BleibtInMir

...denn außer mir könnt ihr nichts tun

Zeitschrift für die christliche Familie

und seid dankbar!(Kol 3,15b)

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Manche Dinge schätzen wir erst, wenn sie plötzlich weg sind. Manche Dinge vermissen wir erst, wenn sie uns genommen werden. Und das, obwohl sie uns vorher wichtig waren! Wir haben es nur nicht gemerkt. Oder wir haben es vergessen.
In diesen Tagen gibt es einiges, das für uns vorher selbstverständlich war, was wir jetzt aber schmerzlich vermissen. Grund genug, diese Dinge einmal aufzulis­ten und uns so zu motivieren, dafür dankbarer zu sein.
Ob sich manche Regeln, die Corona-Krise betreffend, schon wieder gelockert haben, wenn du diese Zeitschrift in den Händen hältst, oder nicht, wissen wir nicht. Viel­leicht spricht dich auch manches nicht so an oder dir fällt noch et­was Neues ein. Die Liste lässt sich sicher beliebig fortsetzen und individuell anpassen.
Dinge, für die ich wieder neu dankbar sein möchte:

  • Gemeinschaft mit anderen haben zu können: Familie und Freunde einla­den und besuchen, Verabredungen zum Spielen, Treffen zu Gebet und Bibelar­beit – so oft und mit so vielen Menschen wie man möchte.
  • Schule und Studium und das Recht auf Bildung.
  • Arbeit, die uns den Lebensunterhalt sichert.
  • Eine große Auswahl an Einkaufsmöglichkeiten und die Verfügbarkeit von Waren in den Geschäften.
  • Freude und Leid mit anderen durch einen Händedruck oder eine Umar­mung teilen zu können.
  • Alte und Bedürftige durch praktische Hilfen unterstützen oder einfach mit einem Besuch ermuntern zu können.
  • In den Urlaub zu fahren.
  • Gesundheit und eine gute medizinische Versorgung.
  • Und nicht zuletzt möchte ich dankbar sein für das Recht auf Versamm­lungsfreiheit: Gemeinsam mit anderen Gott zu loben, den Tod des Herrn Jesus zu verkündigen, mehr aus seinem Wort zu erfahren, gemeinsam zu beten und Ihm Anbetung zu bringen.
  • ...

Die Plagen in Ägypten - Übersicht -

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In diesem Heft haben wir gesehen, dass die Plagen in Ägypten in der prophetischen Skizze dieser Kapitel des zweiten Buches Mose auf die Gerichte der Drangsalszeit hinweisen, die nach der Entrückung der Gläubigen über diese Erde kommen.
Die folgende Übersicht soll zu den einzelnen Plagen eine kurze Erklärung und eine praktische Anwendung für unser heutiges Leben geben.

Die erste Serie – die Plagen 1 bis 3

Die erste Serie von Plagen weist auf Gerichte in der Vorsehung Gottes hin. Ohne un­mittelbar und direkt vom Himmel her einzugreifen, wird Gott in seiner Vorsehung Gerichte bringen, von denen sowohl die Menschen im Allgemeinen betroffen, als auch die Glaubenden, die dann auf der Erde leben, in Mitleidenschaft gezogen wer­den. Auch die erste Gerichtsserie in der Offenbarung, die sieben Siegelgerichte, be­steht aus Gerichten in der Vorsehung Gottes.

Wasser zu Blut

Das, was Gott zum Leben gegeben hatte, wird zum Fluch. Das Wasser des Nils war die Lebensader Ägyptens und die Grundlage für seinen Wohlstand. Die Ägypter hat­ten in Erfindergeist und in eigener Kraft dafür gesorgt, dass die Wasser des Nils so gut wie möglich genutzt werden konnten (s. 5. Mo 11,10). Doch sie hatten es in Un­abhängigkeit von Gott getan. Und deshalb wird das, was Gott eigentlich zum Leben gegeben hatte, zum Verderben.
Lektion: Gebrauchen wir das, was Gott uns zum Leben gibt, in Abhängigkeit von Ihm!

Frösche aus dem Nil

Die Frösche dienen in Offenbarung 16,13 als Vergleich für unreine Geister. Sie sind Tiere, die völlig nackt sind, sie haben weder Fell noch Schuppen. So erkennen wir einen Hinweis darauf, wie die „Nacktheit“ – besonders die sexuelle Freizügigkeit – zur Verunreinigung in jedem Bereich wird (s. 2. Mo 7,28):

  • Im Haus – im Bereich der Ehe und der Familie.
  • Im Schlafgemach – im Bereich der Ruhe und der Erholung.
  • Im Bett – im Bereich der Sexualität, für die Gott die Ehe als Rahmen gegeben hat.
  • In den Häusern der Knechte – im Bereich der Arbeit und des Berufs.
  • Im Volk – in den Beziehungen unter den Menschen.
  • Im Ofen und Backtrog – im Bereich dessen, was Gott zur Nahrung und zum Genuss gegeben hat.

Lektion: Bewahren wir uns in Reinheit und in Trennung vom Bösen in jedem Bereich!

Stechmücken aus dem Staub der Erde

Bei der dritten Plage wird die Macht Gottes deutlich, die Leben (Stechmücken) aus dem Tod (Staub der Erde) hervorbringt. Die Zauberer des Pharaos hatten das Elend, das die ersten beiden Plagen brachte, noch vergrößern können. Sie waren jedoch nicht in der Lage, es rückgängig zu machen. Bei der dritten Plage müssen sie vollstän­dig vor Gottes Finger kapitulieren.
Die Stechmücken saugen Blut und stehen für das, was dem Menschen die Kraft und das Leben raubt. Die vielen irdischen Dinge, der viele Unrat und Schmutz, die Medien und alle Beeinflussungen, die von außen auf den Menschen einströmen, rauben ihm die Kraft und den Lebensmut. Wie aktuell ist das in unserer Zeit!
Lektion: Tanken wir immer wieder neu Kraft und Freude in der Gemeinschaft mit Gott, damit wir für Ihn leben und Ihm dienen können!

Die zweite Serie – die Plagen 4 bis 6

Bei der zweiten Serie der Plagen fällt auf, dass Gott einen Unterschied macht zwi­schen den Ägyptern und seinem Volk Israel. Das Land Gosen ist nicht betroffen von den Plagen! Auch vor der zweiten Gerichtsserie in der Offenbarung (die sie­ben Po­saunengerichte) macht Gott einen Unterschied. Er versiegelt seine Knech­te, damit sie bewahrt werden durch die Gerichte und lebend in das Reich eingehen.

Hundsfliegen

Die Hundsfliegen unterscheiden sich dadurch von den Stechmücken, dass sie nicht in erster Linie das Blut saugen, sondern Krankheiten und Schmutz übertragen. Diese kleinen „Störenfriede“ können sehr lästig werden und Krankheitserreger von einer Person zur anderen tragen. So führen Neid und Missgunst, Egoismus und Heuchelei, übles Nachreden und andere „kleine Störenfriede“ zu zerstörten Beziehungen, zu Misstrauen und Krankheiten im Miteinander der Menschen.
Lektion: Streben wir mehr danach, die Gesinnung des Herrn Jesus zu haben: echten Gehorsam seinem Wort gegenüber und Liebe untereinander!

Eine Pest über die Tiere

Bei der fünften Plage wird der Besitz der Ägypter geschlagen. So werden auch die Gerichte Gottes in der Zukunft den Besitz der Menschen zerstören, auf den sie so stolz sind und auf den sie ihre ganze Hoffnung und ihr Vertrauen gesetzt haben.
Lektion: Setzen wir unser Vertrauen nicht auf irdischen Besitz, sondern auf Gott und seine Hilfe! Bewahren wir den geistlichen Besitz und lassen wir es nicht zu, dass er „zerstört“ wird! Nutzen wir das, was Gott uns gibt, um Ihm zu dienen und Anbeter zu sein!

Geschwüre an Menschen und Tieren

Geschwüre sind nach außen sichtbar. Meist sind sie durch innere, verborgene Krank­heiten verursacht. So wird eine Zeit kommen, in der die ganze Bosheit des Menschen von innen nach außen sichtbar wird und in krankhaften Geschwüren zu Tage tritt.
Lektion: Wenn wir in der Kraft des Geistes Gottes leben, dann können wir uns der in uns wohnenden Sünde für tot halten und ein „gesundes“ Auftreten zei­gen, das nicht durch Geschwüre gekennzeichnet ist.

Die dritte Serie – die Plagen 7 bis 9

In der dritten Serie kommen die Plagen direkt vom Himmel, direkt von Gott. So wird auch die dritte Gerichtsserie im Buch der Offenbarung (die sieben Zornesschalen) di­rekt von Gott, vom Himmel, auf die Erde kommen.

Hagel

Der Hagel steht für das Gericht, das vom Himmel aus über die Erde kommt. Es war ein Hagel, wie er seit der Gründung Ägyptens nie dagewesen war.
Lektion: Für uns heute hat sich in dem Herrn Jesus der Himmel geöffnet, um uns den ganzen Segen Gottes zu bringen. Streben wir danach, diese Segnun­gen besser kennenzulernen und sie zu genießen!

Heuschrecken

Im Propheten Joel werden verschiedene Heuschreckenarten genannt, um die zukünf­tigen Gerichte über Israel zu beschreiben. Auch in Offenbarung 9,3.7 werden Heu­schrecken mit vernichtender Wirkung vorgestellt. Bei der achten Plage fressen die Heuschrecken alles ab, was vom Hagel verschont geblieben war.
Lektion: Die Heuschrecken kommen in großer Zahl und wollen Nahrung und Besitz wegnehmen. Da sollen wir wie Gideon sein, der Weizen gerettet hatte vor den Feinden (s. Ri 6,11).

Finsternis

Gott ist Licht. Und wenn eine vollständige Finsternis eintritt, dann bedeutet das die völlige Abwesenheit seiner Gegenwart und des göttlichen Lichts. Gott zieht sich zu­rück und für die Welt bleibt nur die totale Finsternis.
Lektion: Sorgen wir dafür, Licht in den Wohnungen zu haben, wie die Israeliten zur Zeit der neunten Plage!

Die finale Plage

Das Gericht an der Erstgeburt

Bei der letzten Plage schlägt Gott alle Erstgeburt in Ägypten. Die Erstgeburt steht für die natürliche Kraft des Menschen. Diese Plage steht für das Gericht der Le­bendigen, das der Herr Jesus ausüben wird, wenn Er in Macht und Herrlichkeit er­scheint. Es gibt nur einen Weg, um Verschonung vom Gericht zu erlangen – das Blut des Passahlammes.
Stellen wir diesen Rettungsweg immer wieder in geeigneter Weise unseren Kindern vor und beten wir dafür, dass sie den Herrn Jesus, das wahre Lamm Gottes, im Glau­ben annehmen!

Christian Rosenthal

Licht in den Wohnungen

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Wochenlang hat das Corona-Virus die Nachrichten gefüllt, unser Leben verändert und das Denken und Reden geprägt. Das ist zu einem großen Teil unausweichlich. Wir sind betroffen von der Situation, wir müssen mit den Veränderungen umgehen, wir stehen vor dem Herrn und fragen uns, was Er uns zeigen will. Gerade das ist eine wichtige Fragestellung, der wir nicht ausweichen wollen. Andererseits soll uns das Geschehen in der Welt, in der wir noch leben, nicht völlig in Beschlag nehmen. Es gibt etwas anderes, das unser Leben und Denken bestimmen darf: Der Herr und sein Wort.

Damals in Ägypten

Vor ca. 3.500 Jahren gab es in Ägyp­ten, einem bedeutenden Land in der damaligen Welt, ebenfalls Ereignisse, die alles auf den Kopf stellten. Es wa­ren die Plagen, die Gott über die Bewohner des Landes brachte. Auch das Volk Israel war zum Teil von die­sen Plagen betroffen. Aber für sein Volk hatte Gott einen besonderen Plan mit dem, was Er über Ägypten brachte – Er wollte es aus diesem Land herausführen.
Sicher ist das auch eine große und wichtige Absicht Gottes mit uns in der heutigen Zeit. Er will uns wieder mehr bewusst machen, dass wir nicht von der Welt sind, auch wenn wir noch in der Welt leben. Dass wir nicht gleichförmig dieser Welt sind, auch wenn die Geschehnisse in der Welt uns ebenfalls betreffen. Dass wir in dem Herrn Jesus alles haben, was wir brauchen, und nicht auf irdische Dinge hoffen und vertrauen.
Lasst uns über die Plagen und Got­tes Plan für sein Volk nachdenken, um Denkanstöße für unser Leben zu erhalten.

Eine prophetische Skizze

In den ersten Kapiteln des zweiten Buches Mose wird eine propheti­sche Skizze gezeichnet. Wenn wir sie ver­stehen, dann hilft es uns, die Ereig­nisse unserer Zeit richtig einzuord­nen. Mose ist in diesen Kapiteln ein Hinweis auf den Herrn Jesus, der zu seinem irdischen Volk gekommen war, jedoch nicht erkannt und abgelehnt wurde. Auch wenn Mose weit hinter dem zurückbleibt, auf den er hin­weist, stellt Stephanus in seiner be­eindruckenden Rede in Apostelge­schichte 7 doch gerade diesen Bezug her (s. Apg 7,35.37). Mose wurde von den Vätern verworfen – zur Zeit von Stephanus wurde Christus von den Führern des Volkes verworfen.
Von seinem Volk abgelehnt, zieht Mose nach Midian und findet dort eine Frau. So ist der Herr Jesus nach der Verwerfung durch sein Volk und nach vollbrachtem Erlösungs­werk in den Himmel zurückgekehrt. Er hat eine himmlische Braut, seine Frau, die Versammlung, bekommen.
Doch so wie Mose zurückkehren soll­te, um Israel aus Ägypten zu führen, so wird der Herr Jesus einmal wie­derkommen, um den Überrest seines irdischen Volkes zu retten. Er wird wieder mit seinem irdischen Volk an­knüpfen, nachdem die Vollzahl der Nationen eingegangen ist (s. Röm 11,25). Seinem sichtbaren Kommen gehen die Gerichte der Drangsals­zeit voraus, so wie die Plagen im zwei­ten Buch Mose der Befreiung Israels aus der Knechtschaft vorausgehen.

Noch nicht die Drangsalszeit

Mit dieser Skizze vor Augen verste­hen wir, dass die Plagen auf die noch zukünftigen Gerichte hinweisen, die erst dann über die Erde kommen, wenn wir bereits im Himmel sind. Die Entrückung wird vorher stattfin­den! Das bedeutet, dass die Plagen in Ägypten nicht direkt auf die schrecklichen Ereignisse in Ver­bindung mit dem Corona-Virus hinweisen, denn wir erleben die Gerichte der Drangsalszeit nicht. Wir befinden uns noch nicht in der Zeit, von der das Buch der Offenba­rung ab Kapitel 6 schreibt.
Dennoch erkennen wir heute schon „Vorboten“ dieser Gerichte, so wie das Geheimnis der Gesetzlosigkeit schon wirksam und der Geist des Antichristen schon gekommen ist, auch wenn der Gesetzlose, der Anti­christ als Person, noch verborgen ist (s. 2. Thess 2,7.8; 1. Joh 4,3). Auch manche konkreten Ereignisse in Ver­bindung mit „Corona“ erinnern uns an das, was einmal kommen wird. Denken wir nur an die Vorschläge zur vollständigen Überwachung der Be­wegungen durch Apps, die einge­setzt werden sollen, um die Verbrei­tung des Virus einzuschränken.
Bibelleser wissen, dass in der Zu­kunft diese totale Überwachung Realität sein wird. Niemand wird kaufen oder verkaufen können, wenn er nicht das Zeichen des Tieres trägt (s. Off 13, 17). Was vor 100 Jahren noch nicht vorstellbar war, das können wir heu­te besser verstehen. Wir erkennen an dieser Krise, dass das Weltgesche­hen auf die Gerichte zusteuert, die ein­mal kommen werden. Das lässt uns mit neuer Frische auf den Herrn Je­sus warten, der vorher kommt, um uns zu sich zu nehmen. Reden wir da­von zu unseren Kindern und ma­chen wir es wieder mehr zum Thema in unseren Gesprächen: Der Herr kommt bald!

Die zehn Plagen

Die Plagen verliefen in verschiede­nen Serien und bedeuteten Gericht an den Menschen in Ägypten. Sie waren zugleich Zeichen und Wunder, durch die Gottes Macht sichtbar wur­de. Dabei verfolgte Gott zwei Ziele:

  • Die Ägypter sollten erkennen, dass der Gott Israels wirklich der einzi­ge und wahre Gott ist, dem auch sie sich unterwerfen müssen (s. 2. Mo 7,5.17).
  • Die Israeliten sollten erkennen, dass Gott seine ganze Macht ein­setzt, um sein Volk zu retten. Er würde sie mit starkem Arm aus Ägypten herausführen (s. 2. Mo 6, 6; 10,2).

Von diesen Zeichen, die Gott wirkte, sollten die Israeliten ihren Kindern und Enkelkindern erzählen, damit auch sie wissen, dass Gott der wah­re Gott seines Volkes ist.
Wenn wir heute die Hand Gottes in dem Corona-Virus erkennen und die Gelegenheit nutzen, unseren Kindern und Enkelkindern ge­genüber zu bezeugen, dass Gott alles in sei­ner Hand hält, dann kann auch diese Zeit zum Segen sein. Wenn wir ein Vorbild in Ver­trauen und Glauben an diesen Gott sind, der alles in seiner Hand hält, dann wird es nicht ohne Eindruck auf eine nachkom­mende Generation bleiben.

Ein Unterschied

Die ersten drei Plagen trafen sowohl die Ägypter als auch die Israeliten in gleichem Maß. Auch wenn die Zeit, in der wir leben, noch nicht die Zeit der Gerichte ist, die durch die Pla­gen vorgestellt werden, so erleben wir es bei den „Vorboten“ dieser Gerichte schon deutlich, dass auch uns, die Glaubenden, Dinge treffen, die in dieser Welt geschehen.
Auch wir sind nicht vor anstecken­den Krankheiten geschützt, auch wir sind nicht vor Arbeitslosigkeit sicher und die Kontaktsperren gelten auch für uns.[1] Wir leben in dieser Welt und sind mitbetroffen durch das, was geschieht. Aber es gibt doch einen Unterschied! Wir haben den Herrn Jesus, der bei uns ist. Wir haben Zugang zu Gott, der unser Vater ist. Wir neh­men aus seiner Hand das an, was uns begegnet und wissen, dass unser Herr voll von innigem Mitgefühl und Barmherzigkeit ist (s. Jak 5,11). Von Ihm kommt rechtzeitig die Hilfe für uns, die wir brauchen (s. Heb 4,16). Das gibt uns einen Halt, den die Menschen ohne Gott nicht kennen.
Ab der vierten Plage macht Gott dann einen Unterschied in der Form, dass die Israeliten verschont bleiben von den Gerichten. Daran erkennen wir, dass Er sein Volk bewahren kann, wenn Er es für gut und richtig hält. Auch darauf dürfen wir vertrauen: Es wird uns nichts begegnen, was nicht an unserem Gott vorübergegangen ist und mit dem Er nicht eine gute Absicht für uns hat.

Hinaus aus Ägypten

Das große Ziel Gottes für sein Volk war, es aus Ägypten heraus­zuführen. In Ägypten war das Volk und musste Sklavenarbeit leisten. Das ist ein Bild davon, wie der na­türliche Mensch unter der Herr­schaft Satans steht und der Sünde dienen muss. Aber wer an den Herrn Jesus glaubt, der ist befreit von der Macht des Teufels und der Sünde. Er kann wi­derstehen und muss nicht sündigen.
Noch leben wir in dem Bereich, in dem Satan seine Herrschaft ausübt. Das Volk Israel wurde buchstäblich aus Ägypten herausgeführt, die Glau­benden heute sind zwar befreit von der Macht Satans, aber sie leben noch in der Welt. Dabei ist es wich­tig, zu verstehen, dass wir nicht mehr zu dieser Welt gehören und dass wir unseren Weg in Absonderung von der Welt gehen. Das müssen wir in un­serem eigenen Leben und in unse­ren Familien und Häusern immer wie­der neu verstehen und umsetzen (s. Joh 15.19; 17,14.16-19).
Wie schnell übernehmen wir das Denken der Welt. Wie schnell über­nehmen wir die Ziele dieser Welt. Wie schnell setzen wir die Mittel ein, die in der Welt üblich sind. Ein wieder­geborener Christ sollte ganz anders sein. Sein Ziel ist es, Christus zu ge­winnen und in Ihm gefunden zu wer­den (s. Phil 3,8.9). Sein Denken wird dadurch bestimmt, dass er seinem Herrn folgen und gefallen möchte. Er beurteilt die Dinge nach dem Maß­stab des Wortes Gottes und nicht nach dem, was unter den Menschen (vielleicht sogar unter Gläubigen) „normal“ ist. Er kämpft mit geistli­chen Waffen und nicht mit den eigenen Ellbogen (s. 2. Kor 10,4-6). Wenn wir in diesem Sinn die Trennung von der Welt leben und unseren Kindern dar­in Vorbild und Ansporn sind, dann werden wir umso mehr die Freude in der Gemeinschaft mit Gott erle­ben (s. 2. Kor 6,17.18).

In unseren Wohnungen

Dann werden wir im übertragenen Sinn erfahren, was die Israeliten während der letzten beiden Plagen erlebten. Im Gegensatz zu den Ägyp­tern hatten sie drei Dinge in ihren Wohnungen:

  • Licht,
  • das Lamm und
  • Ungesäuertes.

In dieser Welt geht das göttliche Licht mehr und mehr verloren. Aber wir dürfen durch das Wort Gottes und den Heiligen Geist Licht haben. Wir dürfen uns selbst und die Dinge um uns herum so sehen, wie Gott sie sieht. Eben im Licht Gottes. Und wir dürfen etwas verstehen von Gott selbst, der Licht ist (s. 1. Joh 1,5).
Aber wir haben auch den Herrn Je­sus, das Lamm Gottes, um uns von Ihm zu nähren. Wir sind nicht nur im Schutz seines Blutes sicher vor dem Gericht Gottes, wir haben Ihn auch als Nahrung für unseren inne­ren Menschen. Ob wir es in unseren Häusern so erleben, wie die Israeli­ten in der Nacht des Auszugs aus Ägypten? In Gemeinschaft am Tisch, beschäftigt mit dem Lamm, den Stab in der Hand (also bereit zum Auf­bruch) – das ist eine wichtige Sache! Es erfordert Energie, die Familie da­für am Tisch zu sammeln. Oder zur Andacht am Abend, bevor jeder ins Bett geht. Es ist besonders die Auf­gabe von uns, den Vätern. Unsere Frauen, die Mütter, unterstützen uns gerne dabei. Kennen unsere Kinder uns als Eltern, denen daran liegt, dass in der Familie gemeinsam in der Bibel gelesen und gebetet wird?
Schließlich dürfen unser Leben und unser Haus mit „Ungesäuertem“ ge­füllt sein. Der Sauerteig ist ein Bild von der Sünde in ihrer wirksamen Kraft. Den sollen wir konsequent hin­austun aus unserem Leben und aus unseren Familien. Das ist notwen­dig, wenn wir Licht und das Lamm tatsächlich erleben möch­ten. Viel­leicht gibt es auch da Handlungsbe­darf. In der Mediathek, in den sozia­len Medien, im Zeitvertreib, in den Freundschaften oder im Umgang mit­einander. Überall da gibt es große An­steckungs- und Infektionsgefahr, was schließlich zu schweren Krank­heiten im geistlichen Leben führen kann. Appetitlosigkeit und Geschmacksver­lust an der Bibel und dem Herrn Je­sus sind ein deutliches Sym­ptom da­von. Möge der Herr uns hel­fen, neu für Ungesäuertes, Licht und das Lamm in den Wohnungen zu sorgen.

Zusammenfassung

Gott redet mit dem, was auf der Erde geschieht, zu den Menschen im Allgemeinen und zu den Gläubigen ganz speziell. Damals wie heute. Wenn wir wieder mehr in der Erwartung des Herrn Jesus und seines Kommens leben, auf Gott vertrauen und in Ihm Ruhe finden, „genug“ haben im Herrn Jesus, die Hilfsmittel nutzen, die Er uns gibt, die „Andersartigkeit“ des Glaubenden im Vergleich mit der Welt ausleben und das Licht Gottes, das Lamm und Ungesäuertes in unseren Häusern haben, dann haben die Ereignisse in Verbindung mit dem Corona-Virus auch etwas Gutes bewirkt.

Christian Rosenthal


Fußnoten:

  1. Das bezieht sich sowohl auf die Regeln, die galten, als der Artikel geschrieben wurde, als auch auf eventuelle Regelungen zum Zeitpunkt des Erschei­nens dieses Heftes.

Erzählen – lehren – befehlen (Teil 3)

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Ging es im ersten Teil dieser Artikelserie darum, den Kindern das Wort Gottes zu erzählen und es ihnen einzuschärfen, stand im vorigen Heft die Aufforderung im Vordergrund, den Kindern das Wort Gottes zu erklären.
In diesem Heft geht es nun um den dritten und letzten Abschnitt im 5. Buch Mose, der dem Volk Israel das Wort Gottes besonders aufs Herz bindet.
„Und als Mose alle diese Worte zu ganz Israel zu Ende geredet hatte, da sprach er zu ihnen: Richtet euer Herz auf alle Worte, die ich euch heute bezeuge, damit ihr sie euren Kindern befehlt, dass sie darauf achten, alle Worte dieses Gesetzes zu tun. Denn es ist nicht ein leeres Wort für euch, sondern es ist euer Leben; und durch dieses Wort werdet ihr eure Tage verlängern in dem Land, wohin ihr über den Jordan zieht, um es in Besitz zu nehmen“ (5. Mo 32,45-47).

Der Auftrag: unseren Kindern das Wort Gottes befehlen

Wenn wir das Wort Gottes unseren Kindern befehlen wollen, müssen un­sere Kinder an uns sehen, dass wir uns selbst der Autorität des Wortes Gottes unterordnen und unser Han­deln danach ausrichten. Denn wenn wir selbst Täter des Wortes sind (s. Jak 1,22), werden unsere Kinder viel eher bereit sein, sich selbst auch den Weisungen gemäß zu verhalten, die wir ihnen geben. Oder wie es einmal ein Bruder gesagt hat: „Wer sich ge­horsam der Autorität Gottes un­terstellt, wird auch von anderen als eine Autorität anerkannt, de­ren Wort Gewicht für sie hat, ohne autoritär zu sein.“

Ein wichtiger Unterschied

Wenn Gott uns dazu auffordert, un­seren Kindern sein Wort zu befeh­len, meint Er damit nicht, dass wir ein­fach nur blinden Gehorsam von un­seren Kindern verlangen. Ihnen Got­tes Wort auf diese Weise zur Richt­schnur zu machen, wäre autoritär.
Wer so handelt, übt nur aufgrund seiner Position als Vater oder Mutter Macht über die Kinder aus und zwingt sie dazu, zu tun, was die Eltern wollen. Dabei ist es dann völlig un­bedeutend, ob die Kinder die Be­deutung und das Ziel der Anordnun­gen auch verstehen.
Wer seine Kinder autoritär erzieht, engt sie ein und formt sie zu un­selbstständigen und orientierungs­losen Menschen, die keine eigene Entscheidung treffen können. Solche Kinder sind ihr Leben lang darauf an­gewiesen, dass jemand da ist, der ihnen sagt, was zu tun oder zu las­sen ist. Doch wer gibt ihnen Orien­tierung, wenn die Eltern einmal nicht mehr da sind?
Unseren Kindern das Wort Gottes zu befehlen, bedeutet dagegen, sie in einer ausgewogenen Weise dazu an­zuleiten, Gott und seinem Wort aus Herzensüberzeugung und Dankbar­keit zu gehorchen. Das ist eine gott­gemäße Erziehung, zu der wir als El­tern die Autorität einsetzen dürfen, die Gott uns gegeben hat: „Zieht sie auf in der Zucht und Ermahnung des Herrn“ (Eph 6,4).

Ein hilfreiches Vorbild

Natürlich geht es auch nicht darum, unseren Kindern nur das zu befeh­len, was sie verstehen und einsehen können. Wir verstehen ja auch nicht immer alles, was Gott uns in der Bi­bel vorstellt. Aber wir haben – hof­fentlich – gelernt, Gott auch dann gehorsam zu sein, weil wir darauf vertrauen, dass Er es immer gut mit uns meint. Dieses Vertrauen müssen wir auch unseren Kindern vermitteln.
In 2. Samuel 7,14.15 finden wir ein nachahmenswertes Vorbild, das uns helfen kann, dieses Ziel zu errei­chen. Dort heißt es: „Ich will ihm Vater sein, und er soll mir Sohn sein, so dass, wenn er verkehrt handelt, ich ihn züchtigen werde mit einer Men­schenrute und mit Schlägen der Men­schenkinder; aber meine Güte soll nicht von ihm weichen, wie ich sie von Saul weichen ließ, den ich vor dir weggetan habe.“
Diese Worte lässt Gott David durch den Propheten Nathan mitteilen, als David den Wunsch geäußert hat, Gott ein Haus zu bauen, und Gott David sagt, dass nicht er, sondern sein Sohn Salomo dieses Haus bauen soll.
Aus dem, was Gott David über sei­nen Weg mit Salomo sagt, können wir drei wichtige Hinweise für unse­re Erziehung entnehmen. Es geht dabei um

  • ein gesundes Vertrauensverhältnis innerhalb der Familie: „Ich will ihm Vater sein, und er soll mir Sohn sein“. Ein gesundes Vertrauensver­hältnis muss wachsen. Das wird nur gelingen, wenn wir als Eltern Zeit für unsere Kinder haben und sie mit ihren kleinen und großen Sorgen ernst nehmen. In dem Maß, wie sich die Kinder von ihren El­tern verstanden und bei ihnen ge­borgen fühlen, wird auch ihr Ver­trauen zu den Eltern wachsen;
  • das Verantwortungsbewusstsein im Umgang miteinander: „so dass, wenn er verkehrt handelt, ich ihn züchtigen werde“. Dieses Vertrau­ensverhältnis wird auch nicht da­durch gestört, dass die Eltern auf Fehlverhalten hinweisen, es ta­deln und wenn nötig auch in angemessener Weise dafür stra­fen müssen;
  • die Gnade, die auch in der Familie über allem steht: „aber meine Güte soll nicht von ihm weichen“. Dazu ist es unbedingt erforderlich, die Kinder nicht im Zorn zu strafen. Vielmehr sollten die Kinder auch bei der Strafe spüren, dass sie die­se Strafe trifft, weil die Eltern ihre Kinder lieben.

Ein Kind nicht zurechtzuweisen, wenn es gesündigt hat, wäre lieblos, ver­antwortungslos und würde das Ver­trauensverhältnis zwischen Eltern und Kind sehr belasten, vielleicht sogar zerstören.

Dem ganzen Wort Gottes gehorchen

Wer seine Kinder so erziehen möchte, tut gut daran, sich nicht nur mit den Stellen in Gottes Wort, der Bibel, zu beschäftigen, die ihm besonders ge­fallen oder angenehm für ihn sind, weil sie keine Konsequenzen von ihm fordern, Energie aufzuwenden und sein Verhalten den Gedanken Gottes entsprechend zu ändern.
Wenn unsere Kinder an uns se­hen und erleben, dass wir uns (nicht nur) vom Wort Gottes korri­gieren lassen und bereit sind, unse­re bisherige Überzeugung aufzuge­ben, weil uns eine richtigere aufge­zeigt wird, wird das ihre Bereitschaft för­dern, selbst auch Korrektur anzu­nehmen.

Das Wort Gottes ist für uns …

… eine Herzensangelegenheit

Mose erinnerte das Volk Israel dar­an, dass Gottes Wort eine ganz beson­dere Bedeutung für es hat. Das Ge­setz Gottes zu befolgen, war für je­den Israeliten der Zugang zum Leben. Deshalb sollten sie ihr Herz darauf richten.
Am alles überragenden Wert des Wortes Gottes hat sich bis heute nichts geändert. Es ist auch für uns Christen kein leeres Wort, sondern eine Herzensan­gelegenheit.
Anders als die Is­raeliten damals, stehen wir als Christen nicht mehr unter Gesetz. Doch ohne Got­tes Wort, wie es uns in der Bibel auf­geschrieben ist, wüssten wir nichts davon, dass Gott nicht nur Licht, sondern auch Liebe ist.

… das Wort des Lebens

Aus der Bibel wissen wir, dass Gott „seinen eingeborenen Sohn gab, da­mit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Le­ben habe“ (Joh 3,16). In seinem Wort finden wir, wie wir Vergebung unse­rer Sünden und ewiges Leben erlan­gen können: Durch den Glauben an seinen Sohn Jesus Christus und sein Werk am Kreuz von Golgatha.

… die Richtschnur für unser Leben

Für jeden, der das Heil im Herrn Jesus ergriffen hat, möchte Gottes Wort die Richtschnur und der Weg­weiser für sein Leben sein: „Ich will dich unterweisen und dich den Weg lehren, den du wandeln sollst; mein Auge auf dich richtend, will ich dir raten“ (Ps 32,8).

… die Beschreibung unseres Lebensinhaltes

Die Bibel beschreibt uns die Schön­heiten und Herrlichkeiten des Herrn Jesus Christus, der der Inhalt unse­res Lebens sein möchte: „Das Leben ist für mich Christus“ (Phil 1,21), konnte der Apostel Paulus sagen. Wie schön, wenn das auch bei uns so ist!

… das Fenster zur Ewigkeit

In seinem Wort lässt Gott uns auch schon Blicke in die Ewigkeit tun. Es ist nur wenig, was uns darüber mit­geteilt wird, und selbst dieses Weni­ge können wir mit unserem Verstand nicht erfassen. Denken wir doch nur einmal an die Worte in Offenbarung 21,1-4. Schmerzen, Tränen, Trauer, Tod – all das sind hier auf der Erde tägliche Wegbegleiter. Aber in der Ewigkeit wird es das alles nicht mehr geben.
Wenn wir über diese kurze, an die Worte Moses in 5. Mose 32,47 an­gelehnte Aufzählung, weiter nach­denken, können wir gut verstehen, dass der Dichter des 119. Psalms ju­belnd ausruft, dass er sich über Got­tes Wort freut „wie einer, der große Beute findet“ (Ps 119,162).
Der Herr schenke uns diese Liebe zu seinem Wort. Das Wissen um die ei­gene Errettung und die eigene Freu­de am Wort Gottes sind die beste Antriebsfeder, mit unseren Kindern über den Herrn Jesus und die Bibel zu sprechen. Bei unseren Kindern die Freude am Wort Gottes zu wecken, es ihnen wichtig zu machen und ein­zuschärfen, es ihnen zu erklären und zur Richtschnur ihres Lebens zu ma­chen, wird für uns und unsere Kin­der zum Segen sein.

Stefan Busch

In meinem Herzen habe ich dein Wort verwahrt, damit ich nicht gegen dich sündige.
(Psalm 119,11)

David und sein Haus (Teil 2)

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Im letzten Heft haben wir uns mit dem Anfang des Gebets beschäftigt, das David sprach, nachdem ihm Nathan gesagt hatte, dass Gott ihm ein Haus bauen wolle. Diesmal wollen wir uns mit den letzten Worten Davids beschäftigen.

Die letzten Worte Davids (2. Sam 23,1-7)

Es spricht David, der Sohn Isais, und es spricht der hochgestellte Mann, der Gesalbte des Gottes Jakobs und der Liebliche in Gesängen Israels:

Der Geist des Herrn hat durch mich geredet, und sein Wort war auf mei­ner Zunge.
Der Gott Israels hat gesprochen, der Fels Israels hat zu mir gere­det:
Ein Herrscher unter den Men­schen, gerecht, ein Herrscher in Gottes­furcht; und er wird sein wie das Licht des Morgens, wenn die Son­ne aufgeht, ein Morgen ohne Wolken:
Von ihrem Glanz nach dem Re­gen sprosst das Grün aus der Erde.
Obwohl mein Haus nicht so ist bei Gott, hat er mir doch einen ewigen Bund gesetzt, geordnet in allem und bewahrt; denn dies ist all mein Heil und all mein Begehr, obwohl er es nicht sprossen lässt!
Aber die Söhne Belials sind allesamt wie Dornen, die man wegwirft; denn mit der Hand fasst man sie nicht an;
und der Mann, der sie anrührt, ver­sieht sich mit Eisen und Speerschaft; und mit Feuer werden sie ganz und gar verbrannt an ihrer Stätte. –


Wer spricht hier?

In seinem Gebet hatte David ge­fragt: „Wer bin ich?“. Hier sagt er es ganz schlicht: „David, der Sohn Isais.“ Aber dann sagt er, was er durch die Gna­de Gottes ist: „Der hochgestellte Mann, der Gesalbte Gottes und der Liebliche in Gesängen Israels.“
In seinem Gebet hatte David verwun­dert gesagt: „Du hast mich angese­hen nach der Weise eines hochge­stellten Menschen, Herr, Gott!“
(1. Chr 17,17b). Hier ist er sich der Würde dieser Stellung bewusst. Einst hatte er Saul geschont, weil er der Gesalbte war (s. 1. Sam 24,7.11). Nun ist er selbst der gesalbte König und als solcher Vorbild eines Größe­ren, von dem er gleich sprechen wird. Er war aber nicht nur der hochgestell­te, gesalbte König, er hatte von Gott auch eine Gabe empfangen. Und in deren Ausübung war er der Liebli­che in Gesängen Israels, wovon die Psalmen Davids ein beredter Aus­druck sind.

Wer spricht durch ihn?

Der Geist des Herrn redete durch David, Er hat David die Worte in den Mund gelegt, auch seine letzten Worte sind inspiriertes Wort Gottes. Aber nicht nur hat Gott durch ihn gesprochen, der Fels Israels hat auch zu ihm geredet.
Von dem Felsen Israels lesen wir noch in Jesaja 30, wo wir vom Ge­richt des Herrn über den falschen König Israels und den König des Nordens lesen. Dort ist, wie auch hier, am Ende der letzten Worte Da­vids, von einem Gerichtsfeuer die Rede, in Jesaja 30,33 sogar von einer mit Feuer gefüllten Gräuelstätte.

Von wem spricht er zuerst?

Zuerst spricht David von einem Herr­scher unter den Menschen, nicht nur über die Menschen, von einem ge­rechten Herrscher in Gottesfurcht. Das wird der Herr Jesus sein. Er wird mit dem Licht des Morgens vergli­chen, wenn die Sonne aufgeht, von der auch der letzte Prophet des Al­ten Testaments spricht, wenn er schreibt: „Aber euch, die ihr meinen Namen fürchtet, wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen mit Heilung in ihren Flügeln“ (Mal 3,20a).
Es wird ein Morgen ohne Wolken sein, die die Sonne verdecken könnten. Dann wird das Grün aus der Erde sprossen. Jesaja schreibt: „Und ihr werdet es sehen, und euer Herz wird sich freuen; und eure Gebeine wer­den sprossen wie das junge Gras“ (Jes 66,14a).
Vielleicht dürfen wir in Verbindung mit der Morgenröte auch an folgen­den Vers denken: „Dein Volk wird voller Willigkeit sein am Tag deiner Macht; in heiliger Pracht, aus dem Schoß der Morgenröte wird dir der Tau deiner Jugend kommen“ (Ps 110,3). Lieben wir sein Erscheinen?

Das Haus Davids

Nachdem David in die herrliche Zukunft geblickt hat, schaut er jetzt zurück auf sein Haus. Vor seinem tiefen Fall in der Mitte seiner Jahre hatte er zu Gott im Gebet gesagt: „Was ist mein Haus?“. Jetzt am Ende seines Lebens muss er bekennen: „Obwohl mein Haus nicht so ist bei Gott …“.
Gott hatte nach seinem Fall zu ihm gesagt: „Siehe, ich will aus deinem Haus Unglück über dich erwecken“ (2. Sam 12,11). Wie erfüllten sich die­se Worte: Amnon, ein Sohn Davids, entehrt seine Halbschwester Tamar. Zwei Jahre später lässt Absalom, der Bruder Tamars, Amnon von seinen Knechten erschlagen und flieht da­nach nach Gesur. Drei Jahre später lässt David, der sich nach Absalom sehnt, ihn wieder nach Jerusalem kommen und weitere zwei Jahre spä­ter empfängt er den Sohn wieder mit einem Kuss. Einige Zeit später er­hebt sich Absalom gegen seinen Vater und wird von Joab getötet, obwohl David geboten hatte, seinen Sohn zu scho­nen. Als David alt geworden war, er­hebt sich sein Sohn Adonija gegen ihn.
In dem Bericht über Adonija wird von David gesagt: „Und sein Vater hatte ihn, solange er lebte, nicht betrübt, dass er gesagt hätte: Warum tust du so?“ (1. Kön 1,6a). Selbst Eli hatte – auch wenn das völlig unzureichend war – versucht, seinen Söhnen zu wehren, indem er sie fragte: „Warum tut ihr solche Dinge?“ (1. Sam 2,23).
Die mangelnde Konsequenz in dem Handeln mit Absalom, wie die fehlende Strenge in der Erzie­hung Adonijas hatten vielleicht ihre Ursache in der Schönheit dieser beiden Söhne Haggits, die das Wort Gottes in beiden Fällen im Zusam­menhang mit der Schwäche Davids ihnen gegenüber erwähnt (s. 2. Sam 14,25; 1. Kön 1,6b).
Die Geschichte des Hauses Davids und das Versagen Davids als Vater, zumindest in Bezug auf die schönen Söhne seiner Frau Haggit, ist für je­den Vater eine ernste Mahnung. Sa­lomo, der Sohn Davids, der sein Nach­folger auf dem Thron wird, gibt den weisen Rat: „Erziehe den Knaben seinem Weg entsprechend; er wird nicht davon weichen, auch wenn er alt wird“ (Spr 22,6).

Der ewige Bund

Trotz seiner großen Sünde, deren Schwere er sich aber bewusst war, wenn er sagt: „Meine Sünde ist be­ständig vor mir“ (Ps 51,5), und über die er sich tief gedemütigt hatte, war David der Mann nach dem Herzen Gottes (s. 1. Sam 13,14; Apg 13,22), mit dem Gott in seiner Gnade einen ewigen Bund gemacht hatte.
Diesen Bund hatte Er David durch Nathan mitteilen lassen und er bein­haltete, dass Gott den Thron seines Nachkommens in Ewigkeit befestigen würde (s. 2. Sam 7,12-16). Dieser Bund erfüllte das Herz Davids, wenn er auch noch nicht sprosste und das tut er bis heute nicht. Das wird er erst dann, wenn der Morgen ohne Wolken kommt (s. V. 4).

Die Söhne Belials

Die letzten Worte Davids gelten den Feinden Gottes, den Söhnen Belials. Wenn Christus kommt, wird Er sie alle vernichten. In das Reich werden nur wiedergeborene Menschen ein­gehen.

Horst Zielfeld

Die Waffenrüstung Gottes (Eph 6,10-20)

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Ergänzend zum Artikel über den Sieg Jonathans möchten wir in diesem Heft etwas über die Waffenrüstung Gottes im Epheserbrief nachdenken, die uns zur Verfügung steht, damit wir – wie Jonathan – in unserem Leben als Christen siegreich sein können.
Im Brief an die Epheser finden wir in den ersten drei Kapiteln die höchsten christlichen Segnungen, die uns jetzt schon gehören.
Es sind keine materiellen, sondern geistliche Segnungen in den himmlischen Örtern, die wir jetzt schon genießen dürfen, da wir in Christus schon mitsitzen in diesen Örtern (s. Eph 2,6).

„Zieht die ganze Waffenrüstung Gottes an, damit ihr zu bestehen vermögt gegen die Listen des Teufels.“
(Eph 6,11)

Von Kapitel 4 bis Kapitel 6 Vers 9 wird uns mitgeteilt wie wir dieser ho­hen Berufung gemäß wandeln sollen.
Der Rest des Kapitels zeigt uns dann, dass der Teufel, ja alle geistlichen Mächte der Bosheit in den himmli­schen Örtern, uns den Genuss an die­sen Segnungen rauben wollen. Dem müssen wir widerstehen, um am Ende als solche zu stehen, die das Feld be­hauptet haben. Für diesen Kampf, der nicht gegen Fleisch und Blut – also nicht gegen Menschen – gerichtet ist, brauchen wir die ganze Waffenrüs­tung Gottes.
Die aufgeführten Einzelteile der gött­lichen Waffenrüstung entsprechen den Teilen, die zur Rüstung eines römischen Soldaten gehörten.

Der Lendengurt der Wahrheit

Die Lenden sind in der Bibel der Sitz der Kraft (s. Hi 40,16; Spr 31,17; Nah 2,1). Gewichtheber tragen einen brei­ten Ledergürtel, damit die Bauch­muskulatur bei der großen Kraftan­strengung nicht reißt.
Wir müssen zwei Arten von Wahr­heit unterscheiden:

  • Die objektive, absolute Wahrheit, die ihre Darstellung findet in
    - Christus, der sagte: Ich bin die Wahrheit (s. Joh 14,6),
    - dem Heiligen Geist, dem Geist der Wahrheit (s. 1. Joh 5,6) und
    - dem Wort Gottes (s. Joh 17,17).
  • Die subjektive Wahrheit oder Wahr­haftigkeit, die in Ihm ihren vollkom­menen Ausdruck gefunden hat (s. Joh 8,25; Mt 22,16).

Wir müssen von der absoluten Wahr­heit des Wortes geleitet sein und selbst wahrhaftig sein, dann haben wir Kraft.

Der Brustharnisch der Gerechtigkeit

Der Brustharnisch schützt die Brust. In der Brust schlägt das Herz. Die Bibel sieht das Herz als Sitz

  • der Zuneigungen (s. 5. Mo 6,5; Röm 5,5; 1. Tim 1,5; 1. Pet 1,22),
  • des Verständnisses (s. 2. Mo 36,1; Spr 2,2; Dan 10,12) und
  • der Entscheidungen (s. Pred 8,5).

Weil dies so ist, wird uns gesagt: „Behüte dein Herz mehr als alles, was zu bewahren ist; denn von ihm aus sind die Ausgänge des Lebens“ (Spr 4,23). Dazu dient der Brusthar­nisch der Gerechtigkeit.
Es gibt zwei Arten von Gerechtig­keit:

  1. die verliehene Gerechtigkeit
    (s. Röm 3,21-26; 4,22-25;
    2. Kor 5, 21) und
  2. die praktische Gerechtigkeit
    (s. 1. Pet 2,24; 1. Joh 2,29; 3,7.10).

Da wir die Waffenrüstung anziehen sollen, handelt es sich hier um die in unserem Leben praktizierte Gerech­tigkeit. Wenn wir sündigen, ist unse­re Gemeinschaft mit dem Vater ge­stört und unser Gewissen klagt uns an. Darum gilt auch uns die Auffor­derung an Timotheus, ein gutes Ge­wissen zu bewahren (s. 1. Tim 1,19).

Die Schuhe der Bereitschaft des Evangeliums des Friedens

„Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße dessen, der frohe Botschaft bringt, der Frieden verkündigt, der Botschaft des Guten bringt, der Ret­tung verkündigt, der zu Zion spricht: Dein Gott herrscht als König!“ (Jes 52,7; s. Röm 10,15).
Es geht hier noch nicht in erster Li­nie um die aktive Verbreitung des Evangeliums, sondern um den inne­ren Zustand der Bereitschaft dazu. Dazu muss das Herz voll von der Gnade Gottes sein und die Füße müs­sen einen Weg gehen, auf dem wir den Frieden suchen, so wie wir es in Römer 12,18 lesen: „Wenn möglich, soviel an euch ist, lebt mit allen Menschen in Frieden“ (s. Mk 9,50b).

Der Schild des Glaubens

Über alles sollen wir den Schild des Glaubens ergriffen haben. Die Worte „über alles“ fassen die bisher vorge­stellten Teile zusammen, die das Kennzeichen des praktischen Zustan­des und Wandels des Gläubigen sind. Der Schild des Glaubens und der Helm des Heils stellen dagegen das praktische Vertrauen auf Gott dar. Das Wort „Schild“ kommt nur hier im Neuen Testament vor. Im Alten Testament dagegen bezeichnet sich Gott öfters als Schild der Gläubigen (z. B. 1. Mo 15,1). Auch das Wort „Glauben“ hat in der Schrift eine zweifache Bedeutung:

  1. der Glaube (meist mit Artikel) als das offenbarte Glaubensgut (z. B. Jud 3) und
  2. der Glaube (meist ohne Artikel) als das Vertrauen auf Gott und sein Wort (z. B. Jes 28,16).

Von dem Glauben in letzterem Sinn, dem Vertrauen in Gott in den tägli­chen Umständen, spricht vor allem Hebräer 11. Diesen Glauben benöti­gen wir, um die feurigen Pfeile (Zwei­fel, die der Teu­fel in uns wecken will, Zweifel an der Liebe Gottes, Zweifel an seinem Wort usw.), auszulö­schen, d.h. im Keim zu ersticken.

Der Helm des Heils

Der Herr Jesus selbst sagt, dass jeder, der an Ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat, und dass niemand ihn aus seiner Hand rau­ben wird (s. Joh 3,15.16; 10,28). Dies festzuhalten bedeutet, den Helm des Heils zu tragen.
Der Helm schützt den Kopf. Satan will durch fremde Lehren unsere Gedan­ken beunruhi­gen. Gottes Wort da­gegen spricht klar von Heilsgewiss­heit und Heilssicher­heit (s. Röm 8, 16,31-39) sowie da­von, dass der Herr Jesus die Seinen völlig erretten wird (s. Heb 7,25).

Das Schwert des Geistes

Die letzte Gruppe innerhalb der Rüstungsteile besteht aus den bei­den wichtigsten Kraftquellen des Gläubigen: dem Wort Gottes und dem Gebet. Das Schwert ist die ein­zige Waffe unter den Bestandteilen der Rüstung. Das Wort Gottes ist eine Waffe, die sich einerseits gegen uns selbst richtet (s. Heb 4,12.13), aber andererseits auch im Kampf gegen den Teufel notwendig ist. Dies sehen wir deutlich bei der Versu­chung des Herrn durch Satan. Alle Angriffe des Feindes pariert er mit dem Schwert des Geistes, dem Wort Gottes (s. Mt 4,4.7.10). Es ist hier eine reine Verteidigungswaffe. Wir sollen sie benutzen, wie es der Herr getan hat, als Er zu Beginn seines Dienstes vom Teu­fel versucht wur­de. Um das Schwert des Geistes einsetz­ten zu können, müssen wir das Wort Gottes kennen und wissen, wie es anzuwenden ist.

„Um das Schwert des Geistes einsetzten zu können, müssen wir das Wort Gottes kennen und wissen, wie es anzuwenden ist.“


Das Gebet

Damit kommen wir zum letzten Stück, das im Gegensatz zu den vorherge­henden nicht direkt mit einem Rüs­tungsteil verglichen wird. Häufiger werden in der Bibel das Wort Gottes und das Gebet nebeneinander er­wähnt (z. B. Apg 6,4).
Durch die Bibel redet Gott zu uns, durch das Gebet reden wir mit Gott. Die Jünger im Garten Gethsemane sind für uns ein warnendes Beispiel, das Gebet nicht zu vernachlässigen (s. Mt 26,41).
Wir werden aufgefordert, für alle Heiligen zu beten – welch ein weites Feld! Insbesondere dürfen wir für die bitten, die den Dienst der Verkündi­gung des Wortes verrichten.

Eine persönliche Frage zum Schluss:

Hast du die ganze Waffenrüstung Gottes angelegt? Wenn nicht, be­denke, dass eine unvollständig ange­legte Waffenrüstung im Kampf nutz­los ist. Deshalb mache dir klar, wel­che Teile fehlen und füge sie, mit der Hilfe des Herrn, den andern hin­zu. Der Widersacher kommt. Sei be­reit!

Horst Zielfeld

Sitzen
… unsere Stellung in Christus, zu der wir nichts beitragen konnten und die uns ewig sicher ist.
Wandeln
… unsere praktische Lebensführung in Übereinstimmung mit dieser Stellung.
Stehen
… unser fester Stand als solche, die in der Kraft Gottes die Stellung behaupten.

Für eine Zeit wie diese

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„Und Mordokai ließ der Esther antwor­ten: Denke nicht in deinem Herzen, dass nur du im Haus des Königs von allen Ju­den entkommen wirst. Denn wenn du in dieser Zeit schweigst, so wird Befreiung und Errettung für die Juden von einem anderen Ort her erstehen; du aber und deines Vaters Haus , ihr werdet umkom­men. Und wer weiß, ob du nicht für eine Zeit wie diese zum Königtum gelangt bist?“
(Est 4,13.14)


Eine schwierige Zeit!

Für eine Zeit wie diese“ – Mit diesen Worten beschreibt Mordokai die schwierige Zeit, in der sich die Juden damals im Persischen Reich befan­den. Auf das listige Anraten Hamans hin, dem Widersacher der Juden, hatte der persische König Ahasveros den Befehl erteilt, alle Juden in seinem Reich um­bringen zu lassen. Mit großer Furcht blickten die Juden daher dem 13. Tag des 12. Monats entgegen, an dem der Befehl ausgeführt werden soll­te (s. Est 3,8.9.13).
Doch die Vorsehung Gottes hatte bereits entsprechende Vorsorge getroffen und Esther, eine junge Frau aus dem Volk der Juden, als Gemahlin an die Seite des Königs gestellt. Die große Frage jedoch war: Würde sie sich an dem hohen Platz, an dem sie sich befand, zugunsten ihres bedrängten Volkes ein­setzen? Würde sie die ihr verliehene Stellung dazu benutzen, ihrem notlei­denden Volk zu Hilfe zu kommen?

Eine Zeit ohne Ausweg?

In dieser aussichtslosen Situation – denn der einmal erteilte Befehl eines per­sischen Königs konnte nicht widerrufen werden – appelliert Mordokai eindringlich an die Verantwortung Esthers: Sie sollte nicht denken, dass sie am Königs­hof geschützt sein würde. Ihre Beziehung zu Ahasveros würde ihr nichts nüt­zen. Der Hass Hamans würde sie auch am Königshof erreichen. Und wenn sie nicht für ihr Volk eintreten würde, dann würde Hilfe für die Juden von woan­ders her kommen. Hatte Gott Esther nicht gerade im Hinblick auf jene notvol­le Zeit als Königin an die Seite von Ahasveros gestellt? Und wollte Er nicht gerade sie in dieser Situation benutzen, um seinem bedrückten Volk zu Hilfe zu kom­men?

Und unsere Zeit?!

Gott in seiner großen Weisheit hat auch dich und mich gerade in diese Zeit gestellt, um für Ihn und seine Interessen da zu sein. „Für eine Zeit wie diese“

  • hat Er dich vielleicht an einen ganz bestimmten Platz gestellt, an dem du für Ihn zeugen darfst.
  • hat Er dir vielleicht eine ganz bestimmte Rolle zugedacht, die du zu seiner Freude und Ehre ausfüllen darfst.
  • hat Er dich vielleicht an einen Arbeitsplatz gestellt, an dem du etwas von Ihm zeigen kannst.
  • hat Er dir vielleicht Kinder anvertraut, die du für den Herrn erziehen darfst.
  • hat Er dich vielleicht in eine Schulklasse gestellt, in der du ein Zeugnis für Ihn sein kannst.
  • hat Er dir vielleicht eine Krankheit geschickt, in der du Ihn durch Vertrau­en und Ausharren ehren darfst.
  • hat Er dir vielleicht Glaubensgeschwister an die Seite gestellt, denen du eine Hilfe sein kannst.
  • hat Er dir vielleicht eine Aufgabe unter den Glaubensgeschwistern gege­ben, die du in Treue erfüllen darfst.

Heute leben wir noch in dieser Zeit. Morgen kann sie schon zu Ende sein. Wie gut, wenn wir in dieser Zeit den Platz ausfüllen, den Er für uns vorgesehen hat und das tun, was Er von uns möchte – zu seiner Ehre und Verherrlichung!

Daniel Melui

Den Herrn Jesus ins Haus aufnehmen (Teil 2)

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In Bethanien, nicht weit entfernt von Jerusalem, fand der Herr Herzen, die für Ihn schlugen. Besonders die drei Geschwister Martha, Maria und Lazarus verband eine enge Beziehung mit dem Herrn Jesus.
In den letzten Tagen vor dem Kreuz verließ der Herr abends Jerusalem, wo seine Verwerfung durch die Hohenpriester und Schriftgelehrten dem Höhepunkt entgegenstrebte (s. Mk 11,18) und ging nach Bethanien (s. Mk 11,11; 14,3). Was kennzeichnete diesen Ort und das Haus, das der Herr aufsuchte?

Bethanien – ein Ort mit dem richtigen Mittelpunkt

Bethanien kann man übersetzen mit „Haus des Elends“ und dorthin kam der Herr. Er kam zu denen, die durch den Ungehorsam des Menschen im Elend waren. Die Sünde und ihre Folgen begegneten dem Heiland auf Schritt und Tritt. Am Grab des Laza­rus war Er erschüttert und vergoss Tränen. Das war nicht nur ein Aus­druck des Mitempfindens, sondern vor allem das tiefe Empfinden über das, was die Sünde angerichtet hatte. Aber durch das Sühnungs­werk des Herrn am Kreuz konnte dieser Ort des Elends zu einem Ort der Freude in der Gemeinschaft mit dem Herrn Jesus werden.
Martha hatte Ihn schon einige Zeit vorher in ihr Haus aufgenommen (s. Lk 11,38). Jetzt ist Er im Haus von Si­mon (s. Mk 14,3). Dort machen sie Ihm ein Abendessen (s. Joh 12,2). Er ist der Mittelpunkt, um den sich alles dreht. Dort sind Herzen, die Ihn wert­schätzen und auf Ihn ausgerichtet sind.

Ein Ort mit bemerkenswer­ten Menschen

Simon, der Aussätzige

Wie kann das sein? Der Gastgeber: Simon, der Aussätzige? Ein Aussätzi­ger gemeinsam mit Gästen am Tisch und der Herr kommt dort hin? Aus­sätzige mussten doch in großem Ab­stand außerhalb der Stadt bleiben und „unrein, unrein“ rufen, damit die anderen Menschen ihnen nicht zu nahe kamen.
Wir können wohl davon ausgehen, dass Simon zu diesem Zeitpunkt nicht mehr aussätzig war, aber er war es einmal gewesen. Seine Heilung wird in der Bibel nicht berichtet. Ob der Herr ihn geheilt hatte? Und ob er Ihm nun aus Dankbarkeit ein Abendes­sen machte?
Was können wir daraus für uns ler­nen?
Der Aussatz ist in der Bibel ein Bild der Sünde in ihrer verunreinigenden Wirkung. Wir haben nicht nur ge­sündigt, sondern waren auch Sünder. Das war unser Zustand. Und so pass­ten wir nicht in die Gegenwart Got­tes. Gott ist rein und heilig und kann keine Gemeinschaft mit Sünde haben.
Aber durch das Werk des Herrn Je­sus hat Er uns, die wir Sünder wa­ren, in die Stellung von Gerechten, von Heiligen und Geliebten gesetzt. Wir sind jetzt ganz rein, weil wir ge­waschen sind in seinem Blut (s. 1. Kor 6,11; Off 1,5). Unsere Lebens­praxis soll dem jetzt auch entspre­chen. Dann können wir in glückli­cher Gemeinschaft mit Ihm leben. Und wir wollen nie vergessen, wer wir vor un­serer Bekehrung waren. Dann steht die Gnade Gottes vor unseren Her­zen und wir haben den tiefen Wunsch, mit Ihm und für Ihn zu leben. Er hat so viel, ja alles, für uns getan!

Lazarus, der Gestorbene

Es war schon eine interessan­te Ge­sellschaft. Neben einem ehe­maligen Aussätzigen war auch ein ehemals Toter dort! Wirk­lich eine einzigarti­ge Si­tuation.
Der Herr Jesus hatte in göttli­cher Macht Lazarus, der schon vier Tage tot war, aus dem Grab heraus­gerufen. Der Gestorbene war wieder le­bendig geworden. Nun genießt er die Gemeinschaft mit dem Herrn Jesus.
Was ist die Anwendung für uns?

  • Wir waren von Natur aus tot, das heißt getrennt von Gott. „Auch euch, die ihr tot wart in euren Ver­gehungen und Sünden …“ (Eph 2,1). Unsere Sünden hatten uns von Gott getrennt. „Gott aber, der reich ist an Barmherzigkeit wegen seiner vielen Liebe, womit er uns geliebt hat, hat auch uns, als wir in den Vergehungen tot waren, mit dem Christus lebendig gemacht“ (Eph 2,5). Wir haben neues, ewiges Le­ben in dem Herrn Jesus und sind in die Gemeinschaft mit Ihm ge­bracht.
  • Weil der Herr Jesus jetzt unser Le­ben ist, sollen wir auch prak­tisch verwirklichen, mit Christus ge­kreuzigt zu sein. „Nicht mehr lebe ich, son­dern Christus lebt in mir. Was ich aber jetzt lebe im Fleisch, lebe ich durch Glauben, durch den an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingege­ben hat“ (Gal 2,20). Wir haben mit dem Gesetz und mit dieser Welt nichts mehr zu tun. Wir sind beiden gestorben. An einen Toten können keine Ansprüche ge­stellt werden. Als solche, die neues Leben haben, wollen wir nun für Ihn leben. Wir fragen nach seinem Willen, setzen unsere Energie für seine Interessen ein und freuen uns an der Gemeinschaft mit Ihm.
„Nicht mehr lebe ich, son­dern Christus lebt in mir.“
(Gal 2,20)


Ein Ort, gekennzeichnet von Gemeinschaft mit Ihm

Gemeinschaft bedeutet mehr, als nur zusammen zu sein oder etwas zusammen zu machen. Es geht um eine innere Übereinkunft über etwas, um eine enge Beziehung, um Anteil aneinander. Das Wesen der Gemein­schaft wird sehr schön in Amos 3,3 beschrieben: „Gehen wohl zwei mit­einander, außer wenn sie überein­gekommen sind?“
Um miteinander zu gehen, ist es notwendig, das gleiche Ziel zu ha­ben und den gleichen Weg im glei­chen Tempo zu gehen. Und si­cher wird die Gemeinschaft auf dem Weg auch in einem intensi­ven Austausch sichtbar (s. 2. Kön 2,13). Um Gemeinschaft mit dem Herrn zu haben, ist es also notwen­dig, dass wir in Übereinstimmung mit seinen Gedanken, d. h. seinem Wort leben und nach seinem Willen fragen. Wie sah das im Haus in Be­thanien aus?

Sie machten ihm nun dort ein Abendessen

Ein Abendessen ist an sich schon ein Ausdruck von Gemeinschaft (s. Off 3,20). Entscheidend ist nur, mit wem diese Gemeinschaft besteht.
Der Herr Jesus war mit seinen Jün­gern im Haus Simons. Vermutlich waren außer ihnen und den drei Ge­schwistern Martha, Maria und Laza­rus noch weitere Gäste anwesend. Und doch wird ausdrücklich gesagt, dass das Abendessen dem Herrn Jesus galt. Um Ihn ging es, Er war der Mittelpunkt des Hauses. Ihm waren die Herzen zugewandt, auf Ihn waren die Augen gerichtet. Wie hat das den Herrn gefreut, in diesem Haus sol­che zu finden, die Ihm den ersten Platz in ihrem Leben gaben.
Christliche Gemeinschaft ist zuerst davon gekennzeichnet, dass wir Ge­meinschaft mit Gott, dem Vater und dem Sohn haben. „… und zwar ist un­sere Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus“ (1. Joh 1,3b).

Es waren noch andere mit an dem Tisch

„Lazarus aber war einer von denen, die mit ihm zu Tisch lagen“ (Joh 12, 2). Von Lazarus lesen wir nicht, dass er etwas gesagt hätte. Er war wohl einer der Stillen im Land. Aber er suchte die Nähe des Herrn, der ihn aus den Toten auferweckt hatte. Und das war entscheidend. Damit war er am richtigen Platz und dadurch konn­te er ohne Worte ein lebendiges Zeugnis für den Herrn sein (s. Joh 12,11). Neben Lazarus hatten auch noch andere diesen Platz in der Nähe des Herrn eingenommen. So hatten sie an diesem Tisch Gemeinschaft mit dem Herrn und untereinander.
Das ist das zweite Kennzeichen christlicher Gemeinschaft. Wenn wir Gemeinschaft mit Ihm haben, wer­den wir auch andere finden, die den gleichen Wunsch haben. Diese Ge­meinschaft besteht dem Grundsatz nach mit allen Kindern Gottes, weil wir das gleiche Leben, den gleichen Herrn, den gleichen Vater und den gleichen Geist Gottes in uns woh­nen haben. Wie schön ist es, wenn wir das auch praktisch miteinander verwirklichen können, weil wir ge­meinsam Ihm nachfolgen und auch den gemeinsamen Weg der Kinder Gottes nach der Schrift gehen wol­len. Die Gemeinschaft untereinan­der gründet sich auf die Gemein­schaft mit Ihm. „Was wir gesehen und gehört haben, verkündigen wir auch euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt, und zwar ist un­sere Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus“ (1. Joh 1,3).
Diese Gemeinschaft können und wol­len wir in unseren Familien und in den örtlichen Versammlungen ausleben. Ist Er das Zentrum unseres Familien­lebens und des täglichen Miteinan­ders der Geschwister am Ort und auch darüber hinaus?
Wenn wir zum Beispiel als Familie zu Abend essen, ist das eine gute Gele­genheit, gemeinsam das Wort Got­tes oder einen Kalender zu lesen, ein paar Worte darüber zu reden und zu beten. In den alltäglichen Situatio­nen wird so unsere Gemeinschaft mit Ihm sichtbar und stärkt die Ge­meinschaft untereinander. Das Er­gebnis ist dann: „Und dies schreiben wir euch, damit eure Freude völlig sei“ (1. Joh 1,4).
Aus der Gemeinschaft mit dem Herrn Jesus heraus und mit der Freude, die wir darin erleben, kann es dann auch nützlichen Dienst für Ihn geben. Damit wollen wir uns im nächsten Heft beschäftigen.

Dirk Mütze

Der Sieg Jonathans

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„Und die erste Niederlage, die Jonathan und sein Waffenträger anrichteten, war etwa zwanzig Mann …“
(1. Sam 14,14)

Vergleicht man den Sieg Jonathans am Pass von Mikmas, als er und sein Waffenträger „nur“ 20 Philister erschlugen, mit anderen Siegen in der Geschichte Israels (z. B. mit der Schlacht bei Aphek, als Israel unter Ahab 100.000 Syrer schlug, (s. 1. Kön 20,29), kommt schon die Frage auf, warum diese Begebenheit so detailliert beschrieben wird. Vielleicht, weil Jonathan uns „im guten Kampf des Glaubens“ (s. 1. Tim. 6,12) ein Vorbild sein soll.

Die Philister

Seit dem Einzug ins Land waren die Philister, ein götzendienerisches und kriegerisches Volk, einer der Haupt­feinde Israels. Man nimmt an, dass sie ursprünglich aus Ägypten stamm­ten und schon vor Abrahams Zeit über das Mittelmeer in Palästina ein­gewandert sind. Sie sind also nicht wie das Volk Gottes durch den Jor­dan (ein Bild vom Tod des Herrn Je­sus) ins Land gekommen.
Symbolisch zeigen sie uns Men­schen, die ein christliches Bekenntnis haben, aber nicht wirklich bekehrt sind und den wahren Gläubigen quasi „das Land“ streitig machen.
Die Philister unterdrückten im­mer wieder das Volk Israel, zur Zeit Simsons sogar 40 Jahre lang. Als Saul König wurde, hatten sie das Volk fast vollständig im Griff und es war die Aufgabe des Königs, die Gott ihm ge­zeigt hatte, diese Feinde zu schla­gen. Doch sie hatten Israel alle Waf­fen weggenommen (s. 1. Sam 13, 19-21) und jetzt war am strategisch wichti­gen Pass von Mikmas eine ge­waltige Heeresmacht (30.000 Wagen, 6.000 Reiter und Fußvolk „wie Sand am Meer“) als Vernichtungszug gegen Is­rael zusammengezogen. Das ver­setze das Volk endgültig in Angst und Schrecken (s. 1. Sam 13,6.7) und ein großer Teil versteckte sich im Gebirge. Saul verfügte nur noch über 600 Kämpfer (s. 1. Sam 13,15).

Tatsächlich ohne Ausweg?

Die Übermacht der Philister auf der einen Seite des Gebirges steht der scheinbar armseligen Truppe mut- und waffenloser Israeliten auf der anderen Seite gegenüber. Sehen wir darin nicht ein Bild der Gläubigen heute, die umgeben sind von einer christuslosen Christenheit?
Der Teufel unternimmt alles, um den Gläubigen zu schaden. Dabei fokus­siert er sich besonders auf unseren Glauben. Einerseits auf das Glau­bensgut, d. h. den Inhalt unseres Glaubens, und andererseits auf die Kraft unseres Glaubens. Beides will er uns nehmen und gerne benutzt er hierfür solche „Philister“. Daher müs­sen wir für den Glauben kämp­fen, aber leider sind wir oft nicht bereit dazu.
Jonathan ließ sich damals von den Philistern nicht beeindrucken und von den verzagten Israeliten nicht ent­mutigen lassen. Er wagte den Kampf. Und seine Geschichte macht deut­lich, dass der Glaubende nicht ohne Ausweg ist, auch wenn es fast so aussehen mag.

Was nötig ist im Kampf

Die Begebenheit in 1. Samuel 14 zeigt uns, was wir für den Glaubens­kampf brauchen und was Gott uns auch gerne schenken möchte.

  • Waffen:
    Auch wenn es anders aussah, so gab es doch noch Waffen. Saul und Jonathan hatte man die Waffen nicht genommen (s. 1. Sam 13,22b). Gott hat uns eine komplette Waf­fenrüstung für den Glaubenskampf geschenkt (s. Eph 6,11ff.). Wie sieht es da bei uns aus? Der Herr schen­ke, dass wir solche sind, die diese Waffenrüstung auch wirklich ange­legt haben und beständig tragen!
  • Glaube:
    War es fehlender Glaube daran, dass Gott mit den wenigen Waffen und Soldaten etwas ausrichten konnte, der Saul scheinbar tatenlos unter dem Granatbaum sitzen ließ (s. 1. Sam 14,2)? Jonathan jeden­falls glaubte und vertraute Gott, dass Er auch mit den wenigen Waf­fen und dem einen Mitkämpfer einen Sieg schenken könnte. Dieser Glaube setzte bei ihm Energie frei, verhinderte Resignation und führte zum Handeln („komm lass uns …“, s. 1. Sam 14,1). Wieder stellt sich die Frage, wie es bei dir und mir darum bestellt ist? Was raubt uns vielleicht eine solche Glaubens­kraft wie Jonathan sie besaß?[1]
  • Wachsamkeit:
    Das Wort „Aufstellung“ in 1. Sa­muel 13,23 wird in Jesaja 22,19 auch mit „Posten“ übersetzt. Es ist ein anderes Wort als das in 1. Sa­muel 13,3, wo mehr die Besatzung insgesamt gemeint ist. Offensicht­lich war es am Pass von Mikmas eher ein kleinerer Heeresteil, der diesen wichtigen Punkt besetzt hielt und versteckt auf der Höhe des Passes stationiert war. Jona­thans Wachsamkeit war er aber nicht entgangen. Die Angriffe des Teufels auf unseren Glau­ben sind nicht immer gleich erkennbar. Welche Anknüpfungs­punkte findet er bei uns, um uns daran zu hindern, so wachsam wie Jonathan zu sein?
  • Unterscheidungsvermögen:
    In 1. Samuel 14, 6 bezeichnet Jo­nathan die Philister als „Unbeschnit­tene“. Die Beschneidung zeigte die Zugehörigkeit zum irdischen Volk Gottes, das für Gott abgesondert war und dem seine Verheißungen galten. Alle anderen Nationen – auch die Philister – waren „Unbe­schnittene“, sie hatten keine Be­ziehung zu Gott. Jonathan hatte einen klaren Blick für das Volk Gottes, für dessen Verheißungen und Absonderung. Dafür wollte er kämpfen. Heute kann man oft nicht sofort erkennen, wer wirklich Christ ist, oder nur ein Bekenner ohne Leben aus Gott. Die Chris­tenheit ist nach 2. Timotheus 2,20 zu einem „großes Haus“ gewor­den, in dem es leider auch „höl­zerne und irdene Gefäße“ (das sind die christlichen Bekenner ohne Leben aus Gott) gibt (s. 2. Tim 2,20). Wie können wir diesen klaren Blick und ein sauberes Unterscheidungsvermögen erlangen und schulen?
  • Mut:
    Als Jonathan und sein Waffenträ­ger zwischen den beiden Felszacken die Passhöhe er­reichten, zeigten sie sich offen den Philistern (s. 1. Sam 14, 8). Dafür brauchten die beiden eine gehörige Portion Mut. Wo kam dieser Mut her? Durch die persönliche Überzeugung Jo­nathans, dass Gott selbst der Ret­ter ist: „… denn für den Herrn gibt es kein Hindernis, durch viele zu retten oder durch wenige“ (V. 6). Die Antwort der Philister auf diesen Mut ist allerdings Spott. „Siehe, Hebräer kommen aus den Löchern hervor …“ (s. 1. Sam 14,11). Das mussten sich Jonathan und sein Waffenträger anhören. Aufge­geben haben sie trotzdem nicht. Was bewirkt bei uns das Wissen, dass der Herr Jesus unser Retter und Helfer ist? Der Herr schenke dir und mir den Mut, uns offen auf seine Seite zu stellen!
  • Abhängigkeit:
    In den Versen 9 und 10 steht Jona­than vor der Frage, wie sie weiter vorgehen sollen. Es gibt zwei Hand­lungsoptionen. Aber er will auf Got­tes Signal warten, welche sie wäh­len sollen. Sicher war er nicht ohne Plan losgezogen, doch er will Gott die Führung überlassen. Gott hat uns den Ver­stand gege­ben und wir sollen ihn im Glaubens­kampf auch benutzen. Worauf müssen wir achten, damit wir einerseits unse­rer Verantwortung nachkommen und Ihm dabei doch die Führung überlassen?
  • Vertrauen:
    Überzeugt davon, dass Gott für den Sieg sorgen wird, machen sich die beiden auf den Weg zur Passhöhe (s. 1. Sam 14,12.13). Dabei müssen sie mit Händen und Füßen klet­tern. Das war nicht nur körperlich an­strengend, sondern auch sehr ge­fährlich. Während sie Hände und Füße zum Klettern einsetzten, konn­ten sie nicht zu den Waffen grei­fen, um sich gegen die Philister zu wehren. Dieses Risiko wird Jona­than gekannt haben, aber im Ver­trauen auf Gott („… denn der Herr hat sie in die Hand Israels gege­ben“, V. 12) wagt er auch diesen mutigen Schritt. Gott belohnte sein Vertrauen mit Sieg. Was schmälert und was fördert unser Vertrauen in unseren Gott?
,,Gott hat uns den Verstand gegeben und wir sollen ihn im Glaubenskampf auch benutzen.“


Gott schenkt den Sieg

Gottes Wort beschreibt nicht detail­liert, auf welche Weise Jonathan und sein Waffenträger die zwanzig Mann töteten. Wir lesen nur, dass sie vor Jonathan fielen und sein Waffenträ­ger hinter ihm her tötete (s. 1. Sam 14,13). Es war Gottes Antwort auf Jo­nathans Bereitschaft, diesen schein­bar aussichtslosen Kampf zu führen, dass Er selbst die Sache in die Hand nahm und den Sieg herbeiführte.
Auf den ersten Blick ist es ein klei­ner Sieg über nur 20 Mann, nur ein minimaler Bruchteil der ganzen Be­satzungsmacht. Und doch sagt Got­tes Wort in Vers 14, dass es eine ers­te Niederlage (oder ein erster Schlag, s. Anmerkung) war.
Doch der in den Augen der Men­schen vielleicht nur kleine Sieg wurde zum Schrecken Gottes, der alle Phi­lister erreichte und sie so verwirrte, dass sie flohen. Dieser Sieg steckte die anderen Israeliten, die bis dahin mutlos in ihrem Lager waren, oder sich ängstlich versteckt hatten, an, ebenfalls zu kämpfen. Ein erster kleiner, unscheinbarer Sieg, aus dem Gott dann so viel gemacht hat.
Wir Christen sind wie die Israeliten damals schnell mutlos und verste­cken uns oft. Wenn uns jemand zum Glaubenskampf auffordert, winken wir schnell mit den Argumenten ab, wir könnten ja doch nichts ausrich­ten und die Zeit der großen Siege sei schließlich vorbei.
So hätte Jonathan auch denken kön­nen, als er von diesem Posten der Philister am Pass von Mikmas hörte. Aber er vertraute Gott, machte sich auf­ und kämpfte mutig diesen „klei­nen“ Kampf. Wie viele Gelegen­heiten haben wir dazu besonders in unseren Ehen und Familien, in den Kontakten, die durch unsere Kinder entstehen, im Beruf, in der Nachbar­schaft und auch im Zusammenleben mit den Glaubensgeschwistern!
Wenn wir die Treue und die Motiva­tion zeigen, die wir bei Jonathan in den einzelnen Punkten gesehen ha­ben, dann wird Gott selbst für Siege sorgen, auch wenn sie – aus unserer Sicht – vielleicht klein erscheinen. Wir können dem Herrn dann in aller Ruhe überlassen, was Er daraus macht.

Henning Panthel


Fußnoten:

  1. Bei der Vorstellung der Waffenrüstung in Epheser 6 ist der Schild des Glaubens ein Bestandteil der Waffenrüstung.

KONFLIKTE - wie können wir sie lösen?

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Konflikte gibt es, solange es Menschen gibt. Als Konflikt bezeichnen wir eine schwierige Situation infolge des Aufeinanderprallens unterschiedlicher Interessen, Forderungen oder Meinungen.
Weil durch den Sündenfall des ersten Menschenpaares die Sünde in die Welt gekommen ist, sind auch Konflikte eine Folge davon (s. Röm 5,12). Vor dem Sündenfall herrschten vollkommene Harmonie und Liebe. Aber das veränderte sich nach dem Sündenfall grundlegend: Die gefallenen Menschen wurden missgünstig und bösartig (s. 1. Mo 6,5).
Konflikte sind keine angenehmen Situationen in unserem Alltag. Auch wir Christen sind ihnen immer wieder ausgesetzt. Wie gehen wir damit um?
In Gottes Wort finden wir Begebenheiten, die uns Grundsätze für den Umgang mit Konflikten zeigen. Im Folgenden möchten wir uns deshalb einmal mit zwei aufschlussreichen Begebenheiten näher beschäftigen.

Abraham[1] und Lot – Lösung eines Konflikts

Abraham wohnte zwischen Bethel und Ai bei der Stätte des Altars (s. 1. Mo 13,3). Er war sehr reich an Vieh, Silber und Gold (s. V. 2). Auch Lot, der mit Abraham zog, war nicht un­vermögend: Er hatte Kleinvieh und Rinder (s. V. 5). Beide waren zu Wohl­stand gekommen. Ihre Habe war groß, aber der Wohnraum begrenzt.
Die Folge davon war Zank zwischen den Viehhirten Abrahams und Lots.
Das konnte so nicht bleiben! Welch ein Bild gaben sie damit unter den Kanaanitern und den Perisitern ab, die damals im Land wohnten!
Schauen wir uns die einzelnen Schrit­te zur Konfliktlösung etwas genauer an.

Den ersten Schritt machen

Es ist Abraham als der Ältere (und Weisere), der die Initiative zum Ge­spräch ergreift.
Der Vorzug an Alter und der damit verbundenen Selbsterkenntnis, lässt Abraham Lot gegenüber langmütig sein. Die Einsicht eines Menschen [über sich selbst] macht ihn lang­mütig, und sein Ruhm ist es, Verge­hungen zu übersehen“ (Spr 19,11).

Das Verbindende, Gemeinsame hervorheben

Abraham geht auf Lot zu und spricht den Konflikt offen an: „Da sprach Ab­ram zu Lot: Lass doch kein Gezänk sein zwischen mir und dir und zwi­schen meinen Hirten und deinen Hir­ten; denn wir sind Brüder!“ (1. Mo 13,8).
Abraham erhebt warnend seine Stim­me wegen der möglichen Folgen des Streits. Er ist sich im Klaren dar­über: Der Streit der Hirten würde auch das Verhältnis zwischen ihm und Lot trü­ben, deshalb mahnt er: „Lass doch kein Gezänk sein zwi­schen mir und dir …“.
In Weisheit betont er zunächst das Verbindende und sagt: „Wir sind Brü­der! – obwohl Lot sein Nef­fe war, der Sohn seines Bruders Ha­ran (s. 1. Mo 11,31).

Die richtigen Worte wählen

Abraham gibt uns ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig im Konflikt Beson­nenheit ist. Denn: „… die Zunge der Weisen ist Heilung“. Aber: „Da ist je­mand, der unbesonnene Worte re­det gleich Schwertstichen“ (s. Spr 12,18).
Es ist auffallend, wie sehr er ver­sucht, die Situation möglichst objek­tiv darzustellen: Er bleibt ruhig und besonnen, reagiert nicht emotional. Er macht Lot keine Vorwürfe, keine aggressiven Äußerungen kommen über seine Lippen.

Lösungen anbieten

Selbstlos fragt Abraham den jünge­ren Lot: „Ist nicht das ganz Land vor dir?“ Und dann macht er ihm einen Lösungsvorschlag. Er unterbreitet Lot zwei Möglichkeiten und überlässt ihm die Wahl: „Trenne dich doch von mir! Willst du zur Linken, so will ich mich zur Rech­ten wenden, und willst du zur Rech­ten, so will ich mich zur Lin­ken wen­den“ (V. 9). Dabei ist Abra­ham auch bereit, Nachteile in Kauf zu nehmen.

Nicht auf den eigenen Vorteil bedacht sein

Wir alle haben wohl mehr oder we­niger in dieser Hinsicht zu lernen!
Manchmal müssen auch wir Benach­teiligungen in Kauf nehmen, indem wir die eigenen Interessen zurück­stellen und einlenken – um des Frie­dens willen auf etwas verzich­ten. Die Er­mahnung ist immer noch aktuell: „Warum lasst ihr euch nicht lieber un­recht tun? Warum lasst ihr euch nicht lieber übervorteilen?“ (1. Kor 6,7).
In uns selbst haben wir nicht die Weisheit zu einem jederzeit beson­nen Reden und Handeln.
Der Herr Jesus ist uns auch darin Vorbild. Er suchte niemals seinen Vorteil, verzichtete auf eigene Rechte und „übergab sich dem, der gerecht richtet“ (1. Pet 2,23).

Mit Gottes Augen sehen

Und Lot – wie verhält er sich? Eigent­lich hätte es ihm als dem Jünge­ren gut gestanden, seinem Onkel Abra­ham die Wahl zu überlassen.
Aber hat Lot wirklich das bessere Los gezogen? Nur dem äußeren An­schein nach. Sein Weg ging moralisch Schritt für Schritt bergab: „Lot wohn­te in den Städten der Ebene – er schlug seine Zelte auf bis Sodom“, deren Bewohner große Sünder vor dem Herrn waren! Schließlich wohnt Lot in Sodom und zuletzt finden wir ihn im „Tor Sodoms“; er hatte einen Sitz im Rat dieser gottlosen Stadt (s. Kap. 13,12.13; 14,12; 19,1).
Armer Lot: Er quälte Tag für Tag sei­ne gerechte Seele mit dem, was er sah und hörte (s. 2. Pet 2,7.8).

Nicht nachtragend sein

Abraham ist gegenüber seinem Nef­fen Lot nicht nachtragend. Im Gegen­teil: Als Lot durch kriegerische Aus­einandersetzungen in Not gerät, eilt Abraham ihm sofort zu Hilfe: „Und als Abram hörte, dass sein Bruder (!) gefangen weggeführt wor­den war, ließ er seine Geübten, seine Hausge­borenen, ausrücken, 318 Mann, und jagte ihnen nach bis Dan …“ – und befreite ihn und seine Habe (Kap. 14,14-16). Vorbildlich ist Abrahams Fürbitte vor dem Herrn um die Ver­schonung Lots und seiner Familie vor dem Gericht über die Städte So­dom und Gomorra (s. Kap. 18,22-33).

Beratung in Jerusalem – Lösung einer Streitfrage

„Müssen die Christen aus den Na­tionen noch beschnitten werden und das Gesetz halten, um errettet zu werden?“ (s. Apg 15,1.5).
Wegen dieser Streitfrage kamen die Apostel und Ältesten in Jerusalem zusammen. Wie sachlich behandel­ten die Apostel und die Ältesten dieses Problem! Jeder der sich zu Wort Meldenden wurde langmütig angehört.

Alle Seiten anhören

Zuerst redet Petrus, der seine Beur­teilung mit den Worten auf den Punkt bringt: „Wir glauben, durch die Gnade des Herrn Jesus in derselben Weise errettet zu werden wie auch jene“ (V. 11).
Die Menge schweigt zunächst: Ruhe und Besonnenheit sind erkennbar.
Dann hören sie Barnabas und Pau­lus zu, die von Zeichen und Wun­dern unter den Nationen berich­ten, die Gott durch sie getan hat (V. 12). Auch sie können ausre­den, ohne unter­brochen zu werden.
Schließlich zitiert Jakobus (der in der Versammlung von Jerusalem als Säule angesehen wurde) einige Verse aus dem Propheten Amos und gibt sein Urteil sachlich mit einem konkreten Vorschlag ab: Den aus den Natio­nen zu Gott Bekehrten keine Schwierig­keiten zu machen, ihnen vielmehr zu schreiben, sich von gewissen Dingen (von Hurerei usw.) zu enthalten.
Und der Heilige Geist bewirkt, dass alle erkennen: Das zitierte Wort Got­tes ist die Lösung der Frage. Die Be­folgung desselben dient dem Frie­den und der Einheit.

Einmütig werden und handeln

Dem Feind wurde in einer brisanten Situation auf Gott gemäße Weise ge­wehrt: Keine Parteilichkeit ist erkenn­bar – keine Spaltungen entstehen.
Diese geistlichen Männer verfassen einmütig einen Brief, welcher den Nationen durch Paulus und Barna­bas in Begleitung von Judas und Silas, die Führer unter den Brüdern waren, mitgeteilt werden soll. Diese kom­men nach Antiochien hinab, versam­meln die Menge und über­geben den Brief. Als Folge lesen wir von Freu­de, Trost, Ermunte­rung, Stärkung und Frieden (s. V. 30-35) unter den Ge­schwistern, die (wieder) einträch­tig beieinander wohnen. Sie stehen unter dem Segen Gottes (s. Ps 133,1.3).

Beachtenswert auch für uns heute

Was können wir tun, damit Kon­flikte sich nicht verschärfen? Fas­sen wir noch einmal zusammen:

  • Oft kann eine „milde Antwort“ ent­scheidend zur Deeskalation beitra­gen – „den Grimm abwenden“ (Spr 5,1). Nicht nur in Auseinanderset­zungen zwischen Eheleuten beugt eine solche Haltung einem heftiger werdenden Streit vor.
  • Die Umsetzung der Ermahnung: „Lass den Streit, bevor er heftig wird“ befolgen wir, indem wir zu­nächst still werden und für die Sa­che beten (Spr 17,14; s. Jak 4,2). Vielleicht ist später ein sachlicher Austausch möglich!
  • Jeder sollte versuchen, die stritti­gen Dinge einmal aus der Sicht des anderen zu sehen und anzuerken­nen, was an den Argumenten des anderen wahr ist.
  • Wir können zudem den anderen bitten, selbst Vorschläge zur Lösung des Konflikts zu machen. Auch da­durch sind Meinungsverschieden­heiten einfacher aus dem Weg zu schaffen.

Einträchtig beieinander zu wohnen und einander untergeordnet zu sein in der Furcht Christi (s. Ps 133,1; Eph 4,21), ist ein fortlaufender Lern­prozess in der Schule Gottes. Demut, Sanftmut und Langmut sind uns nicht angeboren, sondern vielmehr eine Frucht der Wirksamkeit des Heiligen Geistes im Miteinander der Kinder Gottes.
Wir sind und bleiben Lernende! Manchmal ist das Lernziel nicht er­reicht und neue Lektionen zur Wie­derholung sind angesagt. Aber wer ist ein Lehrer wie Er? – Er fordert uns auf: „Lernt von mir! Denn ich binsanftmütig und von Herzen demütig“ (Mt 11,29).
Wenn wir bereitwillig dem Vorbild unseres Herrn folgen, stehen wir unter seinem Segen. Und der sollte uns wichtiger als alles andere sein!

Friedhelm Müller


Fußnoten:

  1. Erst in 1. Mose 17,5 gibt Gott Abram den Namen „Abraham“.

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