BleibtInMir

...denn außer mir könnt ihr nichts tun

Zeitschrift für die christliche Familie

Persönliche Worte "Liebe Leser…"

Liebe Leser von „Bleibt in mir“,
schon wieder hat eine neues Jahr begonnen und es liegt ein weiteres Jahr hinter uns. Da dürfen wir Rückschau halten und uns ganz bewusst viele Gütigkeiten des Herrn Jesus in Erinnerung rufen. Ja, Ihm allein gehört der Dank für alles Gute, das Er uns geschenkt hat. Wie oft hat Er uns so reich gesegnet – auch in den Zusammenkünften als Versammlung. Wir durften Glaubensfreiheit haben, genügend Lebensunterhalt, Mitgeschwister auf dem Weg des Glaubens, Freude und vieles andere mehr.
Vielleicht hatten wir zu Beginn des vergangenen Jahres manche guten Vor­sätze gefasst und merken nun, dass wir das eine und andere versäumt haben. Dann wollen wir Mut fassen, um im neuen Jahr mehr auf den Herrn Jesus zu blicken, der der Anfänger und Vollender des Glaubens ist. Er möchte jeden Einzelnen von uns seinen guten Weg führen.
Auf diesem Weg dürfen wir an seiner Hand echte Freude haben, Weg­weisung erhalten und seine wunderbare Liebe zu uns persönlich erfah­ren. Auch in allen, vielleicht schweren Prüfungen, die auf uns zukom­men, ist Er da und verlässt uns nicht! Er ist es, der dich und mich „geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat“ (Gal 2,20).
Wenn wir Ihn mehr vor unseren Herzensaugen haben, dann sehnen wir uns auch mehr nach seinem baldigen Kommen: „Denn noch eine ganz kleine Zeit, und der Kommende wird kommen und nicht ausbleiben“
(Heb 10,37).
Mögen die Artikel, die in „Bleibt in mir“ erscheinen, Wegweisung und Hil­fe­stellung geben, aber auch dazu dienen, dass unsere Herzen immer mehr für den Herrn Jesus schlagen mit dem tiefen Wunsch, entschieden Ihm zu folgen, in Ihm zu bleiben, und Ihm mehr zu gefallen.
Des Herrn Jesus reichen Segen für das Jahr 2019 – bis Er kommt – wünscht uns allen

Christian Grund

Kindererziehung

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Es ist unmöglich, bestimmte Regeln oder Anleitungen für die Erziehung der Kinder aufzustellen. Wer könnte in Vorschriften ausdrücken, was in einem einzigen Satz enthalten ist:
„Zieht sie auf in der Zucht und Ermahnung des Herrn“ (Eph 6,4)? In diesem Bibelwort haben wir tatsächlich eine goldene Regel, die alles umfasst.

Eine christliche Atmosphäre

Die Erziehung beginnt in den ersten Lebenstagen eines Kindes. Man denkt allgemein zu wenig daran, wie bald die Kinder anfangen zu beob­achten und wie rasch sie alles in sich auf­nehmen, was sie um sich her er­blicken. Darum sollen unsere Kinder täglich in der Atmosphäre der Liebe und des Friedens, der Reinheit und der praktischen Gerechtigkeit auf­wachsen. Wir machen uns keinen Be­griff davon, welch positive Auswir­kung es auf die Bildung ihres Cha­rakters hat, wenn sie ihre Eltern in gegenseitiger Liebe und Harmonie se­hen, wenn sie bemerken, wie sie freundlich und liebevoll mit­einander und mit anderen um­gehen. Wie ne­gativ muss jedoch die Wirkung auf ein Kind sein, wenn es zornige Blicke und unfreundliche Worte zwischen Vater und Mutter sieht und hört. Wenn sogar Tag für Tag Streit herrscht, wenn der Vater der Mutter wider­spricht und die Mutter den Vater her­absetzt – wie können in einer solchen Umgebung die Kinder gedeihen?

Unterordnung und Gehorsam

Im Weiteren möchten wir die Auf­merksamkeit aller Eltern auf einen Punkt lenken, der sehr wichtig ist, aber oft nicht beachtet wird: Kinder müssen von Anfang an gehorchen lernen. Wir können nicht genug dar­auf bestehen, denn es berührt die Ordnung und das Wohl der Familie und steht in unmittelbarer Verbin­dung mit der Verherrlichung Gottes. „Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern im Herrn, denn das ist recht.“ Und weiter: „Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern in allem, denn dies ist wohl­gefällig im Herrn“ (Eph 6,1; Kol 3,20).
Bei einer guten Erziehung lernt das Kind von den ersten Augenblicken sei­nes Lebens an, zu gehorchen und sich den Eltern unterzuord­nen. Vater und Mutter sind eine von Gott einge­setzte Autorität, die das Kind an­erkennen muss. Wenn die Eltern jedoch dem Willen ih­res Kindes keine Schranken setzen, wächst der Eigenwille mit erschre­ckender Schnel­ligkeit. Je älter Kinder werden, desto schwieriger ist es, ihnen Unterord­nung und Gehorsam beizubringen. Darum sollen christli­che Eltern mit Ausdauer darauf be­stehen, dass ihre Anweisungen be­folgt werden.
Zugleich können sie zart und liebe­voll mit den Kindern umgehen. Härte und Barschheit sind fehl am Platz. Gott hat die Erziehung in die Hände der Eltern gelegt, aber es zeugt von fehlender Einsicht und großer Schwä­che, wenn sie immer nur tadeln und strafen. Es ist auch falsch, den Wil­len des Kindes ständig in unwesent­lichen Punkten zu unterdrücken. Da­durch kann wohl sein Selbstbewusst­sein gebrochen werden, nicht aber sein Eigenwille. Von der Art und Wei­se, wie Eltern ihr Kind be­handeln, soll es den Eindruck be­kommen, dass sie nur sein Bestes suchen. Sie ver­bieten nicht etwas, um ihm die Freu­de zu verderben, son­dern weil sie um sein Wohl besorgt sind.
Kinder sind verschieden in ihrem Charakter und in ihren Fähigkeiten. Es gibt Kinder, die einen beson­ders starken Willen haben und des­halb Vater und Mutter in der Erziehung stark fordern. Aber das vermindert in keiner Weise die Ver­antwortung der Eltern, auf unbeding­ten Gehor­sam zu achten. Wenn El­tern mit Gott rech­nen, so wird Er ihnen die nötige Gnade und Kraft dazu schenken.

Das Wohl der anderen

Oft lassen sich Eltern durch falsche Zärtlichkeit verleiten, den Eigenwil­len ihrer Kinder zu nähren. Aber das ist eine Saat für das Fleisch, deren Ernte Verderben sein wird. Es ist keine echte Liebe, wenn man den Eigenwillen eines Kindes mit Nach­sicht behandelt, denn es dient nicht wirklich dem Glück des Kindes und bereitet ihm keine richtige Freude. Ein eigenwilliges und selbstsüchtiges Kind ist unglücklich und eine Plage für alle, die mit ihm zu tun haben. Wie wichtig ist es, dass Kinder ange­leitet werden, an andere zu denken und deren Wohl zu suchen!
Um den Frieden in einer Familie aufrechtzuerhalten, ist es nötig, dass einer den anderen höher achtet als sich selbst (s. Phil 2,3). Es geht dar­um, das Wohl der anderen Familien­mitglieder im Auge zu haben und nicht die eigenen Wünsche zu erfül­len. Das ist jedoch nur möglich, wenn wir den Fußstapfen des Herrn Jesus nachfolgen und sei­ne Gesinnung of­fenbaren. Er ge­fiel nie sich selbst und suchte nie seinen Vorteil. Immer tat Er das, was dem Vater wohlgefiel. Er kam, um zu die­nen und zu geben. Er ging umher, „wohltuend und alle hei­lend, die von dem Teufel überwältigt wa­ren“ (Apg 10,38). Wenn sich jeder nach diesem vollkommenen Vorbild ausrichtet, verwirklichen wir in der Familie ech­tes Christentum – zum Segen für uns selbst und für alle, die in unse­rem Haus ein- und ausge­hen. Wie gefällt es dem Herrn, wenn Er in unseren Familien ein selbstloses und gottesfürchtiges Verhalten sieht!

Charles Henry Mackintosh

Josaphat und das Problem der falschen Verbindungen (Teil 1)

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Josaphat war ein gottesfürchtiger Mann und König. Er tat, was recht war in den Augen des Herrn. Das ist die Beurteilung seines Lebens durch Gott selbst in seinem Wort (s. 1. Kön 22,43). Allerdings gab es im Leben Josaphats eine Sache, in der er mehrfach gefallen ist – er ist falsche Verbindungen eingegangen. Das ist in der heutigen Zeit der Toleranz und Vermischung ein aktuelles Thema, über das es sich lohnt, selbstkritisch nachzudenken.

Ein guter Anfang

Josaphat machte zu Beginn seiner Regierung einen sehr guten Anfang (s. 2. Chr 17,1ff.). Er zeigte sich stark gegen das Brudervolk Israel, gegen das zehnstämmige Nordreich. Dabei kämpfte er nicht gegen seine Brü­der, sondern verteidigte sein eigenes Land, indem er Besatzungen in die Städte setzte und sie damit stark machte gegen mögliche Angriffe. Auch richtete er sein Verhalten nach dem aus, was sein Vater David getan hatte. Er handelte nicht wie die Kö­nige Israels und lehnte den Götzen­dienst ab. Auf diesem Weg erleb­te er den reichen Segen Gottes.

Städte befestigen

Übertragen wir das auf die heutige Zeit, dann lernen wir daraus wichti­ge Lektionen für unser Verhalten in­nerhalb der Christenheit. Es ist nicht unsere Aufgabe, gegen Mitchristen zu kämpfen, aber es ist unsere klare Verantwortung, den von Gott ge­schenkten geistlichen Besitz zu ver­teidigen, damit er nicht verloren geht.
Ob es die Wahrheiten des Neuen Testaments über das ewig sichere Heil, über die geistlichen Segnungen oder über Christus und seine Ver­sammlung sind, es besteht die Ge­fahr, die Kenntnis darüber und die praktische Verwirklichung davon zu verlieren! Deshalb müssen wir uns damit beschäftigen, um diese Wahr­heiten zu kennen, eine feste Über­zeugung davon zu haben, sie auszu­leben und gegen Angriffe verteidi­gen zu können.

Auf den Wegen Davids gehen

Was unseren persönlichen und ge­meinsamen Weg angeht, lernen wir von Josaphat, nicht dem Götzen­dienst zu folgen, sondern an dem orientiert zu sein, was Gott von Anfang an in seinem Wort mit­geteilt hat. Der König Ahab, der zur Zeit Jo­saphats in Israel regierte, diente dem Baal. Das war der Hauptgott der Kanaaniter. Doch so hatte es nicht angefangen!
Nach der Teilung des Volkes hatten die Könige Israels zunächst dem Herrn opfern wollen. Doch sie wollten es an den von ihnen festgelegten Orten und auf dem von ihnen gebauten Altar tun. Das war der Götzendienst der eigenen Gedanken und des Eigenwil­lens. Damit begann das Ab­weichen.
Doch Josaphat wollte auf den We­gen des Herrn bleiben, wie sein Va­ter David es begonnen hatte. So wol­len auch wir, wie die ersten Chris­ten in der Apostelgeschichte, in der Leh­re der Apostel bleiben (s. Apg 2,42).
Gottes Gedanken und Grundsätze verändern sich nicht und sie müssen auch nicht an die aktuelle Situation angepasst werden. Natürlich gibt es Dinge in unserem Leben, die der Veränderung unterliegen. Ob es der Sprachgebrauch ist, die Mode oder die technischen Geräte, die wir be­nutzen – viele Dinge verändern sich. Trotzdem bleiben die Grundsätze Got­tes unverändert dieselben. Unsere Sprache soll angemessen sein (s. Eph 5,3.4), wir sollen uns anständig klei­den (s. 1. Tim 2,9) und Un­reinheit und Habsucht müssen gerichtet wer­den (s. Kol 3,5).
Auch die Grundsätze für das Zusam­menkommen der Gläubigen ändern sich nicht. Nach wie vor gilt es, die Einheit des Geistes zu bewahren im Band des Friedens (s. Eph 4,3). Nach wie vor soll der Heilige Geist führen und leiten (s. 1. Thess 5,19). Nach wie vor sollen die Frauen in den Versammlungen schweigen (s. 1. Kor 14,34). Wenn es um das Zusam­menkommen geht, dann muss nicht Neues geschaffen, sondern das be­wahrt und ausgelebt werden, was Gott längst geschaffen hat. Auch darin ist uns der gute Anfang Josa­phats ein Ansporn.

Lehren mit dem Buch des Gesetzes

Dabei stützte Josaphat sich auf das Gesetz des Herrn. Er sandte seine Obersten zusammen mit den Levi­ten durch sein ganzes Land, um das Volk mit dem Buch des Gesetzes des Herrn zu lehren. Das war die Grund­lage für die Belehrung.
Für uns ist das ganze Wort Gottes die Grundlage für unser Verhalten und Leben. Wenn wir uns viel mit Got­tes Wort beschäftigen, dann ken­nen wir seine Gedanken und es wird uns umso leichter fallen, seinen Willen für unser Leben zu erkennen.
Machen wir uns neu bewusst, dass es unsere Verantwortung ist, für uns selbst aus Gottes Wort begründen zu können, was wir tun und wie wir es tun. Und erkennen wir auch un­sere Verantwortung, wie und wo wir davon etwas weitergeben! Beson­ders als Eltern sind wir gefragt, un­seren Kindern aus Gottes Wort er­klären zu können, wie wir leben und wie wir uns versammeln!

Eine falsche Verbindung im Bereich der Familie

Bei diesem guten Anfang erlebte Jo­saphat die Hilfe und den Segen Got­tes. Doch als er viel Reichtum und Ehre erlangt hatte, heiratete der Sohn Josaphats, Joram, eine Tochter Ahabs, des bösen Königs von Israels (s. 2. Chr 21,6). In 2. Chronika 18,1 wird dabei die Verantwortung von Josaphat in dieser Sache vorgestellt: Er verschwä­gerte sich mit Ahab.
Ahab war ein sehr gottloser Mann, der mit einer noch gottloseren Frau, mit Isebel, verheiratet war. Wie kann es sein, dass man eine Verbin­dung mit einem solchen Mann eingeht? Wie kann man seine Kinder in ein solches Verderben laufen lassen? Kann man wirklich sagen, dass man der Liebe folgen muss, wohin sie fällt? Niemals!
Licht und Fins­ternis haben nichts miteinan­der zu tun. Ein Gläubiger und ein Ungläubiger haben kein gemein­sames Teil. Das können wir unseren Kindern kaum früh genug deutlich machen. Wenn wir damit erst be­ginnen, wenn sie sich schon verliebt haben, dann ist es meist zu spät (s. 2. Kor 6,14.15).

"Licht und Finsternis haben nichts miteinander zu tun. Ein Gläubiger und ein Ungläubiger haben kein gemeinsames Teil."


Ein „harmloser” Anfang

Bei Josaphat schien zunächst alles gut zu gehen. Doch nach einigen Jah­ren folgte er einer Einladung Ahabs. Es gab ein großes Fest, Ahab schlach­tete Klein- und Rindvieh in Menge. Bei diesem Fest verleitete der gott­lose Ahab Josaphat dazu, gemein­sam mit ihm in den Kampf zu zie­hen. Wie kann es sein, dass Josaphat sagte: Ich will sein wie du, und mein Volk wie dein Volk (s. 2. Chr 18,3)? Konnte das gut gehen?
Der weitere Verlauf der Begeben­heit macht deutlich, wie es in einer solchen Verbindung ungemein schwer wird, den Willen Gottes zu erken­nen. Und schließlich ver­lor Josaphat vollständig seine Iden­tität. Er wurde für den König von Is­rael gehalten (s. 2. Chr 18,31)! Bei­nahe kam er im Kampf um.
Durch Gottes Gnade wurde er be­wahrt, aber Gott musste ihn ernst­lich tadeln (s. 2. Chr 19,2). Jo­saphat erkannte seinen Fehler und kehrte zu dem Herrn zurück. Doch sein Sohn Joram, der die Tochter Ahabs zur Frau genommen hatte, verließ seinen Gott und tat, was böse ist (s. 2. Chr 21,6). Das war das traurige Ergebnis der falschen Verbindung.
Was lernen wir daraus für uns und unsere Verbindungen im Bereich der Familie? Es muss ja nicht direkt um eine Heirat gehen. Auch die Freund­schaften, die wir unterhalten und die wir unseren Kindern gestatten, sind Verbindungen, die nicht ohne Ein­fluss bleiben.
Sicher müssen wir in Weisheit han­deln und die Umgebung, in der wir mit unseren Familien aufwachsen, berücksichtigen. Aber die grundsätz­lichen Gefahren dürfen wir nicht aus dem Auge verlieren!
Die Geschichte Josaphats macht uns die Gefahren von falschen Verbin­dungen deutlich:

  • Sie entstehen aus mangelnder Wachsamkeit.
  • Sie beginnen meist harmlos, aber sie bleiben nicht ohne Einfluss. Dem harmlosen Anfang folgt oft ein schreckliches Ende.
  • Gemeinsame Aktionen (bei Josa­phat das gemeinsame Festmahl), die zunächst ungefährlich erschei­nen, führen zu völlig verkehrten Allianzen.
  • Das Erkennen des Willens Gottes wird immer schwerer.
  • Von meinen Verbindungen geht ein Einfluss auf die Familie und das ganze Volk Gottes aus.
  • Am Ende steht der totale Verlust der Identität (Josaphat wird für den König von Israel gehalten).
  • Gottes Gnade kann bewahren und zurückführen, doch oft ist die nach­kommende Generation „verloren“.

Nehmen wir die Warnung aus der Geschichte Josaphats sehr ernst! Ob es um unsere Verbindungen in der Welt oder in der Christen­heit geht – immer sollten wir uns fragen, ob die Verbindung, die wir einge­hen, nach Gottes Gedan­ken ist. Und immer sollten wir uns fragen, ob wir durch diese Verbin­dung nä­her zu dem Herrn Jesus kommen oder nicht.
In unserem Glaubensleben ste­hen wir und unsere Kinder im Fokus Sa­tans. Er will uns zu Fall bringen und er benutzt dazu gerne die Verbin­dungen, die wir eingehen. Wir brau­chen Stabilität, wir brau­chen Stand­haftigkeit. Deshalb wollen wir sorg­sam allem aus dem Weg gehen, was uns gefährlich werden könnte!

Christian Rosenthal

Information

Eine relativ unbekannte Familienchronik (Teil 3)

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In den beiden ersten Folgen haben wir uns mit Schaphan, drei seiner Söhne und seinem Enkel Mikaja beschäftigt. Über einen weiteren Enkel Schaphans, Gedalja, den Sohn Achikams, finden wir eine kürzere Beschreibung im zweiten Buch der Könige und einen ausführlicheren Bericht im Propheten Jeremia.

Gedalja (Jer 39,11-14; 40,5; 41-18; 43,4-7)

Gedalja war der Sohn Achikams, jenes Sohnes Schaphans, den der König Josia mit seinem Vater und anderen zur Prophetin Hulda gesandt hatte (s. 2. Kön 22,12-14) und der später Jeremia vor dem Zugriff des bösen Königs Jojakim schützte (s. Jer 26,24).

Gedalja wird zum Landpfle­ger ernannt (2. Kön 25,22)

Jeremia hatte dem König und dem Volk wiederholt geweissagt, sich Ne­bukadnezar, dem König von Babel, nicht zu widersetzen (z.B. Jer 27). Aufgrund dieser Aussprüche achtete Nebukadnezar Jeremia und wohl des­wegen auch das Haus Schaphans, das sich immer wieder auf die Seite Je­remias gestellt hatte, wie wir gese­hen haben. Dies mochte auch der Grund dafür sein, dass der König von Babel Gedalja zum Landpfleger mach­te. Das Haus Schaphans hatte Gott geehrt, indem es auf die Worte sei­nes Propheten hörte und für diesen eintrat, und nun ehrte Gott dieses Haus (s. 1. Sam 2,30).
Achten und schätzen wir auch die, welche der Herr seiner Versamm­lung als Gaben gegeben hat, und lei­ten wir auch unsere Kinder an, das­selbe zu tun? Nicht selten beobach­tet man heute Gegenteiliges.

Gedalja und Jeremia (Jer 39,11-40,6)

Nebusaradan, der Oberste der Leib­wache Nebukadnezars, löste nach der Eroberung Jerusalems die Ket­ten Jeremias und fragte ihn, ob er mit nach Babel kommen oder im Land bleiben möchte. Er konnte sich nicht entscheiden und so überließ ihn Nebusaradan der Obhut Gedal­jas. Dieser wachte nun über Jeremia wie zuvor sein Vater Achikam. Jere­mia hatte unter Zedekia, dem letz­ten König aus dem Geschlecht Davids, viel gelitten (s. Jer 37,21-38,6). Wie dankbar muss er gewesen sein, jetzt der Fürsorge Gedaljas anvertraut zu sein. Jeremia vertraute Gedalja und das zu Recht. Sind auch wir des Ver­trauens wert, das uns andere entge­genbringen?

Gedalja und die Geringen (Jer 40,7)

Nicht nur Jeremia war Gedalja an­vertraut worden, sondern auch alle Geringen unter den Zurückgebliebe­nen: Männer, Frauen und Kinder. Viele Stellen im Alten Testament zei­gen uns, dass Gott ein besonderes Augenmerk auf die Geringen hat (s. z.B. Ps 72,13; 113,7; Jes 11,4).
Sich um anerkannte Brüder zu küm­mern, birgt die Gefahr in sich, Ehre zu suchen. Sich um Geschwister zu kümmern, die weniger im Rampen­licht, vielleicht sogar eher am Rand stehen, mag scheinbar keine Ehre einbringen, aber es findet die Aner­kennung des Herrn, der sich selbst den Geringen zuwendet (s. Sach 13, 7b).
Selbst um die Kinder dieser Gerin­gen sollte sich Gedalja kümmern. Wie hat sich auch der Herr der Kinder angenommen (s. Mt 19, 13-15). Ger­ne wollen wir die Sonntagschulleh­rer(innen) im Gebet unterstützen und auch andere zu diesem oder ande­ren nützlichen Diensten an Kindern ermuntern.

Gedalja und die zerstreuten Juden (Jer 40,11-12)

Durch den kriegerischen Einfall Ne­bukadnezars waren manche der Ju­den in die umliegenden Län­der ver­trieben worden. Bei der Nach­richt, dass ein Überrest in Juda ge­blieben und Gedalja über sie gesetzt war, kehrten sie zurück und halfen sofort mit, den Auftrag des Statthal­ters zu erfüllen.
Manche Geschwister haben aufgrund von Streitigkeiten das Zusammen­kommen als Versammlung aufgege­ben. Wie segensreich ist es, wenn in einer örtlichen Versammlung solche da sind, die wirklich Sorge tragen für die, welche ihnen anvertraut sind. Vielleicht bewegt das auch einige, die weggegangen sind, wieder zu­rückzukehren. Und wie schön, wenn sie dann nicht nur geduldet werden, sondern selbst auch wieder zum Wohl aller beitragen.

Gedalja und Ismael (Jer 40,7-41,2)

Kurz nachdem Gedalja in sein Amt eingesetzt war, erschienen alle Heer­obersten bei ihm, darunter auch Is­mael, der aus königlichem Ge­schlecht war, und Jochanan. Später kamen die Heerobersten außer Ismael noch ein­mal zu Gedalja. Sie sagten ihm, dass Ismael von Baalis, dem König der Ammoniter, beauftragt worden war, ihn zu ermorden. Gedalja glaubt ih­nen nicht und verwirft auch den un­ter vier Augen mitge­teilten Vorschlag Jochanans, Ismael zu erschlagen. Is­mael dingt dann zehn Männer und bringt Gedalja tatsächlich um.
Was veranlasste Ismael zu dieser Schandtat? War es Eifersucht? Dachte er, dass das Amt Gedaljas ihm zuge­standen hätte, weil er aus königli­chem Geschlecht war? Wie oft gibt es Neid unter Brüdern. Paulus spricht in den meisten seiner Briefe davon und auch Jakobus und Petrus er­wähnen den Neid.
Wenn wir ihn in unseren Herzen fest­stellen, müssen wir ihn sofort verur­teilen. Zerrüttung und jede schlech­te Tat können daraus entstehen (s. Jak 3,16).
Gedalja, der selbst aufrichtig war, traute Ismael das Böse nicht zu. Gott muss uns vor Misstrauen bewahren, aber auch vor Blauäugigkeit. Gegen einen Bruder, der einen Ältesten­dienst ausübt, sollten wir eine Klage nicht einmal annehmen, außer bei zwei oder drei Zeugen (s. 1. Tim 5,19). Wie oft bilden wir uns ein Urteil über einen Mitgläubigen, obwohl wir nur von einer Person etwas gehört ha­ben. Ohrenbläserei und leichtferti­ge Annahme von Verleumdun­gen sind oft ein großes Übel unter Gläubigen. Aber wenn eine Sache von mehre­ren Personen be­zeugt wird, so muss dieser sorgfältig nachgegangen wer­den. Das hatte Gedalja versäumt und es kostete ihn das Leben.

Jaasanja und der Bilderdienst (Hes 8,7-12)

Neben Achikam, Elasa und Gemarja, den drei gottesfürchtigen Söhnen Schaphans, lesen wir in der Bibel noch von einem vierten Sohn, Jaa­sanja, der leider ein Götzendiener war. Während Jeremia über die drei erstgenannten Söhne schreibt, muss Hesekiel über Jaasanja berichten. Wie gnädig ist Gott. Er mutet es Jeremia, der dem Hause Schaphans sehr ver­pflichtet war, nicht zu, Negatives über diese Familie zu berichten, was ihm sicher sehr schwergefallen wäre.
Gott wirft Jaasanja und siebzig wei­teren Männern vor, was sie heimlich tun und die Worte, mit denen sie ihr götzendienerisches Handeln recht­fertigen: „Der Herr sieht uns nicht.“ Dreimal sagt der Herr Jesus von dem Vater, dass Er im Verborgenen sieht (s. Mt 6,4.6.18) und in Hebräer 4,13 lesen wir: „Kein Geschöpf ist vor ihm unsichtbar, sondern alles ist bloß und aufgedeckt vor den Augen des­sen, mit dem wir es zu tun haben.“ Wie wichtig ist es, dies stets im Be­wusstsein zu haben. Das wird uns vor vielem Bösen bewah­ren.
Damit sind wir zum Ende der Famili­enchronik Schaphans gekom­men, ei­ner Familie, die bis auf eine Ausnah­me durch Gottesfurcht und Liebe zum Wort Gottes und zu den Män­nern Gottes gekennzeichnet war. Möchten unsere Häuser dem Haus dieses treu­en Mannes gleichen.

Horst Zielfeld

Als Fremdlinge in der Welt

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Der Herr Jesus hat vor fast 2000 Jahren als verworfener Messias die Erde verlassen und ist als verherrlichter Mensch in den Himmel zurückgekehrt. So heiligte Er sich selbst für uns, damit auch wir Geheiligte seien (s. Joh 17,19). Als Geheiligte sind auch wir getrennt von der Welt, die Ihn auch heute noch in unverminderter Weise ablehnt und verwirft.

Als Fremdlinge …

In einer weltlichen Umgebung le­ben wir als Fremdlinge und ähneln damit unserem Meister, der in sei­nem Leben auf der Erde der ver­achtete Fremdling war. „Er war in der Welt, und die Welt kannte ihn nicht“ (Joh 1,10). Er war „wie ein Pelikan in der Wüste“ (Ps 102,6) in einer artfremden und feindseligen Umgebung.
Unsere Fremdlingschaft ist dadurch gekennzeichnet, dass alles, was wir in Christus haben, nicht auf der Erde, sondern im Himmel zu finden ist: unser Vater, unser Herr und Heiland selbst, unser Leben (es ist verbor­gen mit dem Christus in Gott), unsere Wohnung, unser Bür­gertum, unser Erbteil, unsere Seg­nungen, unsere Nahrung – alles ist im Himmel!
Dadurch sind wir Fremdlinge auf der Erde. Wie ist es nun möglich, als Fremdlinge auf der Erde zu leben, in einer weltlichen Umgebung, die nichts von all diesen himmlischen Dingen kennt, die in geistlicher Weise zum Leben benötigt werden?
Ein besonderes Geschöpf Gottes kann uns helfen, die Antwort zu fin­den: die Wasserspinne. Dieses kleine Tier lebt im Wasser – obwohl es als Insekt in dieser artfremden Umge­bung eigentlich nicht überleben kann! Denn eine Spinne kann mit ihren Tracheen (kleine Luftröhrchen) und Stigmen (Atemlöcher, über die Luft in die Tracheen gelangt) unter Was­ser nicht atmen. Wie gelingt es die­sem kleinen Tier nun, sich dennoch unter Wasser aufzuhalten?
Sie umgibt sich mit einer großen Blase, die mit Luft gefüllt ist, die sie zuvor oberhalb der Wasseroberflä­che aufgenommen hat. Darin kann sie wie in einer Taucherglocke auch un­ter Wasser atmen und so in einer ihr völlig artfremden Umgebung (über)leben.
Diese Veranschaulichung aus Got­tes Schöpfung lässt sich leicht auf unser geistliches Leben anwenden: Nur dann, wenn wir uns mit himm­lischer Atmosphäre umgeben, also in geistlicher Weise die himmli­schen Örter durch die tägliche Ge­meinschaft mit Christus im Gebet und im Lesen seines Wortes aufsu­chen, können wir als Fremdlinge in einer gottlosen Welt für unseren Herrn leben.

in der Welt

So sind wir inmitten einer fremden Umgebung in dieser Welt zurück­gelassen – umgeben von einem gottlosen System unter der Anfüh­rung Satans, aber umhüllt von himmlischer Atmosphäre. Wir sind zwar noch in der Welt, aber nicht von der Welt (s. Joh 17,11.16). Wir haben keine Gemeinschaft mit den weltlichen Dingen, die uns hier umgeben.

Drei innere Kennzeichen der Welt

Obwohl wir als Fremdlinge in einer Welt, die dem Gläubigen nichts bie­ten kann, unterwegs sind, ermahnt uns der Apostel Johannes: „Liebt nicht die Welt noch was in der Welt ist“ (1. Joh 2,15).
Haben wir in einer feindseli­gen Umgebung, die der Natur des neu­en Lebens völlig entgegenge­setzt ist, solch eine Ermahnung über­haupt nötig? Ja gewiss, denn das, was in der Welt ist, knüpft an un­sere alte Natur an. Die Welt fin­det in unserem Fleisch der Sünde einen Bundesgenossen.
Der Apostel macht klar, um welche Dinge es sich dabei handelt: „die Lust des Fleisches und die Lust der Augen und der Hochmut des Le­bens“ (1. Joh 2,16).

Drei äußere Kennzeichen der Welt

Diese drei inneren, wesenhaften Kennzeichen der Welt werden nach außen hin in ihrem Handeln und Tun bemerkbar. Grundsätzlich ist das, was die Welt tut, ebenfalls durch drei wesentliche Prinzipien gekennzeichnet. Gottes Wort stellt uns auch diese äußeren Kenn­zeichen der Welt vor, um uns vor dem Einfluss der Welt in jeglicher Hinsicht zu warnen. Zur Veran­schaulichung die­ser drei äußeren Kenn­zeichen dient uns das alttesta­mentliche Vorbild Ägyptens in der Zeit der Gefangen­schaft des Volkes Israels.

die Welt ist ohne Gott

Zunächst handelt und lebt die Welt völlig ohne Gott. Insbesondere in der heutigen Zeit ist die Gottlosig­keit der Menschen weit fortge­schritten. Überall ist der Mensch bemüht, Gott aus dem Spiel zu hal­ten. Die heute so selbstverständlich gelehrte Theorie der Evolution ist ein stell­vertretendes Beispiel.
Doch nicht nur in der Wissenschaft, auch in Politik, Wirtschaft und sogar in kirchlicher Religion stützt man sich auf den eigenen Verstand und irdische Hilfsmittel, ohne die Hilfe Gottes von oben in Anspruch neh­men zu wollen.
Hier erfüllt sich buchstäblich das alt­testamentliche Vorbild Ägyptens als Symbol des weltlichen Systems: die­ses Land bezieht nahezu aus­schließlich alles lebensnotwen­dige Wasser aus dem Nil (s. 5. Mo 11,10). Nor­malerweise gibt es dort keinen Re­gen, kein Wasser vom Himmel. So stützt sich auch heute die Welt allein auf irdische Quellen und fragt nicht nach dem Segen Gottes von oben.

„Überall ist der Mensch bemüht, Gott aus dem Spiel zu halten.“


die Welt ahmt göttliche Dinge nach

Angesichts dieser Eigenschaft der Welt ist das zweite Prinzip ihres Handelns durchaus erstaunlich: Sie ahmt göttliche Dinge nach – obwohl sie, wie gerade gesehen, völlig ohne Gott lebt. Diese beiden Eigenschaf­ten werden trotz ihrer Widersprüch­lichkeit gleichzeitig in der Welt prak­tiziert und offenbaren damit die Un­ordnung und Zwiespältigkeit des weltlichen Systems unter der Anfüh­rung Satans.
Auch dieses zweite Kennzeichen wird im Vorbild Ägyptens dadurch deut­lich, dass der Pharao die göttlichen Zeichen Moses durch seine Zauber­künstler nachahmen ließ (s. 2. Mo 7, 11.22).
Hierin zeigt sich das Prinzip des Handelns des Feindes Gottes, dem Fürst dieser Welt: Er versucht Gott zu imitieren. Er nimmt dazu die Ge­stalt eines Engels des Lichts an und verführt die Menschen. Zu späterer Zeit wird dies der Antichrist in vollkommener Weise unter der Anleitung Satans tun und sich Gott gleich machen (s. 2. Thes 2, 4.9 und Off 13,11).

die Welt macht Kompromisse

So imitiert die Welt göttliche Din­ge, obwohl sie völlig ohne Gott lebt. Doch es zeigt sich noch ein drittes Kennzeichen: Die Welt ist immer bemüht, dem Gläubigen Kompro­misse anzubieten – eine gefährli­che Versuchung durch die Welt, der viele Gläubige erliegen.
Auch diese Eigenschaft wird schon im Vorbild Ägyptens deutlich. Als der Pharao durch die Zeichen Mo­ses und die strafenden Plagen Got­tes das Wirken des Allmächtigen er­fuhr, beschloss er endlich doch, das Volk Israel ziehen zu lassen – aller­dings nur unter bestimmten Voraus­setzungen. Wir finden ins­gesamt vier Kompromisse, die der Pharao Mose vorschlug. Diese be­gegnen uns auch heute noch in der Welt.

  1. Der erste Kompromissvorschlag des Pharao bestand darin, dass das Volk im Land Ägypten seinen Dienst für Gott aus­üben sollte: „Geht hin und op­fert eurem Gott im Land“ (2. Mo 8,21). Auch heute noch gaukelt Satan vor, dass unser Leben und unser Dienst für Gott auch ohne Absonderung von der Welt mög­lich seien. Wie gefährlich ist es, diesen Kom­promiss mit der Welt einzugehen! Nur im Gehorsam und getrennt von allem Bösen ist ein Gott wohlgefälliges und segensreiches Leben möglich.
  2. Zweitens versuchte der Pharao sich dadurch einen Vorteil zu ver­schaffen, dass er das Volk nur eine kurze Wegstrecke weit weg ziehen lassen wollte: „Ich will euch ziehen lassen, …, nur entfernt euch nicht so weit!“ (2. Mo 8,24). Gott befahl allerdings, drei Tage­reisen weit auszuziehen (s. 2. Mo 8,23). So hat der Feind auch heu­te noch die Absicht, das Wort Gottes nicht ganz exakt wieder­zugeben, um seine Kompromisse vermeintlich mit dem Wort Got­tes verknüpfen bzw. sogar recht­fertigen zu können. Bei den Ver­suchungen von Eva im Garten Eden und dem Herrn Jesus in der Wüste tat er dies in gleicher Wei­se. Diese Taktik Sa­tans ist weitaus gefährlicher, als das Wort Gottes vollständig abzu­streiten!
  3. Doch Mose ließ sich auch durch dieses Angebot Ägyptens nicht vom Wort Gottes abbringen. Dar­aufhin schlug der Pharao vor, nur die Männer aus dem Volk ziehen zu lassen (s. 2. Mo 10,11). Welche einfache Anwendung kön­nen wir daraus für uns ziehen? Möchte nicht auch heute noch der Teufel verhindern, dass wir als Ehepaare und Familien gemein­sam dem Herrn dienen? Satan will durch Ehepartner und Kinder Einfluss auf unser Familienleben nehmen und uns dadurch an sich binden. Er versucht stets, die Ein­heit der Familie anzugreifen – Gott hingegen möchte bewirken, dass die ganze Familie, das ganze Haus, errettet wird (s. Apg 16,31) und gemeinsam auf dem Weg des Glaubens vorangeht.
  4. Der letzte Versuch des Pharao, einen Kompromiss mit Mose ein­zugehen, ließ nicht lange auf sich warten. Seine Bedingung an Mose war nun: „Zieht hin, dient dem Herrn; nur euer Kleinvieh und eure Rin­der sol­len zurück­bleiben“ (2. Mo 10,24). Ohne Opfertiere wäre dem Volk Israel aber die Grundlage zum Gottesdienst und zur Anbetung genommen worden. In gleicher Weise möchte der Feind auch uns, das himmlische Volk Gottes, durch den Einfluss der Welt von dem Dienst im Werk des Herrn und der Anbetung des Vaters abbringen.

Ausblick

All das zeigt uns, dass wir in unse­rem Leben als Fremdlinge in dieser Welt einen gefahrvollen Weg durch eine gottlose Umgebung zu gehen haben, auf dem wir auch vor der Kompromissbereitschaft der Welt gewappnet sein müssen.
Wie gut, dass der Herr Jesus selbst dafür sorgen wird, dass wir auf diesem Weg bewahrt bleiben. Sei­ne letzten Worte an seine Jünger unmittelbar vor Golgatha gelten auch uns heute: „Aber seid guten Mutes, ich habe die Welt über­wunden“ (Joh 16,33)!

Matthias Wölfinger

Familie – Ort des Segens

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Unter dieser Überschrift fand im Mai 2018 eine Familienkonferenz im Begeg­nungszentrum am Erikasee in Laubusch statt. Am ersten Tag wurden in kurz­en Vorträgen drei wichtige Begriffe behandelt. Es ging um Vertrauen, Treue und Aufrichtigkeit. Am zweiten Tag wurde Josua 24 betrachtet, wobei neben der Auslegung der Verse die praktische Anwendung auf Ehe, Familie und Be­ziehungen im Fokus stand. Nachdem in Heft 4/2018 für die Leser von „Bleibt in mir“ die Hauptinhalte der Vorträge zusammengefasst wurden, findet sich im Folgenden eine Zusammenfassung der Betrachtung über Josua 24.

Praktische Impulse aus Josua 24 für Ehe und Familie heute

Das Buch Josua beschreibt den Einzug des Volkes Israel in Kanaan, sowie die Eroberung und die Verteilung des Landes an die einzelnen Stämme. Während einer Zeit von etwa dreißig Jahren führt Josua das Volk als treuer Diener Got­tes. Am Ende seines Lebens wendet er sich noch einmal an die Israeliten. In Kapitel 23 spricht er persönliche Worte, in Kapitel 24 spricht er die Worte des Herrn an das Volk. Im Zentrum dieses Kapitels steht die Frage, wem das Volk dienen will. Doch bevor diese Frage gestellt wird, schildert Josua zunächst die Wege Gottes mit seinem Volk. Es sind Wege, auf denen Er seine Souveränität, seine Macht und vor allem seine große Gnade gezeigt hatte. Diese Gnade Gottes soll die Herzen zur richtigen Entscheidung bewe­gen, eine Entscheidung, die Josua mit seinem ganzen Haus als leuchtendes Beispiel schon getroffen hat: „Ich aber und mein Haus, wir wollen dem Herrn dienen!“ (Jos 24,15).

Führung im Volk Gottes – auch in Ehe und Familie
er­forderlich

Um dem Volk die Worte des Herrn mitzuteilen, versammelt Josua das Volk nach Sichem. Das war ein Ort der Entscheidung und auch an die­sem Tag sollte eine Entscheidung getroffen werden. Der Name des Ortes, Sichem, kann übersetzt wer­den mit „Nacken“ oder „Schulter“. Genau darum sollte es in der anste­henden Entscheidung gehen. Würde das Volk sich dafür entscheiden, ih­ren Nacken oder ihre Schulter unter den Dienst des Herrn zu stellen, um Ihm gehorsam zu sein? Auch für uns stellt sich immer wieder die Frage, ob wir mit unseren Fa­milien dem Herrn Jesus dienen wol­len oder an­dere Ziele verfolgen.
Josua versammelt das Volk und stellt es bewusst vor Gott. Suchen wir in unseren Familien auch die Zeit, in der wir gemeinsam bewusst vor Gott sind, um in seinem Wort zu lesen und zu beten? Und nehmen wir uns wieder neu vor, in unseren Familien auch dafür einzustehen, den Ort zu kennen und aufzusuchen, an dem wir zusammen mit anderen Glaubenden im Namen des Herrn Jesus versammelt sind!
Besonders die Führer im Volk Gottes werden angesprochen. Es sind die Ältesten, die Häupter, die Richter und die Vorsteher. Auch in unseren Ehen und Familien muss es Führung geben. In besonderer Verantwortung stehen dabei die Ehemänner und Väter. Sie sollen gekennzeichnet sein durch Weisheit („Älteste“), durch die Bereitschaft, Versorgungs- und Leitungsaufgaben zu übernehmen („Häupter“), durch Einsicht in die Ge­danken Gottes („Richter“) und durch eine moralische Autorität („Vorste­her“). Mit der Hilfe Gottes dürfen wir diese Merkmale zeigen.

Einst“ und „jetzt“ – auch in der Familie darüber reden

Josua stellt dem Volk die Wege Got­tes vor, beginnend mit der Auser­wählung und Berufung Abrahams. Ein großer Gedanke dabei ist, dass Abraham und seine Familie ur­sprünglich Götzendiener waren, dass Gott sie aber herausgerufen hat und ihnen schließlich das gute Land Ka­naan geschenkt hat.
Das lässt uns daran denken, dass es auch für uns ein „einst“ und ein „jetzt“ gibt. Einst Feinde Gottes, jetzt Kinder Gottes. Einst verloren, jetzt gerettet. Einst tot in Sünden und Vergehungen, jetzt mit Christus le­bendig gemacht und reich gesegnet. Kennen wir dieses „einst“ und „jetzt“ in unseren Familien? Darüber dür­fen wir mit unseren Kindern reden, damit ihnen die Gnade Gottes wirk­lich groß wird!

Tut die fremden Götter weg – auch in Ehe und Familie

Abraham wurde aus dem Götzen­dienst herausgerufen. Im Neuen Tes­tament sind es die Thessaloni­cher, von denen gesagt wird, dass sie sich von den Götzen bekehrt ha­ben, um dem lebendigen Gott zu die­nen und seinen Sohn aus den Himmeln zu erwarten (s. 1. Thes 1,9.10).
Im weiteren Verlauf des Kapitels soll das Volk sich entscheiden, ob es dem Herrn oder den Götzen dienen will. Auch für uns ist diese Entschei­dung wichtig. Gibt es in unseren Fa­milien „Götzen“, d.h. Dinge, die dem Herrn Jesus den Platz streitig ma­chen, der Ihm zusteht?
Das können sogar an sich gute Din­ge sein. In einer Ehe kann die Sexuali­tät zum Götzen werden, in einer Fa­milie können die Kinder zum Götzen werden. Auch Beruf, Haus und Ur­laub können zu Götzen werden. Geben wir jedoch dem Herrn Jesus den ersten Platz in unseren Häu­sern, dann wird Er seinen Segen ge­ben!

Die Berufung leben

In Isaak, dem Sohn Abrahams, se­hen wir einerseits Leben aus dem Tod und andererseits Leben aus Glauben. Abraham glaubte Gott und Er schenkte ihm einen Sohn, obwohl Abraham und Sarah eigentlich schon zeugungsunfähig geworden waren. Das ist im übertragenen Sinn auch ein großer Ansporn für uns in unse­ren Familien. Auch da mag es aus menschlicher Sicht unmögli­che Dinge geben. Vielleicht Proble­me, die zu groß für uns erschei­nen. Aber unser Glaube klammert sich an Gott, der alle Macht hat. So können wir durch Glauben leben und werden Gottes Hilfe erfahren.
Das Leben aus Glauben ist auch ein Leben entsprechend der Berufung, mit der wir berufen sind. Es ist eine himmlische Berufung! Das zu ver­stehen und sich daran zu freuen, wird unser Leben prägen. Wir wer­den dann als solche leben, die zum Himmel gehören, und nicht als sol­che, die auf der Erde möglichst viel erreichen wollen. Das wird auch der Kindererziehung die richtige Aus­richtung geben. Es geht uns dann nicht darum, dass sie auf der Erde möglichst viel erreichen, sondern dass sie das Leben auf der Erde nut­zen, um Schätze für den Himmel zu sammeln.

Zwei Wege

Die beiden Enkel Abrahams, Jakob und Esau, stehen für zwei Wege, die wir wählen können. Esau war ein Mensch ohne Beziehung zu Gott, ein Ungöttlicher (s. Heb 12,16). Jakob hatte eine Beziehung zu Gott, ein Glaubender, auch wenn er viele ei­genwillige und sündige Schritte in seinem Leben gegangen ist. Aber Gott ist mit ihm zu seinem Ziel gekommen.
Auch für unsere Kinder kommt die Zeit, eine persönliche Entscheidung zu treffen. Möge der Herr uns hel­fen, ihnen dabei in der richtigen Weise den Weg zum Leben zu wei­sen. Letztlich müssen sie ihre Ent­scheidung jedoch selbst treffen. Be­ten wir ernstlich dafür, dass sie sich richtig entscheiden!
Es fällt auf, dass Josua nicht weiter auf das falsche Verhalten Esaus ein­geht. Der Grund ist, dass der Geist Gottes in diesem Kapitel ein ande­res Thema vorstellt. Das lässt uns an eine ganz praktische Lektion den­ken: Auch wir sollten nicht immer und zu jeder Zeit die Fehler und das Versagen unserer Kinder nennen. Das kann sie mutlos machen und sie unnötig in ein falsches Licht stellen. Oft sind wir gerade unseren eigenen Kindern gegenüber zu anspruchsvoll und kritisch. Möge der Herr uns die nötige Ausgewogenheit darin schen­ken, sie richtig zu beurteilen und in der richtigen Weise zu reden. Wir brauchen seine Hilfe dabei!

Gott die Führung überlassen

Nachdem Josua die Patriarchen er­wähnt hat, beschreibt er nun den Weg Gottes mit seinem Volk, das Er aus Ägypten befreit, durch die Wüs­te geführt und schließlich in das Land Kanaan gebracht hat. Dabei hat Er sein Volk wunderbar geleitet und jede Verheißung eingehalten, die Er gegeben hat.
Auch uns wird Gott in gleicher Güte führen und leiten, auch in unseren Ehen und Familien. Unsere Kinder dürfen wir Ihm ebenfalls anbefeh­len, Er wird auch sie führen. Das macht uns ruhig und glücklich.
Aber es erfordert auch, dass wir uns wirklich seiner Führung überlassen und Ihm vertrauen. Das bedeutet, auch einmal loszulassen und vor al­lem das Aufgeben des Eigenwillens!

Gott ist größer

Auf dem Weg hinaus aus Ägypten, durch die große Wüste hindurch und hinein in das verheißene Land hat das Volk oft erlebt, dass Gott größer ist als jeder Feind. Er ist stärker als der Pharao in Ägypten, Er ist stärker als die Feinde in der Wüste, Er ist stärker als jeder Feind im Land. Das lässt uns daran denken, dass sei­ne bewahrende Macht und Gna­de auch für uns da sind. Ma­chen wir sie uns zunutze, um dem Feind zu widerste­hen, der uns an die Welt binden, auf dem Weg zu Fall bringen und den Genuss der geistlichen Segnungen zerstören will. Wir dürfen stark sein in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke (s. Eph 6,10)!

Die entscheidende Frage

Nachdem Josua ausführlich die Wege der Gnade Gottes vorgestellt hat, stellt er das Volk vor die Entschei­dung. Dabei ist er selbst das große Vorbild. Wie auch immer das Volk sich entscheiden würde – er hatte die Wahl getroffen. Er wollte mit seinem Haus dem Herrn dienen und niemandem sonst. Das waren bei Josua keine leeren Worte. Es waren Worte, denen etwa 110 Lebensjahre zugrunde lagen, in denen er genau das ausgelebt hatte. Wollen auch wir bereit sein, diese Entscheidung konsequent zu leben und bei Bedarf zu erneuern. Der Herr wird seinen Segen dazu geben!

nach einer Wortbetrachtung in Laubusch
Christian Rosenthal

Einsamkeit

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„Eine Frau stirbt – und niemand vermisst sie.“ – Das ist eine erschütternde Nachricht, doch sie ist schon lange keine Seltenheit mehr in unserer Gesellschaft. Wie viele Menschen leben völlig vereinsamt, und wenn sie plötzlich nicht mehr da sind, werden sie von niemandem vermisst. Die 48 Jahre alte Frau, von der diese Nachricht berichtet, ist in ihrer Wohnung eines natürlichen Todes gestorben. Wochenlang hat es keiner bemerkt!
Einsamkeit muss natürlich nicht immer in einer solch extremen Form erkennbar werden, aber wir wollen uns trotzdem die Frage stellen, wie verbreitet dieses Phänomen auch unter dem Volk Gottes ist.

Einsamkeit unter jungen Gläubigen

Betrifft dieses Thema nicht eher äl­tere Geschwister, bzw. Witwer oder Witwen? Sicherlich gehören sie ganz besonders zu der Gruppe derer, die wissen, was Einsamkeit bedeutet. Aber auch schon viele junge Chris­ten sind leider davon betroffen.
Oft haben sie sich durch die Gnade Gottes früh bekehrt und ihre weite­re Entwicklung scheint „normal“ zu verlaufen. Sie gehen zur Sonntag­schule und besuchen die Zusammen­künfte der Gläubigen. Doch auf ein­mal werden die Besuche unre­gelmäßig und vielleicht werden ei­gene Wege eingeschlagen.
Eine mögliche Ursache für dieses Verhalten kann die Einsamkeit, ge­paart mit einem „Sich-Nicht-Verstan­den-Fühlen“, sein. Die Seele iso­liert sich mehr und mehr und wen­det sich Dingen oder sogar Perso­nen zu, bei denen sie Anerkennung oder Bestätigung zu finden glaubt.
Was tun wir, wenn wir bemerken, dass unsere jungen Mitgeschwister „auf beiden Seiten hinken“ und nicht mehr richtig wissen, wohin sie gehören? Wie gehen wir mit ihren aufkommenden Zweifeln um? Wenn wir im Nachhinein sagen, dass wir es schon haben kommen sehen, dann bedeutet das nur, die eigene Schuld des Unterlassens ans Licht zu brin­gen und sich damit selbst zu verur­teilen.
Gerade in kleineren örtlichen Ver­sammlungen sind oft keine gleich­altrigen Gläubigen da, mit denen sich junge Geschwister über ihre Fragen austauschen könnten. Die Gefahr, sich zurückzuziehen, sich zu isolieren und sich abzukapseln ist dann sehr groß, wenn kein rechtes Vertrauens­verhältnis zu Eltern oder älteren Ge­schwistern vorhanden ist.
Lasst uns deshalb offene Ohren, Häuser und Herzen für junge Ge­schwister und ihre Fragen ha­ben.
Lasst uns unsere jungen Geschwis­ter dazu anleiten, ihr Leben in einer lebendigen Beziehung mit ihrem Herrn und für ihren Herrn zu füh­ren! Und als Eltern wollen wir bereit sein, etwas zu investieren, um unse­ren Kindern gute Kontakte zu er­möglichen.

Einsamkeit in der Ehe

Ist das nicht ein Widerspruch in sich? Man kann sicherlich zu Recht sagen, dass die Ehe die schönste und innigste Lebensgemeinschaft zweier Menschen auf der Erde ist. Und trotzdem kann es vorkommen, dass Ehepartner sich voneinander isolieren, dass sie sich einsam und unverstanden fühlen. Ihre Ehe hat aufgehört zu pulsieren. Beide funk­tionieren nur noch und leben ne­beneinander her. Jeder fühlt sich ein­sam und unverstanden!
Vielleicht ist der Anlass eine Prüfung in der Ehe. Der Mann geht mit der Situation eher vernunftmäßig um und erwartet von seiner Frau, dass sie das nachvollziehen kann. Die Frau hingegen fühlt sich unverstan­den und verletzt. Jeder war­tet dar­auf, dass der Andere den ersten Schritt macht, und emp­fängt nicht das, was er erwar­tet. Als Folge kann Isolation beider Ehepart­ner vonein­ander eintreten.
Doch dieser ungesunde Zustand muss nicht so bleiben! Eine gute Hil­festellung für den Umgang zwi­schen Eheleuten bietet Kolosser 3, 12-19 (hier geht es zunächst um das Zu­sammenleben als Gläubige allge­mein und ab Vers 18 konkret um die Ehe) und 1. Petrus 3,1-7. Lesen wir diese Bibelstellen unter Gebet! Der Herr gebe, dass wir auch in Bezug auf diesen Bereich „voll­kommen und völ­lig überzeugt in allem Willen Got­tes stehen“ (Kol 4,12).

Einsamkeit im Leben von Witwen/Witwern und Al­leinstehenden

Besonders schwer wiegt die Einsam­keit von Gläubigen, deren Ehepart­ner gestorben oder weggegan­gen ist[1].
Zu wem können beispielsweise jün­gere Witwen, die noch mitten im Leben stehen, mit ihren Sorgen und Problemen gehen? Da ist kein Ehe­mann mehr, den sie zu Hause befra­gen können (s. 1. Kor 14,35). Wie leicht werden sie bei der „tägli­chen Bedienung“ (s. Apg 6) über­sehen, weil sie niemanden mehr an ihrer Seite haben, der für sie ein­tritt.
Wer kennt die Not eines verwitwe­ten, vielleicht sogar noch jüngeren Bruders, der plötzlich allein zurecht­kommen muss? Die Person, die ihn am besten kannte, die zugehört und weise Ratschläge gegeben hat, fehlt so sehr!
Hinzu kommen die normalen Alltags­themen. Neben der beruflichen Be­lastung muss eben alles andere auch noch erledigt werden. Er hat keine nötige Hilfe mehr in allen Berei­chen!
Oder die Schwester, die von ihrem Mann verlassen wurde. Wissen wir, was eine solche Seele durchmacht? Wie schön, wenn Schwestern sich die Zeit nehmen, ih­rer leidgeprüf­ten Mitschwester zu­zu­hören und sie, wo irgend möglich, zu unterstützen. Wie schön ist es, wenn ein Bruder, der das Herz eines Hirten besitzt, zu­sammen mit seiner Ehefrau dazu bereit ist, einen Seelsorgedienst aus­zuüben. Denn die Aufforderung be­steht: „freut euch mit den sich Freu­enden und weint mit den Wei­nenden“ (Röm 12,15).

"Freut euch mit den sich Freuenden und weint mit den Weinenden."
(Römer 12,15)


Lasst uns auch unsere sehr einsa­men älteren Geschwister nicht verges­sen, die oft zusätzlich noch gesund­heitliche Probleme haben und kaum mehr wissen, wie sie ihre Tage ver­bringen sollen. Für manche ist das unaufhörliche Ticken der Wanduhr über einen langen Zeitraum die ein­zige Geräuschquelle, die sie verneh­men. Viele ältere Menschen schla­fen außerdem nicht mehr gut, und so kommen zu dem langen Tag die einsamen Stunden der Nacht hinzu.
Siehst du hier vielleicht eine Aufga­be für dich? Einen Brief oder eine kurze Nachricht zu schreiben, ein Telefonat zu führen, oder noch bes­ser, einen Besuch zu machen, das kostet dich nicht viel und kann doch so wertvoll sein.
Bei einem solchen Besuch wirst du wahrscheinlich die Erfahrung machen, dass du selbst erfüllter nach Hause gehst als du gekommen bist, weil du von dem reichen geistlichen Erfahrungsschatz dei­nes Mitbruders/deiner Mitschwes­ter profitieren konntest.
Wir könnten noch viele weitere Bei­spiele für Einsamkeit anführen. Schon die Kinder in der Schule können ein­sam sein, wenn sie in ihrer Klasse die Einzigen sind, die an den Herrn Jesus glauben. Sie benötigen drin­gend ein offenes Ohr vonseiten ih­rer Eltern. Das kann bereits in der Grundschule beginnen, wenn die Mitschüler während der Pausen Szenen aus Filmen spielen, die das Kind nicht kennt. Später können Unterrichtsfächer wie Biologie und Religion z.B. zum Thema Schöpfung oder Evolution unsere gläubigen Kinder einem großen Spannungsfeld aussetzen. Wenn sie sich klar für die Wahrheit der Bibel aussprechen, können sie schnell in eine Außensei­terrolle kommen.

Einsamkeit in der Bibel

Doch wir wollen uns die Frage stellen, was Gottes Wort zum The­ma ‚Einsamkeit‘ sagt und was uns der Herr Jesus selbst darüber lehrt.
Zunächst erinnern uns Bibelstellen wie Psalm 102,7.8 – „Ich gleiche dem Pelikan der Wüste, bin wie die Eule der Einöden. Ich wache und bin wie ein einsamer Vogel auf dem Dach.“ – sehr stark daran, dass un­ser Herr Jesus Christus ge­nau weiß, was Einsamkeit bedeutet.
Er ist Derjenige, der in allem in glei­cher Weise wie wir versucht worden ist, ausgenommen die Sünde (s. Heb 4,15).
Die größte Einsamkeit, die unser Er­leben und Empfinden bei Weitem übersteigt, hat ER erfahren!
Zu Beginn seines öffentlichen Weges war der Herr Jesus einsam in der Wüste. Selbst der vollkommene Die­ner wird von dem Geist in die Wüste geführt, bevor er seinen öffentli­chen Dienst beginnt.
Hier merken wir, dass Einsamkeit nicht immer einen negativen Cha­rakter haben muss, sondern durch­aus sehr nützlich sein kann. Am Ende dieser Zeit in der Wüste sieht der Herr sich besonders den Angrif­fen des Feindes ausgesetzt. Aber seine Bewährung in diesen extre­men Prüfungen, die den ganzen Menschen betroffen haben, wird völlig sichtbar.
Als wahrer Mensch hat unser Herr in seinem Leben hier auf der Erde völlig empfunden, was es bedeu­tet, einsam und unver­standen zu sein. Einmal wollten sogar seine Mutter und seine Brüder Ihn zurückhalten, seinen Dienst aus­zuüben – d.h., selbst sei­ne nächsten Verwandten haben Ihn nicht ver­standen.
Ganz zu schweigen von dem Verhal­ten der Menschen im Allgemeinen. Dem ständigen Hass und dem Egois­mus ausgesetzt, ging der Herr in völliger Harmonie mit seinem Gott und Vater bis nach Golgatha.
Dort am Kreuz war dann der Höhe­punkt der Einsamkeit erreicht, wo Jesus Christus, ganz allein zwischen Himmel und Erde, sogar von dem heiligen Gott im Gericht verlassen werden musste (s. Mt 27,46).

Ein persönliches Wort an Einsame

Der Herr Jesus empfindet zutiefst, wenn du dich einsam fühlst. Wäh­rend Er am Kreuz hing, sah Er seine Mutter und wusste, was sie in die­sen Augenblicken durchmachen musste, als ein Schwert ihr Herz durchdrang (s. Lk 2,35). Ihr erstge­borener Sohn hing am Kreuz, um den schmachvollsten Tod sterben zu müssen. Aber was tut Er? Er denkt nicht an sich, sondern sorgt für­sorglich für seine Mut­ter, indem Er sie genau dem Jünger anver­traut, der am ehesten für die­se Auf­gabe ge­eignet war.
So nimmt der Herr auch deine Ein­samkeit wahr und kümmert sich um dich.
Ich möchte dir mit diesen Zeilen Mut machen, Einsamkeit nicht nur von der negativen Seite zu sehen, sondern als eine Gelegenheit, be­sondere Erfahrungen mit deinem Herrn machen zu können und dich in dieser Übung seiner Fürsorge zu übergeben. Dabei solltest du sehr wachsam sein, auch wenn du dich vonseiten deiner Mitgeschwister un­verstanden fühlst, dich in irgendeine Form der Isolation zu flüchten.
Lieber junge Schwester, empfindest du vor dem Herrn den Wunsch, zu heiraten und fühlst dich einsam? Nimm diese Zeit der Einsamkeit von deinem Herrn an und nutze sie für Ihn.
Was ist aber, wenn es länger dauert und kein gläubiger Mann dich fragt? Dann harre auch in dieser Weise aus. „Das Ausharren aber habe ein vollkommenes Werk“ (Jak. 1,4). Der Herr allein kennt den richtigen Zeit­punkt.
Gehe keine Kompromisse gegen­über dem ein, was der Herr uns in seinem Wort zeigt. Das al­lein wird Segen bedeuten. Fliehe nicht aus der Einsamkeit, indem du „Fleisch zu deinem Arm machst“ (s. Jer 17,5) oder die Dinge selbst in die Hand nimmst. Lass den Herrn alles ma­chen und bleibe seinem Wort treu.
Junger Bruder, wie gehst du mit den gleichen, wichtigen und segensrei­chen Prüfungen vor der Ehe um? „Wodurch wird ein Jüngling seinen Pfad in Reinheit wandeln? Indem er sich bewahrt nach deinem Wort“ (Ps 119,9).
Was euch, liebe ältere Geschwister, anbetrifft, so lasst euch ermuntern, den Herrn Jesus nachzuahmen. Lasst euch die Kraft schenken, nicht so sehr an euch und an eure Einsam­keit zu denken, sondern nehmt die Einsamkeit als Anlass, anderen, viel­leicht ebenfalls sehr Einsamen, zu helfen. Nur wer selbst die Einsam­keit kennt und dadurch auch nach­empfinden kann, was andere Lei­dende durchmachen, ist wirklich zu einem hilfreichen Dienst befähigt.
„… damit wir die trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind, durch den Trost, mit dem wir selbst von Gott getröstet werden, …“ (2. Kor 1,4).

… er hat gesagt:
„Ich will dich nicht versäumen und dich nicht verlassen“; so dass wir kühn sagen können:
„Der Herr ist mein Helfer, und ich will mich nicht fürchten“.
(Hebräer 13,5.6)


Steffen Bamberger


Fußnoten:

  1. Gott sagt in seinem Wort, dass er Entlassung hasst (s. Mal 2,16) und doch kommt es leider immer häufiger vor, dass ein Ehepartner die schwerwiegende Sünde begeht, den Anderen zu verlassen.

Das schaffe ich (nie)!

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„Das schaffe ich nie!“ So denken wahrscheinlich viele Schwestern, wenn sie die Verse über die tüchtige Frau in Sprüche 31 lesen und das Arbeitspensum und den Wirkungskreis dieser Frau mit ihrem eigenen Alltag vergleichen. Vielleicht macht sich bei der einen oder anderen sogar Niedergeschlagenheit breit, weil sie meint, den Ansprüchen nicht gerecht zu werden.
Schauen wir uns an, womit der Apostel Paulus Nacht und Tag beschäftigt war, wird es aber auch vielen männlichen Lesern nicht anders gehen.
Doch wenn Gott uns in seinem Wort solche Vorbilder aufschreiben lässt, will Er uns dadurch ja nicht mutlos machen. Ganz im Gegenteil! Wie gehen wir dann aber mit solchen Vorbildern um?

Unerreichbar ...

Einen aufschlussreichen Hinweis dazu finden wir in Johannes 13. Dort ist der Herr Jesus in der Nacht, in der Er überliefert wurde, mit seinen Jün­gern in dem Obersaal, um dort mit ihnen das Passah zu feiern. Wäh­rend des Abendessens steht Er auf und wäscht seinen Jüngern die Füße.
Das Waschen der Füße vor dem Es­sen war damals ein üblicher Brauch. Üblicherweise wusch derjenige den zum Essen Versammelten die Füße, der die niedrigste soziale Stellung un­ter ihnen hatte. Abgesehen von der tiefen geistlichen Belehrung, die der Herr den Jüngern damals und damit auch uns heute gibt, können wir die Entrüstung des Petrus' gut verste­hen. Er war sich in diesem Augenblick wahrscheinlich bewusst, dass der Herr eigentlich der Letzte war, dem diese Aufgabe im Kreis seiner Jünger zugefallen wäre.
„Ihr nennt mich Lehrer und Herr, und ihr sagt es zu Recht, denn ich bin es. Wenn nun ich, der Herr und der Lehrer, euch die Füße gewa­schen habe, so seid auch ihr schul­dig, einander die Füße zu waschen. Denn ich habe euch ein Beispiel ge­geben, damit, wie ich euch getan habe, auch ihr tut“ (Joh 13,13-15).
Petrus hat diese Belehrung gut verstanden. In seinem ersten Brief spricht er ebenfalls von dem Vorbild des Herrn Jesus für unser Handeln. Dort lesen wir: „Denn hierzu seid ihr berufen worden; denn auch Christus hat für euch gelitten, euch ein Bei­spiel hinterlassend, damit ihr seinen Fußstapfen nachfolgt“ (1. Pet 2,21).
Der Herr Jesus ist in allem unser Vor­bild, Ihm sollen wir es gleich tun[1].

und trotzdem nachahmenswert

Jeder Christ weiß, dass er das voll­kommene Vorbild seines Herrn nie erreichen wird. Trotzdem wird wohl niemand auf die Idee kommen, der Aufforderung des Apo­stels Paulus nicht nachzukommen, die er an die Korinther richtet: „Seid meine Nach­ahmer, wie auch ich Christi“ (1. Kor 11,1).
Es darf und soll der Wunsch jedes Christen sein, Ihm, unserem Herrn Jesus Christus, immer ähnlicher zu werden. Das Wissen, sein vollkom­menes Vorbild nie erreichen zu kön­nen, solange wir als Menschen hier auf der Erde leben, ist kein Hinder­nis, uns täglich darin zu üben.

Der Herr ist der Auftraggeber

Einige weitere wertvolle Hinweise fin­den wir in dem Gleichnis von dem Herrn, der eine Reise ins Ausland unternahm und zuvor seinen Knech­ten seinen Besitz anvertraute. Wir finden es in Matthäus 25,14-30.
Alle Knechte erhielten den gleichen Auftrag. Sie sollten mit dem anver­trauten Besitz handeln und das Ver­mögen ihres Herrn auch während dessen Abwesenheit weiter ver­mehren.
Das wird in diesem Gleichnis zwar nicht so ausdrücklich gesagt wie in dem ähnlich lautenden in Lukas 19. Da der Dienstherr in Matthäus aber nach seiner Rückkehr Rechenschaft von seinen Knechten forderte, kön­nen wir wohl davon ausgehen, dass auch er seinen Knechten einen ähn­lichen Auftrag gab wie der in Lukas 19 erwähnte: „Handelt, bis ich kom­me“ (V. 14).
Der Herr hat jeden von uns mit un­terschiedlichen Begabungen und Fä­higkeiten geschaffen. Diese dürfen und sollen wir in Abhängigkeit von Ihm zum Wohl unseres Ehepartners und unserer Familie, unserer Mitge­schwister und der Menschen, die uns umgeben, einsetzen. Der Auftrag „Handelt, bis ich komme“ gilt auch uns.

Der Herr überfordert dabei niemanden

Der Herr in dem Gleichnis verteilte die Aufgaben „jedem nach seiner ei­genen Fähigkeit“ (Mt 25,15). Dem einen Knecht vertraute er fünf Ta­lente an, dem nächsten zwei und ei­nem anderen eins.
Der Herr kannte die unterschiedli­chen Fähigkeiten seiner Knechte. Er wusste, wie geschickt jeder einzelne war, was er besonders gut konnte, aber auch, wie belastbar seine Knech­te waren. Deshalb verlangte er von keinem mehr, als er zu leisten in der Lage war.
Der Herr Jesus kennt auch unsere Fähigkeiten und unsere Belastungs­grenzen. Und wie der Herr in dem Gleichnis, so erwartet Er auch nicht mehr von uns als wir leisten können.
Das wird deutlich, wenn wir den Lohn betrachten, den jeder Knecht erhielt, als der Dienstherr von sei­ner Reise zurückkehrte.

Der Herr schenkt gerechten Lohn

„Da sprach sein Herr zu ihm: Wohl, du guter und treuer Knecht! Über weniges warst du treu, über vieles werde ich dich setzen; geh ein in die Freude deines Herrn“ (Mt 25, 21. 23).
Jeder Knecht erhielt eine angemes­sene Belohnung, zu jedem treuen Knecht sprach der Herr Jesus die glei­chen Worte. Es spielte keine Rol­le, wie viel Vermögen er für seinen Herrn hinzugewonnen hatte. Ent­scheidend war einzig und allein, dass der Auftrag treu ausgeführt worden war.
Lasst uns deshalb nicht auf den schauen, dem der Herr vielleicht mehr aufgetragen hat als uns, und nicht mutlos werden. Auch wollen wir nicht selbstzufrieden auf den herabschauen, dem der Herr schein­bar weniger anvertraut hat als uns.
Lasst uns statt­dessen mehr auf un­seren himmlischen Auftraggeber schauen, der die Treue belohnt, mit der wir unsere Aufgaben erfüllen: „Daher, meine geliebten Brüder, seid fest, unbe­weglich, allezeit überströ­mend in dem Werk des Herrn, da ihr wisst, dass eure Mühe nicht vergeb­lich ist im Herrn“ (1. Kor 15,58).

"Lasst uns mehr auf unseren himmlischen Auftraggeber schauen, der die Treue belohnt."


Kein sanftes Ruhekissen

Der Herr möchte, dass wir uns den Aufgaben stellen, die Er uns anver­traut hat. Das können wir in der An­wendung aus dem Urteil schließen, das über den unnützen Knecht ge­sprochen wird.
Der Herr verurteilt niemanden, der nach getaner Arbeit etwas ausruht. Es ist Ihm sogar wichtig, dass wir nicht ununterbrochen wirken, son­dern auch den Pausen den gebüh­renden Platz einräumen. Das zeigt uns das Beispiel in Markus 6,30.31: „Und die Apostel versam­meln sich bei Jesus; und sie berich­teten ihm alles, was sie getan und was sie gelehrt hatten. Und er spricht zu ihnen: Kommt ihr selbst her an einen öden Ort für euch al­lein und ruht ein wenig aus. Denn es wa­ren viele, die kamen und gingen, und sie fanden nicht einmal Zeit, um zu essen.“
Aber es wäre doch schade, wenn wir vom Herrn einmal als faule Knechte bezeichnet werden müssten.

Unsere Kraftquelle

Der Herr gibt uns nicht nur unseren Auftrag. Er schenkt uns auch jede Kraft und Weisheit, die wir benöti­gen, um unsere Aufgaben zu seiner Ehre zu erfüllen. In diesem Bewusst­sein dürfen wir jeden Tag neu dank­bar an die Aufgabe(n) gehen, die der Herr uns gegeben hat. Deshalb brauchen wir uns von solchen Vor­bildern wie der Frau in Sprüche 31 oder dem Apostel Paulus nicht ent­mutigen lassen. Sie dürfen uns viel­mehr Ansporn sein, uns im Aufblick zu Ihm ans Werk zu machen und zu sagen: „Das schaffe ich – mit des Herrn Hilfe!“

"Außer mir könnt ihr nichts tun."

"Alles vermag ich in dem, der mich kräftigt."
(Joh 15,4)
(Phil 4,13)


Darum wacht, und denkt daran, dass ich drei Jahre lang Nacht und Tag nicht aufgehört habe, einen jeden mit Tränen zu ermahnen.
(Apg 20,31)

Denn ihr erinnert euch, Brüder, an unsere Mühe und Beschwerde: Während wir Nacht und Tag arbeiteten, um niemand von euch beschwerlich zu fallen, haben wir euch das Evangelium Gottes gepredigt.
(1. Thes 2,9)

Indem wir Nacht und Tag über die Maßen flehen, dass wir euer Angesicht sehen und vollenden mögen, was an eurem Glauben mangelt.
(1. Thes 3,10)

Noch haben wir von jemand Brot umsonst gegessen, sondern wir haben mit Mühe und Beschwerde Nacht und Tag gearbeitet, um nicht jemand von euch beschwerlich zu fallen.
(2. Thes 3,8)

Ich danke Gott, dem ich von meinen Voreltern her mit reinem Gewissen diene, wie unablässig ich deiner gedenke in meinen Gebeten Nacht und Tag.
(2. Tim 1,3)

Stefan Busch


Fußnoten:

  1. Damit ist natürlich nicht gemeint, dass ein Mensch dem Vorbild des Herrn entsprechend noch einmal die sühnenden Leiden des Herrn im Gericht Got­tes auf sich nehmen könnte oder gar sollte. Diese sühnenden Leiden konnte nur der Herr Jesus auf sich nehmen.

Eine tüchtige Frau – wertvoller als Korallen (Teil 4)

Die Beschreibung der tüchtigen Frau in Sprüche 31 hat uns bereits einige Male beschäftigt. In diesem Heft gibt es nun eine weitere Folge, die uns noch einmal die Qualitäten dieser Frau zeigt.

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Geschäftstüchtigkeit

"Sie fertigt Hemden an und ver­kauft sie, und Gürtel liefert sie dem Kaufmann."
(Sprüche 31,24)


Wir hatten schon gesehen, mit wel­cher Geschicklichkeit die tüchtige Frau dazu beiträgt, ihr Haus zu ver­sorgen und sogar noch etwas an andere weiterzugeben. Jetzt lernen wir, dass sie darüber hinaus Hem­den fertigt und sie verkauft und Gürtel dem Kaufmann zur weiteren Verbreitung liefert.
Wir erkennen einmal mehr, dass der Wirkungsradius dieser engagierten Frau sich zwar auf ihr Haus konzen­triert, jedoch keineswegs darauf be­schränkt ist. Sie setzt ihre unterneh­merischen Fähigkeiten ein, um damit Nutzen für sich und für andere zu stiften. Das sollte jede Frau motivie­ren, ihre Fähigkeiten entsprechend ihrer Kraft zum Guten für andere einzusetzen.
Viele Frauen haben in jungen Jahren einen Beruf erlernt. Selbst wenn sie als Ehefrau und Mutter aufgehört haben, einer regelmäßigen Berufs­tätigkeit nachzugehen, können sie die erworbenen Qualifikationen den­noch zum Nutzen für ihre Familien und für andere einsetzen.

Zuversicht

"Macht und Hoheit sind ihr Ge­wand, und so lacht sie des künfti­gen Tages."
(Sprüche 31,25)


Die tüchtige Frau schaut nicht sor­genvoll, sondern zuversichtlich nach vorne. Viele Frauen und Mütter ma­chen sich über vieles Sorgen. Sie „la­chen“ keineswegs des zukünftigen Tages.
Ohne Frage gibt es im Leben einer Frau vieles, was ihr Sorgen bereiten kann. Das Umfeld, in dem die Kinder aufwachsen, gibt keinen Anlass zum Optimismus. Der Werteverfall un­serer Gesellschaft muss uns be­schäftigen und stimmt uns ganz sicher nicht sonderlich fröhlich. Der Ehemann ist mit Problemen am Arbeitsplatz konfrontiert. Die Kinder sind krank, haben Mühe im Sozial­verhalten oder kommen in der Schu­le nicht gut zurecht.
Solche Herausforderungen kann man nicht einfach negieren. Doch wenn „Macht und Hoheit“ das Gewand sind, wenn wir uns eingehüllt wis­sen in unseren Herrn, dem alle Gewalt im Himmel und auf der Erde gegeben ist und der bei uns ist bis zur Vollendung des Zeitalters (s. Mt 28,18.20), dann müssen die Sorgen nicht die Oberhand behalten. Dann können wir unsere Sorgen vertrau­ensvoll bei dem ablegen, der für uns besorgt ist (s. 1. Pet 5,7).
Wer das tut, geht nicht sorglos durchs Leben, dennoch sieht er der Zukunft ruhig entgegen und „lacht des künftigen Tages“.

Weisheit

"Sie öffnet ihren Mund mit Weis­heit, und liebreiche Lehre ist auf ihrer Zunge."
(Sprüche 31,26)


Zum ersten Mal lesen wir von dem, was diese Frau redet. Im Gegen­satz zu dem, was leider häufiger zu beobachten ist, scheint das Reden nicht ihre eigentliche Kern­kompetenz zu sein. Sie besticht mehr durch das, was sie tut als durch das, was sie sagt.
Jakobus fordert uns alle auf, „lang­sam zum Reden“ zu sein (Jak 1,19), denn „bei der Menge der Worte fehlt Übertretung nicht“ (Spr 10,19). Besonnenheit und Selbstbeherr­schung sind für jede Frau wichtige Voraussetzungen, wenn sie redet. Und dass sie etwas zu sagen hat, liegt auf der Hand.
Wenn nun die tüchtige Frau den Mund öffnet, dann sind Worte der Weisheit und liebreiche Lehre zu hören. Diese Frau ist ganz anders als die Frau Hiobs, die „wie eine der Törinnen“ redete (Hiob 2,10).
Eine Frau und Mutter braucht in der Tat viel Weisheit. Immer wieder gibt es in der ehelichen Kommunikation Momente, in denen ein falsches Wort den Konflikt anheizen oder ein Wort der Weisheit ihn schnell been­den kann. Wie oft gibt ein schlech­tes Wort das andere, während „Worte der Weisen, in Ruhe gehört“ mehr wert sind „als das Geschrei des Herrschers unter den Toren“ (Pred 9,17).
Eine weise Frau kann erheblich dazu beitragen, den Streit zu lassen „ehe er heftig wird“ (Spr 17,14). Auch im Umgang mit Kindern sind Worte der Weisheit oft sehr nötig. Wie schnell kann das weise Wort einer Mutter Streit unter Kindern schlichten, be­vor er eskaliert.
Die Belehrung der Kinder gehört ebenfalls zum Aufgabenbereich einer Mutter. Dabei denken wir zum einen an die für das Leben auf der Erde wichtige Unterweisung (Hilfe in der Schule, Anleitung in den kleinen und großen Aufgaben des Alltags, Erler­nen von Sozialkompetenzen etc.) aber vor allem auch an die Unter­weisung in der biblischen Wahrheit.
Diese Belehrung soll nicht kühl und sachlich, sondern mit Liebe gesche­hen. Die Lehre der tüchtigen Frau ist jedenfalls eine „liebreiche“ Lehre. Gerade dann, wenn sich gewisse „Lektionen“ wiederholen und die Kinder einfach nicht hören und ler­nen wollen, kann die liebreiche Be­lehrung zu einer echten Herausfor­derung werden. Wir können nur jede Mutter bewundern, die in sol­chen Situationen nicht irgendwann die Nerven verliert, sondern Ruhe bewahrt.

Aufmerksamkeit

"Sie überwacht die Vorgänge in ihrem Haus und isst nicht das Brot der Faulheit."
(Sprüche 31,27)


Der Aufmerksamkeit der tüchtigen Frau entgeht nichts in ihrem Haus. Sie fühlt die Verantwortung für das, was in ihrem Umfeld passiert und überlässt sie nicht anderen.
Dabei geht sie nicht kommandie­rend und korrigierend durch ihr Haus, sondern sie legt selbst Hand an und geht mit gutem Beispiel vor­an. Das geübte Auge einer aufmerk­samen Mutter sieht häufig Dinge, die ande­ren Beobachtern – beson­ders den Ehemännern und Vä­tern – leicht ver­borgen bleiben.
Außerdem isst sie nicht das Brot der Faulheit. Ein fleißiges Leben be­wahrt vor Müßiggang, der immer noch, wie das Sprichwort sagt, aller Laster An­fang ist. „Faulheit versenkt in tiefen Schlaf, und eine lässige Seele wird hungern“ (Spr 19,15).
Unsere Kinder spornen wir jeden­falls am besten zu Fleiß an, indem wir selbst mit gutem Beispiel voran­gehen.

"Unsere Kinder spornen wir am besten zu Fleiß an, indem wir selbst mit gutem Beispiel vorangehen."

Ernst-August Bremicker

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