Manche Dinge schätzen wir erst, wenn sie plötzlich weg sind. Manche Dinge vermissen wir erst, wenn sie uns genommen werden. Und das, obwohl sie uns vorher wichtig waren! Wir haben es nur nicht gemerkt. Oder wir haben es vergessen.
In diesen Tagen gibt es einiges, das für uns vorher selbstverständlich war, was wir jetzt aber schmerzlich vermissen. Grund genug, diese Dinge einmal aufzulisten und uns so zu motivieren, dafür dankbarer zu sein.
Ob sich manche Regeln, die Corona-Krise betreffend, schon wieder gelockert haben, wenn du diese Zeitschrift in den Händen hältst, oder nicht, wissen wir nicht. Vielleicht spricht dich auch manches nicht so an oder dir fällt noch etwas Neues ein. Die Liste lässt sich sicher beliebig fortsetzen und individuell anpassen.
Dinge, für die ich wieder neu dankbar sein möchte:
In diesem Heft haben wir gesehen, dass die Plagen in Ägypten in der prophetischen Skizze dieser Kapitel des zweiten Buches Mose auf die Gerichte der Drangsalszeit hinweisen, die nach der Entrückung der Gläubigen über diese Erde kommen.
Die folgende Übersicht soll zu den einzelnen Plagen eine kurze Erklärung und eine praktische Anwendung für unser heutiges Leben geben.
Die erste Serie von Plagen weist auf Gerichte in der Vorsehung Gottes hin. Ohne unmittelbar und direkt vom Himmel her einzugreifen, wird Gott in seiner Vorsehung Gerichte bringen, von denen sowohl die Menschen im Allgemeinen betroffen, als auch die Glaubenden, die dann auf der Erde leben, in Mitleidenschaft gezogen werden. Auch die erste Gerichtsserie in der Offenbarung, die sieben Siegelgerichte, besteht aus Gerichten in der Vorsehung Gottes.
Das, was Gott zum Leben gegeben hatte, wird zum Fluch. Das Wasser des Nils war die Lebensader Ägyptens und die Grundlage für seinen Wohlstand. Die Ägypter hatten in Erfindergeist und in eigener Kraft dafür gesorgt, dass die Wasser des Nils so gut wie möglich genutzt werden konnten (s. 5. Mo 11,10). Doch sie hatten es in Unabhängigkeit von Gott getan. Und deshalb wird das, was Gott eigentlich zum Leben gegeben hatte, zum Verderben.
Lektion: Gebrauchen wir das, was Gott uns zum Leben gibt, in Abhängigkeit von Ihm!
Die Frösche dienen in Offenbarung 16,13 als Vergleich für unreine Geister. Sie sind Tiere, die völlig nackt sind, sie haben weder Fell noch Schuppen. So erkennen wir einen Hinweis darauf, wie die „Nacktheit“ – besonders die sexuelle Freizügigkeit – zur Verunreinigung in jedem Bereich wird (s. 2. Mo 7,28):
Lektion: Bewahren wir uns in Reinheit und in Trennung vom Bösen in jedem Bereich!
Bei der dritten Plage wird die Macht Gottes deutlich, die Leben (Stechmücken) aus dem Tod (Staub der Erde) hervorbringt. Die Zauberer des Pharaos hatten das Elend, das die ersten beiden Plagen brachte, noch vergrößern können. Sie waren jedoch nicht in der Lage, es rückgängig zu machen. Bei der dritten Plage müssen sie vollständig vor Gottes Finger kapitulieren.
Die Stechmücken saugen Blut und stehen für das, was dem Menschen die Kraft und das Leben raubt. Die vielen irdischen Dinge, der viele Unrat und Schmutz, die Medien und alle Beeinflussungen, die von außen auf den Menschen einströmen, rauben ihm die Kraft und den Lebensmut. Wie aktuell ist das in unserer Zeit!
Lektion: Tanken wir immer wieder neu Kraft und Freude in der Gemeinschaft mit Gott, damit wir für Ihn leben und Ihm dienen können!
Bei der zweiten Serie der Plagen fällt auf, dass Gott einen Unterschied macht zwischen den Ägyptern und seinem Volk Israel. Das Land Gosen ist nicht betroffen von den Plagen! Auch vor der zweiten Gerichtsserie in der Offenbarung (die sieben Posaunengerichte) macht Gott einen Unterschied. Er versiegelt seine Knechte, damit sie bewahrt werden durch die Gerichte und lebend in das Reich eingehen.
Die Hundsfliegen unterscheiden sich dadurch von den Stechmücken, dass sie nicht in erster Linie das Blut saugen, sondern Krankheiten und Schmutz übertragen. Diese kleinen „Störenfriede“ können sehr lästig werden und Krankheitserreger von einer Person zur anderen tragen. So führen Neid und Missgunst, Egoismus und Heuchelei, übles Nachreden und andere „kleine Störenfriede“ zu zerstörten Beziehungen, zu Misstrauen und Krankheiten im Miteinander der Menschen.
Lektion: Streben wir mehr danach, die Gesinnung des Herrn Jesus zu haben: echten Gehorsam seinem Wort gegenüber und Liebe untereinander!
Bei der fünften Plage wird der Besitz der Ägypter geschlagen. So werden auch die Gerichte Gottes in der Zukunft den Besitz der Menschen zerstören, auf den sie so stolz sind und auf den sie ihre ganze Hoffnung und ihr Vertrauen gesetzt haben.
Lektion: Setzen wir unser Vertrauen nicht auf irdischen Besitz, sondern auf Gott und seine Hilfe! Bewahren wir den geistlichen Besitz und lassen wir es nicht zu, dass er „zerstört“ wird! Nutzen wir das, was Gott uns gibt, um Ihm zu dienen und Anbeter zu sein!
Geschwüre sind nach außen sichtbar. Meist sind sie durch innere, verborgene Krankheiten verursacht. So wird eine Zeit kommen, in der die ganze Bosheit des Menschen von innen nach außen sichtbar wird und in krankhaften Geschwüren zu Tage tritt.
Lektion: Wenn wir in der Kraft des Geistes Gottes leben, dann können wir uns der in uns wohnenden Sünde für tot halten und ein „gesundes“ Auftreten zeigen, das nicht durch Geschwüre gekennzeichnet ist.
In der dritten Serie kommen die Plagen direkt vom Himmel, direkt von Gott. So wird auch die dritte Gerichtsserie im Buch der Offenbarung (die sieben Zornesschalen) direkt von Gott, vom Himmel, auf die Erde kommen.
Der Hagel steht für das Gericht, das vom Himmel aus über die Erde kommt. Es war ein Hagel, wie er seit der Gründung Ägyptens nie dagewesen war.
Lektion: Für uns heute hat sich in dem Herrn Jesus der Himmel geöffnet, um uns den ganzen Segen Gottes zu bringen. Streben wir danach, diese Segnungen besser kennenzulernen und sie zu genießen!
Im Propheten Joel werden verschiedene Heuschreckenarten genannt, um die zukünftigen Gerichte über Israel zu beschreiben. Auch in Offenbarung 9,3.7 werden Heuschrecken mit vernichtender Wirkung vorgestellt. Bei der achten Plage fressen die Heuschrecken alles ab, was vom Hagel verschont geblieben war.
Lektion: Die Heuschrecken kommen in großer Zahl und wollen Nahrung und Besitz wegnehmen. Da sollen wir wie Gideon sein, der Weizen gerettet hatte vor den Feinden (s. Ri 6,11).
Gott ist Licht. Und wenn eine vollständige Finsternis eintritt, dann bedeutet das die völlige Abwesenheit seiner Gegenwart und des göttlichen Lichts. Gott zieht sich zurück und für die Welt bleibt nur die totale Finsternis.
Lektion: Sorgen wir dafür, Licht in den Wohnungen zu haben, wie die Israeliten zur Zeit der neunten Plage!
Bei der letzten Plage schlägt Gott alle Erstgeburt in Ägypten. Die Erstgeburt steht für die natürliche Kraft des Menschen. Diese Plage steht für das Gericht der Lebendigen, das der Herr Jesus ausüben wird, wenn Er in Macht und Herrlichkeit erscheint. Es gibt nur einen Weg, um Verschonung vom Gericht zu erlangen – das Blut des Passahlammes.
Stellen wir diesen Rettungsweg immer wieder in geeigneter Weise unseren Kindern vor und beten wir dafür, dass sie den Herrn Jesus, das wahre Lamm Gottes, im Glauben annehmen!
Christian Rosenthal
Wochenlang hat das Corona-Virus die Nachrichten gefüllt, unser Leben verändert und das Denken und Reden geprägt. Das ist zu einem großen Teil unausweichlich. Wir sind betroffen von der Situation, wir müssen mit den Veränderungen umgehen, wir stehen vor dem Herrn und fragen uns, was Er uns zeigen will. Gerade das ist eine wichtige Fragestellung, der wir nicht ausweichen wollen. Andererseits soll uns das Geschehen in der Welt, in der wir noch leben, nicht völlig in Beschlag nehmen. Es gibt etwas anderes, das unser Leben und Denken bestimmen darf: Der Herr und sein Wort.
Vor ca. 3.500 Jahren gab es in Ägypten, einem bedeutenden Land in der damaligen Welt, ebenfalls Ereignisse, die alles auf den Kopf stellten. Es waren die Plagen, die Gott über die Bewohner des Landes brachte. Auch das Volk Israel war zum Teil von diesen Plagen betroffen. Aber für sein Volk hatte Gott einen besonderen Plan mit dem, was Er über Ägypten brachte – Er wollte es aus diesem Land herausführen.
Sicher ist das auch eine große und wichtige Absicht Gottes mit uns in der heutigen Zeit. Er will uns wieder mehr bewusst machen, dass wir nicht von der Welt sind, auch wenn wir noch in der Welt leben. Dass wir nicht gleichförmig dieser Welt sind, auch wenn die Geschehnisse in der Welt uns ebenfalls betreffen. Dass wir in dem Herrn Jesus alles haben, was wir brauchen, und nicht auf irdische Dinge hoffen und vertrauen.
Lasst uns über die Plagen und Gottes Plan für sein Volk nachdenken, um Denkanstöße für unser Leben zu erhalten.
In den ersten Kapiteln des zweiten Buches Mose wird eine prophetische Skizze gezeichnet. Wenn wir sie verstehen, dann hilft es uns, die Ereignisse unserer Zeit richtig einzuordnen. Mose ist in diesen Kapiteln ein Hinweis auf den Herrn Jesus, der zu seinem irdischen Volk gekommen war, jedoch nicht erkannt und abgelehnt wurde. Auch wenn Mose weit hinter dem zurückbleibt, auf den er hinweist, stellt Stephanus in seiner beeindruckenden Rede in Apostelgeschichte 7 doch gerade diesen Bezug her (s. Apg 7,35.37). Mose wurde von den Vätern verworfen – zur Zeit von Stephanus wurde Christus von den Führern des Volkes verworfen.
Von seinem Volk abgelehnt, zieht Mose nach Midian und findet dort eine Frau. So ist der Herr Jesus nach der Verwerfung durch sein Volk und nach vollbrachtem Erlösungswerk in den Himmel zurückgekehrt. Er hat eine himmlische Braut, seine Frau, die Versammlung, bekommen.
Doch so wie Mose zurückkehren sollte, um Israel aus Ägypten zu führen, so wird der Herr Jesus einmal wiederkommen, um den Überrest seines irdischen Volkes zu retten. Er wird wieder mit seinem irdischen Volk anknüpfen, nachdem die Vollzahl der Nationen eingegangen ist (s. Röm 11,25). Seinem sichtbaren Kommen gehen die Gerichte der Drangsalszeit voraus, so wie die Plagen im zweiten Buch Mose der Befreiung Israels aus der Knechtschaft vorausgehen.
Mit dieser Skizze vor Augen verstehen wir, dass die Plagen auf die noch zukünftigen Gerichte hinweisen, die erst dann über die Erde kommen, wenn wir bereits im Himmel sind. Die Entrückung wird vorher stattfinden! Das bedeutet, dass die Plagen in Ägypten nicht direkt auf die schrecklichen Ereignisse in Verbindung mit dem Corona-Virus hinweisen, denn wir erleben die Gerichte der Drangsalszeit nicht. Wir befinden uns noch nicht in der Zeit, von der das Buch der Offenbarung ab Kapitel 6 schreibt.
Dennoch erkennen wir heute schon „Vorboten“ dieser Gerichte, so wie das Geheimnis der Gesetzlosigkeit schon wirksam und der Geist des Antichristen schon gekommen ist, auch wenn der Gesetzlose, der Antichrist als Person, noch verborgen ist (s. 2. Thess 2,7.8; 1. Joh 4,3). Auch manche konkreten Ereignisse in Verbindung mit „Corona“ erinnern uns an das, was einmal kommen wird. Denken wir nur an die Vorschläge zur vollständigen Überwachung der Bewegungen durch Apps, die eingesetzt werden sollen, um die Verbreitung des Virus einzuschränken.
Bibelleser wissen, dass in der Zukunft diese totale Überwachung Realität sein wird. Niemand wird kaufen oder verkaufen können, wenn er nicht das Zeichen des Tieres trägt (s. Off 13, 17). Was vor 100 Jahren noch nicht vorstellbar war, das können wir heute besser verstehen. Wir erkennen an dieser Krise, dass das Weltgeschehen auf die Gerichte zusteuert, die einmal kommen werden. Das lässt uns mit neuer Frische auf den Herrn Jesus warten, der vorher kommt, um uns zu sich zu nehmen. Reden wir davon zu unseren Kindern und machen wir es wieder mehr zum Thema in unseren Gesprächen: Der Herr kommt bald!
Die Plagen verliefen in verschiedenen Serien und bedeuteten Gericht an den Menschen in Ägypten. Sie waren zugleich Zeichen und Wunder, durch die Gottes Macht sichtbar wurde. Dabei verfolgte Gott zwei Ziele:
Von diesen Zeichen, die Gott wirkte, sollten die Israeliten ihren Kindern und Enkelkindern erzählen, damit auch sie wissen, dass Gott der wahre Gott seines Volkes ist.
Wenn wir heute die Hand Gottes in dem Corona-Virus erkennen und die Gelegenheit nutzen, unseren Kindern und Enkelkindern gegenüber zu bezeugen, dass Gott alles in seiner Hand hält, dann kann auch diese Zeit zum Segen sein. Wenn wir ein Vorbild in Vertrauen und Glauben an diesen Gott sind, der alles in seiner Hand hält, dann wird es nicht ohne Eindruck auf eine nachkommende Generation bleiben.
Die ersten drei Plagen trafen sowohl die Ägypter als auch die Israeliten in gleichem Maß. Auch wenn die Zeit, in der wir leben, noch nicht die Zeit der Gerichte ist, die durch die Plagen vorgestellt werden, so erleben wir es bei den „Vorboten“ dieser Gerichte schon deutlich, dass auch uns, die Glaubenden, Dinge treffen, die in dieser Welt geschehen.
Auch wir sind nicht vor ansteckenden Krankheiten geschützt, auch wir sind nicht vor Arbeitslosigkeit sicher und die Kontaktsperren gelten auch für uns.[1] Wir leben in dieser Welt und sind mitbetroffen durch das, was geschieht. Aber es gibt doch einen Unterschied! Wir haben den Herrn Jesus, der bei uns ist. Wir haben Zugang zu Gott, der unser Vater ist. Wir nehmen aus seiner Hand das an, was uns begegnet und wissen, dass unser Herr voll von innigem Mitgefühl und Barmherzigkeit ist (s. Jak 5,11). Von Ihm kommt rechtzeitig die Hilfe für uns, die wir brauchen (s. Heb 4,16). Das gibt uns einen Halt, den die Menschen ohne Gott nicht kennen.
Ab der vierten Plage macht Gott dann einen Unterschied in der Form, dass die Israeliten verschont bleiben von den Gerichten. Daran erkennen wir, dass Er sein Volk bewahren kann, wenn Er es für gut und richtig hält. Auch darauf dürfen wir vertrauen: Es wird uns nichts begegnen, was nicht an unserem Gott vorübergegangen ist und mit dem Er nicht eine gute Absicht für uns hat.
Das große Ziel Gottes für sein Volk war, es aus Ägypten herauszuführen. In Ägypten war das Volk und musste Sklavenarbeit leisten. Das ist ein Bild davon, wie der natürliche Mensch unter der Herrschaft Satans steht und der Sünde dienen muss. Aber wer an den Herrn Jesus glaubt, der ist befreit von der Macht des Teufels und der Sünde. Er kann widerstehen und muss nicht sündigen.
Noch leben wir in dem Bereich, in dem Satan seine Herrschaft ausübt. Das Volk Israel wurde buchstäblich aus Ägypten herausgeführt, die Glaubenden heute sind zwar befreit von der Macht Satans, aber sie leben noch in der Welt. Dabei ist es wichtig, zu verstehen, dass wir nicht mehr zu dieser Welt gehören und dass wir unseren Weg in Absonderung von der Welt gehen. Das müssen wir in unserem eigenen Leben und in unseren Familien und Häusern immer wieder neu verstehen und umsetzen (s. Joh 15.19; 17,14.16-19).
Wie schnell übernehmen wir das Denken der Welt. Wie schnell übernehmen wir die Ziele dieser Welt. Wie schnell setzen wir die Mittel ein, die in der Welt üblich sind. Ein wiedergeborener Christ sollte ganz anders sein. Sein Ziel ist es, Christus zu gewinnen und in Ihm gefunden zu werden (s. Phil 3,8.9). Sein Denken wird dadurch bestimmt, dass er seinem Herrn folgen und gefallen möchte. Er beurteilt die Dinge nach dem Maßstab des Wortes Gottes und nicht nach dem, was unter den Menschen (vielleicht sogar unter Gläubigen) „normal“ ist. Er kämpft mit geistlichen Waffen und nicht mit den eigenen Ellbogen (s. 2. Kor 10,4-6). Wenn wir in diesem Sinn die Trennung von der Welt leben und unseren Kindern darin Vorbild und Ansporn sind, dann werden wir umso mehr die Freude in der Gemeinschaft mit Gott erleben (s. 2. Kor 6,17.18).
Dann werden wir im übertragenen Sinn erfahren, was die Israeliten während der letzten beiden Plagen erlebten. Im Gegensatz zu den Ägyptern hatten sie drei Dinge in ihren Wohnungen:
In dieser Welt geht das göttliche Licht mehr und mehr verloren. Aber wir dürfen durch das Wort Gottes und den Heiligen Geist Licht haben. Wir dürfen uns selbst und die Dinge um uns herum so sehen, wie Gott sie sieht. Eben im Licht Gottes. Und wir dürfen etwas verstehen von Gott selbst, der Licht ist (s. 1. Joh 1,5).
Aber wir haben auch den Herrn Jesus, das Lamm Gottes, um uns von Ihm zu nähren. Wir sind nicht nur im Schutz seines Blutes sicher vor dem Gericht Gottes, wir haben Ihn auch als Nahrung für unseren inneren Menschen. Ob wir es in unseren Häusern so erleben, wie die Israeliten in der Nacht des Auszugs aus Ägypten? In Gemeinschaft am Tisch, beschäftigt mit dem Lamm, den Stab in der Hand (also bereit zum Aufbruch) – das ist eine wichtige Sache! Es erfordert Energie, die Familie dafür am Tisch zu sammeln. Oder zur Andacht am Abend, bevor jeder ins Bett geht. Es ist besonders die Aufgabe von uns, den Vätern. Unsere Frauen, die Mütter, unterstützen uns gerne dabei. Kennen unsere Kinder uns als Eltern, denen daran liegt, dass in der Familie gemeinsam in der Bibel gelesen und gebetet wird?
Schließlich dürfen unser Leben und unser Haus mit „Ungesäuertem“ gefüllt sein. Der Sauerteig ist ein Bild von der Sünde in ihrer wirksamen Kraft. Den sollen wir konsequent hinaustun aus unserem Leben und aus unseren Familien. Das ist notwendig, wenn wir Licht und das Lamm tatsächlich erleben möchten. Vielleicht gibt es auch da Handlungsbedarf. In der Mediathek, in den sozialen Medien, im Zeitvertreib, in den Freundschaften oder im Umgang miteinander. Überall da gibt es große Ansteckungs- und Infektionsgefahr, was schließlich zu schweren Krankheiten im geistlichen Leben führen kann. Appetitlosigkeit und Geschmacksverlust an der Bibel und dem Herrn Jesus sind ein deutliches Symptom davon. Möge der Herr uns helfen, neu für Ungesäuertes, Licht und das Lamm in den Wohnungen zu sorgen.
Gott redet mit dem, was auf der Erde geschieht, zu den Menschen im Allgemeinen und zu den Gläubigen ganz speziell. Damals wie heute. Wenn wir wieder mehr in der Erwartung des Herrn Jesus und seines Kommens leben, auf Gott vertrauen und in Ihm Ruhe finden, „genug“ haben im Herrn Jesus, die Hilfsmittel nutzen, die Er uns gibt, die „Andersartigkeit“ des Glaubenden im Vergleich mit der Welt ausleben und das Licht Gottes, das Lamm und Ungesäuertes in unseren Häusern haben, dann haben die Ereignisse in Verbindung mit dem Corona-Virus auch etwas Gutes bewirkt.
Christian Rosenthal
Fußnoten:
Das bezieht sich sowohl auf die Regeln, die galten, als der Artikel geschrieben wurde, als auch auf eventuelle Regelungen zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Heftes.
Ging es im ersten Teil dieser Artikelserie darum, den Kindern das Wort Gottes zu erzählen und es ihnen einzuschärfen, stand im vorigen Heft die Aufforderung im Vordergrund, den Kindern das Wort Gottes zu erklären.
In diesem Heft geht es nun um den dritten und letzten Abschnitt im 5. Buch Mose, der dem Volk Israel das Wort Gottes besonders aufs Herz bindet.
„Und als Mose alle diese Worte zu ganz Israel zu Ende geredet hatte, da sprach er zu ihnen: Richtet euer Herz auf alle Worte, die ich euch heute bezeuge, damit ihr sie euren Kindern befehlt, dass sie darauf achten, alle Worte dieses Gesetzes zu tun. Denn es ist nicht ein leeres Wort für euch, sondern es ist euer Leben; und durch dieses Wort werdet ihr eure Tage verlängern in dem Land, wohin ihr über den Jordan zieht, um es in Besitz zu nehmen“ (5. Mo 32,45-47).
Wenn wir das Wort Gottes unseren Kindern befehlen wollen, müssen unsere Kinder an uns sehen, dass wir uns selbst der Autorität des Wortes Gottes unterordnen und unser Handeln danach ausrichten. Denn wenn wir selbst Täter des Wortes sind (s. Jak 1,22), werden unsere Kinder viel eher bereit sein, sich selbst auch den Weisungen gemäß zu verhalten, die wir ihnen geben. Oder wie es einmal ein Bruder gesagt hat: „Wer sich gehorsam der Autorität Gottes unterstellt, wird auch von anderen als eine Autorität anerkannt, deren Wort Gewicht für sie hat, ohne autoritär zu sein.“
Wenn Gott uns dazu auffordert, unseren Kindern sein Wort zu befehlen, meint Er damit nicht, dass wir einfach nur blinden Gehorsam von unseren Kindern verlangen. Ihnen Gottes Wort auf diese Weise zur Richtschnur zu machen, wäre autoritär.
Wer so handelt, übt nur aufgrund seiner Position als Vater oder Mutter Macht über die Kinder aus und zwingt sie dazu, zu tun, was die Eltern wollen. Dabei ist es dann völlig unbedeutend, ob die Kinder die Bedeutung und das Ziel der Anordnungen auch verstehen.
Wer seine Kinder autoritär erzieht, engt sie ein und formt sie zu unselbstständigen und orientierungslosen Menschen, die keine eigene Entscheidung treffen können. Solche Kinder sind ihr Leben lang darauf angewiesen, dass jemand da ist, der ihnen sagt, was zu tun oder zu lassen ist. Doch wer gibt ihnen Orientierung, wenn die Eltern einmal nicht mehr da sind?
Unseren Kindern das Wort Gottes zu befehlen, bedeutet dagegen, sie in einer ausgewogenen Weise dazu anzuleiten, Gott und seinem Wort aus Herzensüberzeugung und Dankbarkeit zu gehorchen. Das ist eine gottgemäße Erziehung, zu der wir als Eltern die Autorität einsetzen dürfen, die Gott uns gegeben hat: „Zieht sie auf in der Zucht und Ermahnung des Herrn“ (Eph 6,4).
Natürlich geht es auch nicht darum, unseren Kindern nur das zu befehlen, was sie verstehen und einsehen können. Wir verstehen ja auch nicht immer alles, was Gott uns in der Bibel vorstellt. Aber wir haben – hoffentlich – gelernt, Gott auch dann gehorsam zu sein, weil wir darauf vertrauen, dass Er es immer gut mit uns meint. Dieses Vertrauen müssen wir auch unseren Kindern vermitteln.
In 2. Samuel 7,14.15 finden wir ein nachahmenswertes Vorbild, das uns helfen kann, dieses Ziel zu erreichen. Dort heißt es: „Ich will ihm Vater sein, und er soll mir Sohn sein, so dass, wenn er verkehrt handelt, ich ihn züchtigen werde mit einer Menschenrute und mit Schlägen der Menschenkinder; aber meine Güte soll nicht von ihm weichen, wie ich sie von Saul weichen ließ, den ich vor dir weggetan habe.“
Diese Worte lässt Gott David durch den Propheten Nathan mitteilen, als David den Wunsch geäußert hat, Gott ein Haus zu bauen, und Gott David sagt, dass nicht er, sondern sein Sohn Salomo dieses Haus bauen soll.
Aus dem, was Gott David über seinen Weg mit Salomo sagt, können wir drei wichtige Hinweise für unsere Erziehung entnehmen. Es geht dabei um
Ein Kind nicht zurechtzuweisen, wenn es gesündigt hat, wäre lieblos, verantwortungslos und würde das Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und Kind sehr belasten, vielleicht sogar zerstören.
Wer seine Kinder so erziehen möchte, tut gut daran, sich nicht nur mit den Stellen in Gottes Wort, der Bibel, zu beschäftigen, die ihm besonders gefallen oder angenehm für ihn sind, weil sie keine Konsequenzen von ihm fordern, Energie aufzuwenden und sein Verhalten den Gedanken Gottes entsprechend zu ändern.
Wenn unsere Kinder an uns sehen und erleben, dass wir uns (nicht nur) vom Wort Gottes korrigieren lassen und bereit sind, unsere bisherige Überzeugung aufzugeben, weil uns eine richtigere aufgezeigt wird, wird das ihre Bereitschaft fördern, selbst auch Korrektur anzunehmen.
Mose erinnerte das Volk Israel daran, dass Gottes Wort eine ganz besondere Bedeutung für es hat. Das Gesetz Gottes zu befolgen, war für jeden Israeliten der Zugang zum Leben. Deshalb sollten sie ihr Herz darauf richten.
Am alles überragenden Wert des Wortes Gottes hat sich bis heute nichts geändert. Es ist auch für uns Christen kein leeres Wort, sondern eine Herzensangelegenheit.
Anders als die Israeliten damals, stehen wir als Christen nicht mehr unter Gesetz. Doch ohne Gottes Wort, wie es uns in der Bibel aufgeschrieben ist, wüssten wir nichts davon, dass Gott nicht nur Licht, sondern auch Liebe ist.
Aus der Bibel wissen wir, dass Gott „seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe“ (Joh 3,16). In seinem Wort finden wir, wie wir Vergebung unserer Sünden und ewiges Leben erlangen können: Durch den Glauben an seinen Sohn Jesus Christus und sein Werk am Kreuz von Golgatha.
Für jeden, der das Heil im Herrn Jesus ergriffen hat, möchte Gottes Wort die Richtschnur und der Wegweiser für sein Leben sein: „Ich will dich unterweisen und dich den Weg lehren, den du wandeln sollst; mein Auge auf dich richtend, will ich dir raten“ (Ps 32,8).
Die Bibel beschreibt uns die Schönheiten und Herrlichkeiten des Herrn Jesus Christus, der der Inhalt unseres Lebens sein möchte: „Das Leben ist für mich Christus“ (Phil 1,21), konnte der Apostel Paulus sagen. Wie schön, wenn das auch bei uns so ist!
In seinem Wort lässt Gott uns auch schon Blicke in die Ewigkeit tun. Es ist nur wenig, was uns darüber mitgeteilt wird, und selbst dieses Wenige können wir mit unserem Verstand nicht erfassen. Denken wir doch nur einmal an die Worte in Offenbarung 21,1-4. Schmerzen, Tränen, Trauer, Tod – all das sind hier auf der Erde tägliche Wegbegleiter. Aber in der Ewigkeit wird es das alles nicht mehr geben.
Wenn wir über diese kurze, an die Worte Moses in 5. Mose 32,47 angelehnte Aufzählung, weiter nachdenken, können wir gut verstehen, dass der Dichter des 119. Psalms jubelnd ausruft, dass er sich über Gottes Wort freut „wie einer, der große Beute findet“ (Ps 119,162).
Der Herr schenke uns diese Liebe zu seinem Wort. Das Wissen um die eigene Errettung und die eigene Freude am Wort Gottes sind die beste Antriebsfeder, mit unseren Kindern über den Herrn Jesus und die Bibel zu sprechen. Bei unseren Kindern die Freude am Wort Gottes zu wecken, es ihnen wichtig zu machen und einzuschärfen, es ihnen zu erklären und zur Richtschnur ihres Lebens zu machen, wird für uns und unsere Kinder zum Segen sein.
Stefan Busch
In meinem Herzen habe ich dein Wort verwahrt, damit ich nicht gegen dich sündige.
Im letzten Heft haben wir uns mit dem Anfang des Gebets beschäftigt, das David sprach, nachdem ihm Nathan gesagt hatte, dass Gott ihm ein Haus bauen wolle. Diesmal wollen wir uns mit den letzten Worten Davids beschäftigen.
Es spricht David, der Sohn Isais, und es spricht der hochgestellte Mann, der Gesalbte des Gottes Jakobs und der Liebliche in Gesängen Israels:
Der Geist des Herrn hat durch mich geredet, und sein Wort war auf meiner Zunge.
Der Gott Israels hat gesprochen, der Fels Israels hat zu mir geredet:
Ein Herrscher unter den Menschen, gerecht, ein Herrscher in Gottesfurcht; und er wird sein wie das Licht des Morgens, wenn die Sonne aufgeht, ein Morgen ohne Wolken:
Von ihrem Glanz nach dem Regen sprosst das Grün aus der Erde.
Obwohl mein Haus nicht so ist bei Gott, hat er mir doch einen ewigen Bund gesetzt, geordnet in allem und bewahrt; denn dies ist all mein Heil und all mein Begehr, obwohl er es nicht sprossen lässt!
Aber die Söhne Belials sind allesamt wie Dornen, die man wegwirft; denn mit der Hand fasst man sie nicht an;
und der Mann, der sie anrührt, versieht sich mit Eisen und Speerschaft; und mit Feuer werden sie ganz und gar verbrannt an ihrer Stätte. –
In seinem Gebet hatte David gefragt: „Wer bin ich?“. Hier sagt er es ganz schlicht: „David, der Sohn Isais.“ Aber dann sagt er, was er durch die Gnade Gottes ist: „Der hochgestellte Mann, der Gesalbte Gottes und der Liebliche in Gesängen Israels.“
In seinem Gebet hatte David verwundert gesagt: „Du hast mich angesehen nach der Weise eines hochgestellten Menschen, Herr, Gott!“
(1. Chr 17,17b). Hier ist er sich der Würde dieser Stellung bewusst. Einst hatte er Saul geschont, weil er der Gesalbte war (s. 1. Sam 24,7.11). Nun ist er selbst der gesalbte König und als solcher Vorbild eines Größeren, von dem er gleich sprechen wird. Er war aber nicht nur der hochgestellte, gesalbte König, er hatte von Gott auch eine Gabe empfangen. Und in deren Ausübung war er der Liebliche in Gesängen Israels, wovon die Psalmen Davids ein beredter Ausdruck sind.
Der Geist des Herrn redete durch David, Er hat David die Worte in den Mund gelegt, auch seine letzten Worte sind inspiriertes Wort Gottes. Aber nicht nur hat Gott durch ihn gesprochen, der Fels Israels hat auch zu ihm geredet.
Von dem Felsen Israels lesen wir noch in Jesaja 30, wo wir vom Gericht des Herrn über den falschen König Israels und den König des Nordens lesen. Dort ist, wie auch hier, am Ende der letzten Worte Davids, von einem Gerichtsfeuer die Rede, in Jesaja 30,33 sogar von einer mit Feuer gefüllten Gräuelstätte.
Zuerst spricht David von einem Herrscher unter den Menschen, nicht nur über die Menschen, von einem gerechten Herrscher in Gottesfurcht. Das wird der Herr Jesus sein. Er wird mit dem Licht des Morgens verglichen, wenn die Sonne aufgeht, von der auch der letzte Prophet des Alten Testaments spricht, wenn er schreibt: „Aber euch, die ihr meinen Namen fürchtet, wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen mit Heilung in ihren Flügeln“ (Mal 3,20a).
Es wird ein Morgen ohne Wolken sein, die die Sonne verdecken könnten. Dann wird das Grün aus der Erde sprossen. Jesaja schreibt: „Und ihr werdet es sehen, und euer Herz wird sich freuen; und eure Gebeine werden sprossen wie das junge Gras“ (Jes 66,14a).
Vielleicht dürfen wir in Verbindung mit der Morgenröte auch an folgenden Vers denken: „Dein Volk wird voller Willigkeit sein am Tag deiner Macht; in heiliger Pracht, aus dem Schoß der Morgenröte wird dir der Tau deiner Jugend kommen“ (Ps 110,3). Lieben wir sein Erscheinen?
Nachdem David in die herrliche Zukunft geblickt hat, schaut er jetzt zurück auf sein Haus. Vor seinem tiefen Fall in der Mitte seiner Jahre hatte er zu Gott im Gebet gesagt: „Was ist mein Haus?“. Jetzt am Ende seines Lebens muss er bekennen: „Obwohl mein Haus nicht so ist bei Gott …“.
Gott hatte nach seinem Fall zu ihm gesagt: „Siehe, ich will aus deinem Haus Unglück über dich erwecken“ (2. Sam 12,11). Wie erfüllten sich diese Worte: Amnon, ein Sohn Davids, entehrt seine Halbschwester Tamar. Zwei Jahre später lässt Absalom, der Bruder Tamars, Amnon von seinen Knechten erschlagen und flieht danach nach Gesur. Drei Jahre später lässt David, der sich nach Absalom sehnt, ihn wieder nach Jerusalem kommen und weitere zwei Jahre später empfängt er den Sohn wieder mit einem Kuss. Einige Zeit später erhebt sich Absalom gegen seinen Vater und wird von Joab getötet, obwohl David geboten hatte, seinen Sohn zu schonen. Als David alt geworden war, erhebt sich sein Sohn Adonija gegen ihn.
In dem Bericht über Adonija wird von David gesagt: „Und sein Vater hatte ihn, solange er lebte, nicht betrübt, dass er gesagt hätte: Warum tust du so?“ (1. Kön 1,6a). Selbst Eli hatte – auch wenn das völlig unzureichend war – versucht, seinen Söhnen zu wehren, indem er sie fragte: „Warum tut ihr solche Dinge?“ (1. Sam 2,23).
Die mangelnde Konsequenz in dem Handeln mit Absalom, wie die fehlende Strenge in der Erziehung Adonijas hatten vielleicht ihre Ursache in der Schönheit dieser beiden Söhne Haggits, die das Wort Gottes in beiden Fällen im Zusammenhang mit der Schwäche Davids ihnen gegenüber erwähnt (s. 2. Sam 14,25; 1. Kön 1,6b).
Die Geschichte des Hauses Davids und das Versagen Davids als Vater, zumindest in Bezug auf die schönen Söhne seiner Frau Haggit, ist für jeden Vater eine ernste Mahnung. Salomo, der Sohn Davids, der sein Nachfolger auf dem Thron wird, gibt den weisen Rat: „Erziehe den Knaben seinem Weg entsprechend; er wird nicht davon weichen, auch wenn er alt wird“ (Spr 22,6).
Trotz seiner großen Sünde, deren Schwere er sich aber bewusst war, wenn er sagt: „Meine Sünde ist beständig vor mir“ (Ps 51,5), und über die er sich tief gedemütigt hatte, war David der Mann nach dem Herzen Gottes (s. 1. Sam 13,14; Apg 13,22), mit dem Gott in seiner Gnade einen ewigen Bund gemacht hatte.
Diesen Bund hatte Er David durch Nathan mitteilen lassen und er beinhaltete, dass Gott den Thron seines Nachkommens in Ewigkeit befestigen würde (s. 2. Sam 7,12-16). Dieser Bund erfüllte das Herz Davids, wenn er auch noch nicht sprosste und das tut er bis heute nicht. Das wird er erst dann, wenn der Morgen ohne Wolken kommt (s. V. 4).
Die letzten Worte Davids gelten den Feinden Gottes, den Söhnen Belials. Wenn Christus kommt, wird Er sie alle vernichten. In das Reich werden nur wiedergeborene Menschen eingehen.
Horst Zielfeld
Ergänzend zum Artikel über den Sieg Jonathans möchten wir in diesem Heft etwas über die Waffenrüstung Gottes im Epheserbrief nachdenken, die uns zur Verfügung steht, damit wir – wie Jonathan – in unserem Leben als Christen siegreich sein können.
Im Brief an die Epheser finden wir in den ersten drei Kapiteln die höchsten christlichen Segnungen, die uns jetzt schon gehören.
Es sind keine materiellen, sondern geistliche Segnungen in den himmlischen Örtern, die wir jetzt schon genießen dürfen, da wir in Christus schon mitsitzen in diesen Örtern (s. Eph 2,6).
„Zieht die ganze Waffenrüstung Gottes an, damit ihr zu bestehen vermögt gegen die Listen des Teufels.“
Von Kapitel 4 bis Kapitel 6 Vers 9 wird uns mitgeteilt wie wir dieser hohen Berufung gemäß wandeln sollen.
Der Rest des Kapitels zeigt uns dann, dass der Teufel, ja alle geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen Örtern, uns den Genuss an diesen Segnungen rauben wollen. Dem müssen wir widerstehen, um am Ende als solche zu stehen, die das Feld behauptet haben. Für diesen Kampf, der nicht gegen Fleisch und Blut – also nicht gegen Menschen – gerichtet ist, brauchen wir die ganze Waffenrüstung Gottes.
Die aufgeführten Einzelteile der göttlichen Waffenrüstung entsprechen den Teilen, die zur Rüstung eines römischen Soldaten gehörten.
Die Lenden sind in der Bibel der Sitz der Kraft (s. Hi 40,16; Spr 31,17; Nah 2,1). Gewichtheber tragen einen breiten Ledergürtel, damit die Bauchmuskulatur bei der großen Kraftanstrengung nicht reißt.
Wir müssen zwei Arten von Wahrheit unterscheiden:
Wir müssen von der absoluten Wahrheit des Wortes geleitet sein und selbst wahrhaftig sein, dann haben wir Kraft.
Der Brustharnisch schützt die Brust. In der Brust schlägt das Herz. Die Bibel sieht das Herz als Sitz
Weil dies so ist, wird uns gesagt: „Behüte dein Herz mehr als alles, was zu bewahren ist; denn von ihm aus sind die Ausgänge des Lebens“ (Spr 4,23). Dazu dient der Brustharnisch der Gerechtigkeit.
Es gibt zwei Arten von Gerechtigkeit:
Da wir die Waffenrüstung anziehen sollen, handelt es sich hier um die in unserem Leben praktizierte Gerechtigkeit. Wenn wir sündigen, ist unsere Gemeinschaft mit dem Vater gestört und unser Gewissen klagt uns an. Darum gilt auch uns die Aufforderung an Timotheus, ein gutes Gewissen zu bewahren (s. 1. Tim 1,19).
„Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße dessen, der frohe Botschaft bringt, der Frieden verkündigt, der Botschaft des Guten bringt, der Rettung verkündigt, der zu Zion spricht: Dein Gott herrscht als König!“ (Jes 52,7; s. Röm 10,15).
Es geht hier noch nicht in erster Linie um die aktive Verbreitung des Evangeliums, sondern um den inneren Zustand der Bereitschaft dazu. Dazu muss das Herz voll von der Gnade Gottes sein und die Füße müssen einen Weg gehen, auf dem wir den Frieden suchen, so wie wir es in Römer 12,18 lesen: „Wenn möglich, soviel an euch ist, lebt mit allen Menschen in Frieden“ (s. Mk 9,50b).
Über alles sollen wir den Schild des Glaubens ergriffen haben. Die Worte „über alles“ fassen die bisher vorgestellten Teile zusammen, die das Kennzeichen des praktischen Zustandes und Wandels des Gläubigen sind. Der Schild des Glaubens und der Helm des Heils stellen dagegen das praktische Vertrauen auf Gott dar. Das Wort „Schild“ kommt nur hier im Neuen Testament vor. Im Alten Testament dagegen bezeichnet sich Gott öfters als Schild der Gläubigen (z. B. 1. Mo 15,1). Auch das Wort „Glauben“ hat in der Schrift eine zweifache Bedeutung:
Von dem Glauben in letzterem Sinn, dem Vertrauen in Gott in den täglichen Umständen, spricht vor allem Hebräer 11. Diesen Glauben benötigen wir, um die feurigen Pfeile (Zweifel, die der Teufel in uns wecken will, Zweifel an der Liebe Gottes, Zweifel an seinem Wort usw.), auszulöschen, d.h. im Keim zu ersticken.
Der Herr Jesus selbst sagt, dass jeder, der an Ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat, und dass niemand ihn aus seiner Hand rauben wird (s. Joh 3,15.16; 10,28). Dies festzuhalten bedeutet, den Helm des Heils zu tragen.
Der Helm schützt den Kopf. Satan will durch fremde Lehren unsere Gedanken beunruhigen. Gottes Wort dagegen spricht klar von Heilsgewissheit und Heilssicherheit (s. Röm 8, 16,31-39) sowie davon, dass der Herr Jesus die Seinen völlig erretten wird (s. Heb 7,25).
Die letzte Gruppe innerhalb der Rüstungsteile besteht aus den beiden wichtigsten Kraftquellen des Gläubigen: dem Wort Gottes und dem Gebet. Das Schwert ist die einzige Waffe unter den Bestandteilen der Rüstung. Das Wort Gottes ist eine Waffe, die sich einerseits gegen uns selbst richtet (s. Heb 4,12.13), aber andererseits auch im Kampf gegen den Teufel notwendig ist. Dies sehen wir deutlich bei der Versuchung des Herrn durch Satan. Alle Angriffe des Feindes pariert er mit dem Schwert des Geistes, dem Wort Gottes (s. Mt 4,4.7.10). Es ist hier eine reine Verteidigungswaffe. Wir sollen sie benutzen, wie es der Herr getan hat, als Er zu Beginn seines Dienstes vom Teufel versucht wurde. Um das Schwert des Geistes einsetzten zu können, müssen wir das Wort Gottes kennen und wissen, wie es anzuwenden ist.
„Um das Schwert des Geistes einsetzten zu können, müssen wir das Wort Gottes kennen und wissen, wie es anzuwenden ist.“
Damit kommen wir zum letzten Stück, das im Gegensatz zu den vorhergehenden nicht direkt mit einem Rüstungsteil verglichen wird. Häufiger werden in der Bibel das Wort Gottes und das Gebet nebeneinander erwähnt (z. B. Apg 6,4).
Durch die Bibel redet Gott zu uns, durch das Gebet reden wir mit Gott. Die Jünger im Garten Gethsemane sind für uns ein warnendes Beispiel, das Gebet nicht zu vernachlässigen (s. Mt 26,41).
Wir werden aufgefordert, für alle Heiligen zu beten – welch ein weites Feld! Insbesondere dürfen wir für die bitten, die den Dienst der Verkündigung des Wortes verrichten.
Hast du die ganze Waffenrüstung Gottes angelegt? Wenn nicht, bedenke, dass eine unvollständig angelegte Waffenrüstung im Kampf nutzlos ist. Deshalb mache dir klar, welche Teile fehlen und füge sie, mit der Hilfe des Herrn, den andern hinzu. Der Widersacher kommt. Sei bereit!
Horst Zielfeld
Sitzen
… unsere Stellung in Christus, zu der wir nichts beitragen konnten und die uns ewig sicher ist.
Wandeln
… unsere praktische Lebensführung in Übereinstimmung mit dieser Stellung.
Stehen
… unser fester Stand als solche, die in der Kraft Gottes die Stellung behaupten.
„Und Mordokai ließ der Esther antworten: Denke nicht in deinem Herzen, dass nur du im Haus des Königs von allen Juden entkommen wirst. Denn wenn du in dieser Zeit schweigst, so wird Befreiung und Errettung für die Juden von einem anderen Ort her erstehen; du aber und deines Vaters Haus , ihr werdet umkommen. Und wer weiß, ob du nicht für eine Zeit wie diese zum Königtum gelangt bist?“
„Für eine Zeit wie diese“ – Mit diesen Worten beschreibt Mordokai die schwierige Zeit, in der sich die Juden damals im Persischen Reich befanden. Auf das listige Anraten Hamans hin, dem Widersacher der Juden, hatte der persische König Ahasveros den Befehl erteilt, alle Juden in seinem Reich umbringen zu lassen. Mit großer Furcht blickten die Juden daher dem 13. Tag des 12. Monats entgegen, an dem der Befehl ausgeführt werden sollte (s. Est 3,8.9.13).
Doch die Vorsehung Gottes hatte bereits entsprechende Vorsorge getroffen und Esther, eine junge Frau aus dem Volk der Juden, als Gemahlin an die Seite des Königs gestellt. Die große Frage jedoch war: Würde sie sich an dem hohen Platz, an dem sie sich befand, zugunsten ihres bedrängten Volkes einsetzen? Würde sie die ihr verliehene Stellung dazu benutzen, ihrem notleidenden Volk zu Hilfe zu kommen?
In dieser aussichtslosen Situation – denn der einmal erteilte Befehl eines persischen Königs konnte nicht widerrufen werden – appelliert Mordokai eindringlich an die Verantwortung Esthers: Sie sollte nicht denken, dass sie am Königshof geschützt sein würde. Ihre Beziehung zu Ahasveros würde ihr nichts nützen. Der Hass Hamans würde sie auch am Königshof erreichen. Und wenn sie nicht für ihr Volk eintreten würde, dann würde Hilfe für die Juden von woanders her kommen. Hatte Gott Esther nicht gerade im Hinblick auf jene notvolle Zeit als Königin an die Seite von Ahasveros gestellt? Und wollte Er nicht gerade sie in dieser Situation benutzen, um seinem bedrückten Volk zu Hilfe zu kommen?
Gott in seiner großen Weisheit hat auch dich und mich gerade in diese Zeit gestellt, um für Ihn und seine Interessen da zu sein. „Für eine Zeit wie diese“
Heute leben wir noch in dieser Zeit. Morgen kann sie schon zu Ende sein. Wie gut, wenn wir in dieser Zeit den Platz ausfüllen, den Er für uns vorgesehen hat und das tun, was Er von uns möchte – zu seiner Ehre und Verherrlichung!
Daniel Melui
In Bethanien, nicht weit entfernt von Jerusalem, fand der Herr Herzen, die für Ihn schlugen. Besonders die drei Geschwister Martha, Maria und Lazarus verband eine enge Beziehung mit dem Herrn Jesus.
In den letzten Tagen vor dem Kreuz verließ der Herr abends Jerusalem, wo seine Verwerfung durch die Hohenpriester und Schriftgelehrten dem Höhepunkt entgegenstrebte (s. Mk 11,18) und ging nach Bethanien (s. Mk 11,11; 14,3). Was kennzeichnete diesen Ort und das Haus, das der Herr aufsuchte?
Bethanien kann man übersetzen mit „Haus des Elends“ und dorthin kam der Herr. Er kam zu denen, die durch den Ungehorsam des Menschen im Elend waren. Die Sünde und ihre Folgen begegneten dem Heiland auf Schritt und Tritt. Am Grab des Lazarus war Er erschüttert und vergoss Tränen. Das war nicht nur ein Ausdruck des Mitempfindens, sondern vor allem das tiefe Empfinden über das, was die Sünde angerichtet hatte. Aber durch das Sühnungswerk des Herrn am Kreuz konnte dieser Ort des Elends zu einem Ort der Freude in der Gemeinschaft mit dem Herrn Jesus werden.
Martha hatte Ihn schon einige Zeit vorher in ihr Haus aufgenommen (s. Lk 11,38). Jetzt ist Er im Haus von Simon (s. Mk 14,3). Dort machen sie Ihm ein Abendessen (s. Joh 12,2). Er ist der Mittelpunkt, um den sich alles dreht. Dort sind Herzen, die Ihn wertschätzen und auf Ihn ausgerichtet sind.
Wie kann das sein? Der Gastgeber: Simon, der Aussätzige? Ein Aussätziger gemeinsam mit Gästen am Tisch und der Herr kommt dort hin? Aussätzige mussten doch in großem Abstand außerhalb der Stadt bleiben und „unrein, unrein“ rufen, damit die anderen Menschen ihnen nicht zu nahe kamen.
Wir können wohl davon ausgehen, dass Simon zu diesem Zeitpunkt nicht mehr aussätzig war, aber er war es einmal gewesen. Seine Heilung wird in der Bibel nicht berichtet. Ob der Herr ihn geheilt hatte? Und ob er Ihm nun aus Dankbarkeit ein Abendessen machte?
Was können wir daraus für uns lernen?
Der Aussatz ist in der Bibel ein Bild der Sünde in ihrer verunreinigenden Wirkung. Wir haben nicht nur gesündigt, sondern waren auch Sünder. Das war unser Zustand. Und so passten wir nicht in die Gegenwart Gottes. Gott ist rein und heilig und kann keine Gemeinschaft mit Sünde haben.
Aber durch das Werk des Herrn Jesus hat Er uns, die wir Sünder waren, in die Stellung von Gerechten, von Heiligen und Geliebten gesetzt. Wir sind jetzt ganz rein, weil wir gewaschen sind in seinem Blut (s. 1. Kor 6,11; Off 1,5). Unsere Lebenspraxis soll dem jetzt auch entsprechen. Dann können wir in glücklicher Gemeinschaft mit Ihm leben. Und wir wollen nie vergessen, wer wir vor unserer Bekehrung waren. Dann steht die Gnade Gottes vor unseren Herzen und wir haben den tiefen Wunsch, mit Ihm und für Ihn zu leben. Er hat so viel, ja alles, für uns getan!
Es war schon eine interessante Gesellschaft. Neben einem ehemaligen Aussätzigen war auch ein ehemals Toter dort! Wirklich eine einzigartige Situation.
Der Herr Jesus hatte in göttlicher Macht Lazarus, der schon vier Tage tot war, aus dem Grab herausgerufen. Der Gestorbene war wieder lebendig geworden. Nun genießt er die Gemeinschaft mit dem Herrn Jesus.
Was ist die Anwendung für uns?
„Nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir.“
Gemeinschaft bedeutet mehr, als nur zusammen zu sein oder etwas zusammen zu machen. Es geht um eine innere Übereinkunft über etwas, um eine enge Beziehung, um Anteil aneinander. Das Wesen der Gemeinschaft wird sehr schön in Amos 3,3 beschrieben: „Gehen wohl zwei miteinander, außer wenn sie übereingekommen sind?“
Um miteinander zu gehen, ist es notwendig, das gleiche Ziel zu haben und den gleichen Weg im gleichen Tempo zu gehen. Und sicher wird die Gemeinschaft auf dem Weg auch in einem intensiven Austausch sichtbar (s. 2. Kön 2,13). Um Gemeinschaft mit dem Herrn zu haben, ist es also notwendig, dass wir in Übereinstimmung mit seinen Gedanken, d. h. seinem Wort leben und nach seinem Willen fragen. Wie sah das im Haus in Bethanien aus?
Ein Abendessen ist an sich schon ein Ausdruck von Gemeinschaft (s. Off 3,20). Entscheidend ist nur, mit wem diese Gemeinschaft besteht.
Der Herr Jesus war mit seinen Jüngern im Haus Simons. Vermutlich waren außer ihnen und den drei Geschwistern Martha, Maria und Lazarus noch weitere Gäste anwesend. Und doch wird ausdrücklich gesagt, dass das Abendessen dem Herrn Jesus galt. Um Ihn ging es, Er war der Mittelpunkt des Hauses. Ihm waren die Herzen zugewandt, auf Ihn waren die Augen gerichtet. Wie hat das den Herrn gefreut, in diesem Haus solche zu finden, die Ihm den ersten Platz in ihrem Leben gaben.
Christliche Gemeinschaft ist zuerst davon gekennzeichnet, dass wir Gemeinschaft mit Gott, dem Vater und dem Sohn haben. „… und zwar ist unsere Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus“ (1. Joh 1,3b).
„Lazarus aber war einer von denen, die mit ihm zu Tisch lagen“ (Joh 12, 2). Von Lazarus lesen wir nicht, dass er etwas gesagt hätte. Er war wohl einer der Stillen im Land. Aber er suchte die Nähe des Herrn, der ihn aus den Toten auferweckt hatte. Und das war entscheidend. Damit war er am richtigen Platz und dadurch konnte er ohne Worte ein lebendiges Zeugnis für den Herrn sein (s. Joh 12,11). Neben Lazarus hatten auch noch andere diesen Platz in der Nähe des Herrn eingenommen. So hatten sie an diesem Tisch Gemeinschaft mit dem Herrn und untereinander.
Das ist das zweite Kennzeichen christlicher Gemeinschaft. Wenn wir Gemeinschaft mit Ihm haben, werden wir auch andere finden, die den gleichen Wunsch haben. Diese Gemeinschaft besteht dem Grundsatz nach mit allen Kindern Gottes, weil wir das gleiche Leben, den gleichen Herrn, den gleichen Vater und den gleichen Geist Gottes in uns wohnen haben. Wie schön ist es, wenn wir das auch praktisch miteinander verwirklichen können, weil wir gemeinsam Ihm nachfolgen und auch den gemeinsamen Weg der Kinder Gottes nach der Schrift gehen wollen. Die Gemeinschaft untereinander gründet sich auf die Gemeinschaft mit Ihm. „Was wir gesehen und gehört haben, verkündigen wir auch euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt, und zwar ist unsere Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus“ (1. Joh 1,3).
Diese Gemeinschaft können und wollen wir in unseren Familien und in den örtlichen Versammlungen ausleben. Ist Er das Zentrum unseres Familienlebens und des täglichen Miteinanders der Geschwister am Ort und auch darüber hinaus?
Wenn wir zum Beispiel als Familie zu Abend essen, ist das eine gute Gelegenheit, gemeinsam das Wort Gottes oder einen Kalender zu lesen, ein paar Worte darüber zu reden und zu beten. In den alltäglichen Situationen wird so unsere Gemeinschaft mit Ihm sichtbar und stärkt die Gemeinschaft untereinander. Das Ergebnis ist dann: „Und dies schreiben wir euch, damit eure Freude völlig sei“ (1. Joh 1,4).
Aus der Gemeinschaft mit dem Herrn Jesus heraus und mit der Freude, die wir darin erleben, kann es dann auch nützlichen Dienst für Ihn geben. Damit wollen wir uns im nächsten Heft beschäftigen.
Dirk Mütze
„Und die erste Niederlage, die Jonathan und sein Waffenträger anrichteten, war etwa zwanzig Mann …“
Vergleicht man den Sieg Jonathans am Pass von Mikmas, als er und sein Waffenträger „nur“ 20 Philister erschlugen, mit anderen Siegen in der Geschichte Israels (z. B. mit der Schlacht bei Aphek, als Israel unter Ahab 100.000 Syrer schlug, (s. 1. Kön 20,29), kommt schon die Frage auf, warum diese Begebenheit so detailliert beschrieben wird. Vielleicht, weil Jonathan uns „im guten Kampf des Glaubens“ (s. 1. Tim. 6,12) ein Vorbild sein soll.
Seit dem Einzug ins Land waren die Philister, ein götzendienerisches und kriegerisches Volk, einer der Hauptfeinde Israels. Man nimmt an, dass sie ursprünglich aus Ägypten stammten und schon vor Abrahams Zeit über das Mittelmeer in Palästina eingewandert sind. Sie sind also nicht wie das Volk Gottes durch den Jordan (ein Bild vom Tod des Herrn Jesus) ins Land gekommen.
Symbolisch zeigen sie uns Menschen, die ein christliches Bekenntnis haben, aber nicht wirklich bekehrt sind und den wahren Gläubigen quasi „das Land“ streitig machen.
Die Philister unterdrückten immer wieder das Volk Israel, zur Zeit Simsons sogar 40 Jahre lang. Als Saul König wurde, hatten sie das Volk fast vollständig im Griff und es war die Aufgabe des Königs, die Gott ihm gezeigt hatte, diese Feinde zu schlagen. Doch sie hatten Israel alle Waffen weggenommen (s. 1. Sam 13, 19-21) und jetzt war am strategisch wichtigen Pass von Mikmas eine gewaltige Heeresmacht (30.000 Wagen, 6.000 Reiter und Fußvolk „wie Sand am Meer“) als Vernichtungszug gegen Israel zusammengezogen. Das versetze das Volk endgültig in Angst und Schrecken (s. 1. Sam 13,6.7) und ein großer Teil versteckte sich im Gebirge. Saul verfügte nur noch über 600 Kämpfer (s. 1. Sam 13,15).
Die Übermacht der Philister auf der einen Seite des Gebirges steht der scheinbar armseligen Truppe mut- und waffenloser Israeliten auf der anderen Seite gegenüber. Sehen wir darin nicht ein Bild der Gläubigen heute, die umgeben sind von einer christuslosen Christenheit?
Der Teufel unternimmt alles, um den Gläubigen zu schaden. Dabei fokussiert er sich besonders auf unseren Glauben. Einerseits auf das Glaubensgut, d. h. den Inhalt unseres Glaubens, und andererseits auf die Kraft unseres Glaubens. Beides will er uns nehmen und gerne benutzt er hierfür solche „Philister“. Daher müssen wir für den Glauben kämpfen, aber leider sind wir oft nicht bereit dazu.
Jonathan ließ sich damals von den Philistern nicht beeindrucken und von den verzagten Israeliten nicht entmutigen lassen. Er wagte den Kampf. Und seine Geschichte macht deutlich, dass der Glaubende nicht ohne Ausweg ist, auch wenn es fast so aussehen mag.
Die Begebenheit in 1. Samuel 14 zeigt uns, was wir für den Glaubenskampf brauchen und was Gott uns auch gerne schenken möchte.
,,Gott hat uns den Verstand gegeben und wir sollen ihn im Glaubenskampf auch benutzen.“
Gottes Wort beschreibt nicht detailliert, auf welche Weise Jonathan und sein Waffenträger die zwanzig Mann töteten. Wir lesen nur, dass sie vor Jonathan fielen und sein Waffenträger hinter ihm her tötete (s. 1. Sam 14,13). Es war Gottes Antwort auf Jonathans Bereitschaft, diesen scheinbar aussichtslosen Kampf zu führen, dass Er selbst die Sache in die Hand nahm und den Sieg herbeiführte.
Auf den ersten Blick ist es ein kleiner Sieg über nur 20 Mann, nur ein minimaler Bruchteil der ganzen Besatzungsmacht. Und doch sagt Gottes Wort in Vers 14, dass es eine erste Niederlage (oder ein erster Schlag, s. Anmerkung) war.
Doch der in den Augen der Menschen vielleicht nur kleine Sieg wurde zum Schrecken Gottes, der alle Philister erreichte und sie so verwirrte, dass sie flohen. Dieser Sieg steckte die anderen Israeliten, die bis dahin mutlos in ihrem Lager waren, oder sich ängstlich versteckt hatten, an, ebenfalls zu kämpfen. Ein erster kleiner, unscheinbarer Sieg, aus dem Gott dann so viel gemacht hat.
Wir Christen sind wie die Israeliten damals schnell mutlos und verstecken uns oft. Wenn uns jemand zum Glaubenskampf auffordert, winken wir schnell mit den Argumenten ab, wir könnten ja doch nichts ausrichten und die Zeit der großen Siege sei schließlich vorbei.
So hätte Jonathan auch denken können, als er von diesem Posten der Philister am Pass von Mikmas hörte. Aber er vertraute Gott, machte sich auf und kämpfte mutig diesen „kleinen“ Kampf. Wie viele Gelegenheiten haben wir dazu besonders in unseren Ehen und Familien, in den Kontakten, die durch unsere Kinder entstehen, im Beruf, in der Nachbarschaft und auch im Zusammenleben mit den Glaubensgeschwistern!
Wenn wir die Treue und die Motivation zeigen, die wir bei Jonathan in den einzelnen Punkten gesehen haben, dann wird Gott selbst für Siege sorgen, auch wenn sie – aus unserer Sicht – vielleicht klein erscheinen. Wir können dem Herrn dann in aller Ruhe überlassen, was Er daraus macht.
Henning Panthel
Fußnoten:
Bei der Vorstellung der Waffenrüstung in Epheser 6 ist der Schild des Glaubens ein Bestandteil der Waffenrüstung.
Konflikte gibt es, solange es Menschen gibt. Als Konflikt bezeichnen wir eine schwierige Situation infolge des Aufeinanderprallens unterschiedlicher Interessen, Forderungen oder Meinungen.
Weil durch den Sündenfall des ersten Menschenpaares die Sünde in die Welt gekommen ist, sind auch Konflikte eine Folge davon (s. Röm 5,12). Vor dem Sündenfall herrschten vollkommene Harmonie und Liebe. Aber das veränderte sich nach dem Sündenfall grundlegend: Die gefallenen Menschen wurden missgünstig und bösartig (s. 1. Mo 6,5).
Konflikte sind keine angenehmen Situationen in unserem Alltag. Auch wir Christen sind ihnen immer wieder ausgesetzt. Wie gehen wir damit um?
In Gottes Wort finden wir Begebenheiten, die uns Grundsätze für den Umgang mit Konflikten zeigen. Im Folgenden möchten wir uns deshalb einmal mit zwei aufschlussreichen Begebenheiten näher beschäftigen.
Abraham wohnte zwischen Bethel und Ai bei der Stätte des Altars (s. 1. Mo 13,3). Er war sehr reich an Vieh, Silber und Gold (s. V. 2). Auch Lot, der mit Abraham zog, war nicht unvermögend: Er hatte Kleinvieh und Rinder (s. V. 5). Beide waren zu Wohlstand gekommen. Ihre Habe war groß, aber der Wohnraum begrenzt.
Die Folge davon war Zank zwischen den Viehhirten Abrahams und Lots.
Das konnte so nicht bleiben! Welch ein Bild gaben sie damit unter den Kanaanitern und den Perisitern ab, die damals im Land wohnten!
Schauen wir uns die einzelnen Schritte zur Konfliktlösung etwas genauer an.
Es ist Abraham als der Ältere (und Weisere), der die Initiative zum Gespräch ergreift.
Der Vorzug an Alter und der damit verbundenen Selbsterkenntnis, lässt Abraham Lot gegenüber langmütig sein. Die Einsicht eines Menschen [über sich selbst] macht ihn langmütig, und sein Ruhm ist es, Vergehungen zu übersehen“ (Spr 19,11).
Abraham geht auf Lot zu und spricht den Konflikt offen an: „Da sprach Abram zu Lot: Lass doch kein Gezänk sein zwischen mir und dir und zwischen meinen Hirten und deinen Hirten; denn wir sind Brüder!“ (1. Mo 13,8).
Abraham erhebt warnend seine Stimme wegen der möglichen Folgen des Streits. Er ist sich im Klaren darüber: Der Streit der Hirten würde auch das Verhältnis zwischen ihm und Lot trüben, deshalb mahnt er: „Lass doch kein Gezänk sein zwischen mir und dir …“.
In Weisheit betont er zunächst das Verbindende und sagt: „Wir sind Brüder!“ – obwohl Lot sein Neffe war, der Sohn seines Bruders Haran (s. 1. Mo 11,31).
Abraham gibt uns ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig im Konflikt Besonnenheit ist. Denn: „… die Zunge der Weisen ist Heilung“. Aber: „Da ist jemand, der unbesonnene Worte redet gleich Schwertstichen“ (s. Spr 12,18).
Es ist auffallend, wie sehr er versucht, die Situation möglichst objektiv darzustellen: Er bleibt ruhig und besonnen, reagiert nicht emotional. Er macht Lot keine Vorwürfe, keine aggressiven Äußerungen kommen über seine Lippen.
Selbstlos fragt Abraham den jüngeren Lot: „Ist nicht das ganz Land vor dir?“ Und dann macht er ihm einen Lösungsvorschlag. Er unterbreitet Lot zwei Möglichkeiten und überlässt ihm die Wahl: „Trenne dich doch von mir! Willst du zur Linken, so will ich mich zur Rechten wenden, und willst du zur Rechten, so will ich mich zur Linken wenden“ (V. 9). Dabei ist Abraham auch bereit, Nachteile in Kauf zu nehmen.
Wir alle haben wohl mehr oder weniger in dieser Hinsicht zu lernen!
Manchmal müssen auch wir Benachteiligungen in Kauf nehmen, indem wir die eigenen Interessen zurückstellen und einlenken – um des Friedens willen auf etwas verzichten. Die Ermahnung ist immer noch aktuell: „Warum lasst ihr euch nicht lieber unrecht tun? Warum lasst ihr euch nicht lieber übervorteilen?“ (1. Kor 6,7).
In uns selbst haben wir nicht die Weisheit zu einem jederzeit besonnen Reden und Handeln.
Der Herr Jesus ist uns auch darin Vorbild. Er suchte niemals seinen Vorteil, verzichtete auf eigene Rechte und „übergab sich dem, der gerecht richtet“ (1. Pet 2,23).
Und Lot – wie verhält er sich? Eigentlich hätte es ihm als dem Jüngeren gut gestanden, seinem Onkel Abraham die Wahl zu überlassen.
Aber hat Lot wirklich das bessere Los gezogen? Nur dem äußeren Anschein nach. Sein Weg ging moralisch Schritt für Schritt bergab: „Lot wohnte in den Städten der Ebene – er schlug seine Zelte auf bis Sodom“, deren Bewohner große Sünder vor dem Herrn waren! Schließlich wohnt Lot in Sodom und zuletzt finden wir ihn im „Tor Sodoms“; er hatte einen Sitz im Rat dieser gottlosen Stadt (s. Kap. 13,12.13; 14,12; 19,1).
Armer Lot: Er quälte Tag für Tag seine gerechte Seele mit dem, was er sah und hörte (s. 2. Pet 2,7.8).
Abraham ist gegenüber seinem Neffen Lot nicht nachtragend. Im Gegenteil: Als Lot durch kriegerische Auseinandersetzungen in Not gerät, eilt Abraham ihm sofort zu Hilfe: „Und als Abram hörte, dass sein Bruder (!) gefangen weggeführt worden war, ließ er seine Geübten, seine Hausgeborenen, ausrücken, 318 Mann, und jagte ihnen nach bis Dan …“ – und befreite ihn und seine Habe (Kap. 14,14-16). Vorbildlich ist Abrahams Fürbitte vor dem Herrn um die Verschonung Lots und seiner Familie vor dem Gericht über die Städte Sodom und Gomorra (s. Kap. 18,22-33).
„Müssen die Christen aus den Nationen noch beschnitten werden und das Gesetz halten, um errettet zu werden?“ (s. Apg 15,1.5).
Wegen dieser Streitfrage kamen die Apostel und Ältesten in Jerusalem zusammen. Wie sachlich behandelten die Apostel und die Ältesten dieses Problem! Jeder der sich zu Wort Meldenden wurde langmütig angehört.
Zuerst redet Petrus, der seine Beurteilung mit den Worten auf den Punkt bringt: „Wir glauben, durch die Gnade des Herrn Jesus in derselben Weise errettet zu werden wie auch jene“ (V. 11).
Die Menge schweigt zunächst: Ruhe und Besonnenheit sind erkennbar.
Dann hören sie Barnabas und Paulus zu, die von Zeichen und Wundern unter den Nationen berichten, die Gott durch sie getan hat (V. 12). Auch sie können ausreden, ohne unterbrochen zu werden.
Schließlich zitiert Jakobus (der in der Versammlung von Jerusalem als Säule angesehen wurde) einige Verse aus dem Propheten Amos und gibt sein Urteil sachlich mit einem konkreten Vorschlag ab: Den aus den Nationen zu Gott Bekehrten keine Schwierigkeiten zu machen, ihnen vielmehr zu schreiben, sich von gewissen Dingen (von Hurerei usw.) zu enthalten.
Und der Heilige Geist bewirkt, dass alle erkennen: Das zitierte Wort Gottes ist die Lösung der Frage. Die Befolgung desselben dient dem Frieden und der Einheit.
Dem Feind wurde in einer brisanten Situation auf Gott gemäße Weise gewehrt: Keine Parteilichkeit ist erkennbar – keine Spaltungen entstehen.
Diese geistlichen Männer verfassen einmütig einen Brief, welcher den Nationen durch Paulus und Barnabas in Begleitung von Judas und Silas, die Führer unter den Brüdern waren, mitgeteilt werden soll. Diese kommen nach Antiochien hinab, versammeln die Menge und übergeben den Brief. Als Folge lesen wir von Freude, Trost, Ermunterung, Stärkung und Frieden (s. V. 30-35) unter den Geschwistern, die (wieder) einträchtig beieinander wohnen. Sie stehen unter dem Segen Gottes (s. Ps 133,1.3).
Was können wir tun, damit Konflikte sich nicht verschärfen? Fassen wir noch einmal zusammen:
Einträchtig beieinander zu wohnen und einander untergeordnet zu sein in der Furcht Christi (s. Ps 133,1; Eph 4,21), ist ein fortlaufender Lernprozess in der Schule Gottes. Demut, Sanftmut und Langmut sind uns nicht angeboren, sondern vielmehr eine Frucht der Wirksamkeit des Heiligen Geistes im Miteinander der Kinder Gottes.
Wir sind und bleiben Lernende! Manchmal ist das Lernziel nicht erreicht und neue Lektionen zur Wiederholung sind angesagt. Aber wer ist ein Lehrer wie Er? – Er fordert uns auf: „Lernt von mir! Denn ich binsanftmütig und von Herzen demütig“ (Mt 11,29).
Wenn wir bereitwillig dem Vorbild unseres Herrn folgen, stehen wir unter seinem Segen. Und der sollte uns wichtiger als alles andere sein!
Friedhelm Müller
Fußnoten: