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...denn außer mir könnt ihr nichts tun

Zeitschrift für die christliche Familie

Ehre deinen Vater und deine Mutter

Vater alt Tochter
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Dieses Gebot ist unter den sogenannten zehn Geboten das erste, das zwischenmenschliche Beziehungen regelt. Der Herr Jesus erwähnt es mehrmals (s. Mt 15,4; 19,19) und Paulus zitiert es, wenn er die gläubigen Kinder ermahnt, den Eltern zu gehorchen (s. Eph 6,1-3). Es ist also ganz klar, dass auch wir unsere Eltern ehren sollen. Die Aufforderung, den Eltern zu gehorchen, ist an Kinder gerichtet. Aber es bleibt eine lebenslange Verpflichtung, die Eltern zu ehren. Wie ehren wir nun die Eltern?

Folgende Liste ist nicht vollständig, sondern enthält nur einige Hinweise:

  • Wir suchen guten Kontakt zu den Eltern.
  • Wir begegnen den Eltern mit Respekt und Wertschätzung.
  • Wir suchen und schätzen den guten Rat der Eltern.
  • Wir reden nichts Negatives über die Eltern, sondern sprechen, wenn möglich, positiv über sie, auch wenn sie nicht mehr leben…

Und wenn die Eltern älter werden?

Wenn die Eltern grau geworden sind, kommt im Gesetz ein allgemeineres Gebot hinzu, das beachtenswert ist: „Vor grauem Haar sollst du aufste­hen und die Person eines Greises ehren, und du sollst dich fürchten vor deinem Gott. Ich bin der Herr“ (3. Mo 19,32). Ältere Eltern sind so­mit doppelter Ehre würdig.
Ein weiterer wichtiger Vers zu dieser Thematik steht in 1. Timotheus 5,4: „Wenn aber eine Witwe Kinder oder Enkel hat, so mögen sie zuerst ler­nen, dem eigenen Haus gegenüber fromm zu sein und den Eltern Glei­ches zu vergelten; denn dies ist an­genehm vor Gott.“
Neben der Ehre, die den Witwen aufgrund ihrer Witwenschaft gege­ben werden sollte, handelte es sich damals vor allem um die finanzielle Unterstützung der Witwen durch die Nachkommen. Im Allgemeinen be­steht diese Notwendigkeit in der heutigen Zeit in unserem Land nicht mehr in dem Maße wie damals. Aber die Eltern haben ihre Kinder nicht nur materiell unterstützt, sie haben sich normalerweise viele Jahre lang in Liebe um sie gekümmert und sie aufgezogen. Sollten nun die Kinder sich nicht, wenn es irgend möglich ist, ebenso liebevoll um die alten Eltern kümmern?

Helfen, aber nicht bevormunden

Folgender Bibelvers enthält wichtige Belehrungen zu diesem Thema: „Da machte sich Jakob von Beerseba auf, und die Söhne Israels führten Jakob, ihren Vater, und ihre kleinen Kinder und ihre Frauen auf den Wagen, die der Pharao gesandt hatte, ihn zu holen“ (1. Mo 46,5).
Diese Stelle enthält im Wesentli­chen zwei Aussagen:

  1. Jakob machte sich auf.
  2. Seine Söhne führten ihn.

Die erste Aussage spricht von der Initiative, die Jakob ergreift, die zweite von der Hilfe der Söhne, die­se Entscheidung zu realisieren. Wir wollen diese Situation verallgemei­nern: Eltern oder Elternteile besit­zen noch ihre geistigen Kräfte, aber die körperlichen haben altersbe­dingt nachgelassen. Die Kinder soll­ten dann den Eltern helfen, so­lange wie möglich ein selbstbe­stimmtes Leben führen zu können. Eine prak­tische Hilfe ist natürlich dauerhaft nur dann möglich, wenn die Wohn­orte nahe beieinander lie­gen. Dies ist in der heutigen Zeit nicht mehr selbstverständlich, sollte aber ange­strebt werden.

Nicht immer einfach

Der Wunsch, die Selbstbestimmung der Eltern zu achten, kann manch­mal schwierig sein. Einige Beispiele sollen dies verdeutlichen:
Die Konzentration und das Reakti­onsvermögen beim Autofahren las­sen mit zunehmendem Alter nach. Vielleicht erlebt man als Beifahrer bei den Eltern gefährliche Situatio­nen mit. Hier braucht es viel Weis­heit, die Sache anzuspre­chen, weil die Mobilität heute zur Lebens­qualität gehört.
Im ländlichen Raum haben die El­tern oft ein Haus mit größerem Gar­ten, von dem ein Teil Nutzgarten ist. Die Gartenarbeit hat ihnen immer Freude gemacht, wird aber zuneh­mend schwerer oder sogar unmög­lich für sie. Auch hier ist manches Konfliktpotential denkbar. Es ist noch relativ einfach, wenn die heran­wachsenden Enkelkinder Freu­de und Zeit an Gartenarbeit haben. Andern­falls müssen oft andere Lö­sungen gefunden werden.
Vielleicht bewohnen die Eltern auch ein Haus, das einmal mit Leben ge­füllt war, jetzt aber eigentlich zu groß ist. Sie hängen daran, aber die Un­terhaltung und Pflege des Hauses übersteigt inzwischen ihre Kräfte. Wenn die Kinder neben den Ver­pflichtungen in den eigenen Familien nicht ausreichend Zeit haben, sich darum zu kümmern, können auch hier Probleme entstehen.

Aber dennoch

Trotz dieser möglichen Probleme ist es ein großer Segen, wenn sich die Kinder um ihre älter werdenden El­tern kümmern. Wie schön ist es, ihre Freude und Dankbarkeit zu erleben, wenn sie besucht werden und ihnen geholfen wird.
Wie viele gute Ratschläge können sie aufgrund ihrer Lebenserfahrung ge­ben. Wie schätzen es die kleineren Enkel, wenn Opa oder Oma ihnen vorlesen oder mit ihnen spielen. Wie schätzen es manche Enkel, bei Opa und Oma essen zu dürfen. Die Liste ließe sich beliebig verlängern.
Aber was ist, wenn die Eltern schwie­rig oder gar ungläubig sind? Dann ist es sicher nicht einfach, aber die an­fangs genannte Verpflichtung be­steht trotzdem und mit der Hilfe des Herrn sollten wir auch bemüht sein, ihr nachzukommen.

Und wenn der Pflegefall eintritt?

Nicht selten tritt dann noch der Fall ein, dass die Eltern nicht nur Hilfe in Haus und Hof brauchen, sondern auch an sich selbst. Diese Hilfe ist dann meistens täglich zu erbringen und kann von Kindern nur dann ge­leistet werden, wenn sie in unmit­telbarer Nähe wohnen und die Kraft dazu aufbringen können, ohne selbst Schaden zu nehmen. Viele Fragen stehen dann im Raum.

  • Soll die Pflege allein übernommen, oder ein sozialer Pflege­dienst mit eingebunden oder die­sem die Aufgabe ganz übertragen werden?
  • Wollen/sollen die Eltern oder der Elternteil weiter in ihren Räum­lichkeiten wohnen oder bei den Kindern aufgenommen werden, falls dies räumlich überhaupt rea­lisierbar ist?
  • Kann diese Hilfe neben den Ver­pflichtungen in der eigenen Familie überhaupt geleistet werden?

Alle diese Fragen und noch viele mehr müssen vor dem Herrn erwo­gen werden. Hier kann auch Rat bei solchen eingeholt werden, die einen solchen Dienst an Eltern schon ge­tan haben. Eine Entscheidung für solch eine Verpflichtung sollte nur nach reiflicher Überlegung und mit Gebet getroffen werden. Natürlich muss die ganze eigene Familie ein­mütig in dieser Sache sein, denn es wird jeden etwas kosten. Aber jeder wird auch etwas empfangen.

Und das Altenheim?

Wenn die Kinder weder räumlich noch kräftemäßig in der Lage sind, die Eltern oder Elternteile zu pfle­gen, oder, weil der Pflege­aufwand zu groß wird, nicht länger die Pflege zu Hause leisten können, so muss die Möglichkeit er­wogen werden, die Angehörigen in ein Pflegeheim zu geben.
Wenn in der Nähe ein Alten­heim ist, das nach biblischen Grundsätzen ge­führt wird, so sollte man sich be­mühen, dort einen Platz zu bekom­men. Wenn dagegen ein solches Heim sehr weit entfernt ist, so wird die Frage entstehen, ob man nicht ein Heim in der Nähe wählt, dafür aber dort die Angehörigen öfter besucht.
Alle diese Überlegungen werden wir sicher mit den schwächer werden­den Eltern zusammen unter Gebet erwä­gen, hoffentlich zu einer einvernehm­lichen Lösung kommen und so gegen das eigene Haus fromm sein.

Horst Zielfeld

Miteinander reden – ein Schlüssel, um als Vater das Herz der Kinder zu gewinnen

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"Ich wünsche mir, dass ich immer einen Zugang zum Herzen meines Kindes finde", sagte einmal ein Vater, als er sich mit einem älteren Christen unterhielt, der ihm zur Geburt seines ersten Kindes gratulierte.
"Aber ich frage mich, wie das gelingen kann?"


Eine Antwort oder Musterlösung, die bei jedem Kind zum Erfolg führt, kann es auf diese Frage nicht geben. Denn Gott hat jeden von uns als Original geschaffen, keiner gleicht dem anderen. Das gilt auch für unsere Kinder. Nicht umsonst fordert uns Gottes Wort in Sprüche 22,6 auf: „Erziehe den Knaben seinem Weg entsprechend; er wird nicht davon weichen, auch wenn er alt wird.“
Ein wichtiger Baustein für uns als Väter wird es aber auf jeden Fall sein, mit unseren Kindern im Gespräch zu bleiben ,wenn wir sie auf ihrem Lebensweg begleiten möchten. Reißt der Gesprächsfaden, kann das über kurz oder lang schwerwiegende Folgen für die lebenslange Beziehung von Eltern und Kindern sowie die weitere Entwicklung des Kindes haben.

"Und er wird das Herz der Väter zu den Kindern und das Herz der Kin­der zu ihren Vätern wenden."
(Mal 3,24)


Ohne Gottes Hilfe geht es nicht

Uns muss bewusst sein, dass wir das Herz unserer Kinder nur erreichen können, wenn der Herr uns zu Hilfe kommt. Gerade, wenn die Kinder äl­ter und die Gesprächsthemen bis­weilen schwieriger werden, spüren vielleicht besonders wir Väter, wie uns Weisheit und Einfühlungsvermö­gen fehlen.
„Wenn aber jemand von euch Weis­heit mangelt, so erbitte er sie von Gott, der allen willig gibt und nichts vorwirft, und sie wird ihm gegeben werden“ (Jak 1,5). Diese Zusage Got­tes dürfen wir auch in solchen Mo­menten für uns in Anspruch nehmen.
Deshalb ist es wichtig, dass wir die Gespräche mit unseren Kindern im­mer auch in einer betenden Haltung führen. Manchmal ist es sicher sogar gut, wenn wir zunächst auch ge­meinsam mit unseren Kindern beten, bevor wir mit ihnen über das spre­chen, was ihr Herz bewegt.

Vorbild sein

„Ihr braucht eure Kinder nicht erzie­hen, denn sie machen euch sowieso alles nach“, sagte einmal ein weiser Christ.
Kinder sind sehr gute Beobachter. Und gerade als Jugendliche, wenn sie für sich selbst festlegen, welche Werte ihr Leben bestimmen sollen, legen sie einen oft unerbittlichen Maßstab an das Verhalten der Er­wachsenen, ganz besonders an das des eigenen Vaters.
Deshalb ist es wichtig, sich darüber im Klaren zu sein, dass wir immer ein Vorbild für unsere Kinder sind. Die Frage ist nur, ob wir ein gu­tes oder ein schlechtes Vorbild sind.
Ganz besonders wichtig ist das bei Fragen, in denen es darum geht, sich dem Wort Gottes entsprechend zu verhalten. Verhalte ich mich als Vater nicht so, wie Gott es in seinem Wort sagt, darf ich mich nicht wun­dern, wenn mein Kind nicht bereit ist, auf mich zu hören.
Der Herr schenke uns Vätern deshalb die nötige Kraft und Weisheit, in allem als fröhliche und glückliche Gotteskinder – und nicht in einer ge­setzlichen Haltung – am Wort Gottes festzuhalten und es in unserem Le­ben umzusetzen. Wenn uns dies mit seiner Hilfe gelingt, wird es für uns selbst und für unsere Kinder zum Se­gen sein. Das Beispiel der Thessalo­nicher darf uns im übertragenen Sinn Ansporn dazu geben (s. 1. Thes 1,5-7). Dann haben wir auch eine wichtige Basis geschaffen, auf der ein guter und gewinnbringender Aus­tausch mit unseren Kindern möglich ist.

Sich Zeit nehmen

„Ich habe gerade keine Zeit, wir re­den später.“ Natürlich kann es im­mer mal Situationen geben, in de­nen wir als Väter nicht so­fort mit un­seren Kindern reden können. Wenn ich als Vater aber nie Zeit für mein Kind habe, ist es nur eine Frage der Zeit, dass es keine Zeit mehr für mich hat.
Gespräche brauchen Zeit, gute Ge­spräche brauchen mehr Zeit, manch­mal sogar viel Zeit. Es mag nicht im­mer einfach sein, sie zu finden, aber auch da dürfen wir den Herrn um Hilfe bitten.
Sich Zeit füreinander zu nehmen, wird auch dazu beitragen, in Ruhe miteinander reden zu können, ohne dass innere oder äußere Störfakto­ren die Gesprächsatmosphäre be­lasten.
Wenn wir unseren Kindern vermit­teln können, wie wertvoll und wich­tig sie uns sind, einfach dadurch, dass wir bereit sind, uns Zeit für sie zu nehmen, so wird dies einen gu­ten Einfluss auf den Gesprächsver­lauf haben.
Denken wir nur einmal an das Vor­bild unseres Herrn in Lukas 24, als Er sich auf dem Weg zu den Em­maus-Jüngern gesellte.

Unvoreingenommen sein

Unsere Kinder werden auch schnell merken, ob wir ihnen wirklich zuhö­ren. Ob wir offen für das sind, was sie bewegt, und wirklich mit ihnen gemeinsam nach Lösungen suchen wollen. Oder ob wir nur eine vorge­fertigte Lösung „aus der Schublade ziehen“ und keine andere Möglich­keit zulassen. Kinder, die auf diese Weise erleben, nicht ernst genom­men zu werden, werden über kurz oder lang erst gar nicht mehr das Gespräch mit dem Vater suchen oder bereit sein, mit dem Vater zu reden, geschweige denn, auf ihn zu hören.

Wie Kinder ihre Väter sehen

Um als Vater mit seinen Kindern im Gespräch zu bleiben, kann es auch hilfreich sein, sich einmal bewusst zu machen, wie Kinder ihre Väter in den unterschiedlichen Altersstufen wahr­nehmen. Ein weiser Christ sagte dazu einmal:

  • Vor der Einschulung denkt dein Kind: „Mein Papa kann alles!“
  • In der Grundschule erhält das bis­herige uneingeschränkte Vertrauen in deine Fähigkeiten erste Kratzer: „Papa kann zwar ganz schön viel, aber doch nicht alles.“ Und die Kin­der merken in diesem Alter immer deutlicher, dass auch andere Men­schen etwas können, ja sogar Fä­hig­keiten haben, die der eigene Vater nicht besitzt.
  • Beim Wechsel zur weiterführenden Schule bekommt das Bild der Kin­der über dich einen weiteren Knick: „Mein Vater weiß zwar nicht alles, aber im Großen und Ganzen ist er in Ordnung.“
  • In der Pubertät sind deine Kinder überzeugt: „Mein Vater hat von nichts Ahnung. Er weiß gar nicht mehr, was heute aktuell ist.“
  • In der Berufsausbildung fangen dei­ne Kinder an, zu erkennen: „Mein Vater ist zwar schon älter und hat altmodische Ansichten, aber ab und zu schätzt er die Dinge doch ganz vernünftig ein.“
  • Nach der Geburt der eigenen Kin­der stellen sie dann fest: „Ich bin nicht mit allem einverstanden, was mein Vater machte und macht, aber im Großen und Ganzen sind seine Ansichten doch ganz ver­nünftig.“
  • Nähern sich die Kinder dann ir­gendwann selbst dem Rentenalter, kann es auch schon mal vorkom­men, dass sie zu der Einsicht ge­langen: „Mein Vater war ein wei­ser Mann.“

Das Wissen um die jeweilige Sicht­weise der Kinder auf uns Vä­ter kann uns dabei helfen, ihr Anlie­gen besser zu verstehen, und ihnen Antwor­ten zu geben, bei denen sie be­reit sind, sie nicht nur anzuhö­ren, sondern auch darauf zu hören.

In der Schule Gottes bleiben

Ganz sicher gibt es noch eine Reihe weiterer Punkte, die es mit des Herrn Hilfe zu beachten gilt, um mit unse­ren Kindern im Gespräch zu bleiben. Vielleicht kann dieser Arti­kel ja der Anstoß dazu sein, weiter darüber nachzudenken und beson­ders auch in Gottes Wort nach Hinweisen zu suchen, die uns helfen werden, den Gesprächsfaden zwi­schen Vätern und Kindern nicht ab­reißen zu lassen.

Stefan Busch

Zu wem hältst du dich?

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"Sinnt nicht auf hohe Dinge, sondern haltet euch zu den Niedrigen."
(Römer 12,16)


Eine reale Gefahr

Viele Menschen ohne eine persönliche Beziehung zu Gott wollen in dieser Welt gerne groß herauskommen. Sie streben nach hohen Dingen in ihrem Leben, weil sie keine Ewigkeitsperspektive haben. Für die Karriere geben sie oft alles. Sie verlangen nach Geld, Macht, gesellschaftlichem Ansehen und Einfluss. Ihr Leben richten sie auf den Augenblick und ihre egoistischen Ziele aus.
Aber wie sieht das bei uns Gläubigen aus – kann nicht auch bei uns die Gefahr bestehen, nach den eben genannten Dingen zu streben und groß sein zu wollen?
Neben dem Trachten nach Dingen der Welt kommt noch hinzu, was mir ganz persönlich das Ansehen unter meinen Brüdern und Schwestern, mein Einfluss in der örtlichen Versammlung und mein Bekanntheitsgrad unter den Geschwistern bedeutet. Umgebe ich mich nur mit denen, die bekannt und beliebt sind? Zähle ich auch nur auf deren Meinung oder habe ich einen eigenen Standpunkt aus Gottes Wort gewonnen? Paulus, der dies alles nicht getan hatte, musste stattdessen gegen Ende seines Lebens und Dienstes erleben, dass alle in Asien sich von ihm abgewandt hatten (s. 2. Tim 1,15).

Echte Größe im Reich Gottes

In Lukas 22,24-27 gibt der Herr Je­sus revolutionären Lehrunterricht über wahre Größe im Reich Gottes. Wer groß sein will, der soll der Diener von allen werden. Weit davon ent­fernt, nur eine Theorie zu verkünden, stellt der Herr Jesus sich selbst als Beispiel vor. Er war unter ihnen als „der Dienende“ gewesen. Sein gan­zes Leben war seinem Gott und Vater und dem Dienst an An­deren geweiht. Wer dient, erniedrigt sich und wird von Gott selbst erhöht (s. Lk 14,11).
Das Beispiel und die Worte des Herrn Jesus spornen uns an, wirklich bereit zu sein, auch die kleinen, unscheinbaren Dienste im Reich Gottes zu übernehmen und auszu­führen. Treue im Kleinen ist für un­seren Herrn auch heute noch von größter Bedeutung und wird im Him­mel wertgeschätzt. Von Elisa wird be­richtet, dass er Wasser auf die Hände des alten Propheten Elia goss, um ihn zu erfrischen, zu ermutigen und zu stärken (s. 2. Kö 3,11). Das war nur ein kleiner Dienst, aber er hatte große Wirkung und fand sei­nen Platz in Gottes Wort.

"Treue im Kleinen ist für unseren Herrn auch heute noch von größter Bedeutung und wird im Himmel wertgeschätzt."


Haltet euch zu den Niedrigen

Dem Streben nach hohen Dingen setzt der Geist Gottes entgegen, dass wir uns zu den Niedrigen halten sol­len. Der „Niedrige“ ist, von seiner ge­sellschaftlichen Stellung und seinem Ansehen her, gering, unbedeutend, arm und ohne große Macht.
Auch unter den Gläubigen gibt es Reiche und Arme, solche mit Einfluss und auch die Unscheinbaren und anscheinend Bedeutungs­losen. Wie gehe ich ei­gentlich mit meinem Ein­fluss um? Nutze ich die­sen, um noch bekannter zu werden, meine Ziele zu erreichen, oder gar dafür, Geschwister um mich zu scha­ren?
Der Herr achtet besonders auf die Glieder an seinem Leib, die aus un­serer Sicht „mangelhaft“, „schwach“ oder „unehrbar“ zu sein scheinen (s. 1. Kor 12, 22ff.). Verhalte ich mich wirklich als ein Bruder unter Brü­dern, bzw. als eine Schwester unter Schwestern, oder versuche ich mich durch „besondere Tätigkeiten“ von anderen abzuheben, hervorzuste­chen? Überall gibt es Gläubige, die mehr am Rand stehen und nur we­nig Beachtung finden – dann dürfen wir dem Vorbild unseres Herrn Je­sus folgen und genau auf diese zu­gehen.
Wir werden nicht aufgefordert, uns zu den Niedrigen „herabzulassen“, sondern wir sollen in unserem Den­ken und Handeln einer von ihnen sein. Niedriggesinnt zu sein bedeutet nicht, kriecherisch zu sein oder De­mut zu heucheln. Es ist immer eine Herzenssache!
Jeder von uns ist aufgefordert, sich zu den Niedrigen zu halten – das ist echte Demut, wie sie sich im Leben des Herrn Jesus zeigt. Wir wollen echtes Interesse für die wirtschaft­lich „Gebeutelten“, Kranken, Trauern­den, Behinderten und anderweitig Be­nachteiligten im Volk Gottes ha­ben und darüber hinaus ihnen die rechte Wertschätzung entgegenbrin­gen.
Bei Gott sind die „Niedrigen“ hoch­ge­achtet, Er selbst tröstet sie (s. 2. Kor 7,6). Der Herr Jesus ist denen nahe, die zerbrochenen Herzens sind (s. Ps 34,19). Jeder von uns darf das er­leben! Wie oft hatten wir schon den Nutzen davon. Deshalb wollen wir uns selbst gerne zu den Niedri­gen halten.

Seine Erniedrigung

Als der Herr Jesus auf die Erde kam, hat Er sich selbst zu nichts gemacht, obwohl Er von Ewigkeit her „in Ge­stalt Gottes“ (Phil 2,6) war und es auch in Ewigkeit bleibt. Er wurde wirklich Mensch und Knecht Gottes, gehorsam bis zum Tod am Kreuz. Wir sind von Natur aus nichts – warum wollen wir uns dann groß machen (s. Jes 41,24)?
Gott erkennt unser Herz, Er weiß wie wir wirklich eingestellt sind:

"Denn der Herr ist hoch, und er sieht den Niedrigen, und den Hochmütigen erkennt er von fern."
(Psalm 138, 6)


Ein Beispiel für unsere Kinder und eine Botschaft für Eltern

Wenn wir als Eltern in dieser Hal­tung ein Vorbild für unsere Kin­der sind, dann geben wir ihnen et­was sehr Wichtiges für ihr Leben mit. Erken­nen sie jedoch an uns El­tern ein Streben nach Reichtum, Macht und Anerkennung, dann erziehen wir sie – bewusst oder unbewusst – für völlig falsche Ziele, denen sie dann nachjagen, und stürzen sie damit in eine Spirale der Eitelkeit, der Ent­täuschung und der Unzufriedenheit.
Deshalb ist es wichtig, uns immer wieder selbst vor dem Herrn zu prü­fen und uns unsere innere Haltung und unsere Ansprüche bewusst zu machen. Fragen wir uns zum Bei­spiel, welche Ansprüche wir an die Entwicklung unserer Kinder haben:

  • Muss wirklich immer ein Studium der höchste Bildungsabschluss un­serer Kinder sein? Eine gute Be­rufsausbildung ist auch heute noch eine solide Basis, um der Verant­wortung zu entsprechen.
  • Muss es immer die beste und neuste Kleidung sein?
  • Müssen unsere Kinder min­destens ein Instrument lernen? Bedenken wir, dass Gott jedes Kind mit sei­nen ganz persönlichen Fähigkeiten geschaffen hat, und erinnern uns daran, dass nicht je­der Mensch musikalisch ist.

Es ist wunderschön und ein Gna­dengeschenk Gottes, wenn unsere Kinder eine gute Basis für ein selbst­ständiges Leben bekommen und einen geistlichen Weg gehen, über den wir uns freuen können. Hüten wir uns aber davor, dass wir in unse­ren Kindern unsere nicht erfüllten Lebensträume erfüllt sehen wollen. Der Herr schenke uns, dass wir Ihm für die Entwicklung unserer Kinder dankbar sind und uns nicht in falschem Stolz etwas auf ihre Ent­wicklung einbilden.
Auch im Blick auf uns als Eltern stel­len sich eine Reihe herzerforschen­der Fragen. Denken wir doch nur einmal an die Wahl unseres Autos (zweckmäßig oder Statussymbol), des Urlaubsortes und an die alltägliche Freizeitgestaltung.
Es ist nicht die Absicht dieses Arti­kels, das Besondere oder einen ge­wissen Wohlstand zu verurteilen. Wem der Herr das schenkt, der darf es dankbar aus seiner Hand anneh­men und genießen (s. 1. Tim 6,17). Wir möchten uns aber gegenseitig er­muntern, uns die Ermahnung des Apostels Paulus in diesem Vers zu Herzen zu nehmen und nicht unsere Hoffnung darauf zu setzen und die Erfüllung darin zu suchen.
Ebenso soll natürlich niemand ver­urteilt werden, der im Beruf Karriere macht. Doch die Frage ist auch hier, ob der Herr möchte, dass ich diesen Schritt mache oder ob es mein eigenes Streben ist.
Auch das Familien- und Versamm­lungsleben bietet Anlass, unsere in­nere Haltung und unsere Ansprüche sorgfältig zu hinterfragen: Definiere ich mich zum Beispiel als Ehefrau über die Menge der Aufgaben im außerhäuslichen Bereich oder bin ich mit dem mir von Gott zugewiesenen Platz zufrieden (s. Tit 2,5)? Es ver­steht sich hoffentlich von selbst, dass diese Frage sinngemäß natürlich auch für den Ehemann von Bedeutung ist.
Jeder kann sicher aus seiner Lebens­situation heraus die Liste dieser Fra­gen verlängern. Wir wollen uns durch die Verheißungen ermutigen lassen, die damit verbunden sind, dass wir uns zu den Niedrigen hal­ten und darin den Herrn Jesus nachahmen.

"Denn seht eure Berufung, Brüder, dass es nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Edle sind; sondern das Törichte der Welt hat Gott auserwählt, damit er die Weisen zuschanden mache; und das Schwache der Welt hat Gott auserwählt, damit er das Starke zuschanden mache; und das Unedle der Welt und das Verachtete hat Gott auserwählt [und] das, was nicht ist, damit er das, was ist, zunichte mache, damit sich vor Gott kein Fleisch rühme.
Aus ihm aber seid ihr in Christus Jesus, der uns geworden ist Weisheit von Gott und Gerechtigkeit und Heiligkeit und Erlösung; damit, wie geschrieben steht: „Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn."
(1. Kor 1,26-31)


Christian Achenbach

Josaphat und das Problem der falschen Verbindungen (Teil 2)

Puzzle falsche Verbindung
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Wir haben im letzten Heft über den guten Anfang Josaphats nachgedacht und dabei den Segen Gottes gesehen, den er erfahren hat. Doch wir haben auch gesehen, dass er im Bereich der Familie eine falsche Verbindung einging und welche schrecklichen Folgen das hatte.
Josaphat ist wieder zurechtgekommen, nachdem Gott ihn durch den Propheten Jehu ernstlich zurechtgewiesen hatte (s. 2. Chr 19,2), doch sein Sohn Joram wurde ein böser König.
Leider hat auch Josaphat selbst noch zweimal seinen schwerwiegenden Fehler wiederholt, falsche Verbindungen einzugehen. Darüber denken wir in diesem Artikel nach.

Falsche Verbindungen im wirtschaftlich / beruflichen Bereich

Mit dem bösen König Ahab hat Josa­phat sich nie wieder verbunden. Ob er aus seinen bitteren Erfahrungen gelernt hat? Doch nach Ahab wurde dessen Sohn Ahasja König über Is­rael. Auch er handelte gottlos (s. 2. Chr 20,35). Trotzdem machte Josaphat gemeinsame Sache mit Ahasja. Sie starteten ein Schiffsbau-Projekt und bauten eine Tarsis-Flotte, mit der sie Gold von Ophir holen wollten.
Der biblische Bericht lässt nicht ganz klar erkennen, von wem die Initiati­ve dazu ausging. Doch unmissver­ständlich macht die Bibel klar, wie Gott über dieses Unterfangen denkt und wie es endet: Gott verurteilt die falsche Verbindung und zerstört das Werk, so dass kein einziges Schiff die Reise starten konnte, um Gold von Ophir zu holen. Die Schiffe wurden alle zertrümmert und konnten nicht nach Tarsis fahren (s. 2. Chr 20,35-37).

Eine an sich gute Sache …

Dabei stellen wir fest, dass die Idee, nach Tarsis zu fahren und Gold von Ophir zu holen, an sich gar nicht verwerflich war. Schon Salomo hatte Gold von Ophir zur Verfügung ge­habt, um damit den herrlichen Tem­pel und seine Geräte zu bauen (s. 1. Chr 29,4). Denn das Gold von Ophir war bekannt für seine gute Qualität (s. auch 1. Mo 2,11.12 in Verbindung mit 10,29).
Leider war das Gold von Ophir auch für Salomo zum Verhängnis gewor­den, weil er es sich, entgegen der Anordnungen Gottes, in großer Men­ge anhäufte (s. 1. Kön 10,22). Psalm 45 macht jedoch deutlich, dass das Holen des Goldes von Ophir auch eine gute Sache sein konnte, wenn es nach den Gedanken Gottes ein­gesetzt wurde.
Da lesen wir von der Königin in ihrer Herrlichkeit. Sie steht zur Rechten des Königs in Gold von Ophir (s. Ps 45,10). Das wird in der Zeit des Tausendjährigen Reiches in Erfül­lung gehen, wenn die irdische Braut, der Überrest Israels, als Königin in „Gold von Ophir“ zur Ehre und Verherrli­chung des Herrn Jesus, des wahren Königs, sein wird!

auf falsche Art und Weise ausgeführt

Doch es genügt nicht, eine an sich gute Sache zu tun. Es kommt auch auf die Art und Weise an, in der wir sie tun. Sowohl in den irdischen als auch in den geistlichen Aufgaben heiligt niemals der gute Zweck, oder die richtige Absicht, die Mittel, die wir einsetzen!
Im Fall von Josaphat war es die falsche Verbindung, die Gott tadeln muss (s. 2. Chr 20,37). Dazu konnte Er keinen Segen und kein Gelingen geben. Das ist eine ernste Warnung auch für uns, besonders vor dem Hintergrund, dass Josaphat auf dem guten Weg der Treue und Absonde­rung den Segen Gottes erlebt hatte hatte.

Unsere heutige Zeit

Wenn wir an unsere Verpflich­tungen in Schule und Beruf den­ken, dann stellen wir fest, dass wir noch in der Welt sind. Dort haben wir unsere Aufgaben und Kontakte. Wir können und sollen nicht aus der Welt hin­ausgehen, sondern treu un­seren Weg gehen in dem Umfeld, in das der Herr uns hineingestellt hat.

"Wir können und sollen nicht aus der Welt hinausgehen, sondern treu unseren Weg gehen in dem Umfeld, in das der Herr uns hineingestellt hat."


Aufgaben und Kontakte. Wir können und sollen nicht aus der Welt hin­ausgehen, sondern treu un­seren Weg gehen in dem Umfeld, in das der Herr uns hineingestellt hat.
So müssen zum Beispiel unsere Kin­der die Schule besuchen, weil in un­serem Land die allgemeine Schul­pflicht gilt. Das Christsein ändert nicht in erster Linie unsere irdische Situation, aber in Christus haben wir die Kraft und Freude, in der jeweili­gen Situation zu seiner Ehre zu leben.
Wir müssen unseren Lebensunterhalt verdienen und sind dabei auch auf den Kontakt mit der Welt angewie­sen. Wir haben Arbeitskollegen, Mit­arbeiter, Chefs, Kunden, Liefe­ranten und Geschäftspartner, mit denen wir gut zusammenarbeiten müssen. Ge­rade in diesen Kontakten können wir ein Zeugnis für den Herrn Jesus sein.
Aber es gibt auch Grenzen! Wenn wir noch in der Welt sind, dann sind wir doch nicht von der Welt (s. Joh 17,11.14). Und wir sollten niemals in einer „Joch-Gemeinschaft“ mit Un­gläubigen sein[1]. Das macht uns 2. Ko­rinther 6,14 deutlich.
Viel zu unterschied­lich sind die Ziele, die Grundsätze und die Ausrichtung des Glau­benden und der Un­gläubigen. Gottes Ur­teil ist da in der heu­tigen Zeit genau so klar wie in der Zeit Josaphats. Und Er wird uns da­bei helfen, die Grenzen an der rich­tigen Stelle zu ziehen! Möge Er uns bewahren, einen Schritt zu weit zu gehen. Die Gefahr in der heutigen Zeit besteht eben genau darin.

Falsche Verbindungen im Kampf gegen Moab

Trotz des zweifachen Tadels Gottes und der schlechten Erfahrungen, die Josaphat gemacht hat, begeht er noch einmal den gleichen Fehler, eine falsche Verbindung einzugehen. Wir verurteilen Josaphat nicht, aber wir werden durch seine Geschichte für unsere eigenen Schwächen und Neigungen sensibilisiert.
Diesmal geht es um eine Verbin­dung mit Joram, einem weiteren Sohn Ahabs, der seinem Bruder Ahasja auf dem Königsthron folgte. Ahasja re­gierte nur eine kurze Zeit, danach wurde sein Bruder Joram König. Jo­ram war nicht so böse wie sein Vater Ahab. Das sagt die Bibel ausdrück­lich (s. 2. Kön 3,2). Er diente nicht dem Baal, sondern tat seine Bildsäu­len weg. Aber er hielt fest an den Sünden Jerobeams, an dem eigenwil­ligen Gottes- und Götzendienst, der bei Josaphat seinen Anfang nahm.

Kein Baalsdienst mehr – und doch böse

Auch wenn Joram nicht mehr in den schrecklichen Sünden seines Vaters Ahab weiterlebte, lautet das Urteil Gottes doch, dass er tat, was böse war in seinen Augen (s. 2. Chr 3,2). Ein gemeinsamer Kriegszug kam in den Augen Gottes deshalb nicht in Frage.
In der Anwendung auf die heutige Zeit und die Situation in der Chris­tenheit wollen wir behutsam sein. Keinesfalls können wir den König Jo­ram mit treuen Christen verglei­chen, die über bestimmte bibli­sche Wahr­heiten keine Kenntnis haben.
Dennoch nehmen wir die erneute falsche Verbindung Josaphats mit der gebotenen Vorsicht als Ausgangs­punkt, um eine wichtige Lektion für einen gemeinsamen Kampf oder für einen gemeinsamen Dienst für den Herrn in unserer Zeit zu ler­nen.
Es mag in der Christenheit solche geben, die ein falsches Evangelium ablehnen und sich davon distan­zieren – die an den grundlegenden Wahr­heiten des Neuen Testaments, wie die Un­verlierbarkeit des Heils, oder den Herrn Jesus als den einzi­gen Retter festhalten. Aber sie be­finden sich in von Menschen einge­führten christli­chen Organisatio­nen oder Gemein­den und wollen diese nicht verlassen. Vielleicht ver­treten sie bewusst den Gedanken, dass die ört­liche Gemeinde unab­hängig und ei­genständig entschei­den sowie han­deln kann und stehen darin im Wi­derspruch zu Gottes Wort.
Dann können wir nicht gemeinsam in den Kampf ziehen. Dann ist ge­meinsame Sache in einem Dienst für den Herrn nicht möglich. Der ge­meinsame Dienst erfordert eine volle Übereinstimmung in der Zielset­zung der Arbeit (s. Eph 4,4.11-13) und ist nur auf der Grundla­ge der ganzen Bibel möglich (s. 2. Kor 6,4.7).

Reinigung durch Absonderung

Gottes Wort macht deutlich, dass das Abstehen von der Unge­rechtigkeit und die Reinigung von Ge­fäßen zur Unehre erforderlich sind, wenn wir ein nützliches Gefäß zur Ehre des Hausherrn sein wollen (s. 2. Tim 2, 19-21). Diese Reinigung durch bibli­sche Absonderung muss unbedingt mit persönlicher Heiligung Hand in Hand gehen (s. 2. Tim 2,22). Doch ohne diese Reinheit in unse­ren Verbindungen können wir nicht mit der Zustimmung Gottes rechnen.
Josaphat hätte manches logische Ar­gument vorbringen können. Er hätte darauf hinweisen können, dass Jo­ram gar nicht so schlecht wie sein Vater ist und sich schon von dem Baalsdienst distanziert hatte. Er hätte argumentieren können, dass er doch guten Einfluss auf Joram nehmen und ihm weiterhelfen könne. Er hät­te auf den guten Zweck der Sache hinweisen können oder darauf, dass es doch sonst keine Möglichkeit gebe, gegen Moab zu kämpfen. All das hätte nichts daran geändert, dass die Verbindung falsch war!
Auch heute werden manche Argu­mente vorgebracht, die ähnlich klin­gen. Diesen Argumenten fehlt nicht die menschliche Logik, aber die bib­lische Grundlage. Wenn Gott uns in seinem Wort erklärt, dass wir nur dann ein geheiligtes und nützliches Gefäß sein können, wenn wir abste­hen von der Ungerechtig­keit und uns trennen von Gefäßen zur Unehre, dann müssen und wol­len wir das beachten. Nicht deshalb, weil wir besser wären als andere Christen. Aber deshalb, weil wir die Wahrheit von der Verunreinigung durch Ver­bindung in Gottes Wort gefunden haben und entsprechend leben und dienen möchten!

Verunreinigung durch Verbindung

In weiten Teilen der Christenheit wird dieser Punkt übersehen. Dabei ist es eine Wahrheit, die sich durch die ganze Bibel hindurchzieht. Schon im Schöpfungsbericht finden wir, dass Gott Licht und Finsternis voneinan­der geschieden hat (s. 1. Mo 1,4). In dem Gesetz des Friedensopfer wird deutlich gezeigt, dass nur der Reine von dem Fleisch des Opfers essen durfte. Wer persönlich verunreinigt war, durfte nicht essen. Aber auch der, der aufgrund von Berührung unrein ge­worden war, durfte nicht essen (s. 3. Mo 7,19-21). Verbindung mit Bösem ver­unreinigt und die notwendige Kon­sequenz ist die Reinigung durch bib­lische Absonde­rung!

Klarheit über Gottes Willen geht verloren

In der Geschichte Josaphats finden wir, dass in dieser falschen Verbin­dung mit Jo­ram plötzlich noch ein drit­ter Bündnispartner ge­nannt wird. Auf dem Weg, den Josaphat und Jo­ram durch die Wüste Edom ge­hen, gesellt sich plötzlich noch der König von Edom dazu und tritt der Allianz bei. Das zeigt uns, wie schnell es ab­wärts geht, wenn ein erster Schritt in eine falsche Verbin­dung einge­gangen wird. Auf einmal können wir es nicht mehr steuern, mit wem noch gemeinsame Sache gemacht wird.
Und dann stellen wir fest, wie schwer es für Josaphat wird, den Willen Gottes zu erkennen. Im wei­teren Ver­lauf der Begebenheit wird der Pro­phet Elisa gerufen, doch er braucht einen Saitenspieler, bevor die Hand des Herrn über ihn kom­men kann.
Auch bei uns werden falsche Verbin­dungen dazu führen, dass wir keine Klarheit mehr über den Willen Got­tes haben und dass es im­mer schwerer wird, sei­ne Gedan­ken zu erkennen. Das ist eine ernste War­nung für uns und wir sollten schon den ersten Schritt auf dem Weg in eine falsche Verbin­dung vermei­den. Und das umso mehr, wenn wir uns in unseren Her­zen be­wusst machen, welche trauri­gen Aus­wirkungen un­ser schlechtes Vor­bild ansonsten auf unsere Fami­lien und dabei ganz be­sonders auf un­sere Kinder haben würde.

"Auch bei uns werden falsche Verbindungen dazu führen, dass wir keine Klarheit mehr über den Willen Gottes haben."


Ein schöner Ausblick

Doch wir wollen zum Schluss daran denken, dass die Bibel auch über ein Ereignis im Leben Josaphats berich­tet, bei dem er ganz auf Gott ver­traut hat. Obwohl eine große Men­ge von Feinden gegen ihn kämpfen wollte, ist er dabei keine falschen Verbindungen eingegangen. Josa­phat hat ganz auf Gott vertraut und da­bei einen großartigen Sieg er­rungen.
Dabei musste er selbst gar nicht kämpfen! Gott ist für ihn eingetre­ten. Am Ende war Josaphat nicht nur reicher durch die große Beute, die er im Kampf machen konnte, son­dern er war auch reicher an einer wert­vollen Erfahrung: Wer auf Gott ver­traut und keine falschen Verbin­dungen eingeht, dem kommt Er mächtig zu Hilfe und schenkt seinen Sieg (s. 2. Chr 20).

"Tretet hin, steht und seht die Rettung des Herrn an euch, Juda und Jerusalem! Fürchtet euch nicht und erschreckt nicht; morgen zieht ihnen entgegen, und der Herr wird mit euch sein!"
(2. Chronika 20,17)


Christian Rosenthal

Information


Fußnoten:

  1. Eine “Joch-Gemeinschaft” besteht z.B. dann, wenn ein Gläubiger und ein Ungläubiger zusam­men ein gemeinsames Unternehmen gründen.

Die Tränen werden abgewischt

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So, wie der Herr die Schmerzen der Seinen kennt (s. 2. Mo 3,8), so weiß Er auch um ihre Tränen und legt sie in seinen Schlauch (s. Ps 56,9). Das ermutigt uns in der Gegenwart und gibt uns großen Trost! Doch einmal werden alle Tränen abgewischt. Das ist die großartige Erwartung, die wir haben dürfen und diese Erwartung spornt uns an, den Weg in der Gegenwart mit Ausharren zu gehen. Zwei Stellen aus dem Buch der Offenbarung, in denen es um abgewischte Tränen geht, wollen wir uns kurz ansehen. In der ersten Stelle (Kap. 7) wird eine Szene auf dieser Erde in der Zeit des Tausendjährigen Reiches beschrieben. In der zweiten Stelle (Kap. 21) geht es um den ewigen Zustand und die Menschen auf der neuen Erde.

Die Gerichte werden angehalten

Nach dem Kommen des Herrn Jesus zur Entrückung wird eine Zeit begin­nen, in der schwere Gerichte über diese Erde kommen. Insgesamt sind es drei Serien von Gerichten, die ers­te Serie wird im Buch der Offenba­rung in Form der sieben Siegelge­richte beschrieben.
Doch in Offenbarung 7 werden diese Gerichte für eine Zeit unterbrochen. Warum kommt es zu dieser Unter­brechung? Weil die Knechte Gottes, die durch die Gerichtszeit hindurch bewahrt werden sollen, an den Stir­nen versiegelt werden.
Zu aller Zeit hat Gott seine Knechte und Er kennt und sieht sie. Er hat einen Weg für sie und hier drückt Er ihnen sein Siegel auf, durch das deut­lich gemacht wird, dass sie unverän­derlich Ihm gehören. Diejenigen, die in unserem Kapitel versiegelt werden, sollen bewahrt werden in den Ge­richten. Sie werden nicht den Mär­tyrertod sterben, sondern gerettet werden, durch die Drangsal hindurch, und lebend in das Tausend­jährige Reich eingehen.

Die Knechte Gottes werden bewahrt

Auch für uns enthält das eine Mut machende Belehrung, obwohl wir zu der Zeit, in der diese Gerichte kom­men, bereits im Himmel sind. Aber noch sind wir auf der Erde und da wissen wir, dass Gott auch uns kennt und sieht. Auch uns wird Er bewah­ren. Wir wissen nicht, wie unser wei­terer Weg aussieht, aber wir wissen, dass wir unveränderlich Gottes Eigen­tum sind und sicher das Ziel errei­chen werden. Auch wir sind versie­gelt – nicht mit einem Siegel an der Stirn, wie die Knechte Gottes in Offenbarung 7, son­dern mit dem Heiligen Geist, der in uns wohnt. Das gibt uns ewige Sicher­heit!
In den Versen 4 bis 9 werden nun zwei Gruppen von Knechten Gottes beschrieben. Einmal sind es Knechte Gottes aus den 12 Stämmen Israel. Sie werden in einer symbolischen Zahl vorgestellt. Es sind 12.000 aus jedem Stamm, insgesamt also 144.000 Per­sonen. Die Stämme Israels waren immer unterschiedlich groß, sodass wir davon ausgehen können, dass es sich hier um eine symbolische Zahl handelt, die zeigt, dass aus jedem Stamm eine vollständige Anzahl[1] be­wahrt werden wird. Es geht also bei dieser Gruppe von Menschen nicht um solche, die einmal im Himmel sein werden. Es sind Knechte Gottes aus dem Volk Israel, die im Tausend­jährigen Reich auf der Erde leben werden.
Die zweite Gruppe ist von noch grö­ßerer Zahl. Es ist eine Menge von Menschen aus allen Nationen, Stäm­men, Völkern und Sprachen, die man gar nicht zählen kann. Auch sie sind Knechte Gottes, die in den Gerichten bewahrt und dann in der Zeit des Tausendjährigen Reiches auf der Erde leben werden. Wie macht es uns glücklich, dass es zu je­der Zeit Knechte Gottes gibt, die Ihm dienen und auf die Er achtgibt!

Eine herrliche Zukunft auf der Erde

Obwohl die Gerichtszeit noch meh­rere Jahre andauern wird, wird Jo­hannes in den Versen 10 bis 17 im Voraus gezeigt, wie diese Knechte Gottes einmal gerettet und mit lau­ter Stimme Gott loben werden. Sie werden sich auf der Erde befinden, wo sie Gott in seinem Tempel die­nen werden und wo Gott sie be­schützen wird. Dafür wird Er sein Zelt über ihnen errichten (s. V. 15). Schon David hat von dem Schutz Gottes in seiner Hütte und in seinem Zelt ge­sprochen (s. Ps 27,5). Im Himmel wird es in dieser Zeit keinen Tempel ge­ben (s. Off 21,22). Das macht deut­lich, dass es in Offenbarung 7 um eine Szene auf der Erde geht, ob­wohl die Knechte Gottes in einer Verbindung zu Gott stehen. Deshalb werden sie als solche gesehen, die vor seinem Thron stehen. Moralisch sind sie verbunden mit dem Thron Gottes im Himmel, körperlich leben sie auf der Erde.
Hunger und Durst wird es dann für diese Knechte nicht mehr geben. In der Gerichtszeit haben sie schreckli­che Dinge erleben müssen. Aber sie sind gerettet worden und jetzt völlig frei von jeder Not. Jedes Bedürfnis ist gestillt und der Herr Jesus selbst, das Lamm, das in der Mitte des Thrones ist, wird sie weiden. Er wird sich als Hirte um sie kümmern[2] und sie zu Quellen voller Lebenswasser führen. Gott wird jede Träne von ih­ren Augen abwischen. So endet die Beschreibung der herrlichen Zukunft dieser Knechte Gottes (s. Off 7,17).

Die Tränen sind abgewischt

Wenn die Tränen abgewischt sind, dann bedeutet es, dass jede Trauer für immer vorbei sein wird. Statt­dessen gibt es völlige und ewige Freude (s. Jes 35,10).
Doch Gott wischt nicht nur die Tränen vom Angesicht ab, wie es in Jesaja 25,8 beschrieben wird. Er tut noch mehr, indem Er die Tränen von den Augen abwischt. Nicht nur die Trauer wird weggetan, auch die Ur­sache und die Erinnerung an die Trauer! Das wird dadurch angedeu­tet, dass die Tränen von den Augen, d.h. von dort, woher sie kommen, ab­gewischt werden. Das, was mensch­licher Trost niemals bewirken kann, wird Gott in Vollkommenheit tun.
Es ermutigt uns, dass Er unsere Trä­nen heute kennt und uns in der Trau­er seinen Trost und seine Hilfe gibt. Aber es macht uns unendlich glück­lich, dass einmal nicht nur die Trauer, sondern auch die Ursache da­für und die schmerzliche Erinnerung daran für immer weggetan sein werden.

Neuer Himmel und neue Erde

In Offenbarung 21,1-4 wird Johannes noch weiter geführt. Er blickt in den ewigen Zustand. Die Zeit des Tau­sendjährigen Reiches ist vorüber, das Gericht vor dem großen weißen Thron hat stattgefunden und Him­mel und Erde der ersten Schöpfung sind vergangen. Johannes sieht einen neuen Himmel und eine neue Erde. Das Meer sieht er nicht mehr, weil es nicht mehr da ist. Das, was Johan­nes in diesen Versen sieht, ist der Ab­schluss der neuen Schöp­fung, es ist der ewige Zustand (s. 2. Pet 3,13).
Dann wird es kein Volk Israel mehr geben, keine Nationen und keine Sprachen. Dann gibt es nur noch er­löste Menschen, die auf der neuen Erde wohnen. Und es gibt „die Hütte Gottes bei den Men­schen“. Das ist die Versammlung, die in Ewigkeit das „Instrument“ ist, durch das Gott bei den Menschen auf der neuen Erde wohnen wird.
Auch für diese Zeit wird voraus­gesagt, dass dann jede Träne von den Augen abgewischt sein wird. Wenn schon die erlösten Men­schen, die auf der neuen Erde wohnen werden, dieses glückliche Teil erle­ben werden, wie viel größer wird das Glück der Gläubigen der Gna­denzeit sein, die gemeinsam die „Ver­sammlung“, „die Hütte Gottes bei den Menschen“, bilden. Sie werden in ei­ner beson­deren Nähe zu dem Gott sein, der die Tränen von den Augen der Erlös­ten abwischt. In die­ser Nähe und Gemeinschaft werden wir für immer unendlich glücklich sein!

Christian Rosenthal


Fußnoten:

  1. Die Zahl 12 steht für Vollkommenheit in der Ver­waltung, z.B. bilden 12 Monate ein ganzes Jahr, die 12 Stämme Israels das ganze Volk.

  2. So wird es auch für den Überrest aus dem Volk Is­rael in Hesekiel 34 beschrieben.

Sorgensteine – wer wälzt sie weg?

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„Und sie [die Frauen] sprachen zueinander: Wer wird uns den Stein von dem Eingang der Gruft wegwälzen? Und als sie aufblickten, sehen sie, dass der Stein weggewälzt ist – er war nämlich sehr groß.“
(Markus 16,3.4)


„Und sie [die Frauen] sprachen zueinander: Wer wird uns den Stein von dem Eingang der Gruft wegwälzen? Und als sie aufblickten, sehen sie, dass der Stein weggewälzt ist – er war nämlich sehr groß.“ (Mk 16,3.4).

Sorgensteine – wer kennt sie nicht? Große und kleine liegen immer wieder auf unserem Glaubensweg. Oft scheinen sie uns unüberwindlich. Dann seufzen wir und fragen: Wer wird uns den Stein wegwälzen?
Wir betrachten den Stein von allen Seiten und – bei aller Beschäftigung mit dem, was uns Not macht, werden wir immer verzweifelter: Wir sehen einfach keinen Ausweg.

Die Frauen auf dem Weg zum Grab – und ihre Sorge

Maria Magdalene, Maria, die Mut­ter des Jakobus, und Salome wol­len den Leib des Herrn Jesus, nach der Sitte der damaligen Zeit, mit wohlriechen­den Gewürzsalben einbalsa­mieren. Es ist ein Ausdruck der innigen Liebe zu ihrem Herrn.
Wenn da nur nicht der sehr große Stein am Eingang der Gruft wäre!
Eine Frage bewegt ihre Gemüter: „Wer wir uns den Stein von dem Ein­gang der Gruft wegwälzen? … er war nämlich sehr groß“ (V. 3.4).

„Und als sie aufblickten …“

In der Morgendämmerung nähern sich die Frauen der Grabstelle und – „als sie aufblickten, sehen sie, dass der Stein weggewälzt ist“. Das Pro­blem hat sich gelöst!
Sollten wir es den Frauen nicht gleichtun? Aufblicken – darauf kommt es an!
Solange wir mit uns selbst und un­seren kleinen und großen Sorgen­steinen beschäftigt sind, werden auch unsere bangen Fragen nicht aufhö­ren und unsere trüben Gedanken uns nie­derdrücken. Wir sind be­schwert und die Seele leidet[1].

Wohin richtet sich unser Blick?

„Lasst auch uns … hinschauen auf Je­sus, den Anfänger und Vollender des Glaubens …“ (Heb 12,2). Dieses Auf­schauen auf Jesus bedeutet eigent­lich wegzuschauen von allem ande­ren allein auf IHN hin.
Der Glaube schaut in die geöffneten Himmel und sieht Jesus, der sich ge­setzt hat zur Rechten der Majestät in der Höhe, mit Ehre und Herrlichkeit gekrönt (s. Heb 1,3; 2,9). Im festen Blick auf den verherrlichten HERRN im Himmel werden wir erheitert und unsere Angesichter werden nicht beschämt (s. Ps 34,6).
Bruder Walter Gschwind [1908-1996] war ein „Vater in Christus“ und hat unter den Geschwistern in der Schweiz oft mit dem Wort Got­tes dienen dürfen. Dabei war es ihm in seinen Vorträgen ein Anliegen, seine Zuhörer zu ermahnen, die Au­gen immer auf den Herrn gerichtet zu halten. Ein junger Zuhörer nahm dies zum Anlass, den Bruder aufzu­suchen mit der Frage: „Lesen wir nicht in Galater 6 Vers 1, dass wir auf uns selbst sehen sollen?“
Die Antwort des erfahrenen Bruders lautete: „Hast Du Freude gehabt, als du auf dich selbst geblickt hast“[2]?
Derselbe Bruder ermuntert durch persönliche Glaubenserfahrung:

"Dabei sieht unser Aug‘ im Glauben, Herr Jesus, unverwandt auf Dich.
Das hält uns aufrecht, macht uns fröhlich, taucht unser Herz in warmes Licht…"


Gefühle sind trügerisch

Drehen sich deine Gedanken viel­leicht immer wieder um die glei­chen Probleme und das Aufbli­cken auf den Herrn Jesus fällt dir schwer?
Es kann sogar sein, dass Zweifel an der Liebe Gottes in deinem Herzen aufkommen.
Doch auch in solchen Momenten darfst du wissen, dass der Herr dich immer noch und gerade jetzt liebt – auch wenn du es nicht „fühlst“. Gib diesen negativen Gefühlen nicht nach, dann werden sie dich auch nicht zu Boden drücken.
Der Herr versichert dir durch sein Wort – worauf du dich verlassen kannst:

  • Du bist mit einer vollkommenen Liebe vom Herrn Jesus geliebt! (s. 1. Joh 4,18).
  • Du bist und bleibst sein Eigentum und Er liebt dich bis an Ende, d.h. durch und durch – bis zum Äu­ßersten (s. Joh 13,2).
  • Du bist teuer, wertvoll in seinen Au­gen und Er hat dich lieb (s. Jes 43,4).
  • Nichts, aber auch gar nichts, kann dich von seiner Liebe scheiden – „weder Höhe noch Tiefe“ – als Aus­druck deiner Gemütslage (s. Röm 8,35 ff.).

Der Glaube allein gibt Fundament

Halte deshalb daran fest: Der Herr Jesus sieht und kennt dich! Nichts ist vor Ihm verborgen.
Er kennt mein Sitzen und mein Auf­stehen – Er versteht meine Gedanken von fern – Er ist vertraut mit allen meinen Wegen (s. Ps 139,2.3). Denn „alles ist bloß und aufgedeckt vor den Augen dessen, mit dem wir es zu tun haben“ (Heb 4,13).
Er kennt dich nicht nur durch und durch – Er ist auch der, der alles zu tun vermag und dem kein Vorhaben verwehrt werden kann (s. Hi 42,2).
Vielleicht empfindest du, dass dein Glauben schwach ist. Wie jener Vater, der zu dem Herrn mit Tränen rief: „Ich glaube; hilf meinem Unglau­ben!“ (Mk 9,24).
Aber ein Gramm Glaube ist in Got­tes Augen mehr wert als ein Zentner Gefühl. Der Glaube ehrt Gott. Und Gott ehrt den Glauben.

Gottes Möglichkeiten sind unbegrenzt

Wir erinnern uns: Der Stein vor der Graböffnung war „sehr groß“.
Für unseren Herrn war das kein Pro­blem! Ihm ist „alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden!“ (Mt 28,18). Er ruft dir zu: „Siehe, ich bin der Herr, der Gott allen Fleisches; sollte mir irgendein Ding unmöglich sein?“ (Jer 32,27).
Deshalb darfst du „hinschauend auf Jesus“ kühn sagen: „Der Herr ist mein Helfer, und ich will mich nicht fürch­ten …“ (Heb 13,6).

Trauer blickt zurück.
Sorge schaut sich um.
Glaube sieht nach oben.
(Verfasser unbekannt)


Friedhelm Müller


Fußnoten:

  1. Manchmal hat das ein Krankheitsbild zur Folge, bei dem auch medizinische Hilfe nötig wird – die der Herr sicher auch segnen kann.

  2. Dabei bleibt die Aufforderung in Gal 6,1 unbe­dingt wahr und wichtig, sie darf nur niemals als Argu­ment genutzt werden, nicht auf den Herrn Jesus zu blicken!

Der die Trauernden tröstet

Johannes 11

Hände halten sich
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Als Lazarus von Bethanien krank geworden war, taten seine Schwestern Maria und Martha das einzig Richtige.
Anstatt Hilfe bei Menschen zu suchen, sandten sie zu Jesus und ließen Ihm sagen: „Herr, siehe, der, den du lieb hast, ist krank“ (V. 3). Dabei stützten sie sich nicht auf die Liebe des Lazarus zum Herrn, sondern auf die Liebe des Herrn zu Lazarus.
Sie vertrauten der Liebe des Herrn und überließen alles Weitere Ihm. Was der Herr Jesus dann im weiteren Verlauf tat,ist tröstlich und lehrreich zugleich.

Jesus hörte” (V. 4)

Der Herr Jesus hörte von der Not, die in das Haus seiner drei Freunde in Bethanien eingekehrt war: Lazarus war krank geworden und die beiden Schwestern waren in großer Sorge. Der Herr kannte ihre Herzen und wusste, was dieses Leid für jeden Einzelnen in diesem Haus bedeutete. Und doch blieb Er noch zwei Tage an dem Ort, an dem Er sich gerade aufhielt (V. 6).
Der Herr kennt auch unseren Kum­mer und unsere Nöte. Er hört das Fle­hen und Schreien der Seinen und ver­nimmt das fragende „Warum“ in ih­ren Herzen. Keine Träne und kein Seufzer bleiben Ihm verborgen. Auch wenn Er nicht sofort eingreift und hilft, so dürfen wir uns doch damit trös­ten, dass Er um alles weiß. Und eins steht fest: Er macht keinen Feh­ler.
In seiner unveränderlichen Liebe spricht Er auch zu dir, der du dich vielleicht gerade in großen Schwie­rigkeiten befindest: Diese Not ist „um der Herrlichkeit Gottes willen“ (s. Joh 11,4). Und dürfen wir nicht alles, was uns begegnet, aus der Hand Gottes annehmen und uns im Glau­ben darauf stützen, „dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken“ (Röm 8,28)? Diese Zusage Gottes gilt immer, auch wenn wir anfangs vielleicht nicht die Notwen­digkeit der Schwierigkeit erkennen, in die der Herr uns führt.

Jesus liebte” (V. 5)

Jesus liebte Martha, Maria und La­zarus. Auch wenn im folgenden Vers gesagt wird, dass Er noch zwei wei­tere Tage an dem Ort blieb, wo Er gerade war, sollte das keinen Zweifel an der Tatsache hervorrufen, dass Er die drei Freunde liebte. Ganz im Ge­genteil: Weil Er sie so sehr liebte, wollte Er ihnen seinen Trost und sei­ne Hilfe gerade dann erweisen, als ihre Not am größten und ihre Lage völlig hoffnungslos schien.
Er liebt dich! Auch wenn die Um­stände manchmal eine andere Spra­che zu sprechen scheinen – an dieser Tatsache lässt sich nicht rütteln: Er liebt dich – auch in der größten Not! „Da er die Seinen, die in der Welt waren, geliebt hatte, liebte er sie bis ans Ende“ (Joh 13,1).
Seine Liebe verändert sich nie! Der Herr Jesus hat nicht nur von seiner Liebe gesprochen, sondern sie auch völlig unter Beweis gestellt, indem Er sich selbst am Kreuz von Golgatha für dich hingegeben hat (s. Gal 2,20)! Gibt es einen größeren Beweis dafür, dass Er dich liebt?

Jesus kam” (V. 17)

Allein von der Not und Trauer zu hören und davon zu wissen, hätte nicht ausgereicht. Dadurch hätte nie­mand getröstet werden können. Nein, der Herr kam. Er kam nach Bethani­en und kam an die Gruft, in der La­zarus lag (s. V. 38). Er trat gleichsam in die Umstände ein, in denen sich die trauernden Schwestern befanden. Einerseits kam Er mit einem Herzen voller Mitgefühl, andererseits aber auch in seiner ganzen Macht.
Der Herr kam in diese Welt. Er kam dahin, wo wir waren. Er sah unsere Not und unser Elend und kam herab, um uns zu erretten (s. 2. Mo 3,7.8). Aber nicht nur das. Er kam auch herab, um voll­kom­me­nes Mit­empfin­den mit uns zu haben in unseren Umständen und um bei uns zu sein (s. Heb 4,15). Auch zu dir, der du vielleicht gerade niedergeschlagen und traurig bist, kommt Er ganz persönlich, um dich in deiner Not und deinem Leid zu trösten (s. Jes 57,15). Gibt es jeman­den, der trösten könnte wie Er?

Jesus seufzte tief im Geist“ (V. 33)

Als der Herr Jesus Maria und die Ju­den weinen sah, die mit ihr gekom­men waren, seufzte Er tief im Geist und erschütterte sich. Er war inner­lich bewegt über das Leid sowie die Trauer der Schwestern und der Men­schen, die mit ihnen trauerten. Er machte sich völlig eins mit ihnen, indem Er ihre Not zu der seinen machte (s. Mt 8,17).
Der Herr Jesus ist heute noch der­selbe. Er ist innerlich bewegt über jede Not, die Er bei den Seinen wahr­nimmt. Wie sehr der Herr sich mit den Leiden der Seinen einsmacht, musste auch Paulus auf dem Weg nach Damaskus lernen, als der Herr ihm vom Himmel her zurief: „Saul, Saul, was verfolgst du mich?“ (Apg 9,4). Paulus verfolgte die Gläubigen, aber damit auch Christus.
Rührt es nicht unser Herz, wenn wir daran denken, dass Er unsere Not und unsere Trauer zu der seinen macht?

Jesus vergoss Tränen” (V. 35)

Wie viel ist doch in diesem kurzen Satz enthalten: Jesus vergoss Tränen! Wie tief hat der Herr sich doch her­abgelassen, um als wahrer Mensch an dem Kummer und der Not der trau­ernden Schwestern und Juden in voll­kommener Weise teilzunehmen. Er hat­te vollkommenes Mitgefühl mit ihnen.
Doch Er wusste auch, dass Er Laza­rus in Kürze wieder auferwecken wür­de. Und so waren seine Tränen nicht nur Tränen des tiefen Mitgefühls, sondern auch Tränen über die Fol­gen der Sünde, die durch den Unge­horsam des Menschen in die Welt gekommen war.
Obwohl der Herr Jesus jetzt im Him­mel ist, ist Er heute noch derselbe wie damals. Damals weinte Er mit den Weinenden (s. Röm 12,15; Ps 35, 13). Er vergoss Tränen – unsere wird Er einmal abwischen (s. Off 21,4). Sein Herz wurde gebrochen – unseres will Er verbinden.
Heute ist Er als Hoherpriester im Himmel für uns tätig und hat voll­kommenes Mitgefühl mit uns (s. Heb 4,15). Unser Kummer ist auch sein Kummer und unsere Trauer ist auch die seine (s. Mt 25,35-40). Wer könn­te mitempfinden wie Er?

Jesus rief mit lauter Stimme” (V. 43)

Der Herr hatte gehört. Er war ge­kommen. Er hatte tief geseufzt. Er hatte Tränen vergossen. Doch dann rief Er mit lauter Stimme: „Lazarus, komm heraus!“ Auf dieses Wort hin kam der Verstorbene heraus. Der Tod konnte ihn nicht festhalten.
Nichts und niemand kann sich dem Wort des Sohnes Gottes widersetzen und seiner Macht widerstehen. Selbst der Tod muss seine Beute wieder loslassen (s. Joh 5,28.29)!
Der Herr Jesus sagt in Matthäus 28, 18: „Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden“. Es ist Ihm ein Kleines, unsere notvollen Um­stände zu ändern. Wenn es sein Wille ist, unsere Situation zu än­dern, dann kann sich nichts und nie­mand sei­nem Willen widerset­zen!
Aber zuweilen benutzt Er seine Macht nicht dazu, die bedrücken­den Umstände zu ändern, sondern viel­mehr dazu, um uns durch die Um­stände, die uns so große Not berei­ten, hindurchzutragen – und zwar mit seiner Hilfe und in der Kraft, die Er darreicht. Denn nichts ehrt und verherrlicht Ihn so sehr, wie ein Herz, das Ihm auch dann vertraut und mit Ihm rechnet, wenn die Not und die Trauer am größten sind.
Von uns selbst aus schaffen wir das nicht. Doch der Herr kann und wird uns dabei helfen. Seine Gnade und seine Kraft stehen für uns bereit!

Daniel Melui

Eine tüchtige Frau – wertvoller als Korallen (Teil 5)

Mann und Frau Blumen Ehe
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Dies ist der letzte Teil unserer kleinen Reihe über die tüchtige Frau in Sprüche 31. Es geht um die letzten Aussagen des Textes und um die Schlussfolgerung, die wir – Frauen und Männer – daraus ziehen wollen.

Anerkennung durch die Söhne und den Ehemann

"Ihre Söhne stehen auf und prei­sen sie glücklich, ihr Mann steht auf und rühmt sie: ‚Viele Töchter ha­ben tüchtig gehandelt, du aber hast sie alle übertroffen!‘"
(Sprüche 31,28.29)


Das steht am Ende. Das Verhalten dieser tüchtigen Frau wird regis­triert. Die Söhne (die nachfolgende Gene­ration) preisen ihre Mutter und der Ehemann ist voller Lob für seine Frau. Ihre Familie liebt und achtet sie.
Der wahre Grund für dieses Lob kann in dem einen Wort „Gottes­furcht“ zusammengefasst werden. „Eine Frau, die den Herrn fürchtet, sie wird gepriesen werden“ (V. 30).

Zum Nachdenken für Frauen

Es lohnt sich für jede Frau, darüber nachzudenken, welches Urteil der ei­gene Ehemann und die eigenen Kin­der über sie abgeben würden. Wel­che Erinnerung behalten sie an die Ehefrau und Mutter? Was fällt ihnen als erstes ein?
Sind es die Eigenschaften und Tu­genden dieser tüchtigen Frau wie Gottesfurcht, Treue, Zuverlässigkeit, Fleiß, Aufmerksamkeit, Weisheit und alle anderen Merkmale, die wir bei dieser tüchtigen Frau gefunden ha­ben? Welches Beispiel hinterlassen wir der nächsten Generation?
Wenn es im Leben im Wesentlichen um „Anmut“ und „Schönheit“ geht, – also darum, vor anderen zu glän­zen – wird davon nicht viel übrig­bleiben. Wenn es jedoch darum geht, dass eine Frau den Herrn fürchtet – also darum, die Anerkennung Gottes zu haben – werden Segensspuren hinterlassen.
In der Welt werden heute Schön­heitsköniginnen und Topmodels ge­kürt. Ihr Ruhm vergeht manchmal noch schneller, als er gekom­men ist. Bei Gott gibt es andere Kri­terien. Seine Wahl fällt auf Frau­en, die in dieser Welt häufig nicht viel gelten und die vielleicht „nur“ Hausfrau, „nur“ Ehefrau oder „nur“ Mutter sind.
Doch während die Namen der Großen in dieser Welt schnell verges­sen sind, sind die Namen derer, die durch Gottesfurcht geprägt sind, bei Gott registriert. Paulus spricht ein­mal von Frauen, „die sich zur Got­tesfurcht bekennen“ (1. Tim 2,10).
Solche Frauen sind in den Augen Gottes in der Tat „tüchtige Frauen“. Solchen Frauen wird von der Frucht ihrer Hände gegeben werden.
„… und in den Toren mögen ihre Werke sie preisen!“ (V. 31).

Zum Nachdenken für Männer

Diese Artikelserie ist in erster Linie für Ehefrauen und Mütter geschrie­ben. Ich hoffe trotzdem, dass die Ehemänner und Söhne sie ebenfalls gelesen haben. Denn jetzt stellt sich uns die Frage: Was lernen wir aus dieser Beschreibung?

  • Sprüche 31 darf niemals eine Ent­schuldigung für uns Männer sein, unserer Verantwortung nicht nach­zukommen. Es geht nicht an, dass wir unsere Verantwortung für un­sere „Häuser“ (d.h. unsere Famili­en) ab­schieben. Die erste Ver­antwortung dafür haben näm­lich wir Männer. Jo­sua sagt es sehr klar und präzise: „Ich aber und mein Haus, wir wollen dem Herrn die­nen!“ (Jos 24,15). Im Neuen Testa­ment lesen wir von einer Familie, die sich selbst „den Heiligen zum Dienst verordnet“ hatte. Dieses Haus wird nicht nach der Frau, sondern nach dem Mann benannt. Es ist das „Haus des Ste­phanas“ (s. 1. Kor 16,15).
  • Sprüche 31 ist für jeden Ehemann ein Anlass, seiner Frau zu danken und ihr Anerkennung und Respekt zu zollen. Gleiches gilt für Söhne im Blick auf ihre Mütter. Selbst wenn eine Ehefrau und Mutter nicht an das Ideal der tüchtigen Frau in Sprüche 31 heranreicht, sollten wir Gott jeden Tag dankbar sein, dass Er uns eine Frau (und Mutter) geschenkt hat, die uns eine Hilfe ist. Unser Dank gilt nicht nur Gott. Wir sagen ihn auch un­seren Ehefrauen und Müttern. Unsere Kinder singen manchmal das Lied: „Hast du heute schon Danke gesagt?“ Ich schließe unsere Frauen und Mütter ausdrücklich in die­sen Dank ein.
  • Sprüche 31 ist kein Freibrief für eigene Faulheit und Nachlässigkeit. Wir sollten das Ka­pitel vielmehr als Anlass und Moti­vation nehmen, unseren Frauen so viel wie mög­lich zu helfen. Als Au­tor muss ich gestehen, dass ich das – als unse­re Kinder noch jün­ger waren – oft nicht getan habe. Das führte im­mer wieder – und speziell am Sonntagmorgen – zu unnötigem Stress. Während wir Männer uns gerne auf unsere Ehefrauen verlassen, damit die Kinder rechtzeitig zum Besuch der örtlichen Versamm­lungsstunde fertig sind, baut sich dort unnötiger Frust auf. Ein guter Ehemann und Vater ist zugleich ein guter „Hausmann“. Unsere Frauen und Mütter sollten es uns wert sein, dass wir sie nach Kräften bei ihren vielfältigen Aufgaben unter­stützen.
  • Kein Ehemann sollte auf die Idee kommen, die Qualitäten der tüch­tigen Frau bei seiner eigenen Ehe­frau „einzufordern“. Das wird nicht funktionieren. Wir dürfen unsere Frauen nicht überfordern, sondern wir dürfen sie fördern und ihnen helfen, die­se Qualitäten zu entwickeln. Ein geistlicher Ehemann wird seine Frau motivieren und nicht demoti­vieren.
"Ich aber und mein Haus, wir wollen dem Herrn die­nen!"
(Josua 24,15)


Am Ende unsere Überlegungen möchte ich an Boas erinnern, der zu Ruth sagt: „Und nun, meine Tochter, fürchte dich nicht! Alles, was du sagst, werde ich dir tun; denn das ganze Tor meines Volkes weiß, dass du eine tüchtige Frau bist“ (Rt 3,11).
Das soll jede christliche Frau moti­vieren. Das soll jeden christlichen Mann motivieren.

Ernst-August Bremicker

Persönliche Worte (Saat & Ernte)

Interessiert beobachtet ein Kind seine Mutter dabei, wie sie im Frühjahr Saatkartoffeln in die Erde legt. „Mama, wieso vergräbst du denn die Kartoffeln in der Erde, wenn du sie im Herbst doch wieder ausgräbst?“, möchte es wissen. Es ist noch klein und weiß noch nichts von Saat und Ernte.
Saat und Ernte – nach der Sintflut machte Gott den Menschen die Zusage, dass dieser Kreislauf nicht aufhören soll (s. 1. Mo 8,22). Er greift diesen gut verständlichen Vorgang aus der Natur in seinem Wort aber auch auf, um uns eine wichtige Lektion für unser Le­ben zu erteilen: „Die Frucht der Gerechtigkeit in Frieden aber wird denen gesät, die Frie­den stiften“ (Jak 3,18).
Wenn alles gut läuft, schreiben wir das gerne uns selbst zu. Erfolge und Gelingen bei den täglichen Aufgaben, gute Beziehungen in der Familie, zu anderen Christen oder den Arbeitskollegen sehen wir dann als Folge unseres Einsatzes, vielleicht auch unserer Treue in der Nachfolge des Herrn. Schnell stehen wir dabei jedoch in der Gefahr, zu vergessen, dass Gott der Geber aller guten Gaben ist (s. Jak 1,17) und Ihm dafür zu danken.
Sobald es aber in den zwischenmenschlichen Beziehungen zu knistern beginnt, verlie­ren wir die Wechselwirkung von Saat und Ernte leider leicht aus dem Auge. Wir füh­len uns ungerecht oder lieblos behandelt. Nur zu oft kommt es dadurch sogar zu seeli­schen Ver­letzungen. Schuld sind in unseren Augen dann meistens nur die anderen.
Aber ist das wirklich immer so, wenn es im Verhältnis zu unserem Gegenüber hakt? Es hilft, uns in solchen Situationen bewusst daran zu erinnern, dass es nur einen Menschen gibt, der immer nur Gutes säte und trotzdem nur Böses erntete – der Herr Jesus Chris­tus. Er säte Liebe und erntete Hass von Seiten der Menschen (s. Ps 69,5).
Trotzdem nahm er das gerechte Gericht Gottes für unsere Sünden auf sich. So weit geht seine Liebe. Er hat mich geliebt (s. Gal 2,20), uns geliebt und die Versammlung geliebt (s. Eph 5,2.25). In Psalm 69 Vers 5 heißt es im Vorausblick auf das Erlösungswerk des Herrn auch noch: „Was ich nicht geraubt habe, muss ich dann erstatten“.
Diese Liebe unseres Herrn und Heilandes darf uns jeden Tag neu anspornen, unser Leben zu seiner Ehre zu führen. Wenn wir mehr danach streben und im Gegenüber den sehen, den der Herr genauso liebt wie mich, werden wir wahre Friedensstifter sein kön­nen. Das wird nicht ohne Auswirkungen auf unser Miteinander bleiben.

Dass unsere Liebe zu unserem Herrn Jesus Christus mehr und mehr wächst und auch im Umgang mit unseren Mitmenschen mehr sichtbar wird,

Stefan Busch

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