BleibtInMir

...denn außer mir könnt ihr nichts tun

Zeitschrift für die christliche Familie

Das Leben ist kurz: nutze die Zeit

© shackdesign, fotolia.com
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„Die Tage unserer Jahre – es sind siebzig Jahre, und wenn in Kraft, achtzig Jahre, und ihr Stolz ist Mühsal und Nichtigkeit, denn schnell eilt es vorüber, und wir fliegen dahin.“
(Psalm 90,10)


Es ist Sonntagnachmittag. Nach der Wortverkündigung sitzen wir als Geschwister im Haus eines Bruders noch am Kaffeetisch zusammen. Angeregt unterhalten wir uns über das in der Wortverkündigung Gehörte und denken über unser ewig sicheres Heil und die wunderbare Zukunft nach, die uns erwartet. Wir sind dankbar für die große Gnade – die unverdiente Liebe Gottes.
Dabei erinnern wir uns dar­an, wie kurz die Zeitspamme ist, die noch verbleibt, um dem Herrn Jesus zu leben und zu dienen – als Antwort auf seine Liebe.
Unvermittelt steht die Gast­geberin auf und holt einen Zollstock.
„Nun – was soll denn das?“, den­ken wir als Besucher.
Was sie nun illustriert, macht be­troffen:
Bedächtig klappt sie den Zollstock auf, bis auf eine Länge von 80 cm.
Dann erzählt die Schwester uns in dankbarer Erinne­rung an ihren heim­gegangenen Va­ter, der sie als noch junge Frau er­mahnt hatte, nicht zu vergessen, wie schnell das Leben vorübereilt: „Sieh mal“, hatte er gesagt, „ich bin jetzt 53 Jahre alt“ – dabei zeig­te er auf die Zahl 53 des Zollstocks – „… und wenn es heißt, euer Leben währt 70 Jahre, dann verbleibt mir nur noch die­se kurze Zeitspanne im Vergleich zu den bereits hinter mir liegenden Le­bensjahren!"
Dabei glitt sein Finger weiter über den Zollstock bis zur Zahl 70.
Der Vater ergänzte: „Und wenn es hochkommt – sagt Gottes Wort – dann 80 Jah­re, also nur noch 10 kurze Striche mehr …!“
Die Besucher schauten nachdenk­lich auf den noch vor ihnen liegen­den Zollstock. Einer von ihnen, vierund­sechzigjährig, überlegte:
Nur noch 6 Striche und er fange an, „Überstunden“ zu machen – ein Gedanke, der ihn betroffen machte …
Unsere Gastgeberin ergänzte: „Mein Vater erreichte noch nicht einmal das sechzigs­te Lebensjahr, als der Herr ihn heimholte.“

Wie wichtig ist deshalb das Gebet von Mose, dem Mann Gottes – es ist eine weise Bitte:

„So lehre uns denn zählen unsere Tage, damit wir ein weises Herz er­langen!“
(Psalm 90,12)


In welchem Lebensalter du auch stehst:

Willst du nicht „die im Fleisch noch übrige (kurze) Zeit … dem Willen Gottes leben“?
(1. Petrus 4,2)


Dem Willen Gottes leben, heißt zu fragen:

„Was soll ich tun, Herr?“
(Apostelgeschichte 22,10)


Es wäre ein überaus gesegnetes Leben, dessen Früchte du in der Ewigkeit wiederfinden wirst.
Jeder von uns hat eine „kleine Nische“ in dem „Werk des Herrn“ auszufüllen!
Lasst uns dabei den „Tag kleiner Dinge“ (Sach 4,10) nicht verachten. Und denken wir daran: „Die Zeit ist gedrängt“ (1. Kor 7,29). Sorgfältig wollen wir wandeln, „nicht als Un­weise, sondern als Weise, die die gelegene Zeit auskaufen“ (Eph 5, 15.16).
Der nachstehende Auszug aus ei­nem Gedicht von Walter Gschwind (1908-1996) spornt uns an:

Die Spanne Zeit ist mir vom Herrn gegeben,
um in der Welt mit Eifer Ihm zu leben,
als einer, der am Kreuz mit Ihm gestorben ist.
Wie kurz, wie kurz und wertvoll ist doch diese Frist!

Nein, keinen Tag will ich der Selbstsucht weihen;
denn, so vertan, müsste ich ihn einst bereuen.
Ich frage lieber: Herr, was soll ich heute tun?
und darf dabei in seiner Gnadenfülle ruhn.


Darüber hinaus kann heute der Herr Jesus wiederkommen, um die Verheißung wahrzumachen: „Ich komme wieder und werde euch zu mir nehmen, damit, wo ich bin, auch ihr seiet“ (Joh 14,3).

Friedhelm Müller

Das ist unsere glückselige Hoffnung aber auch das Ende, um mit Eifer Ihm zu leben, der uns geliebt und sich selbst für uns hingegeben hat.
(nach Epheser 5,2; siehe auch Titus 2,13; Gal 2,20)

Loslassen, um Festigkeit zu schenken

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Wenn ein Kind seine ersten Gehversuche unternimmt, halten die Eltern es meistens an der Hand. Zunächst führen sie es an beiden Händen, dann nur noch an einer. Die Eltern wissen dabei auch, dass sie irgendwann loslassen müssen, damit ihr Kind selbstständig laufen lernt.
Auch die geistliche Erziehung unserer Kinder erfordert, dass wir sie zur gegebenen Zeit loslassen. Wenn wir sie immer an der Hand halten, ihnen stets jeden Schritt vorgeben, sie von allem fern halten, von dem wir meinen, dass es schädlich für sie sein könnte, besteht die Gefahr, dass sie nie zu einem Menschen heranwachsen, der aus freien Stücken und eigener innerer Überzeugung Entscheidungen trifft – auch die für den Herrn Jesus und die Nachfolge hinter ihm her.
Das Beispiel Amrams und Jokebeds, der Eltern Moses, liefert uns wichtige Hinweise, wie dieses Loslassen mit Gottes Hilfe auch in unserer Zeit gelingen kann.

Kindererziehung in schweren Zeiten

Es war eine schwere Zeit in Ägypten für das Volk Gottes, als Mose ge­boren wurde. Der Befehl des Pharao war eindeutig: „Jeden Sohn, der ge­boren wird, sollt ihr in den Strom werfen, jede Tochter aber sollt ihr leben lassen“ (2. Mo 1,22).
Das war das sichere Todesurteil für jeden männlichen Säugling. Wir kön­nen uns gut vorstellen, was im Her­zen von Eltern vorging, wenn Gott ihnen einen Sohn schenkte.
Heute lauern auf unsere Kinder andere Gefahren als zur Zeit Moses. Egal, ob wir dabei an nicht mit Got­tes Wort übereinstimmende Unter­richtsinhalte in der Schule denken oder an die Beeinflussung durch Me­dien und Werbung. Der Teufel ver­sucht alles, um sich der Seelen un­serer Kinder zu bemächtigen.

Eine Frage, die sich nicht stellt

Gott hatte Amram und Jokebed be­reits einen Sohn und eine Tochter geschenkt. Wäre es da angesichts des Befehls des Pharaos nicht na­heliegend gewesen, keine Kinder mehr zu bekommen?
Gottes Wort sagt nichts darüber, aber es scheint, als ob die beiden sich diese Frage nicht gestellt ha­ben.
„Siehe, Kinder sind eine Gabe des Herrn.“ So übersetzte Martin Luther den dritten Vers aus Psalm 127. Ob­wohl dieser Psalm erst einige Jahr­hunderte nach der Geburt Moses geschrieben wurde, verwirklichten Amram und Jokebed im Glauben den Gedanken dieses Verses, auch ohne ihn zu kennen. Der Befehl des Pharao hielt sie nicht davon ab, nur auf Gott zu vertrauen und es Ihm zu überlassen, ob Er ihnen weitere Kin­der anvertrauen wollte oder nicht.

Gehorsam und Gottvertrauen

Amram und Jokebed war bewusst, dass sie Mose nicht auf Dauer der Anweisung des Herrschers über Ägypten entziehen konnten. Gleich­zeitig sahen sie aber auch, dass Mose „schön für Gott“ war (Apg 7, 20). Deshalb überließen sie es nicht den Ägyptern, ihren Sohn in den Strom zu werfen, sondern sorgten dafür, dass zwar einerseits das Ge­bot des Königs befolgt wurde, an­dererseits aber ihrem Kind kein Leid zugefügt wurde.
Wie können wir es ihnen im über­tragenen Sinn gleichtun? Im Grunde klingt die Antwort ganz einfach: Indem wir Gott und seinem Wort gehorchen und dabei zugleich auf die Allmacht und Gnade Gottes ver­trauen. Schließlich hat Er uns schon durch den Propheten Jesaja aufge­fordert, unsere Kinder Ihm anzu­befehlen (s. Jes 45,11).
Auch wenn wir diese Antwort viel­leicht auswendig kennen und es un­ser Herzenswunsch ist, dementspre­chend zu handeln, so ist es aber doch oft leichter gesagt als getan.

Nichts überstürzen

Es ist auffällig, dass der biblische Bericht im zweiten Buch Mose im weiteren Verlauf nur noch von dem spricht, was Jokebed tat.
Zunächst einmal verbirgt sie ihren Sohn Mose drei Monate in ihrem Haus. Wenn auch von Amram nicht die Rede ist, dürfen wir doch an­nehmen, dass die Eltern diese Ent­scheidung gemeinsam getroffen ha­ben, dass sie gleich dachten und ge­meinsam handelten (s. Heb 11,23).
Interessant ist in diesem Zusam­menhang auch, dass wir in 2. Mose 1 nichts davon lesen, dass die Jun­gen sofort nach ihrer Geburt in den Nil geworfen werden sollten, auch wenn das wohl die Absicht des Pharao war.
Auf jeden Fall handeln Amram und Jokebed mit viel Bedacht und nicht vorschnell. Ihr Beispiel darf uns an­spornen, es ihnen gleich zu tun.
Wir tun deshalb gut daran, genau zu überlegen und im Gebet vor dem Herrn zu erwägen, ob und in welchem Alter wir unsere Kinder in ihren ersten Lebensjahren einem Fremden anvertrauen oder ob wir sie möglichst lange selbst prägen möchten.
Spätestens ab dem Tag, da die Schulpflicht einsetzt, haben wir die­se Möglichkeit nicht mehr unein­geschränkt[1].

Besonnen und überlegt handeln

Als der Tag gekommen war, dass Mose nicht mehr im Haus verbor­gen werden konnte, nahm Jokebed nicht einfach ihren Sohn und warf ihn in den Nil. Sie fertigte vielmehr ein Kästchen aus Schilfrohr und dichtete es mit Erdharz und Pech ab, sodass es nicht im Wasser un­tergehen konnte. Dort hinein legte sie Mose.
Jokebed setzte dann das Kästchen sorgsam in das Schilf am Ufer des Flusses (s. 2. Mo 2,3).
Hier war das Wasser erstens noch nicht so tief, zweitens floss es langsamer und drittens hielten die Schilfrohre das Kästchen dort fest. Es konnte also nicht ohne weiteres vom geschützten Uferbereich hin­aus auf den ungeschützten Fluss getrieben werden.
Dass unsere Kinder früher oder später unweigerlich mit den Beein­flussungen der Welt konfrontiert werden, können wir nicht verhin­dern. Irgendwann im Leben wird immer der Punkt kommen, wo sie Kontakt mit Ungläubigen haben werden und dann im Glauben fest stehen müssen. Deshalb ist es so wichtig, dass wir sie behutsam und ihrem Alter entsprechend an die Dinge heranführen.

Die Bedeutung des Kästchens

Auch das Kästchen und seine Bau­materialien liefern uns wertvolle Hinweise, wie wir unsere Kinder so erziehen können, dass sie aus eige­nem Herzensentschluss zu über­zeugten Christen heranwachsen.
Die erste Bedeutung dieses Käst­chens verstehen wir in Verbindung mit der Arche Noah. Denn das Wort für „Arche“ im Grundtext der Bibel ist das gleiche Wort wie das für das „Kästchen“ Moses.
So wie die Arche Noahs ein Bild von Christus ist, in dem es Schutz und Geborgenheit in den Gerichtswas­sern gibt, so ist das Kästchen, in das Mose gelegt wurde, ein Hinweis auf den Herrn Jesus selbst, in dem al­lein wir und unsere Kinder Schutz und Bewahrung vor den Einflüssen der Welt finden.
Wir können deshalb nicht früh ge­nug damit beginnen, unseren Kin­dern den Herrn Jesus in ihren Her­zen groß und wertvoll zu machen.

Schilf, Erdharz und Pech von heute

Auch das Zusammenwirken der Bau­materialien ist wichtig. Hätte Joke­bed nur ein Kästchen aus Schilf ge­flochten, ohne es abzudichten, wäre es schnell untergegangen und hät­te Mose keinen Schutz geboten. Ebenso wenig kann man aus Erd­harz und Pech ohne das Schilfge­flecht als Grundlage ein Kästchen bauen.
Darüber hinaus wollen wir eine praktische Anwendung machen. Nehmen wir das Schilf einmal als Hinweis auf die Bedeutung eines intakten Familienlebens für die Er­ziehung unserer Kinder. Ein Zuhause zu kennen und es als einen Raum zu erfahren, in dem sie sich ange­nommen und geborgen wissen, in dem sie immer einen Ansprech­partner für ihre Sorgen und Nöte haben, ist für unsere Kinder ganz wichtig und wird sie in ihrer Ent­wicklung stärken.
Erdharz und Pech wollen wir dann als Hinweise auf das Wort Gottes und das Gebet nehmen. Leben wir unseren Kindern vor, dass es uns wichtig ist, jeden Tag die Bibel zu lesen, um unseren himmlischen Gott und Vater und seinen gelieb­ten Sohn, unseren Herrn Jesus Chris­tus, immer besser kennenzu­lernen.
Damit einhergehen muss, dass un­sere Kinder es bei uns als etwas Selbstverständliches erleben, alles im Gebet vor den Herrn zu bringen.
Der positiven Wirkung unseres Vor­bilds können wir uns sicher sein.
Zugleich lasst uns mit unseren Ge­beten eine Mauer um unsere Kin­der bauen und uns fest auf die Zusagen des Wortes Gottes stützen, die es uns mit Blick auf unsere Kin­der und ihre Erziehung schenkt. Auch daran wollen wir uns durch Schilf, Erdharz und Pech im über­tragenen Sinn erinnern lassen.

Die von Gott geschenkte Zeit nutzen

Nachdem die Tochter des Pharao Mose aus dem Wasser gezogen hatte, schenkte Gott Jokebed ihren Sohn noch einmal für die Zeit bis zur Entwöhnung – das bedeutet, bis zu dem Zeitpunkt, als Mose nicht mehr von seiner Mutter gestillt wurde.
Wann das genau war, ob mit drei, vier oder vielleicht fünf Jahren, wissen wir nicht. Es ist aber klar, dass Jokebed nicht viel Zeit blieb. Offensichtlich hat sie diese Zeit mit Gottes Hilfe gut genutzt, denn wir lesen in Hebräer 11: „Durch Glau­ben weigerte sich Mose, als er groß geworden war, ein Sohn der Toch­ter des Pharaos zu heißen, und wählte lieber, mit dem Volk Gottes Ungemach zu leiden, als den zeitli­chen Genuss der Sünde zu haben, indem er die Schmach des Christus für größeren Reichtum hielt als die Schätze Ägyptens; denn er schaute auf die Belohnung“ (V. 24-26).
Seine Eltern hatten Mose, so gut sie es konnten, auf die Zeit vorbe­reitet, in der sie ihn loslassen und dem Einfluss des Königshofes in Ägypten überlassen mussten. Die Gottesfurcht und Liebe, die Mose in der verhältnismäßig kurzen Zeit im Elternhaus ins Herz gepflanzt worden waren, wurden auch durch seine intensive und umfangreiche Ausbildung am Hof des Pharao nicht erstickt (s. Apg 7,22ff).

Eine feste Zusage Gottes

In Sprüche 22,6 fordert Gott uns auf, „den Knaben seinem Weg entsprechend“ zu erziehen. Das ist un­sere Verantwortung als Eltern, der wir nachkommen müssen. Tun wir es, dürfen wir wissen, dass unsere Bemühungen nicht vergeblich sein werden. Denn Gott schließt an die­se Aufforderung die Zusage an, dass „er nicht davon weichen wird, auch wenn er alt wird.“
Darum lasst uns nicht müde wer­den, dem Vorbild der Eltern Moses nachzueifern.

Stefan Busch


Fußnoten:

  1. In Deutschland ist die Schulpflicht gesetzlich ver­ankert. Anders als zum Beispiel in der Schweiz, Norwegen oder den USA ist es in unserem Land nicht erlaubt, die Kinder zuhause zu unterrichten. Die Kinder nicht zur Schule gehen zu lassen, ist also keine Möglichkeit, sie vor unbiblischen Ein­flüssen zu schützen. Es stände im Widerspruch zur Aufforderung Gottes, dass wir als Christen der Ob­rigkeit untertan sein sollen (s. Röm 13,1).

Eine relativ unbekannte Familienchronik (Teil 1)

Das Haus Schaphans

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Schaphan? Wer ist Schaphan? Er ist kein so bekannter Mann wie Abraham oder David, dennoch kommt der Name 24-mal in der Bibel vor und immer ist dieselbe Person gemeint. Wir lesen im Alten Testament nicht nur von ihm, sondern auch von vier Söhnen und zwei Enkelkindern Schaphans.
Manche Familiengeschichte in der Bibel wird an einem Stück beschrieben, wie z. B. die Geschichte der Patriarchen im 1. Buch Mose. Die ausführlichste Familienchronik in der Heiligen Schrift ist die des Hauses Davids. Der Bericht über die Familie Schaphans dagegen umfasst nur drei Generationen und ist über vier Bibelbücher verstreut zu finden. Dennoch ist diese Familiengeschichte interessant und lehrreich.

Hier zunächst ein kurzer tabellarischer Überblick über die Familienchronik Schaphans:

Schaphan
2. Kön 22,3-20; 2. Chr 34,8-28
Achikam
2. Kön 22,12-20;
2. Chr 34,20-28;
Jer 36,34
Elasa
Jer 29,1 ff.
Gemarja
Jer 36,10-26
Jaasanja
Hes 8,7-12
Gedalja
2. Kön 25, 22-26;
Jer 39,11-14;
Jer 40,5-41,18;
Jer 43,4-7
Mikaja
Jer 36,11-13


Schaphan
(2. Kön 22,3-20; 2. Chr 34,8-28)

Schaphans Herkunft und be­rufliche Stellung

Wir fragten, wer Schaphan ist: Er ist der Schreiber Josias, des letzten gottesfürchtigen Königs des Hauses David (s. 2. Kö 22,3). Schreiber ge­hörten zur Oberschicht oder stamm­ten daraus, da die Ausbildung auf­wändig war und Schreiber vor allem für staatliche Aufgaben benötigt wur­den, wie zum Beispiel für Steuerlis­ten. Königliche Schreiber hatten eine Vertrauensposition inne, weil sie oft vertrauliche Nachrichten wie­dergaben.
Schaphan ist ein treuer Mann und genießt das besondere Vertrauen seines Königs. Dieser beauftragt ihn, für die Geldangelegenheiten be­züglich der Ausbesserungsarbeiten am Tempel Sorge zu tragen. Diese Aufgabe gehört sicher nicht zur ei­gentlichen Tätigkeit eines Schreibers. Möchten auch wir treue Knechte unseres Herrn sein, die – wenn sie wohl gedient haben – eine schöne Stufe und viel Freimütigkeit im Herrn erwerben (s. 1.Tim 3,13).

Ein wegweisender Fund

Bei den Aufräumarbeiten im Tempel sind die Thorarollen (die 5 Bücher Mose) gefunden worden. Die Ori­ginalschrift war einst auf Anord­nung Moses neben die Lade gelegt worden. Ob es diese war oder eine Abschrift, wissen wir nicht, aber wenn sie gefunden wurde, war sie vorher unbeachtet geblieben.
Heute hat in unserem Land wohl jeder Christ eine Bibel zu Hause, aber lesen wir auch täglich darin?
Der Hohepriester übergibt nun das Gesetz dem Schreiber, damit dieser es dem König bringe. Ob er es wohl selbst vorher gelesen hatte? Die Bibel sagt nichts dazu.
Aber Schaphan liest darin, bevor er das Buch dem König bringt. Wie zeigt das sein Interesse am Wort Gottes. Er muss zügig lesen, denn der Hohepriester könnte bei einer Begegnung mit dem König fragen, ob Schaphan ihm das Buch ge­bracht habe.
Zu gewissen Zeiten, z. B. im Urlaub, haben wir mehr Zeit, uns mit dem Wort Gottes zu beschäftigen. Lassen wir diese Gelegenheiten nicht un­genutzt vorübergehen!
Dann bringt Schaphan das Buch dem König. Der lässt es sich von seinem Schreiber vorlesen, der es damit zum zweiten Mal liest. Hier können wir an ein einfaches Prinzip denken: Man kann nur das weiter­geben, was man sich zuvor selbst angeeignet hat.

Eine bemerkenswerte Reaktion

Die Reaktion des Königs ist erstaun­lich: Tief getroffen von dem Wort Gottes zerreißt er seine Kleider. In seiner Gottesfurcht hatte er schon die Götzenbilder im Land entfer­nen lassen und war dabei, den Tempel wieder nutzbar zu machen. Aber bis dahin kannte er das Wort Gottes nicht genau und nun war es ihm vorgelesen worden.
Eigentlich hätte er eine Abschrift der Bücher Mose besitzen sollen (s. 5. Mo 17,18-20), aber seine Vor­gänger hatten sie wohl nicht anfer­tigen lassen und er konnte es bisher nicht tun. Nun aber sieht er, wie weit das Volk trotz all seiner bishe­rigen Bemühungen vom Wort Got­tes abgewichen ist, und ist bestürzt.
Ruft das Wort Gottes auch bei uns noch innere Beschämung hervor, wenn es uns unser Zukurzkommen vorstellt?

Achikam
(2. Kön 22,12-20; 2. Chr 34,20-28; Jer 26,24)

Vater und Sohn gemeinsam auf dem Weg

Der König steht unter dem Eindruck, dass Gott diese Missachtung seines Wortes nur mit Gericht beantwor­ten kann. Er schickt einige Männer zur Prophetin Hulda. Neben Scha­phan ist auch dessen Sohn Achikam unter den Gesandten. Vater und Sohn gehen also zusammen mit anderen zur Prophetin Hulda.
Machen wir eine Anwendung auf unsere Zeit: Welch eine Gnade ist es, wenn eine Familie gemeinsam die Zusammenkünfte besucht, und dies auch noch tut, wenn die Kin­der schon erwachsen geworden sind. Gehen wir auch in die Zusam­menkünfte mit der Bitte, dass der Herr direkt zu unseren Herzen re­den möge?
Heute gibt es zwar keine Prophe­ten mehr, denn sie gehören zu den Gaben, die Gott am Anfang gege­ben hat, um die Grundlage zu legen (s. Eph 2,20). Aber prophetischen Dienst in Form von Weissagung gibt es auch heute noch.
Weissagung ist das direkte Reden Gottes zu den Herzen und Gewissen der Zuhörer. Wie nötig ist dieser Dienst und wie sollten wir ihn schätzen und auch dafür beten, dass er geschieht (s. 1. Kor 14,1).

Gegenseitige Wertschätzung

Bei der Aufzählung der Namen der Gesandten wird Achikam sogar vor seinem Vater Schaphan erwähnt. Ob Schaphan sich darüber gefreut hat oder ob er neidisch war, wis­sen wir nicht. Aber wir wollen uns ein­mal die Frage stellen: Wenn wir Söhne haben, die Gott vielleicht mehr gebraucht als uns Väter, kön­nen wir das neidlos anerkennen?
Neben dem Parallelbericht im Buch der Chronika lesen wir noch etwas von Achikam im Propheten Jeremia: Der böse König Jojakim hatte Urija, der wie Jeremia gegen Jerusalem und das Land geweissagt hatte, er­mordet. Jeremia drohte dasselbe Schicksal, aber Achikam hält seine Hand über ihn. Er setzt sich für den Propheten Gottes ein.
Bisher sahen wir das Interesse von Schaphan und seinem Sohn Achikam am Wort Gottes, aber nun sehen wir auch, wie Achikam sich für den großen Propheten jener Tage ein­setzt. Wir werden noch sehen, dass auch andere Kinder und Enkelkin­der Schaphans sehr mit Jeremia ver­bunden waren. Die Anerken­nung des Propheten war in dieser Familie sehr groß.
Wie steht es um unsere Wert­schätzung der Diener des Herrn? Keiner von ihnen ist fehlerfrei. Den­ken wir deswegen geringschätzig von ihnen? Sprechen wir in der Fa­milie oder mit Glaubensgeschwis­tern negativ über sie? Das alles sollten wir nicht tun. Lasst uns viel­mehr dankbar für diese Gaben sein und für sie beten. Und wenn schlecht über sie geredet wird, dann wollen wir nicht in diese Worte einstimmen, sondern für die Die­ner eintreten.
Schaphan und sein Sohn Achikam sind nachahmenswerte Vorbilder in der Wertschätzung des Wortes Gottes und dessen Verkündiger.

Horst Zielfeld

Freundschaften

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Gute Freundschaften haben einen hohen Wert. Wir finden in Gottes Wort einige Beispiele, die das bestätigen. Beim Überdenken einiger dieser Bibelstellen werden wir wichtige und hilfreiche Hinweise und Anregungen für uns und unsere Freundschaften entdecken. Dazu gehören auch Denkanstöße, wie wir unseren Kindern durch Kontakte, die wir ihnen ermöglichen, dabei behilflich sein können, schon in jungen Jahren solche Freundschaften zu knüpfen.
Da wir Menschen manchmal dazu neigen, unnüchtern zu werden, gibt es aber auch Gefahren, die dadurch entstehen können, dass wir einer Freundschaft einen Stellenwert geben, der ihr nicht zukommt. Sei es, dass wir unsere Glaubensgeschwister vernachlässigen, weil wir unsere Freundschaften zu sehr pflegen, oder dass wir Kompromisse in der Nachfolge hinter dem Herrn Jesus her eingehen, weil wir einen (vermeintlich) guten Freund nicht verlieren möchten. Vielleicht stehen wir auch in der Gefahr, mehr auf die Freunde als auf Gottes Stimme in seinem Wort zu hören. Diese Gefahren sollen uns aber nicht daran hindern, die uns von Gott geschenkten Freundschaften dankbar aus seiner Hand anzunehmen und zu pflegen.

Der Wert einer guten Freundschaft

Das bekannte Beispiel von David und Jonathan lässt uns den Wert einer guten Freundschaft erkennen. Jonathan war bereit, alles für David zu geben. Er setzte sogar sein eige­nes Leben aufs Spiel, als er seinen Freund David vor seinem eigenen Vater Saul verteidigte.
Diese beiden Freunde verstanden sich sehr gut. Sie haben einen gu­ten Austausch gepflegt (s. 1. Sam 20,11). Bei einer Gelegenheit ver­standen sie sich ohne Worte, als Jonathan durch das vereinbarte Zei­chen mit dem Bogen eine Botschaft übermittelte (s. 1. Sam 20,39). Sie haben miteinander geweint (s. 1.Sam 21,41) und sie haben sich die Hän­de gestärkt in Gott (s. 1.Sam 23,1 6).
Als David in Ziklag war, hatte er keinen Freund an seiner Seite. Da stärkte er sich in seinem Gott (s. 1. Sam 30,6). Wie gut, dass er eine persönliche Beziehung zu Gott hat­te und nicht auf den Freund ange­wiesen war.
Aber wie viel hat ihm dennoch die Freundschaft mit Jonathan bedeu­tet! Sein Klagelied nach dem Tod Jonathans (s. 2. Sam 1,26) und die Güte, die er um Jonathans willen an dessen Sohn Mephiboseth er­wies (s. 2. Sam 9,1), machen das deutlich.

Was gute Freunde verbindet

Die freundschaftliche Liebe und Verbindung zwischen diesen beiden Männern bestand darin, dass sie beide eine tiefe Liebe zu Gott und dem Volk Gottes hatten. Sie kämpf­ten beide gegen die Philister und freuten sich über die Siege, die Gott zur Befreiung seines Volkes schenk­te. Sie hatten beide den Plan Got­tes für die Zukunft des Königtums in Israel vor Augen und lebten dafür.
Das war die Grundlage ihrer Freund­schaft, die leider auch Grenzen hat­te. Jonathan folgte David nicht in seiner Verwerfung und konnte dann auch nicht die Herrschaft mit David genießen. Aber das ist nicht das Thema dieses Artikels.
Wir halten fest: Eine gute und trag­fähige Freundschaft gründet sich auf die gemeinsame Liebe zu Gott und zu seinem Volk. Sie zeigt sich in einer gegenseitigen Unterstüt­zung und Hilfe. Und vor allem liegt ihr Wert darin, dass sich Freunde ge­genseitig in Gott stärken.

Die Beständigkeit einer guten Freundschaft

In Sprüche 17,17 lernen wir, dass ein guter Freund zu aller Zeit liebt und gerade in einer schwierigen Si­tuation besser hilft als ein leiblicher Bruder. Und in Sprüche 18,24 wird deutlich, dass ein solcher Freund, der von Herzen liebt und anhängli­cher als ein leiblicher Bruder ist, nicht so oft gefunden wird.
Viele Freundschaften sind nur ober­flächlich. In Notzeiten haben sie kei­nen Bestand. Aber ein wirklicher Freund ist gerade in den Schwie­rigkeiten zur Stelle und zur Hilfe! Bin ich ein solcher Freund, auf den zu jeder Zeit Verlass ist?

Gefahren in einer Freundschaft

Auch in einer Freundschaft kann es vorkommen, dass es eine gegen­seitige schlechte Beeinflussung gibt (s. 5. Mo 13,7). Besonders dann ist es unbedingt nötig, den Herrn mehr zu lieben als den Freund und Ent­schiedenheit im Gehorsam aus Lie­be zu Gott vor die Anhänglichkeit an den Freund zu stellen.
Wenn es ein echter und guter Freund ist, wird die Freundschaft da­durch nicht leiden, sondern im Ge­genteil gestärkt werden. Und wenn die Freundschaft dadurch ausein­andergeht, dann war es keine gute und nützliche Freundschaft.
Auch wenn das nicht so einfach zu verarbeiten ist, können wir dank­bar dafür sein, dass sich durch die­se Situation geklärt hat, wer ein guter und wer ein schlechter Freund ist.
Der Herr Jesus wird den Gehorsam belohnen und neue gute Beziehun­gen schenken! Er hat ja selbst ge­sagt, dass man niemanden mehr lieben soll als Ihn, wenn man ein guter Jün­ger sein will (s. z. B. Mt 10,37).

Falsche Freundschaften

Gottes Wort warnt auch vor falschen Freundschaften – und das nicht ohne Grund. Jakobus schreibt, dass die Freundschaft der Welt Feindschaft ist gegen Gott. Und wer ein Freund der Welt sein will, der stellt sich äußerlich als ein Feind Gottes dar (s. Jak 4,4).
In einer Zeit, in der die Welt sich häufig freundlich und freundschaft­lich zeigt, hat dieser Vers eine be­sondere Bedeutung. Oft verlieren wir aus dem Auge, dass die Welt und Christus gar nichts miteinander gemeinsam haben!
Im Gegenteil – der Fürst der Welt ist Satan und er wird alles daran setzen, Christus und den Glauben­den zu schaden. Er kennt die An­knüpfungspunkte in unserem Leben, an denen er uns packen kann.
Die Geschichte Bileams ist ein Bei­spiel dafür. Er war nicht in der Lage, das Volk zu verfluchen. Gott selbst verwandelte den Segen in Fluch und das Volk wurde bewahrt. Doch dann kam er mit Verführung zu dem Volk und schnell gingen sie eine Verbin­dung zu den Moabitern ein, fielen in Götzendienst und in Hurerei (s. 4. Mo 25,1.2 und 31,16).
Diese warnenden Bibelstellen spor­nen uns zu neuer und vermehrter Wachsamkeit auch im Blick auf un­sere Verbindungen und Freund­schaften an.

Die Grundlage einer guten Freundschaft

Am Beispiel von David und Jona­than haben wir gesehen, dass die Liebe zu Gott und seinem Volk die Grundlage für ihre Freundschaft war. Aber es gibt auch ein ganz entge­gengesetztes Beispiel in der Bibel. Pilatus und Herodes wurden Freun­de an dem Tag, als Herodes den Herr Jesus geringschätzig behan­delte und Pilatus ein ungerech­tes Urteil über Ihn sprach (s. Lk 23,12).
Was ist die Grundlage der Bezie­hungen und Freundschaften, die ich und meine Kinder pflegen? Dass wir jede Verbindung zu solchen Men­schen vermeiden, die in offener Feindschaft gegenüber dem Herrn Jesus leben, ist uns wohl klar.
Doch das ist nicht genug. Wir müs­sen uns bewusst sein, dass keine Beziehung, in der wir nicht durch die Liebe zu dem Herrn Jesus verbun­den sind, nützlich für das Glau­bensleben sein kann.
Letztlich wird uns jede Verbin­dung, die nicht ihre Grundlage in der Liebe zu Ihm und zu dem Volk Gottes hat, im geistlichen Wachstum behindern. Das müssen wir für uns selbst und im Blick auf unsere Kin­der sehr ernst nehmen, denn ein gesundes geistliches Wachstum ist uns ein großes Anliegen.

Die beste Freundschaft

Bei allem Nachdenken über Freund­schaften vergessen wir nicht die Wor­te des Herrn Jesus selbst in Johan­nes 15,14: „Ihr seid meine Freunde“.
Unsere Herzen werden brennend für Ihn, wenn wir diese Worte hö­ren und weiterlesen, dass Er bereit war, sein Leben für seine Freunde zu geben. Sie werden getröstet, wenn wir in Johannes 11 lesen, dass Er Lazarus seinen Freund nennt und seine ganze göttliche Macht zeigt, um zu helfen.
Unsere Herzen werden aber auch angespornt, uns mehr so zu ver­halten, dass man in unserem Le­ben erkennt, dass wir seine Freun­de sind. Denn Er hat gesagt: „Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch gebiete“ (Joh 15,14).

Praktische Fragen

Übertragen wir diese Hinweise aus der Bibel über Freundschaften auf unser Leben, dann bleiben am Schluss einige praktische Fragen, über die wir neu nachdenken wol­len:

  • Habe ich gute Freundschaften, die mich im Glaubensleben stär­ken und mehr mit dem Herrn Je­sus verbinden?
  • Bin ich ein guter Freund, der auch in Notzeiten da ist, um zu helfen, und der die Hände anderer stärkt in Gott?
  • Ist mein Blick klar für die Gefah­ren von Freundschaften und Ver­bindungen, die nicht förderlich sind für mein geistliches Leben?
    Lebe ich entschieden in Abson­derung von der Welt und achte ich darauf, schlechten Freund­schaften und negativer Beein­flussung aus dem Weg zu gehen?
    Leider kann ein solcher Einfluss auch von Kindern Gottes ausge­hen. Dann ist besondere Weisheit erforderlich, das richtige Verhal­ten zu zeigen und konsequent den Gehorsam Gott gegenüber an die erste Stelle zu setzen.
  • Fördere ich gute Freundschaften meiner Kinder? Bin ich bereit, et­was in diese zu investieren, in­dem ich mein Haus öffne für Gäste der Kinder oder sie unter­stütze, Be­suche bei guten Freun­den zu machen?
  • Bin ich meinen Kindern eine Hilfe, Absonderung von der Welt und Trennung von schlechten Einflüs­sen konsequent auszuleben?
  • Kenne und genieße ich die Liebe des Herrn Jesus und die Gemein­schaft mit Ihm, der mich „Freund“ nennt?

Christian Rosenthal

Einige gute Ratschläge aus der Bibel durch 15 verschiedene „G“

Gottes Wort: „Lest Gottes Wort“ einzeln und gemeinsam. Viele Bibelstellen finden sich hierzu.
(z.B.: Psalm 119; Epheser 6,17; Hebräer 4,12)



Gebet/Fürbitte : „Betet unablässig“, „Das Gebet der Aufrichtigen ist sein Wohlgefallen“, „Betet füreinander“
(Jesaja 53,12; 1.Timotheus 2,1; 1. Thessalonicher 5,17; Kolosser 4,12; Sprüche 15,8; Epheser 6,18; Jakobus 5,16)



Hast du heute schon gedankt? Die größte Kraft des Lebens ist der Dank.

Glaube/glauben/vertrauen: „Dem Glaubenden ist alles möglich“
(Psalm 62; Markus 9,23; Johannes 11,40)



Gnade/gnädig: „Die Gnade unterweist uns“
(Titus 2,11-14; 2. Korinther 12,9; 1. Petrus 5,10; Psalm 114,4)



Güte/gütig: „Die Güte Gottes währt den ganzen Tag“; „Die Frucht des Geistes aber ist: … Güte …“
(Psalm 34,8; Psalm 136; Psalm 2,1b; Galater 5,22)



Geduld/Ausharren: „Die Liebe erduldet alles“
(Jakobus 5,7; Römer 15,4.5; 1. Korinther 13,4-7)



Gerecht/Wahrhaftig: „Die Gnade Gottes unterweist uns … gerecht … zu leben.“
(Philipper 4,8; Titus 2,11-14 )



Gottesfurcht: 3x in den Psalmen; 14x in den Sprüchen

Gottseligkeit/fromm: „Übe dich aber zur Gottseligkeit“; „Strebe aber nach Gottseligkeit“
(1. Timotheus 4,7; 1. Timotheus 6,11)



Geben: Definition von Liebe: „Geben ist seliger als Nehmen“
(Johannes 3,16; Galater 2,20; Apostelgeschichte 20,35)



Gelinde (Milde, Sanftmut): „Die Frucht des Geistes ist: … Sanftmut“
(Gal 5,22; Jak 3,17)



Gehorsam: „Der Gehorsam Christi“; „Gehorsam gegen die Wahrheit“
(2. Korinther 10,5b; 1. Petrus 1,14.22; Römer 6,17)



Gemeinschaft: „Sie verharrten aber in … der Gemeinschaft“; „Damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt“
(Apostelgeschichte 2,42; 1. Johannes 1,3)



Glückseligkeit/glückselig: Kommt 85 x in der Bibel vor, davon 24 x in den Psalmen, 9x in den Sprüchen, 30 x in den Evangelien, 7x in der Offenbarung.

Gemeinsam beten – einige Gedanken zum Gebet in Ehe und Familie

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Den Wert des Gebets können wir wohl kaum zu hoch achten. Wie freut sich Gott, wenn wir zu Ihm reden. Wie oft haben wir es erlebt, dass der Friede Gottes unser Herz und unseren Sinn bewahrt hat, wenn wir gebetet hatten. Manchmal treiben uns die Not und die eigene Hilflosigkeit ins Gebet. Manchmal wird das Beten zum Flehen. Immer hört Gott uns an und Er antwortet auch! Gibt es Probleme in der Ehe, ist die Ursache oft die, dass kein gemeinsames Gebetsleben mehr vorhanden ist. Das sind nur einige Gründe, warum es sich lohnt, noch einmal über das Gebet in der Ehe und in der Familie nachzudenken.

Isaak betet für seine Frau

Zwanzig Jahre bleibt die Ehe von Isaak und Rebekka kinderlos. Das ist eine große Belastung. Doch Isaak macht aus der Not ein Gebet. Es ist interessant, wie die Bibel das Gebet Isaaks zusammenfasst: Er bat den Herrn für seine Frau.
Natürlich war die Unfruchtbarkeit Rebekkas der Grund für das Gebet. Und die Antwort des Herrn, der sich erbitten lässt und Rebekka eine Schwangerschaft schenkt, macht deutlich, dass Isaaks Gebet den Kin­derwunsch zum Inhalt hatte. Den­noch sagt die Bibel, dass Isaak für seine Frau bittet.
Beten wir als Ehemänner für unsere Frauen? Haben wir ein regelmäßi­ges und lebendiges Gebetsleben, in dem auch unsere Frauen und Kin­der ihren Platz haben? Kennen wir auch die inneren Bedürfnisse un­serer Frauen, ihre Wünsche und Sor­gen, um sie zum Gebetsanlie­gen zu machen?
Wie oft sind wir oberflächlich und empfindungslos gegenüber unseren Frauen. Würden wir sie mehr lie­ben, nähren und pflegen (s. Eph 5,29), dann würde unser Gebetsleben si­cher anders aussehen.
Danken wir Gott auch für unsere Frauen! Das beeinflusst unsere Wahr­nehmung und fördert unsere Wert­schätzung für das, was sie jeden Tag leisten. Anerkennen wir die Hilfe, die sie uns geben, und danken wir ihnen und Gott dafür!
Das Gebet Isaaks wurde erhört, auch wenn es eine lange Zeit dau­erte, bis Jakob und Esau geboren wurden. Auch auf unsere Gebete wird Gott zur richtigen Zeit die rich­tige Antwort geben.

Rebekka und Hanna beten

Mit Rebekka und Hanna haben wir zwei Beispiele in der Bibel, in de­nen uns das eigenständige Gebets­leben einer verheirateten Frau ge­zeigt wird. Rebekka hat Mühe im Blick auf ihre noch nicht gebore­nen Kinder und sie geht damit zu Gott. Sie betet und fragt nach sei­ner Antwort. Rasch wird ihr Gebet erhört!
Es sind besonders die Mütter, die mit ihren Kindern fühlen und die manches erkennen, was die Väter noch nicht bemerkt haben. Wie gut, wenn dann der Weg des Gebets ge­gangen wird, um den Herrn zu befra­gen und Ihm die Sache vorzule­gen.
Auch Hanna geht mit der Not ihrer Kinderlosigkeit zu Gott. Ihr Mann bemüht sich um sie, aber es ge­lingt ihm doch nicht, der Trauer und dem Schmerz seiner Frau so zu be­gegnen, dass sie zur Ruhe kommt. Das wird auch in unseren Ehen häu­fig der Fall sein.
Doch Hanna macht ihrem Mann kei­ne Vorwürfe, sondern wendet sich im Gebet an Gott. Wie gut, dass sie diesen Weg kannte und wählte. Wie viel Unheil wäre in Ehen ver­mieden worden, wenn vor jedem anderen Schritt die Zu­flucht zu Gott im Gebet gesucht worden wäre.
Und wie gnädig hat Gott geantwor­tet – unmittelbar, indem Er Hanna wieder Frieden und Freude gab, und mittelbar, indem Er ihr Samuel schenkte.

Manoah und seine Frau

Die Geschichte der Eltern Simsons enthält viele gute Hinweise für un­ser Eheleben – die beiden haben ein vorbildliches Miteinander und sind sich gegenseitig eine Hilfe in ihrem Glaubensleben.
Nachdem der Engel des Herrn der Frau erschienen war, geht sie schnell zu ihrem Mann, um ihm davon zu berichten. Sie möchte dieses Er­lebnis mit ihrem Mann teilen!
Manoah nimmt den Bericht seiner Frau ernst und fleht sofort zu dem Herrn. Dabei bringt Manoah die Anliegen in der „Wir-Form“ vor. Er macht sich eins mit seiner Frau im Gebet und legt Gott Bitten vor, die sie gemeinsam haben.
Dieses Vorbild nehmen wir gerne zum Ansporn für unser Gebetsle­ben als Eheleute. Teilen wir gemeinsa­me Anliegen, tauschen wir uns dar­über aus, bringen wir sie gemein­sam vor Gott und danken wir Gott gemeinsam im Gebet!
Es gibt so viele Gründe zum Dan­ken. Der Austausch darüber und der ge­meinsame Dank Gott gegen­über machen glücklich und froh!

Zeit für das gemeinsame Gebet

Der Hinweis von Paulus in 1. Korin­ther 7,5 macht deutlich, dass es eine gute Sache ist, Freiräume für das Gebet zu schaffen. Das kann auch mit Verzicht verbunden sein. Es kann sogar sein, dass man in der Ehe für eine Zeit die sexuellen Bedürfnisse zurückstellt, um mehr Zeit für das Gebet zu haben. Nur für das Gebet räumt Gottes Wort diese Enthalt­samkeit als Möglichkeit ein. Das macht den Wert des Gebets deut­lich. Aber auch da gilt es, nüchtern zu sein und die natürliche Kraft der Sexualität nicht zu unterschätzen.

Die Kinder dem Herrn anbefehlen

Oft hat Jesaja 45,11 Mut gemacht: „Meine Kinder und das Werk mei­ner Hände lasst mir anbefohlen sein.“ In Verbindung mit dem Gebet lernen wir zwei wichtige Punkte aus diesem Vers:

  • Es ist ein Vorrecht, die Kinder Gott anzubefehlen. Das dürfen wir im Gebet tun.
  • Dann dürfen wir es Gott überlas­sen, zu wirken. Wir dürfen die Kin­der Ihm anbefohlen sein lassen und darin zur Ruhe kommen.

Natürlich entbindet das Gebet uns als Eltern nicht von der Erzie­hungsaufgabe, die Gott uns gege­ben hat. Wir sollen diese Aufgabe mit allem Ernst und aller Energie ausführen. Aber oft spüren wir un­sere Grenzen.
Auch dann dürfen wir zu Gott kom­men, Ihm unsere Kinder bringen und unsere Anliegen bei Ihm las­sen. Wir müssen sie nicht wieder­aufnehmen und darüber besorgt sein. Wir dürfen alles Ihm anbe­fohlen sein lassen.

Gebete können verhindert werden

Wenn wir als Ehepartner unserer Verantwortung in der Ehe nicht nach­kommen, dann kann das eine Ur­sache dafür sein, dass unsere Ge­bete verhindert werden.
Petrus macht das deutlich in Ver­bindung mit der Verantwortung der Männer, mit Respekt und Ehrerbie­tung bei der Frau zu wohnen, ihre Belastbarkeit zu kennen und zu ak­zeptieren und mit Einsicht bei ih­nen zu sein (s. 1. Pet 3,7). Das schließt den Bereich der Sexualität mit ein, ist aber nicht darauf beschränkt!
Unser ganzes „Wohnen“ bei unse­ren Frauen – alleine das Wort „woh­nen“ macht deutlich, dass es ein Mit­einander in Ruhe, Frieden und ge­genseitiger Annahme ist – soll durch Erkenntnis und Einsicht geprägt sein.
Ist das nicht der Fall, dann können die Gebete verhindert werden. Gott muss dann in seinen Regierungs- und Erziehungswegen mit uns han­deln und kann die Gebete nicht er­hören! Das ist ein ernster Aspekt.
Wir wollen als Männer unsere Frau­en von Herzen lieben und als Frau­en den Männern gerne unterge­ordnet sein. Das ist eine Grundlage dafür, dass unsere Gebete erhört werden!

Praktische Gedanken

Wie in vielen anderen Lebensbe­reichen stellen sich auch für das Gebet in der Ehe und Familie man­che praktischen Fragen. In diesen Fragen dürfen jedes Ehepaar und jede Familie in Abhängigkeit von dem Herrn Jesus einen Weg fin­den, wie die Grundsätze des Wortes Gottes ausgelebt werden.
Deshalb sollen am Schluss dieses Artikels einige Fragen genannt wer­den. Sie sollen lediglich Anregun­gen zum Nachdenken sein und kei­ne „Regeln“ vermitteln. Die Antwor­ten wird der Herr Jesus gerne geben, passend zu der jeweiligen Famili­ensituation.

  • Haben wir als Männer „heilige Hände“, um zu beten? Erkennen wir unsere Verantwortung, an „je­dem Ort“ zu beten? Siehe dazu 1. Timotheus 2,8.
  • Ist uns bewusst, dass eine Frau, die hörbar vor anderen betet, sich bedecken soll? Siehe dazu 1. Ko­rinther 11,5.
  • Haben wir in unseren Ehen einen Weg gefunden, auf dem wir das gemeinsame Gebet in echtem Mit­einander und zugleich unter Ein­haltung der Schöpfungsordnung Gottes tun? Der Verfasser dieses Artikels kennt geistliche Ehepaare, die es gewohnt sind, dass bei dem gemeinsamen Gebet beide Ehepartner laut beten. Er kennt ebenso geistliche Ehepaare, die Gebetsanliegen austauschen und im gemeinsamen Gebet spricht nur der Mann diese Anliegen aus.
    Beide Möglichkeiten sind gut und es bleibt dem jeweiligen Ehepaar überlassen, den Weg zu wählen, der ihnen vor dem Herrn richtig erscheint.
  • Binden wir unsere Kinder ein in das Gebet als Familie? Kennen wir überhaupt Gebetszeiten als Fa­milie?
  • Ist das Tischgebet zur Standard­formulierung geworden oder bleibt es lebendig und frisch, auch in den Formulierungen?
  • Beten wir, bevor wir das Haus verlassen, um uns dem Herrn an­zubefehlen? Danken wir nach Be­wahrung bei der Rückkehr?
  • Leben wir praktisch aus, dass wir uns im Gebet sowohl an den Herrn Jesus als auch an Gott, den Vater, wenden dürfen?
"Das inbrünstige Gebet eines Ge­rechten vermag viel."
(Jakobus 5,17)


Christian Rosenthal

Petrus und Johannes – Freunde im gemeinsamen Dienst für ihren Herrn

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Unter den Jüngern des Herrn Jesus werden einige besonders häufig erwähnt. Dazu gehören auch die beiden Jünger Petrus und Johannes.
Obwohl sie unterschiedliche Charaktere hatten, gab der Herr ihnen beiden zusammen mindestens einmal einen konkreten Auftrag. Im Anschluss daran finden wir die beiden häufiger zu zweit. Daraus lässt sich auch für unsere Tage etwas lernen. Im Folgenden soll unter dem Gesichtspunkt „Gemeinsamer Dienst für den Herrn“ darauf eingegangen werden.

Berufung in die Nachfolge

Beide Jünger waren Fischer am See Genezareth. Sowohl Petrus und sein Bruder Andreas als auch die Söhne von Zebedäus (Johannes und Jako­bus) hatten einen Fischereibe­trieb und arbeiteten offen­sicht­lich auch zusammen (s. Lk 5,10). Der Auffor­derung des Herrn Jesus, Ihm nach­zufolgen, kamen alle unmit­telbar nach (s. Mk 1,16-20).
Allgemein vermutet man, dass Pe­trus der älteste der Jünger war. Er nahm häufig die Sprecher­rolle ein und wird auch einmal als „der Ers­te“ bezeichnet (Mt 10,2). Das kann sich kaum auf die zeitliche Reihen­folge der Berufung bezie­hen, denn sein Bruder Andreas hatte ihn erstmalig zum Herrn geführt (s. Joh 1,40-42). Eher ist wohl seine Positi­on innerhalb der Jüngerschaft ge­meint.
Johannes hingegen war scheinbar einer der jüngeren (vielleicht sogar der jüngste) Nachfolger unter den zwölf Jüngern. Er suchte in beson­derer Weise die direkte Nähe zum Herrn Jesus und erfreu­te sich seiner Liebe zu ihm, wie er es mehr­fach in seinem Evangelium er­wähnt (z.B. Joh 13,23). Er war ver­mutlich zu­rückhaltender und von ruhigerer Art als sein Freund Pe­trus, obwohl der Herr Jesus ihn und seinen Bru­der Jakobus auch einmal als „Söhnedes Donners“ bezeich­nete (Mk 3,17).
Trotz dieser Unterschiede waren die­se beiden Jünger auch enge Freun­de. Als Freunde waren sie gemeinsam Nachfolger des Herrn Jesus. Wo suchen wir unsere Freun­de und was verbindet uns als Freunde?

Ein gemeinsamer Auftrag (Lk 22,8-13)

Kurz bevor der Herr Jesus letztma­lig mit seinen Jüngern vor seinem Tod zusammen war, gab Er Petrus und Johannes den Auftrag, das Passahmahl im Obersaal in Jerusa­lem vorzubereiten (s. Lk 22,8). Die beiden führten den Auftrag unmit­telbar gemeinsam aus. Wir lernen daraus zwei wichtige Dinge:

  • Beide hatten einen klaren Auf­trag von ihrem Herrn erhalten. Nicht nur einer hatte den Auftrag er­halten und forderte dann sei­nen Freund auf, ihm zu helfen, oder dieser bot sich ihm an, zu helfen. Nein, der Herr Jesus hatte gerade für diese beiden Jünger gemein­sam eine Aufgabe.
  • Beide Jünger waren unmittelbar gehorsam. Es war ihnen auch klar, was sie tun sollten. Viel­leicht war es keine besonders „anspruchs­volle“ Aufgabe, ein Passahfest vor­zubereiten; es war eher die Auf­gabe eines Dieners. Aber wir lesen nichts davon, dass Petrus und Johannes versuchten, diese Auf­gabe an andere zu „delegie­ren“, und auch nichts davon, dass sie um weitere praktische Unterstüt­zung baten.

Erkennen der „Stärken“ des anderen (Joh 13,22-25)

Als der Herr Jesus dann seinen Jüngern mitteilte, dass einer von ih­nen Ihn überliefern würde, er­kannte Petrus, dass Johannes der Geeig­netere war, nähere Informa­tionen beim Herrn zu bekommen. Petrus war sicher nicht schüchtern und sonst um kein Wort verlegen, doch er bat Johannes, den Herrn Jesus zu fragen (s. Joh 13,24).
Die Atmosphäre im Obersaal wird durch die Erschütterung des Herrn Jesus über die Tatsache, dass einer seiner Jünger Ihn überliefern würde, entsprechend ernst gewesen sein. Petrus wagte wohl nicht, mit lauter Stimme die Frage „quer über den Tisch“ zu stellen; das hätte in der Situation störend wirken können.
Aber die beiden Freunde hatten of­fensichtlich Blickkontakt und Jo­han­nes verstand die Handbewe­gung des Petrus auch unmittelbar. Durch sei­ne räumliche und wohl auch innere Nähe zum Herrn war er die geeig­netere Person, diese Frage an den Herrn Jesus zu rich­ten.
Gute Freunde verstehen sich „blind“ und erkennen, ob und wann der andere besser „positioniert“ ist für eine spezifische Aufgabe. Man er­kennt die Stärken des anderen neid­los an und versucht auch nicht, ge­nauso zu sein wie der andere. Pe­trus hatte nicht etwas getan, wozu Johannes besser geeignet war, und Johannes hatte nicht ein­fach zu Pe­trus gesagt: „Frag doch selber, wenn du es wissen willst!“, son­dern er er­kannte, dass es an ihm war, die Frage zu stellen.

Am gleichen Ort, aber mit un­terschiedlichen Folgen (Joh 18,15-18; 25-27)

Der Herr Jesus hatte Petrus klar und deutlich angekündigt, dass er Ihn verleugnen würde (s. Joh 13,38). Trotz dieser klaren Ansage ging Pe­trus gemeinsam mit seinem Freund Johannes in den Hof des Hohen­priesters. Johannes kam aufgrund seiner Bekanntschaft mit dem Ho­henpriester in den Hof hinein (s. Joh 18,15). Es war menschlich na­he­liegend, sich darum zu küm­mern, dass auch sein Freund Petrus dort hineinkam. Leider wurde damit je­doch die Voraussetzung geschaf­fen, dass Petrus seinen Herrn ver­leug­nete. Wir können daraus lernen:

  • Wenn zwei Diener des Herrn am gleichen Ort sind, kann dies für den einen verhängnisvoll sein, während es für den anderen nicht der Fall sein muss.
  • Wenn ein Diener die Kraft hat, in einer kritischen Situation beste­hen zu können, bedeutet das nicht, dass sein Mitgenosse die Prüfung auch besteht: Johannes hat den Herrn Jesus jedenfalls nicht verleugnet, war aber im „Mitnehmen“ des Petrus diesem keine Hilfe.

Gemeinsamer Besuch am lee­ren Grab (Joh 20,1-9)

Nachdem Maria Magdalene die er­staunliche Entdeckung am Grab des Herrn gemacht hatte (der Stein vor der Gruft war nicht mehr da!), be­richtete sie es Petrus und Johan­nes. Die beiden Freunde machten sich gemeinsam (s. Joh 21,4) auf den Weg, um zur Gruft zu gehen. Doch obwohl sie gemeinsam unter­wegs waren, erkennen wir Unter­schiede in ihrem Verhalten!
Obwohl die Tat der Verleugnung noch zwischen Petrus und dem Herrn Jesus stand, zögerte der Jün­ger nicht, mit Johannes zum Grab zu gehen. Man kann sicher davon ausgehen, dass Petrus auch Sehn­sucht hatte, seinen Herrn zu sehen. Trotzdem lief Johannes schnel­ler, was wohl nicht mit dessen per­sönlicher Fitness zusammenhing, sondern eher durch ein gewisses Zögern seitens seines Freundes Pe­trus bedingt war. Zwischen Petrus und dem Herrn stand noch etwas, was ein Bekenntnis und eine Wie­derherstellung erforderte. Trotz­dem war Petrus der erste, der in die Gruft hineinging. Johannes hatte vor dem Grab auf ihn gewartet und war nicht allein (ohne Petrus) hineingegangen!
Wir können hier lernen, dass Jo­hannes seinen Freund nicht alleine ließ. Er hatte als einziger Jünger die Verleugnung im Hof des Ho­hen­priesters miterlebt, aber dachte nicht: „Ach Petrus, wie hast du doch ver­sagt. So kannst du dem Herrn doch nicht begegnen, ich gehe wohl bes­ser mal alleine los. Vielleicht neh­me ich Jakobus oder einen anderen Jünger mit.“ Johan­nes ließ seinen Freund nicht sor­genvoll zurück, son­dern ging mit ihm gemeinsam zum Grab.
Kurze Zeit später fand wohl das per­sönliche Gespräch zwischen dem Herrn Jesus und Petrus statt (s. Luk 24,34).

Einer hilft dem anderen in dem Erkennen der Wege des Herrn (Joh 21,7)

Später am See von Tiberias, wo Pe­trus seine Mitjünger zum Fischen verleitete, erkannte Johannes zu­erst, dass es der Herr war, der ihnen sagte, das Netz auf der rech­ten Seite des Schiffes auszuwerfen. Johannes hatte den klaren und ungetrübten Blick und erkannte das Wirken des Herrn Jesus.
Petrus anerkannte diese Erkennt­nis und handelte (als Mann der Tat) unmittelbar, um seinem Herrn schnellstmöglich nahe zu sein. Was bei dem einen Jünger mangelte, ergänzte sein Freund.
So dürfen auch wir die Stärken un­serer Mitgeschwister (Freunde) neid­los anerkennen und daraus einen geistlichen Nutzen ziehen.

Aufgabenvergabe für später (Joh 21,20-22)

Als Petrus im Anschluss an das Frühstück am See die Hirtenaufga­be vom Herrn Jesus erhielt, stellt der Heilige Geist einen bemerkens­werten Bezug zu dem Ereignis im Obersaal her: „Petrus wandte sich um und sieht den Jünger nachfol­gen, den Jesus liebte, der sich auch bei dem Abendessen an seine Brust gelehnt und gesagt hatte: Herr, wer ist es, der dich überlie­fert?“
Die Innigkeit seiner Beziehung zum Herrn Jesus, wie sie beim Abend­es­sen besonders deutlich wurde, wird in diesem Vers hervor­geho­ben. Durch die Betonung die­ses Er­eig­nisses in diesem Zusam­men­hang können wir auch eine gewis­se Ak­zeptanz dieser Eigen­schaft von Jo­hannes seitens der Jünger (be­son­ders aber von Pe­trus) se­hen. Die besondere Bezie­hung von Jo­hannes im Genie­ßen der Liebe des Herrn zu ihm war wohl nicht unbe­merkt geblie­ben.
Es scheint, dass diese Tatsache ne­ben der Freundschaft zwischen Pe­trus und Johannes zu der anschlie­ßenden Frage des Petrus führte: „Herr, was wird aber mit die­sem?“ Petrus wollte gerne, dass auch Johannes einen Auftrag vom Herrn erhielt, vor allem, weil Jo­hannes sich so sehr an der Liebe des Herrn zu ihm erfreute. Viel­leicht wollte Petrus auch gerne wieder gemein­sam mit seinem Freund eine Auf­gabe erhalten, wie damals zur Vor­be­reitung des Pas­sahs. Es ist eher eine Frage aus Interesse als aus Neid. Allerdings lag die Auf­gaben­vertei­lung nicht bei Petrus, son­dern beim Herrn, der ihm einen persön­lichen Auftrag gab – unab­hängig von der Aufgabe, die Johan­nes erhalten würde.

Treue Zeugen und Anführer der Gläubigen (Apg 3,1-11; 4,13.19; 8,14)

Nachdem der Herr Jesus wieder zu­rück zum Vater gegangen und der Heilige Geist auf die Erde ge­kom­men war, finden wir die beiden Freunde noch mehrfach gemein­sam im Dienst für ihren Herrn.
Zunächst sehen wir sie bei der Hei­lung des Ge­lähmten an der Tem­pelpforte. Auch wenn Petrus der Re­dende war, so erkennen wir doch die Gemein­schaft in ihrem Dienst in seiner Aus­sage: „Sieh uns an!“ (Apg 3,4b). Auch der ge­heilte Ge­lähmte erkannte, dass es ein ge­meinsamer Dienst von Petrus und Johannes war, denn er hielt beide fest (s. Apg 3,11). Sogar die Obers­ten erkannten, dass es ein gemein­sames Zeugnis von Petrus und Jo­hannes war, und darüber hinaus konnten sie auch erkennen, dass die beiden „mit Jesus gewe­sen waren“ (Apg 4,13). Nicht nur das gemein­same Zeugnis, sondern auch die Quelle, aus der ihre Kraft kam, wurde erkennbar. Schließlich gaben die beiden eine gemeinsa­me Ant­wort an die jüdische Führer­schaft des Volkes. Sie antworteten offen­sichtlich beide auf die Dro­hung, nicht mehr im Namen des Herrn Jesus zu reden (s. Apg 4,19).
Ein letztes Mal finden wir Petrus und Johannes im gemeinschaftli­chen Dienst beim Besuch in Sama­ria (s. Apg 8,14ff.). Die anderen Apo­stel sandten die beiden Freunde nach Samaria, um den Gläubigen dort zu dienen. Wie anfangs der Herr Jesus bei der Vorbereitung des Passahmahls sie gemeinsam beauftragte, wurden sie hier von den Aposteln in Jerusalem ausge­sandt. Die anderen Apostel erkann­ten die Besonderheit des gemein­samen Dienstes von Petrus und Johannes an und sandten eben ge­nau diese beiden nach Samaria[1].

Zusammenfassung

  • Es ist ein besonderes Vorrecht, wenn der Herr Jesus zwei oder mehreren Gläubigen eine ge­mein­same Aufgabe gibt: „Zwei sind bes­ser daran als einer“ (Pred 4,9a).
  • Der alleinige Auftraggeber ist der Herr Jesus selbst.
  • Unterschiedliche Charaktere sind kein Hinderungsgrund für einen gemeinsamen Dienst – vielleicht sogar eher hilfreich: Wenn der Herr einen Auftrag an mehrere gibt, weiß Er auch, wem Er ihn gibt. Eine Anerkennung der Stär­ken des anderen zeugt von freund­schaftlicher Liebe.
  • Wenn zwei das Gleiche tun, ist es nicht immer das Gleiche. Der eine mag in einer Versuchung beste­hen, der andere nicht. Für den einen mag ein Ort gefährlich sein, für den anderen nicht.
  • Man kann seinem Freund auch ein Hindernis sein oder ihn in ge­fährliche Situationen bringen.
  • Eine Freundschaft überdauert auch schwierige Situationen, so­gar (und vielleicht gerade dann!), wenn einer in Sünde ge­fallen ist.
  • Man kümmert sich umeinander – der eine ist dem Anderen nicht gleichgültig.
  • Der gemeinschaftliche Dienst ist nach außen erkennbar und wird auch von der Welt (Schriftgelehr­te und Älteste [s. Apg 4,13]) und den Gläubigen (s. Apg 8,14) wahr­genommen.
"Siehe, wie gut und wie lieblich ist es, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen!"
(Psalm 133,1)


Marco Steih


Fußnoten:

  1. Darüber hinaus war das Zeugnis von mindestens 2 Personen erforderlich (s. 2. Kor 13,1b).

An die Ehemänner

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Während der Artikel über Sprüche 31 vorwiegend die Ehefrau im Blickwinkel hat, will dieser Artikel auf die Aufgaben und Pflichten des Ehemanns hinweisen. Dabei ist sich der Autor bewusst, dass er selbst oft dem nicht entsprochen hat, was die Bibel uns zu diesem Thema sagt.

Ermahnungen an beide Adressen

In einigen Briefen des Neuen Testa­ments werden sowohl die Ehemän­ner als auch die Ehefrauen er­mahnt. Die wesentlichen Stellen sind: 1. Ko­rinther 7,1-6; Epheser 5,22-33; Ko­losser 3,18-19; 1. Petrus 3,1-7. Wäh­rend es im Korintherbrief vor allem um die geschlechtliche Beziehung der Eheleute geht, haben es die drei anderen Schriftstellen mit dem Eheleben im Allgemeinen zu tun. Im Brief an die Korinther werden zu­erst die Männer ermahnt, in den drei andern Stellen wendet sich der Schreiber zuerst an die Ehefrauen.
Die Ermahnung an die Ehefrau ist im Wesentlichen die, sich ihrem Mann unterzuordnen, während dem Mann vor allem geboten wird, sei­ne Frau zu lieben. Im Folgenden wollen wir uns besonders mit den Ermahnungen an die Ehemänner im Epheserbrief und im 1. Petrus­brief beschäftigen.

Der Maßstab für die Liebe

Die erste Ermahnung an die Ehe­männer im Brief an die Epheser lautet: „Ihr Männer, liebt eure Frau­en, wie auch der Christus die Ver­sammlung geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat“ (Eph 5,23). Der Herr Jesus ist für uns darin das vollkommene Vorbild. Er selbst stellt sich als Maßstab vor: Einerseits für die Liebe der Jünger untereinander (s. Joh 13,34; 15,12) und anderer­seits für ihren Gehorsam (s. Joh 15,10). Paulus stellt den Herrn eben­falls mehrmals als Vorbild vor (s.Röm 15,7; Eph 5,2.25; Kol 3,13). Dieses Vorbild ist vollkommen – wir blei­ben oft dahinter zurück, aber es ist dennoch ein immerwährender An­sporn.

Hingabe

Der Herr hat die Versammlung ge­liebt und sich selbst für sie hinge­geben. Dreimal verbindet das Wort Gottes die Liebe des Herrn Jesus mit der Hingabe seiner selbst (s. Gal 2,20; Eph 5,2.25). Gerade seine Hin­gabe in den Tod ist der Beweis für die Größe seiner Liebe (s. 1. Joh 3,16).
Wir reden von der Hingabe an den Herrn oder an eine große Sache, aber verwenden das Wort kaum in Verbindung mit unserer Ehefrau. Wenn wir schuldig sind, für die Brüder das Leben hinzugeben (s. 1. Joh 3,16), so sollten wir als Ehe­männer sicher noch einmal über das Wort „Hingabe“ in Bezug auf unsere Frauen nachdenken.

Wir sind schuldig

Wir lesen wiederholt in Gottes Wort, dass wir schuldig sind, zu lie­ben (s. Röm 13,8; Eph 5,28; 1. Joh 4,11). Wir sollen niemandem etwas schuldig sein, aber die Schuld, zu lieben, bleibt immer bestehen. Ge­rade unseren Ehefrauen gegenüber sollten wir diese Schuld täglich emp­finden. Wie viele Tage in unserer Ehe haben wir tatsächlich dieser täglichen Schuldigkeit entsprechend gehandelt?

Lieben wie die eigenen Leiber

Das Lieben des eigenen Leibes ist die Beschreibung des natürlichen Selbsterhaltungstriebes und hat nichts mit der modernen Selbstver­wirklichung oder gar mit Selbstlie­be zu tun. So wie dieser Selbster­haltungstrieb uns für unseren Kör­per besorgt sein lässt, so sollen wir auch fürsorglich für unsere Frauen sein. Wir sind für ihr Wohlbefinden verantwortlich.

Nähren

Eva war von Adam genommen. Sie war wortwörtlich sein Fleisch (s. 1. Mo 2,23). Aber nicht nur Adam und Eva, sondern jedes Ehepaar ist in den Augen Gottes ein Fleisch, was Paulus ein großes Geheimnis nennt (s. 1. Mo 2,24; Eph 5,31.32). Wenn in Epheser 5,29 auch zuerst der eigene Körper gemeint ist, so wendet Paulus es dann aber auf die Ehefrau an.
Eine gottgemäße Voraussetzung für die Ehe ist, dass der Mann seine Frau nähren kann, auch im materi­ellen Bereich. Vereinzelt hört man heute von Eheschließungen junger Gläubiger, bei denen er noch stu­diert und sie der Arbeit nachgeht. Das ist nicht nach den Gedanken Gottes!
Aber auch auf geistlichem Gebiet muss der Mann in der Lage sein, seine Frau zu nähren. Wie könnte er sonst z. B. die Fragen beantwor­ten, die sie in den Zusammenkünf­ten nicht stellen darf (s. 1.Kor 1,35)?

Pflegen

Sein eigenes Fleisch pflegen hat nichts mit Körperpflege oder Kran­kenpflege zu tun. Christus pflegt seine Versammlung und der Ehe­mann soll seine Frau pflegen. Max Billeter schreibt in dem empfehlens­werten Buch „Der Christ und die Familie“[1] auf Seite 10: „Wer seine Frau nährt, gibt ihr das, was sie braucht. … Wer seine Frau pflegt, versucht ihr, wenn möglich, zu ge­ben was sie wünscht.“
Kennen wir die Wünsche unserer Frau? Sind uns diese Wünsche wich­tig und versuchen wir sie, wenn es möglich ist, zu erfüllen?

Wohnen

Petrus schreibt: „Ihr Männer eben­so, wohnt bei ihnen nach Erkennt­nis als bei einem schwächeren Ge­fäß, dem weiblichen, ihnen Ehre ge­bend …“ (1. Pet 3,7). Bei der Frau wohnen meint natürlich nicht nur, eine gemeinsame Wohnung zu ha­ben.
Wohnen bezieht sich auf Geist, See­le und Leib der Frau. Nach dem Sündenfall sagt Gott zu Eva: „Nach deinem Mann wird dein Verlangen sein“ (1. Mo 3,16). Die Frau verlangt nach ihrem Mann, sie möchte ihn bei sich haben.
Diesem Verlangen sollten wir Rech­nung tragen und die Gemeinschaft mit unserer Frau suchen. Dies gilt insbesondere für Männer, die be­ruflich oder aus anderen Gründen oft länger von zu Hause weg sind.

Nach Erkenntnis

Das Wohnen bei der Frau soll aber mit Erkenntnis (Einsicht) gesche­hen. Die Beziehung zu unserer Frau soll durch die Grundsätze, die wir aus dem Wort Gottes erkannt ha­ben, geprägt sein. Das geschieht aber nicht einfach nach „Schema F“.
Wir müssen auch einsichtig sein, d. h. besondere Lebensumstände oder spezielle Situationen berück­sichtigen. Ich will das an einem Beispiel verdeutlichen: Ein Ehe­paar hat gemeinsam vor dem Herrn Je­sus die Entscheidung getroffen, dass der Mann einen Teil seines Jahresurlaubs für besondere Ein­sätze im Werk des Herrn verwen­den darf, während die Frau zu Hau­se bleibt. Nun wird die Frau gerade zu dieser Zeit ernstlich krank. Dann gebietet es die Liebe, dass er in die­ser Situation bei seiner Frau bleibt.

Das schwächere Gefäß

Im Allgemeinen hat der Mann grö­ßere körperliche Kraft als die Frau. Auch ist sie in den meisten Fällen empfindsamer und damit verletzli­cher und weniger belastbar. Das heißt für uns Männer, dass wir Rücksicht auf unsere Frauen neh­men müssen.
Eine einfache Illustration: Ein Ehe­paar will gemeinsam spazieren ge­hen. Er hat eine Schrittlänge von 50 cm, sie von 40 cm. Es gibt jetzt vier Möglichkeiten: Er reduziert sei­ne Schrittlänge oder sie macht eben­so große Schritte wie er. Oder sie macht fünf Schritte in der Zeit, in der ihr Mann vier macht, oder sie verzichten auf einen gemeinsamen Spaziergang. Die letzte Möglichkeit ist die schlechteste, zwei Möglich­keiten strengen die Frau an – die ers­te Möglichkeit fordert vom Mann Rücksichtnahme. Und genau die er­wartet Gott von uns!
Dieses einfache Bild lässt sich auf viele Bereiche im Eheleben anwen­den.

Ehre geben

Die Fürsten des Königs Ahasveros wollten, dass seine Frau Vasti we­gen ihrer Aufsässigkeit nicht mehr Königin sei und so alle Frauen im Reich lernten, ihre Männer zu eh­ren (s. Est 1,13-20). Wir Männer sind meist sehr auf unsere eigene Ehre bedacht, aber Gott möchte auch, dass jeder Ehemann seiner Frau Ehre gibt.
Ein nicht seltenes Vorkommnis: Ein Ehepaar hat einige befreundete Ehe­paare eingeladen. Am Tisch entwi­ckelt sich zu einem Thema eine lebhafte Diskussion. Die Frau des Gastgebers, die sich mit dem The­ma noch nicht viel beschäftigt hat, sagt auch etwas dazu, was aber ihre Unkenntnis offenbart. Ihr Mann sagt zu ihr: „Frau sei lieber still, du hast ja doch keine Ahnung von die­sen Dingen.“
Wie schnell neigen wir dazu, unse­re Frauen von oben herab zu be­handeln. Das verletzt sie sehr und ist äußerst lieblos. Stattdessen soll­te der Mann, vielleicht sogar vor den Gästen, seiner Frau Danke sa­gen für das liebevoll zubereitete schmackhafte Essen und für alle Mühe, die sie sich gemacht hat. Damit ehrt er seine Frau.

Zum Schluss noch einmal der wich­tige Appell vom Anfang des Artikels:

"Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch der Chris­tus die Ver­sammlung geliebt und sich selbst für sie hingege­ben hat."
(Epheser 5,25)


Horst Zielfeld


Fußnoten:

  1. Erschienen beim Beröa-Verlag, Zürich

Eine tüchtige Frau – wertvoller als Korallen (Teil 2)

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Im ersten Teil haben wir gesehen, dass Sprüche 31 ein Teil der Worte Lemuels sind, mit denen seine Mutter ihn unterwies. Selbst wenn es sich im gewissen Sinn um das Idealbild einer perfekten Ehefrau und Mutter handelt, liegt darin eine Belehrung für jede christliche Frau, die ihrem Herrn gefallen möchte. Ab Vers 11 beginnt nun die Beschreibung dieser Frau, mit der wir uns ein wenig näher befassen möchten.

Zuverlässigkeit[1]

"Das Herz ihres Mannes vertraut auf sie, und an Ausbeute wird es ihm nicht fehlen."
(Sprüche 31,1)


Niemand kennt seine Ehefrau so gut wie der eigene Ehemann. Beide sind in Gottes Augen „ein Fleisch“, d. h. eine untrennbare Einheit nach Geist, Seele und Körper. Leben Mann und Frau das in einer guten Ehe aus, kann sich einer auf den anderen verlassen.
Eine Ehefrau trägt durch ihr Ver­halten dazu bei, dass ihr Mann ihr volles Vertrauen schenkt. In einer solchen Ehe gibt es keine Geheim­nisse voreinander. Die Zuverlässig­keit der Frau wird durch das Ver­trauen ihres Mannes belohnt.

Liebe

"Sie erweist ihm Gutes und nichts Böses alle Tage ihres Lebens."
(Sprüche 31,12)


Die erste Sorge einer guten Ehe­frau gilt ihrem Ehemann, denn sie liebt ihn. Dann folgen – wenn der Herr sie gibt – die Kinder und da­nach sonstige Bezugspersonen. Das ist die von Gott bestimmte Reihen­folge.
Paulus lässt den jungen Frauen durch Titus die Anweisung geben, dass sie erstens ihre Männer und zweitens ihre Kinder lieben sollen. Drittens sollen sie mit häuslichen Aufgaben beschäftigt sein (s. Tit 2,4). Es handelt sich nicht um ir­gendeine antiquierte Vorschrift, son­dern um eine Anweisung Gottes, die immer noch gültig ist.
Diese Reihenfolge gilt in den irdi­schen Beziehungen. Dass darüber hinaus natürlich der Herr immer den ersten Platz haben muss, steht völlig außer Frage.
In den irdischen Beziehungen einer verheirateten Frau hat der eigene Ehemann Vorrang vor den Kindern, den Eltern, dem Haushalt oder dem Beruf. Auf ihn ist diese tüchtige Frau zuerst fixiert, ihre weiteren Aufgaben werden erst in den fol­genden Versen behandelt. Sie be­weist ihm ihre Liebe, indem sie ihm Gutes und nichts Böses tut. Das gilt nicht speziell für die Flitterwochen, sondern „alle Tage ihres Lebens“.
Die Liebe einer Frau kann leider wie jede Liebe „erkalten“ (s. Mt 24,12). Die „erste Liebe“ (d. h. die beste Liebe) kann leider verloren gehen (s. Off 2,4). Deshalb gilt es, das Feu­er der Liebe brennend zu erhalten.

Freude

"Sie sucht Wolle und Flachs und arbeitet dann mit Lust ihrer Hän­de."
(Sprüche 31,13)


In Zeiten von Internet und Amazon wird es immer einfacher, Kleidung zu besorgen. Wir müssen dafür nicht einmal mehr das Haus verlas­sen. Damals war das natürlich an­ders. Das Beschaffen von Wolle und Flachs für die Herstellung von Kleidung war mit Arbeit und Mühe verbun­den. Doch diese tüchtige Frau scheu­te diese Mühe nicht; auch nicht die Arbeit, die damit verbunden war, danach entsprechende Kleidungs­stücke herzustellen. Sie sah es nicht als Schinderei an, sondern sie ar­beitete mit Freude und Engage­ment. Die Liebe zu ihrem Mann (und ihren Kindern) beflügelte sie.
Die täglichen Pflichten einer Haus­frau und Mutter können aus zwei Blickwinkeln betrachtet werden. Sie können entweder als Last und Mühe angesehen werden, oder sie wer­den mit Freude und Lust getan. Ich zitiere noch einmal meine Groß­mutter, die uns Kindern früher oft sagte: „Was man gerne tut, geht noch mal so gut.“
Das schließt die täglichen Aufgaben einer Hausfrau und Mutter ein. Wenn die Liebe zu Ehemann und Kindern das Motiv ist, dann wird die Last der Arbeit deutlich leichter. Aus Frust wird Lust. Und wenn sie dann noch als Dienst für den Herrn erkannt wird, was sie tatsäch­lich auch sind, kann Ihm sogar dar­in „mit Freuden“ gedient werden (s. Ps 100,2).

Engagement

"Sie gleicht Kaufmannsschiffen, von fern her bringt sie ihr Brot herbei."
(Sprüche 31,14)


Der Wirkungsbereich der tüchtigen Frau ist nicht auf das Haus be­schränkt. Brot musste damals – wenn es nicht selbst hergestellt wur­de – von außerhalb beschafft wer­den. In der Beschreibung wird die Frau mit Kaufmannsschiffen vergli­chen. Mit solchen Schiffen kann man erstens größere Entfernungen überwinden und zweitens größere Mengen transportieren.
Das Brot war für den Haushalt be­stimmt, d. h. für den Ehemann, die Kinder und sonstige Hausbewohner. Nun ist es ohne Frage so, dass der Ehemann und Vater für die Versor­gung seiner Familie die Hauptver­antwortung trägt. Das gilt für den natürlichen Bedarf ebenso wie für den geistlichen (s. Eph 5,29).
Dennoch kann sich eine Frau und Mutter hier nicht entspannt zurück­lehnen. Die tüchtige Frau in unse­rem Kapitel tut jedenfalls das Ihre. Es ist ihr wichtig, dass ihre Familie gut versorgt wird. Sie sorgt für die richtigen Voraussetzungen zur Grundversorgung ihrer Familie und kauft das notwendige Brot.
Was im Natürlichen gilt, gilt eben­so im Geistlichen. Eine gute Mutter wird immer Sorge tragen, dass ge­nügend Nahrung im Haus ist.

Fleiß

"Und sie steht auf, wenn es noch Nacht ist, und bestimmt die Spei­se für ihr Haus und das Tage­werk für ihre Mägde."
(Sprüche 31,15)


Das Bett ist in der Bibel häufig ein Bild von Bequemlichkeit. Morgens lange im Bett liegen zu bleiben, ist folglich symptomatisch für Trägheit und Faulheit. Dagegen ist das frühe Aufstehen ein Ausdruck von Fleiß und Energie.
Die tüchtige Frau sorgt schon früh für ihre Familie und ihren Haushalt. In der Übertragung auf uns wollen wir ganz besonders an die geistliche Versorgung der Familie denken. Es ist nötig, dass die Frau die Speise für das Haus rechtzeitig bestimmt. Nur das, was gut vorbereitet ist, kann an andere weitergegeben wer­den.
Die eigene geistliche Energie einer Mutter beim Sammeln und Auflesen des Wortes Gottes bestimmt das Maß des Essens für andere – be­sonders für die Kinder. Der alte Reim gilt immer noch: „Morgenstund‘ hat Gold im Mund“. Die frühen Stun­den des Tages eignen sich besonders zum Lesen der Bibel. Wenn der Ta­gesbetrieb für eine Hausfrau und Mutter einmal in vollem Gange ist, wird dafür kaum noch Zeit bleiben.
Ich bin mir sehr bewusst, dass die sogenannte „stille Zeit“ gerade für Mütter mit Kindern eine der größ­ten Herausforderungen ist. Wäh­rend der Ehemann sich in der Regel re­lativ problemlos Zeit nehmen kann, ist eine Mutter damit echt gefor­dert.
Dennoch ist diese „stille Zeit“ für jede Frau eine unbedingte Notwen­digkeit – erstens zur eigenen geist­lichen Ernährung und zweitens als Voraussetzung, um den Kindern die notwendige geistliche Nahrung ge­ben zu können.

Umsicht

"Sie trachtet nach einem Feld und erwirbt es; von der Frucht ihrer Hände pflanzt sie einen Weinberg."
(Sprüche 31,16)


Die tüchtige Frau ist bestrebt, den Besitz ihres Mannes zu vermehren. Dabei geht es nicht um egoistische Ziele und nicht um das Besitzen selbst, sondern, damit es zum Nut­zen (Feld) und zur Freude (Wein­berg) ihres Mannes und ihrer Fa­milie ist.
Eine umsichtige christliche Ehefrau weiß, wie sie das Bemühen ihres Ehemannes unterstützen kann. Sie wird ihren Mann da, wo sie es kann, in der Ausübung seines Berufs un­terstützen und ihm keine unnötigen Steine in den Weg legen. Doch in der Anwendung auf unsere Zeit denken wir besonders an ein ande­res Arbeitsfeld. Sie wird für Frei­räume sorgen, die ihr Mann nötig hat, um auf dem Ackerfeld und im Weinberg Gottes arbeiten zu kön­nen. Das wird sie mit Weisheit und Einsicht tun.
Solche Freiräume sind nötig, damit das Werk des Herrn nicht zum Er­liegen kommt. Allerdings im richti­gen Maß! Eine umsichtige Frau wird wissen, in welchem Maß diese Un­terstützung gut und richtig ist. Es versteht sich von selbst, dass die­ses Schaffen von Freiräumen in der Ehe keine Einbahnstraße ist.

Ernst-August Bremicker


Fußnoten:

  1. Vertrauen setzt immer Verlässlichkeit und Zuver­lässigkeit voraus. Gerade das sind Merkmale der tüchtigen Frau in unserem Kapitel.

Persönliche Worte (… theoretisch ganz einfach!)

Als Christen nehmen wir uns gerne vor, uns in allen Lebensfragen an der Bibel als Richtlinie zu orientieren. Wir wissen, dass Gott durch sein Wort praktisch in unseren Alltag hineinreden will. Natürlich können wir es nicht als „Rezeptbuch“ nutzen, sondern wir müssen uns damit intensiv unter Gebet in Gemeinschaft mit Ihm beschäftigen.
Das kostet Zeit und Energie.
Aber die Zeit finden wir selten und die nötige Energie bringen wir auch nicht im­mer auf.
Morgens reicht es oft nur noch für ein Gebet und ein kurzes Lesen der Bibel ... tagsüber haben wir unsere Verpflichtungen in Beruf und Haushalt ... nach Feier­abend warten die Kinder und/oder der Ehepartner ... nebenbei müssen die Wohnung und der Garten in Ordnung gehalten werden und abends... ? Der Tag geht so schnell vorüber!
Dann fragen wir uns: Wo sind die Stunden des Tages geblieben? Und: Wie viele Minuten sind für Gott und sein Wort übrig geblieben?
In der Theorie wissen wir, dass wir Gott überall in unser Leben einbeziehen dür­fen, denn Er fordert uns in seinem Wort konkret dazu auf, zum Beispiel in Psalm 37,5: „Befiehl dem Herrn deinen Weg und vertraue auf ihn, und er wird han­deln.“
Und Er hat uns verheißen, uns durch sein Wort zu unterweisen und uns Rat zu geben. So lesen wir in Psalm 32,8: „Ich will dich unterweisen und dich den Weg lehren, den du wandeln sollst; mein Auge auf dich richtend, will ich dir raten.“ Möchten wir doch mehr den Mut haben, es einfach öfter zu wagen, Gott und sein Wort auch mit in unseren Alltag zu nehmen.
Das vor uns liegende Heft enthält eine Auswahl an Artikeln, die uns Hilfestellung und Motivation zu einem wahren Christenleben in Gemeinschaft mit unserem Gott und Vater und seinem Sohn, dem Herrn Jesus, geben möchte. Sei es in un­seren Ehen, unseren Familien oder in unseren Freundschaften, die Zeit mit und für Gott wird immer gesegnet und lohnenswert sein!

Die Abhängigkeit von Ihm und den Segen Gottes wünsche ich dir und mir auch in der Urlaubszeit.

Benjamin Hof

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