BleibtInMir

...denn außer mir könnt ihr nichts tun

Zeitschrift für die christliche Familie

ARCHIPPUS (Philemon 1-3)

© Bojan, stock.adobe.com

„Paulus, ein Gefangener Christi Jesu, und Timotheus, der Bruder, Philemon, dem Geliebten und unserem Mitarbeiter, und Apphia, der Schwester, und Archip­pus, unserem Mitkämpfer, und der Versammlung in deinem Haus: Gnade euch und Friede von Gott, unse­rem Vater, und dem Herrn Jesus Christus!“

Philemon war offenbar ein wohlhabender Mann, der Skla­ven unter sich hatte. Einer seiner Sklaven, One­si­mus, lief ihm davon und kam nach Rom. Wahrschein­lich hatte er vorher seinen Herrn bestohlen. In Rom traf Onesimus den Apostel Paulus und fand durch ihn den Herrn Jesus als seinen Heiland – und jetzt wurde er sein Sklave. Paulus schreibt diesen lieblichen kleinen Brief, worin er Onesimus seinem alten Herrn emp­fiehlt, zu dem Paulus ihn zurücksendet. Das ist Gottes Ord­nung, und wir dürfen überzeugt sein, dass Philemon seinen Onesi­mus „für immer“ aufnimmt; „nicht länger als einen Sklaven, sondern – mehr als einen Sklaven – als einen geliebten Bruder, besonders für mich, wie viel mehr aber für dich, sowohl im Fleisch als auch im Herrn“ (V. 16).
Wir nehmen an, dass Apphia Philemons Frau war, die Her­rin des Hauses; und Archippus war wohl ihr er­wachsener Sohn. Sein Name bedeutet „Pferdelenker“. Vielleicht war er junger Kavallerieoffizier in der römi­schen Armee. Wahrscheinlich lebten sie in Kolossä (s. Kol 4,17), aber ganz sicher wissen wir es nicht. Jeden­falls versammelten sich die Gläubigen der Stadt, in der sie lebten, bei ihnen im Haus.
Archippus, der Sohn, war mit einem besonderen Dienst betraut worden. Welcher Art dieser Dienst war, wird uns nicht mitgeteilt, aber der Apostel schreibt: „und sagt Archippus: Sieh auf den Dienst, den du im Herrn empfangen hast, dass du ihn erfüllst“ (Kol 4,17). In Mat­thäus 25,14-30 lesen wir von einem Menschen, der außer Landes reiste und seine Habe seinen Knechten übergab: „Und einem gab er fünf Talente, einem an­deren zwei, einem anderen eins, jedem nach seiner eigenen Fähigkeit“.
So den­ke ich, dass unter meinen Lesern keiner ist, dem der Herr nicht irgendeinen besonderen Dienst anver­traut hat; jedem unter uns nach seiner eigenen Fähig­keit. Möchten wir es nicht machen wie der Knecht, der nur das eine Talent empfan­gen hatte und es in der Erde vergrub (s. Mt 25,24ff)! Das Wort des Herrn an Archippus gilt jedem unter uns und unter unseren Kin­dern, wenn wir sein Eigentum sind: „Sieh auf den Dienst, den du im Herrn empfangen hast, dass du ihn erfüllst.“

„Sieh auf den Dienst, den du im Herrn empfangen hast, dass du ihn erfüllst.“
Kolosser 4,17

Wir haben gesehen, dass unsere Kinder uns vom Herrn ge­liehen sind, damit wir sie für Ihn erziehen. Jedem unserer Kinder hat Er gewisse Fähigkeiten und Talente gegeben, für deren Ausübung sie Ihm verantwortlich sind und es ist unser Vorrecht, ihnen dabei zu helfen, dass sie diesen Dienst erfüllen und ihn auf sein volles Maß bringen. Gebe Gott uns Treue und Weisheit, die wir so dringend nötig haben, um das in der rechten Weise für Ihn zu tun, dem unsere Kinder gehören und dem sie dienen.

G.C. Willis (aus „An die Eltern meiner Enkelkinder“, S. 176, ebenfalls beim Herausgeber
dieser Zeitschrift erschienen unter der Art.-Nr.: 50004)

Sei(d) guten Mutes!

© New Africa, stock.adobe.com

Während der Herr Jesus auf der Erde lebte, war Er von den täglichen Bedürfnissen und Nöten der Menschen umgeben. Beim Lesen der Evangelien fällt auf, dass Er dabei häufiger den Verzagten ein „Sei(d) guten Mutes!“ zurief. 7-mal finden wir diese Worte in den Evangelien (Mt 9,2; 9,22; 14,27; Mk 6,50; 10,49; Lk 8,48; Joh 16,33); 6-mal sagt Er es selbst, 1-mal die Jünger. In Apostelgeschichte 23,11 ruft der verherrlichte Herr es Paulus zu. Somit haben wir im Neuen Testament insgesamt sieben Begebenheiten, in denen der Herr Jesus diese Worte an unterschiedliche Personen richtet, um ihnen in persönlichen und gemeinschaftlichen Umständen Mut zuzusprechen.

Wenn wir die genannten Stellen im Zusammenhang betrachten, lassen sich unterschiedliche Aspekte dieser wunderbaren Worte „Sei(d) guten Mutes!“ erkennen. Zusammengefasst ist es ein göttlich umfassender Zuspruch – angedeutet durch die Zahl 7, die die Vollkommenheit einer Sache hervorhebt.
Im Einzelnen aber zeigen diese sieben Stellen unterschiedliche Situationen auf, in denen auch wir heute auf unserem Glaubensweg die Worte unseres Heilandes als Ermutigung praktisch in Anspruch nehmen dürfen. Wenn wir diese Stellen etwas näher betrachten, stellen wir dabei fest, dass sie uns aus drei verschiedenen Blickwinkeln heraus als persönlicher, gemeinsamer und gegenseitiger Zuspruch nützlich sind.

Persönlicher Zuspruch

In den ersten beiden Begebenheiten aus den eingangs aufgeführten sieben Bibelstellen richtet der Herr Jesus den Zuruf „Sei guten Mutes!“ an einzelne Personen.
Zunächst ist es der Gelähmte, zu dem der Herr sprach: „Sei guten Mutes, Kind, deine Sünden werden vergeben“ (Mt 9,2). Hier sehen wir, dass allein die Vergebung der Schuld schon ein Grund ist, guten Mutes zu sein, noch bevor der Herr auch die beschwerlichen Lebensumstände änderte und den Gelähmten heilte!
In der zweiten Stelle ist es dann eine Frau, die zwölf Jahre an Blutfluss litt und nun auch diese wunderbaren Worte des Heilandes hören durfte (s. Mt 9,22). So möchte der Herr Jesus, dass jeder von uns, ob Bruder oder Schwester, jung oder alt, diesen Zuspruch für sich persönlich in Anspruch nimmt.
In beiden Begebenheiten war der Herr Jesus damals selbst als vollkommener Mensch auf der Erde. Heute jedoch sitzt Er als verherrlichter Mensch zur Rechten Gottes. Aber dies hindert Ihn nicht daran, auch vom Himmel her diesen Zuspruch weiterzugeben! Die bereits erwähnte Stelle in Apostelgeschichte 23 macht dies unmittelbar deutlich. Dort trat Christus selbst des Nachts zu Paulus, der in notvollen Umständen war, und sprach: „Sei guten Mutes!“ (Apg 23,11). Er sandte dazu keinen Engel – auch heute noch richtet Er persönlich diese Worte direkt an uns! Kann es einen größeren persönlichen Zuspruch geben?

Gemeinsamer Zuspruch

Darüber hinaus gilt uns diese Ermunterung auch gemeinschaftlich. Erinnern wir uns an folgende Begebenheit: Als die Jünger mitten auf dem See in Nöten waren und das Schiff sich schon mit Wasser füllte, durften sie gemeinsam die Zuwendung des Herrn erfahren und seine Worte hören: „Seid guten Mutes, ich bin es, fürchtet euch nicht!“ (Mt 14,27).
So tritt der Herr mitten in die Lebensumstände hinein und spricht uns durch sein Wort Mut zu. Wie schön, dass wir uns auch heute nicht nur persönlich, sondern auch als Familie und als Geschwister in unserem gemeinsamen Glaubensleben mit den Worten „Sei(d) guten Mutes!“ immer wieder stärken lassen dürfen.

Gegenseitiger Zuspruch

Wenn wir in dieser Weise den zweifachen Zuspruch des Herrn Jesus in den Umständen des täglichen Lebens erfahren und dankbar aufnehmen dürfen, wird dies nicht nur in Bezug auf den eigenen Glaubensweg gesegnete Auswirkungen haben. Denn dadurch, dass wir selbst durch unseren Herrn ermutigt worden sind, sind auch wir dann in der Lage, anderen von der neu gewonnenen Zuversicht weiterzugeben. Dies finden wir in der Begebenheit von Markus 10.
Als der Herr dort mit seinen Jüngern nach Jericho kam, saß der blinde Bartimäus bettelnd am Wegesrand. Alle hörten seine lauten Rufe nach der Barmherzigkeit Christi. Daraufhin blieb der Herr stehen und sandte seine Jünger zu ihm, um ihn zu sich zu rufen. Und was sagen dann die Jünger zu dem verzweifelten Bartimäus? Es sind die gleichen Worte, die sie auch schon so manches Mal selbst hören durften: „Sei guten Mutes; steh auf, er ruft dich!“ (Mk 10,49). Wie schön zu sehen, dass hier die Jünger in ihren Worten ihrem Meister ähnlich geworden sind!
So sind wir durch den persönlichen und gemeinsamen Zuspruch Christi in der Lage, auch anderen diese wunderbaren Worte unseres Heilandes weiterzugeben – jene Worte, die uns selbst schon so oft getröstet und gestärkt haben: „Sei(d) guten Mutes!“.

Matthias Wölfinger

Das will ich für dich tun

© Robert Kneschke, stock.adobe.com

Nachdem David sich eine gewisse Zeit bei Samuel in Najot bei Rama aufgehalten hatte, floh er von dort, als Saul mit seinen Männern dort auftauchte (s. 1. Sam 19,18.23;20,1). Daraufhin traf er sich mit seinem Freund Jonathan. Im Verlauf ihrer Unterredung sprach Jonathan die bedeutsamen Worte zu David: „Was deine Seele spricht, das will ich für dich tun“ (V. 4).

Und Jonathan sprach zu David:
„Was deine Seele spricht, das will ich für dich tun.“
1. Samuel 20,4

Diese Worte zeigen etwas von der Hingabe Jonathans an David. Sie lassen aber auch etwas von dem völligen Vertrauen Jonathans in David erkennen, dass dieser niemals etwas von ihm verlangen würde, was nicht gut ist.
Die Worte Jonathans erhalten jedoch eine noch größere Bedeutung, wenn wir sie auf das Verhältnis eines Gläubigen zu Christus übertragen. So wie Jonathan bereit war, alles zu tun, was David ihm auftragen würde, so dürfen diese Worte auch die Sprache eines Gläubigen seinem Herrn gegenüber sein. Sie können uns als Ansporn dienen, den Worten unseres Herrn in unserem ganzen Leben mit Hingabe und Freude zu entsprechen.

Haben wir in unserem Herzen den festen Entschluss gefasst, zu tun, was der Herr uns durch sein Wort sagt?

Dabei möchte ich besonders auf vier Punkte hinweisen:

Die Aufgabe

Jonathan war bereit, alles zu tun, was David ihm auftragen würde. Wie steht es bei uns? Haben wir Freude daran, zu tun, was der Herr uns (in seinem Wort) sagt? Sehen wir die Aufgabe, die Er uns vor die Füße legt, oder sind wir mit anderen Dingen beschäftigt? Wir wollen auf seine Stimme hören, wenn Er uns auf eine ganz spezielle Aufgabe hinweist und bereit sein, Aufgaben zu übernehmen – auch dann, wenn sie uns gering und unbedeutend erscheinen.
Manchmal streben wir nach großen Dingen und übersehen dabei die kleinen Dinge, die unmittelbar vor unseren Füßen liegen (s. Jer 45,5). Zu Saul wurde einmal gesagt: „Tu, was deine Hand finden wird“ (1. Sam 10,7). Dies dürfen auch wir uns zu Herzen nehmen. Ja, was es auch sein mag: Alles, „was seine Seele spricht“, das wollen wir für Ihn tun!

Der Vorsatz

Jonathan hatte sich fest vorgenommen, den Willen Davids auszuführen. Haben wir auch den festen (Herzens-)Entschluss gefasst, zu tun, was der Herr uns durch sein Wort sagt? Dann ist es uns ein Herzensanliegen, die Gedanken des Herrn in unserem Leben zu verwirklichen. Dabei reicht es allerdings nicht aus, den Willen des Herrn in einer bestimmten Sache zu kennen. Wir müssen auch den Wunsch und die feste Absicht haben, ihn zu tun.
Bei Daniel sehen wir das schöne Beispiel eines festen Herzensentschlusses, der gesegnete Auswirkungen auf sein ganzes weiteres Leben hatte: „Und Daniel nahm sich in seinem Herzen vor, sich nicht mit der Tafelkost des Königs und mit dem Wein, den er trank, zu verunreinigen“ (Dan 1,8).

Die Motivation

Jonathan und David verband ein inniges freundschaftliches Verhältnis. Aus Liebe zu seinem Freund David war Jonathan bereit, alles zu tun, was dieser ihm auftragen würde. Der Herr Jesus hat seine Liebe zu uns völlig unter Beweis gestellt, als Er am Kreuz von Golgatha für uns starb. Wir lieben Ihn, „weil er uns zuerst geliebt hat“ (1. Joh 4,19). Wird unsere Liebe zu Ihm in unserem Leben sichtbar (s. Joh 14,21)? Ist seine Person der Beweggrund für unser Handeln?
Erfüllen wir unsere Aufgaben nicht aus Gewohnheit oder Pflichtgefühl, sondern mit echter Hingabe!
Der Apostel Paulus ermahnt uns in Kolosser 3,23: „Was irgend ihr tut, arbeitet von Herzen als dem Herrn und nicht den Menschen“ (s. auch V. 17).
Ja, die Liebe zum Herrn Jesus soll der Beweggrund für all unser Tun sein.

Wird unsere Liebe zu Ihm in unserem Leben sichtbar?


Die Ausführung

Jemand hat einmal gesagt: „Der schwierigste Weg, den der Mensch zurückzulegen hat, ist der zwischen Vorsatz und Ausführung.“ Der beste Vorsatz nützt nichts, wenn er nicht ausgeführt wird. Wir sollen nicht beim Wollen stehen bleiben, sondern auch das Tun vollbringen, denn der Herr beurteilt uns nicht nach dem, was wir tun wollen, sondern nach dem, was wir wirklich getan haben (s. 2.Kor 8,11.12).
Ist es nicht so, dass wir oft an der Ausführung dessen, was wir uns vorgenommen haben, scheitern? Wir haben viele gute Ideen, was wir für den Herrn tun wollen, aber im Nachhinein müssen wir feststellen, dass wir nicht eine einzige umgesetzt haben. Die Rubeniter sind uns in dieser Hinsicht ein warnendes Beispiel. Als Barak zum Kampf gegen die Kanaaniter aufrief, beratschlagten sie miteinander und fassten große Beschlüsse, die sie allerdings nie in die Tat umsetzten (s. Ri 5,15b.16). Möchte der Herr uns Gnade dazu schenken, dass wir seine Worte nicht nur hören, sondern auch tun (s. Jak 1,22)!

Daniel Melui

Christ sein – eine bewusste Entscheidung ist gefragt! (Teil 2)

© PhotoGranary, stock.adobe.com

Nachdem wir im letzten Heft über das erste Vorkommen des Wortes „Christ“ in Apostelgeschichte 11,26 nachgedacht haben, schauen wir uns in diesem Artikel das zweite Vorkommen etwas genauer an. Dabei erkennen wir, dass es eine bewusste Entscheidung erfordert, um Christ zu sein.

Agrippa aber sprach zu Paulus: In kurzem überredest du mich, ein Christ zu werden. Paulus aber sprach: Ich möchte wohl zu Gott beten, dass über kurz oder lang nicht allein du, sondern auch alle, die mich heute hören, solche würden, wie auch ich bin, ausgenommen diese Fesseln“ (Apg 26,28.29).
Paulus ist in Jerusalem gefangen genommen worden (s. Apg 21) und befindet sich auf dem Weg nach Rom. In Cäsarea wird ein Zwischenstopp eingelegt und dort muss Paulus sich vor der römischen Justiz verantworten. Zunächst ist es Felix (s. Apg 24) und danach König Agrippa (s. Apg 26). Paulus spricht sehr offen über sein Leben, seine Bekehrung und seinen Auftrag. Er bekennt sich zu seinem Herrn, der ihn zum Dienst berufen hatte. Schließlich fordert er König Agrippa mit der Frage heraus, ob er den Propheten Glauben schenkt (s. V. 22). Daraufhin antwortet dieser mit der im Text zitierten Antwort, dass Paulus ihn in kurzem überreden würde, ein Christ zu werden. Es ist zu bezweifeln, dass er tatsächlich Christ geworden ist. Zumindest deuten die letzten Verse von Kapitel 24 darauf hin, dass es ihm mehr um das Bestechungsgeld ging, dass er sich von Paulus erhoffte, als um seine Errettung. Dennoch liegen in seiner Aussage und in der Antwort von Paulus erneut Lektionen für uns, die ich wieder in drei Punkten zusammenfasse:

  • Christ zu werden, ist eine bewusste Entscheidung: Es war Agrippa klar, dass er sich selbst dazu entscheiden musste, Christ zu werden. Viele Menschen meinen heute, dass sie als Christ geboren werden, weil sie in einem christlichen Land leben und ihre Eltern auch „christlich“ sind. Spätestens dann, wenn sie als Baby getauft sind, nennen sie sich „Christ“. Es ist jedoch ein Irrtum zu denken, man könne als Christ geboren werden. Auch die Taufe – obwohl sie durchaus etwas mit Christsein zu tun hat – genügt nicht, ein echter Christ zu sein. Ein echter Christ ist derjenige, der eine bewusste Entscheidung für Jesus Christus trifft. Das hatte Agrippa besser verstanden als viele Menschen heute.
  • Christ zu werden ist eine persönliche Sache: Paulus konnte Agrippa nicht zu einem Christen machen. Er konnte ihn wohl „überreden“ (d. h. überzeugen). Er konnte ihm Christus bezeugen und „Geburtshelfer“ sein (s. 1. Kor 4,15; Phlm 10). Die Entscheidung musste jedoch Agrippa selbst treffen. Das ist bis heute nicht anders. So sehr wir als Eltern wünschen, dass unsere Kinder echte Christen werden, wir können ihnen diese Entscheidung nicht abnehmen.
Jeder Mensch muss die Entscheidung, Christ zu werden, selbst und ganz bewusst treffen – mit allen Konsequenzen, die damit verbunden sind.
  • Christ zu sein ist mehr als ein Bekenntnis: Die Antwort von Paulus macht klar, dass die Entscheidung „Christ“ zu werden, nicht einfach der Wechsel eines Bekenntnisses ist, sondern mehr beinhaltet. Was Christ zu sein wirklich bedeutet und kennzeichnet, hat Paulus vorgelebt. Deshalb seine – auf den ersten Blick vielleicht etwas seltsam anmutende – Antwort, dass er wünsche, dass alle so würden, wie er war. Das Erlebnis auf dem Weg nach Damaskus hatte das bisherige Leben des Saulus von Tarsus völlig auf den Kopf gestellt. Er hatte – im wahrsten Sinn des Wortes – eine Bekehrung (d. h. Umkehr) erlebt. Nichts war mehr so wie vorher. Aus dem Christenhasser und Verfolger Saulus war ein Paulus, ein Diener Jesus Christi geworden, der sein ganzes Leben Christus zur Verfügung stellte. „Das Leben ist für mich Christus“ (Phil 1,21).
    Christus war der Mittelpunkt seines ganzen Lebens geworden und er wünschte, dass alle, die wirkliche Christen sein wollten, so lebten. Dabei nimmt er seine „Fesseln“, also seine Gefangenschaft, aus.

Ernst-August Bremicker

Seliges Wissen: Jesus ist mein!
Köstlichen Frieden bringt es mir ein.
Leben von oben, ewiges Heil,
völlige Sühnung ward mir zuteil.

Ihm will ich leben, o welche Freud!
Alles hält Jesus für mich bereit:
Göttliche Leitung, Schutz in Gefahr,
Sieg über Sünde reicht Er mir dar.

Völlig Sein Eigen! Nichts such ich mehr;
Jesus, Er stillet all mein Begehr.
Treu will ich dienen Ihm allezeit,
bis ich Ihn sehe in Herrlichkeit.

Lasst mich‘s erzählen, Jesus zur Ehr;
wo ist ein Heiland, größer als Er?
Wer kann so segnen, wer so erfreun?
Keiner als Jesus! Preist Ihn allein!
(Lied 212 aus dem Liederbuch „Geistliche Lieder“)

Gebete verhindern?!

© Elnur, stock.adobe.com

Im Leben von Gläubigen gibt es immer wieder Zeiten, in denen sie auf Antworten vom Herrn warten. Aber irgendwie scheinen ihre Gebete ungehört zu verhallen. Dabei nennt Gott sich doch selbst „Hörer des Gebets“ (Ps 65,3).

Natürlich ist Gott uns keine Rechenschaft darüber schuldig, ob, wann und wie Er auf unsere Gebete antwortet. Und auch wenn Gott der „Hörer des Gebets“ ist, haben wir keinen Rechtsanspruch auf eine Antwort Gottes.
Deshalb aber gar nicht erst zu beten, wäre jedoch ein schrecklicher Irrtum. Denn wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott unsere Gebete nicht nur hört, sondern auch so darauf antwortet, wie es nach seinen weisen Gedanken gut für uns ist. Nicht nur die oft zitierte „Notrufnummer Gottes“ (s. Ps 50,15) ermuntert uns, alles im Gebet vor Gott auszubreiten, was unsere Herzen bewegt.
Wie kann es dann sein, dass wir gar nicht erst beten oder dass Gott auf die Gebete bisweilen mit Schweigen zu reagieren scheint?

Eine mögliche Ursache

In 1. Petrus 3,7 finden wir eine mögliche Antwort darauf für Eheleute, genauer gesagt für Ehemänner[1]: „Ihr Männer ebenso, wohnt bei ihnen [Anmerkung: den Ehefrauen] nach Erkenntnis als bei einem schwächeren Gefäß, dem weiblichen, ihnen Ehre gebend als solchen, die auch Miterben der Gnade des Lebens sind, damit eure Gebete nicht verhindert werden.“

Eine ernste Mahnung an die Ehemänner

Wie sieht es bei uns Ehemännern mit der Verwirklichung dessen aus, was Petrus hier anspricht? Er ermahnt uns ja dazu, als Männer Gott in unsere Ehen einzubeziehen und unseren Frauen nicht nur mit natürlichen und menschlichen Empfindungen zu begegnen (in denen wir leider oft nur uns selbst suchen!), sondern mit einer geistlichen Einsicht, die Gott und seinen Gedanken entspricht. Dann werden wir unseren Ehefrauen in der richtigen Art und Weise begegnen.
Das ist heute mindestens so aktuell wie damals, als Petrus dies schrieb. Denn das Gedankengut der Emanzipation und Gleichberechtigung der Frau ist mittlerweile so in allen Lebensbereichen verankert, dass es sich – oft unbemerkt – auch in die Praxis des christlichen Ehelebens einschleicht.
In dem Bestreben, der Ehefrau zu vermitteln, dass sie kein Mensch zweiter Klasse ist, überlassen viele Männer ihren Frauen bereitwillig Aufgaben, die Gott eigentlich ihnen zugedacht hat.
Dabei hat Gott die Frau so geschaffen, dass sie ihrem Mann zwar einerseits eine Hilfe ist, die ihm entspricht (s. 1. Mo 2,20). Zugleich benötigt sie aber auch die Leitung und Unterstützung durch ihren Ehemann. In diesem Zusammenhang ermahnt Petrus die Ehemänner, darauf achtzugeben, ihre Ehefrauen nicht zu überfordern.

Ein weitgespanntes Verantwortungsgebiet

Nach Erkenntnis bei seiner Ehefrau als einem schwächeren Gefäß zu wohnen, beschränkt sich nicht darauf, nach dem Einkauf die schweren Getränkekisten vom Auto ins Haus zu tragen. Es ist auch weit mehr damit gemeint, als im intimen geschlechtlichen Miteinander rücksichtsvoll mit seiner Ehefrau umzugehen. Als Ehemänner sind wir in allen Lebensbereichen gefordert, unserer Frau so zu begegnen.
Der Mann ist das Haupt der Frau, so „wie auch der Christus das Haupt der Versammlung ist“ (Eph 5,23). Christus kümmert sich um seine Versammlung, dass sie Ihm wohlgefällig und für Ihn passend ist. In dieser Weise können wir Männer unsere Ehefrauen nicht umsorgen. Es ist nicht die Aufgabe des Mannes, seine Frau „passender für sich“ zu machen. Aber wir sollen sie in Liebe nähren und pflegen und dabei unterstützen, ihrer Verantwortung vor dem Herrn gerecht zu werden, indem wir unsere Aufgaben in Ehe und Familie nicht vernachlässigen.

Eine von Gott verordnete Stellung

Der Mann ist das Haupt der Frau. Das bedeutet nicht, dass Männer etwas Besseres oder Wertvolleres wären als ihre Ehefrauen. In Gottes Augen sind beide gleich wertvoll, denn sie sind beide „mit dem kostbaren Blut Christi“ erkauft (1. Pet 1,18) und beide in gleicher Weise „Miterben der Gnade des Lebens“ (1. Pet 3,7).
Auch in 1. Korinther 11,11.12 sagt Gott in seinem Wort: „Dennoch ist weder die Frau ohne den Mann noch der Mann ohne die Frau im Herrn. Denn so wie die Frau vom Mann ist, so ist auch der Mann durch die Frau; alles aber von Gott.“
Das Haupt der Frau zu sein bedeutet für den Ehemann, vor Gott für alles verantwortlich zu sein, was seine Ehe und Familie betrifft. Die ernste Frage: „Wenn aber jemand dem eigenen Haus nicht vorzustehen weiß, wie wird er für die Versammlung Gottes Sorge tragen?“ (1. Tim 3,5) hat nicht nur für solche Brüder Bedeutung, denen Gott einen Aufseherdienst anvertraut. Diese Frage verdeutlicht auch den Grundsatz der Verantwortlichkeit des Ehemannes vor Gott.

Eine wichtige Voraussetzung

Seiner Stellung als Haupt der Frau wird jeder Ehemann aber nur dann gerecht werden können, wenn er sich bewusst ist, dass „Christus das Haupt eines jeden Mannes ist“ (1. Kor 11,3). Nur wer sich vertrauensvoll und gehorsam der liebevollen und weisen Führung seines Herrn unterwirft, wird auch seine Frau entsprechend den Gedanken Gottes leiten können.

Ein geistliches Miteinander

Eine Ehe ist nicht wie ein Unternehmen, in dem der Chef die Leitlinien vorgibt, die praktische Umsetzung aber den ihm untergeordneten Arbeitnehmern überlässt. Ganz im Gegenteil arbeiten Mann und Frau in einer Ehe nach Gottes Gedanken Hand in Hand.
In einer geistlichen Ehe werden sich die Eheleute bei allen anfallenden Fragen und Aufgaben miteinander austauschen und nach Gottes Willen suchen. Sie werden die Dinge im Gebet vor Gott ausbreiten und Ihn durch sein Wort zu sich reden lassen. Und wenn sie schließlich den Willen Gottes in der Sache erkannt haben, werden sie ihn dann auch gemeinsam in die Tat umsetzen.
Es wird auch Situationen geben, in denen sich die Eheleute auch nach langem Beten und Warten nicht sicher sind. Dann kann es sein, dass die Frau ihrem Mann die Entscheidung überlässt, weil sie um seine Verantwortung vor Gott als ihrem Haupt weiß und ihm vertraut, dementsprechend zu handeln.
In jedem Fall wird ein solches Ehepaar sich nicht gegenseitig mit Vorwürfen überschütten, wenn trotz allem Bestreben, stets den Willen des Herrn zu suchen und zu verwirklichen, einmal Schwierigkeiten und Widerstände auftreten sollten.

Ein umfassendes Aufgabengebiet

Wenn es um konkrete Aufgaben innerhalb von Ehe und Familie geht, scheint es bei oberflächlichem Lesen in Gottes Wort mehr an die Frauen gerichtete Aussagen zu geben als an die Männer.
Es gibt aber auch Stellen, die eindeutig die Männer ansprechen. So sind es gerade die Väter, die aufgefordert werden, die Kinder „in der Zucht und Ermahnung des Herrn“ zu erziehen (Eph 6,4). Es heißt hier nicht, dass sie darauf achten sollen, dass ihre Ehefrauen die Kinder für den Herrn erziehen und versorgen. Sie sollen selbst darin aktiv werden und die Kinder geistlich unterweisen.
Wir sollten als Ehemänner aber nicht dabei stehen bleiben. Je mehr Kinder der Herr einem Ehepaar schenkt, desto selbstverständlicher sollte es für uns sein, auch in den praktischen Dingen des Lebens bei der Erziehung und Versorgung der Kinder mit anzupacken – zum Beispiel, wenn die Kinder abends zu Bett gebracht werden. Wie sonst sollen die Kinder lernen, dass auch sie Aufgaben zu übernehmen haben, damit es im Familienalltag nicht zu Reibungen kommt. Das praktische Vorbild des Ehemanns und Vaters spricht hier mehr als jedes Wort.

Je mehr Kinder der Herr einem Ehepaar schenkt, desto selbstverständlicher sollte es für die Väter sein, auch in den praktischen Dingen des Lebens bei der Erziehung und Versorgung der Kinder mit anzupacken.


Und die Ehefrauen?

In 1. Petrus 3,7 werden ausdrücklich die Ehemänner angesprochen. Ihnen gilt die Ermahnung dieses Verses. Doch wie sieht es mit den Ehefrauen aus?
Auch wenn es keinen vergleichbaren, an Frauen gerichteten, Bibelvers gibt, können sie es ihrem Mann schwer machen, 1. Petrus 3,7 in ihrer Ehe zu verwirklichen. Etwa, wenn sie sich selbst, ihre Meinung und ihre Gefühle zum alleinigen Maßstab machen. Über kurz oder lang wird so die Gesprächsbasis zwischen den Eheleuten zerstört und damit (nicht nur) dem gemeinsamen Gebet die Grundlage entzogen.
Oder wenn die Ehefrau ständig Zweifel an sich selbst, ihren Fähigkeiten oder ihrem Aussehen hat. Den Schönheitsidealen der Werbung nachzujagen, ist leider nicht nur unter Ungläubigen ein weit verbreitetes Problem (und das auch nicht nur bei den Frauen).
Die Gefahr ist groß, dass der Mann bei einem solchen Verhalten zunächst den Mut und irgendwann auch den Willen verliert, danach zu streben, bei seiner Frau „nach Erkenntnis als bei einem schwächeren Gefäß“ zu wohnen. Statt ihr liebevoll und mit Respekt zu begegnen, reagiert er dann vielleicht harsch und ungehalten. Vor allem aber steht er in Gefahr, seine ihm von Gott zugedachten Aufgaben zu vernachlässigen.
Ein mögliches Fehlverhalten der Ehefrau ist jedoch keine Entschuldigung für den Mann, nicht dennoch weiter danach zu streben, „nach Erkenntnis als bei einem schwächeren Gefäß“ mit seiner Frau zu handeln und sie zu ehren!

Ein mahnendes Beispiel

Gott weist sein irdisches Volk Israel durch den Propheten Maleachi darauf hin, dass Er sich den Opfergaben des Volkes nicht mehr zuwendet und auch nichts Ihm Wohlgefälliges aus der Hand des Volkes annimmt. Und was ist die Ursache dafür? „Weil der Herr Zeuge gewesen ist zwischen dir und der Frau deiner Jugend, an der du treulos gehandelt hast, da sie doch deine Gefährtin und die Frau deines Bundes ist“ (Mal 2,14).
Damit verbunden ist die Aufforderung: „handle nicht treulos gegen die Frau deiner Jugend! (V. 15b).
Lasst uns dieses mahnende Beispiel zu Herzen nehmen und mehr danach streben, nicht selbst einen Anlass dafür zu liefern, dass unsere Gebete verhindert werden.

Stefan Busch

Lasst uns mehr danach streben nicht selbst einen Anlass dafür zu liefern, dass unsere Gebete verhindert werden.

Fußnoten:

  1. Der im Sonderheft 2021 von „Bleibt in mir“ zum Thema Gebet erschienene Artikel „Wenn Gott „Nein“ sagt“ beschäftigt sich umfassender mit dieser Frage und beschränkt sich dabei nicht nur auf Gebete in Ehe und Familie. Das Heft kann beim Herausgeber (Artikelnummer 50661) bezogen werden. Die Artikel des Sonderheftes sind darüber hinaus auch auf der Internetseite www.bleibtinmir.de veröffentlicht.

Wie wird es im Himmel sein? (Teil 1)

© Prazis Images, stock.adobe.com

Die Frage in der Überschrift hat uns sicher alle schon beschäftigt und auch Kinder fragen danach. Antworten darauf zu geben, fällt uns manchmal gar nicht so leicht. Was sagt uns Gottes Wort dazu? Dem gehen wir in dieser Artikelserie ein wenig nach.

Das Haus des Vaters

„Euer Herz werde nicht bestürzt. Ihr glaubt an Gott, glaubt auch an mich! In dem Haus meines Vaters sind viele Wohnungen; wenn es nicht so wäre, hätte ich es euch gesagt; denn ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten. Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, damit, wo ich bin, auch ihr seiet“ (Joh 14,1-3).
Man sehnt sich immer nach etwas Schönem. Wenn es um unsere Zukunft im Himmel geht, ist das aber so eine Sache, weil wir ja noch nie dort waren und uns kaum vorstellen können, wie es dort ist. Umso wichtiger ist es für uns, dass wir über das nachdenken, was uns Gottes Wort über den Himmel sagt, denn das ist die einzige verlässliche Quelle.
Die obigen Worte stammen aus dem Mund des Herrn Jesus selbst. Und Er muss es wissen, denn Er ist ja aus dem Himmel zu uns Menschen herabgestiegen. Er steht hier kurz vor seinem Werk am Kreuz auf Golgatha und vor seiner Rückkehr in den Himmel. Deshalb spricht Er zu den Herzen seiner bestürzten Jünger und tröstet sie: Er würde für sie in Zukunft ein „Gegenstand“ des Glaubens sein. Obwohl nicht mehr sichtbar bei ihnen, würden sie Ihn aber lebend im Himmel wissen und sie würden im Gebet zu Ihm reden, als wäre Er bei ihnen.

  1. In dem Haus des himmlischen Vaters sind viele Wohnungen. Wohnungen sprechen von Daheimsein, Geborgenheit, zur Ruhe kommen, Gemeinschaft. Es sind viele Wohnungen, es gibt Platz für jeden, der glaubt.
  2. Der Herr Jesus hat uns dort durch sein Werk am Kreuz und durch seine Himmelfahrt eine Stätte und ein Wohnrecht bereitet.
  3. Durch sein Werk am Kreuz hat Er die Glaubenden passend gemacht für das Haus des Vaters und durch sein Eingehen als Mensch in das Haus des Vaters ist dieses Haus zu einer Stätte für Menschen geworden.
  4. Er ist als Mensch, als Vorläufer jetzt schon dort und hat uns gewissermaßen die Wohnungen „aufgeschlossen“. Es ist alles bereit! Anbetend dürfen wir darüber staunen, dass im ewigen Haus seines Vaters Wohnungen für uns bereitet worden sind!
  5. Der Herr hat versprochen, dass Er wiederkommt, um uns zu sich zu holen. Das ist unsere Hoffnung, dahin darf unser Sehnen gehen. In einem Akt der Barmherzigkeit wird Er uns von diesem Schauplatz der Sünde wegnehmen und uns in die ewige Herrlichkeit des Vaterhauses bringen.
  6. Wir werden dort sein, wo Er ist. Das ist es, was die eigentliche Schönheit des Vaterhauses ausmacht: Seine Gegenwart, bei Ihm zu sein.

Darüber denken wir nach und genießen die Vorfreude! Darüber sprechen wir auch mit unseren Kindern.
Sicher können sie schon etwas davon verstehen, was die Atmosphäre eines „Vaterhauses“ ausmacht, wenn sie davon in den natürlichen Beziehungen etwas erleben.

Andreas Kringe

Ein Heim hab‘ ich, ein Vaterhaus,
so unaussprechlich schön;
bald ruh ich dort bei Jesu aus,
möcht heut schon zu Ihm gehn.

Dort seh ich Ihn von Angesicht
in seiner ganzen Pracht
wo alles strahlt in seinem Licht
in Herrlichkeit und Macht.

Die Kreatur, die Er befreit,
stimmt ein in jenen Chor,
ist stets zu seinem Dienst bereit
und schaut zu Ihm empor.

Sollt ich drum nicht von Herzensgrund
Dich loben allezeit,
hier machen Deine Gnade kund,
dort Deine Herrlichkeit!
Text: Jacques Erné (*1825 †1883) (Lied 42, Strophen 1,2,4,5, aus dem Liederbuch „Christliche Lieder“)

Die Liebe des Vaters – zum verlorenen Sohn

© valeasca, stock.adobe.com

„Gott aber, der reich ist an Barmherzigkeit, wegen seiner vielen Liebe, womit er uns geliebt hat … als wir in den Vergehungen tot waren …“ Epheser 2,4-5

Die sogenannte „Geschichte vom verlorenen Sohn“ illustriert uns in bewegender Weise die „viele Liebe“ unseres Gottes und Vaters und seine „große Barmherzigkeit“, in der Er sich zu uns sündigen Menschen herabgeneigt hat (s. 1. Pet 1,3). Wir waren hoffnungslos verloren – tot in Sünden und Vergehungen (s. Eph 2,1). Aber nun sind wir durch den Glauben an das vollbrachte Opfer Jesu Christi aus Gnaden errettet und dürfen uns Tag für Tag an der Liebe Gottes erfreuen (s. Eph 2,8; 5,1).
Wir erinnern uns: Der jüngere Sohn hatte mit prall gefüllter Geldtasche dem Vater den Rücken gekehrt und zunächst in Üppigkeit gelebt. Aber dann kam die große Not: Das Geld war ausgegeben, die Freunde hatten sich von ihm abgewandt. Am Ende war er bei den Schweinen gelandet. Er litt großen Hunger, aber niemand gab ihm (s. Lk 15,13-16).
Es wird ihm bewusst: Selbst die Tagelöhner meines Vaters haben mehr als satt zu essen; sie haben sogar Überfluss an Brot.
Deshalb fasst er den Entschluss: „Ich will mich aufmachen …“. Ein offenes Bekenntnis will er ablegen. Er fasst nicht nur einen „guten Vorsatz“, sondern begibt sich auch tatsächlich auf den Weg nach Hause, denn „er machte sich auf und ging zu seinem Vater“ (s. V. 17-20).

Das Herz des Vaters

Es ist beeindruckend, das Herz des Vaters zu sehen. Es ist ein Bild unseres Gottes und Vaters!
Der Vater muss nicht gerufen werden. Er hat schon Ausschau gehalten – jeden Tag mit der bangen Frage: Kommt mein Junge nicht zurück?
Es ist rührend: Der Vater sieht seinen Sohn schon von fern, wird innerlich bewegt, läuft ihm entgegen, fällt ihm um den Hals und küsst ihn sehr! (s. V. 20). Unbegreiflich, denn der Sohn ist immer noch in Lumpen gehüllt und der Geruch der Schweine hängt ihm in den Kleidern! Nur die Liebe des Vaters kann dieses so Abstoßende überwinden.
So ist unser Gott und Vater: Er liebt uns mehr als alle Väter auf Erden lieben können und zwar mit göttlicher Liebe – „als wir noch Sünder waren“ (Röm 5,8).
Der Sohn bekennt seinem Vater: „Ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. Ich bin nicht mehr würdig, dein Sohn zu heißen“ (V. 21).
Dabei wollte er noch seinen Vater bitten, ihn zum Tagelöhner zu machen! Aber dazu kommt er nicht mehr. Der Vater fällt ihm scheinbar ins Wort und fordert seine Knechte auf:

Bringt schnell das beste Gewand her …

„Das beste Gewand“ bedeutet für uns das „Kleid des Heils“.
Als wir uns als Sünder erkannten und uns zu Gott bekehrten, das heißt im Bekenntnis unserer Sünden zu Ihm umkehrten, hat Er uns alle Schuld vergeben und in der Wiedergeburt neues Leben geschenkt, gewissermaßen „bekleidet mit Kleidern des Heils, den Mantel der Gerechtigkeit“ uns umgelegt (Jes 61,10).
Wir sind nun Gottes Gerechtigkeit geworden in Ihm (s. 2. Kor 5,21). Gott sieht uns jetzt in dem ganzen Wert des Opfers seines Sohnes, er sieht uns „in Christus“ (s. Eph 1,6).

… tut einen Ring an seine Hand und …

„Der Ring“ an der Hand weist auf Gottes „ewige Liebe“ hin, denn ein Ring hat keinen Anfang und kein Ende. Beständig möchte der Vater daran erinnern: „Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt …“ (Jer 31,3). So sind auch wir Gegenstände seiner nie endenden Liebe (s. Joh 16,27). Und das in einem für uns unbegreiflichen Maß: Der Vater liebt uns so, wie Er den Sohn liebt (s. Joh 17,23).
Außerdem bezeugt der Herr Jesus selbst, dass er „die Seinen, die in der Welt waren, geliebt hatte“ und lieben würde „bis an Ende“, das bedeutet, „bis zum Äußersten, durch und durch …“ (Joh 13,1).

 Sandalen an seine Füße.

Die „Sandalen an den Füßen“ sind das Kennzeichen eines freien Mannes, denn Sklaven oder Tagelöhner trugen keine Sandalen – wohl aber der Sohn! Nichts erinnert den Sohn mehr an seine Vergangenheit.
So sind auch wir „zuvor bestimmt zur Sohnschaft“ und haben „einen Geist der Sohnschaft empfangen, in dem wir rufen: Abba Vater!“ (Eph 1,5; Röm 8,15).

Alles aus Gnade

Wir fragen erstaunt: Musste der zurückgekehrte Sohn irgendetwas „tun“?
Nein – alles ging vom Vater aus! Ob es sich um das Kleid handelte, den Ring oder die Sandalen, alles wurde ihm gebracht bzw. angetan. Keinesfalls musste er sich diese „Stücke“ verdienen, vielleicht in der Form einer Bewährung. Nein, keine „guten Werke“ als Verdienst, sondern alles aus Gnade.
So sind auch wir allein „aus Gnade errettet – nicht aus Werken, damit niemand sich rühme“ (Eph 2,8.9).

Ungetrübte Gemeinschaft

Schließlich möchte der Vater Gemeinschaft haben mit seinem Sohn. Das gemästete Kalb wird geschlachtet. Gemeinsam essen sie davon.
Denken wir bei dem Schlachten des Tieres nicht an Christus, der durch den ewigen Geist sich selbst opferte – für uns zum Fluch, aber für Gott „zu einem lieblichen Geruch“ am martervollen Kreuzesstamm (s. Eph 5,2)?
Auf der Grundlage seines Opfers haben wir das Vorrecht „Gemeinschaft zu haben mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus“ (1. Joh  1,3) – zu unserer völligen Freude.
Damals „fingen sie an, fröhlich zu sein“. Von einem Ende ist nicht die Rede!
Bald werden wir bei der Wiederkunft des Herrn Jesus vom Glauben zum Schauen geführt werden und voller Anbetung seine große Barmherzigkeit bewundern, die sich so über uns erbarmt hat – „wegen seiner vielen Liebe“.

Friedhelm Müller

Du hast uns lieb!
Du treuer Gott und Vater,
wie nie ein Mensch geliebt.
Du hast uns lieb!
Selbst nicht im Mutterherzen
es solche Liebe gibt.

Du hast uns lieb!
Mit Kleidern ew’gen Heiles
hast du uns angetan.
Du hast uns lieb!
Als vielgeliebte Kinder
anbetend wir Dir nahn.

Du hast uns lieb,
und Deine Liebe gossest
Du in das Herz uns aus.
Du hast uns lieb!
Drum eilen frohen Mutes
wir heim ins Vaterhaus.
Lied 130, Strophen 1,3,4, aus „Geistliche Lieder“

Nicht reizen – ein Wort an die Väter

© Wordley Calvo Stock, stock.adobe.com

Es gibt nur zwei direkte Ermahnungen an Väter im Neuen Testament im Hinblick auf den Umgang mit ihren Kindern, die sich zwar ähneln, aber nicht gleich sind. Wir finden sie in Epheser 6 und Kolosser 3:
Und ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn, sondern zieht sie auf in der Zucht und Ermahnung des Herrn (Eph 6,4).
Ihr Väter, reizt eure Kinder nicht, damit sie nicht mutlos werden (Kol 3,21).

Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in diesen beiden Stellen enthalten wertvolle Impulse für jeden Vater.

Reizt eure Kinder nicht[1]

Beide Ermahnungen des Apostel Paulus an Väter in den Versammlungen von Ephesus und Kolossä beginnen mit den Worten „Ihr Väter, reizt eure Kinder nicht“.
Väter reizen ihre Kinder, wenn sie

  • Ärger und Frust, den sie vielleicht von der Arbeit mitbringen, an ihren Kindern auslassen
  • den Kindern immer wieder ihre Schwächen oder Unzulänglichkeiten vor Augen halten
  • Versprechungen nicht einhalten, die sie den Kindern gegeben haben
  • ihre Kinder des Öfteren überfordern
  • die Kinder nur kritisieren und nie loben
  • ein Kind bevorzugen
  • sich keine Zeit für die Kinder nehmen
  • die Probleme der Kinder nicht ernst nehmen
  • von den Kindern Dinge verlangen, die sie selbst nicht verwirklichen
  • nur verbieten und nichts erlauben

Die Liste ist ungeordnet und ganz sicher nicht vollständig. Sie bietet aber genug Beispiele, an denen wir Väter uns prüfen können und dabei wohl alle feststellen müssen, dass wir durch das eine oder andere unsere Kinder schon gereizt haben. Wenn die Liste etwas in Erinnerung gebracht hat und wir wissen, dass wir unser Versagen dem Kind nicht bekannt haben, ist es nicht zu spät, dies jetzt noch zu tun. Wenn wir uns an die Sache noch erinnern, können wir davon ausgehen, dass es bei unserem Kind auch der Fall ist.
Aber vielleicht dient die Liste noch zu mehr. Zeigt sie uns nicht auch, dass wir nicht nur beim Reden oft straucheln, sondern auch in der Erziehung unserer Kinder? Wie viel Liebe, wie viel Weisheit, wie viel Willigkeit, wie viel Selbstdisziplin und noch vieles mehr brauchen wir, um gute Erzieher zu sein. In uns selbst haben wir das alles nicht. Aber unser himmlischer Vater will uns alles geben, was notwendig ist.

Zwei mögliche Reaktionen

Die Reaktion des Kindes auf das falsche Verhalten des Vaters kann verschieden sein. Paulus spricht in dem einen Fall davon, dass Zorn bei dem Kind hervorgerufen wird, im andern Fall aber Entmutigung. Kinder mit einem ausgeprägt starken Willen neigen vielleicht eher dazu, zornig zu werden, Kinder mit einem geringen Selbstwertgefühl verfallen eher in Mutlosigkeit. Natürlich gibt es auch Kinder, die einmal die eine und das andere Mal die andere Reaktion zeigen, vor allem in der Zeit der Pubertät.
Für uns Väter ist es natürlich unangenehmer, wenn Kinder zornig reagieren. Wir empfinden dies als Angriff auf unsere Autorität und reagieren oft laut und heftig, statt uns zu fragen, ob wir das Kind zum Zorn gereizt haben. Meistens eskaliert dann die Auseinandersetzung und der entstehende Schaden ist groß.
Wenn das Kind nicht heftig reagiert, sondern sich still zurückzieht, aber verletzt und entmutigt ist, merken wir Väter dies oft gar nicht. Kommt dies öfter vor, entfernt sich das Kind innerlich immer mehr von seinem Vater. Wie ernst sind die beiden möglichen Auswirkungen, wenn Kinder gereizt werden.
Manchmal versuchen unsere Frauen, uns Väter auf unseren Fehler aufmerksam zu machen. Das sollte natürlich nicht vor den Kindern geschehen. Aber unsere Frauen haben oft ein feineres Empfinden für Ursache und Wirkung im zwischenmenschlichen Bereich und nehmen die Entmutigung des Kindes früher wahr. Wie reagieren wir dann auf solche Hinweise? Mit dem Satz: „Immer stellst du dich auf die Seite der Kinder“ oder sind wir einsichtig?

Zieht sie auf

Im Brief an die Epheser belässt es Paulus nicht bei der Ermahnung, die Kinder nicht zum Zorn zu reizen, sondern fügt die Aufforderung hinzu: „Zieht sie auf in der Zucht und Ermahnung des Herrn.“ Aufziehen beinhaltet, dass diese Tätigkeit über eine längere Zeit ausgeübt wird, während das Kind vom Säugling zum jungen Erwachsenen heranwächst. Aufziehen erfordert Ausdauer. Zudem muss sich die Art des Erziehens mit dem zunehmenden Alter des Kindes ändern, wenn auch die Erziehungsziele unverändert bleiben. Von dem heranwachsenden Samuel heißt es: „Und der Knabe Samuel wurde immer größer und angenehmer, sowohl bei dem Herrn als auch bei den Menschen“ (1. Sam 2,26). Das wünschen wir uns doch alle für unsere Kinder!

In der Zucht und Ermahnung des Herrn

Dann wird uns gesagt, wie wir unsere Kinder aufziehen sollen. „Zucht“ ist ein Ausdruck von weitestgehender Bedeutung und umfasst die ganze Auferziehung der Kinder. Dazu gehört insbesondere die liebevolle Überwachung der Kinder im Hinblick auf ihre Schwachheit und Unwissenheit, den Mangel an Erfahrung und die große Beeinflussbarkeit durch andere, aber auch eine angemessene Zurechtweisung und Züchtigung, wenn notwendig. So wie wir um das leibliche Wohl unserer Kinder besorgt sind, müssen wir auch Sorge um ihr geistiges Wohl tragen.
„Ermahnung“ bedeutet: Regulierung der Gesinnung und der Veranlagung. Die Kinder sollten zu guten und nützlichen Beschäftigungen ermuntert, aber von schädlichen Dingen abgehalten werden.
Es geht darum, die jungen Pflanzen in die Richtung zu lenken und zu ziehen, in der sie wachsen sollen. Unverständiger Zwang kann leicht etwas in ihnen zerbrechen. Die „Ermahnung“
zu vernachlässigen, würde die Entwicklung verkehrter Neigungen in den jungen Herzen begünstigen, die später nur schwer ausgerottet werden können.
Es soll eine Zucht und Ermahnung „des Herrn“ sein. Was wir Väter an den Kindern tun, müssen wir im Namen und im Sinn unseres Herrn tun. Die Erziehung soll dazu führen, dass auch die Kinder in ihrem Leben den Herrn lieben und Ihm dienen. Wir wollen uns nicht mit der Bekehrung der Kinder begnügen, so wichtig sie auch ist. Welch eine große Aufgabe ist uns doch mit der Auferziehung unsere Kinder anvertraut. Mit der Hilfe des Herrn wollen wir uns diesem Auftrag stellen.

Horst Zielfeld

Was wir Väter an den Kindern tun, müssen wir im Namen und im Sinn unseres Herrn tun.

Fußnoten:

  1. Der Artikel berücksichtigt nicht, dass im Urtext verschiedene Worte für „zum Zorn reizen“, bzw. „reizen“ gebraucht werden.

Drei Merkmale einer guten Erziehung

© nadezhda1906, stock.adobe.com

Im Buch Esther finden wir den schönen Bericht über eine Frau, die Gott in seiner Vorsehung an einen Platz stellte, an dem sie in Mut und Aufopferungsbereitschaft zur Rettung des Volkes der Juden beitragen konnte. Diese Frau, die so zum Segen für das Volk Gottes werden konnte, hatte denkbar schlechte Voraussetzungen für eine gute Entwicklung. Sie war Vollwaise, wuchs also elternlos auf. Doch da war ein Mann, der sich ihrer angenommen hatte: Mordokai. Er hatte Esther aufgezogen. Die Bibel berichtet uns drei Merkmale seiner Erziehung, die für Esther so sehr zum Guten war.

Erziehung in Liebe

Mordokai hatte Esther nicht nur aus Mitleid und Erbarmen aufgenommen. Er hatte nicht nur eine Pflicht darin gesehen, sie mit den nötigen materiellen Dingen zu versorgen. Nein, er hatte sie angenommen als seine Tochter (s. Est 2,7). Er hatte eine echte Beziehung zu Esther aufgebaut, eine Beziehung, die durch Liebe gekennzeichnet war.
Auch die Erziehung unseres himmlischen Vaters, in der Er mit uns handelt, ist durch dieses Merkmal geprägt. Er handelt mit uns als mit seinen Söhnen (s. Heb 12,7).
Die Liebe äußert sich, je nach Umständen, auf verschiedene Art und Weise. Es war Liebe, als der Herr Jesus Petrus bei der Hand fasste und ihn vor dem Ertrinken rettete. Aber es war auch Liebe, als Er ihn ernstlich tadelnd aufforderte: „Geh hinter mich, Satan!“ (Mt 16,23).
Ob wir unser Kind in den Arm nehmen und trösten, ob wir ihm etwas erlauben oder verbieten, oder ob wir es in angemessener Weise züchtigen – es muss immer in Liebe geschehen. Das wird eine Beziehung zu dem Kind ermöglichen, in der die Erziehung zum Nutzen des Kindes sein kann.

Erziehung in Autorität

Bevor Esther das Haus von Mordokai verlassen und zum König gehen musste, hatte Mordokai sie gut vorbereitet auf ein Leben, in dem Esther auf sich selbst gestellt war. Dazu gehörte, dass er ihr wichtige Dinge geboten hatte (s. Est 2,10).
Es ist eine Pflicht der Eltern, dass sie ihren Kindern wichtige Leitplanken für ihr Leben aufzeigen. Dazu hat Gott die Eltern mit Autorität ausgestattet, die sie in der rechten Art und Weise einsetzen müssen.
Natürlich ist es das Ziel aller gläubigen Eltern, ihre Kinder zu selbständigen Menschen zu erziehen, die in eigener geistlichen Kraft Entscheidungen mit dem Herrn treffen können, um ihr Leben freudig mit Ihm zu führen. Dazu ist es aber auch erforderlich, ihnen wichtige Dinge zu „gebieten“, d. h. mit Autorität vorzustellen.
Es geht nicht darum, dass Kinder von äußeren Zwängen beherrscht werden. Das wäre schrecklich. Solchen Kindern fällt es ihr Leben lang schwer, ein freies und glückliches Leben mit dem Herrn zu führen. Aber es geht sehr wohl darum, mit der nötigen Entschiedenheit – immer in Liebe! – das vorzustellen, was Gottes Gedanken entspricht. Die Kinder werden es ihr Leben lang behalten und es wird für sie zum Nutzen sein!

Erziehung in Sorgfalt

Besonders beeindruckend ist der biblische Bericht über das Handeln Mordokais, nachdem Esther in das Frauenhaus des Königs gebracht worden war. Obwohl seine Erziehungsaufgabe eigentlich vorbei war, geht Mordokai doch Tag für Tag zum Hof des Frauenhauses, um zu sehen, ob er etwas von Esther und ihrem Wohlergehen erfahren würde. So konnte er ihr auch zur richtigen Zeit mit einem guten Rat zu Hilfe kommen.
Die Sorgfalt, die Mordokai zeigte, nachdem Esther sein Haus verlassen hatte, wird auch die Zeit geprägt haben, in der sie noch bei ihm war. Auch wir sollen Sorgfalt, Ausdauer und Konsequenz in der Erziehung unserer Kinder haben. Dabei wird Gott uns in der anspruchsvollen Aufgabe der Kindererziehung niemals über unsere Kraft hinaus fordern, aber Er erwartet auch, dass wir uns als Eltern auf diese Aufgabe konzentrieren.
Es ist gut, wenn Mütter für ihre Kinder da sind, wenn sie aus der Schule kommen. Es ist gut, wenn Väter nach Hause kommen, bevor ihre Kinder zu Bett gehen. Es ist besser, im Alltag Zeit für die Kinder zu haben, als Überstunden oder einen Nebenjob zu machen, um mehrmals im Jahr in Urlaub fahren zu können.
Im Gebet zu dem Herrn für unsere Kinder wird Er uns das richtige Maß für alles zeigen, sodass wir mit der nötigen Sorgfalt für unsere Kinder da sein können. Für alles Weitere wird Er sorgen, denn auch Ihm liegt an unseren Kindern, Er liebt sie und möchte sie gerne segnen.
Haben die Kinder dann das Haus verlassen, hört die Sorgfalt nicht auf. Aber sie wird sich auf eine andere Art und Weise zeigen. Unser Interesse für die Kinder bleibt, wir beten für sie und stehen zur Verfügung, wenn sie Rat oder Hilfe brauchen. Aber wir werden uns nicht in das Leben einmischen, das sie in eigener Verantwortung vor dem Herrn führen.
Wie sehr hat Gott die Bemühungen Mordokais gesegnet. Auch wenn sein Name im Buch Esther nicht erwähnt wird, hielt Er doch alles in der Hand und hat die Dinge so geführt, dass sich sein Plan erfüllt hat. Das wird Er auch heute tun, auch im Blick auf unsere Familien und Kinder.

Christian Rosenthal

Persönliche Worte "Vorsätze"

Liebe Leser!

Zum Jahreswechsel fassen viele Menschen Vorsätze für die Zukunft. Meistens halten diese jedoch nicht lange, sondern gleichen denen des Volkes Israel in Richter 5. Damals gab es an den Bächen Rubens große Beschlüsse (s. Ri 5,15). Aber über große Beratungen (s. V. 16), hochfliegende Gedanken und wohlklingende Worte kamen die Rubeniter nicht hinaus. Sie waren wie Schall und Rauch.
Daniel und seine Freunde waren in schwierigen Umständen. Nebukadnezar hatte Israel erobert und die Vornehmen des Volkes gefangen weggeführt. Die jungen Männer aus Israel wollte er „umschulen“ und so ausbilden, dass sie Nebukadnezar „in aller Weisheit und kenntnisreich und mit Einsicht begabt“ (Dan 1,4) bei seinen Regierungsgeschäften behilflich sein konnten. Auf ihrem „Lehrplan“ stand sicher auch manches, was gegen Gottes Wort war. Ihre Verpflegung bestand aus der Tafelkost des Königs.
Daniel wusste um die Gefahren übermäßigen Alkoholkonsums und dass das Fleisch den Götzen der Meder und Perser geopfert wurde, bevor der König es aß. Darum nahm er sich in seinem Herzen vor, „sich nicht mit der Tafelkost des Königs und mit dem Wein, den er trank, zu verunreinigen“ (Dan 1,8). Diesen Herzensentschluss setzte Daniel konsequent um, obwohl es lebensgefährlich war. Er blieb seinem Gott über viele Jahrzehnte treu. Und Gott bekannte sich dazu.
Als Christen müssen wir uns fragen, wie wir unseren Glaubensweg gehen wollen. Wie sieht es dabei mit unseren Entschlüssen aus? Nicht nur zum Jahreswechsel müssen wir uns entscheiden, wem wir dienen wollen. Nur was wir mit ganzem Herzen tun, werden wir auch überzeugt und ausdauernd tun. Darum ist die von Barnabas an die Christen in Antiochien gerichtete Ermahnung (s. Apg 11,23) auch für uns so wichtig.
Die Artikel dieses Heftes möchten Denkanstöße geben und dazu herausfordern, „mit Herzensentschluss bei dem Herrn zu verharren“. Freude und bleibenden Gewinn beim Lesen wünscht

Stefan Busch

© 2022 Ernst-Paulus-Verlag
Ernst Paulus Verlag Logo