BleibtInMir

...denn außer mir könnt ihr nichts tun

Zeitschrift für die christliche Familie

Lange Wartezeiten!? (Personensuche)

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  1. Wer musste 45 Jahre warten, bis er bekam, was der HERR ihm versprochen hatte?
  2. Wer musste 40 Jahre warten, bis sein Vorhaben doch noch zur Ausführung kam?
  3. Wer musste 7 Jahre warten, bis sein ersehnter Wunsch in Erfüllung ging?

1: Kaleb (Josua 14)
2: Mose (Apostelgeschichte 7)
3: Jakob (1. Mose 29)

Amram & Jokebed – Vorbilder für christliche Eltern (Teil 1)

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Es ist wahr. Amram und Jokebed lebten in einer völlig anderen Zeit als wir heute. Sie lebten in einer völlig anderen Kultur. Sie hatten völlig andere Herausforderungen. Und doch – das Beispiel dieser Eltern gibt bis heute Orientierung und Hilfestellung. Als Eltern können wir von diesem Elternpaar einiges lernen.
Amram und Jokebed sind die Eltern von Aaron, Mirjam und Mose. Die Bibel berichtet nichts von der Geburt der beiden ersten Kinder. Die Geburt Moses wird jedoch ausführlicher erzählt. Sie birgt einige praktische Lektionen für uns.

Zwei Hinweise vorab

  • Es fällt auf, dass die Bibel die Ge­burt Moses und seine erste Zeit im Haus seiner Eltern dreimal er­wähnt. In 2. Mose 2 lesen wir den historischen Bericht. Dort wird be­sonders von der Aktivität der Mut­ter berichtet. Es liegt in der Natur der Mutter, ihre Kinder vor Gefah­ren zu beschützen und genau das tut Jokebed. In Apostelgeschichte 7 gibt Stephanus einen Rückblick auf die Geschichte Israels. Er erwähnt dort, dass Mose im Haus seines Va­ters erzogen wurde. Erziehung ist primär eine Verantwortung der Vä­ter (s. Eph 6,4). In Hebräer 11 fin­den Amram und Joke­bed einen Platz in der Liste der Glaubensvor­bilder. Dort werden die „Eltern Mo­ses“ erwähnt, die ihren jüngsten Sohn gemeinsam geprägt haben.
    Wir lernen daraus, dass es darauf ankommt, dass unsere Kinder (im Normalfall) eine Mutter, einen Va­ter und dass sie Eltern haben. Was ist gemeint? Die Mutter hat beson­dere Aufgaben und das Kind braucht die Mutter. Der Vater hat beson­dere Aufgaben und das Kind braucht den Vater. Schließlich braucht das Kind Eltern, die sich gemeinsam kümmern. Jeder hat seine Aufga­be und gemeinsam stellen wir uns der Herausforderung, Kinder für den Herrn zu erziehen.
  • Der Bericht in 2. Mose 2 beginnt damit, dass ein Mann vom Haus Levi hinging und eine Tochter Levis hei­ratete und dass die Frau schwan­ger wurde und einen Sohn gebar. Das klingt zunächst ziemlich un­spektakulär und normal. Und doch: Wie kommt es eigentlich, dass eine Frau schwanger wird und ein Kind geboren wird? Die vordergründige Antwort liegt auf der Hand. Mann und Frau sind zusammengekom­men und haben ein Kind ge­zeugt.
    Und doch ist das nicht alles: Ohne Gottes Willen gibt es keine Schwan­gerschaft. Ohne Got­tes Willen wird kein Kind gebo­ren. Als Rahel kein Kind bekam, be­klagt sie sich bei ihrem Mann. Jakob gibt ihr folgen­de Antwort: „Bin ich an Gottes statt, der dir die Leibes­frucht ver­sagt hat?“ (1. Mo 30,2).
    Das zeigt uns deutlich, dass jedes Kind eine Gabe und eine Gnade Gottes ist. Als Jakob und Esau sich nach vielen Jahren wieder begeg­nen, will Esau wissen, wer diejeni­gen sind, die seinem Bruder folgen. Jakob antwortet: „Die Kinder, die Gott deinem Knecht aus Gnade gegeben hat“ (1. Mo 33,5). Das ist der richtige Blickwinkel auf unsere Kinder. Sie sind ein Geschenk der Gnade Gottes und haben deshalb einen hohen Wert. Allerdings – und das wollen wir nicht vergessen – ist jedes Geschenk Gottes immer mit Verantwortung verbunden.

Wenn wir die drei Berichte über die Geburt und ersten Jahre Moses zu­sammenfassen, bekommen wir ein schönes Bild über seine Eltern. Wir wollen daraus 10 wichtige Lektionen für uns mitnehmen, die bei der Er­ziehung unserer Kinder zum Segen sein werden.

Lektion 1: Ja sagen zu Kindern

Die Zeit, in der Amram und Jokebed lebten, war eine schwierige Zeit. Die Nachkommen Jakobs lebten in Ägyp­ten und wurden dort vom Pharao geknechtet. Sie mussten hart arbei­ten. Dennoch vermehrten sie sich sehr, weil Gott darüber wachte. Dar­aufhin erließ der Pharao das grausa­me Dekret, alle Jungen im Nil zu er­tränken.
Man könnte sich die Frage stellen, ob es von Amram weise war, in dieser Zeit mit Jokebed noch ein Kind zu zeugen. Die beiden hatten doch be­reits einen Sohn und eine Tochter und hätten es dabei belassen kön­nen. Man kann sich gut vorstellen, welchen Rat sie vielleicht von ande­ren bekommen haben. Doch die bei­den haben Vertrauen zu Gott und in diesem Vertrauen sagen sie „ja“ zu einem dritten Kind.
Unsere Zeitverhältnisse sind anders. Wir sollten vorsichtig sein zu sagen, dass es heute schwieriger ist als frü­her (s. Pred 7,10). Hätten wir in der Zeit leben wollen, von der 2. Mose 2 berichtet? Ich glaube kaum. Dennoch: Es gibt in der Tat Christen, die heute sagen, dass man besser keine Kinder mehr haben sollte, weil die Welt zu kompliziert und zu feindselig ist. Doch das Argument zieht nicht. Wir ken­nen den, der stärker ist als die Welt (s. Joh 16,33) und mit dem wir die Welt überwin­den können (s. 1. Joh 5,4). Ich möch­te jungen Ehepaaren Mut machen, auch heute noch „ja“ zu dieser wunderbaren Gabe Gottes zu sagen. Das Beispiel der Eltern Moses macht uns Mut.

Lektion 2: Kinder sind schön für Gott

Jokebed sah, dass das geborene Kind schön war. Auch das ist nichts Au­ßergewöhnliches. Es ist die Ausnah­me, dass eine Mutter ihr Baby nicht schön findet. Und das ist gut so. Doch Stephanus fügt ein interessantes und besonderes Detail hinzu. Er sagt, dass Mose schön für Gott war. Ich bin überzeugt, dass das der Blickwin­kel der Eltern war. Sie sahen das Kind mit den Augen Gottes.
Genau darin liegt für uns eine wich­tige Belehrung. Unsere Kinder mögen schön und begabt sein. Sie mögen alle Voraussetzungen mitbringen, ein­mal ihren Weg auf dieser Erde zu gehen (Schule, Beruf, Eigenstän­digkeit usw.). Doch das ist nicht der entscheidende Punkt. Wir wollen ver­suchen, unsere Kinder mit den Augen Gottes zu sehen. Für Ihn ist jedes Kind schön, denn Er hat einen Plan für jeden und möchte unsere Kinder für sich haben.
Damals tat sich ein Spannungsfeld auf. Der Pharao wollte Mo­se für sich (d. h. er wollte seinen Tod) und Gott woll­te Mose für sich (er sollte das Volk Israel retten) ha­ben. Wir wis­sen, wie die Geschichte ausging: Gott ist stärker. Unsere Kinder werden ebenfalls in einem Spannungsfeld groß. Der Teu­fel und die Welt wollen unsere Kin­der für sich – je früher und schnel­ler, umso besser. Sie zerren täglich an ihnen. Doch da ist Gott, der einen größeren Anspruch hat. Die Frage stellt sich: Für wen erziehen wir un­sere Kinder? Für diese Welt oder für Gott? Wir sollten von Anfang an er­kennen, dass sie „schön für Gott“ sind.

Lektion 3: Eltern benötigen Glaubensvertrauen

Amram und Jokebed werden sich die Frage gestellt haben, was sie tun konnten, um ihren Sohn zu retten. Die Frage war berechtigt. Und sie fan­den eine Antwort. Die Mutter baute das Kästchen, um Mose zu schüt­zen.
Hebräer 11 zeigt uns, dass sie den kleinen Jungen zunächst durch Glau­ben versteckt hielten. Die beiden sind Glaubenshelden. Sie haben nicht ein­fach überlegt, son­dern die Sache mit Gott im Glauben ent­schieden und Ihm das überlas­sen, was sie nicht tun konn­ten.
Es ist völlig klar, dass wir Kinder nicht ohne Glaubensvertrauen erziehen können. Die Seite unserer Verantwor­tung ist da. Das werden wir noch se­hen. Doch am Anfang steht das Ver­trauen in unseren Gott. Er kann das tun, was wir nicht tun können – näm­lich unsere Kinder schützen, bewah­ren und retten. Obwohl wir nicht ausdrücklich davon lesen, dass die Eltern Moses gebetet haben, ist doch klar, dass sich Glaubensvertrauen unter anderem durch Gebet äußert. Beten wir für unsere Kinder? Es soll­te selbstverständlich sein. In Klage­lieder 2,19 finden wir einen flammen­den Appell zum Gebet für unsere Kinder: „Mach dich auf, klage in der Nacht beim Beginn der Nachtwa­chen, schütte dein Herz aus wie Wasser vor dem Angesicht des Herrn; hebe deine Hände zu ihm empor für die Seele deiner Kinder …“. Der Zusam­menhang dort ist anders. Dennoch geht uns dieser Appell zu Herzen.
Ein Beispiel für das Gebet für die Kinder lesen wir in Esra 8,21. Dort beten Menschen für einen geebne­ten Weg „für uns und für un­sere Kinder und für alle unsere Habe“. Wir wollen uns gegenseitig Mut ma­chen, mehr für unsere Kinder zu be­ten. Sie brauchen es dringend.

Lektion 4: Eltern benötigen Glaubensenergie

Der Glaube ist nicht untätig. Glau­bensvertrauen bringt uns auf die Knie und ins Gebet. Doch das heißt nicht, dass wir die Hände in den Schoß legen können. Amram und Jokebed haben das jedenfalls nicht getan. Sie werden gemeinsam überlegt haben, was zu tun ist und dann kamen sie auf den Gedanken, Mose in ein Käst­chen in den Nil zu legen. Darin zeigt sich die Energie und Tatkräftigkeit ihres Glaubens.
Das gilt für uns ebenso. David sagt einmal: „Eins habe ich von dem Herrn erbeten, danach will ich trachten“ (Ps 27,4). Auf den ersten Blick klingt das wie ein Paradox. Warum für et­was beten, was ich mit eige­ner An­strengung erreichen kann? Wa­rum Energie für etwas auf­wenden, was Gott mir schenkt? Doch die­se Fra­gen sind nicht ange­bracht. Gott möchte, dass wir Ihm zu 100% vertrauen. Zu­gleich möchte Er, dass wir zu 100% unserer Verant­wortung nachkommen. Das gilt eben­so im Blick auf unsere Kinder.
Jemand hat einmal sehr treffend ge­sagt: „Der Glaube ist mutig, aber nicht übermütig“. Wir brauchen – wenn es um unsere Kinder geht – diesen Glaubensmut. Wir können nicht ver­hindern, dass sie mit dieser Welt in Berührung kommen. Sonst müssten wir aus dieser Welt hinaus­gehen (s. 1. Kor 5,10). Aber wir kön­nen sie begleiten und zu ihrem Schutz bei­tragen. Es ist unsere Pflicht als Eltern.

Lektion 5: Kinder müssen geschützt werden

Für Amram und Jokebed war klar, dass sie Mose nicht ohne Schutz in den Nil legen konnten. Er wäre sofort ertrunken. Deshalb kam der Mutter die Idee, ihn in ein wasserdichtes Behältnis zu legen, das ihn vor dem Wasser schützte. Gesagt, getan. Ihr Plan ging auf.
Es muss uns klar sein, dass wir Kin­der dieser Welt nicht schutz­los aus­liefern können. Es würde ihr Ende bedeuten. Kinder sind ver­letzlich (viel verletzlicher als Erwach­sene) und müssen daher besonders geschützt werden. Das betrifft das ganze Kind, d. h. den Geist, die Seele und den Körper. Kinder nehmen Ein­flüsse von außen völlig anders auf. Sie gleichen einem Gefäß ohne De­ckel (s. 4. Mo 19,15) und es ist unse­re Verantwor­tung, für den notwen­digen Schutz zu sorgen.
Was ist nun das Schutzmittel? Das Behältnis, das Jokebed baute, erin­nert an die Arche (die Worte „Arche“ und „Kästchen“ sind im Hebräischen identisch). Das Kästchen ist – wie die Arche – ein Hinweis auf den Herrn Je­sus, der allein bewahren und retten kann.
In Markus 10,13-16 lesen wir von dem Wunsch des Herrn Jesus, dass die Kinder zu Ihm kommen sollen. Und wir lesen von Menschen, die Kinder tatsächlich zu Ihm gebracht haben. Und am Ende des kurzen Be­richtes heißt es: „Und er nahm sie in die Arme, legte die Hände auf sie und segnete sie“. Darin liegt Nähe, Schutz und Segen. Wir schützen unsere Kin­der am besten dadurch, indem wir sie früh mit dem Heiland der Welt vertraut machen.

Ernst-August Bremicker

Erzählen – lehren – befehlen (Teil 1)

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Die letzten Worte eines Menschen an seine Familie oder sein Umfeld haben oft ein ganz besonderes Gewicht. Das gilt auch für die Worte Moses an das Volk Israel, die wir im 5. Buch Mose finden. Gleich dreimal stellt Mose dabei eine beachtenswerte Verbindung zwischen dem Wort Gottes und dem Herz der Israeliten her. Und jedes Mal legt er besonderen Nachdruck darauf, dass die Israeliten das Wort Gottes auch an ihre Kinder weitergeben sollen.
Diese drei Stellen klingen auf den ersten Blick sehr ähnlich. Bei genauerem Hinsehen entdecken wir jedoch feine Unterschiede. In jedem Fall enthalten diese Abschnitte auch für jeden Christen heute wertvolle Hinweise, der seinen Kindern das Wort Gottes weitergeben und ihnen ins Herz pflanzen möchte.

Die erste Stelle finden wir in 5. Mo­se 6: „Höre, Israel: Der Herr, unser Gott, ist ein Herr! Und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit dei­nem ganzen Herzen und mit deiner gan­zen Seele und mit deiner ganzen Kraft. Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollen auf deinem Herzen sein. Und du sollst sie dei­nen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Haus sitzt und wenn du auf dem Weg gehst und wenn du dich niederlegst und wenn du auf­stehst. Und du sollst sie zum Zeichen auf deine Hand binden, und sie sollen zu Stirnbändern sein zwi­schen dei­nen Augen; und du sollst sie auf die Pfosten deines Hau­ses und an deine Tore schrei­ben“ (V. 4-9).

Der Auftrag: Einschärfen und davon reden

Als erstes fordert Mose das Volk auf, den Herrn zu lieben und seine Worte auf dem Herzen zu haben. Der Sitz der Zuneigungen und die Entschei­dungszentrale des Lebens sollen von dem Wort Gottes geprägt sein. Dann wird auch der Wunsch bestehen, die­ses Wort weiterzugeben. So gibt Mo­se den Auftrag, den Kindern das Wort Gottes einzuschärfen und mit ihnen darüber zu reden.
Eine Schwester von über 90 Jahren erzählte einmal, wie schwer ihr mitt­lerweile die Erledigungen des Alltags fielen, weil die körperlichen Fähig­keiten so stark nachgelassen hatten. Mit am schwersten war ihr dabei, nicht mehr selbst in der Bibel lesen zu können.
„Wie dankbar darf ich dem Herrn für meine Mutter sein, die mich schon Verse aus der Bibel auswendig ler­nen ließ, als ich noch ein kleines Kind war. Von dem, was ich später in der Schule und im Beruf gelernt habe, habe ich vieles im Alter wieder ver­gessen. Aber diese Verse kann ich immer noch auswendig“, erzählte sie mit strahlenden Augen.
Auch wenn das Auswendiglernen von Bibelversen heute nicht mehr so be­liebt wie in früheren Jahren zu sein scheint, hat es eine lange und gute Tradition in der Christenheit und im­mer noch einen hohen Wert. Es ist nach wie vor eine wirkungsvol­le und bewährte Methode, sich etwas so einzuprägen, dass es nicht wieder ver­gessen wird. Denn das ist es, worum es Mose geht, wenn er das Volk auf­fordert, den Kindern das Wort Gottes einzuschärfen: Sie sol­len das Wort Gottes so ans Herz ge­legt bekom­men, dass sie es ihr Leben lang nicht wieder vergessen.
Doch mit Auswendiglernen allein ist es nicht getan, wenn wir unseren Kin­dern das Wort Gottes so einschärfen möchten, dass es für sie auch zu einem bleibenden Besitz wird.
Kinder sind sehr gute Beobachter. Sie merken schnell, ob das, was wir ih­nen einschärfen möchten, uns selbst ebenfalls wichtig ist. Deshalb ist un­ser Vorbild auch an dieser Stelle für die Kindererziehung von großer Be­deutung.

Welchen Wert hat der Herr Jesus für mich?

Es wird oft gesagt, dass der Herr den ersten Platz im Herzen ei­nes Chris­ten haben muss. Doch wo etwas den ers­ten Platz hat, gibt es auch noch einen zweiten, drit­ten oder vierten Platz. Und je mehr Din­ge auf den ersten Platz folgen, de­sto größer ist die Gefahr, dass eines die­ser Dinge nach vorne drängt und dem Herrn den ersten Platz streitig macht.
Deshalb fordert Mose das Volk auf, Gott mit ganzem Herzen zu lieben. Ein Herz, dessen Liebe einzig und al­lein dem Herrn gilt, ist ein ungeteil­tes Herz, in dem nichts anderes einen Anknüpfungspunkt findet. Unseren Kindern wird das nicht verborgen bleiben.

Wofür setze ich meine Kraft ein?

Ein Herz, das ungeteilt für den Herrn Jesus schlägt, wird auch prägenden Einfluss darauf haben, wofür wir un­sere Kraft einsetzen. Überlegen wir einmal, für welche Dinge wir mit Freu­de Fleiß und Energie aufwenden. Worum geht es uns dabei? Die Ehre des Herrn und den Nutzen für unse­re Glaubensgeschwister, besonders für unsere Familien, auf dem Herzen zu haben, wird immer auch für uns selbst zum Segen sein.

Was bedeutet mir das Wort Gottes?

„Deine Worte waren vor­handen, und ich habe sie gegessen, und deine Worte waren mir zur Wonne und zur Freu­de meines Herzens“, sagt der Pro­phet Jeremia in Kapitel 15,16.
Wir werden unseren Kindern das Wort Gottes nur schmackhaft ma­chen können, wenn wir selbst Appe­tit darauf haben und es uns ein erns­tes Anliegen ist, jeden Tag in der Bi­bel zu lesen. Nicht, um einer Ver­pflichtung nachzukommen, weil „man das als Christ so macht“, sondern weil wir uns beim Studium des Wortes Got­tes freuen „wie einer, der große Beu­te findet“ (Ps 119,162). Es gibt so viele wunderbare Entdeckungen, die wir in Gottes Wort machen können.
Natürlich wird uns das nicht jeden Tag gleich gut gelingen und es ist unbestreitbar, dass es auch Tage gibt, an denen wir diese Freude beim Bi­bellesen nicht in diesem Maß emp­finden. Doch gerade dann ist es wich­tig, nicht mit dem Lesen aufzuhö­ren. Wir können uns sicher sein, dass der Appetit über kurz oder lang wieder­kehren wird, wenn wir darin nicht nachlassen.
Ein Vater schickte einmal seinen Sohn ins Arbeitszimmer, um ihm von dort seine Bibel zu holen. „Papa, das bin ich von dir ja gar nicht gewöhnt, dass die Bibel zugeschla­gen auf deinem Schreib­tisch liegt“, meinte der Junge, als er mit der Bibel zu­rückkam.
Wenn unseren Kin­dern das Wort Got­tes groß werden soll, müssen wir Väter und Mütter mit aufgeschlage­nen Bibeln sein.

Worüber unterhalte ich mich?

Worüber unterhalten wir uns mit un­seren Kindern, unseren Freunden, Nachbarn oder Arbeitskollegen? Na­türlich können wir uns nicht immer und überall nur über Gottes Wort unterhalten. Trotzdem ist die Auffor­derung Moses, davon zu reden, „wenn du in deinem Haus sitzt und wenn du auf dem Weg gehst und wenn du dich niederlegst und wenn du aufstehst“ (V. 7) auch für uns von großer Bedeutung.
Denn wenn wir uns auch nicht unun­terbrochen über Gottes Wort unter­halten können, ist es doch unverzicht­bar, die Gedanken Gottes, die Er uns in seinem Wort mitteilt, in alle unse­re Überlegungen und Fragestellun­gen des täglichen Lebens mit einzube­ziehen. Egal, ob es um die Sor­gen und Nöte unserer Kin­der wegen der Schule oder um Fragen bei der Wahl des Arbeitsplat­zes und des Wohnor­tes für die Familie geht, wir wer­den nie einen besseren Rat­geber finden als Gott und sein Wort.
Und noch eines dürfen wir nicht ver­gessen: Wie sollen unsere Kinder er­fahren, dass sie auch in ganz alltägli­chen Dingen wunderbare Erfahrungen mit dem Herrn Jesus machen kön­nen, wenn wir ihnen nicht von unse­ren Glaubenserfahrungen mit dem Herrn und seinem Wort erzählen – nicht, um uns selbst in den Vorder­grund zu stellen, sondern um den Herrn zu rühmen, weil Er und sein Wort sich auch heute noch als le­bendig und wirksam erweisen.

Was kennzeichnet mein Handeln?

„Und du sollst sie zum Zeichen auf deine Hand binden, und sie sollen zu Stirnbändern sein zwischen deinen Augen; und du sollst sie auf die Pfos­ten deines Hauses und an deine Tore schreiben“ (V. 9).
Diese Anweisung Moses setzen die Juden heute noch um, indem sie sich sogenannte Tefillin auf den Arm und die Stirn binden. Bei diesen Tefillin handelt es sich um kleine Kästchen aus Leder, in die kleine Rollen aus Pergament ge­steckt werden, auf de­nen ausge­wählte Ab­schnitte aus den Büchern Mose nie­dergeschrieben sind. Die Tefillin sol­len den Juden stets daran erinnern, die Gebote Got­tes zu beachten.
Als Christen tragen wir keine Tefillin. Die Frage, was unser Handeln prägt und was die Menschen an uns se­hen, die uns und unser Reden und Handeln beobachten, stellt sich aber auch für uns.
„Ihr seid unser Brief, eingeschrieben in unsere Herzen, gekannt und gele­sen von allen Menschen; von euch ist offenbar, dass ihr ein Brief Christi seid, angefertigt durch uns im Dienst, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Got­tes, nicht auf steinerne Tafeln, son­dern auf fleischerne Tafeln des Her­zens“ (2. Kor 3,2.3). Was können un­sere Kinder in uns und unserem Le­ben lesen? Gleicht unser Leben einem solchen Brief Christi?{Alle Christen in Korinth zusammen waren dieser Brief Christi, von dem der Apostel spricht, denn er schreibt ja „ihr seid ein Brief Christi“. Doch die Gläubigen in Korinth konnten nur gemeinsam als ein Brief Christi wahrgenommen werden, wenn je­der einzelne von ihnen seiner Verantwortung nach­kam und in allen Lebensbereichen so lebte, wie es den Gedanken des Wortes Gottes entspricht. Des­halb ist die Anwendung dieser Aussage des Apo­stels durchaus auch auf den Wandel des Einzelnen möglich.}Wie schön, wenn auch über uns gesagt werden könnte, was Paulus einst den Korin­thern bescheinigen konnte.
Wenn der Herr will und wir le­ben, möchten wir uns in der nächsten Aus­gabe von „Bleibt in mir“ mit der zweiten Stelle beschäf­tigen, in der Mose dem Volk Israel das Wort Gottes in besonderer Weise ans Herz legt und es auffordert, ihre Kinder das Wort Gottes zu lehren.

Stefan Busch

Spielende Kinder

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Wenn man mithilfe einer Konkordanz die Bibelstellen aufsucht, in denen die Worte „Spiel“ oder „spielen“ vorkommen, stellt man fest, dass in fast allen Fällen das Spielen eines Instruments gemeint ist. Doch gibt es auch Stellen, an denen es diese Bedeutung nicht hat. Mit einigen dieser Stellen wollen wir uns jetzt etwas näher beschäftigen und einige praktische Anwendungen dazu machen.

"Und der Säugling wird spielen am Loch der Otter, und das ent­wöhnte Kind seine Hand ausstre­cken nach der Höhle der Viper."
(Jesaja 11,8)

Wenn Säuglinge oder Kleinkinder das heute tun würden, wäre das lebens­gefährlich, da sich in dem Loch bzw. der Höhle eine Giftschlange verbirgt. Aus Berichten von Missionarsfamili­en wissen wir, dass diese Gefahren in den Ländern, in denen sie leben, durchaus real sind.
Wenn der Fluch von der Erde weg­genommen sein wird, wird zwar die Schlange weiter auf dem Bauch krie­chen und Staub fressen, aber Gift wird sie nicht mehr versprit­zen (s. Röm 8,20-21; Jes 65,25).
Mit welcher Sorgfalt müssen Eltern auf die Säuglinge achten, die sich jeg­licher Gefahren für ihre körperliche Gesundheit nicht bewusst sind und auch Warnungen noch nicht verste­hen. Wie sehr wird eine Mutter dar­auf achten, dass keine kleinen Ge­genstände in Reichweite des Kindes liegen, die für den Säugling zu einer großen Gefahr werden könnten, wenn er diese verschluckt.
Wenden wir die gleiche Sorgfalt an, um unsere Kinder vor Dingen zu be­wahren, die ihrer seelischen und geis­tigen Gesundheit schaden könnten?
Das entwöhnte Kind streckt seine Hand nach der Höhle der Viper aus. Ein entwöhntes Kind weiß vielleicht schon, dass eine Viper giftig ist, aber es weiß nicht, dass das Tier in der Höhle lauert. Es ist neugierig und will wissen, was in der Höhle ist.
Neugierde gehört zum Menschsein und ist ganz normal. Ohne Neugier­de gäbe es keine Entwicklung. Ge­fährlich wird es, wenn sich die Neu­gierde auf Dinge richtet, die schaden können. Und gerade wenn Eltern vor Din­gen gewarnt oder sie sogar mit einem Verbot belegt haben, geht von ihnen ein besonderer Reiz auf die Kinder aus. Das war bereits bei Eva so (s. 1. Mo 3,1-6) und ist erst recht nach dem Sündenfall so (s. Röm 7,7).
Sollen wir als Eltern dann am besten keine Verbote mehr aussprechen und vor Gefahren nicht warnen? Doch, Gott erwartet das von uns. Wie lo­bend erwähnt Gott, dass Abraham dies getan hat (s. 1. Mo 18,19). Aber wir müssen auch konsequent sein und darauf achten, dass unsere Ge­bote von den Kindern eingehalten werden. Der Priester Eli hat hierin leider versagt (s. 1. Sam 2,22-25).
Wir sollten auf den Wissensdrang unserer Kinder natürlich nicht nur mit Verboten reagieren, sondern ih­nen auch Dinge vorstellen und mit ihnen Dinge unternehmen, auf die sie ihre Neugierde richten dürfen, ohne dass sie Schaden nehmen. Wie schön ist es, solche Dinge mit Kin­dern gemeinsam zu erkunden.

"Und die Straßen der Stadt wer­den voll sein von Knaben und Mäd­chen, die auf ihren Straßen spielen."
(Sacharja 8,5)

Auch dieser Vers spricht von der Zeit, wenn der Fluch von der Erde weg­genommen sein wird, von der Zeit des Tausendjährigen Reiches. So wird es in den Straßen von Jerusalem dann aussehen. Zwei Dinge fallen hier auf: Es wird viele Kinder geben und die Kinder können gefahrlos auf der Stra­ße spielen.
Auch wenn wir nicht in einer so friedvollen Zeit leben, so wollen wir doch dem Herrn vertrauen, dass Er unsere Kinder bewahren kann und nicht den Gedanken hegen, dass man in unserer Zeit besser kinderlos bleibt. Die Eltern von Mose lebten in einer schwierigeren Zeit als wir und nahmen doch die ihnen von Gott geschenkten Kinder aus seiner Hand an.
Wenn eine Straße nicht als Spielstra­ße ausgewiesen ist, dann ist es für Kinder aufgrund des Verkehrs zu ge­fährlich, dort zu spielen. Wenn wir in einer Stadt leben, wo kaum Spiel­raum im Freien für Kinder da ist, so müssen wir uns die Zeit nehmen, um immer wieder mit unseren Kin­dern kleine Ausflüge zu machen, da­mit sie die Gelegenheit haben, drau­ßen zu spielen. Und wenn das nicht möglich ist, weil z. B. das Wetter es nicht zulässt, dann freuen sich die Kin­der auch, wenn der Vater oder die Mutter mit ihnen einmal spielen.
Die ungeeignetsten Spielpartner für unsere Kinder sind digitale Me­dien wie z. B. Spielkonsolen, Smartpho­nes oder der Computer. Viel wert­voller ist es, wenn wir innerhalb der Familie miteinander spielen. Dies gilt beson­ders in der Winterzeit, wenn es draußen früh dunkel wird, und ein Spielen im Freien an der frischen Luft mit viel Bewegung nicht so lan­ge möglich ist.

Da sprach Abner zu Joab: Lass doch die Jünglinge sich aufma­chen und vor uns spielen! Und Joab sprach: Sie mögen sich aufmachen.“
(2. Samuel 2,14)

Schreckliches Spiel – es endete töd­lich für alle Beteiligten, wie wir zwei Verse weiter lesen. Im Friedensreich, von dem die zwei vorhergehenden Verse sprachen, wird das Kriegshand­werk nicht mehr gelernt werden, sondern Waffen werden zu land­wirtschaftlichen Werkzeugen umge­baut werden (s. Jes 2,4; Mich 4,3). In Deutschland ist die Wehr­pflicht ab­geschafft worden. Sind wir dankbar dafür, dass man das Kriegshandwerk nicht mehr erler­nen muss?
Aber ich möchte in diesem Zusam­menhang auf etwas kommen, was im letzten Abschnitt schon angespro­chen wurde: Sicher gibt es harmlose Konsolen- und Computerspiele, aber es gibt auch viele, die von Gewalt und Vernichtung geprägt sind. Sol­che Spiele sollten in den Häusern der Gläubigen nicht gefunden wer­den und wir sollten mit unseren Kin­dern darüber sprechen, wie der Geist dieser Machwerke der Gesinnung Christi völlig entgegengesetzt ist. Wie schön wäre es, wenn wir mit der Hil­fe des Herrn unseren Kindern eine tiefe Abscheu vor der Gewalt in die Herzen pflanzen könnten.

Alles hat seine bestimmte Zeit.“
(Prediger 3,1a)

Zeigt uns dieses Wort des weisen Predigers nicht, dass auch das Spie­len seine Zeit hat, vor allem in der Kindheit? Mit etwa 6 Jahren kom­men unsere Kinder in die Schule. Da­mit ist der ganze Vormittag belegt. Die Hausaufgaben nehmen noch einen Teil des Nachmittags in An­spruch. Auch die Erledigung prakti­scher häuslicher Pflichten, die un­sere Kinder durchaus überneh­men sollen, braucht ihre Zeit. Wenn wir dann noch Wert auf eine instrumentale Ausbildung des Kindes legen, wird dafür noch ein­mal Zeit benötigt. Wenn unsere Kin­der größer werden, kommen dann noch Tage, an denen sie nachmit­tags Pflichtunterricht ha­ben und dann wären da noch die Arbeitsge­meinschaften, die die Schule anbietet und und und ….
Können unsere Kinder noch Kinder sein? Helfen wir Ihnen, Freiräume zu haben, in denen sie unbeschwert spielen können!

Horst Zielfeld

Impulse zum Nachdenken – Urlaubsplanung

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Bis zur nächsten Sommerurlaubszeit vergehen noch einige Monate. Doch die Urlaubsplanung beim Arbeitgeber, die Buchung der Unterkunft und die Planung der Anreise müssen rechtzeitig erfolgen! Gerne möchte ich vier Fragen zur Urlaubsplanung vorstellen, die als Impuls zum Nachdenken dienen können:
Habe ich bei der Wahl des Urlaubsortes berücksichtigt, dass der Besuch von Geschwistern, die sich im Namen des Herrn Jesus versammeln, möglich ist?
Es ist wahr, dass dadurch die Auswahl der möglichen Urlaubsorte eingeschränkt wird. Aber es ist auch wahr, dass es sehr schöne Erfahrungen sind, Geschwister an anderen Orten und vielleicht in anderen Ländern kennenzulernen.
Wenn der Herr Jesus uns einen Urlaub schenkt, dann wollen wir auch alles daransetzen, die Gelegenheiten zu nutzen, wo wir um Ihn versammelt sind. Unsere Kinder werden daran erkennen, wie wichtig uns das Zusammenkommen als Versammlung ist.
Ist die Planung des Urlaubsprogramms so gestaltet, dass auch in der Woche die Versammlungsstunden besucht werden können?
Das Zusammenkommen als Versammlung zum Gebet hat besondere Verheißungen. Es ist von gleichem Wert und gleicher Bedeutung wie die Zusammenkommen zum Brotbrechen und zur Auferbauung. Ob es nicht möglich ist, den Tag so zu gestalten, dass dieses Zusammenkommen besucht werden kann? Es wird jedenfalls zum Segen sein!
Nutze ich die Urlaubstage auch dafür, mehr Zeit als sonst für das Lesen der Bibel – persönlich und in der Familie – zu haben?
Das, was im Alltag leider manchmal untergeht, darf im Urlaub besonders gesucht werden: Stille Zeit mit dem Herrn. Oft sind Familienandachten am Anfang des Tages ein Anlass für gute Gespräche und wichtigen Austausch. Es erfordert ein wenig Energie, die Kinder für solche Andachten zu gewinnen. Aber es lohnt sich auf jeden Fall!
Bleiben noch Urlaubstage übrig für andere Zwecke als „nur“ für Erholungsreisen?
In unserem Land stehen uns mehr Urlaubstage zur Verfügung als in vielen anderen Ländern.
Da ist es durchaus möglich, im richtigen Maß auch einige Tage für Konferenzbesuche oder besondere Aufgaben zu reservieren.
Im Alltag bleibt oft wenig Zeit, sich intensiv mit Gottes Wort zu beschäftigen. Da helfen Bibelkonferenzen, noch einmal intensiver aus der Bibel zu lernen. Es wird uns in unseren Familien prägen, wenn Gottes Wort so einen Platz im Leben der Eltern und der Familien hat. Und oft ist eine Konferenz ein Anstoß, selbst wieder mehr in der Bibel zu lesen.
Auch gibt es viele Möglichkeiten, bei Bibelfreizeiten, evangelistischen Einsätzen oder anderen Arbeiten im Werk des Herrn zu helfen. Das ist zwar oft körperlich anstrengend, aber es ist doch in gewissem Sinn „Erholung“, weil es für das geistliche Leben förderlich ist.
Wir dürfen dankbar Urlaubs- und Erholungszeiten annehmen. Für Viele sind es Zeiten, die notwendig sind, um danach wieder in der Hektik des normalen Alltags klarzukommen. Doch gerade „freie Zeiten“ sind auch Gelegenheiten, das neue Leben zu nähren und zu pflegen und dem Herrn zu dienen. Nehemia hatte sich Urlaub erbeten, um die Mauern Jerusalems wieder zu bauen. In diesem Sinn ist eine gute Urlaubsplanung unbedingt nützlich.

Christian Rosenthal

Ich freute mich, als sie zu mir sagten: Lasst uns zum Haus des Herrn gehen!
Psalm 122,1

Die Versuchung Christi in der Wüste – mit praktischen Anwendungen für unser Glaubensleben

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Als vollkommener Mensch ist der Herr Jesus auf der Erde „in allem versucht worden in gleicher Weise wie wir, ausgenommen die Sünde“ (Heb 4,15). Damit vermag Christus als Hoherpriester im Himmel Mitleid zu haben mit unseren Schwachheiten. Alles, was auch wir heute erfahren, hat Er selbst erlebt. Keine Versuchung blieb Ihm erspart, ausgenommen die Sünde. Er kann alles in vollkommener Weise mitempfinden.
Von Anfang an war Christus als Mensch auf der Erde mit Leiden vertraut. Doch unmittelbar vor Beginn seines öffentlichen Auftretens wurde dies ganz besonders deutlich. Bevor Er seinen Dienst, seine Predigt und sein Wundertun begann, wurde Er „durch den Geist in der Wüste vierzig Tage umhergeführt und wurde von dem Teufel versucht“ (Lk 4,1.2a). Dort begegnete dem Herrn Jesus innerhalb von 40 Tagen eine dichte Folge von Versuchungen und Erprobungen durch den Teufel selbst.

40 Tage in der Wüste

In Gottes Wort deutet die Zahl 40 auf eine vollkommene Erprobung hin. So musste sich das Volk Israel 40 Jahre lang in der Wüste aufhalten, damit die Unzulänglichkeit des na­türlichen Menschen gegenüber den Anforderungen Gottes völlig erprobt und bestätigt werden konnte.
In einer solchen Erprobungszeit se­hen wir nun den Herrn Jesus als den vollkommenen Menschen, der sich – wie sein irdisches Volk – ebenfalls in der Wüste befindet. So sollte ge­zeigt werden, dass dieser Gerechte der einzige Mensch war, an dem Gott sein ganzes Wohlgefallen, das Er an seinem irdischen Volk nicht fand, be­kunden konnte.
Die Erprobung erfolgte nicht des­halb, weil Gott irgendeinen Zweifel an seiner Vollkommenheit gehabt hätte, sondern um diese Vollkom­menheit für Menschen deutlich er­kennbar werden zu lassen.
40 Tage verbrachte der Herr Jesus in der Wüste, sodass Er am Ende dieser Erprobungszeit Hunger hatte (s. Lk 4,2). Als der ewige Schöpfer hätte Er jederzeit die Möglichkeit gehabt, sich seiner Schöpfung zu bedienen, um Nahrung zu erhalten (so wie z. B. die Raben Elia mit Nahrung versorgten). Doch hier sehen wir Ihn als den völ­lig abhängigen Menschen, der die natür­lichen Bedürfnisse wie Hunger und Durst ebenso kannte wie ande­re Menschen. Und an diese Schwach­heit des Menschseins knüpfte Satan direkt an, um den Herrn zum unab­hängigen Handeln, und damit zur Sünde, zu verleiten.

Drei Versuchungen

Wie viele Erprobungen der Herr Je­sus in den 40 Tagen letztendlich er­fuhr, wissen wir nicht. Wir können aber davon ausgehen, dass der Teufel nichts unversucht ließ. Wir lesen am Ende des Berichts von Lukas, dass der Teufel jede Versu­chung vollendet hatte (s. Lk 4,13). In den Evangelien werden uns nur die letzten drei Versuchungen im Detail mitgeteilt.
Doch gerade die Zusammenstellung dieser drei letzten Versuchungen gibt uns einen kompakten Anschauungs­unterricht für unseren Glaubensweg in der heutigen Zeit – und zwar in zweierlei Hinsicht. Einerseits wird hierbei die komplette Strategie des Versuchers deutlich und anderer­seits strahlt die Vollkommenheit des Herrn Jesus in diesen Versuchungen des Teufels in wunderbarer Weise her­vor. Sein Verhalten in diesen Versu­chungen ist vorbildhaft für uns.

Die erste Versuchung – die Lust des Fleisches

In Dürre, Einsamkeit und Hunger trat nun der Versucher zu Jesus hin und sprach: „Wenn du Gottes Sohn bist, so sprich zu diesem Stein, dass er zu Brot werde“ (Lk 4,3). Schon die ersten Worte des Teufels entlarven ihn als Feind Gottes: „Wenn du Got­tes Sohn bist“ – unmittelbar stellt Satan die Gottessohnschaft des Herrn Jesus zweifelnd infrage.
Denken wir dabei nicht auch an die Worte, die die Menschen drei­einhalb Jahre später unter der An­leitung des Feindes dem gekreuzigten Heiland zuriefen: „Wenn du Gottes Sohn bist, so steige herab vom Kreuz“ (Mt 27,40)? Es sind die glei­chen Worte des Versuchers, die Ihm hier schon in der Wüste und dann wieder am Kreuz begegneten.
Aber wie wunderbar: In beiden Fällen blieb der Herr Jesus treu! Die Um­stände der Versuchungen in der Wüs­te und am Kreuz hätten nicht ent­behrungsreicher und schrecklicher sein können. Aber der Herr Jesus er­lag nicht den versuchenden Worten, seine Allmacht als Sohn Gottes zu benutzen, um Not und Leid zu be­enden. Er blieb als vollkommener Mensch jederzeit in völliger Abhän­gigkeit von seinem Gott.
Wie anders war dies bei dem ersten Menschenpaar, das Satan schon Jahr­tausende zuvor versuchte. Waren da­mals die äußeren Umstände von Adam und Eva mit einer Wüste zu vergleichen? Ganz im Gegenteil: sie befanden sich im Garten Eden! Dort kannten sie keinen Hunger in wüster Umgebung, keine Einsamkeit in hei­ßer Mittagssonne – nein, sie waren mit allem versorgt und kannten die liebende Gegenwart Gottes in der Kühle des Tages. Welch ein Gegen­satz!
Doch obwohl die Umstände im Gar­ten Eden nicht besser hätten sein kön­nen, erlag der erste Mensch dort den Versuchungen des Feindes. Dagegen widerstand der „zweite Mensch“ (1. Kor 15,47), Christus Je­sus, den Versuchungen des Feindes in den widrigsten Umständen der Wüste. Wie vollkommen und einzig­artig ist doch unser Herr und Heiland!
„Wenn du Gottes Sohn bist“ – diese Worte des Versuchers sind auch in der heutigen Zeit ganz aktuell. Wird nicht heute mehr denn je in Abrede gestellt, dass der Herr Jesus der Sohn Gottes ist? Man hält Ihn bestenfalls noch für einen Prophet, einen Reli­gionsstifter, aber als Sohn Gottes wird Er weitestgehend abgelehnt. Genau das möchte der Feind damals wie heute bezwecken.

Die zweite Versuchung – die Lust der Augen

Obwohl der Herr Jesus in vollkom­mener Weise die Versuchung des Feindes abgewehrt hatte, ließ der nächste Angriff nicht lange auf sich warten. Satan gab nicht auf und ver­suchte es unverzüglich ein weiteres Mal: „Und er führte ihn auf einen hohen Berg“, lesen wir in Lukas 4,5.
Das Wörtchen „und“ zu Beginn die­ses Verses deutet den ununterbro­chenen Fortgang der Versuchungen an. Wenn schon der Versucher bei dem Herrn Jesus ohne Scheu direkt wieder einen neuen Angriff startete, können wir sicher sein, dass er dies bei uns umso unverblümter tun wird. Damit wird klar, wie wichtig es ist, ununterbrochen im Umgang mit dem „Schwert des Geistes, das Gottes Wort ist“ (Eph 6,17) vertraut zu sein.
Die nun folgende Versuchung hat im Vergleich zur vorherigen einen völlig anderen Charakter und eine ganz andere Stoßrichtung. Die Methoden und Taktiken des Feindes sind durch­aus verschiedenartig. Dennoch folgen sie einer bestimmten Strategie, die hier im Zusammenhang aller drei genannten Versuchungen erkennbar wird. Sie beinhalten drei wesentli­che Prinzipien: „die Lust des Flei­sches und die Lust der Augen und der Hochmut des Lebens“ – alles, was in der Welt ist (1. Joh 2,16).
Zunächst war Satan bemüht, an die menschliche Schwachheit des Hun­gerns anzuknüpfen. Damit sprach er die Lust des Fleisches an. Nun hat­te der Versucher es auf die Lust der Augen abgesehen: Er führte den Herrn „auf einen hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche des Erd­kreises“ (Lk 4,5). Er stellte dem Herrn Jesus die Herrschaft über die ganze Erde vor Augen, die der verherrlich­te Christus nach dem Ratschluss Got­tes im Tausendjähri­gen Reich tat­sächlich antreten wird.
Doch jetzt war diese Zeit noch nicht gekommen, das Kreuz von Golgatha stand ja noch bevor. Der Teufel woll­te den Blick schon jetzt auf das rich­ten, was erst auf der Grundlage des vollbrachten Werkes auf Golgatha möglich sein würde. Bei der dritten Versuchung sprach der Teufel dann auch den Hochmut des Lebens an.
Noch einmal erinnern wir uns an die Versuchung des ersten Menschen­paares im Garten Eden. Auch dort kamen schon diese 3 Prinzipien der Versuchungen des Teufels zum Vor­schein: „Und die Frau sah, dass der Baum gut zur Speise (= Lust des Flei­sches) und dass er eine Lust für die Augen und dass der Baum begeh­renswert wäre, um Einsicht zu ge­ben (= Hochmut des Lebens)“ (1. Mo 3,6).
Damit wird klar, dass sich die Strate­gie des Feindes über die Jahrtau­sende hinweg nicht geändert hat. Auch heute arbeitet er noch mit denselben Methoden. Wir wol­len wachsam sein und uns vor ihm und den Einflüssen der Welt hüten.

Die dritte Versuchung – der Hochmut des Lebens

Bei der im Lukas-Evangelium als drit­te und zuletzt erwähnte Versuchung handelt es sich – dem Charakter die­ses Evangeliums entsprechend – um die moralisch schwerste Prüfung. Wie­der setzte der Teufel ohne Verzöge­rung an und stellte den Herrn Jesus vor eine weitere Probe: „Er führte ihn aber nach Jerusalem und stellte ihn auf die Zinne des Tempels und sprach zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so wirf dich von hier hinab; denn es steht geschrieben: …“ (Lk 4,9).
Es war tatsächlich die schwerste Prüfung, denn Satan griff jetzt zu ei­ner neuen List: Er zitierte nun eben­falls das Wort Gottes!
Zu Satans List gehört es, göttliche Dinge zu imitieren. Genau dies tat er hier. Damals schon kopierten die Magier Ägyptens unter seiner Füh­rung die göttlichen Wunder Moses (s. 2. Mo 7,11.22). Später wird in ähnlicher Weise auch der Antichrist durch Zeichen und Wunder vorgeben, selbst Gott zu sein (s. 2. Thes 2,4.9).
Es ist die besondere List des Teufels, unter einem frommen und religiösen Deckmantel tätig zu werden. Wie gefährlich ist es daher, nicht auf der Hut zu sein, wenn Satan uns mit dem Wort Gottes entgegentritt! Wenn wir aber wachsam sind, wer­den wir schnell merken, dass er beim Zitieren aus Gottes Wort im­mer eine Abweichung, eine Verfäl­schung, einbaut, um zu seinem ei­genen Ziel zu kommen. So ist das auch hier in Lukas 4.
Satan hielt dem Herrn Jesus das prophetische Wort aus Psalm 91 vor, um Ihn dazu zu verleiten, von der Zinne des Tempels herabzuspringen. Dadurch sollte Er auf spektakuläre Weise zu Beginn seines öffentlichen Dienstes vor dem Volk in Erschei­nung treten und auf aufsehenerre­gende Weise bekannt werden. Doch der Ratschluss Gottes sah für seinen Sohn einen Weg der Leiden und der Verachtung vor. Christus, der von Herzen demütig ist, bot auch dieser Versuchung zum Hochmut des Le­bens Satan keinen Anknüpfungs­punkt. Wenn wir die von Satan an­geführten Worte in Lukas 4 mit dem ursprünglichen Text in Psalm 91 ver­gleichen, stellen wir fest, dass das Zitat nicht exakt den alttestamentli­chen Versen entspricht. Der Versu­cher ließ ganz bewusst einen we­sentlichen Teil aus und verfälschte damit die göttliche Botschaft dieses Psalmwortes: Es fehlt der Zusatz „auf allen deinen Wegen“ (Ps 91,11)!
Die Absicht Satans entsprach nicht dem göttlich vorgesehenen Weg, so­dass er das Wort Gottes verfälscht wiedergab, um seinen eigenen bö­sen Weg zu rechtfertigen. So lässt der Teufel oft nur ein kleines Detail des Wortes Gottes weg oder fügt et­was hinzu, um auch heute noch die Glaubenden zu versuchen.

Die Reaktion des Herrn Jesus

Wie reagierte der Herr Jesus auf die Versuchungen des Feindes? Er ant­wortete dem Teufel immer mit dem Wort Gottes: „Es steht geschrieben“. In allen drei geschilderten Versu­chungen hielt der Herr Jesus dem Feind allein das Wort Gottes entge­gen. Es ist jeweils nur ein kurzer Vers aus dem 5. Buch Mose. Ein kurzes, treffendes Wort Gottes reicht aus, um den Angriff des Feindes abzu­wehren.
Hierin gibt uns der Herr Jesus ein perfektes Beispiel zur Verwendung des „Schwertes des Geistes, wel­ches Gottes Wort ist“ (Eph 6,17).
Interessanterweise gibt uns auch das Bild aus der Waffenrüstung Gottes einen Hinweis auf ein kurzes und prägnantes Wort Gottes, das wir im Kampf als „Schwert des Geis­tes“ einsetzen sollen: In Epheser 6 hat das im Grundtext verwendete Wort für „Schwert“ die Bedeutung eines Kurzschwerts, das für den rö­mischen Soldaten speziell im Nah­kampf vorgesehen war.
Und auch der im griechischen Grund­text stehende Begriff für „Wort“ (gr. rhema) hat die Bedeutung eines kurzen Wortes (hier finden wir nicht den griechischen Begriff „logos“, der mehr das umfassende Wort in sei­ner Gesamtheit andeutet). Wir sehen also, dass auch in Epheser 6 in Ver­bindung mit dem „Schwert des Geistes“ die Betonung auf einem kurzen Wort Gottes liegt, das im Kampf angewendet werden soll.
Genau das hat der Herr Jesus dem Versucher gegenüber praktiziert. In trefflicher Weise führte Er immer genau einen einzigen Vers aus Got­tes Wort an. Und so sollen auch wir das Wort Gottes im Kampf „gegen die geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen Örtern“ (Eph 6,12) einsetzen.
Dazu muss natürlich das Wort Gottes in seinem Zusammen­hang und Umfang gut bekannt sein, um daraus für die jeweilige Situati­on sofort einen passenden und prägnanten Vers parat zu haben.
Dies soll uns ermuntern, fleißig und regelmäßig das Wort Gottes zu le­sen, um gefestigt und präpariert im Kampf gegen den Versucher zu sein. Dabei vertrauen wir dann aber nicht auf unsere Kenntnis der Bibel, son­dern stützen uns auf die Zusage des Herrn Jesus, dass uns in dem je­weiligen Augenblick geholfen wird (s.Mt 10,19; Mk 13,11).
Und noch etwas ist wichtig: Die al­leinige Kenntnis des Wortes Gottes reicht nicht aus, um den Feind in die Flucht zu schlagen. Das Wort muss auch in praktischer Weise in unse­rem Leben umgesetzt werden, da­mit es im Kampf gegen den Feind wirksam wird.
Diesen Aspekt finden wir auch in den Antworten des Herrn auf die Versuchungen des Teufels wieder. Es ist bemerkenswert, dass der Herr Jesus dabei jedes Mal ein Wort aus dem fünften Buch Mose auswählt (s. Lk 4,4.8.12). Über vierzig Mal ist in diesem Buch von „hören“ und „gehorchen“ die Rede.
Der Herr Jesus zitiert gerade aus diesem Buch der Bibel, um darauf hinzuweisen, dass der persönliche Gehorsam dem Wort Gottes gegen­über die Voraussetzung dafür ist, die nötige Kraft zu haben, die Angriffe des Feindes abzuwehren.
So lasst uns auf den Herrn Jesus schauen und seinem vollkommenen Beispiel in der Anwendung des Wor­tes Gottes gegenüber dem Versu­cher nachfolgen!

Matthias Wölfinger

Der gute Rat Elihus: Die Rechtssache ist vor Ihm – so harre auf Ihn (Hiob 35,14)

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Das kennen wir aus Erfahrung: Wir sind aufgebracht, weil wir uns ungerecht behandelt fühlen. Nein, diese Ungerechtigkeit wollen wir so nicht auf uns sitzen lassen. Wir rebellieren, zumindest innerlich. Dabei wollen wir doch eigentlich gelassen reagieren, aber die Sache „wurmt“ uns. Was ist zu tun?
Es ist grundsätzlich weise, mit demjenigen, der uns das vermeintliche Unrecht angetan hat, das Gespräch zu suchen, um unsere Beschwernis sachlich zu klären. Aber wenn das nicht gelingt, der andere sich stur stellt?

Christus – unser großes Vorbild

Als wiedergeborene Christen haben wir den Wunsch, den Fußstapfen unseres Herrn zu folgen. Wir fragen uns: Wie würde mein Herr in dieser Sache reagieren? Schon bei dieser Fragestellung werden wir innerlich ruhiger...
Der Apostel Petrus erinnert an das Vorbild des Herrn: „Christus hat … euch ein Beispiel hinterlassen, damit ihr seinen Fußstapfen nachfolgt; … der gescholten, nicht wiederschalt, leidend, nicht drohte, sondern sich dem übergab, der gerecht richtet“(1. Pet 2,21).
Wie ungerecht wurde unser Herr von den Menschen behandelt. Ob­wohl Er „wohltuend und heilend“ in Liebe unter ihnen gewirkt hatte, ern­tete Er nur Hass und Verachtung (s. Apg 10,38; Ps 109,3.4).
Schließlich wurde Er zum Tod verur­teilt, obwohl der Statthalter Pilatus zu­vor feststellte: „Ich habe keine Todes­schuld an ihm gefunden“ (Lk 23,22).
Der Prophet Jesaja klagt gewisserma­ßen als Mund des leidenden Mes­sias: „Umsonst habe ich mich abge­müht, vergeblich und für nichts mei­ne Kraft verzehrt; doch mein Recht ist bei dem Herrn und mein Lohn bei mei­nem Gott“ (Kap. 49,4).
Christus übergab sich in allem Dem, der gerecht richtet.
Wenn wir doch immer sagen könn­ten: „Mein Recht ist bei dem Herrn, deshalb übergebe ich das Unrecht, das mir widerfahren ist, dem Herrn und überlasse IHM alles Weitere!“

Mose – seine Reaktion angesichts übler Nachrede

Das Verhalten Moses angesichts der üblen Nachrede durch Miriam und Aaron ist vorbildlich (s. 4. Mo 12). Nachdem seine Geschwister we­gen seiner Ehe mit einer kuschi­tischen Frau übel über ihn gere­det hatten, kam auch nicht ein Wort der Recht­fertigung über seine Lippen.
Mose erkannte, dass Neid der An­lass für ihr Gerede war: Miriam und Aaron wollten nicht in der „2. Reihe“ stehen. Trotzig bemerken sie: „Hat der Herr nur mit Mose allein gere­det? Hat er nicht auch mit uns gere­det?“ (V. 2).
Mose reagiert sanftmütig auf den Vorwurf seiner Geschwister und der Herr nimmt sich der Rechtssache sei­nes Knechtes an.
„Der Herr hörte es“ (V. 2b), rechtfer­tigt Mose (s. V. 7) und redet in erns­ter Weise zu Aaron und Miriam (s. V. 8b), die aussätzig wie Schnee wird (s. V. 10).

David – wie er mit Unrecht umging

Erinnern wir uns an König David: Er hätte allen Grund gehabt, angesichts der ungerechten Vorwürfe Simeis, des Mannes aus der Familie Sauls, mit aller Autorität durchzugrei­fen, als dieser ihm auf der Flucht vor Absa­lom wie­derholt fluchte und mit Steinen nach ihm warf.
Aber wie besonnen rea­giert Da­vid und entgegnet Abisai, der Simei „den Kopf wegnehmen“ will: „Lasst ihn, dass er fluche; denn der Herr hat es ihn geheißen. Viel­leicht wird der Herr mein Elend an­sehen und der Herr mir Gutes er­statten dafür, dass mir geflucht wird an diesem Tag“ (2. Sam 16,11.12).
Damit übergab sich David Dem, der gerecht richtet.

Jesu Wesen widerspiegeln – zu seiner Ehre

Wir wissen nicht, ob und welches Unrecht dich vielleicht im Moment in deinen Gedanken beschäftigt – deine Seele bedrückt.
Vielleicht ein ungerechter Vorwurf des Ehepartners? Ungerechtes Ver­halten von Seiten des Nachbarn oder des Kollegen? Auch unter Glaubens­geschwistern lässt Gott es manchmal zu, dass Unrecht geschieht. Spiegelt sich in unserer Reaktion dann etwas von den Wesenszügen unseres Herrn Jesus wider?

Spiegelt sich in unserer Reaktion etwas von den Wesenszügen unseres Herrn Jesus wider?


Eine Begebenheit aus unseren Tagen

Andreas kommt am späten Abend bedrückt und missmutig nach Hause. Seine Frau Claudia fragt ihn er­staunt: „Andy, was ist los? Was ist quer gelaufen?“
Andreas setzt sich zu seiner Frau ins Wohnzimmer und dann erzählt er von dem Disput im Gespräch mit ei­nem Glaubensbruder, der ihm einen – wie er meint – ungerechten Vor­wurf gemacht hat.
Das hätte ich nicht von ihm gedacht. Wie der mich enttäuscht hat. Wenn er mir wenigstens richtig zugehört hätte. Nein – diese Ungerechtigkeit lasse ich so nicht stehen, ich werde …“ Andreas merkt gar nicht, wie er sich immer mehr erregt.
Andy“, entgegnet seine Frau in ru­higem Ton, „willst du jetzt wirklich für deine Ansicht kämpfen, weil du meinst, Recht zu haben? Ich frage mich: würde sich der Herr Jesus auch so verhalten?
Weißt du, in der Sonntagschule hast du den Kinder vom Heiland erzählt, der von allen unverstanden, leidend nicht drohte, sondern sich dem übergab der gerecht richtet
Meinst du nicht, dass es den Herrn erfreuen würde, wenn wir die Ange­legenheit Ihm im Gebet übergeben und einfach mal abwarten, was Er in dem Herzen des Bruders und auch an deinem wirkt?“
Andreas ist immer stiller geworden. Er empfindet: Claudia hat Recht! Schließlich ergreift er die Hand sei­ner Frau: „Claudia, ich danke dir für den Rat. So mache ich es: ich gebe die Sache dem Herrn ab. Nein, ich will doch durch meine Reaktion kei­ne Un­ruhe unter Glaubensgeschwis­ter brin­gen und – „dem Demütigen gibt Er Gnade“ und die brauche ich so sehr …“

Seinem Vorbild folgen – der Weg des Segens

Wie gesegnet ist es, wenn wir dem Herrn bei erfahrenem Unrecht „un­seren Weg“ anbefehlen, still vertrau­end auf die Zusage: „… und er wird handeln. Und er wird deine Gerech­tigkeit hervorkommen lassen wie das Licht, und dein Recht wie den Mit­tag“ (Ps 37,5.6).
Denn „der Herr übt Gerechtigkeit und verschafft Recht allen, die bedrückt werden“ oder Unrecht leiden (s. Ps 103,6).
Der Herr Jesus schenke uns allen ein „gelassenes Herz“ – es ist „das Leben des Leibes“ – und bewahre uns vor jeder Ereife­rung – sie würde uns nur krank ma­chen nach Körper und Seele (s. Spr 14,30) und manchen Schaden anrichten.
Lasst uns deswegen den weisen Rat Elihus befolgen: „Die Rechtssache ist vor Ihm; so harre auf Ihn“ (Hiob 35,14).

Friedhelm Müller

Homeschooling für Christen in Deutschland

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Anfang 2019 scheiterte eine christliche Familie mit ihrer Beschwerde vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Die Straßburger Richter folgten damit der Argumentation des zuständigen deutschen Familiengerichts, das die Auffassung vertrat:
Homeschooling hindert Kinder daran, ein Teil der Gemeinschaft zu werden und soziale Kompetenzen zu entwickeln. Dieser Fall zeigt das große Spannungsfeld, dem wir als Christen heute in der Schule begegnen.

Homeschooling bedeutet, dass Eltern ihre Kinder nicht zur Schule schi­cken, sondern in den eigenen vier Wänden unterrichten. In Deutschland hat der Gesetzgeber diese Art des Unterrichts nicht vorgesehen. Statt­dessen sind in der Bundesrepublik alle Kinder ab dem sechsten Lebens­jahr bis zur Volljährigkeit ge­setzlich verpflichtet, eine allgemeinbildende Schule oder (später) eine Berufs­schule zu besuchen.

Welches Verhalten kann Gott erwarten?

Als Christen werden wir in Römer 13,1 aufgefordert, „den obrigkeitli­chen Gewalten untertan“ zu sein und uns an die geltenden Gesetze unse­res Landes zu halten. Wenn wir uns gedanklich mit Homeschooling be­schäftigen, müssten wir demnach prüfen, ob wir uns auf den Grund­satz berufen dürfen: „Man muss Gott mehr gehorchen als Men­schen“ (Apg 5,29).
Es kann sehr nützlich und segens­reich sein, wenn wir uns anhand der Bibel und unter Gebet mit dieser Frage auseinandersetzen.

Folgende Bibelstellen regen dazu an:

  • 2. Mose 1,22-2,3 – Wie verhalten wir uns als gläubige Eltern?
  • Matthäus 22,15-22 – Wie verhält sich der Herr Jesus?
  • Römer 13,1-7 und Titus 3,1-2 – Welches Verhältnis haben wir als Christen zum Staat?

Im ersten Schritt werden wir solche Überlegungen ohne unsere Kinder anstellen. Wir werden uns dabei (neu) vor Gott bewusst, welchen schlech­ten Einflüssen und welchen Gefahren unsere Kinder in der Schule ausge­setzt sind. Dieses Bewusstsein wird uns ins konkrete und anhaltende Gebet treiben.
Zugleich wird uns als Eltern wahr­scheinlich deutlich werden, dass wir viel Zeit benötigen, um unseren Kin­dern unseren eigenen Glauben an den Herrn Jesus prak­tisch vorzuleben, ihnen täglich zuzu­hören, um Erleb­nisse aus dem Schulalltag mit ihnen gemeinsam zu besprechen und zu verarbeiten, mit ihnen zu beten und ihnen altersgerecht geist­liche Nah­rung zu geben.

Welche Konsequenzen sind zu bedenken?

Anhand der Bibel können wir als gläubige Eltern in Deutschland{In anderen Ländern, wie z. B. in den USA und auch in etlichen europäischen Ländern wie der Schweiz ist das Homeschooling unter bestimmten Voraus­setzungen gesetzlich erlaubt. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass Homeschooling der besse­re Weg für christliche Familien ist.} aber kaum zu einer anderen Feststellung kommen als dieser: Wenn wir die allgemeine Schulpflicht ignorieren und Homeschooling betreiben, leh­nen wir uns gegen die von Gott ein­gesetzte Regierung auf. Eine solche Auflehnung würde nicht ohne Kon­sequenzen bleiben – weder für unser eigenes Glaubensleben noch für un­sere Kinder, die wir ja zum Gehor­sam gegenüber Gott und seinem Wort erziehen möchten. Zu be­denken ist auch, dass wir als Christen sehr genau von unse­ren Mitmenschen beobachtet wer­den. Welches Bild würde entstehen, wenn sie feststellen müssten: Diese Christen brechen geltendes Recht und lehnen sich gegen den Staat auf?
Im zweiten Schritt kann es – je nach Alter und Situation – angebracht sein, dass wir mit unseren (älteren) Kindern einmal ausführlicher und orientiert an Gottes Wort über un­sere Empfindungen und Gedanken zum Thema Schule sprechen.

Es gibt keine echte Alternative …

Zur Einhaltung der Schulpflicht in Deutschland gibt es derzeit für uns als Christen keine Alternative. Denn wir schulden dem Staat den Gehor­sam, der ihm zusteht. Zugleich sind wir gläubige Eltern besonders ge­fragt, jede Möglichkeit zu nutzen, um gerade auch im schulischen Be­reich unseren Herrn und Heiland vorzuleben und mutig zu bezeugen.
Gespräche mit anderen Eltern, mit Lehrern und auch schulische Veran­staltungen wie Elternabende und Schulfeste sind für uns gute Gele­genheiten, Salz der Erde zu sein. Es kann sehr nützlich und zum Wohl unserer Kinder sein, wenn wir uns konstruktiv und aktiv ins Schulleben einbringen, ohne uns darin zu ver­lieren.

… aber Gott hat immer einen Ausweg

Dankbar können wir aber auch dafür sein, dass der Staat in Deutschland die Möglichkeit geschaffen hat, staat­lich anerkannte Bekenntnis­schulen einzurichten. Nicht alle gläubigen El­tern haben eine solche Schule in ih­rer Nähe. Die Wahl der passenden Schule für jedes Kind sollte gründ­lich vor dem Herrn abgewogen wer­den. Nicht in jedem Fall ist die christ­liche Bekenntnisschule die bessere Wahl und vor allem entbindet auch die Entscheidung für eine solche Schule uns nicht von unserer Ver­antwortung, für das geistliche Wohl unserer Kinder zu sorgen!
Gott sah damals die Not von Amram und Jokebed und Er sieht auch heu­te unsere Not in Bezug auf den Schulalltag unserer Kinder. Er sieht unsere Sorgen und fordert uns dazu auf, sie täglich auf ihn zu werfen (s. 1. Pet 5,7).
Über allem steht: Gott hat immer einen Ausweg. Wir können darauf vertrauen, dass unsere Kinder in den starken Händen unseres himmli­schen Vaters sind. Er kann und Er wird uns helfen. Das hat Er versprochen.

Gunther Werner und Stefan Busch

Bei mir bist du wohl bewahrt

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Bleibe bei mir, fürchte dich nicht; denn wer nach meiner Seele trachtet, trachtet nach deiner Seele; denn bei mir bist du wohl bewahrt.
(1. Samuel 22,23)


Die tröstlichen Worte, die David an den Priester Abjathar richtete, nachdem der Edomiter Doeg die ganze Priesterfamilie kaltblütig ausgelöscht hatte, dürfen auch wir für uns in Anspruch nehmen. Und zwar deshalb, weil wir in diesen Worten die unverkennbare Stimme des „guten Hirten“ wahrnehmen, der uns in seiner Nähe und Gemeinschaft bewahren möchte. Durch die Worte Davids möchte uns der Heilige Geist auch heute noch Trost und Ermunterung zusprechen, gerade in einer Zeit, in der Satan seine Anstrengungen verstärkt, um die Gläubigen zu entmutigen und zu Fall zu bringen.

Bleibe bei mir

David forderte Abjathar auf, bei ihm zu bleiben. Auch der Herr Jesus möch­te, dass wir nahe bei Ihm bleiben. Bei Ihm bleiben – das bedeutet, dass wir seinem Wort gehorchen und stets seine Nähe und Gemeinschaft su­chen (s. Joh 15,7.10). Dass wir da sind, wo Er ist und das tun, was Er von uns möchte, um Ihn nicht zu betrüben.
In seiner Gegenwart brauchen wir uns nicht zu fürchten, denn Er ist unser Heiland, der seine Liebe zu uns völlig unter Beweis gestellt hat, indem Er für uns gestorben ist. Wer könnte uns Schaden zufügen, wenn Er bei uns ist und wer gegen uns sein, wenn Er für uns ist (s. Röm 8,31)?
In seiner Gegenwart kann uns nichts und niemand schaden: Er wird uns bewahren, bis wir einmal dort sind, wo Er jetzt schon ist – im Haus des Vaters (s. Joh 12,26; 14,3).

Fürchte dich nicht

David verband sein Leben mit dem Leben Abjathars und seine Sicher­heit mit der von Abjathar. Abjathars Sicherheit lag in der Nähe zu David. Sind wir als Gläubige nicht noch viel enger mit dem Herrn Jesus verbun­den? Wir sind untrennbar und für immer mit Ihm verbun­den.
Die Frage des Herrn: „Saul, Saul, was verfolgst du mich?“ zeigt ganz klar, wie Er sich mit uns verbindet (Apg 9,4).
Ja, Er ist das Haupt seines Leibes und wir sind seine Glieder (s. 1. Kor 12, 27; Kol 1,18). Er ist unser Leben, und weil Er lebt, leben auch wir (s. Joh 14,19; Kol 3,4). Wer könnte uns sein Leben nehmen? Wer könnte uns aus seiner Hand rauben (s. Joh 10, 28. 29)? Nein, wir brauchen uns wirklich nicht zu fürchten!

Bei mir bist du wohl bewahrt

So wie Abjathar bei David wohl be­wahrt war, so sind auch wir bei dem Herrn Jesus wohl bewahrt. Diese Be­wahrung umfasst mindestens zwei Aspekte: Zum einen werden wir bei Ihm, das heißt in seiner Nähe und Gemeinschaft, vor uns selbst be­wahrt, indem wir nicht groß von uns denken oder (leichtfertig) sündigen. Zum anderen bewahrt uns seine Nähe auch vor den Anfechtungen des Feindes (s. 2. Thes 3,3).
Ohne Ihn wäre es um unsere Be­wahrung schlecht bestellt, aber mit Ihm und bei Ihm sind wir sicher. Seine Person ist der unverbrüchliche Garant dafür, dass wir auf dem Weg zum himmli­schen Ziel bewahrt blei­ben und einmal bei Ihm in der Herr­lichkeit sein werden (s. 2. Tim 4,18; Jud 24).
Ja, unsere Zukunft ist sicher und un­trennbar mit Ihm selbst ver­knüpft. Mag da kommen, was wolle: Der Herr Jesus ist unser Le­ben, unsere Sicher­heit, unsere Hoff­nung und un­sere Zukunft.

Ohne Ihn wäre es um unsere Bewahrung schlecht bestellt, aber mit Ihm und bei Ihm sind wir sicher.

Daniel Melui

Familie - ein Ort des Segens

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Im letzten Heft haben wir einige Impulse aus den Vorträgen während der Konferenz im Sommer 2019 für die Leser von „Bleibt in mir“ zusammengefasst. In diesem Heft folgen jetzt einige Gedanken aus der Wortbetrachtung über 1. Korinther 13.

Die Liebe vergeht niemals

Das große Thema dieses Kapitels ist die göttliche Liebe. Dabei wird nicht vorgestellt, wie diese Liebe sich im Handeln Gottes gezeigt hat, sondern wie sie im Leben der Gläubigen sicht­bar werden soll. Das große Vorbild dabei ist der Herr Jesus als Mensch auf der Erde.
Wie bei den Korinthern damals echte Liebe zueinander fehlte, so kann es auch in unseren Ehen und Familien an echter Liebe mangeln. Besonders auf die Beziehungen innerhalb der Familie wollen wir dieses Kapitel des­halb jetzt anwenden.

Ohne Liebe ist alles nichts

Paulus beginnt damit, drei angenom­mene Fälle zu schildern, die so nie vorkommen werden, aber als Illus­tration dafür dienen, dass ohne Liebe nichts einen Wert hat.

  • Selbst die schönste Ausdrucksweise in allen Sprachen der Menschen und Engel bliebe ohne Wirkung, wenn sie ohne Liebe wäre.
  • Auch die größte Ansammlung von geistlichen Gaben hätte keinen Wert ohne die Liebe.
  • Sogar die größte Hingabe bliebe ohne Nutzen, wenn sie nicht durch Liebe motiviert wäre.

Für die Korinther war das eine sehr ernste Mahnung, denn sie waren stolz auf ihre vielen Gnadengaben, aber ihnen fehlte die Liebe. Auf un­sere Familien angewandt kann es auch viele Bemühungen, tolle Aus­flüge oder große Geschenke geben. Fehlt dabei jedoch die Liebe, wer­den sie keinen Nutzen und Wert haben. Eine kleine Geste aus echter Liebe wirkt viel mehr als eine große Aktion, die nicht durch Liebe geprägt ist.

Wie die Liebe sich zeigt

In den nächsten Versen (V. 4-7) geht es darum, wie die Liebe sich in den Glaubenden zeigt. Es ist die göttliche Liebe, die in Vollkommen­heit zwischen dem ewigen Vater und dem ewigen Sohn besteht, die aber durch den Heiligen Geist ausgegos­sen ist in unsere Herzen, damit wir sie genießen und weitergeben kön­nen. Dabei ist es so wichtig, dass wir zunächst selbst diese Liebe genie­ßen und darin Ruhe und Frieden finden. Dann können wir sie auch in den Be­ziehungen weitergeben, in denen wir stehen.
Der Herr Jesus, der selbst immer in Vollkommenheit die Liebe seines Gottes und Vaters genossen hat, ist darin unser Vorbild. Er hat in jeder Hinsicht vollkommene Liebe gezeigt. Dabei stellen wir beim Nachdenken über sein Leben fest, dass Liebe sich auf unterschiedliche Weise zeigt.
Als Er Petrus, der anfing zu sinken, seine Hand entgegenstreckte und ihn rettete, da handelte Er aus Liebe (s. Mt 14,31). Als Er Petrus warnend darauf hinwies, dass er Ihn verleug­nen würde, da handelte Er auch aus Liebe (s. Lk 22,32-34). Und als Er ihn ernstlich tadelte, weil er sich von Sa­tan gebrauchen ließ, da handel­te Er ebenso aus Liebe (s. Mt 16,23).
Auch in unseren Familien wird sich die Liebe abhängig von der jeweili­gen Situation unterschiedlich betäti­gen, aber es ist so wichtig, dass alles aus Liebe geschieht.

Liebe zeigt sich in Selbstaufgabe

Von den insgesamt 15 Kennzeichen der Liebe in diesen Versen haben vie­le damit zu tun, dass die Liebe nicht sich selbst sucht, sondern das Gute und das Wohl des Anderen. In Lang­mut und Geduld erzeigt sich die Lie­be gütig, weil sie immer das Gute für das Gegenüber sucht. Kennzeich­net das unser Verhalten als Ehemän­ner zu unseren Ehefrauen?
Sie kennt keinen Neid und keine Ei­fersucht, schiebt sich nicht selbst in den Vordergrund und macht sich nicht selbst groß. Sie wird auch nicht ausfällig oder unanständig, ist zum Verzicht bereit und wird nicht bitter. Wie heilsam ist es für unsere Ehen, wenn die Liebe sich mehr so zeigt!

Liebe hat Freude am Guten

So, wie die Liebe das Böse verab­scheut, so hat sie Freude am Guten. Ungerechtigkeit kann sie nicht ertra­gen, gleichzeitig rechnet sie Böses nicht zu.{Damit ist nicht gemeint, dass die Liebe geschehe­nes Böses gutheißt, sondern dass die Liebe dem, der das Böse getan hat, vergebungsbereit begeg­net. Sie macht dabei ihre Liebe nicht davon abhän­gig, dass sich der andere auch liebenswert verhält.} Dagegen freut sie sich mit der Wahrheit. Können nicht gerade diese Merkmale der Liebe nützlich sein in der Erziehung unserer Kinder?
Dann werden wir unsere Kinder in der rechten Art und Weise auf einen guten Weg führen, auch wenn dabei Widerstände überwunden werden müssen. Bösem werden wir nach­drücklich entgegentreten und Gutes werden wir fördern. Dabei wird die Liebe das Mittel sein, das unsere Er­ziehung wirksam sein lässt.

Liebe setzt positive Energie frei

Die Liebe ist nicht nur passiv und duldend, sondern sie betätigt sich auch aktiv in positiver Hinsicht. Sie kann ertragen, sie geht vom Guten aus und glaubt es gerne, sie gibt nicht auf, sondern hofft auf Besse­rung und hört nicht auf, geduldig zu tragen.
Dabei ist die göttliche Liebe nicht blind oder dumm. Wenn in diesen Versen häufig das Wort „alles“ ge­braucht wird, dann geht es nicht um „alles“ im absoluten Sinn, sondern um alles, was in Gemeinschaft mit Gott und in Übereinstimmung mit dem Herrn Jesus geschehen kann.
In dieser Weise von der Liebe moti­vierte und aktiv eingesetzte Energie wird die Beziehung von Eheleuten untereinander ebenso stärken und festigen wie die Beziehung von El­tern zu ihren Kindern.

Die Liebe bleibt

Im letzten Abschnitt des Kapitels (V. 8-13) geht es darum, dass die Lie­be ewig bleibt. Sie ist ein Wesenszug Gottes und deshalb ewig. Ganz pas­send dazu wird einleitend gesagt, dass die Liebe niemals vergeht.
Wie ermutigt es uns, dass der Herr Jesus die Seinen bis ans Ende liebt (s. Joh 13,1). Das meint, dass seine Liebe, die niemals aufhört, bis zum Äußersten geht. In keiner Situation und zu keiner Zeit vergeht sie!
Nehmen wir das auch wieder neu in unseren Alltag in der Familie mit. Ob als Ehemann oder als Ehefrau, ob als Eltern oder als Kinder und Ge­schwister – die Liebe vergeht niemals. Sie lässt sich auch nicht durch Un­recht oder andere Dinge abtöten.
Das sollte niemand auf fleischli­che Weise ausnutzen, aber auch niemand für unmöglich halten. Es ist die Liebe Gottes, die in unsere Herzen ausgegossen ist und die wir in der Kraft des Heiligen Geistes tat­sächlich in jeder Situation zeigen kön­nen, wenn wir auf den Herrn Jesus blicken! Er wird uns dabei helfen.

Was aufhört

Alles, was mit unserem Leben auf der Erde zu tun hat, wird aufhören. Das Reden aus der Gegenwart Got­tes, das passend ist für die Bedürf­nisse der Zu­hörer (Weissagung), wird aufhören, wenn wir bei dem Herrn Jesus sind.
Die Sprachen sind schon viel früher von selbst abgeklungen, denn sie wa­ren als Zeichen für die Anfangs­zeit ge­geben und bestehen heute nicht mehr.
Auch die stückweise Erkenntnis, wie wir sie heute haben, wird aufhören. Wir sind heute immer nur in der Lage, einen Teil der Wahrheit Gottes zu betrachten. Gott hat uns seine Gedanken völlig offenbart und wir erkennen Stück um Stück. Aber wir haben noch nicht den vollen Über­blick.
Das wird sich ändern, sobald wir den Herrlichkeitsleib haben und bei dem Herrn Jesus sind (s. Phil 3,21). Dann werden wir erkennen, wie wir selbst erkannt worden sind und den Gesamtblick haben. Da­bei werden wir immer Geschöpfe blei­ben, die hinter dem großen Gott zu­rückstehen, der alleine allwissend ist.

Zwei Beispiele

Um den Wechsel von der jetzigen Zeit zu der Zukunft im Himmel, die bald anbricht, zu zeigen, benutzt Pau­lus zwei Beispiele:
Einmal erklärt er den Unterschied vom Kind zum erwachsenen Mann. Das Kind erkennt und beurteilt kind­lich. Es erfasst noch nicht die Zu­sammenhänge. Was es sieht, ist durchaus real und echt, aber dem Kind fehlt die Fähigkeit, es recht ein­zuordnen und Einzelaspekte in Be­ziehung zueinander zu bringen. Der erwachsene Mann ist dazu eher in der Lage.
Dann vergleicht er das Betrachten einer Sache durch einen Spiegel mit dem direkten Sehen von Angesicht zu Angesicht. Ein Spiegel (besonders die polierten Metallspiegel der da­maligen Zeit) lässt die Wirklichkeit immer undeutlich erscheinen und er steht immer „zwischen“ dem Be­trachter und der Wirklichkeit. Einmal wird es anders sein. Wir werden von Angesicht zu Angesicht und deutlich sehen. Dann werden wir erkennen, wie Gott uns schon längst erkannt hat.
Das wird dann der Fall sein, wenn wir vom Glauben zum Schauen gekom­men sind und unsere Hoffnung sich erfüllt haben wird. Die Liebe jedoch wird bleiben. Sie ist ewig und des­halb ist sie größer als Glaube und Hoffnung. Nach ihr dürfen und sol­len wir jetzt schon streben, damit sie mehr tätig und sichtbar wird, auch in unseren familiären Beziehungen (s. 1. Kor 14,1).

Christian Rosenthal

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