BleibtInMir

...denn außer mir könnt ihr nichts tun

Zeitschrift für die christliche Familie

Meine Gnade genügt dir

© Andy dean, fotolia.com

Wir leben in einer „gefahrvollen Zeit“, die in der Bibel (2. Tim 3,1) vorhergesagt wird und so ist es nicht leicht unsere Kinder recht aufzuziehen. Der Herr selbst sagt: „... habe Kinder großgezogen und auferzogen, und sie sind von mir abgefallen“ (Jes 1,2). Leider befindet sich in den Herzen unserer Kinder – und ebenso in unseren – das, was sie von Natur dazu bringt, in die verkehrte Richtung zu gehen und allein die Gnade Gottes ist hinreichend für alles, was die Eltern nötig haben. Gott sei Dank, dass Er unsere Kinder als „heilig“ bezeichnet (s. 1. Kor 7,14), und Er sagt: „Meine Gnade genügt dir“ (2.  Kor 12,9). Möge der Gott der Hoffnung mit euch sein, liebe Mit-Eltern.

Ein Großvater

Erziehe den Knaben seinem Weg entsprechend …

… er wird nicht davon weichen, auch wenn er alt wird. (Spr 22,6)

© Photographee.eu, fotolia.com

Dieser bekannte Bibelvers aus den Sprüchen Salomos ist zwar schon sehr alt, hat aber zweifellos eine zeitlose Gültigkeit. Für die Erziehung der Kinder sind in erster Linie die Eltern verantwortlich, auch wenn ihnen diese Aufgabe in der Gesellschaft, in der wir leben, mehr und mehr entzogen wird. Diesem Trend dürfen wir als Eltern nicht erliegen und deshalb fordert unser Bibelvers uns auf, die Erziehungsaufgabe ernst zu nehmen. Neben dieser Aufforderung enthält der Vers aber auch eine schöne Verheißung.

Erziehe den Knaben …

Zunächst geht es um Erziehung[1]. Erziehung erfordert Aktivität sei­tens des Erziehenden, indem er handelt und nicht passiv das (un­erwünschte) Verhalten des Kindes hinnimmt. Es geht darum, dem Kind durch geeignete Maßnahmen die vom Erzieher gewünschte Verhal­tensweise nahezubringen.
Zu den Elementen der Erziehung gibt die Bibel viele Hinweise. 1. Thessa­lonicher 2,7.11-12 nennt z.B. das Nähren, Pflegen, Ermahnen und Trösten. In Epheser 6,4 werden die Zucht und die Ermahnung ge­nannt[2].
Dabei handeln Eltern abhängig von der „Erziehungssituation“ und dem Alter des Kindes. Auch kulturelle und gesellschaftliche Gegebenhei­ten können einen Einfluss auf die Erziehung haben, wobei die Grund­sätze der Bibel immer gültig blei­ben.
Niemals sollten die Eltern willkür­lich handeln.
Das Ziel der Erziehung ist für alle glaubenden Eltern, ihre Kinder vor allem für den Herrn Jesus zu erzie­hen und nicht für irdischen Erfolg.
Es scheint, dass in unserem Den­ken der Begriff „Erziehung“ leicht negativ besetzt ist. Erziehung meint aber nicht nur Korrektur, Sanktion, Verbot, usw.; vielmehr gehören auch Motivation und Unterstützung po­sitiver Entwicklungen bei den Kin­dern dazu.
Beides kann überbetont werden und das wäre nachteilig. Wenn wir unsere Kinder nur zurechtweisen und Negatives bemängeln, werden wir sie entmutigen. Wir machen es ihnen unnötig schwer, der bibli­schen Aufforderung nachzukommen, ihre Eltern zu ehren.
Wenn wir andererseits keine Gren­zen aufzeigen und auch keine Kor­rekturmaßnahmen vornehmen, wer­den die Kinder später in einem we­niger geschützten Umfeld als dem Elternhaus „Lernerfahrungen“ ma­chen müssen.
Für Adonija, den Halbbruder Salo­mos, hatte die fehlende Erziehung durch seinen Vater bittere Folgen (s. 1. Kön 1,6) und auch Salomo weist im weiteren Verlauf der Sprü­che auf die Folgen dieses Mangels hin (s. Spr 29,15).

Erziehe den Knaben ...

Wenn der Hinweis bezüglich des Knabens gegeben wird, dann ist auch das Mädchen mit eingeschlos­sen[3].
Ein Knabe ist noch ein Kind und kein Erwachsener. Das ist ein Un­terschied zu dem Begriff „Sohn“. Sohn (oder Tochter) bleibt man ein Leben lang, Knabe ist man wäh­rend eines Zeitabschnitts in der Jugend.
Die Bedeutung liegt auf der Hand: Erziehung findet bei Kindern statt, nicht bei Erwachsenen. Wenn Kin­der zu Erwachsenen geworden sind und wir Defizite unserer Erziehung erkennen, ist es zu spät, diese Ver­säumnisse nachzuholen.
Die Aufforderungen an Söhne und Töchter, die Eltern zu ehren und durch ihr Verhalten zu erfreuen (z.B. Spr 10,1; 2. Mo 20,12), blei­ben davon unberührt, aber Erzie­hung ist dann nicht mehr ange­bracht.

Erziehe den Knaben seinem Weg entsprechend …

Die interessante Formulierung „sei­nem Weg entsprechend“ (oder sei­ner Weise, d.h. seiner Natur, ange­messen) ist sehr bedeutsam.
Wir denken daran, dass in ver­gleichbaren Situationen nicht alle Kinder mit den gleichen Maßnah­men zu erziehen sind. Oft sind die Charaktere so verschieden (sogar innerhalb einer Familie), dass bei dem einen 15-Jährigen andere Er­ziehungsmaßnahmen angebracht sind als bei seinem Bruder oder seiner Schwester, als sie im glei­chen Alter waren.
Das ist eine große Herausforde­rung für die Eltern. Gerechtigkeit in der Erziehung bedeutet eben nicht, jedes Kind gleich zu behan­deln, sondern in jeder Situation angemessen zu handeln.
Das verstehen Kinder nicht immer und dann kommt es zu Vorwürfen seitens der Kinder wie „das hätte ich niemals in dem Alter gedurft“. Unser Bibelvers ist dann eine gute Hilfe, den Kindern das Verhalten der Eltern zu erklären.
Wir denken aber auch an das Alter (und damit verbunden an das Ver­ständnis) der Kinder. Erziehungsme­thoden sind dem Verständnis der Kinder angemessen anzuwenden. Ein 15-Jähriger ist anders zu erzie­hen als ein 8-Jähriger.
Das klingt banal, manchmal meint man allerdings zu erkennen, dass aus Kindern kleine Erwachsene ge­macht oder Jugendliche wie kleine Kinder behandelt werden.
Bei älteren Kindern gehört auch eine zunehmende Übernahme von Verantwortung für Entscheidungen zur Erziehung. Wenn Erziehung nur über Ge- und Verbote stattfindet, wird es für Kinder schwierig, eige­ne Überzeugungen (vor allem im christlichen Bereich) zu entwickeln und für diese einzustehen.
Wir wollen uns als Eltern ermun­tern, sie dabei nicht allein zu las­sen, sondern beratend zur Seite zu stehen.
Für Eltern ist es auch eine Heraus­forderung, ihre Kinder „dem Weg entsprechend“ zu erziehen und nicht nach dem eigenen (vielleicht manchmal launischen) Gutdünken. Wie oft steht einer biblischen „Er­ziehung“ unsere alte Natur durch impulsives und unreflektiertes Ver­halten im Weg.

er wird nicht davon weichen, auch wenn er alt wird

Viele, die das Vorrecht hatten, in einem gläubigen Elternhaus aufzu­wachsen, erinnern sich als Erwach­sene, vielleicht als Eltern und Groß­eltern, an das eine oder andere, was sie im Elternhaus als „Erzie­hung dem Weg entsprechend“ ken­nenlernen durften.
Bei kurzem Nachdenken fällt dem Leser sicher manches Positive ein, das so prägend war, dass er es für sein eigenes Leben übernommen und vielleicht auch bei der eigenen Kindererziehung umgesetzt hat. Dann erlebt man die in unserem Bibelvers enthaltene Verheißung!
Trotz vieler Fehler der Eltern wird auch heute noch eine Erziehung nach den Grundsätzen der Bibel durch Gottes Gnade gute Prägung für die Kinder bewirken.
Und wie ist es nun, wenn trotz intensiven Gebets um Weisheit zur Erziehung und redlicher Bemü­hung der Eltern, die Kinder „ihrem Weg entsprechend“ zu erziehen, die Verheißung noch nicht einge­troffen ist?
Das Kind oder die Kinder weichen von dem ab, was die Eltern vermit­teln wollten! Gilt diese Verheißung dann nicht? Vielleicht erleben es die Eltern nicht mehr, dass gute Früchte einer gottesfürchtigen Er­ziehung aufgehen. Vielleicht gehen sie scheinbar nie auf.
Liegt die Ursache dann in einer nicht gottgemäßen Erziehung? Viel­leicht ist das der Grund. Denn als Eltern wissen wir, dass wir viele Fehler machen. Aber wir wollen mit unserem Urteil über andere Eltern äußerst zurückhaltend und vorsichtig sein! Wir überlassen es Gott.
Und wir denken daran, dass auch das Kind selbst Verantwortung trägt. Vielleicht hat es sich bewusst ge­gen das entschieden, was die Eltern in Übereinstimmung mit Gott ver­mitteln wollten.
Wir halten fest: Erinnerungen an das Elternhaus, an eine gottgemä­ße Erziehung, sind unauslöschlich – selbst wenn alle dort erfahrenen und gelernten Dinge scheinbar „mit Füßen getreten werden“. Die Gna­de des Herrn ist unerschöpflich und wir dürfen Ihm und seinem Wort auch an dieser Stelle vertrau­en.

Marco Steih


Fußnoten:

  1. „Unter Erziehung versteht man die pädagogische Einflussnahme auf die Entwicklung und das Verhal­ten Heranwachsender. Dabei beinhaltet der Begriff sowohl den Prozess als auch das Resultat dieser Einflussnahme." Brockhaus Enzyklopädie, Stich­wort „Erziehung“, Bd. 5, 17. Aufl., Wiesbaden 1968, S. 707, zitiert aus Wikipedia.

  2. In diesen Versen werden sowohl Väter als auch Mütter angesprochen. Die Erziehungsweisen von Vater und Mutter scheinen unterschiedlich in ih­ren Schwerpunkten zu sein – wie es eben der Auf­gabe der Väter und Mütter ist. Dabei möchte ich betonen, dass es offensichtlich nicht so ist, dass der Vater ausschließlich den „strengen Teil“ über­nimmt (s. 1. Thes 2,12: trösten; ermahnen bedeu­tet zudem auch ermuntern, motivieren).

  3. Es wird in der Bibel häufig nur das hauptverant­wortliche Geschlecht angesprochen und das ande­re ist mit eingeschlossen (z.B. die Ansprache „Brü­der“ im Neuen Testament umfasst oft auch die Schwestern).

Vom Unruhestifter zum Segensbringer (Teil 10)

Jakobs letzter Lebensabschnitt in Ägypten – 1. Teil (1. Mo 46-47)

© Photographee.eu, fotolia.com

Altersumstände

130 Jahre ist Jakob alt (s. 1. Mo 47,9), als er den Entschluss fasst, mit der ganzen Familie nach Ägypten zu ziehen (1. Mo 45,28). Er ist es, der aufbricht, und doch führen seine Söhne ihn (s. 1. Mo 46,1.5).
Ist dies nicht eine schöne Illustration, wie erwachsene Kinder, die schon selbst Familien haben, ihre alt gewordenen Eltern ehren können, indem sie sie nicht entmündigen, aber ihnen doch behilflich sind, ihre Entscheidungen praktisch zu verwirklichen?
Andererseits fällt es alt gewordenen Eltern, vor allem wenn sie vorher sehr aktiv waren, oft schwer, die Einschränkungen, die das Alter mit sich bringt, zu akzeptieren und die von den Kindern angebotene Hilfe anzunehmen. Auch das muss gelernt werden.

Das Wiedersehen mit Joseph

Nach vielen Jahren der Trennung, während derer Jakob glaubte, dass Joseph tot sei, sehen sich die bei­den wieder. Joseph fällt seinem Va­ter um den Hals und weint dort lan­ge (s. 1. Mo 46, 28-30). In unserer mobilen Gesellschaft sind heute lange Trennungen seltener, es sei denn, dass etwas zwischen den Per­sonen steht und eine Begegnung nicht gesucht wird. Wie schön ist es aber, wenn Gott eine Versöh­nung bewirken kann und dann eine solche Begegnung stattfindet.

Josephs Sorge um den Wohnort seiner Brüder

Joseph will dafür sorgen, dass sei­ne Brüder mit dem Land Gosen ei­nerseits das beste Weideland in Ägypten bekommen und anderer­seits abgesondert von den Ägyp­tern wohnen. In Bezug auf das Letztere sollten sie nicht verbergen, dass sie Schafhirten waren, die von den Ägyptern verabscheut wurden.
Wir können nicht aus der Welt hin­ausgehen, doch sollten wir bei der Wahl unseres Wohnortes darauf achten, dass wir, und vor allem un­sere Kinder, nicht mit zu vielen Ver­suchungen konfrontiert werden. Auch andere Entscheidungen, wie z.B. die Wahl der Schule für unsere Kinder, müssen in Abhängigkeit vom Herrn geschehen. Ganztagsschulen z.B. schränken die Zeit für die Ge­meinschaft mit unseren Kindern und die Möglichkeit der Erziehung sehr ein. Auch wir brauchen bei Vorstel­lungsgesprächen nicht zu verschwei­gen, dass wir Christen sind. Das kann im Vorfeld manches klä­ren.

Jakob vor dem Pharao

Dann stellt Joseph dem Pharao sei­nen Vater vor. Jakob, der einfache Schafhirte, ist sich vor dem mäch­tigsten Mann auf der Erde seiner Würde als Mann Gottes wohl bewusst und segnet den Pharao (s. Heb 7,7). Er war von seinem Va­ter Isaak (s. 1. Mo 27,27; 28,1) und von Gott gesegnet worden (s. 1. Mo 32,29; 35,9) und nun durfte er an­dere segnen.
Auch wir sollen segnen, selbst die, welche uns Böses tun (s. Röm 12,4; 1. Pet 3,9). Die Apostel haben dies getan (s. 1. Kor 4,12).
Der Pharao, sichtlich beeindruckt von dem Patriarchen, erkundigt sich nach dessen Alter. Jakob, der die Wertschätzung des Pharaos spürt, macht sich klein. Sein Urteil über sich selbst ist: „Wenig und böse waren die Tage meiner Lebensjah­re“ (1. Mo 47,9).

  • Wie denken wir über uns? Wir sollen nicht höher von uns den­ken als es sich gebührt (s. Röm 12,3).
  • Wir sollen darauf bedacht sein, dass andere nicht zu hoch von uns denken (s. 2. Kor 12,6).
  • Wir sollen den anderen höher ach­ten als uns selbst (s. Phil 2,3).

Wie wichtig sind diese drei Punk­te!
Jakob spricht aber auch zweimal von seiner Fremdlingschaft. Ja, auch er bekannte, dass er ein Fremder ohne Bürgerrecht auf der Erde war und nach einem himmlischen Va­terland trachtete, weshalb sich Gott auch nicht schämte, der Gott Ja­kobs zu sein (s. Heb 11,13-16).
Auch wir sind als Genossen der himmlischen Berufung Fremdlinge in diese Welt: Als solche soll unser Leben durch Furcht gegenüber Gott und Ehrbarkeit gegenüber den Men­schen gekennzeichnet sein (s. 1. Pet 1,17; 2, 11).

Joseph versorgt das Haus seines Vaters

Jakob und seine Familie erhalten den besten, fruchtbarsten Teil des Landes und Joseph versorgt alle auf gerechte Weise.
So versorgte der Herr Jesus auch seine Jünger – sie mussten aner­kennen, dass ihnen nie etwas ge­fehlt hatte (s. Lk 22,35). Auch wir dürfen alle unsere Sorge auf Gott werfen, denn Er ist besorgt für uns (s. 1. Pet 5,7).

Jakob regelt seine Beerdigung

Jakob wusste, anders als sein Va­ter Isaak, der Jakob viel zu früh segne­te, dass die Zeit seines Abschei­dens nahte. Er lässt Joseph kom­men, von dem Gott ihm gesagt hatte, dass er seine Hand auf seine Au­gen legen würde. Joseph muss ihm schwören, dass er ihn in dem ver­heißenen Land begraben würde.
Für uns ist es nicht so wichtig wo wir begraben werden, weil wir eine himmlische Hoffnung haben. Aber es ist wichtig, dass wir begra­ben werden und nicht eine andere Form der Bestattung durchgeführt wird. Dafür sollten auch wir Sorge tra­gen. Auch die Art, wie wir sterben, sollten wir rechtzeitig festlegen für den Fall, dass über sogenannte le­benserhaltende Maßnahmen ent­schieden werden muss, ohne dass wir das selbst noch können (Pati­entenverfügung), damit nicht an­dere dies für uns entscheiden (müs­sen).

Jakob betet an

Nachdem dies geregelt ist und Jo­seph ihm geschworen hat, seinen Wunsch zu erfüllen, betet Jakob am Kopfende seines Bettes über der Spitze seines Stabes an (s. Heb 11,21). Wie ergreifend ist dies.
13 Jahre vorher hatte er zu dem Pharao gesagt, dass seine Tage we­nige und böse waren. Dabei hatte er an sein Versagen gedacht. Nun aber dachte er sicher an alles, was Gott in seinem Leben getan hatte. Da konnte er nur noch anbeten. Er war nun, am Ende seines Pilgerle­bens, mit Gott ganz im Reinen. Er hatte eine ungetrübte Gemeinschaft mit Ihm. Gott war mit ihm zu sei­nem Ziel gekommen.
Wünschen wir uns das nicht auch alle? Solange noch irgendetwas un­ser Gewissen oder unsere Seele be­lastet, ist unser Verhältnis zu Gott getrübt. Soll dieser Zustand andau­ern? Wollen wir die uns belasten­den Dinge nicht ordnen und be­kennen? Damit sollte man nicht bis zum Ende warten, dessen Zeitpunkt wir auch gar nicht kennen. Gott will heute noch mit uns ungetrübte Gemeinschaft haben.

Horst Zielfeld

Wenn eure Kinder euch fragen… (Teil 2)

© coloures-Pic, fotolia.com

In Heft 4/2017 haben wir über die schöne Aufgabe nachgedacht, einer nachkommenden Generation Glaubenswahrheiten und Glaubenserfahrungen weiterzugeben. Damit kommen wir jetzt zu drei Begebenheiten, bei denen Gottes Wort ausdrücklich darauf hinweist, dass die Kinder Fragen stellen werden und wie diese Fragen beantwortet werden sollen. Dabei wird uns der Herr Jesus groß und auch die Aufgabe, von Ihm und seinem Werk mit den großartigen Auswirkungen für uns etwas weiterzugeben.

Das Passah in Ägypten

In 2. Mose 12 zeigt Gott seinem Volk den Weg, um vor dem Gericht der zehnten Plage verschont zu blei­ben. Es ist das Passahopfer. In Verbin­dung mit diesem Passah in Ägyp­ten gibt Gott die Anweisung, auch im Land, in das sie kommen wür­den, das Passah zu feiern.
Es ist ein Fest, das der Herr seinem Volk gab, bei dem sie sich freudig an das erinnern durften, was in Ägypten geschehen war. Dann wür­den die Kinder fragen: „Was soll euch dieser Dienst?“ Und das wäre die Gelegenheit, ihnen von der Nacht in Ägypten zu erzählen, in der die Israeliten im Schutz des Blutes des Passahlammes waren und verschont wurden (s. 2. Mo 12,25-27).

Die vorbildliche Bedeutung

Das Passah in Ägypten spricht für uns von dem Tod des Herrn Jesus, unserem wahren Passah (s. 1. Kor 5,7). Er hat den Preis seines Le­bens gezahlt, damit wir gerettet werden konnten. Er ist unser Stell­vertreter geworden!
So wie die Israeliten im Anschluss an das Passahfest während einer Zeit von sieben Tagen nichts Ge­säuertes essen durften (es war das Fest der ungesäuerten Brote), so soll für uns ein ganzes Leben (sie­ben Tage) der Freude (eine Festfei­er) ohne Sauerteig der Sünde auf die Annahme des Opfers des Herrn Jesus im Glauben folgen. Doch auch die jährliche Erinnerung durch das immer wiederkehrende Passahfest hat für uns eine geistli­che Bedeutung. Sie erinnert uns an das Mahl des Herrn, das wir an sei­nem Tisch zu seinem Gedächtnis je­den Sonntag haben dürfen. Es ist nicht zuletzt an jedem ersten Tag der Woche eine Erinnerung an das, was Er am Kreuz auf Golgatha getan hat.

Die Kinder gehören dazu

Darum sollten unsere Kinder dabei sein, sobald es möglich ist. Es mag sein, dass es bis zu einem gewis­sen Alter für die Kinder selbst und für die anderen Anwesenden zu an­strengend ist. Doch früher als wir denken, sind die Kinder in der Lage, mit dabei zu sein und etwas aufzu­nehmen, wenn wir den Tod des Herrn Jesus verkündigen.[1]
Wie selbstverständlich werden dann Fragen bei den Kindern entstehen über das, was wir dort tun und auch darüber, wie wir es tun und an welchem geistlichen Ort wir es tun. Können wir diese Fragen der Kinder dann kindgerecht und al­tersentsprechend beantworten?
Spüren die Kinder, was es uns be­deutet, den Wunsch des Herrn Je­sus regelmäßig zu erfüllen? Erken­nen sie unseren Wunsch, es am richtigen Ort und mit der richtigen Herzenseinstellung zu tun? Dann werden sie selbst Freude daran be­kommen und gerne mit dabei sein.

Der Auszug aus Ägypten

Unmittelbar nach dem Auszug aus Ägypten gibt Gott die Anweisung bezüglich der Erstgeburt. Sie gehört ausnahmslos Ihm, ob es sich um die Erstgeburt des Menschen oder des Viehs handelt. Deshalb sollte jeder erstgeborene Sohn gelöst wer­den, indem an seiner Stelle ein Op­fer für den Herrn gegeben wurde.[2]
Auch das würde Fragen bei dem Sohn hervorrufen, die der Vater be­antworten sollte, indem er an das Gericht an der Erstgeburt in Ägyp­ten und an die Rettung des Herrn erinnerte. Diese Erinnerung sollte das ganze Tun und Denken des Is­raeliten prägen (s. 2. Mo 13,14-16).
Wir verstehen heute gut, was die geistliche Lektion für uns ist. Wir sind um einen Preis erkauft und wir gehören Gott (s. 1. Kor 6,20)! Un­ser ganzes Leben und Sein gehört Ihm, Er hat einen Besitzanspruch an uns. Wir sind geheiligt, d.h. reser­viert für Ihn, und das wird unser Leben prägen.
Da stellt sich die Frage, ob ich das bewusst so lebe. Wenn ich es tue, dann werden die Kinder es bemer­ken. Und sie werden Fragen stellen.
Weiterhin stellt sich die Frage, ob ich das bewusst meinen Kindern ver­mittele. Ist genau das unser wich­tigstes Erziehungsprinzip – die Kin­der für den Herrn Jesus zu erzie­hen? Oder möchten wir sie vor allem zu einem möglichst angese­henen und angenehmen Leben in dieser Welt erziehen?
Wir dürfen und sollen unseren Kin­dern vermitteln, dass sie dem Herrn gehören und dass Er einen Besitz­anspruch an sie hat. Das wird zum größten Segen für sie selbst sein und auch zur Ehre des Herrn, der so viel für uns getan hat.

Der Einzug in das Land Kanaan

Um in das Land Kanaan zu kom­men, musste das Volk Israel durch den Jordan ziehen. Der Durchzug durch den Jordan ist ein weiteres Bild des Todes des Herrn Jesus in einer Reihe von drei Bildern, die unmittelbar zusammengehören.

  • Das Passah: Der Herr Jesus ist stellvertretend für uns gestorben. Somit haben wir Verschonung vom Gericht Gottes.
  • Der Durchzug durch das Rote Meer: Christus ist gestorben und wir sind mit Ihm gestorben. Dadurch sind wir befreit von der Macht Satans und aus der Welt.
  • Der Durchzug durch den Jordan: Christus ist gestorben und wir mit Ihm. Dadurch sind wir pas­send oder „fähig gemacht zu dem Anteil am Erbe der Heiligen in dem Licht“ (Kol 1,12). Wir besit­zen geistliche Segnungen und sind in der Lage, sie zu genießen. Wir wissen, dass wir nicht nur mit Ihm gestorben, sondern auch mit­auferweckt und mitlebendig ge­macht sind, obwohl das Bild des Jordan das nur andeutet.

Rotes Meer und Jordan

Der Durchzug durch das Rote Meer trennte die Israeliten von Ägypten und befreite sie von der Macht des Pharaos. Der Durchzug durch den Jordan brachte sie in das Land Ka­naan. Dass diese beiden Bilder zu­sammengehören, macht z.B. Psalm 66,6 deutlich. Dort wird das Meer (das Rote Meer) in einem Vers mit dem Strom (dem Jordan) genannt, um den Weg des Volkes in die Freu­de Kanaans zu beschreiben.
Für Israel lag dazwischen die Wüste. Für uns verstehen wir, dass wir zwar befreit aus der Welt, aber noch in der Welt, auf dem Weg (durch die Wüste) und zugleich in Christus schon in den himmlischen Örtern (Kanaan) sind.

Weitere Bilder des Todes des Herrn Jesus

Neben diesen drei Bildern von dem Tod des Herrn Jesus und seinen Aus­wirkungen für uns möchte ich ger­ne noch drei weitere Bilder nen­nen, die während der Wüstenreise des Volkes Israel von Bedeutung sind.

  • Der geschlagene Felsen: Das Ge­richt, das der Herr Jesus ertragen hat, und sein Tod, durch den uns jeder Segen und jede notwendi­ge Hilfe zur Verfügung stehen. Die­se Hilfe erfahren wir jetzt durch den Herrn Jesus, der unser großer Hoherpriester ist.
  • Das Opfer der roten jungen Kuh: Das Opfer des Herrn Jesus, das so groß ist, dass dadurch auch Reinigung von jeder Verunreini­gung nach unserer Bekehrung möglich ist.
  • Die kupferne Schlange: Der Herr Jesus am Kreuz im Gericht über die Sünde und zur Sünde ge­macht. Wir lernen, dass Gott nichts von uns erwartet und dass wir befreit sind von der Macht der Sünde, um in Neuheit des Lebens zu wandeln.

Die Lektion der Steine

Wie groß ist das Werk des Herrn Jesus! Wie sehr berührt es unsere Herzen, wenn wir Ihn in seinen Lei­den und in seinem Tod sehen. Ge­nau das werden wir jetzt erken­nen, wenn wir zu den Steinen kom­men, die in Verbindung mit dem Durchzug durch den Jordan er­wähnt werden.
Zwölf Steine stellte Josua in der Mitte des Jordan auf, an der Stelle, wo die Füße der Priester mit der Bundeslade gestanden hatten (s. Jos 4,9). Nachdem das ganze Volk durch den Jordan gezogen war, trugen die Priester die Lade ebenfalls an das andere Ufer und die Wasser des Jordan flossen weiter. Die Steine in der Mitte des Jordan sah man nun nicht mehr.
So verstehen wir gut, dass das, was wir vor unserer Bekehrung waren, im Tod des Herrn Jesus zu Ende gekommen ist. Gott sieht es nicht mehr. Der alte Mensch ist mitge­kreuzigt (s. Röm 6,3-6). Das Alte ist vergangen. Herrliche Wahrheit, die wir tief in unsere Herzen fassen wollen!
Doch die besondere Aufmerksam­keit gilt anderen zwölf Steinen. Josua sollte sie aus der Mitte des Jordan mitnehmen und auf der anderen Seite in Gilgal aufstellen (s. Jos 4,20). Diese Steine würden ein Denkmal sein und für immer daran erinnern, wie der Herr sein Volk durch den Jordan geführt und in das Land Kanaan gebracht hatte.
Sie sprechen für uns vom dem, was wir jetzt in Christus sind – heilig und untadelig vor Gott in Liebe; für immer vollkommen gemacht; eine neue Schöpfung; vor Gott in Chris­tus; in Ihm gesegnet mit jeder geistlichen Segnung (s. Eph 1, 3-4). Damit das möglich wurde, musste der Herr Jesus so sehr leiden! Er musste in den Tod gehen!

Was bedeuten diese Steine?

Die Kinder würden die Steine in Gilgal sehen und nach der Bedeu­tung fragen. Das würde ein will­kommener Anlass sein für die Erin­nerung an das große Werk Gottes, der sein Volk auf trockenem Fuß durch den Jordan gebracht hatte, obwohl der Fluss damals voll war über beide Ufer (s. Jos 3,15). Kön­nen wir unseren Kindern die Be­deutung des Todes des Herrn Jesus und seine Folgen für uns erklären? Es ist ein herrliches Thema, über das wir mit unseren Kindern spre­chen dürfen!

Was bedeuten euch diese Steine?

Doch nicht nur die Bedeutung als solche ist wichtig. Die Kinder wür­den auch danach fragen, was diese Steine ganz persönlich für ihre El­tern bedeuten, was sie damit ver­binden und welche Wertschätzung sie dafür haben (s. Jos 4,5-6). Das ist ein Gedanke, der in unsere Herzen leuchtet. Es geht um die Frage, welchen Wert das Werk des Herrn Jesus für mich persönlich hat; welchen Wert seine Person in meinen Augen hat und was sie mir bedeutet.
Meine Kinder werden spüren, was in meinem Herzen ist, wenn ich über den Herrn Jesus nachdenke und von Ihm spreche. Wie sehr wird das ein prägender Eindruck für die nachkommende Generation sein, wenn in unseren Herzen mehr Wertschätzung und Bewunderung für den Herrn Jesus ist!

Christian Rosenthal


Fußnoten:

  1. Unnötige Störungen durch Kinder wollen wir als El­tern gerne vermeiden. Doch auf der anderen Sei­te ist auch ein gutes Stück Geduld gefragt, denn gerne werden wir als Mitgeschwister junge Eltern dabei unterstützen, ihre Kinder früh mit in die Ge­genwart des Herrn zu bringen. Wie sonst sollte bei den Kin­dern der Wunsch geweckt werden, da zu sein, wo der Herr Jesus in der Mitte ist?

  2. Später würde Gott den Stamm Levi anstelle der Erstgeburt nehmen (s. 4. Mo 3,41.45).

Das ist ER, Jesus Christus

Seelische Verstimmungen: Es gibt Hilfe!

© DREIDREIEINS Foto, fotolia.com
„Sie blickten auf ihn und wurden erheitert, und ihre Angesichter wurden nicht beschämt.“
(Psalm 34,6)


Seelische Tiefs – auch Christen sind davon nicht ausgenommen. Vielleicht siehst du momentan alles grau in grau, bist niedergedrückt und kannst dich nicht mehr recht freuen. Die Gedanken kreisen immer um die gleichen Probleme.

Aktuelle Fragen – auch für Christen

Du wunderst dich manchmal, dass andere mit einem Problem recht gut klarkommen (so scheint es dir jedenfalls), während für dich eine Welt zusammenbricht. Durch die belastende Diagnose des Arztes, die Sorgen im Berufs- und Familienle­ben und die oft zermürbenden zwi­schenmenschlichen Probleme fühlst du dich ungerecht behandelt. Da kann es sein, dass du auch als Christ alles nur noch negativ siehst.
Du fragst dich: Wie komme ich da heraus? Wie kann ich mein seeli­sches Tief überwinden?[1]

Zwei Hilfestellungen

Bei der Überwindung bedrückender Verstimmungen können uns zwei Hinweise weiterhelfen:
Richten wir zum einen den Glau­bensblick auf unseren Herrn JesusChristus, wie wir in Hebräer 12,2 aufgefordert werden:„Hinschauendauf Jesus, den Anfänger und Vollen­der des Glaubens“.
Und wählen wir zum anderen ganz bewusst ermutigende Gedanken, indem wir beispielsweise mindes­tens einmal am Tag überlegen, wofür wir alles danken können (s. Kol 3,15).
Die Judenchristen in und um Jeru­salem waren in großer Bedrängnis, sie hatten viel „Kampf der Leiden“ zu erdulden, wurden um ihres Glau­bens willen angefeindet und ihrer Güter beraubt. Den Widerspruch ih­rer Landsleute zu erleben, bedrück­te sie. Sie waren drauf und dran, im Glaubensleben zu ermüden und in ihren Seelen zu ermatten (s. Heb 10,32ff.; 12,3).
Aber durch das Hinschauen auf den Herrn Jesus bekamen sie Zuver­sicht und Hoffnung.

Die Blickrichtung entscheidet

Dass unsere Blickrichtung wichtig ist, können wir uns an einem Bei­spiel verdeutlichen:
Zwei Menschen im Gefängnis schau­en durch dasselbe Gitter. Doch sie reagieren ganz verschieden. Der eine sieht nur das Gitter und rea­giert mit Trauer und Verzweiflung. Der andere sieht durch das Gitter die Sonne und verspürt ihre Wär­me und freut sich darüber.
Marc Aurel, der römische Kaiser und Philosoph, hat schon vor 2000 Jah­ren gesagt: „Der Mensch ist das, wozu ihn seine Gedanken ma­chen.“
Stehen wir nicht hin und wieder in Gefahr, nur das Negative – nur die Schwierigkeiten – zu sehen? Ist es verwunderlich, wenn wir dann nie­dergeschlagen und mutlos sind?

Die Erfahrung Jeremias

In den Klageliedern (einer Schatz­truhe des Trostes und der Unter­weisung) lesen wir von der Nieder­geschlagenheit des Propheten Je­remia angesichts der schlimmen Verwüstung Jerusalems und der Nöte seiner Bewohner: „Durch Trä­nen vergehen meine Augen, meine Eingeweide wallen, meine Leber hat sich zur Erde ergossen: wegen der Zertrümmerung der Tochter meines Volkes, weil Kind und Säug­ling auf den Straßen der Stadt ver­schmachten“ (Kap. 2,11).
Tief betroffen über die Not unter dem Volk Gottes ist er „der Mann, der Elend gesehen hat“, um den alles nur „Finsternis und Dunkel“ ist, der zu Gott ruft und meint, Gott hemme sein Gebet. Schließ­lich ruft er aus: „Er … hat mich niedergedrückt in die Asche. Und du verstießest meine Seele vom Frieden, ich habe das Gute verges­sen“ (s. Kap. 3,1.2.8.16.17).
Die Folge war, dass er meinte, nun sei seine Lebenskraft dahin (s. Kap. 3,18). Verzweifelt wendet er sich an seinen Gott: „Gedenke meines Elends und meines Umherirrens, des Wermuts und der Bitterkeit!“ (Kap. 3,19).
Und weil seine Seele beständig daran denkt – nur mit den Um­ständen beschäftigt ist, ist sie nie­dergebeugt … (s. Kap. 3,20).
Die ne­gativen Gefühle gewinnen die Ober­hand.
Aber der barmherzige Gott lässt seinen bedrückten Diener nicht ohne Antwort und richtet seinen Blick von den Umständen weg nach oben, und zwar

  • auf die Gütigkeiten des Herrn,
  • auf seine Erbarmungen, die nicht zu Ende sind, sondern vielmehr jeden Morgen neu
  • und auf die Tatsache, dass seine Treue groß ist (s. Kap. 3,22.23).

Das will Jeremia sich zu Herzen nehmen – darauf will er hoffen: „Der Herr ist mein Teil, sagt mei­ne Seele“ – und „der Herr ist gütig gegen die, die auf ihn harren“ (Kap. 3,21.24.25).
Nun kann Jeremia wieder anderen aus seiner Erfahrung Mut zuspre­chen: „Es ist gut, dass man still warte auf die Rettung des Herrn!“ Er ist sich sicher: Wenn mein Herr auch betrübt hat, erbarmt Er sich doch wieder über uns nach der Menge seiner Gütigkeiten (s. Kap. 3,26.32).
Schließlich bezeugt er voll Dank: Gott hat meine Stimme gehört, Er hat sein Ohr nicht vor meinem Seuf­zen verschlossen. Er hat sich mir genaht an dem Tag, an dem ich zu Ihm betete. Ich habe die tröstenden Wor­te aus seinem Mund gehört: „Fürch­te dich nicht!“ (Kap. 3,56.57).

Der Blickwechsel der Söhne Korahs

Die Söhne Korahs gingen trauend umher wegen der Bedrückung durch die Feinde, ihre Tränen wa­ren ihnen zur Speise geworden.Deprimiert erinnerten sie sich an vergangene Tage, als sie mit der Stimme des Lobes zum Haus des Herrn gingen.
Sie überlegten: „Ich will in miraus­schütten meine Seele“ – was ihre Gefühle der Niedergeschlagenheit noch verstärkte. Hätten sie doch sofort „ihr Herz vor Gott ausge­schüttet“ (s. Ps 62,9) oder es dem Elenden in Psalm 102,1 gleichge­tan, der seine Klage vor dem Herrn ausschüttete.
Aber dann richten auch sie ihren Blick auf den „lebendigen Gott, den Gott ihres Lebens, den Gott, als ihren Fels, den Gott ihrer Stär­ke“ und sogleich kommt ihre Seele zur Ruhe. „Harre auf Gott“, sagen sie wie zu sich selbst, „denn ich werde ihn noch preisen, der die Rettung meines Angesichts und mein Gott ist“(s. Ps 42 u. 43).

Die Zuversicht des Apostels Paulus

Selbst wenn Paulus, der Apostel, manchmal keinen Ausweg sah, so war dennoch sein Denken voll Zu­versicht. Er war sich bewusst: Mein Gott kennt keine ausweglosen Si­tuationen. Deshalb „ermattete er nicht“ und war „allezeit guten Mu­tes“ (2. Kor 4,8.16; 5,6).

Die Wirkung der Gedanken

Die Seelenübungen dieser Männer Gottes zeigen uns die enge Verbin­dung zwischen Geist, Seele und Körper. Welche Gefühle wir haben, hängt eben wesentlich von der Art unserer Gedanken ab. Und sogar das körperliche Befinden kann durch den Zustand der Seele be­einflusst werden.
Deshalb ist es außerordentlich wich­tig, wie wir eine Situation bewer­ten, wie wir darüber denken. Es wird unsere Gefühle und unser Tun beeinflussen.
Schauen wir wieder auf den Herrn Jesus allein, d. h. wegschauend von allem anderen auf IHN hin(s. Heb 12,2). Er hat zugesagt, dass Er auchdich, so wie du bist, liebt (s. Joh 13,1; Jes 43,4). Bei Ihm darfst du dich verstanden und geborgen wis­sen.
Wenn dir eine Sorgenlast zu schaf­fen macht, dann denke daran:
Die Not trifft mich nur, weil mein Vater im Himmel es für gut befun­den hat. Er hat mich lieb (s. Joh 16,27). Er hat immer nur das Beste für mich im Auge. Er hat mir ja verheißen, dass mir alle Dinge zum Guten mitwirken (s. Röm 8,28).
Deshalb sprich jede Sorge vor Ihm aus. Dass Er lebt, bedeutet ja, dass Er dich hört und eine Antwort geben kann.

Und seid dankbar“ (Kol 3,15)

Gott zu preisen und Ihm allezeit für alles zu danken ist die beste Medi­zin für die Seele, die der himm­li­sche Arzt zur regelmäßigen Einnah­me verordnet. Denn „Danken schützt vor Wanken, Loben zieht nach oben“.
Im Danken liegt Sieg: „Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unseren Herrn Jesus Chris­tus!“ (1. Kor 15,57).

Friedhelm Müller


Fußnoten:

  1. Dieser Artikel beschäftigt sich nicht mit seelischen Erkrankungen wie Depressionen o.ä. In diesen Fällen kann nur geraten werden, geeignete medizinische Hilfe eines möglichst gläubigen Facharztes in Anspruch zu  nehmen.

Dem künftigen Geschlecht erzählen

© rh2010, fotolia.com
© cicisbeo, fotolia.com

Psalm 48 bezieht sich prophetisch auf eine noch zukünftige Zeit zu Beginn des Tausendjährigen Reiches, wenn der Herr Jesus in Herrlichkeit erscheinen wird, um Jerusalem vor den Angriffen seiner Feinde zu bewahren und zu „befestigen bis in Ewigkeit" (V. 9). Die ganze Erde wird sich zu jener Zeit über die Schönheit Zions freuen (V. 3).
Der Psalmist fordert die Juden auf, Jerusalem zu umgehen und dabei seine Schönheit genau anzuschauen: Seine Türme zu zählen, seine Wälle genau zu betrachten und seine Paläste zu mustern (s. V. 13.14). Sie sollen ein detailliertes Bild von der „Stadt des großen Königs“ gewinnen, um es dem künftigen Geschlecht erzählen zu können (s. V. 14; Ps 71,18; Ps 78,4). Gott möchte, dass auch die nachfolgenden Generationen von der Schönheit Jerusalems erfahren.

Das Wohnen Gottes auf der Erde

Im Tausendjährigen Reich wird Gott wieder in Jerusalem in der Mitte seines irdischen Volkes wohnen (s. Hes 43,7; Sach 8,3). Wenn unse­re Beziehung zu Gott als solche, die zu seiner Versammlung gehören, auch viel inniger und herrlicher ist, so ist das Wohnen Gottes inmitten seines irdischen Volkes nichtsdesto­trotz ein Ausdruck seiner großen Liebe und Gnade diesem Volk ge­genüber.
Da, wo Gott wohnt, offenbart Er sich. Seine Herrlichkeiten werden sicht­bar. Dies wird ganz besonders in den Anordnungen bezüglich des Tempels und der Stiftshütte deut­lich, wo in allem der Heiligkeit und Herrlichkeit Gottes Rechnung ge­tragen werden musste.
Von dieser Herrlichkeit Gottes sol­len die Juden, die in Psalm 48 an­gesprochen werden, einen tiefen Eindruck bekommen. Zunächst für sich selbst, doch dann auch, um davon weiterzugeben.

Ein Auftrag auch für uns

Das, was damals den Juden galt, gilt auch uns heute: Es ist der Wunsch des Herrn und die Absicht des Hei­ligen Geistes, dass wir das weiter­geben, was wir gesehen haben. Nicht nur in Bezug auf das Wohnen Gottes auf der Erde (in der Ver­sammlung), sondern in Bezug auf alle Wahrheiten des Wortes Gottes. Wir sollen uns die Wahrheiten des Wortes Gottes genau ansehen, um sie unseren Mitmenschen (und Kindern) erzählen zu können.
Durch die regelmäßige Beschäfti­gung mit Gottes Wort gewinnen wir ein „Bild gesunder Worte“ (2. Tim 1,13), das wir unseren Kindern (und Enkelkindern) „zeigen“ können. Aber das ist noch nicht alles. Der Heilige Geist möchte, dass wir in den Schrif­ten vor allem die Person des Herrn Jesus selbst suchen, denn davon zeugt er (s. Joh 5,39).
Wir werden aufgefordert, (immer wieder) seine Herrlichkeit anzu­schauen, um nach demselben Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit ver­wandelt zu werden, als durch den Herrn, den Geist (s. 2. Kor 3,18). Dann werden seine Wesenszüge in unserem Leben immer deutlicher sichtbar werden, so dass wir seine Vortrefflichkeiten und Schönheiten nicht nur durch unsere Worte, son­dern durch unser ganzes Leben ver­künden (s. Apg 4,13).

Eine notwendige Voraussetzung

Wie wir gesehen haben, ist dazu unbedingt erforderlich, dass wir zuerst mit der Person des Herrn Jesus selbst beschäftigt sind: Wir sollen Ihn (in den Schriften) an­schauen und genau „mustern“. Je mehr wir das tun, desto mehr wer­den wir von seiner Herrlichkeit und Größe erfüllt werden.
Dies wiederum hat zur Folge, dass sich unser Mund „wie von selbst“ öffnet, „denn aus der Fülle des Herzens redet der Mund“ (Mt 12,34). Normalerweise reden wir am liebsten über das, womit wir gerade (im Herzen) beschäftigt sind. Wenn unser Herz von Christus erfüllt ist, dann werden wir auch über Christus reden.
So wie Mose auf dem Berg ein ge­naues Muster der Wohnung Gottes in der Wüste gesehen hatte, das Er seinem Volk mitteilte, so sollen auch wir ein klares Bild der ver­schiedenen Herrlichkeiten von Chris­tus und seiner Versammlung vor Augen haben, das wir anderen mitteilen dürfen (s. 2. Mo 25,9.40; 26,30).

Der Ausgangspunkt

Ein weiterer Grundsatz lässt sich hier erkennen: Wer von den Juden viel von Jerusalem sehen würde, würde auch viel an andere weiter­erzählen können. Wer dagegen nur wenig zu Gesicht bekommen wür­de, würde auch nur wenig weiter­zugeben haben.
Auch für uns gilt: Wir werden nur die christlichen Wahrheiten genie­ßen und an andere weitergeben können, die wir auch kennen. Und wir werden anderen nur so viel von Christus und seinen Herrlichkeiten erzählen können, wie wir selbst an Ihm gesehen haben. Wir können anderen Christus nur so groß und wertvoll machen, wie Er uns selbst ist. Das ist ein Ansporn für uns, uns so viel wie möglich mit Gottes Wort zu beschäftigen.

Aus dem Herzen reden

Aber vielleicht meinen wir im Ver­gleich zu anderen nur wenig be­richten zu können. Sollen wir dann entmutigt schweigen?
Nein, Gott möchte, dass wir das, was Er uns aus seinem Wort zeigen konnte, an andere weitergeben. Egal, ob es in unseren Augen viel oder wenig sein mag: Das, was wir gese­hen haben und was uns groß und wichtig geworden ist, sollen wir dem zukünftigen Geschlecht, un­seren Kindern und Kindeskindern, erzäh­len (s. 1. Mo 45,13).
Abraham war jemand, der das, was er von Gott gesehen, gehört und gelernt hatte, seinen Kindern und seinem Haus nach ihm gebot, um sie dadurch anzuleiten, den Weg des Herrn zu bewahren und Ge­rechtigkeit und Recht auszuüben (s. 1. Mo 18,19).

Ein immer wiederkehrender Auftrag

Gott wies die Israeliten immer wie­der an, ihren Kindern und Enkel­kindern von Ihm und seinem Han­deln zu erzählen. Er gebot ihnen, ihren Kindern die erfahrene Be­wahrung vor dem Gericht Gottes und die Rettung aus der Knecht­schaft Pharaos einzuschärfen, indem sie immer wieder davon sprechen sollten, was Er für sie getan hatte (s. 2. Mo 12,26.27; 5. Mo 6,20-25; 11,18-21). Denn ihre Augen hatten ja das ganze große Werk gesehen, das Er für sie getan hatte (s. 5. Mo 11,7). Auch der Apostel Paulus emp­fand wie kein anderer die Verant­wortung, das ihm von Gott anver­traute Gut an andere weiterzuge­ben. In seinem letzten Brief fordert er Timotheus auf, das, was er von ihm in Gegenwart vieler Zeugen gehört hatte, treuen Leuten anzu­vertrauen, die ihrerseits tüchtig sein würden, auch andere zu leh­ren (s. 2. Tim 2,2).

Und wir?

Fragen wir uns einmal, wie es in dieser Hinsicht bei uns aussieht:

  • Tragen wir Sorge dafür, an die nachfolgende Generation das wei­terzugeben, was der Herr uns in seiner Gnade anvertrauen konn­te?
  • Sind die Person des Herrn Jesus und sein Erlösungswerk wich­tige Themen in unseren Familien?
  • Ist es uns ein Herzensanliegen, unseren Kindern und Enkelkin­dern die Glaubenswahrheiten sei­nes Wortes groß zu machen?
  • Geben wir die Erfahrungen, die wir mit dem Herrn machen durf­ten, an die jüngere Generation weiter?
  • Erklären wir unseren Kindern, wie wir uns zum Namen des Herrn Jesus versammeln? Und warum so und nicht anders?
  • Sehen unsere Kinder an uns, dass wir die Zusammenkünfte wert­schätzen und sie nicht leichtfer­tig versäumen (s. Heb 10,25)?

Gelingen wird uns dies in dem Maß, wie unsere eigenen Herzen von Christus und seinem Wort erfüllt sind (s. Mt 12,34). Je mehr uns der Herr Jesus persönlich bedeutet, desto größer wird auch der Wunsch in uns werden, anderen weiterzu­erzählen, woran wir uns selbst er­freuen dürfen.
Darüber hinaus darf uns das Be­wusstsein, dass wir Verwalter des­sen sind, was der Herr uns aus seinem Wort zeigen konnte, zu­sätzlich Mut machen, anderen vor­zustellen, was uns selbst wertvoll geworden ist (s. 1. Kor 4,2).
Lassen wir uns durch die Worte des Psalmisten erneut anspornen, der nachfolgenden Generation wei­terzuerzählen, was wir selbst im Wort Gottes sehen und lernen durf­ten: „Umgeht Zion und umkreist es, zählt seine Türme, betrachtet genau seine Wälle, mustert seine Paläste, damit ihr es dem künfti­gen Geschlecht erzählen könnt!“ (Ps 48,13.14).

Daniel Melui

"Umgeht Zion und umkreist es, zählt seine Türme, betrachtet genau seine Wälle, mustert seine Paläste, damit ihr es dem künftigen Geschlecht erzählen könnt! Denn dieser Gott ist unser Gott immer und ewig! Er wird uns leiten …"
(Psalm 48,13-15)

Barnabas – Diener und Mutmacher (Teil 2)

Wie beeinflusst du Menschen in deiner Umgebung?

© gustavofrazao, fotolia.com

Jeder von uns braucht Vorbilder - ob wir jung oder alt sind, schon erfahren sind oder noch ganz am Anfang des Glaubenslebens stehen. Von Barnabas wird uns in der Apostelgeschichte nicht sehr viel berichtet. Aber das, was Gottes Wort von ihm erwähnt, ist wirklich beachtenswert. Es motiviert und spornt an, einen positiven Einfluss unter den Gläubigen zu haben, wie es bei Barnabas der Fall war. Er ist wirklich ein nachahmenswertes Vorbild!

„Die Kunde über sie kam aber zu den Ohren der Versammlung, die in Jerusalem war, und sie sandten Barnabas aus, dass er hindurchzöge bis nach Antiochien; der, als er hingekommen war und die Gnade Gottes sah, sich freute und alle ermahnte, mit Herzensentschluss bei dem Herrn zu verharren.“
(Apostelgeschichte 11,22.23)


Gottes Werk geht trotz Schwie­rigkeiten voran

Wie auch heute in manchen Län­dern dieser Erde, gab es schon ganz am Anfang des Christentums eine heftige Verfolgung der Christen, die in Jerusalem zum Glauben gekom­men waren (s. Apg 8,1). Viele von ihnen wurden aus Jerusalem in an­dere Regionen zerstreut, aber ge­rade durch sie kam eine starke Missi­onsbewegung bis hin nach Syrien in Gang.
Das Evangelium wird durch grie­chischstämmige Juden nun auch den Hei­den verkündigt und gelangt so bis nach Antiochien, ca. 450 km von Je­rusalem entfernt. Dort ent­steht die erste Versammlung in Antiochien, losgelöst von dem Wir­ken der Apo­stel in Jerusalem.

Einheit wird praktisch verwirklicht

Die Nachricht über das Wirken des Herrn Jesus in Antiochien erreicht auch bald die Versammlung in Je­rusalem, die daraufhin Barnabas los­schickt, um von der Erweckung in Antiochien Kenntnis zu nehmen. Das Interesse der Gläubigen in Je­rusalem an dem Wirken Gottes in Antiochien ist ein schöner prakti­scher Beweis der Einheit der Kin­der Gottes (s. Eph 4,1ff), wobei es hier nicht um ein mehr oder weni­ger offizielles Anerkennen der ört­lichen Versammlung in Antiochien geht, sondern um die Verbunden­heit der örtlichen Versammlungen, indem sie sich gegenseitig unter­stützen.
Barnabas, der sich schon oft als ein „Sohn des Trostes“ oder „Mutma­cher“ ausgezeichnet hat (s. Apg 4,36), ist auch diesmal der passen­de Diener, um die jungen Gläubigen in Antiochien aufzusuchen, zu er­mutigen und auf den Herrn Jesus auszurichten. Er reist nicht mit dem Ziel nach Antiochien, mit einem kritischen Auge zu prüfen und Ge­meinsamkeiten im Zusammenkom­men festzustellen, sondern sein Blick richtet sich auf die Gnade Got­tes (s. Apg 13,43), die ganz offen­sichtlich in Antiochien gewirkt hatte.

Barnabas sieht die Gnade Gottes

Barnabas sieht das, was Gott in die­sen ehemaligen Heiden und Sün­dern bewirkt hatte. Sie waren aus der Finsternis in Gottes wunderba­res Licht gekommen (s. 1. Pet 2,9)! Er sieht nicht zuerst den katastro­phalen moralischen Zustand in der Stadt oder die Probleme in der Versammlung in Antiochien – denn auch hier war sicherlich nicht alles perfekt. Weil Barnabas selbst aus Gottes Gnade lebte, hatte er den richtigen Blick für andere.
Was sehen wir zuerst, wenn wir an­deren Gläubigen begegnen, die wir mit ihren Schwächen und Fehlern kennen, oder vielleicht solchen, de­nen wir das erste Mal begegnen? Ha­ben wir nicht schon oft zuerst das Negative gesehen und sind dabei stehen geblieben (s. Phil 4,8)? Wir wollen ganz bewusst einen Blick da­für bekommen, was Gott in seiner Gnade in anderen bewirkt hat und noch bewirkt. Wir wollen alles Gute dankbar anerkennen (s. Phlm 6), ohne das, was gegen Gottes Gedan­ken ist, zu übersehen.

Barnabas freute sich

Bei Barnabas erkennen wir keinen Neid, keine kritischen Vorbehalte oder Missgunst den Christen in An­tiochien gegenüber. Er kann sich über das freuen, was Gott durch an­dere Diener in den Gläubigen ge­wirkt hatte, die er jetzt zum ersten Mal kennenlernt. Das setzt wirk­liche Demut und Liebe voraus (s. 1. Kor 13,4; Phil 2,3)! Kannst du dich auf­richtig über das freuen, was Gott in und durch deine Mitge­schwister hervorbringt – auch wenn du daran vielleicht praktisch ganz unbeteiligt bist?

Barnabas ermahnte alle, mit Herzensentschluss bei dem Herrn zu verharren

Gottes Wirken in anderen bringt uns nicht dahin, dass wir „die Füße hochlegen“, sondern es treibt uns wie Barnabas zum Dienst an, damit die Gnade in unseren Glaubensge­schwistern noch mehr zum Vor­schein kommen kann. Dabei lernen wir, dass Barnabas das Zentrum des Glaubens im Blick hat: Den Herrn Jesus selbst! Er ermahnt und ermutigt die Christen in Antiochien, einen Entschluss im Herzen zu fas­sen, um weiter bei dem Herrn zu bleiben und mit Ihm voranzuge­hen (s. Spr. 4,23). „Alle“, d.h. jedes Kind Gottes, brauchen von Zeit zu Zeit eine Ermunterung und Ermah­nung, um wirklich bei dem Herrn zu blei­ben und das Glaubensleben neu auszu­richten. Wo stehen wir gerade jetzt persönlich in unserer Nachfol­ge? Halte ich mich in seiner Nähe auf? – Lassen wir uns zum geistli­chen Wachstum und Nutzen für an­dere gebrauchen, indem wir zu Mut­machern wie Barnabas werden!
Im nächsten Artikel über Barnabas wollen wir sehen, wie das Werk Got­tes in Antiochien weitergeht und er dabei mit Paulus zusammenarbei­tet, um die jungen Christen im Wort Gottes zu belehren.

„Wir lieben, weil er uns zu-erst geliebt hat.“
(1. Johannes 4,19)

Christian Achenbach

Was tun, wenn Eheleute streiten?

© whyframesho, fotolia.com

Eine gläubige Ehefrau schenkte ihrem Mann einmal eine Postkarte, auf der ein auf seinen Krückstock gestützter alter Mann Arm in Arm mit seiner ebenfalls gebrechlichen Ehefrau die Straße entlang geht. Darunter stand: „Sich zu verlieben ist einfach. Verliebt zu bleiben hingegen ist etwas ganz Besonderes.“

Eine traurige Tatsache

Die Ehe ist eine wunderbare, von Gott geschenkte Gemeinschaft. Sie ungetrübt genießen zu dürfen, ist etwas Herrliches. Zu Beginn ihrer Beziehung können sich viele kaum vorstellen, dass einmal Schatten auf dieses Glück fallen könnten.
Doch im täglichen Miteinander merken wir schneller als uns lieb ist, dass es in der Ehe neben Sonnenschein auch regnerische oder stürmische Tage geben kann. Ohne dass wir es wollen, entsteht dann nur zu leicht ein Streit.

Was tun?

Wenn es zu Zorn oder Streit unter Eheleuten kommt, dürfen wir die­se traurige Tatsache nicht leugnen oder totschweigen. Eine Zeit lang mögen wir damit vor uns und an­deren eine schön anzusehende Fassade aufrecht erhalten. Früher oder später wird diese Fas­sade je­doch Risse bekommen und bröckeln, sodass das Zerwürfnis sichtbar wird.
„Der Anfang eines Zankes ist wie die Entfesselung von Wasser; so lass den Streit, ehe er heftig wird“ (Spr 17,14). Es gar nicht erst zum Streit kommen zu lassen, ist natür­lich die beste Möglichkeit. Doch was tun wir, wenn es entgegen un­serer guten Absichten und Wünsche doch zum Streit gekommen ist?

Eine herzerforschende Frage …

„Und der Herr sprach: Ist es recht, dass du zürnst?“
(Jona 4,4)


Zweimal stellt Gott seinem Prophe­ten Jona diese Frage. Beim ersten Mal geht Jona weg, beim zweiten Mal beharrt er darauf, mit Recht zu zürnen. Statt sich darüber zu freu­en, dass die Einwohner Ninives vor Gott Buße getan haben, denkt er nur an seine Glaubwürdigkeit als Prophet. In seiner Ehre gekränkt, scheint er in seiner selbstgerech­ten Reaktion zu vergessen, dass es der hohe und erhabene Gott ist, der mit ihm spricht.
In seiner Gnade ist Gott bemüht, Jona Herz und Augen zu öffnen, da­mit sein Prophet die Dinge wieder so sehen kann, wie Gott sie sieht.
Ob Jona das verstanden hat? Der Schluss des Buches Jona lässt es offen.

auch für uns

Welche Antwort würden wir auf diese Frage geben, wenn wir gera­de zornig auf unseren Ehepartner sind oder es sogar zum Streit ge­kommen ist?
Es ist nicht ungewöhnlich, wenn sich bei einem Streit jeder im Recht fühlt. In der Tat liegen in den sel­tensten Fällen die Ursachen und die Schuld bei einem alleine. Dennoch neigen viele dazu, die Schuld des anderen klar benennen zu können, für den eigenen Anteil an der Situa­tion aber mehr oder weniger blind zu sein.
Weil es dem anderen genauso geht, spitzt sich die Situation immer wei­ter zu. Gegenseitige Vorhaltungen und Vorwürfe fliegen hin und her. Statt mit meinen Worten zum Frie­den beizutragen, mache ich es nur noch schlimmer.

Ein guter Ausgangspunkt

„Und der Herr sprach: Ist es recht, dass du zürnst?“ Wie viel Ärger und Streit könnte vermieden werden, wenn uns dieser Vers häufiger im Gedächtnis wäre – nicht nur unter Eheleuten.
Innezuhalten und zu fragen, wel­chen Anteil ich am entstandenen Streit habe, ist ein gutes Mittel, den Streit so schnell wie möglich zu beenden.
Die ehrliche Beantwortung dieser Frage hilft, unseren Anteil am Streit einzusehen, zu bekennen und uns wieder neu auf unseren Ehepart­ner einzulassen.

Einander lieben

„Dies gebiete ich euch, dass ihr einander liebet,“
(Johannes 15,17)


Frisch verliebt scheint es unvorstellbar, dass die Liebe zu meinem Ehepart­ner jemals erkalten könnte. Und doch ist es bisweilen leider so und andere, negative, Gefühle für meine Ehefrau oder meinen Ehemann wol­len sich meiner bemächtigen.
Frage ich mich in dieser Situation einmal, warum ich meiner Frau, meinem Mann böse bin. Die Ant­wort mag zunächst schmerzhaft sein, weil sie mein gutes Bild von mir selbst beschädigt. Aber sie wird mir helfen, alle schlechten Empfin­dungen, die in meinem Her­zen Wur­zeln schlagen wollen, herauszurei­ßen. Denn es ist das Gebot des Herrn, dass wir einander lieben.

Einander annehmen

„Deshalb nehmt einander auf, wie auch der Christus euch aufgenom­men hat, zu Gottes Herrlichkeit.“
(Römer 15,7)


Im Laufe der Zeit ler­nen wir uns als Eheleute immer besser kennen. Dabei ist es wichtig, einander so anzunehmen, wie wir von Gott angenommen sind.
Mancher Streit ist dadurch hervor­gerufen worden, dass der eine den anderen dahin bringen wollte, sich seinen eigenen Vorstellungen ent­sprechend zu verändern. Statt sich darüber zu freuen, wie wir uns er­gänzen, meine ich dann, meinen Ehepartner ständig daran erinnern zu müssen, wie weit er noch von meinen Idealvorstellungen entfernt ist.
Mache ich mir jedoch meine eige­ne Unzulänglichkeit bewusst, wird mich schon allein dieses Wissen dem anderen gegenüber milde und gnädig stimmen. Schließlich wün­schen wir uns doch alle, dass auch uns mit Nachsicht und Geduld be­gegnet wird.

Einander dienen

„Durch die Liebe dient einander.“
(Galater 5,13)


Verheiratet sein verbin­den manche mit dem Gedanken, dass das Leben dann für einen selbst schöner wird. Wenn ich je­doch nicht frage, wie es für mich selbst schöner werden könnte, son­dern wünsche, es dem anderen schön zu machen, wird das segens­reich für meine Ehe sein.
Bleibt die Resonanz darauf aus oder der andere benötigt – zum Beispiel durch Krankheit – besonders viel Zu­wendung, ist es nicht ungewöhn­lich, dass wir dabei an Gren­zen stoßen und selbst auch gerne mal wieder bedient würden. Des­halb lasst uns die liebevollen Bemühun­gen unserer Ehefrau, un­seres Ehe­mannes nicht gering ach­ten oder als selbstverständlich hin­nehmen.
Auch wenn Gott Mann und Frau Bereiche zugewiesen hat, in denen sie vorrangig für das gute Mitein­ander in ihrer Ehe und Familie ver­antwortlich sind, ist es keineswegs selbstverständlich, dass der Partner dieser Verantwortung auch nach­kommt. Es erfordert Kraft von ihm und manches Mal muss er auch die eigenen Interessen und Bedürfnis­se hinten anstellen.
Wenn wir das vergessen, werden wir über kurz oder lang undankbar. Und wo ich nicht mehr danke, sind Unzufriedenheit, Neid und Streit nicht weit entfernt.

Danken – einander, füreinander und miteinander

„Und seid dankbar.“
(Kolosser 3,15)


Danke – das ist mehr als nur ein Wort, eine höfliche Floskel. Dabei muss es nicht immer unbedingt ausgesprochen werden. Dankbar­keit kann und darf auch einmal mit einem liebevollen Kuss, dem zärtli­chen Streicheln der Wange oder ein­fach nur einem Lächeln und strah­lenden Augen ausgedrückt werden. Manchmal sagen solche Gesten mehr als jedes gesprochene Wort. Doch egal wie wir sie zeigen, auf­richtig empfundene und wertschät­zende Dankbarkeit hat oft unge­ahnte, motivierende Wirkung.
Wir wollen aber nicht dabei stehen bleiben, einander Danke zu sagen. Immer wieder dürfen wir auch Gott für den Ehepartner danken, den Er uns geschenkt hat. Das wird uns da­vor bewahren, den gering zu ach­ten, den der Herr ebenso geschaf­fen hat wie mich. Denn gering­schätzig über meinen Ehepartner zu denken oder ihn gar gering­schätzig zu behandeln, ist dasselbe, wie Gott selbst gering zu schätzen (s. Spr. 14,31).
Nicht zuletzt ist es auch sehr wich­tig, Gott gemeinsam für alles zu danken, was er jedem von uns per­sönlich und uns als Eheleuten zu­sammen geschenkt hat. Denn wenn wir nicht mehr dankbar sind, will es auch mit dem Beten nicht mehr so recht gehen, besonders mit dem gemeinsamen Gebet.

Den anderen höher achten

Nicht immer verstehen wir sofort, wo für unseren Ehepartner eigent­lich das Problem liegt. Leider fallen dann auch schon mal Sätze wie „Stell dich nicht so an!“ oder „Dei­ne Probleme hätte ich gerne mal!“. Solche Aussagen helfen dem ande­ren nicht weiter sondern verletzen ihn in seiner Seele.
Deshalb ist es wichtig, uns daran zu erinnern, dass Mann und Frau die Dinge von Natur aus unter­schiedlich wahrnehmen und auch unterschiedlich empfinden. Das hat Gott so in sie hineingelegt, als Er sie schuf.
Lasst uns mit Gottes Hilfe den an­deren aus seiner Sicht sehen, uns in seine Situation, seine Gedanken und Gefühle hineinversetzen. Es ist gut, unsere Frau, unseren Mann auch in ihren, bzw. seinen Sorgen und Nöten höher zu achten als uns selbst.
Es gibt sicher noch viele andere wertvolle Hinweise in Gottes Wort, die uns helfen, als Eheleute noch mehr im Frieden miteinander zu leben. Dieser Artikel möchte dazu anregen, vermehrt in der Schrift danach zu suchen.

Stefan Busch

Persönliche Worte (Wegbegleiter)

Bewegte Wochen und Monate lagen bereits hinter Mose. Und noch ereignisreichere Zei­ten lagen vor ihm. Ob Mose das ahnte, als er Gott bat, ihn doch den Weg wissen zu lassen, der noch zu gehen war (s. 2. Mo 33,13)?
Stellen wir uns einmal vor, Gott hätte seinem Diener in diesem Moment alles aufgelistet, was noch kommen würde: Das Murren des Volkes gegen ihn und damit gegen Gott, der Wider­spruch seiner Geschwister Aaron und Mirjam, der Abfall des Volkes aufgrund des Berichtes der zehn Kundschafter, die langen Jahre der Wüstenreise…
Wie leicht hätte Mose angesichts dieser Aufzählung mutlos werden können.
Doch Gott handelt anders. Er verliert kein Wort darüber, sondern gibt ein wunderbares Ver­sprechen: „Mein Angesicht wird mitgehen, und ich werde dir Ruhe geben“ (2. Mo 33,14).
Auch wir kennen Momente in unserem Leben, in denen wir gerne wüssten, wohin der Weg führt und was uns darauf begegnet. Nehmen wir uns deshalb einmal einen Moment Zeit, um diese Zusage Gottes etwas genauer zu besehen:

Mein Angesicht“ – Gott wendet sich seinem Diener zu. Er schaut genau hin und beob­achtet ihn nicht nur so nebenbei aus dem Augenwinkel.

Wird“ – Gott gibt Mose nicht nur eine unsichere Absichtserklärung, sondern eine feste Zusa­ge.

Mitgehen“ – Gott schaut nicht nur ab und an mal vorbei oder greift nur ein, wenn es brenz­lig wird. Nein, Er ist auf Schritt und Tritt bei Mose.

Und … werde geben“ – Gott läuft auch nicht nur teilnahmslos nebenher, sondern ist ein auf­merksamer Begleiter, der sich um die Bedürfnisse der Seinen kümmert.

Ich“ – Gott selbst kümmert sich um das, was Mose benötigt. Er mag andere Menschen als Werkzeug zur Verwirklichung seiner Absichten benutzen, aber immer ist es Gott selbst, von dem Mose jede gute Gabe zuteilwird (s. Jak 1,17).

Dir“ – Gott spricht Mose ganz persönlich an.

Ruhe“ – Die Erfahrungen der Vergangenheit und das Wissen um die eigene Unfähigkeit ma­chen das Herz beim Blick in die Zukunft unruhig und vermehren die Sorgen und ängstlichen Fragen. Doch der rastlosen Unruhe des Menschen setzt Gott seine Ruhe, sei­nen Frieden im Herzen entgegen. „Wenn Gott für uns ist, wer gegen uns?“ (Röm 8,31), schreibt der Apostel Paulus den Römern einige hundert Jahre später.

Gott ist für uns“ – dieses Wissen schenkt die Ruhe und den Frieden Gottes ins Herz, die mit Worten weder zu beschreiben noch zu erklären sind.

Gott hat sich bis heute nicht verändert. Das Versprechen, das Er einst Mose gab, gilt auch uns heute noch. Dass wir es mehr im Glauben ins Herz fassen und uns dadurch Mut schen­ken lassen für den Weg, den Gott uns noch über diese Erde gehen lassen möchte, wünscht uns allen

Stefan Busch

© 2022 Ernst-Paulus-Verlag
Ernst Paulus Verlag Logo