
Er fesselt Millionen junger Leser (vor allem Leserinnen) und prägt die Gedankenwelt einer neuen Generation: Es geht um den literarischen Trend sogenannter „New-Adult-Romane“ (Romane für junge Erwachsene) oder Verfilmungen, die in Deutschland seit knapp 10 Jahren auf dem Markt sind und sich mehr und mehr Bahn brechen.
Was steckt also hinter den (vordergründig) romantischen Geschichten, in denen es vor allem um die Themen Liebe, Lust und Leidenschaft geht? Und wie gehen wir als Christen – nicht nur, aber in diesem Fall vor allem auch als Eltern und Bezugspersonen – damit um?
Diese Fragen sind auch deshalb so bedeutsam, weil der Herr Jesus selbst auf unsere Verantwortung hinweist, was wir unseren Kindern als Nahrung anbieten: „Oder welcher Mensch ist unter euch, der, wenn sein Sohn ihn um ein Brot bitten wird, ihm etwa einen Stein geben wird, oder auch, wenn er um einen Fisch bitten wird, ihm etwa eine Schlange geben wird?“ (Mt 7,9.10).
Ob in Buchhandlungen, auf TikTok oder in diversen Online-Shops – der Begriff „New Adult“ kommt immer häufiger vor. Es geht um Romane, die sich an Leser – und vor allem Leserinnen – richten, die keine Kinder mehr sind, sondern junge Erwachsene ab dem Ende ihrer Teenagerzeit. Die Zielgruppe befindet sich in der Lebensphase nach der Schulausbildung – für viele die Zeit der ersten Selbstständigkeit: die erste eigene Wohnung, ein Studium, berufliche Orientierung – und natürlich mittendrin: die (erste?) große Liebe, verbunden mit Gefühlen, emotionalen Spannungen und meist auch sexuellen Erfahrungen.
Die Geschichten in den New-Adult-Romanen folgen oft bewährten Erzählmustern. Das Ganze ist – wie sooft – durch englische Ausdrücke (sogenannte Tropes) zusammengefasst. Beispiele sind:
In (fast) allen Fällen geht es also um Beziehungen, um Gefühle, um das, was man Liebe nennt. Aber nicht nur das: Intensive sexuelle Beziehungen werden oft erschreckend offen beschrieben.
Gott hat uns Menschen unterschiedlich geschaffen. Frauen sind in der Regel emotionaler und beziehungsorientierter als Männer. New-Adult-Romane entsprechen auf den ersten Blick genau diesem Bedürfnis. Sie geben vermeintliche Antworten auf die Suche nach Nähe, Identität und Orientierung. Die Geschichten geben das Gefühl, gesehen, verstanden, geliebt und emotional mitgenommen zu werden. Sie befriedigen die tiefe Sehnsucht nach Bindung, nach dem Gefühl, wertvoll zu sein, nach der großen Liebe, die alles verändert. Die Texte sollen helfen, der eigenen Unsicherheit oder Leere zu begegnen, indem man in eine Scheinwelt voller Leidenschaft und Liebe eintaucht.
Es muss sehr deutlich gesagt werden: So emotional fesselnd viele New-Adult-Romane oder -Filme sein mögen, vermitteln sie nicht nur ein fragwürdiges, sondern ein sündiges Bild von Sexualität, Beziehungen und Liebe. Durch das Lesen wird der Leser innerlich beschmutzt und damit in der gelebten Nähe zu Gott negativ beeinflusst. Es ist uns hoffentlich auf den ersten Blick klar, dass hier etwas nicht stimmt und der Teufel weitere Brandbomben auf unsere jungen Leute wirft:
Es ist wichtig, dass wir Gottes Gedanken zu diesen Themen kennen und sie gut vermitteln. Die Bibel macht deutlich, dass der Mensch auf Beziehung ausgelegt ist – zuallererst auf die Beziehung mit Gott, aber auch auf die Beziehung untereinander (s. 1. Mo 2,18). Romantische Liebe ist ein Geschenk Gottes – aber sie ist nicht das Zentrum unseres Daseins. Eine Ehe funktioniert nicht mit romantischer und erotischer Liebe allein. Dazu gehört deutlich mehr. Die Ehe ist eine Liebes-, Lebens- und Dienstgemeinschaft und umfasst den ganzen Menschen: Geist, Seele und Körper. Die Liebe ist wichtig, aber sie ist nicht alles – schon gar nicht die romantische oder erotische Liebe.
Biblisch formuliert heißt es: Gott wünscht, dass Mann und Frau in der Ehe „ein Fleisch“ sind, d. h. eine Einheit nach Geist, Seele und Körper (s. 1. Mo 2,24). Paulus zeigt in 1. Korinther 6,16 den Unterschied zwischen „ein Leib“ – auf die erotische Beziehung reduziert – und „ein Fleisch“, was Gottes Plan ist, der nur in der Ehe gelebt werden kann.
Die Denk- und Liebesmuster, die uns in New-Adult-Romanen begegnen, sind eindeutig menschlich, weltlich und sündig. Auch hier gilt die Aufforderung, nicht gleichförmig der Welt zu sein (s. Röm 12,2), d. h., uns nicht von der Welt prägen zu lassen – einschließlich der medialen Welt und dem, was sie uns über Liebe, Sexualität und Beziehungen vermitteln will. Es ist wichtig zu erkennen, wie stark sie unsere Gedankenwelt prägt. Auch hier gilt: „Der Mensch ist, was er isst.“ Wenn diese Romane die Gedankenwelt junger Menschen prägen, ist es nicht mehr weit, bis diese auch im realen Leben praktiziert werden.
Die Bibel ist sehr klar darin, uns Gottes Gedanken zu den Themen Beziehung, Liebe und Sexualität zu vermitteln. Sexualität ist eine Gabe unseres Schöpfers. Wir können Ihm dafür danken und sollen gleichzeitig verantwortungsbewusst damit umgehen. Dazu gehört unbedingt und ausschließlich der geschützte Rahmen der Ehe (s. Heb 13,4). Das schließt unsere Gedankenwelt ein.
Resignation ist eine schlechte Reaktion. Es ist wichtig, dass wir als Eltern und Bezugspersonen versuchen, unsere jungen Erwachsenen mit guten und biblischen Argumenten zu überzeugen, dass das Bild, das in New-Adult-Romanen gemalt wird, ein antibiblisches Scheinbild ist. Dass es wie eine schillernde Seifenblase ist, die schneller platzt, als es den Betroffenen lieb ist. Es hilft aber nicht, diesen Trend einfach nur pauschal zu verurteilen. Es bringt wenig, nur zur moralisieren. Es ist wichtig, dass wir mit der Zielgruppe ins Gespräch kommen und im Gespräch bleiben. Es geht darum, die Herzen zu gewinnen.
Dabei ist agieren besser als reagieren. Je früher wir beginnen, unseren Kindern das biblische Bild zu den hier angesprochenen Themen zu vermitteln, umso besser. Vorbeugen ist immer besser als heilen. Aber selbst dann, wenn es für Prävention zu spät ist, ist es umso wichtiger, mit gut gestellten Fragen herauszufinden, warum ein junger Mensch aus christlichem Elternhaus solche Bücher lesen möchte bzw. liest. Es mag im Zweifelsfall gut sein, gemeinsam einen Blick in ein solches Buch zu werfen und dann zu fragen, was in dem Buch über Liebe, Beziehung und Sexualität gesagt wird. Das sollte – wiederum gemeinsam – mit Gottes Wort abgeglichen werden. Es muss uns gelingen, den Wert der Gedanken Gottes zu diesen Themen gewinnend zu vermitteln. Die jungen Leute müssen wissen, dass Gott kein „Spielverderber“ ist, sondern es gut mit uns meint.
New-Adult-Romane sprechen Sehnsüchte an, die bei jungen Menschen – vor allem Mädchen – vorhanden sind und die wir als Eltern und Bezugspersonen nicht einfach ignorieren können. Es muss uns klar sein, dass diese Art von Literatur einerseits verunreinigt und andererseits keine wirklichen Antworten gibt. Die vermeintlichen Antworten sind gefährlich und können großen Schaden anrichten. Als Christen mit Vorbildfunktion sind wir aufgerufen, ein biblisches – und damit ein echtes – Bild von Liebe, Identität und Erfüllung zu vermitteln und vorzuleben. Nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern glaubwürdig, wertschätzend und mit einem Verständnis für das, was junge Erwachsene wirklich brauchen: eine gefestigte Beziehung zu ihrem Herrn!
Und um diese Beziehung zu fördern, gibt es keine bessere Lektüre als die Bibel, Gottes Wort (d. h. natürlich nicht, dass wir keine anderen Bücher lesen dürften). Wecken wir darum bei unseren Kindern und jungen Leuten den Appetit und das Interesse, mehr die Bibel zu lesen. Das wird jedoch nur gelingen, wenn sie an uns erleben, dass wir hungrig nach Gottes Wort sind und es unser ganzes Verhalten prägt – 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche!
Ernst-August Bremicker

Der Duden beschreibt „Gewohnheit“ als eine durch häufige und stete Wiederholung selbstverständlich gewordene Handlung, Haltung und Eigenheit. Jeder Mensch eignet sich im Lauf seines Lebens gewisse Gewohnheiten an. Auch der Herr Jesus hatte in seinem Leben als Mensch Gewohnheiten. Im Gegensatz zu uns waren es bei Ihm allerdings nur gute Gewohnheiten.
An drei Stellen im Lukasevangelium lesen wir davon, dass der Herr bzw. seine Eltern etwas aus Gewohnheit taten.
„Und seine Eltern gingen alljährlich am Passahfest nach Jerusalem. Und als er zwölf Jahre alt war und sie nach der Gewohnheit des Festes hinaufgingen und die Tage vollendet hatten, blieb bei ihrer Rückkehr der Knabe Jesus in Jerusalem zurück; und seine Eltern wussten es nicht.“
Im Alter von zwölf Jahren ging der Herr Jesus entsprechend der Gewohnheit seiner Eltern nach Jerusalem, um das Passah gemäß dem Gebot Gottes zu feiern. Das Passah erinnerte an die Rettung der Erstgeborenen im Land Ägypten durch das Blut eines geschlachteten Lammes (s. 2. Mo 12). Was muss der Herr auf dieser Reise empfunden haben! Er war ja in die Welt gekommen, um selbst als das wahre Passahlamm am Kreuz von Golgatha zu leiden und zu sterben.
Das Passahfest spricht von unserer Errettung durch das am Kreuz vergossene Blut des Herrn. Einmalig wurde das Passah in Ägypten gefeiert. Danach sollte es regelmäßig in Erinnerung an die Rettung aus Ägypten gefeiert werden. Das zeigt uns im übertragenen Sinn, wie wichtig es für Gott ist, dass wir regelmäßig an unsere Errettung durch Jesus Christus am Kreuz denken und Ihm dafür danken. Haben wir die gute Gewohnheit, dem Herrn täglich für unsere Errettung zu danken?
„Und er kam nach Nazareth, wo er auferzogen worden war; und er ging nach seiner Gewohnheit am Tag des Sabbats in die Synagoge und stand auf, um vorzulesen.“
Nachdem der Herr Jesus seinen öffentlichen Dienst begonnen hatte, kam Er nach Nazareth, wo Er aufgewachsen war. Auch jetzt ging Er seiner Gewohnheit nach am Tag des Sabbats in die Synagoge. Obwohl Er der Herr des Sabbats war, tat Er es den frommen Juden gleich und hatte die Gewohnheit, an diesem Tag in die Synagoge zu gehen und dort zu lehren (s. Kap. 6,5; 13,10).
Wie sieht es bei uns aus? Haben wir die (gute) Gewohnheit, regelmäßig die Zusammenkünfte der Gläubigen zu besuchen oder gehören wir zu denen, die ihnen leichtfertig fernbleiben? Unter den gläubigen Hebräern gab es einige, bei denen es Sitte war, das Zusammenkommen zu versäumen (s. Heb 10,25). Wie viel Segen mag ihnen dadurch verloren gegangen sein! Darum: Lasst uns – wenn es uns irgend möglich ist – bestrebt sein, immer dort zu sein, wo der Herr verheißen hat, in der Mitte der Seinen zu sein (s. Mt 18,20)!
„Und er ging hinaus und begab sich der Gewohnheit nach an den Ölberg; es folgten ihm aber auch die Jünger."
Der Herr Jesus hielt sich oft am Ölberg auf, um mit seinen Jüngern allein zu sein und abseits vom Trubel der Stadt Jerusalem beten zu können. Immer wieder suchte Er die Stille und Abgeschiedenheit, um im Gebet mit seinem Gott und Vater Gemeinschaft zu haben. Darin ist Er uns ein vollkommenes Vorbild.
Begeben wir uns auch der Gewohnheit nach in unsere „Kammer“, um zu Gott zu beten und mit Ihm Gemeinschaft zu haben (s. Mt 6,6)? Wenn Er schon als der vollkommene Mensch immer wieder die Stille und Abgeschiedenheit suchte, um mit seinem Gott und Vater im Gebet zu sprechen, wie viel mehr sollten wir es uns dann zur Gewohnheit machen, regelmäßig und ungestört das Angesicht unseres Gottes und Vaters zu suchen?
Daniel Melui

In 1. Mose 18 und 19 finden wir zwei Gläubige, zwei Besuche und zwei total verschiedene Resultate. Es ist interessant, dass beide Kapitel eine ähnliche Struktur haben. In den ersten Versen des jeweiligen Kapitels wird der Besuch bei Abraham und bei Lot beschrieben. Anschließend gibt es jeweils eine Botschaft. Danach geht es um das Zeugnis über sie, das unterschiedlicher nicht ausfallen kann. Darüber hinaus gibt es dann noch eine vertraute Mitteilung des Herrn an Abraham und eine persönliche Botschaft an Lot. Auch das Ende der beiden ist äußerst unterschiedlich.
Die Besuche zeigen für uns heute, wie unterschiedlich wir als Gläubige in der Welt leben können. Anhand von vierzehn Fragen wollen wir wichtige Lektionen für unser Leben daraus mitnehmen.
Abraham ist bei den Terebinthen Mamres (s. 1. Mo 18,1). Die Terebinthe ist ein Baum, unter dessen weit ausladenden Ästen man sich gut im Schatten ausruhen, einmal so richtig zur Ruhe kommen kann. Mamre bedeutet Festigkeit, Fettigkeit oder Lebenskraft und liegt bei Hebron (s. 1. Mo 13,18). Hebron bedeutet Gemeinschaft. Es spricht von dem geistlichen Ort, an dem wir Gemeinschaft mit Gott haben, von einer Gelegenheit, seiner Stimme zuzuhören und Ihm die Dinge zu sagen, die uns auf dem Herzen liegen.
Es ist der Platz, wo wir die Lebenskraft für unsere geistliche Lebensführung aus der Gemeinschaft mit dem Herrn bekommen. Ohne die Gemeinschaft mit dem Herrn haben wir keine Kraft. Gleichzeitig ist Hebron aber auch der Ort, wo Sara begraben wurde (s. 1. Mo 23,19). Darin sehen wir ein Vorbild der Wahrheit, dass wir mit Christus gestorben sind (s. Röm 6,8). Der alte Mensch ist tot und der neue Mensch bekommt Kraft in der Gemeinschaft mit dem Herrn. Das praktisch zu erfassen und zu erleben, ist das wunderbare Ergebnis, wenn wir uns in Hebron unter den Terebinthen Mamres aufhalten.
Lot dagegen ist in Sodom (s. 1. Mo 19,1). Die Menschen dort sind böse und große Sünder vor dem Herrn (s. 1. Mo 13,13). Sodom ist das Symbol für Bosheit. In Jesaja 3,9 lesen wir, dass sie offen von ihren Sünden sprechen, dass sie gar nichts zurückhalten. Das ist auch heute das Kennzeichen der Welt. Es ist sehr schade, einen Gläubigen so tief verbunden mit den Menschen dieser Welt zu sehen. Der Teufel im Verbund mit dieser Welt nimmt die Kraft weg, auch wenn es anfänglich anders erscheint.
Lot nennt die Menschen von Sodom später seine Brüder (s. 1. Mo 19,7), toleriert die Sünde und ermutigt sogar noch zur Sünde. Alles dient nur dazu, dass sein Fleisch befriedigt wird, aber seine Seele quält er „durch das, was er sah und hörte, Tag für Tag“ (2. Pet 2,8). Ohne diese Stelle im Neuen Testament wüssten wir gar nicht, dass Lot ein Gerechter war. Doch Gott sorgt in diesem Punkt für Klarheit. Er überlässt Lot auch dort nicht einfach sich selbst. Lot gehört Ihm und Er kümmert sich deshalb um ihn.
Abraham sitzt am Eingang des Zeltes (s. 1. Mo 18,1). Das Zelt spricht davon, dass er als Fremder lebt. Er erwartet die Stadt, die Grundlagen hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist (s. Heb 11,9.10). Ein Fremder sehnt sich nach seiner Heimat, denkt darüber nach und lebt so, dass der dortigen Ankunft nichts im Weg steht. Abraham sitzt dort am Eingang des Zeltes, abgesondert von dem bösen System dieser Welt und hat ein Auge auf das, was ein- und ausgeht.
Sein Interesse ist das (geistliche) Wohlergehen seiner Familie und er teilt damit die Interessen des Herrn. Wir können sagen, er nimmt die Aufgabe als Haupt des Hauses sehr ernst. Als Haupt des Hauses ist er verantwortlich für den Schutz der Familie, die (geistliche) Führung und die (geistliche) Nahrung. Ihm ist daran gelegen, dass seine Familie den Herrn ehrt und nichts tut, was das Zeugnis (zer)stört.
Lot dagegen sitzt im Tor Sodoms. In Sodom ist er inmitten des Bösen. Er ist nicht abgesondert, sondern stellt sich als ein Freund dieser Welt dar. In Jakobus 4,4 lesen wir: „Wer nun irgend ein Freund dieser Welt sein will, erweist sich als Feind Gottes.“ Lot hat kein großes Interesse an dem geistlichen Wohlergehen seiner Familie, sondern er möchte gerne eine wichtige Person in dieser Welt sein.
Sein Streben hat ihn dazu gebracht, dass er im Tor der Stadt sitzt. Das Tor ist der Platz der Entscheidung, wo sowohl politische als auch soziale Entscheidungen getroffen werden (s. z. B. Rt 4 bei Ruth und Boas). Psalm 69,13 spricht prophetisch vom Herrn Jesus, der klagen muss: „Die im Tor sitzen, reden über mich, und ich bin das Saitenspiel der Zecher.“ Es ist also auch ein Ort der Gemeinschaft mit den Spöttern. Dadurch wird uns ganz besonders deutlich, dass wir als Gläubige nicht an so einem Ort sein können.
Egal, in welchem beruflichen Umfeld wir uns bewegen, wir müssen aufpassen, dass wir uns als Gläubige nicht eins machen mit den Feinden unseres Herrn. Es ist schon verwunderlich, dass Lot wieder in Sodom wohnt, da er von dort bereits in 1. Mose 14,12 gefangen weggeführt wurde. Trotz dieser ernsten Sprache des Herrn kehrte Lot wieder an den gleichen Ort zurück, an dem er vordem wohnte.
Bei Abraham kommt der Besuch, während er bei der Hitze des Tages am Eingang des Zeltes sitzt (s. 1. Mo 18,1). Das ist bemerkenswert. Zum einen scheut er die Hitze des Tages nicht, zum anderen beschreibt die Tageszeit in der Bibel oft den moralischen Zustand einer Person. Bei Abraham steht die Sonne hoch am Himmel – eine wunderbare Beschreibung seines moralischen Zustandes. Wir können sagen: Er „sonnt“ sich in der Gemeinschaft mit dem Herrn. Dies ist nur möglich, weil er sich abgesondert hat und in dem Licht Gottes seinen Zustand sowie die Größe Gottes erkennt.
Lot bekommt am Abend Besuch (s. 1. Mo 19,1). Der Abend bezeichnet oft einen schlechten moralischen Zustand. Dieser Zustand stellt sich ein, wenn wir unser Leben nach unserem Eigenwillen führen und nicht auf die Stimme des Herrn hören. Wir finden das zum Beispiel auch bei Judas, der hinausging in die Nacht (s. Joh 13,30). Doch im Gegensatz zu Judas, der kein Gläubiger war, ist es bei Lot nur Abend. Für Judas gab es keine Hoffnung mehr, für Lot schon. Die Gnade Gottes zeigt sich in Kapitel 19,23, wo die Sonne über der Erde aufging, als Lot in Zoar ankam. Was für eine wunderbare Wendung, die auch heute noch für jeden Gläubigen eintreten kann.
Manuel Dietermann
Verbindungen mit der Welt stehen unserer Überwindung der Welt im Wege.
Dies ist der Sieg, der die Welt überwunden hat: unser Glaube.

Auf seinem Weg über diese Erde bediente sich der Herr Jesus in Gesprächen häufig einer Frage – und verfolgte damit verschiedene Absichten. Wenn der Herr Jesus Fragen stellte, geschah das nie, weil Er etwas nicht wusste. Die Gedanken jedes Menschen sind „bloß und aufgedeckt vor den Augen dessen, mit dem wir es zu tun haben“ (Heb 4,13). Er hatte es nicht nötig, Fragen zu stellen – umso bemerkenswerter ist es, dass Er es dennoch tat. Diese Tatsache macht es wertvoll, einmal darüber nachzudenken, welche Absichten jeweils hinter seinen Fragen standen – und welche Belehrungen wir daraus ziehen können.
Der Herr Jesus stellte seinen Jüngern mehrfach eine Frage, um ihren Glauben zu prüfen.
So verband der Herr Jesus die Speisung der Volksmengen mit einer solchen Frage. In Johannes 6 lesen wir ausdrücklich, dass Er Philippus fragte, um ihn zu prüfen: „Woher sollen wir Brote kaufen, damit diese essen? Dies sagte er aber, um ihn zu prüfen; denn er selbst wusste, was er tun wollte“ (V. 5.6).
Bei der Speisung der 5 000 (s. Mk 6; Joh 6) wurde deutlich, dass die Jünger nicht mit der Macht und Gnade des Herrn Jesus rechneten. Selbst aus dieser gewaltigen Erfahrung, die sie dort mit Ihm machten, lernten sie nicht. Denn auch bei der späteren Speisung der 4 000 (s. Mk 8; Mt 15) dachten sie erneut nur in menschlichen Maßstäben, obwohl sie Ihn bereits kennengelernt hatten als den, den Gott „mit Heiligem Geist und mit Kraft gesalbt hat, der umherging, wohltuend und alle heilend“ (Apg 10,38).
Als der Herr sie später fragte: „Als ich euch ohne Geldbeutel und Tasche und Sandalen sandte, fehlte es euch wohl an etwas?“, konnten sie antworten: „An nichts“ (Lk 22,35).
Er hatte immer für sie gesorgt, nie mangelte es ihnen an etwas – war Er dann nicht auch in der Lage, eine große Volksmenge zu versorgen?
Zweimal lehrte der Herr sie durch das Vermehren der Brote, dass Er imstande war, aus dem Wenigen, das vorhanden war, viel zum Segen für viele zu machen. „Wie viele Brote habt ihr?“ (Mt 15,34), fragte Er sie. Für die Jünger war das Vorhandene zu wenig: „Was ist dies für so viele?“ (Joh 6,9).
Wie häufig ist das Verhalten der Jünger ein Spiegelbild unseres eigenen Denkens und Handelns! Auch heute vermag der Herr, aus dem Wenigen, das Er uns anvertraut hat, großen Segen zu bewirken – zum Nutzen für viele. Stattdessen verzagen wir oft und blicken mehr auf unsere Schwachheit als auf seine Macht und Gnade.
Bernhard Brockhaus
Auch heute vermag der Herr, aus dem Wenigen, das Er uns anvertraut hat, großen Segen zu bewirken.

Abraham lebte vor über 4 000 Jahren. Er war sehr reich (s. 1. Mo 13,2), in gewissem Sinn mit den Mächtigsten der damaligen Welt vernetzt (s. 1. Mo 12,14-20; 1. Mo 20), militärisch erfolgreich (s. 1. Mo 14,13-24) und offensichtlich ein entschlossener Geschäftsmann (s. 1. Mo 21,22-32). Aus menschlicher Sicht würden wir ihn als „Mann von Welt“ einordnen, als jemand, der weiß, wie Erfolg funktioniert.
Aber passt das zu dem Bild, das Gott in Hebräer 11 über ihn zeichnet? Dort wird er als Glaubensheld beschrieben, aber auch als Familienvater, der sich als Fremder (mit seiner Familie) in Kanaan aufhielt. Ausgerechnet in dem Land, das Gott ihm verheißen hatte, wohnte er in Zelten, fernab der zivilisierten Städte, obwohl er gerade dort seinen Einfluss und Reichtum sicher gut hätte zur Geltung bringen und maximieren können. Doch er bekannte, ein Fremder und ohne Bürgerrecht auf der Erde zu sein (s. Heb 11,13). Einerseits Erfolg und Ansehen, andererseits „Fremdlingschaft“: War das nicht eine Gratwanderung? Ja, vielleicht war es das manchmal und er machte dabei auch Fehler. Doch Gott nannte ihn seinen Freund (s. Jes 41,8; Jak 2,23) und das schloss aus, dass er ein Freund der Welt war (s. Jak 4,4b). Abraham musste also ein „Rezept“ gehabt haben, um in diesem Spannungsfeld zu bestehen.
Als Christen leben wir heute in einem ähnlichen Spannungsfeld. Das gilt besonders für Familienväter. Es ist herausfordernd, einerseits anspruchsvollen irdischen Aufgaben gerecht zu werden und gut für die Familie zu sorgen, andererseits zu verwirklichen, dass unser Bürgertum in den Himmeln ist (s. Phil 3,20). Leider hat auch für Gläubige der „irdische Teil“ des Lebens – Beruf, Freizeit, materieller Wohlstand – an Stellenwert und Attraktivität deutlich zugenommen. Der Druck, „mithalten“ zu müssen, ist immens gewachsen. Abraham zeigt uns, wie wir damit umgehen können. Wir wollen uns einige „Zutaten“ seines Rezeptes anschauen.
„Und der Herr erschien Abram und sprach: Deiner Nachkommenschaft will ich dieses Land geben. Und er baute dort dem Herrn, der ihm erschienen war, einen Altar.“
Abram (er heißt erst ab Kapitel 17,5 Abraham) hat Gott beim Wort genommen, ist aus seiner Heimat Mesopotamien weggegangen und nun im ihm verheißenen Land angekommen. Was stellt er dort fest? Es ist schon besetzt, überall leben Kanaaniter. Da wäre es doch klug, sich sofort in den Städten Sichem, Bethel oder Ai niederzulassen und seine Ansprüche geltend zu machen.
Doch Abram handelt anders. Er durchzieht das Land bis zu dem Ort, an dem Gott ihm begegnet und ihm sagt: „Deiner Nachkommenschaft will ich dieses Land geben“ (1. Mo 12,7). Nicht er soll es also besitzen, sondern das Volk seiner Nachkommen. Abram ist nicht entmutigt, sondern baut an diesem Platz der Gemeinschaft mit Gott einen Altar. Danach zieht er als Fremder weiter durch „sein“ Land; die Gemeinschaft mit Gott gibt ihm Kraft dazu. Sie ist ihm wertvoller als die Gemeinschaft mit den Menschen der Städte Kanaans, denn sie sind nicht besser als die seiner früheren Heimat Mesopotamien: Sie sind Götzendiener, leben in Unmoral und Sünde.
Als er am nächsten Ort sein Zelt aufschlägt, baut er wieder einen Altar (s. 1. Mo 12,8), Altäre werden zu seinem „Markenzeichen“. Dort pflegt er Gemeinschaft mit Gott, opfert Ihm. Das bestimmt seine himmlische Ausrichtung: Er erwartet „die Stadt, die Grundlagen hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist“ (Heb 11,10). Ja, er ist damals schon wohlhabend (s. 1. Mo 12,5) und Gott macht ihm entsprechend der Zeit, in der Abraham lebt, irdische Zusagen. Aber er lernt in dieser Gemeinschaft, auf der Erde ein Fremder und ohne Bürgerrecht zu sein (s. Heb 11,13).
Gemeinschaft bedeutet, eng mit jemand verbunden zu sein, gleiche Anschauungen zu haben und übereinstimmende Ziele zu verfolgen. Wir genießen Gemeinschaft mit Gott, weil Er unser Vater ist. Als seine Kinder sind wir eng und vertrauensvoll mit Ihm verbunden. Diese Gemeinschaft lässt uns seine Sichtweise einnehmen und wir erkennen und prüfen, was sein „guter und wohlgefälliger und vollkommener Wille“ ist (s. Röm 12,2). Sie bewirkt, dass unsere Ziele mit Gottes Zielen übereinstimmen und wir glücklich mit dem sind, was Er uns gibt. Sie relativiert die Dinge unseres irdischen Lebens und befähigt uns, unsere berufliche Karriere, unseren materiellen Besitz und unsere freie Zeit an Ihm auszurichten und allem den richtigen Stellenwert zu geben. Je intensiver unsere Gemeinschaft mit Gott ist, umso besser verstehen wir, dass unser Ziel der verherrlichte Christus im Himmel und unser Leben auf der Erde „nur“ der Weg dorthin ist.
„Da sprach Abram zu Lot: Lass doch kein Gezänk sein zwischen mir und dir und zwischen meinen Hirten und deinen Hirten; denn wir sind Brüder! Ist nicht das ganze Land vor dir? Trenne dich doch von mir! Willst du zur Linken, so will ich mich zur Rechten wenden, und willst du zur Rechten, so will ich mich zur Linken wenden.“
Abram hatte seinen Neffen Lot mit nach Kanaan genommen, gemeinsam hatten sie das Land durchzogen und waren auch gemeinsam den verkehrten Weg nach Ägypten gegangen. Nun sind sie zurückgekehrt und leben als reiche Nomaden mit viel Kleinvieh, Rindern und Zelten (s. 1. Mo 13,1.5) wieder im Land Kanaan. Die Herden sind so gewachsen, dass es nicht mehr möglich ist, sie in demselben Gebiet zu weiden; sie müssen sich trennen.
Wir würden gut verstehen, wenn Abram – als Älterer und „Ziehvater“ von Lot – darauf besteht, bei der Auswahl der Weidegebiete den Vorzug zu bekommen. Aber er tut es nicht, sondern überlässt Lot die Wahl und verzichtet damit auf das vermeintlich bessere Land. Er tut das gewiss nicht, weil ihm seine Herden gleichgültig sind, er ist ein weitsichtiger Unternehmer. Sein Motiv ist sicher – neben seiner himmlischen Gesinnung (s. Punkt 1) – sein geschärftes Gewissen. Das Land, das Lot sich aussucht, ist zwar aus agrarökonomischer Sicht ideal, aber es hat einen Nachteil: Es liegt im Umkreis der Städte der Ebene und damit nahe bei Sodom, wo „sehr böse und große Sünder vor dem Herrn“ sind (s. 1. Mo 13,12.13). Abram erkennt die damit verbundene Gefahr: das Zusammenleben mit den Menschen Kanaans. Wir wissen heute, dass Lot in dieser Gefahr fast umgekommen wäre. Abram geht ihr durch Verzicht aus dem Weg.
Verzicht bedeutet Verlust von materiellen Vorteilen, Ansehen und Selbstverwirklichung. Doch Verzicht kann helfen, Gefahren zu vermeiden. Gefahren, die auftreten, wenn wir uns auf unser irdisches Leben fokussieren, mit der Welt kooperieren und dabei ihre Grundsätze übernehmen. Es geht nicht darum, keinen Kontakt mit Ungläubigen zu haben. Der Herr Jesus hat sich als Mensch sehr viel mit Ungläubigen beschäftigt und uns vorgelebt, wie wir mit ihnen umgehen und ein Zeugnis für sie sein können. Die Frage jedoch ist: Nehmen wir in Kauf, für Erfolg, Wohlstand und Ansehen mit der Welt an einem Strang zu ziehen und dabei unseren Fremdlingscharakter, unsere Beziehung zum Herrn und den Blick für das himmlische Ziel aufs Spiel zu setzen? Oder sind wir – um diesen geistlichen Verlust zu vermeiden – bereit, auf diese Dinge zu verzichten?
„Und es geschah zu jener Zeit, da sprach Abimelech und Pikol, sein Heeroberster, zu Abraham und sagte: Gott ist mit dir in allem, was du tust. So schwöre mir nun hier bei Gott, dass du weder an mir noch an meinem Sohn noch an meinem Enkel trügerisch handeln wirst!“
Jahre später bekommt Abraham Besuch, der Philisterkönig Abimelech und sein Heeroberster haben ein Anliegen. Egoismus, Unfairness und Unredlichkeit waren schon damals unschöne Methoden der Mächtigen dieser Welt und vermutlich fürchtet Abimelech, dass Abraham genauso agieren wird; das will er durch einen Vertrag (einen Schwur) verhindern. Interessant ist dabei, welches Urteil er über Abraham hat: „Gott ist mit dir in allem, was du tust.“ Ihm ist aufgefallen, dass Abraham sich anders verhält als die Menschen in seinem Umfeld. Er hat realisiert, dass der erhabene Schöpfergott (Elohim) mit Abraham ist und Abraham mit diesem Gott lebt und Ihm alles verdankt. Das macht ihn vertrauenswürdig, so dass er freimütig mit seinem Anliegen zu ihm kommt. Sein Vertrauen wird belohnt, denn Abraham gibt ihm die verlässliche Zusage, ihn nicht zu betrügen. Später, als Abimelechs Knechte Abraham einen Brunnen rauben, stellt Abraham sein Wort und sein gutes Zeugnis durch Aufrichtigkeit und Langmut unter Beweis.
Ein gutes Zeugnis zu sein bedeutet, authentisch sein Bekenntnis zu leben. Christen machen sich unglaubwürdig, wenn sie nach den Maßstäben der Welt leben oder sich deren Tugenden zu eigen machen. Es passt nicht, wenn wir unseren materiellen Besitz – den wir Gott verdanken – extravagant zur Schau stellen und mit dem prahlen, was wir erreicht haben. Wir sind aber ein gutes Zeugnis, wenn man an uns sieht, dass wir im Arbeitsleben unserem Herrn Christus dienen (s. Kol 3,24), nicht auf Materielles vertrauen (sondern es freigebig zum Guten nutzen, s. 1. Tim 6,17.18) und uns untadelig und lauter als unbescholtene Kinder Gottes verhalten (s. Phil 2,15).
Abraham berücksichtigte diese „Rezeptzutaten“ in seinem Leben. Er priorisierte die Gemeinschaft mit Gott höher als die Gemeinschaft mit der Welt. Er nahm materiellen Verzicht in Kauf, um nicht in den Einflussbereich der Welt zu geraten und sein redliches Verhalten in der Welt war ein Zeugnis für Gott. Nein, Abraham war wirklich „kein Mann von Welt“. Auch wenn er recht „erfolgreich“ in ihr lebte, war er nicht von ihr (s. Joh 17,11.16). Wenn wir uns an ihm orientieren, bereichert das unser Glaubensleben und unseren Dienst für den Herrn und wir können als Christen in dieser Welt bestehen und leuchten. Als Familienväter fördern wir dadurch das Miteinander in der Familie und das geistliche Wachstum unserer Kinder, denen wir dann ein gutes Vorbild sind.
Henning Panthel

„Seid fruchtbar und mehrt euch“, gab Gott Adam und Eva mit auf den Weg, als Er ihnen die Ehe schenkte (s. 1. Mo 1,28). Wie hoch die daraus erwachsende Erwartungshaltung, Kinder zu bekommen, gerade für christliche Ehepaare sein kann, wurde einem Christen deutlich, als seine Tochter heiratete und er erfuhr, dass seine ungläubigen Arbeitskollegen hinter seinem Rücken eine Wette abgeschlossen hatten, wie lange es wohl dauern würde, bis er Großvater sei. Für sie war klar, dass Christen nach der Hochzeit Kinder bekommen. Bis heute ist es jedoch nicht automatisch so, dass ein Ehepaar Kinder bekommt. Es war und ist so, dass jedes Kind ein Geschenk Gottes ist.
Wer mehr oder weniger lange Zeit warten musste, bis er ein Kind auf dem Arm halten durfte, oder wem Gott keine Kinder geschenkt hat, weiß, wie das die Herzen traurig machen und belasten kann. Er kann aus eigener, oft leidvoller Erfahrung die Worte Salomos bestätigen, der wusste: „Lang hingezogenes Harren macht das Herz krank, aber ein eingetroffener Wunsch ist ein Baum des Lebens“ (Spr 13,12).
Dafür, warum ein (gläubiges) Ehepaar keine Kinder bekommt, gibt es vielfältige Ursachen. Da sind zum einen medizinische Gründe, die bei beiden Ehepartnern liegen können. Es gibt aber auch psycho-soziale Aspekte, die eine Schwangerschaft erschweren, im schlimmsten Fall sogar verhindern, wie etwa der stark ausgeprägte Wunsch, unbedingt ein Kind bekommen zu wollen, weil im Familien- und Bekanntenkreis alle anderen Kinder haben. Auch hier sind Frauen und Männer gleichermaßen betroffen.
Bei den vielfältigen Ursachen, die vonseiten des Menschen gegeben sein können, darf nicht vergessen werden, dass über allem die Vorsehung Gottes steht. Ebenso wie Er es ist, der ein Kind schenkt, geht es nicht unbemerkt an Gott vorbei, wenn ein Ehepaar keine Kinder bekommt. In Gottes Wort finden sich Beispiele von gottesfürchtigen Frauen, denen das so ergangen ist – einigen zumindest über viele, viele Jahre.
Sara war die Erste in dieser Reihe gottesfürchtiger Frauen. „Und Sarai war unfruchtbar, sie hatte kein Kind“ (1. Mo 11,30). Mit diesen einfachen Worten berichtet Gottes Wort ihre Kinderlosigkeit. Dass neben Sara auch Abraham darunter litt, erfahren wir, als er Gott seine Not klagte: „Herr, Herr, was willst du mir geben? Ich gehe ja kinderlos dahin, und der Erbe meines Hauses, das ist Elieser von Damaskus. Und Abram sprach: Siehe, mir hast du keinen Nachkommen gegeben, und siehe, der Sohn meines Hauses wird mich beerben“ (1. Mo 15,2.3). Daraufhin versprach Gott ihm, dass nicht der Sohn eines seiner Knechte sein Erbe würde, sondern Abrahams eigener, leiblicher Sohn. Doch „Sarai, Abrams Frau, gebar ihm nicht“ (1. Mo 16,1). Das wird für dieses gottesfürchtige Ehepaar eine harte Geduldsprobe gewesen sein.
Schließlich ergriff Sara die Initiative. Sie schlug ihrem Mann vor, mit ihrer Magd Hagar ein Kind zu zeugen. „Und Abram hörte auf die Stimme Sarais“ (1. Mo 16,2). Und tatsächlich wurde Hagar schwanger und brachte einen Sohn zur Welt. Eigentlich müssten doch jetzt alle glücklich und zufrieden gewesen sein. Doch das Gegenteil war der Fall. Sara wurde eifersüchtig auf ihre Magd und forderte Abraham auf, sie und den Jungen fortzujagen. Wir können uns vorstellen, dass die Erkenntnis, diejenige zu sein, an der es lag, dass sie kinderlos waren, ihr tief ins Herz geschnitten hat.
Doch damit nicht genug, Ismael und seine Nachfahren sind bis heute eine Quelle vielen Leids für Israel, das irdische Volk Gottes. Dieses Beispiel zeigt eindrücklich, wie weitreichend die Folgen eines eigenwilligen Weges mitunter sein können.
Wer auf eigene Faust nach Lösungen sucht, seiner Kinderlosigkeit Abhilfe zu schaffen, läuft auch heute noch Gefahr, erleben zu müssen, wie anstelle des ersehnten Glücks noch größerer Kummer und Not in seinem Leben Einzug halten.
Ganz anders als sein Vater Abraham ging Isaak mit der Kinderlosigkeit seiner Frau um. Er betete für sie zu Gott, „und der Herr ließ sich von ihm erbitten, und Rebekka, seine Frau, wurde schwanger“ (1. Mo 25,21). Das ist auch heute noch der beste Weg, mit der eigenen empfundenen Not umzugehen.
Wenn Gott auf diese Gebete antwortet und ein Kind (oder auch mehrere) schenkt, bedeutet das jedoch nicht zwangsläufig, dass nun alles problemlos läuft. Die Geschichte der beiden Söhne Isaaks und Rebekkas, Jakob und Esau, zeigt dies nachdrücklich.
Wie gut ist es deshalb, auch die Kindererziehung und die Entwicklung der Kinder im Gebet vor Gott ausbreiten zu dürfen. Ein Wort des Propheten Jesaja hat dabei schon viele Eltern getröstet und ermuntert: „Über das Zukünftige fragt mich; meine Kinder und das Werk meiner Hände lasst mir anbefohlen sein!“ (Jes 45,11).
„Der Herr hatte ihren Mutterleib verschlossen“, heißt es von Hanna in 1. Samuel 1,5. Zu allen Zeiten ist das für Gläubige oft schwer zu verstehen. Warum müssen auch solche, die den Herrn lieben und Ihm mit aufrichtigem Herzen nachfolgen möchten, durch solche Nöte und Erprobungen gehen? Solange wir als Menschen auf der Erde leben, werden wir wahrscheinlich keine abschließende Antwort auf diese Frage finden. Gott ist uns über sein Tun keine Rechenschaft schuldig. Das Beispiel Hannas kann Betroffene aber ermutigen. Denn wer sein Vertrauen wie Hanna auf den Herrn setzt, kann auch heute noch besondere Glaubenserfahrungen mit Ihm machen.
Vor Kummer konnte Hanna weder essen noch trinken, als sie zusammen mit ihrem Mann sowie seiner Nebenfrau Peninna und deren Kindern in Jerusalem war, um Gott zu opfern. Hanna litt dabei nicht nur unter der eigenen Kinderlosigkeit, sondern auch unter den ständigen Kränkungen Peninnas (s. 1. Sam 1,6). Die Versuche Elkanas, mit Hanna zu empfinden, ihr seine Liebe zu zeigen und sie zu trösten, waren ganz sicher ernst und lieb gemeint. Doch waren sie nicht geeignet, seinen eigenen Beitrag zu Hannas Not auszulöschen.
Diesen Trost fand sie, als sie in den Tempel ging und dort ihr Herz im Gebet vor Gott ausschüttete: „Sie war in der Seele verbittert, und sie betete zu dem Herrn und weinte sehr“ (V. 10). Als sie danach den Tempel wieder verließ, hatte sich ihr Gesichtsausdruck wahrnehmbar verändert. „Ihr Angesicht war nicht mehr dasselbe“ (V. 18). Sogar essen konnte sie jetzt wieder.
Nicht jeder, der keine Kinder hat, will auch keine. Hüten wir uns darum vor vorschnellen Urteilen und verletzenden Worten!
Hanna beeindruckt auch dadurch, wie sie trotz aller Not und der Schmerzen im Herzen auf Gott vertraute. Wir lesen nichts davon, dass sie sich gegen Peninna zur Wehr setzte oder Vorwürfe an Elkana richtete. Trotz ihrer Verbitterung lief sie nicht weg oder suchte auf sonstige Weise selbst nach einem Ausweg aus dieser trostlosen Situation. Auch wenn Gottes Wort es nicht ausdrücklich sagt, liegt die Vermutung nahe, dass sie das nur konnte, weil sie nicht nur im Tempel zu Gott flehte, sondern auch zu Hause regelmäßig betete und ihre Not Gott brachte.
Über den Inhalt ihrer Gebete berichtet Gottes Wort nicht viel. Das Wenige, was wir erfahren, ist jedoch sehr aufschlussreich und berührt eine zentrale Frage, die hinter jedem ernsthaften Kinderwunsch steht: Warum will ich eigentlich Kinder haben?
Bei den Menschen um uns her finden sich vielleicht auch solche, die sich dadurch selbst verwirklichen wollen, dass sie Kinder bekommen. Für andere sind Kinder ein Statussymbol, das ihnen gesellschaftliche Anerkennung bringt. Bei Hanna war das anders. Für sie war es ein Zeichen dafür, dass sich der Herr ihrer erbarmte, wenn Er ihr Gebet erhörte und ihr einen Sohn schenkte. Dieses Geschenk wollte sie „dem Herrn geben alle Tage seines Lebens; und kein Schermesser soll auf sein Haupt kommen“ (V. 11).
Hanna war der geistliche Niedergang im Volk Gottes nicht verborgen geblieben. Sie verschloss ihre Augen nicht vor dem gottlosen Treiben der Söhne des Hohenpriesters Eli, Hophni und Pinehas. Darum wollte sie Gott den Sohn, den Er ihr schenken würde, zur Verfügung stellen, damit das Werk des Herrn aufrechterhalten bleiben würde. Gott antwortete auf Hannas Gebet und schenkte ihr Samuel als Sohn. Und Hanna erfüllte ihr Gelübde und brachte Samuel zu Eli in den Tempel, um dort Gott schon zu dienen, als er noch klein war.
Wenn Gott heute anders als damals bei Hanna kein Kind schenkt, müssen wir uns unbedingt vor einem gefährlichen Umkehrschluss hüten: Anhaltende Kinderlosigkeit bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Beweggründe für den Kinderwunsch Gott nicht gefallen haben!
Wenn Gott in seiner Weisheit jemanden (für eine Zeit) auf ein Kind warten lässt, kann derjenige früher oder später auch zu einer Angriffsfläche für den Teufel werden, den großen Widersacher Gottes. Zwei der Lügen, mit denen er Betroffene dann angreift, sollen hier stellvertretend für viele andere genannt werden.
Da ist zum einen die Behauptung, die Kinderlosigkeit sei ein Beweis dafür, dass Gott dich nicht liebt.
Inhaltlich eng damit verbunden ist die zweite Lüge: Weil ich keine Kinder habe, bin ich für Gott weniger wert, weil ich seinem Gedanken nicht gerecht werde, fruchtbar zu sein und mich zu vermehren.
Beiden Angriffen dürfen Gläubige engegenhalten, was der Prophet Jesaja einst dem Volk Israel zusagte: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein“ (Jes 43,1). Und weiter: „Weil du teuer, wertvoll bist in meinen Augen und ich dich lieb habe … Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir“ (Jes 43,4.5). Gott liebt dich, weil Er Liebe ist und du bist wertvoll in seinen Augen, ganz unabhängig von der Zahl deiner Kinder oder deiner guten Werke.
Stefan Busch

Im Folgenden sollen zwei Beispiele aus der Zeit des Volkes Israel belegen, dass auch Kinder sowohl bei freudigen als auch bei traurigen Ereignissen ausdrücklich erwähnt werden. Das darf alle motivieren, die in irgendeiner Art und Weise darum bemüht sind, Kindern das Wort Gottes und die Person des Herrn Jesus wertvoll zu machen. Und damit sind ausdrücklich auch solche gemeint, denen diese Aufgabe auf dem Herzen liegt und die keine eigenen Kinder haben.
Als das Volk Israel aus Ägypten ziehen soll, reagiert der Pharao in den Gesprächen mit Mose nach den Plagen immer wieder mit Kompromissvorschlägen gegenüber den Forderungen Gottes, die Mose ihm mitteilt. So schlägt er vor, dass das Volk nur eine kurze Wegstrecke aus Ägypten weggehen und dann wieder zurückkommen soll (s. 2. Mo 8,24), dass nur die Männer ausziehen sollen (s. 2. Mo 10,11) oder das Vieh in Ägypten zurückbleiben soll (s. 2. Mo 10,24). Aber das entsprach nicht den Gedanken Gottes und Mose präzisiert das sehr deutlich: „Mit unseren Jungen und mit unseren Alten wollen wir ziehen, mit unseren Söhnen und mit unseren Töchtern, mit unserem Kleinvieh und mit unseren Rindern wollen wir ziehen; denn wir haben ein Fest des Herrn“ (2. Mo 10,9).
Dieses Fest ist also für das ganze Volk Israel gedacht, nicht nur für die Erwachsenen, die ein geistliches Verständnis haben. Es ist Gottes ausdrücklicher Wunsch, dass auch die Kinder dieses Ereignis miterleben, damit sie es später ihren Nachkommen weitersagen können (s. 2. Mo 10,2). Niemand ist zu gebrechlich oder schwach, niemand macht zu kleine Schritte, ein weinendes Kind stört nicht: Alle ziehen aus!
Das darf auch uns motivieren, immer alle einzuschließen, wenn wir an das gemeinschaftliche Leben als Gläubige denken. Es gibt zwar auch z. B. spezielle Veranstaltungen für Jung und Alt, aber die Gemeinschaft mit allen sollte immer im Vordergrund stehen.
Die Größe und Allmacht Gottes in der Schöpfung oder die Wunder, die der Herr Jesus während seines Lebens auf der Erde getan hat und vor allem das Erlösungswerk am Kreuz auf Golgatha sind deshalb auch für Kinder von Bedeutung und können von ihnen (zumindest teilweise) verstanden werden.
Sie sehen und lernen darüber hinaus, was für die Erwachsenen wichtig ist im Leben: der Besuch der Zusammenkünfte, die Gemeinschaft mit Gläubigen, das persönliche und gemeinschaftliche Lesen des Wortes Gottes und das Gebet. Und was gibt es Schöneres, als wenn Kinder Lieder zum Lob Gottes und zur Ehre des Herrn Jesus singen? Auch das Volk Israel hat unmittelbar nach dem Durchzug durch das Rote Meer ein Lied der Erlösung zur Ehre des Herrn gesungen (s. 2. Mo 15). Auch wenn es nicht ausdrücklich durch die Bibel belegt ist, können wir davon ausgehen, dass auch die Kinder mitgesungen haben.
Auch bei einem traurigen und ernsten Ereignis im Volk Gottes werden ausdrücklich die Kinder genannt. Einige Zeit, nachdem einige Israeliten aus den Stämmen Juda und Benjamin wieder aus der babylonischen Gefangenschaft in ihr Heimatland zurückkehren, gibt es Grund zur Beschämung für das Volk. Einige hatten nämlich Ehepartner aus den Völkern geheiratet, die Feinde des Volkes Gottes waren. Das wird dem Schriftgelehrten und Priester Esra bewusst und er bekennt diese Sünde in einem Gebet vor Gott (s. Esra 9). Und dann kommt aus Israel eine sehr große Versammlung dazu, um mit Esra über diesen Zustand zu trauern und zu weinen. In diesem Zusammenhang wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass auch Kinder dabei sind (s. Esra 10,1).
Es könnte gefragt werden, was unschuldige Kinder bei dieser Versammlung zu suchen haben. Die Kinder hatten doch keinen Anteil an dieser Sünde. Das stimmt, dennoch ist das ganze Volk betroffen. Und darum gehören sie dazu. Auch die Kinder bekommen so einen Eindruck davon, wie schwerwiegend die Verfehlung derer ist, die sich nichtjüdische Ehepartner genommen hatten. Die Trauer darüber und das Zeugnis über die Unvereinbarkeit mit den Anweisungen Gottes erleben sie persönlich mit. So kann es einen tiefen Eindruck auf sie machen und sie hoffentlich vor einem ähnlichen Versagen schützen.
Vielleicht denkst du jetzt, dass wir unsere Kinder doch vor Schwierigkeiten schützen sollten – und das hat seine Berechtigung. Nicht alles Böse ist im Detail für eine zarte Kinderseele geeignet. Deshalb wollen wir uns auch davor hüten, unsere Kinder unbedacht mit jeder Art des Bösen zu konfrontieren. Gott will uns gerne dabei helfen, altersgerecht mit den Kindern zu sprechen. Bei einer ähnlichen Situation sagt Gottes Wort: „alle, die Verständnis hatten“ (Neh 8,3), bzw.: „alle, die Erkenntnis und Einsicht hatten“ (Neh 10,29). Aber ein trauriger und beschämender Vorfall – wie er leider auch bei gläubigen Christen vorkommen kann – bewirkt bei den Erwachsenen (hoffentlich!) Trauer, Demütigung und Bekenntnis. Das kann auch unsere Kinder beeindrucken, wenn sie eine solche Situation mitbekommen. Vielleicht wird es die Kinder auch dazu führen, sich von Gott bewahren zu lassen, um später als Erwachsene nicht ebenfalls in vergleichbarer Weise zu sündigen.
Schließlich zeigt uns der Herr Jesus, welch große Bedeutung Kinder für Ihn haben. Er sagt ausdrücklich, dass Er sich gerne um die Kinder kümmert und fordert die Jünger auf, die Kinder nicht davon abzuhalten, zu Ihm zu kommen. Diese Aufforderung gilt auch uns heute: „Lasst die Kinder und wehrt ihnen nicht, zu mir zu kommen, denn solcher ist das Reich der Himmel“ (Mt 19,14). Es gibt kaum einen besseren Wunsch, als Kinder zum Herrn Jesus zu bringen – sie gehören nämlich unbedingt dazu. So ist es sein ausdrücklicher Wille.
Marco Steih

Neulich sah ich eine bemerkenswerte Karikatur: Auf einer Parkbank saßen zwei Mütter mit jeweils einem Kind nebeneinander. Die eine Mutter und ihr Kind neben ihr hielten jeweils ein Smartphone in der Hand. Die andere Mutter und ihr Kind hatten jeweils ein Buch in der Hand und lasen darin. Dann sagte die Dame mit dem Smartphone zur lesenden Frau: „Sagen Sie mal, wie schaffen Sie es bloß, dass Ihr Kind tatsächlich ein Buch liest?“ Man könnte zum Schmunzeln geneigt sein, wenn die Aussage der Karikatur nicht gleichermaßen treffend wie ernst wäre. Ein Sprichwort sagt: „Wir brauchen unsere Kinder nicht zu erziehen. Sie machen uns sowieso alles nach.“ Zugegeben, ein provokativer Satz, der so auch nicht uneingeschränkt richtig ist. Aber doch enthält diese Aussage eine Portion Wahrheit – hat doch das Vorbild der Eltern einen massiven Einfluss auf die Entwicklung der Kinder. Und dazu finden wir in der Bibel viele ermutigende, aber auch warnende Beispiele.
Hanna und ihr Mann Elkana lebten am Ende der Richterzeit – einer der dunkelsten Epochen, die es jemals in Israel gab. Sie war geprägt von Individualismus und Relativismus. Ein „jeder tat, was recht war in seinen Augen“ (Ri 21,25) – so wie in unserer Gesellschaft heute. Die von Gott eingesetzten Richter hatten völlig versagt. Der Hohepriester hatte kein klares Urteilsvermögen mehr und machte von seiner Autorität keinen Gebrauch. Die Priester selbst waren nicht mehr Mittler zwischen dem Volk und Gott, sondern kannten den Herrn gar nicht und verhielten sich so, dass das Volk den Gottesdienst verachtete (s. 1. Sam 1,13; 2,12.17.22.29).
Mitten in dieser Zeit lebte die gottesfürchtige Hanna, die eine persönliche Beziehung zu dem lebendigen Gott im Himmel pflegte und sich von Ihm einen Sohn erbat. Und das nicht, um sich selbst zu verwirklichen, sondern um ihn Gott zu weihen (s. 1. Sam 1,11.27.28). Aus dem göttlichen Bericht über ihre Familie geht deutlich hervor, dass sie in dieser Zeit Zuflucht im Gebet bei ihrem Gott suchte. Die ersten beiden Kapitel von 1. Samuel machen ganz klar, dass das Leben Hannas durch zwei wesentliche Dinge gekennzeichnet war: Gebet und Hingabe. Und darin war sie ihrem Sohn Samuel ein echtes Vorbild.
Da wundert es nicht, dass ihr Sohn Samuel durch dieses Verhalten geprägt wurde und später selbst ein Mann des Gebets geworden ist, der sich für das Volk Gottes einsetzte. Sehr häufig berichtet die Bibel auch von ihm, dass er betete. Dabei lesen wir nie, dass er für sich betete. Vielmehr betete und rang er für das Volk Gottes, dem er sein ganzes Leben lang diente. Seine Gebete waren niemals oberflächlich, sondern ein intensives, langes Rufen und Schreien im Vertrauen auf Gott – mitunter sogar die ganze Nacht hindurch (s. 1. Sam 7,8.9; 15,11 u. a.). Das Gebet ist so kennzeichnend für das Leben Samuels, dass Gott ihn an zwei Stellen als eine Referenz des vorzüglichsten Beters nennt (s. Ps 99,6; Jer 15,1).
Während Mose eine herausragende und prominente Persönlichkeit in der Bibel ist, lesen wir von seinem Vater Amram nur äußerst wenig. Und doch gibt es eine Stelle, die einen tiefen Einblick in sein Leben gibt und ein helles Licht auf seine Gottesbeziehung wirft. Als Gott sich dem mittlerweile achtzigjährigen Mose am brennenden Dornbusch in der Wüste vorstellte, sagte Er: „Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs“ (2. Mo 3,6). Hier nennt Gott Moses Vater Amram in einem Atemzug mit den Patriarchen und drückt damit aus, dass Amram eine tiefe Glaubensbeziehung zu Gott gehabt hat. Diese echte, gelebte Beziehung zu Gott war die Kraftquelle für sein mutiges Verhalten zur Zeit der Kindermorde in Ägypten (s. Heb 11,23) und die Richtschnur für die Erziehung seiner Kinder (s. Apg 7,20).
Mose hatte in seinem Vater Amram ein Vorbild, wie ein Mann in Gemeinschaft mit Gott lebt. Und diese Gottesbeziehung prägte das Leben Moses bis ins hohe Alter. Von ihm berichtet die Bibel: „Und der Herr redete mit Mose von Angesicht zu Angesicht, wie ein Mann mit seinem Freund redet“ (2. Mo 33,11). Später sagte Gott: „Nicht so mein Knecht Mose. Er ist treu in meinem ganzen Haus; mit ihm rede ich von Mund zu Mund, und deutlich und nicht in Rätseln, und das Bild des Herrn schaut er“ (4. Mo 12,7.8). Nach seinem Tod berichtet die Bibel: „Und es stand in Israel kein Prophet mehr auf wie Mose, den der Herr gekannt hätte von Angesicht zu Angesicht“ (5. Mo 34,10). Was für eine besondere und enge Beziehung hat Mose mit Gott gehabt! Und sein stiller und im Hintergrund der biblischen Berichterstattung stehender Vater war ihm darin ein gutes Vorbild.
Wenn wir in Hanna eine Mutter und in Amram einen Vater gesehen haben, die jeweils ein gutes Vorbild gewesen sind, dann sehen wir in Amram und Jokebed ein Elternpaar, das ihren Kindern in ihrem Verhalten richtungsweisende Belehrung gab. Als Eltern hatten sie gemeinsam erkannt, dass das Gebot des Pharaos, die männlichen Säuglinge zu töten, gottlos war. Und trotz des massiven Drucks der Ägypter beugten sie sich dem nicht, sondern fürchteten Gott mehr als Menschen. In diesem Glaubensgehorsam und Glaubensmut waren sie ihren Kindern ein leuchtendes Vorbild. Wir lesen in Hebräer 11,23: „… und sie fürchteten das Gebot des Königs nicht.“ Und dann wird von ihrem Sohn Mose später berichtet: „Durch Glauben verließ er Ägypten und fürchtete die Wut des Königs nicht; denn er hielt standhaft aus, als sähe er den Unsichtbaren“ (Heb 11,27). Das elterliche Vorbild trägt viele Jahre später Früchte: Furchtlose Eltern haben einen furchtlosen Sohn. Gläubige Eltern vertrauen auf den lebendigen Gott – ihr Sohn zieht aus, „als sähe er den Unsichtbaren“.
38 lange, harte, entbehrungsreiche Jahre in der Wüste ertrug Kaleb still das göttliche Gericht über den Unglauben seiner Altersgenossen, der damals in Kades-Barnea deutlich geworden war (s. 4. Mo 13). Die ganze Generation der damaligen Erwachsenen war während der Wüstenwanderung verstorben, außer Josua, Mose und ihm selbst. In all den Jahren hatte ihn der feste Glaube an die Zusage Gottes und der tiefe Eindruck von der Schönheit und Fruchtbarkeit des Landes aufrechterhalten. Wie oft wird er voller Vorfreude seinen Kindern davon erzählt haben.
Die Tatsache, dass er immer noch lebte, war ein Beweis der Gültigkeit der göttlichen Zusage. Mittlerweile war er 85 Jahre alt und seit wenigen Jahren in Kanaan. Und dann kam der Moment, auf den er jahrzehntelang im Glauben gewartet hatte: Das Land wurde verteilt. In voller Glaubenskraft trat er vor Josua und erinnerte ihn daran, dass Mose ihm vor nunmehr 45 Jahren das Gebirge und die Stadt Hebron zugesagt hatte. Mit Glaubensenergie forderte er: „Und nun gib mir dieses Gebirge, von dem der Herr an jenem Tag geredet hat“ (Jos 14,12). Hebron – Gemeinschaft mit Gott –, das war Kaleb wichtig. Dafür hatte er Jahrzehnte im Glauben gelebt.
In dieser Glaubensenergie war er der nachfolgenden Generation ein prägendes Vorbild. Als seine Tochter Aksa in die Stadt Debir einzog, die ihr Ehemann Othniel im Glaubensmut zuvor erobert hatte, forderte sie von Kaleb: „Gib mir einen Segen; denn ein Mittagsland hast du mir gegeben, so gib mir auch Wasserquellen!“ (Jos 15,19). Auffallend ist, dass sie dabei nicht nur den gleichen Eifer und die gleiche Wertschätzung für das Land an den Tag legte, sondern sogar die gleichen Worte wie ihr Vater benutzte: „Gib mir“ (vgl. Jos 14,12). Und wie gern wird Kaleb ihr die dazugehörigen Quellen gegeben haben, weil er sich freute, dass seine Kinder die gleiche Wertschätzung für das Land hatten wie er selbst – und vor allem wie Gott.
Wie bei (fast) allen Themen stellt die Bibel auch bei elterlichen Vorbildern nicht nur positive, sondern auch negative Beispiele vor. Eines davon ist Lot. Dabei fielen die Probleme in Lots Familie nicht plötzlich über Nacht vom Himmel – sie waren vielmehr das Ergebnis einer langen Fehlentwicklung, die bei Lot persönlich begann.
Der alttestamentliche Bericht schildert ihn als einen Mitläufer, der im Windschatten seines Onkels Abraham lief: „… und Lot ging mit ihm“ (1. Mo 12,4; s. a. 13,1). Als er dann einmal eine eigene Entscheidung treffen musste, traf er diese nicht aus der Gemeinschaft mit Gott heraus, sondern ließ sich von seinen Augen und menschlichen Beweggründen leiten. Als Schafhirte wählte er als Aufenthaltsort für sich, seine Familie und Herde das fruchtbare Weideland im Jordantal. Dabei nahm er billigend in Kauf, dass ihn dieser Weg in die Nähe der bösen Städte Sodom und Gomorra brachte. Er kam diesen Städten und ihrer gottlosen Gesellschaft immer näher, bis er schließlich als Mitglied des Stadtrates in deren Tor saß (s. 1. Mo 13,11-13; 14,12; 19,1).
So wuchsen seine Kinder mitten in einer gottlosen Umgebung auf, in der ihr Vater mittlerweile bestens integriert war. Dort in Sodom wurde von Sünde offen gesprochen (s. Jes 3,9), genau wie heute in unserer Gesellschaft. Das prägte die Töchter Lots ohne Zweifel in ihrer Jugend.
Dann kam das Gericht Gottes über diese Städte, dem sie beide zusammen mit ihrem Vater Lot nur knapp entgingen. Ihre Männer kamen darin um, weil sie die Warnung ihres Schwiegervaters nicht ernst nahmen. Und ihre Mutter starb auf der Flucht, weil sie dem Gebot der Engel, sich nicht umzudrehen, ungehorsam war. Offensichtlich hing ihr Herz sehr an dieser Stadt.
So fanden sie sich als Flüchtlinge mit ihrem Vater Lot allein im Gebirge wieder. Und dann zeigte sich, wie sehr sie von Sodom und seinen (sexualisierten) Wertmaßstäben geprägt worden waren. Sie wollten unbedingt Nachkommen und Geschlechtsverkehr haben – so wie es ja jeder macht (s. 1. Mo 19,31.32). Aber es gab keinen potentiellen Mann dafür, von einem Ehemann ganz zu schweigen. Der einzige dafür verfügbare Mann war ihrer Einschätzung nach ihr eigener Vater. Deshalb ersonnen sie den bösen Plan, ihren Vater mit Alkohol „abzufüllen“, um anschließend mit ihm intim zu werden. Das passte zu den Gedanken und Handlungen in Sodom, das „machte man so“. Gesagt, getan. Und die Katastrophe nahm ihren Lauf – mit schrecklichen Auswirkungen für das Volk Israel bis heute.
Natürlich sind die Töchter Lots für ihr böses Verhalten selbst verantwortlich. Aber diese Geschichte spricht eine ernste Sprache für uns heute als Eltern, wie sich Liebe zur Welt auf unsere Familien auswirkt. Erschreckenderweise finden wir zwischen den gesellschaftlichen Wertvorstellungen von Sodom und unseren westeuropäischen Ländern auffallende Parallelen. Die Geschichte ist spürbar hochaktuell für uns.
Diese biblischen Begebenheiten liegen weit in der Vergangenheit. Und doch enthalten sie bis heute eine klare Ansprache für uns als Eltern. Was ist uns im Leben wichtig – Kanaan oder Sodom? Vor wem fürchten wir uns mehr: vor dem Fürst dieser Welt oder dem lebendigen Gott? Wie ist unsere Gottesbeziehung – eher „Amram-like“ oder eher „Lot-like“? Damals wie heute spricht das elterliche Vorbild im Leben im Positiven wie im Negativen eine laute Sprache, oft lauter als die gesprochene Belehrung. Ob wir es wollen oder nicht – es hat massive Auswirkungen auf unsere Kinder. Möge bei uns Leben und Wort möglichst übereinstimmend sein. Wir haben denselben Gott und dieselben Kraftquellen wie die Glaubenseltern vor uns: Gemeinschaft mit Gott und Gebet. Darin liegt der Schlüssel zu kraftvollem und authentischem Vorbild.
Matthias Krommweh
Das elterliche Vorbild
Im Leben spricht - im Positiven wie im Negativen - das elterliche Vorbild,
oft lauter, als die gesprochene Belehrung.
Liebe Leser,
alles in der Welt eilt mit zunehmender Geschwindigkeit und Unruhe dem baldigen Kommen des Herrn entgegen. Zunehmend wird deutlich, dass in der Welt nur Macht und Einfluss zählen. Nicht nur der schwelende Nahost-Konflikt oder der immer noch andauernde Ukraine-Krieg, sondern auch ganz aktuelle Dinge wie die Grönland-Debatte verdeutlichen dies. Hat nicht Gott erst vor wenigen Jahren durch die Corona-Pandemie deutlich gemacht, wie macht- und ratlos der Mensch ist, selbst wenn es sich um mikroskopisch kleine Dinge wie dieses Virus handelt? Und wie schnell vergessen wir als Glaubende seine Hilfe in notvollen Zeiten, auch wenn diese noch gar nicht so lange her sind.
In dieser gedrängten und unbeständigen Zeit ist es daher umso wichtiger, den Blick auf die einzige Person zu richten, die „alle Dinge durch das Wort seiner Macht trägt“ (s. Heb 1,3) – unseren Herrn Jesus. Diese Blickrichtung ist der Schwerpunkt der vorliegenden Ausgabe von „Bleibt in mir“. Ausgehend von Abraham, der schon damals in weltlicher Umgebung lebte und dennoch in gesegneter Gemeinschaft mit Gott war, lenken die Artikel in unterschiedlicher Weise den Blick auf Christus.
Mögen wir solche sein, die inmitten der Welt mit Christus erfüllt sind. So wie jener Mann, der in einer großen Bahnhofshalle mitten in der regen Betriebsamkeit der Menschen auf seinen Freund wartete. Die Hektik und den andauernden Lärm schien er nicht wahrzunehmen. Die Menschen strömten an ihm vorbei, hastig den Ausgang oder den nächsten Bahnsteig aufsuchend. Doch er stand geduldig da und wartete. Sein Gesicht war dabei leicht nach oben gewandt, die Augenlider geschlossen. Eine tiefe innere Ruhe strahlte der Blinde so in sein geschäftiges Umfeld aus. Diese Szene beeindruckte seinen Freund sehr, als er am vereinbarten Treffpunkt angekommen war.
Blind für die Welt, aber erwartungsvoll hinschauend auf Jesus (s. Heb 12,2) – unter diesem Eindruck möge das vorliegende Heft zur gesegneten Lektüre dienen und zur Verherrlichung Gottes in unserem Leben beitragen!
Matthias Wölfinger