BleibtInMir

...denn außer mir könnt ihr nichts tun

Zeitschrift für die christliche Familie

Wie kann man den Willen Gottes erkennen?

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Brisant und akut wird diese Frage immer dann, wenn eine große Entscheidung ansteht, sei es der Wohnort, der Beruf oder der Partner. Oft scheint es leider so zu sein, dass man die alltäglichen Dinge immer selbst entscheidet, während in den großen Fragen Gott etwas zeigen muss. Wer aber in den kleinen Dingen des Alltags nicht geübt ist, Gottes Willen zu erkennen, der wird es dann bei der Partnerwahl sicher schwer haben.
Vielmehr sollte das Leben eines Christen ständig vom Herrn geleitet sein: „Denn so viele durch den Geist Got­tes geleitet werden, diese sind Söhne Gottes“ (Röm 8,14). Es ist also eine Normalität im Leben eines Christen – ein Kennzeichen seiner Gottessohnschaft –, vom Geist geleitet zu werden. Nicht nur dann, wenn es auf etwas Wichtiges ankommt, sondern in jeder Phase des Lebens. Keine Mystik oder besonders geistliche Erlebnisse, sondern eine nüchterne Realität im Alltag. Kein „Modus“ mit An-/Ausschalter, sondern eine Natürlichkeit des neuen Lebens.
Das bedeutet nicht, dass man vor jedem Einkauf beim Bäcker oder vor dem morgendlichen Gang an den Kleiderschrank lange beten muss, damit der Herr einem jetzt bitte seinen Willen kundtut. Es bedeutet vielmehr, dass man ein Leben führt, das sich vom Bösen fernhält (s. Spr 8,13), in dem der Herr ganz selbstverständlich das Sagen hat und das zu seiner Ehre ist (s. Kol 3,17; 1. Kor 10,31) – dann ist und wird man automatisch von Ihm geleitet.
Dann wird der Herr „das Wollen wirken“, wie Paulus schreibt (s. Phil 2,13). Das bedeutet: Gott wird in unserem Herzen die Überlegungen, Wünsche und Ziele bewirken, die nach seinen Gedanken sind. Von Jim Elliot stammen die wahren Worte: „Er wird mir seinen Willen offenbaren, nicht durch Feuer oder Erdbeben, sondern durch das ruhige Verweilen in seiner Gegenwart. Als Kind Gottes lernt man bald, seinen Willen daraus herauszulesen.“ Wenn wir in so enger Gemeinschaft mit Ihm leben, dann gibt Er uns auch in der Frage der Partnerwahl eine Tendenz ins Herz, der wir folgen können.
Es gilt: Wer Gottes Willen hören sowie tun (!) will und diesen aufrichtig sucht, der wird auch Antworten finden (vgl. Mt 7,7). Laut vielen Rückmeldungen von Jugendlichen erscheint das Erkennen des Willens Gottes oft so kompliziert, praktisch wie die Suche nach der berüchtigten Nadel im Heuhaufen. Doch Gott wird uns kaum auf Spurensuche ins Labyrinth schicken. Nein, Er möchte uns natürlich helfen, seinen Plan für unser Leben zu entdecken. Dabei offenbart Er uns seinen Willen oft viel „unspektakulärer“, als man es sich vorstellt (oder oft auch wünscht). So ähnlich war es bei Elia: Gott war nicht in dem Wind, dem Erdbeben, dem Feuer, sondern in dem leisen Säuseln (s. 1. Kön 19,11-13). Sein Wille ist nicht erst dann offenbart, wenn man zehnmal in einer Woche denselben Bibelvers erhalten hat oder wenn ein unwissender Bruder bei einer Predigt direkt in die jeweilige Situation hinein weissagt. Das können einzelne Puzzlestücke sein, wenn wir den Willen des Herrn herausfinden möchten, doch sie sind keinesfalls Bedingungen oder zwingend erforderlich. Noch einmal: Wenn ich in Gemeinschaft mit dem Herrn lebe, führt Er meine Gedanken, Wünsche und Erwägungen automatisch in die richtige Richtung.

Wichtig: Der Herr Jesus will jeden von uns individuell führen. Was für den einen richtig ist, kann für den an­deren falsch sein. Und Er führt Schritt für Schritt. Wenn unser ganzer Lebensweg wie auf einem Stadtplan vorgezeichnet wäre, wozu bräuchten wir dann noch einen Führer? Der Herr selbst will unser Führer sein, und das ist bei Weitem das Beste. Aber dann kommt es darauf an, diese Führung zu erfahren!

Auszug aus:

Mehr als Schmetterlinge
Was Gott dir über die zweit-wichtigste Entscheidung des Lebens sagt


Eine hilfreiche Orientierung für junge Christen mit Heiratswunsch und für Eltern, die ihre Kinder mit biblisch fundierten Ratschlägen auf diesem Weg begleiten möchten.

Autor: Alexander Schneider

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Wenn die Tage schwer werden – seine Gnade genügt

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Der bekannte Ausspruch: „Jeder will alt werden, aber niemand will alt sein“, zeigt, dass viele Menschen ein negatives Bild vom Alter haben. Sie verknüpfen diese Phase vor allem mit Krankheit, Vergesslichkeit und Schmerzen. Für den Glaubenden sollte das Alter auch eine Zeit reifer Erfahrung, innerer Gelassenheit und gewachsener Lebensweisheit sein.

Der Rat des Predigers

Dass das Alter verbunden ist mit Jah­ren, „von denen du sagen wirst: Ich habe kein Gefallen an ihnen“, lesen wir schon im Buch des Predigers. Da­rin gibt Salomo den guten Rat: „Gedenke deines Schöpfers in den Tagen deiner Jugendzeit, ehe die Tage des Übels kommen und die Jahre herannahen, von denen du sagen wirst: Ich habe kein Gefallen an ihnen“ (Pred 12,1).
Der weise König hatte alles unter der Sonne erforscht und erkundet und beschreibt sehr anschaulich, wie die Funktionen des Körpers im Alter natürlicherweise mehr oder weniger nachlassen.
Gerade deshalb ist es so wichtig, dem Appell des Predigers zu folgen, unseres Schöpfers zu gedenken (s. V. 1) und uns besonders schon in den Tagen der Jugendzeit mit Ihm zu beschäftigen. Eben in Zeiten, wo der Geist noch frisch und das Herz eher geöffnet ist, die Worte Gottes zu erfassen, um sie als einen kostbaren Besitz dann im Alter in Erinnerung rufen zu können – und zwar „… ehe sich verfinstern die Sonne und das Licht und der Mond und die Sterne, und die Wolken nach dem Regen wiederkehren“ (Pred 12,2).
Das will sagen, dass im Alter das Augenlicht abnimmt und selbst bei Sonnenschein nicht mehr alles klar und hell gesehen wird, so, als ob die Wolken wieder da sind. Das kann sich auch auf das Innere auswirken: Auch Christen können (nicht nur bzw. erst) im Alter seelische Dunkelheit erleben, wenn sich die körperlichen Beschwerden verstärken, die Glieder schmerzen und man seine Tage in Einsamkeit verbringt. Dann „verfinstern sich die Sonne und das Licht“ – in der Seele. Manchmal mag dann auch fachärztliche Hilfe notwendig sein.

Der Glaubensblick nach oben

Doch wie gesegnet, wenn dennoch der Glaubensblick nach oben auf den Herrn Jesus gerichtet ist – in dem Vertrauen:

  • Er kann helfen.
  • Er hat Mitleid mit meinen Schwachheiten.
  • Er lässt mich nicht am Boden liegen.
  • Er vermag mich wieder aufzurichten.

Gerade in Zeiten von körperlicher Schwachheit und seelischer Niedergeschlagenheit dürfen Christen – nicht nur im Alter – erfahren: „Der Herr aber stand mir bei und stärkte mich“ (2. Tim 4,17), und dass Er zugesagt hat: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters“ (Mt 28,20). Wenn also der äußere Mensch verfällt, brauchen wir trotzdem nicht zu ermatten, wird doch der innere Tag für Tag erneuert (s. 2. Kor 4,16).

„Symptome im Alter“ – und dennoch seine Gnade

Wenn nun in Prediger 12,2 ff. eine Reihe von „Symptomen im Alter“ bildhaft geschildert werden, haben wir die wertvolle Zusage, dass den­noch seine Gnade genügt, denn sei­ne „Kraft wird in Schwachheit vollbracht“! (2. Kor 12,9).
Schauen wir uns kurz einige dieser Bilder an:

„… an dem Tag, da die Hüter des Hauses zittern, und sich krümmen die starken Männer“ (V. 3),

was bedeutet, dass die Hände zittern und so mancher abgearbeitete Mensch nur noch mit gebücktem Rücken einhergehen kann. Doch darf ein Kind Gottes dankbar erleben, wie der Herr es stützt – Tag für Tag.

„… und die Müllerinnen feiern, weil sie wenige geworden sind“,

weil im vorgerückten Alter ein Zahn nach dem anderen ausfällt. Wir stel­len uns vor, welche Probleme in frü­heren Zeiten damit einhergingen. Wie dankbar sollten wir dem Herrn sein, dass heute professionelle zahnärztliche Hilfe beispielsweise durch Zahnersatz geleistet werden kann.

„… und sich verfinstern die aus den Fenstern Sehenden“,

wenn das Sehvermögen der Augen immer mehr nachlässt. Aber auch hier haben wir Grund, Gott zu dan­ken, können wir doch durch das Tra­gen einer Brille die Sehschwäche in der Regel gut ausgleichen.

„… und die Türen zur Straße geschlossen werden“ (V. 4),

weil man wegen einer Behinderung seine Wohnung kaum mehr verlassen kann. Dann wird die Einsamkeit besonders spürbar. Damals standen praktische Rollstühle und Gehhilfen noch nicht zur Verfügung, die heute – Gott sei Dank – das Leben trotz Be­hinderung zumindest erleichtern.

„… indem das Geräusch der Mühle dumpf wird …“

Wenn das Gehör nachlässt, ist das für den Betreffenden oft mit Isolation verbunden. Man kann die Redenden nicht mehr recht verstehen und sich infolgedessen oft nicht mehr an einer Unterhaltung beteiligen. Und doch haben solche auch in dieser Hinsicht Anlass zum Danken, gibt es doch Hilfs­mittel in Form von Hörgeräten, die diesen Mangel oft ausgleichen können.

„… und er [d. h. der alt gewordene Mensch] aufsteht bei der Stimme des Vogels …“

Im Alter wird so manch einer schon früh am Morgen wach … Oder das Ein- und Durchschlafen fällt schwer. Und doch können die Nachtstunden und besonders der frühe Morgen mit der damit verbundenen Stille besonders geeignet sein zum Gebet, zur Fürbitte und zur Danksagung usw., wenn die Kraft dafür vorhanden ist. Gottes Segen ist damit verbunden – für sich selbst und für andere.

„… und gedämpft werden alle Töchter des Gesangs.“

Für so manchen frohen Sänger ist es bedrückend, wenn die Stimme beim Singen nunmehr schwächer und kratzig wird … Aber das Singen und Spielen im Herzen kann ihm niemand nehmen!

„Auch fürchten sie sich vor der Höhe“ (V. 5),

weil viele Ältere von Schwindel geplagt werden,

„… Schrecknisse sind auf dem Weg“,

denn infolge von Unsicherheit besteht die berechtigte Angst vor dem Fallen. Auch das alles ist ein schlimmes Übel, aber die tägliche Bewahrung des Herrn darf dankbar erfahren werden.

„… und der Mandelbaum steht in Blüte“,

was bedeutet: Die Haare auf dem Kopf werden mehr und mehr weiß – ein Zeichen von Lebenserfahrung und Würde. So ist „graues Haar die Zierde der Alten“ (Spr 20,29).

„… und die Heuschrecke schleppt sich hin …“

Mit nachlassenden Kräften fällt dem älteren Menschen das Aufstehen und Hinsetzen zunehmend schwerer.

„… und die Kaper [als Appetitanreger] ist wirkungslos“:

Auch wenn der Appetit nachlässt, vermag die tägliche geistliche Spei­se kostbarer Verheißungsworte aus Gottes Wort Kraft und inneren Frieden zu geben.

Geborgen in Gottes Treue

Wie mutmachend ist schließlich die Erfahrung Davids im Rückblick auf sein Leben: „Ich war jung und bin auch alt geworden, und nie sah ich den Gerechten verlassen“ (Ps 37,25).
Er ist der lebendige Gott und Vater, der auch dich liebt, dir in jeder Not zur Seite steht und dich an das herrliche Ziel „zu seinem ewigen Haus“ bringen wird (V. 5; vgl. Joh 14,2). Darauf darfst du dich ganz und gar verlassen.
„Alles hat seine bestimmte Zeit, und jedes Vorhaben unter dem Himmel hat seine Zeit“ (Pred 3,1). „In deiner Hand sind meine Zeiten [oder: Geschicke]“ (Ps 31,16; vgl. Hiob 14,5).

Friedhelm Müller

Anbeter gesucht

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Anbetung ist die höchste Form von Gottesdienst – das Wertvollste von allem, was wir vor Gott ausdrücken können. Wenn es um Anbetung geht, sind wir als Priester im Heiligtum tätig, also in der direkten Gegenwart Gottes, um dort mit Ihm Gemeinschaft zu haben. Der Vater sucht solche als seine Anbeter, wahrhaftige Anbeter, die Ihn in Geist und Wahrheit anbeten (s. Joh 4,23). Sind wir solche, die sich hierzu finden lassen?

Persönlich im Verborgenen

Ganz persönlich dürfen und sollen wir Anbeter sein. In der Beschäftigung mit unserem Gott und dem Herrn Jesus dürfen wir Ihn immer besser kennenlernen und von Ihm ergriffen sein. Dann dürfen und sollen wir im persönlichen Gebet in der verbor­genen „Kammer“ (s. Mt 6,6) anbe­tende Gedanken unserem Vater und dem Herrn Jesus gegenüber vorbrin­gen, um Ihn dadurch zu verherrlichen und Ihn in unserem Herzen immer größer werden zu lassen. Wie gut, wenn dies ein fester Bestandteil un­seres persönlichen Bibellesens und Gebetslebens ist! Das betrifft uns alle, Brüder und Schwestern, Vä­ter und Mütter, Heranwachsende oder Erwachsene – jeder ist hier im per­sönlichen Gebet vor Gott in der Stille gemeint.
Wenn es aber um das öffentliche Gebet geht, sind ausschließlich nur die Männer angesprochen, denn „die Frauen sollen schweigen in den Versammlungen“ (1. Kor 14,34).

Öffentlich als Versammlung

Insbesondere dann, wenn wir den Tod des Herrn Jesus verkündigen und sonntags an seinem Tisch versammelt sind, erscheinen wir in der Gegenwart Gottes als Anbeter. Brüder, die sich durch den Geist Got­tes zum Gebet gebrauchen lassen (wollen), bringen dann als Priester geist­liche Schlachtopfer vor Gott dar (s. 1. Pet 2,5) und sprechen für alle Ver­sammelten, die zusammen das Ge­bet mit „Amen“ bestätigen.
Der laut betende Bruder hat also eine besondere Verantwortung gegenüber allen Anwesenden, seien es die versammelten Mitgeschwister auf der einen Seite, aber auch und insbesondere dem Herrn Jesus gegenüber, der ebenfalls höchstpersönlich in unserer Mitte ist, wenn wir so zu seinem Namen versammelt sind (s. Mt 18,20).

Praktische Gedanken …

Um dieser Verantwortung im öffent­lichen Gebet vor Gott und den Versammelten gerecht zu werden, sollte ein Anbeter einige Dinge berücksich­tigen – damit es ein Anbeter ist, den der Vater sucht.
Dafür gibt Gott uns in Verbindung mit der Darbringung des Brandopfers in 3. Mose 1 einige grundsätzliche Hinweise und Voraussetzungen, die es wert sind, in diesem Zusammenhang erwähnt zu werden.

… in Verbindung mit der Dar­bringung des Brandopfers

„Brandopfer“ bedeutet wörtlich „Aufsteigen“. Und so wie der Wohlgeruch des Opfers vom Brandopferaltar zu Gott von der Erde emporstieg, was in dem Opfer Christi als Brandopfer auf Golgatha vollkom­men erfüllt wurde, steigt heute in übertragener Weise unsere Anbe­tung als duftender Wohlgeruch zu Gott empor, wenn wir als Anbeter mit diesem Opfer beschäftigt sind und Ihn vor Gott bringen.
In 3. Mose 1 haben wir es mit bildhaften Darstellungen zu tun, die uns die Gedanken Gottes gut nachvollziehbar vorstellen und begreiflich machen. Wir haben einen gnädigen Gott, der uns keine komplizierten Abhandlungen, sondern einfache Bilder zur Verfügung stellt, die wir gut verstehen können.
Vier Punkte wollen wir aus den Anordnungen zum Brandopfer hervorheben.

Die Motivation zur Anbetung

Gleich zu Beginn in 3. Mose 1 wird gesagt, aus welchem Antrieb heraus der Opfernde tätig werden soll: „Wenn ein Mensch von euch dem Herrn eine Opfergabe darbringen will“ (3. Mo 1,2). In der Anwendung auf unser Thema wird deutlich, dass die Anbetung aus einem Herzen kommen soll, das freiwillig gibt, nicht aus Zwang oder Pflichterfüllung, son­dern aus liebevoller Hingabe zu Gott. Diese Herzenshaltung des Anbeters ist Gott wohlgefällig. Alles andere wäre wertloser Formalismus.

Der Inhalt der Anbetung

Damit verbunden kommt ein weite­rer Aspekt hinzu: „Wenn ein Mensch von euch dem Herrn eine Opfergabe darbringen will“ (3. Mo 1,2). Der Opfernde soll eine Opfergabe „dar­bringen“, er muss also etwas ha­ben, was er Gott geben kann. In Verbindung mit dem Brandopfer sind dies verschiedene Opfertiere (Rind, Kleinvieh, Geflügel), die einerseits unterschiedliche Seiten der Hinga­be Christi als das wahre Brandopfer zeigen, andererseits aber auch eine Abstufung nach Vermögen oder Wertschätzung des Opfernden im Hinblick auf das Opfer aufzeigen. Hieraus lässt sich entnehmen, dass Anbetung nicht einfach meint, „Dan­ke“ zu sagen. Das ist einfach zu wenig. Das ist auch keine Darbringung eines Opfers im Sinn von 3. Mose 1. Bedankt man sich nicht auch nur dann, wenn man etwas empfangen hat? Anbetung heißt aber, Gott etwas zu geben, Ihm etwas darzubringen. Der Anbeter ist kein Empfänger, sondern ein Geber. Dabei ist die Darbringung sicherlich mit der Dankbarkeit und Danksagung des Anbeters verbunden, aber der Inhalt der Anbetung geht über ein lapidares „Danke“-Sagen weit hinaus.

Die Ausrichtung der Anbetung

Das Brandopfer sollte zudem „vor dem Herrn“ geschlachtet werden (s. 3. Mo 1,5). Die praktische Anwen­dung für den Anbeter ist einfach und deutlich zugleich: Bei der Anbetung erscheinen wir nicht vor Menschen, sondern vor Gott allein! Diese Per­spektive ist sehr wichtig. Wie groß ist die Gefahr, so zu beten, dass es den Zu­hörern gefallen oder auf sie Eindruck machen könnte, ohne dabei im Blick zu behalten, dass die Anbetung allein „vor dem Herrn“ Anerkennung finden soll.

Die Gedanken Gottes zur Anbetung

Auch wenn das Brandopfer absolut freiwillig ist, so kann es doch nicht so gebracht werden, wie der Opfernde es für gut hält. Gott selbst beschreibt, wie alles geschehen soll (s. 3. Mo 1,2-9). Auch heute werden wir gerne fragen, wie geistliche Schlachtopfer zu Gottes Wohlgefallen gebracht wer­den. Menschliche Ideen und Mit­tel haben in der Anbetung Gottes in Geist und Wahrheit keinen Platz.

Geistliches Wachstum

Diese praktischen Anwendungen und Voraussetzungen machen auch deutlich, dass ein wiedergeborener Christ nicht automatisch und von vornherein auch ein einsichtsvoller Anbeter ist. Dazu ist geistliches Wachs­tum nötig. So ist ein wahrhaftiger Anbeter mit den Offenbarun­gen Gottes in seinem Wort (sein Ratschluss, seine Person, sein Werk u. a.) fleißig beschäftigt und zunehmend vertraut – das sorgfältige Zubereiten der Brandopfertiere in 3. Mose 1 weist auf die gründliche Auseinandersetzung mit den Anordnungen Gottes und seiner Gedanken hin. Dies führt zur Anbetung.
Wie schön ist es dann, wenn gerade jüngere Brüder, die in geistlicher Weise bereits herangewachsen sind, durch ein Gebet (und sei es nur ein kurzes) in der Stunde der Anbetung dem Herrn priesterlich dienen – zu seiner Verherrlichung und als „Mund“ der Versammelten. Lass dich als jun­ger Bruder dazu ermuntern!
Abschließend noch der fragende Appell an uns alle: Sind wir solche Anbeter, die der Vater sucht? Und sind wir solche, die sich hierzu finden lassen?

Wahrhaftige Anbetung erfordert Kenntnis und Wertschätzung der göttlichen Offenbarungen in seinem Wort, denn „Anbetung hat als Ausgangspunkt immer eine Offenbarung Gottes“
W. Kelly: „True Worshippers“, Bible Treasury, Bd. 9, S. 281)

Matthias Wölfinger

Abraham & Lot bekommen Besuch (Teil 2)

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In 1. Mose 18 und 19 finden wir zwei Gläubige, zwei Besuche und zwei total verschiedene Resultate. Die Besuche zeigen für uns heute, wie unterschiedlich wir als Gläubige in der Welt leben können. Vierzehn Fragen geben uns wichtige Impulse für unser Leben.

4. Wer kommt zu Besuch?

Im Fall von Abraham kommt der Herr selbst mit zwei Engeln in menschlicher Erscheinung zu ihm nach Haus­e (s. 1. Mo 18,1.2). Abraham erkennt Ihn und wendet sich direkt an den Herrn, indem er Ihn mit „Herr“ anspricht. Es ist gut verständlich, dass Abraham Ihn erkennt, denn er wird von dem Herrn selbst in Jesaja 41,8 „mein Freund“ genannt. Zudem wird er in Jakobus 2,23 als „Freund Gottes“ bezeichnet.
Eine Freundschaft ist durch intensive Gemeinschaft gekennzeichnet. Jo­han­nes 15,14 macht uns deutlich, dass wir die Freunde des Herrn Jesus sind, wenn wir seinem Wort gehorchen. Abraham war gehorsam. In Johannes 14,23 sagt der Herr Jesus selbst: „Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen.“ Auch heute besteht diese Verheißung noch. Der Herr freut sich über unseren freiwilligen Gehorsam und kommt dann gerne, um bei uns zu bleiben. Kann Er heute bei dir und mir „einziehen“?
Zu Lot kommen nur zwei Engel. Sein moralischer Zustand ließ es nicht zu, dass der Herr selbst zu ihm kommen konnte. Die Gemeinschaft mit dem Herrn war unterbrochen, denn Lot war nicht gehorsam und hatte stattdessen Gemeinschaft mit den Spöttern im Tor Sodoms. Er hatte sich selbst einen eigenwilligen Weg in dieser Welt gewählt. Es fing damit an, dass er die Ebenen Moabs sah (s. 1. Mo 13,10). Die bewässerten Ebenen waren ihm wichtig und von diesem Zeitpunkt an zog es ihn im­mer näher nach Sodom hin.
Es scheint, dass Lot sich über diesen gesamten Zeitraum nicht dessen bewusst war, in welchem Zustand er sich befand. So kann es auch uns gehen. Wir wählen unseren eigenen, vom Herrn unabhängigen Weg, ha­ben nur Augen für den Reichtum und den Erfolg in dieser Welt. Wir bekommen es selbst gar nicht mit, wie langsam und stetig wir uns von dem Herrn abwenden. Die Gemeinschaft mit Ihm ist unterbrochen, wir haben kein Verlangen mehr, in seiner Nähe zu sein.
Und trotzdem kümmert der Herr sich um Lot und schickt seine Engel, auch wenn Hebräer 13,2 uns zeigt, dass Lot diese Engel ohne sein Wis­sen beherbergte. Es ist die Gna­de des Herrn, der Lot aus dem Gericht retten und ihn wieder auf den rich­tigen Weg zurückbringen möchte. Jetzt wollen wir uns einmal fragen: Wer würde heute zu uns kommen? Müsste der Herr Jesus Engel schicken oder würde Er mit großer Freude selbst kommen?

5. Wie reagieren Abraham und Lot?

Als seine Besucher näher kommen, läuft Abraham ihnen entgegen (s. 1. Mo 18,2). Das ist ein Ausdruck der Freude und Hingabe. Er ist bereit, Energie aufzuwenden, um den Besuch zu empfangen und zeigt seine Freude darüber. Der Inhalt unseres Herzens wird immer in unserem praktischen Leben sichtbar werden. Ein gesundes Christenleben ist ein Leben in Freude. Zwar sind nicht immer alle Umstände ein Grund zur Freude, aber die Freude am Herrn kann uns niemand nehmen. Diese Freude führt Abraham dazu, Gastfreundschaft auszuüben.
Lot dagegen „ging“ ihnen entgegen (s. 1. Mo 19,1). Das steht im Kontrast zu dem „lief“ von Abraham. Wir verstehen sehr schnell, dass die Frische und Energie fehlte, vielleicht war es mehr eine Pflicht, die Lot erfüllen wollte. Auch das entsprach seinem persönlichen Herzenszustand. Er hatte kein echtes Interesse an den Belangen des Herrn. Er hatte auch keine echte Freude an dem Besuch, weil sein Interesse vor allem seinem eigenen Weg, seinen eigenen Zielen, galt. Es ist trotzdem positiv zu erwähnen, dass er ihnen entgegenging und ihnen seine Gastfreundschaft anbot.
Das Neue Testament ermahnt uns, ohne Murren gastfrei zu sein (s. 1. Pet 4,9) und dass wir nach Gastfreundschaft trachten sollen (s. Röm 12,13). Üben wir heute noch Gastfreundschaft aus oder leben wir in unserer eigenen „Blase“ und laden an­dere nur ein, wenn es sich gar nicht vermeiden lässt?

6. Wie laden Abraham und Lot ihre Gäste ein?

Bei Abraham wird deutlich, dass sein Interesse weit über das äußerliche Wohlbefinden seiner Gäste hinausgeht. Wir lesen in Kapitel 18,4.5: „Es werde doch ein wenig Wasser geholt, und wascht eure Füße; und la­gert euch unter dem Baum, und ich will einen Bissen Brot holen, und stärkt euer Herz; danach mögt ihr weitergehen.“ Für Abraham ist das Herz wichtig, genauer gesagt, die Erfrischung des Herzens. Das geht weit über irdische Bedürfnisse hinaus.
Wir können es auch so sagen: Es geht nicht nur um ein schönes, nettes Gespräch und etwas zu Essen, sondern es geht darum, geistliche Inhalte zum Gegenstand der Gespräche zu machen. Leider kommt das bei uns oft zu kurz, wenn wir einander besuchen. Abraham ist uns ein gutes Vor­bild, wieder mehr auf die Erfrischung des Herzens zu achten.
Wieder sehen wir einen Unterschied zu Lot. Er sagt: „Kehrt doch ein in das Haus eures Knechtes und übernach­tet und wascht euch die Füße; und ihr macht euch früh auf und geht eu­res Weges“ (1. Mo 19,2). Auch hier finden wir mehr eine Pflicht als eine Freude. Es geht also nur um eine Äußerlichkeit, die sehr oberflächlich ist. Lot kann gar keine tiefgründigen, geistlichen Gespräche führen, weil sein geistlicher Zustand ihn gar nicht dazu in der Lage sein lässt. Dies bestätigt sich auch später, als er seine eigenen Schwiegersöhne warnen möchte.
Bei reiner Äußerlichkeit kann keine innere Gemeinschaft des Herzens stattfinden. Wonach streben wir, wenn Besuch zu uns kommt oder wir jemanden besuchen? Ist da ein Verlangen nach einem geistlichen Austausch, nach Ermunterung, nach Erfrischung des Herzens? Oder handelt es sich nur um Gastfreundschaft aus einem Pflichtgefühl heraus, die nicht über das äußere Wohl der Gäste hi­n­ausgeht?

7. Wie wird die Einladung angenommen?

Wie ist die Reaktion der Gäste auf die ausgesprochene Einladung? Bei Abraham ist es kurz und knackig. Die Gäste sagen: „Tu so, wie du gere­det hast“ (1. Mo 18,5). Darin wird Freude über die Einladung und die Ge­meinschaft, die ausgeübt werden soll, erkennbar.
Bei Lot hingegen sagen die Engel zunächst „Nein“, und dass sie auf dem Platz übernachten wollen. Lot dringt dann sehr in sie, bis sie endlich bereit sind, bei ihm einzukehren. Es wäre sehr schade, wenn eigentlich niemand als Besucher zu uns kom­men möchte oder unser Haus nicht passend wäre für einen „Besuch“ des Herrn.

8. Was bieten Abraham und Lot zum Essen an?

Als die Besucher bei Abraham einkehren, erhalten sie reichliche Gaben. Wir lesen von drei Maß Feinmehl (ein Maß entspricht etwa 13 Litern), einem zarten und guten Kalb und von dicker und süßer Milch. Daran erkennen wir, dass Abraham nichts Gutes zurückhält. Die Hingabe seines Herzens ist bereit, dem Herrn alles zu geben. Darüber hinaus ist ihm auch keine Mühe zu viel. Aus fast vierzig Litern Mehl Kuchen (wahrscheinlich ähnlich wie Fladenbrot) zu backen und ein Kalb herzurichten, ist mit viel Mühe und Arbeit verbunden. Ihm ist das nicht zu viel, sondern er macht es mit Freude und Energie.
Auch für uns darf es ein Anliegen sein, die Dinge des Herrn eifrig zu erledigen! Jemand hat einmal gesagt: Des Teufels liebstes Möbelstück ist die „lange Bank“, auf die wir alles schieben können. Einem Herzen mit überfließender Hingabe für Christus werden sein Wunsch und seine Anliegen zur Priorität. In unserem Verhalten wird deutlich, welchen Wert der Herr Jesus für uns hat und ob wir ohne zu zögern bereit sind, Ihm alles zu geben.
In 1. Mose 18,8 wird uns Abraham als Diener gezeigt: „Er stand vor ihnen unter dem Baum, und sie aßen.“ Abraham unterstreicht mit seiner ganzen Haltung seine zuvor gesprochenen Worte: „Gehe doch nicht an deinem Knecht vorüber!“ Er steht als Diener bereit. Seine Taten sind ein Beweis seiner Hingabe im Herzen und bestätigen gleichzeitig seine Worte. Eine schöne Harmonie, die auch für uns besonders wichtig ist.
Bei Lot ist das Essen überschaubarer. Er macht seinen Gästen ein Mahl. Eigentlich bedeutet das Wort mehr ein Festmahl, möglicherweise eine Gelegenheit zum Betrinken. Das wird auch deutlich, weil wir nur von unge­säuerten Kuchen zum Essen lesen (s. 1. Mo 19,3). Oft sprechen die ungesäuerten Brote in der Bibel von dem Fernhalten oder Verurteilen der Sünde, also von einem Leben in Heiligkeit. Bei Lot war alles vermischt. Das fing schon an, als er die Ebene des Jordan mit dem Garten des Herrn verglich (s. 1. Mo 13,10) – und hier war es noch schlimmer geworden.
Und was macht Lot während des Essens? Wir haben gesehen, dass Abraham wie ein Knecht zur Verfü­gung stand. Lot dagegen muss die Männer der Stadt davon abhal­ten, sich an den Engeln zu verge­hen. Er beweist seinen schlechten mo­ralischen Zustand, indem er ihnen seine eigenen Töchter anstelle seiner Besucher anbietet. Ein Gläubiger, der seine eigenen Töchter zur Schändung freigibt!? Wir denken jetzt vielleicht: Das kann mir nicht passieren. Aber lassen wir uns nicht von uns selbst täuschen. Wenn wir erst einmal einen eigenwilligen Weg eingeschlagen haben, sind auch wir zu jeder bösen Tat fähig. Lasst uns deshalb dafür beten, dass wir nie an so einen Punkt kommen.

Manuel Dietermann

Zwei „aber“ im Leben Josephs

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Im Leben Josephs in Ägypten gibt es zu Beginn (s. 1. Mo 39,1-18) und am Ende (s. 1. Mo 50,15-21) zwei wichtige Aussagen, die charakteristisch sind für seine Treue zu Gott und sein Vertrauen auf Ihn.
Kaum ist Joseph von seinen Brüdern an die Midianiter verkauft, wird er als Sklave in Ägypten an den wohlhabenden Hofbeamten des Pharaos, Potiphar, weiterverkauft. Dort gelingt ihm alles, weil der Herr mit ihm ist, so dass Potiphar Joseph über sein gan­zes Haus bestellt. Somit ist Joseph schon als junger Mann der oberste Die­ner im Haus dieses bedeutenden Ägypters.

Flucht: ein geeignetes Mittel im Kampf gegen den Teufel

Potiphars Frau findet Joseph begeh­renswert und fordert ihn unverhoh­len und mit zunehmender Inten­si­tät zum Ehebruch auf. Schließlich er­greift sie bei einer passenden Ge­legenheit Josephs Gewand, um ihn zu verfüh­ren. Joseph stellt sich ihrem Vorhaben so entschieden ent­gegen, dass das Kleidungsstück in den Händen der Frau verbleibt, während er die Flucht ergreift. Es ist die angemessene Reaktion, vor der Versuchung zu fliehen, und Gottes Wort formuliert es so: „Er aber ließ sein Gewand in ihrer Hand und floh und lief hinaus“ (1. Mo 39,12).
Joseph verhält sich also völlig entgegengesetzt zum Verlangen der Frau seines Chefs bzw. seines Besitzers als Sklave. Alles war geeignet, um dem Wunsch dieser Frau zu entsprechen, doch Joseph hätte schwer gesündigt, wenn nicht dieses „aber“ in seinem Leben gewesen wäre. Vordergründig hätte er sich vermutlich zunächst einmal auch die anschließenden schwerwiegenden negativen Konsequenzen erspart: Verleumdung durch die Frau Potiphars, Vertrauensverlust bei Poti­phar und Jahre im Gefängnis. Aber Joseph nimmt alle vermeintlichen Nachteile in Kauf, um Gottes Anordnungen zur Ehe treu zu bleiben. Damit verwirklicht er, was viele Jahre später im Buch der Sprüche so ausgedrückt wird: „Besser ein Armer, der in seiner Lauterkeit wandelt, als wer verkehrter Lippen und dabei ein Tor ist“ (Spr 19,1).
Es gibt auch im Leben von Christen immer wieder Versuchungen. Der Teu­fel weiß sehr genau, wo die Schwachstellen bei mir und bei dir sind. Und er wird sie mit Sicherheit angreifen, um uns zu Fall zu bringen. Lassen wir uns von Joseph motivieren, vergleichbaren Situationen mit Got­tes Hilfe ein „aber“ entgegenzusetzen: nicht der Versuchung nachzugeben – selbst wenn es auf der Erde vielleicht nie ans Licht kommen sollte! Gott sieht uns ohnehin immer! Vielleicht erleben wir im Anschluss an ein sol­ches „aber“ sogar Nachteile wie Jo­seph. Doch Treue zu Gott wird von Ihm am Ende, spätestens im Himmel, immer hoch belohnt werden.

Gott führt alles zu einem guten Ende

Die beeindruckende Geschichte Jo­sephs geht weiter. Joseph ist mittlerweile Vizekönig in Ägypten. Sein Vater Jakob und seine Brüder sind auch nach Ägypten gekommen und Joseph hat sich um ihre Versorgung gekümmert. Die bösen Taten der Brüder, der Verkauf Josephs als Skla­ve und die Lüge gegenüber ihrem Va­ter Jakob sind vergeben. Der alte Jakob stirbt in Ägyp­ten und seine Söhne machen sich Sorgen, dass Jo­seph sich jetzt doch noch an ihnen rächen würde, nachdem ihr Vater tot ist. Joseph ist sehr traurig darüber, dass seine Brüder so an seiner Verge­bung zweifeln. Hatte er nicht deutlich seine Vergebung und seine Liebe zu ihnen gezeigt? Das ist eine herbe Enttäuschung.
Der ursprüngliche Plan der Brüder war tatsächlich böse. So sagt Joseph: „Ihr zwar hattet Böses gegen mich im Sinn; Gott aber hatte im Sinn, es gut zu machen“ (1. Mo 50,20a). Doch selbst ein böses Motiv und ein sündiges Handeln der Brüder konnten Gottes Plan nicht torpedieren, weil hier zum zweiten Mal ein „aber“ im Leben Jo­sephs steht – „Gott aber“.
Deshalb fährt Joseph fort, indem er seinen Brüdern den Plan Gottes vorstellt: „… damit er täte, wie es an die­sem Tag ist, um ein großes Volk am Le­ben zu erhalten. Und nun, fürchtet euch nicht; ich werde euch und eure Kinder versorgen. Und er tröstete sie und redete zu ihrem Herzen“ (1. Mo 50,20b.21). Scheinbar ist den Brüdern die Zusage Gottes an Abraham, Isaak und Jakob, dass Er aus ihnen ein großes Volk machen würde, nicht so präsent. Wie gut, dass Joseph erkennt, dass es Gottes Plan ist, der auch nicht durch böse Absichten durch­kreuzt werden kann. Er geht so­gar noch weiter und sagt, dass er nicht nur seine Brüder, sondern auch de­ren Kinder versorgen würde. Und er tröstet sie – obwohl doch eigentlich Joseph getröstet wer­den müsste, denn er weinte, als seine Brüder ihre Zweifel an seiner Liebe und Fürsorge vorbrachten (s. V. 17b). Nochmals beweist Joseph seine Liebe zu seinen Brüdern, indem er zu ihren Herzen redet.
Es ist oft gesagt worden, dass Gott auch auf krummen Linien gerade zeichnen kann. Das zeigt sich auch am Ende der Geschichte Josephs bei seinen Brüdern. Und das gilt auch heute noch. Gott vergibt selbst ein so schweres Versagen wie das der Brüder Josephs. Reue und Bekenntnis der Sünde nimmt Gott gerne an und vergibt vollkommen (s. Spr 28,13; 1. Joh 1,9) – wenn ein Ungläubiger zu Ihm kommt, aber auch wenn es sich um einen gläubigen Christen handelt. Egal wie tief jemand sinkt – Gott „aber“ hat immer im Sinn, es gut zu machen.

Marco Steih

Fragen des Herrn Jesus (Teil 3)

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Auf seinem Weg über diese Erde bediente sich der Herr Jesus in Gesprächen häufig einer Frage – und verfolgte damit verschiedene Absichten. Wenn der Herr Jesus Fragen stellte, geschah das nie, weil Er etwas nicht wusste. Die Gedanken jedes Menschen sind „bloß und aufgedeckt vor den Augen dessen, mit dem wir es zu tun haben“ (Heb 4,13). Er hatte es nicht nötig, Fragen zu stellen – umso bemerkenswerter ist es, dass Er es dennoch tat. Diese Tatsache macht es wertvoll, einmal darüber nachzudenken, welche Absichten jeweils hinter seinen Fragen standen – und welche Belehrungen wir daraus ziehen können.

Als der Herr Jesus in diese Welt kam, war Er das Licht der Welt, das jeden Menschen erleuchtet, d. h. ins Licht stellt (s. Joh 1,9). Die Jünger des Herrn lernten in der Zeit mit Ihm nicht nur Ihn, sondern auch sich selbst kennen. Oft stellte der Herr Jesus ihnen Fragen, die ihren Herzenszustand ans Licht brachten.

Er wirft Licht auf …

… unseren Kleinglauben

Der Herr Jesus forderte seine Jünger auf, mit Ihm in ein Schiff zu steigen und über den See zu fahren. Als dann ein Sturm aufkam, vergaßen sie in ihrer Angst den, der sich ihnen gegenüber bereits als mächtig erwiesen hatte – Er hatte Lahme und Aussätzige geheilt und Dämonen ausgetrieben.
Als sie Ihn schließlich in ihrer Angst anriefen, sorgte Er zunächst für Stille – dann aber stellte Er ihnen die Frage, die sie ins Licht stellte: „Was seid ihr furchtsam, ihr Kleingläubigen?“ (Mt 8,26), und: „Habt ihr noch keinen Glau­ben?“ (Mk 4,40).
Wir dürfen heute durch das Wort Got­tes noch viel mehr über seine All­macht und Güte wissen. Und doch vergessen wir Ihn in notvollen Situationen nur allzu schnell – oder zweifeln an seiner Liebe, wenn Er uns durch schwere Um­stände führt.
Dann stellt Er auch uns in sein Licht, offenbart unseren Kleinglauben – und gleichzeitig sich selbst in seiner Größe und Liebe. So will Er, dass wir wieder still werden und unser Glaube gestärkt wird.

… unseren Unverstand und unsere irdische Gesinnung

Mit großer Geduld hatte der Herr Jesus seine Jünger belehrt und sich ihnen in vielen Wundern und Zeichen – als der Messias und Sohn Gottes – offenbart, nicht zuletzt durch die Speisungen der Volksmengen. Dennoch mangelte es ihnen – wie auch uns oft – an geistlichem Verständnis.
Als der Herr Jesus wieder einmal durch die Pharisäer herausgefordert wurde, warnte Er seine Jünger: „Gebt acht, hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und dem Sauerteig des Herodes“ (Mk 8,15). Die bildhafte Be­deutung von Sauerteig war ihnen sicher bekannt. Doch sie waren so mit der praktischen Frage der Brotversorgung beschäftigt, dass sie Je­su Worte wörtlich nahmen und dach­ten, Er rüge sie, weil sie kein Brot mit­genommen hatten.
Jesus erkannte ihre Gedanken und sprach: „Was überlegt ihr, weil ihr keine Brote habt? Begreift ihr noch nicht und versteht auch nicht? Habt ihr euer Herz verhärtet? Augen habt ihr und seht nicht, und Ohren habt ihr und hört nicht? Und erinnert ihr euch nicht? Als ich die fünf Brote für die fünftausend brach, wie viele Handkörbe voll Brocken habt ihr aufgehoben? Sie sagen zu ihm: Zwölf. – Als aber die sieben für die viertau­send, wie viele Körbe, mit Brocken ge­füllt, habt ihr aufgehoben? Und sie sagen zu ihm: Sieben. Und er sprach zu ihnen: Versteht ihr noch nicht?“ (Mk 8,17-21).
Die Jünger konnten die Worte ihres Meisters nicht erfassen, da sie – wie die Pharisäer und Schriftgelehrten – zu sehr mit irdischen Dingen beschäftigt waren. Der Herr wollte ihnen eine geistliche Lektion über falsche Lehren vermitteln, doch sie dachten nur an das Sichtbare.
Obwohl Er ihnen ihren Mangel an Glauben deutlich machen musste, be­gegnete Er ihnen dennoch mit Nach­sicht. Und wie oft trifft das auch auf uns zu.
So oft haben wir selbst seine Güte erfahren – und doch schnell wieder vergessen! Leider machen auch wir immer wieder den gleichen Fehler. Unsere Sorgen um das Irdische verstellen uns oft den Blick für geistliche Dinge. Unser Vertrauen in die Fürsorge des Herrn im Himmel schwindet. Dieses Vertrauen wollen wir neu aufbauen.

… unsere Trägheit

In den schweren Stunden vor seinem Kreuzestod bat der Herr seine Jünger, mit Ihm zu wachen, als seine Seele „betrübt war bis zum Tod“ (s. Mt 26,38).
Doch als Er nach seinem ersten Gebet in Gethsemane zurückkam, „findet [er] sie schlafend; und er spricht zu Petrus: Also nicht eine Stunde vermochtet ihr mit mir zu wachen?“ (Mt 26,40).
Zwar war es Nacht und menschlich verständlich, dass sie müde waren, doch gerade jetzt sollten sie ihrem Meister in der Not beistehen. Er war einsam, unverstanden – und sie schliefen.
Wir können heute nicht buchstäblich mit dem Herrn wachen. Doch sei­ne Leiden – von Gethsemane an durch die Verhöre, die Geißelung, den Spott, die Dornenkrone bis nach Golgatha und in die drei Stunden der Finsternis und des Verlassenseins von Gott – sollten in uns ein Innehalten, ein geistliches Wachen hervorrufen.
Seine Leiden um unsertwillen sind es wert, dass wir uns täglich persönlich und sonntags als Versammlung damit beschäftigen – und Ihm dafür danken und Ihn anbeten.
Gerade im Blick auf das Mahl des Herrn stellt sich die Frage: Wie tief ist unser Wunsch, dieses Mahl jeden Sonntag zu seinem Gedächtnis einzunehmen?
Schnell schleichen sich Gedanken ein: „Man kann ja auch einmal aussetzen.“ „Wir machen es doch jeden Sonntag, da ist es doch nicht schlimm, wenn man es einmal verpasst, oder?“ Die Gründe dafür können vielfältig sein – ein Urlaubsort, an dem es kein Zusammenkommen gibt, das uns ei­ne Teilnahme am Mahl des Herrn er­möglicht, eine familiäre „Ver­pflich­tung“, die bei uns höhere Priorität genießt, ein leichtes Unwohl­sein oder Trägheit.
Ich denke an die fast 100-jährige, blinde Schwester, die keinen Sonn­tag ausließ, um dieses Mahl einzu­nehmen, und wenn sie noch so schwach war. Oder an den Bruder, der kaum die Kraft hatte, vom Au­to in den Saal zu gehen – aber den­noch kam, um dem Wunsch des Herrn zu entsprechen. Oder an die alte Schwester auf Krücken, die trotz defektem Aufzug die Treppe bis in den 5. Stock nahm. Diese Geschwister hatten den tiefen Wunsch, mit dem Herrn zu „wachen“ – und waren darin vielen ein Vorbild.
Wir wollen körperliche und geistliche Trägheit ablegen, um seinem Wunsch zu entsprechen – und zu seinem Gedächtnis das Mahl einnehmen, das Er uns gegeben hat.
Geistliche Trägheit beginnt oft im Alltag: Wer sich unter der Woche nicht geistlich nährt, wird am Sonntagmor­gen kaum geistlich „frisch“ sein.

… unsere Gesinnung

Der Apostel Paulus schreibt an die Phi­lipper: „Diese Gesinnung sei in euch, die auch in Christus Jesus war“ (Phil 2,5).
Es folgt eine beispiellose Beschrei­bung seiner Erniedrigung. Diese Ge­sinnung – Demut, Hingabe, Gehorsam – konnten die Jünger täglich in seinem Leben beobachten. Doch als der Herr ihnen offenbarte, dass seine Erniedrigung so weit gehen würde, dass Er sich in die Hände der Menschen begeben und getö­tet werden würde, verstanden sie es nicht – und wagten nicht, Ihn zu fragen (s. Mk 9,32).
Stattdessen stellte Er ihnen später eine prüfende Frage: „Was habt ihr auf dem Weg besprochen? Sie aber schwiegen; denn sie hatten auf dem Weg miteinander beredet, wer der Größte sei“ (Mk 9,33.34).

Diese Frage offenbarte, was in ihren Herzen war. Sie hatten Ihn nicht verstanden, weil sie mit sich selbst beschäftigt waren – mit ihren eigenen Ambitionen und Hoffnungen.
Viel zu oft gleichen wir in unserer Gesinnung den Jüngern – sowohl im Irdischen als auch im Geistlichen. Dann muss der Herr auch uns ins Licht stellen und uns zeigen, wie selbstbezogen oder hochmütig wir manchmal sind. Das Fleisch in uns will groß und angesehen sein.
Besonders im geistlichen Bereich ist eine solche Gesinnung gefährlich – sie wirkt spaltend und zerstörerisch. Paulus warnt die Korinther: „Was aber hast du, das du nicht empfangen hast?
Wenn du es aber auch empfangen hast, was rühmst du dich, als hättest du es nicht empfangen?“ (1. Kor 4,7). Sie waren „aufgebläht für den einen, gegen den anderen“ (1. Kor 4,6) – und wollten vor der Zeit herrschen (s. 1. Kor 4,8).
Sind wir bereit, „Toren um Christi willen“ zu sein – schwach, verachtet, wie der „Kehricht der Welt“ und „ein Abschaum aller“ (vgl. 1. Kor 4,10-13)?

Bernhard Brockhaus

Lehr uns in Demut wandeln
vor Deinem Angesicht,
nach Deinem Vorbild handeln,
gehorsam, treu und schlicht.
Damit wir hingelangen
zur Reife, die Dich ehrt,
denn Du sollst Frucht empfangen,
die Deiner Mühe wert!
aus „Geistliche Lieder“, Nr. 226,2.4

Der Mensch – von Gott als Mann & Frau geschaffen

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Das menschliche Leben ist für Gott kostbar und einzigartig. Obwohl Gott nicht nur die Menschen, sondern auch alle anderen Lebewesen geschaffen hat, unterscheidet sich das Leben des Menschen grundlegend vom dem der Tiere. In der Bibel wird dieser Unterschied deutlich betont. Nur uns Menschen hat Gott als eine Einheit von Geist, Seele und Körper geschaffen (s. 1. Thes 5,23). Diese „Dreiheit“ unterscheidet uns von den Tieren. Tiere haben zwar eine Seele, aber sie ist nicht unsterblich. Die Seele der Menschen doch. Mit dem Tod endet unser Dasein nicht. Darüber hinaus haben nur Menschen einen „Geist“. Wir sind fähig zu denken, zu reflektieren, zu kommunizieren, zu lieben und Kontakt mit Gott zu pflegen. Letzteres können Tiere jedoch nicht.

Bereits im Schöpfungsbericht wird deutlich: Der Mensch ist das Meisterwerk der materiellen Schöp­fung. Mehrfach lesen wir im Schöp­fungsbericht, dass alles „gut“ war, was Gott schuf. Doch erst, als auch die Menschen geschaffen wurden, heißt es am Ende, dass alles „sehr gut“ war (1. Mo 1,31). Das unterstreicht die besondere Stellung des Menschen unter allen Geschöpfen.
Noch klarer wird das durch die Aussage, dass der Mensch im Bild und Gleichnis Gottes geschaffen wurde (s. 1. Mo 1,26). Das bedeutet nicht, dass wir Götter sind oder dass Gott einen Körper wie wir hätte, sondern es bedeutet unter anderem, dass wir Menschen geistige, moralische und soziale Fähigkeiten haben, die uns mit unserem Schöpfer verbinden. Der Mensch ist zur Gemeinschaft mit Gott berufen – das macht seine Würde und seine Verantwortung aus.

Von Gott als Mann und Frau geschaffen

In 1. Mose 1,26.27 lesen wir: „Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen in unserem Bild, nach unse­rem Gleichnis … Und Gott schuf den Menschen in seinem Bild, im Bild Gottes schuf er ihn; Mann und Frau schuf er sie.“

Diese Verse sind grundlegend für das biblische Menschenbild. Wir sind keine „Zufallsprodukte der Evo­lution“. Jeder Mensch ist ein gewolltes Geschöpf Gottes – einzigartig in Aussehen, Begabung, Charakter und Berufung. Es ist kein Makel, groß oder klein, stark oder schwach, hell oder dunkel, Mann oder Frau zu sein, sondern ein Ausdruck des Willens und der Kreativität Gottes. Auch unsere seelischen und geistigen Besonderheiten sind gewollt. Die Vielfalt unter den Menschen ist ein Reichtum, der Gottes Genialität als Schöpfer widerspiegelt. Der Psalmdichter wusste das gut: „Ich preise dich dafür, dass ich auf eine erstaunliche, ausgezeichnete Weise gemacht bin. Wunderbar sind deine Werke, und meine Seele weiß es sehr wohl“ (Ps 139,14). Daraus folgt, dass unsere Würde als Mensch sich nicht auf eigene Leistung oder Nützlichkeit gründet, sondern von unserem Schöpfer gegeben worden ist.
Die Ebenbildlichkeit mit Gott (in sei­nem Bild und Gleichnis geschaf­fen) gilt für jeden Menschen – unabhängig von seiner Herkunft, sei­nem sozialen Status oder seinem Ge­schlecht. Herkunft und Status sind im Lauf der Zeit entstanden. Der Unterschied der Geschlechter – männlich und weiblich – ist von Gott von Anfang an vorgegeben. Ein Mann ist ein Mann und eine Frau ist eine Frau. Die Unterschiede betreffen den Geist, die Seele und den Körper. Es zeugt von Gottes Weisheit, dass Er es so und nicht anders gemacht hat. Es ist deshalb gut und richtig, das von Gott bei der Zeugung zugewiesene Geschlecht dankbar anzunehmen und auszule­ben, statt es selbstbestimmt ändern zu wollen, was durch das Selbstbe­stimmungsgesetz mittlerweile von Menschen sogar legitimiert wurde – aber eben nicht von Gott!

Polarität von Mann und Frau – ein göttliches Prinzip

Polarität[1] beschreibt nicht einen un­vereinbaren Gegensatz, sondern ein komplementäres Verhältnis[2]. Mann und Frau sind aufeinander angewiesen – und das zeigt sich ganz besonders in der Ehe. In 1. Mose 2 wird beschrieben, wie für Adam unter allen Geschöpfen kein Gegenüber gefunden werden konnte, das ihm entsprach. Tiere konnten diese Rolle nicht erfüllen. Deshalb erschuf Gott nicht nur Adam, sondern auch Eva. Und Eva wurde nicht wie Adam aus Staub gemacht, sondern aus einer seiner Rippen gebildet. Das ist ein Zeichen tiefer Verbundenheit und verdeutlicht, dass Mann und Frau – vor allem in der Ehe – zusammengehören, dass sie aufeinander angewiesen und aufeinander hin angelegt sind.
Diese von Gott gewollte Polarität zeigt sich nicht nur im Körperlichen, sondern auch im Denken, Empfinden, Reden und Handeln. Män­ner und Frauen sind unterschied­lich – und das ist gut so. Die Unterschiedlichkeit ist kein Grund zur Abwertung oder zum Machtkampf, sondern ein Schatz, der in gegenseitiger Wertschätzung gelebt wird. Es geht eben nicht um Gleichmacherei, sondern um liebevolle Ergänzung. Jede Gleichschaltung der Geschlechter, wie sie heute in vielen ideologischen und philosophischen Konzepten vertreten wird, widerspricht der Schöpfungsordnung Gottes und seinem guten Plan.

Gleichwertig, aber nicht gleichartig

Die Tatsache, dass Mann und Frau unterschiedlich in ihrer Art und in ihrem Wesen sind, bedeutet nicht, dass Mann und Frau einen unterschiedlichen Wert haben. Beide Ge­schlechter sind gleich viel wert, bei­de sind Gottes Ebenbild, beide tra­gen Verantwortung und beide haben Würde. Beide sind individuell geschaffen und werden persönlich von Gott geliebt.
Der Apostel Paulus schreibt in 1. Ko­rinther 11,11: „Dennoch ist weder die Frau ohne den Mann noch der Mann ohne die Frau im Herrn.“ Diese Aussage zeigt die Weisheit Gottes. Mann und Frau sind aufeinander hin geschaffen. Sie ergänzen sich – im Denken, im Handeln, in der Art, wie sie ihre Beziehung gestalten. Eine Ehe, in der diese göttlich gewollte Ergänzung erkannt und gelebt wird, ist ein Segen – für das Paar selbst, für die Kinder, für die örtliche Versammlung und für die Gesellschaft.
Die Bibel lehrt keine Hierarchie im Wert zwischen Mann und Frau. Sie lehrt allerdings sehr wohl, dass Mann und Frau unterschiedliche Rollen, Funk­tionen und Aufgaben haben (in Ehe und Familie, im Volk Gottes und der Gesellschaft). Alle Versuche, diese Unterschiede zu nivellieren und auszuhebeln, wie wir sie im gesellschaftlichen Mainstream mehr und mehr erleben, führen in die Irre – und letztlich ins Chaos.

Die Ehe als Chance der Er­gänzung und Wertschätzung

In der Ehe zeigt sich die göttlich gewollte Ergänzung von Mann und Frau besonders deutlich. Die Ehe ist keine Erfindung des Menschen und kein beliebiges soziales Konstrukt, sondern von Gott selbst in der Schöpfung ein­gesetzt. „Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und sie werden ein Fleisch sein“ (1. Mo 2,24). Nur in der Ehe leben Mann und Frau diese Einheit nach Geist, Seele und Körper.
In der Ehe werden Liebe, Treue, Geduld, Vergebung und gegenseitige Ach­tung gelebt. Je länger man verheiratet ist, umso mehr lernt man, wie sehr man aufeinander angewiesen ist und wie genial Gott es so gemacht hat, dass Mann und Frau sich ergänzen. Eine christliche Ehefrau wird ihrem Mann helfen, seine Fähigkeiten besser zu entwickeln. Ein christlicher Ehemann wird es ebenso mit seiner Frau tun. Es sind gerade die Unterschiede, die das gemeinsame Leben zwar herausfordern, aber in jedem Fall bereichern und so zur persönlichen Reifung jedes Einzelnen und des Ehepaares beitragen.
Das bedeutet (leider) nicht, dass alles immer harmonisch und konfliktfrei verläuft. Aber wenn beide Partner sich als gleichwertig, verschieden begabt und gemeinsam verantwortlich verstehen, kann ein gesegnetes Miteinander entstehen, das Gottes guter Ordnung entspricht. Die biblische Sicht von Mann und Frau ist eine Hil­fe, uns nicht gegeneinander abzu­grenzen, sondern miteinander zu wach­sen. Wo das der Fall ist und wir uns gegenseitig in unserer Unterschiedlichkeit annehmen und fürein­­ander da sind, da wachsen Liebe und Vertrauen und die Ehe bekommt immer mehr Tiefgang.

Biblische Wahrheit kontra Zeitgeist

Wir leben heute in einer Zeit, in der das, was die Bibel über den Menschen, über Mann und Frau und über die Ehe lehrt, zunehmend infrage gestellt oder sogar bekämpft wird. Die Verwirrung über Identität, Rollen und Lebenssinn nimmt dramatisch zu. Junge Menschen werden oft ohne klare Orientierung groß, werden verunsichert durch widersprüchliche Botschaften. Die Folgen sind soge­nannte Identitäts­krisen, Bindungsunfähigkeit, seeli­scher Schmerz – und letztlich geistliche Leere.
Gerade in solchen Zeiten brauchen wird alle – Ältere und Jüngere – eine klare biblische Orientierung. Nicht, weil wir uns damit moralisch überlegen fühlen, sondern weil wir wissen: Gottes Wege sind immer gut. Seine Gebote sind keine Last, sondern ein Ausdruck seiner Liebe. Es muss uns klar sein, dass jede Abkehr von göttlichen Prinzipien ne­gative Konsequenzen hat. Wo das Fundament verloren geht, leidet das Miteinander der Menschen.
Wir müssen uns als Christen bewusst machen, dass die Schöpfungsord­nung Gottes einschließlich der Ehe nicht als Einschränkung gedacht ist, sondern ein wunderbares Geschenk Gottes ist. Wenn Gott uns als Mann und Frau unterschiedlich gemacht hat, dür­fen wir das dankbar annehmen – ebenso wie die damit verbundene Verantwortung. Wenn Gott Ehe als verbindliche Lebensgemeinschaft zwischen Mann und Frau eingesetzt hat, dann nicht, um uns einzuengen, sondern zum Schutz und zur Freude.

Leben im Einklang mit dem Schöpfer

Der Mensch ist nicht austauschbar, er ist nicht beliebig und schon gar nicht sein eigener Schöpfer. Er ist von Gott gemacht – wunderbar, einzigartig, mit ewigem Wert. Und genauso sind auch Mann und Frau nicht gleichartig, aber gleich wertvoll. Sie sind aufeinander bezogen und zum Miteinander bestimmt. Wer das versteht und lebt, lebt im Einklang mit dem Schöpfer – und wird erfahren, dass seine Ordnungen nur zum Segen sind.

Ernst-August Bremicker


Fußnoten:

  1. Wenn es zwei gegensätzliche Pole gibt, die aber ihrem Wesen nach zusammengehören (wie z. B. der Plus- und der Minuspol bei einer Batterie), wird dies als Polarität bezeichnet.

  2. Ein komplementäres Verhältnis bedeutet hier, dass Mann und Frau sich gegenseitig ergänzen und so in der Ehe ein Ganzes bilden.

Wachstum im Leben des Herrn Jesus

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Das Lukasevangelium stellt den Herrn Jesus als den wahren und vollkommenen Menschen vor. So ist es nicht verwunderlich, dass gerade Lukas in seinem Evangelium mehr über die ersten Jahrzehnte im Leben des Herrn Jesus berichtet als die anderen Evangelisten zusammen. Auch wenn es insgesamt nicht viel ist, was Lukas uns über diese eher für uns verborgenen Jahre des Herrn Jesus wissen lässt, erkennen wir darin doch manche Schönheiten seiner Person.

Lukas berichtet, wie das Kind Jesus wuchs und erstarkte. Schon in jun­gen Jahren war Er erfüllt mit Weisheit, und Gottes Gnade war auf Ihm (s. Lk 2,40). Und in dem Maß, wie Jesus als Kind äußerlich wuchs, nahm Er auch „an Weisheit und an Größe und an Gunst bei Gott und Menschen“ zu (Lk 2,52).
Doch neben diesem äußerlichen und innerlichen Wachstum, das wir im Lukasevangelium finden, zeigt uns derselbe Schreiber auch, dass Er in dem Dienst, den Gott Ihm gab, gleichermaßen zunahm und wuchs. Dazu einige Gedanken:

Er hörte zu und stellte Fragen

„Und es geschah nach drei Tagen, dass sie ihn im Tempel fanden, wie er inmitten der Lehrer saß und ihnen zuhörte und sie befragte“.
Lk 2,46

In ganz Jerusalem hatten seine Eltern Ihn gesucht, aber vergebens. Schließlich schauten sie im Tempel nach, und siehe da: Jesus saß inmitten der Lehrer, hörte ihnen zu und befragte sie. Wie es dazu kam, dass der zwölfjährige Jesus inmitten der Lehrer saß, wird uns nicht mitgeteilt. Jedenfalls gerieten alle, die Ihn hörten, außer sich über sein Verständnis und seine Antworten (s. V. 47).
Was den Herrn an dieser Stelle so bewundernswert macht, ist, dass Er als junger Mensch zuhörte und Fragen stellte (obwohl Er als Gott natürlich alles wusste). Wenn Er, der alles wusste, bereit war, zuzuhö­ren und Fragen zu stellen, wie viel mehr sollte diese Haltung dann uns kennzeichnen – uns alle, aber besonders unsere jungen Leute! Geistliches Wachstum, dass zum Dienst befähigt, fängt auch damit an, dass zugehört wird und Fragen gestellt werden.

Er stand auf, um vorzulesen

„Und er kam nach Nazareth, wo er auferzogen worden war; und er ging nach seiner Gewohnheit am Tag des Sabbats in die Synagoge und stand auf, um vorzulesen“.
Lk 4,16

Der Herr Jesus begann seinen öf­fentlichen Dienst mit ungefähr 30 Jahren (s. Lk 3,23). Als Er nach Na­zareth kam, wo Er aufgewachsen und erzogen worden war, ging Er seiner Gewohnheit nach am Sabbat in die Synagoge und stand auf, um vorzulesen. Daraufhin wurde Ihm das Buch des Propheten Jesaja gereicht.
Der Herr Jesus war bereit, in der Sy­nagoge aufzustehen und aus den Schrif­ten vorzulesen. Es wäre vermutlich nicht angemessen gewesen, wenn Er das als Zwölfjähriger getan hätte. Aber nun war der richtige Zeit­punkt dafür gekommen. Wir erkennen daraus, dass sich mit zunehmendem Alter auch die Aufgaben ver­ändern. Das öffentliche Vorlesen kann auch eine Aufgabe für jüngere Brüder sein.

Er lehrte

„Und er lehrte in ihren Synagogen, geehrt von allen“.
„Und er kam nach Kapernaum hinab, einer Stadt in Galiläa, und lehrte sie an den Sabbaten“.
Lk 4,15 + 31

Nachdem der Herr Jesus seinen öf­fentlichen Dienst begonnen hatte, le­sen wir immer wieder von Ihm, dass Er lehrte. Doch im Gegensatz zu den Schriftgelehrten, die oft nur eigene Lehrmeinungen und Überlieferungen der Menschen wiederga­ben und dabei häufig über das Gesetz hinausgingen (s. Mk 7,8.9), lehrte der Herr mit Vollmacht (s. Lk 4,32; Mk 1,22). Diese Vollmacht bestand darin, dass Er tatsächlich das sagte, was Gott Ihm zu sagen gab und dass sein Leben völlig zu seinen Worten passte.
Ein wichtiger Bestandteil des öffent­lichen Dienstes des Herrn war die Belehrung. Die Lehre des Wortes Gottes sollte auch in unserem Dienst einen hohen Stellenwert haben. Dabei wol­len wir stets vor Augen haben, dass eine gesunde Lehre nebst der Gottesfurcht die Voraussetzung für eine gesunde Praxis ist. Und so berichtet gerade Lukas von dieser so wich­tigen Reihenfolge (zuerst Praxis, dann Lehre) auch im Leben des Herrn Jesus, der „anfing, sowohl zu tun als auch zu lehren“ (Apg 1,1). Eine falsche Belehrung führt zu einer falschen Praxis. Darum ist es so wichtig, dass wir uns persönlich und gemeinsam viel mit der Lehre des Wortes Gottes beschäftigen – wenn möglich schon in jungen Jahren. Nur wer die Lehre des Wortes Gottes kennt und selbst auslebt, kann auch andere belehren – im persönlichen Gespräch, in der Familie, in der Versammlung.

Er predigte

„Und er predigte in den Synagogen von Galiläa“.
Lk 4,44

Der Herr Jesus predigte auch. Er legte die Schriften aus, seine Worte enthielten wichtige Botschaften für die Menschen und Er begegnete ihren geistlichen Bedürfnissen durch seine Predigt. In dem vorliegenden Vers wird uns nicht mitgeteilt, was Er pre­digte, aber wir lesen an anderer Stel­le, dass Er das Evangelium des Reiches Gottes predigte (s. Mk 1,14; Lk 8,1).
Auch das Predigen war offensichtlich ein wichtiger Bestandteil des Diens­tes des Herrn. Das Buch der Apostelgeschichte zeigt uns, dass auch die ersten Christen eifrige Prediger des Evangeliums waren. Und auch wir werden aufgefordert, das Wort zu predigen: nicht unsere Erfahrungen und Ansichten, auch nicht schwierige Fragen oder Spekulationen, sondern das Wort und das Wort allein (s. 2. Tim 4,2). Ob in der Familie, in der Versammlung oder in der Öffentlichkeit – überall gilt: Predige das Wort!

Daniel Melui

Was Mose prägte - und dein Kind auch heute noch unbedingt wissen muss

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Mose war einer der herausragenden Führer des Volkes Israel, Gottes auserwähltem irdischen Volk (s. 5. Mo 7,6-8). Während fast vierzig Jahren wurde er „unterwiesen in aller Weisheit der Ägypter; er war aber mächtig in seinen Worten und Werken“ (Apg 7,22). Mit anderen Worten: Mose war ein gelehriger Schüler, der das anzuwenden und umzusetzen verstand, was er in dieser langen Zeit gelernt hatte.

Es könnte jemand sagen: Kein Wun­der, dass Gott ihn als Werkzeug auswählte, um das Volk Israel aus Ägypten in das Land Kanaan zu führen, das Gott als Wohnort für die Israeliten bestimmt hatte. Denn menschlich betrachtet waren seine diplomatischen Fähigkeiten und Bezie­hungen genau wie seine erworbenen Kenntnisse in der Führung eines Volkes doch die idealen Voraussetzungen für eine sol­che Aufgabe.

Was Mose kennzeichnete

Aber über allem steht, dass Gott völ­lig frei in der Auswahl derer ist, die Er in seinem Dienst benutzen will. Da­bei legt Er bei seiner Wahl andere Maß­stäbe an, als es Menschen für gewöhnlich tun. „Denn der Mensch sieht auf das Äußere, aber der Herr sieht auf das Herz” (1. Sam 16,7). Das war so, als Er David zum König über das Volk Israel bestimmte. Und es war schon so, als Er Mose zum Führer über sein Volk während der Befreiung aus der Knechtschaft Ägyptens bestimmte. In Hebräer 11,24-28 finden wir einige bemerkenswerte Hinweise auf das, was Mose prägte und aus Gottes Sicht wirklich zählte.

Abstammung

Die Tochter des Pharaos hatte Mose als ihren Sohn adoptiert. Sie war es auch, die ihm seinen Namen gab. Mose verbrachte nur die Jahre als Kleinkind bei seinen Eltern. Sobald er nicht mehr von seiner Mutter gestillt wurde, kam er unter den Einfluss der Ägypter (s. 2. Mo 2,9.10). Und weil die Tochter des Pharaos ihn als ihren eigenen Sohn ansah, stand ihm der Weg für eine glänzende Kariere offen. Doch es kam ganz anders. „Als er aber ein Alter von vierzig Jahren erreicht hatte, kam es in seinem Herzen auf, sich nach seinen Brüdern, den Söhnen Israels, umzusehen“ (Apg 7,23).
„Seine Brüder.“ Mose fühlte sich sei­nem Volk auch nach den langen Jahren im Haus des Pharaos eng verbunden. Er wusste, dass er kein Ägypter war, sondern zum Volk Is­rael gehörte – und das nicht nur, weil seine leiblichen Eltern Israeliten waren. Und darum traf er als erwachsener Mann eine weitreichende und positive Entscheidung: „Durch Glauben weigerte sich Mose, als er groß geworden war, ein Sohn der Tochter des Pharaos zu heißen“ (Heb 11,24).

Glaube

Mose „wählte lieber, mit dem Volk Gottes Ungemach zu leiden, als den zeitlichen Genuss der Sünde zu haben“ (Heb 11,25). Der Glaube und das Vertrauen seiner Eltern auf Gott müssen in irgendeiner Form als Wegweiser auf ihn gewirkt haben, denn auch sie standen ja bei seiner Geburt vor einer Wahl – ihren neugeborenen Sohn entweder der Anordnung des Pharaos folgend in den Nil zu werfen und damit zu töten, oder ihn am Le­ben zu lassen und zu verbergen.
Doch die Entscheidung der Eltern bei seiner Geburt allein reichte nicht. Er musste auch selbst eine Entscheidung für oder gegen Gott und sein Volk treffen. Mose traf sie bewusst, denn er „wählte lieber …“ Es ist zu vermu­ten, dass er für diese Entscheidung auch die Alternativen abgewogen hat­te.

Wertschätzung

Mose wählte, mit dem Volk Gottes Ungemach zu leiden, weil „er die Schmach des Christus[1] für größeren Reichtum hielt als die Schätze Ägyp­tens“ (Heb 11,26a). Die Schätze Ägyp­tens sprachen die natürlichen Begierden an, „die Lust des Fleisches und die Lust der Augen und den Hochmut des Lebens“ (s. 1. Joh 2,16). Doch Mose beurteilte die Dinge nicht nach menschlichem Maßstab, sondern aus Gottes Perspektive, „denn er schaute auf die Belohnung“ (Heb 11,26b). Die Segnungen Gottes für sein Volk waren ihm mehr wert als jeder Reichtum Ägyptens, selbst wenn das für ihn mit Leiden verbun­den war. Mose überwand die Schwierigkeiten der Gegenwart, weil er im Glauben auf das blickte, was wirklich zählte. Damit verwirklichte er, was der Apostel Paulus später für uns so niederschrieb: „Denn das schnell vorübergehende Leichte unserer Trübsal bewirkt uns ein über jedes Maß hinausgehendes, ewiges Gewicht von Herrlichkeit“ (2. Kor 4,17).

Überzeugung

„Durch Glauben verließ er Ägypten und fürchtete die Wut des Königs nicht; denn er hielt standhaft aus, als sähe er den Unsichtbaren“ (Heb 11,27). Mose handelte nicht aus der Gefühlsaufwallung eines Augenblicks. Das hatte er leider getan, als er den Ägypter erschlug. Deshalb hatte er auch zunächst Furcht (s. 2. Mo 2,14). Aber dann richtete er den Blick auf Gott. Er war sich der Folgen bewusst, die seine Entscheidung mit sich brachte, und war bereit, sie zu tragen. Doch wirklich tragen konnte Mose sie nur, weil er Gott so glaubte und vertraute, „als sähe er den Unsichtbaren“. Aus eigener Kraft wäre das nicht möglich gewesen, schon gar nicht über die vielen Jahrzehnte in der Wüste, erst als einsamer Schafhirte und dann als Führer des Volkes Israel jeweils vierzig Jahre lang.

Gehorsam

„Durch Glauben hat er das Passah gefeiert und die Besprengung des Blutes, damit der Verderber der Erstgeburt sie nicht antaste“ (Heb 11,28). Als drittes Kind hatte Mose doch nichts zu befürchten, als Gott in jener denkwürdigen Nacht durch Ägypten zog und alle Erstgeborenen tötete, so­wohl bei den Menschen als auch bei den Tieren. Warum musste er dann das Passah feiern? Ganz einfach: Das Passah zu feiern, war Gottes Anweisung an das ganze Volk Israel, nicht nur an die Erstgeborenen. Für Mose als den Führer des Volkes gab es da keine Ausnahme. Und Mose hatte nicht nur sich selbst im Blick, sondern das ganze Volk Gottes.
Außerdem war er ja nicht nur Kind, sondern auch Vater. Und damit sein ältester Sohn nicht sterben musste, als Gott in jener denkwürdigen Nacht das Gericht an den Ägyptern vollzog, war es erforderlich, dass auch Mose den Anweisungen Gottes ge­nau folgte (vgl. 2. Mo 12) – zur Ehre Gottes und zum Heil seiner ganzen Familie und seines Volkes.

Die Quelle

Woher wusste und kannte Mose das alles? Am Hof des Pharaos hatte er darüber nicht viel erfahren. Wir wissen zwar nicht genau, in welchem Alter damals ein Kind entwöhnt und nicht mehr von der Mutter gestillt wurde, allgemein wird aber davon ausgegangen, dass dies in etwa zwischen dem dritten und fünften Lebensjahr geschah. Grob gerechnet stand Amram und Jokebed damit nur ein Zehntel seiner Ausbildungszeit am Hof des Pharaos zur Verfügung. Sie hatten also nicht viel Zeit, um ihrem Sohn alles das zu vermitteln, was sein späteres Leben im Glauben kennzeichnete. Doch die Eltern sa­hen, dass ihr Sohn „schön für Gott“ war (Apg 7,20), und Gott schenkte ihnen diese Zeit.
Aber was bedeuten schon diese we­nigen Jahre als Kleinkind im Elternhaus? In der kurzen Zeit kann ein Kind doch nicht viel Wissen erwerben. Und schon gar nicht in diesem Alter! Das will uns zumindest der Teufel einreden. Das Beispiel Moses und sei­ner Eltern zeigt jedoch, dass das nicht stimmt. Ihr Vorbild macht auch heute noch Mut, keine Zeit zu verlieren, seinem Kind schon früh den Herrn Jesus kindgerecht vorzustellen und es behutsam, aber konsequent für den Herrn zu erziehen.

Noch heute wichtig

Wie wichtig es ist, Kinder so früh wie möglich mit dem vertraut zu machen, was einem wichtig ist, weiß auch die Welt sehr genau. Darum versucht sie auf alle erdenkliche Art und Weise, dein Kind so früh wie möglich deinem Einfluss zu entziehen, um ihren In­teressen entsprechend auf es einzu­wirken. Amram und Jo­kebed verbar­gen Mose während sei­ner ersten Le­bensmonate (s. Heb 11,23) und überließen ihn erst dann der Tochter des Pharaos, als die Zeit dafür gekommen war (s. 2. Mo 2,10).
Die folgenden Fragen möchten dazu anregen, weiter darüber nachzuden­ken, wie du das Vorbild Moses und seiner Eltern für dich und dein Kind geistlich anwenden und auf die heu­tige Zeit übertragen kannst:

  • Was weiß dein Kind über deine „geistliche Staatsangehörigkeit“?
  • Welchen Wertmaßstab bzw. wel­che Wertmaßstäbe erkennt dein Kind bei dir?
  • Was für ein Vorbild bist du deinem Kind?
  • Welchen und wessen Einflüssen setzt du dein Kind in welchem Al­ter aus?

Ist dein Glaube für dein Kind sichtbar und so begehrenswert, dass es selbst eine eigene Entscheidung für den Herrn Jesus und den Weg des Glaubens trifft, so wie Mose es tat? Auch das Vorbild von Mose selbst bietet dazu hilfreiche Denkanstöße.

Stefan Busch

Wenn wir unsere Kinder nicht lehren, Christus nachzufolgen,
wird die Welt sie lehren, es nicht zu tun.

Fußnoten:

  1. Christus war noch gar nicht gekommen, er hatte noch keine Schmach erduldet. Aber die Schmach, die Mose ertrug, hatte den gleichen Charakter, war von der gleichen Art wie die Schmach, die Christus erdulden würde. Es war Schmach aufgrund der konsequenten Hinwendung zu Gott und des Interesses für seine Dinge.

Persönliche Worte (Gottes wunderbare Schöpfung)

Lieber Leser,
wenn dieses Heft erscheint, ist es Sommer, jedenfalls auf dem Kalender. Doch wie das Wetter sein wird, wenn du dieses Heft in Händen hältst, weiß ich jetzt noch nicht. Das weiß nur Gott.
Unsere Wünsche fürs Wetter gehen zu jeder Jahreszeit weit auseinander. Wer im Sommer draußen arbeiten muss, ist froh, wenn es nicht zu heiß ist. Die Landwirte sind dankbar über einen warmen Landregen zur rechten Zeit, damit alles gut wachsen kann und die Ernte im Herbst möglichst gut wird. Und alle, die jetzt Ferien machen dürfen, freuen sich über viele sonnige Tage. Denn das eröffnet Gelegenheiten, die Schöpfung Gottes im Freien zu genießen.
Ein Spaziergang im Wald oder im Stadtpark zum Beispiel kann neue Perspektiven eröffnen, nicht nur für solche, die unterwegs sind, um die malerischen Lichtspiele der Sonne zwischen den Bäumen in Bildern oder Videos einzufangen. Oder das kleine Mäuschen, das zwischen abgebrochenen Ästen und herabgefallenem Laub Deckung sucht. Wer aufmerksam hinhört, nimmt den vielstimmigen Chor der verschiedenen Vogelarten wahr, die ihre klangvollen Melodien zwitschern. Und ein farbenfroher Sonnenuntergang ist ein Augenschmaus. Manche Seele findet bei solchen Eindrücken wieder zur Ruhe.
Nicht jeder ist Fotograf oder Naturliebhaber. Wer in der Stadt lebt, nimmt seine Umwelt anders wahr als jemand, der auf dem Land lebt. Wie unterschiedlich unser Umfeld und unser Alltag auch sein mögen, Geschöpfe Gottes sind wir alle, unabhängig von unseren Lebensumständen. Durch den „Glauben verstehen wir, dass die Welten durch Gottes Wort bereitet worden sind“ (Heb 11,3). Doch wann haben du und ich das letzte Mal darüber nachgedacht, dass Gott uns in seinem Wort zugesagt hat, dass die Jahreszeiten genau wie Saat und Ernte nicht aufhören werden (s. 1. Mo 8,22)? Darum lass uns die Sommerzeit doch auch einmal wieder dafür nutzen, Gott dafür zu danken, dass Er alles so wunderbar erschaffen hat durch seinen Sohn und für seinen Sohn (s. Kol 1,16). Und loben und preisen wir Ihn dafür, dass wir Ihn, den großen Gott, den Schöpfer Himmels und der Erde durch den Glauben an seinen Sohn Jesus Christus als unseren himmlischen Vater kennen dürfen.

Eine hoffentlich gesunde, vor allem aber eine gesegnete Sommerzeit wünscht uns allen

Stefan Busch

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