellen – oder bewusst entschieden werden – welches Geschlecht man annehmen möchte. Die biologischen Unterschiede werden dabei als nebensächlich und durch medizinische Eingriffe veränderbar eingestuft.
Die ideologischen Inhalte des Gender-Mainstreaming haben vielfältigen Niederschlag gefunden. Einige Beispiele sollen deutlich machen, wie sehr wir davon in unserem Umfeld bereits geprägt werden.
In der Werbung wird bewusst eine Umkehrung der Rollenbilder von Mann und Frau vermittelt. So werden z.B. Frauen kaum noch in Verbindung mit Herd oder Waschmaschine gezeigt. Die Beschäftigung der Frau mit häuslichen Arbeiten soll aus dem Rollenbild verbannt werden.
In den Schulbüchern und Lehrinhalten wird darauf geachtet, dass bisherige Rollenbilder aufgelöst und pluralistische Lebensformen als normaler Bestandteil der Gesellschaft dargestellt werden. Homosexuelle Paare in den Aufgaben der Mathematikbücher und Inhalte der Ideologie des Gender-Mainstreaming in den Texten der Sprachunterrichte sind nur einige Beispiele dafür.
Die Einrichtung von Kinderkrippen soll für Mütter die Möglichkeit eröffnen, einer beruflichen Tätigkeit nachzugehen. Auch damit sollen die bisherigen Rollen aufgelöst und eine Gleichstellung der Geschlechter gefördert werden.
Auch in der Rechtsprechung findet das Gedankengut des Gender-Mainstreaming mehr und mehr seine Umsetzung (z.B. Gleichstellung homosexueller Paare, Ermöglichung der Eheschließung und Adoption von Kindern, etc.).
Das macht uns deutlich, dass wir vor dem Thema des Gender-Mainstreaming die Augen nicht mehr verschließen können. In vielen Lebensbereichen werden wir aktiv damit konfrontiert. Bei allen Einflüssen, die auf uns einwirken und die unser Denken und Verhalten prägen, ist es unbedingt erforderlich, die Gedanken Gottes zu kennen und zu verstehen. Dabei geht es nicht in erster Linie darum, eine Diskussion führen zu können oder öffentlich Stellung zu nehmen. Das ist in den seltensten Fällen unsere Aufgabe als Christen. Vielmehr geht es darum, eine persönliche Überzeugung zu haben, die sich auf Gottes Wort gründet und diese Überzeugung im persönlichen Leben zu verwirklichen.
Gott hat den Menschen nach 1. Mo 1,27 geschaffen – und zwar männlich und weiblich. Der Unterschied der Geschlechter ist also vom Schöpfer-Gott in seine Schöpfung gelegt worden. Eng damit verbunden ist die Ordnung, die der Schöpfer in seiner Schöpfung gelegt hat.
Diese Schöpfungsordnung beschreibt keine unterschiedliche Wertigkeit der Geschlechter, sondern die Rolle oder die Position, die Gott für den Mann und für die Frau gegeben hat. In der Wertigkeit gibt es keinen Unterschied – in der ersten Schöpfung nicht und erst recht nicht in der zweiten Schöpfung und der Stellung des Glaubenden vor Gott. „… da ist nicht Mann noch Frau“, sondern „einer in Christus“ (Gal 3,28).
In der Schöpfungsordnung gibt Gott dem Mann als Haupt die verantwortliche Position und die Aufgaben, die mehr nach außen gerichtet sind. Die Frau hat die Position der Unterordnung und die Aufgaben, die mehr nach innen, in den häuslichen Bereich, gerichtet sind (s. z.B. Tit 2,4.5 und 1. Tim 2,11).
Es ist für den Menschen zum Segen, wenn er diese Rollen ausfüllt, wie der Schöpfer sie gegeben hat. Das ist wahre Geschlechtergerechtigkeit im biblischen Sinn. Denn Gerechtigkeit bedeutet nicht, jeden gleich zu behandeln. Gerechtigkeit in diesem Zusammenhang bedeutet, jedem den Teil zu geben, der ihm zusteht. Wenn also Mann und Frau die Rolle einnehmen, die zu ihnen passt, weil der Schöpfer Mann und Frau entsprechend ausgestattet hat, dann ist das echte Gerechtigkeit.
Dabei unterscheiden wir im biblischen Sinn zwei Dinge im Blick auf die Gleichstellung der Geschlechter. Eine Gleichstellung im Sinn des Wertes von Mann und Frau in den Augen Gottes muss nicht hergestellt werden, sie besteht. Dagegen ist eine Gleichstellung in den Aufgaben und Rollen von Mann und Frau nicht in Übereinstimmung mit Gottes Wort. Gott hat eben Unterschiede gegeben und es ist nur zum Schaden, wenn diese Unterschiede aufgehoben werden.
Das Gedankengut des Gender-Mainstreaming richtet sich massiv gegen die Ehe als die von Gott gegebene Lebensgemeinschaft zwischen Mann und Frau. Es scheint, als sei es ein (verstecktes) Ziel dieser Bewegung, die Ehe in Frage zu stellen. Doch Gottes Gedanken ändern sich auch hier nicht. Er hat die Ehe gestiftet, die Ehe eines Mannes mit einer Frau als Verbindung auf Lebenszeit. Andere „Lebensformen“ wollte Gott nicht. Die Vielehe ist nicht nach seinen Gedanken und gleichgeschlechtliche Verbindungen sind Gott ein Gräuel (s. z. B. Röm 1,27 und 3. Mo 18,22).
Diese Frage stellt sich dem aufmerksamen Leser, der die biblische Stellungnahme zum Thema Gender-
Mainstreaming teilt. Ist es unsere Aufgabe, die biblische Position offensiv zu verbreiten? Ist es unsere Aufgabe, öffentlich Stellung zu beziehen, ohne danach gefragt worden zu sein? Der Autor vertritt die Ansicht, dass das in der Regel nicht die Aufgabe der Christen ist. Genauso wenig, wie es uns gelingen wird, das Gedankengut der Evolutionstheorie aus den Lehrplänen der Schulen zu verbannen, genauso wenig wird es uns gelingen, das Gedankengut des Gender-Mainstreaming aus der Welt zu schaffen.
Aber es ist unsere Pflicht, ein offenes Auge für die Gefahren zu haben, die von diesem Gedankengut ausgehen. Und wir müssen unsere Kinder vorbereiten auf das, womit sie konfrontiert werden. Wir wollen mit ihnen im Dialog bleiben, um zu wissen, was ihnen vermittelt wird. Und wir wollen mit Eifer und Energie dafür sorgen, sie mit den Gedanken Gottes vertraut zu machen, damit sie den Irrtum erkennen und die Wahrheit festhalten können. In manchen konkreten Situationen können wir Einfluss nehmen, z.B. auf die Unterrichtsgestaltung, auf die Umsetzung der Lehrpläne, auf die Filme, die unsere Kinder anschauen (müssen?) oder auf die Trainings, an denen sie teilnehmen sollen. Da können und sollen wir die Möglichkeiten ausnutzen, die uns zur Verfügung stehen. Vor allem wollen wir nachvollziehbar aus Gottes Wort die Wahrheit vorstellen und vorleben. Es ist wichtig, intensiv für eine nachkommende Generation zu beten, die besonders diesen Gefahren ausgesetzt ist.
Die Auswirkungen der Bewegung des Gender-Mainstreaming, der Gleichschaltung der Geschlechter, sind so präsent, dass wir unsere Augen nicht davor verschließen dürfen. Die Gefahren, die davon ausgehen, sollten wir kennen, ohne uns zu sehr mit dem Irrtum auseinander zu setzen. Zu unserem eigenen Schutz und dem unserer (Enkel-)Kinder sollten wir die Wahrheit des Wortes Gottes gut kennen und einen Schutzwall des Gebets und der Absonderung von dem Bösen um uns und unsere Häuser bauen. Dann gibt es auch heute noch einen Weg, auf dem Gott uns selbst und eine nachkommende Generation bewahren wird.
Christian Rosenthal