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...denn außer mir könnt ihr nichts tun

Zeitschrift für die christliche Familie

Merkmale einer guten Erziehung

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Während seiner zweiten Missionsreise war Paulus nach Thessalonich gekommen. Obwohl er nur etwa drei Wochen dort bleiben konnte, entwickelte sich eine enge Vertrauensbeziehung zu denen, die in dieser Stadt zum Glauben an den Herrn Jesus gekommen waren. Paulus verkündigte ihnen nicht nur das Evangelium, sondern ließ die Glaubenden auch teilhaben an seinem persönlichen Leben (s. 1. Thes 2,8). Er beschreibt sein Wirken in Thessalonich und benutzt dabei sowohl den Vergleich mit einer Mutter als auch zu einem Vater, die sich um ihre eigenen Kinder kümmern. Darin finden wir wertvolle Anregungen für unser Verhalten als Mütter und Väter.

Eine Beziehung der Liebe und des Vertrauens

Paulus schreibt, dass die Thessaloni­cher ihm lieb geworden waren. Die Liebe prägte ihre Beziehung zuein­ander. Das scheint für die Beziehung von Eltern zu ihren Kindern selbst­verständlich zu sein, aber das ist es längst nicht mehr.
Es ist ein Kennzeichen der Zeit, in der wir leben, dass die Menschen ohne natürliche Liebe sind (s. Röm 1,31). Das zeigt sich auch in den Be­ziehungen innerhalb der Familie. Die Liebe zum eigenen Ich führt oft dazu, dass die Liebe zu den Kindern verlo­ren geht. Die Folge ist, dass für den eigenen Vorteil in Kauf genom­men wird, dass Kinder Scha­den leiden.
Schaffen wir in unseren Familien eine Atmosphäre der Liebe, in der Vertrau­en zueinander bestehen kann! Wenn wir mit dem Herrn Jesus leben, dann haben wir alle Voraussetzungen da­für, dass es so sein kann.
Der Schöpfer hat eine natürliche Lie­be zwischen Eltern und Kindern in seine Geschöpfe gelegt. Das ist ein großes Geschenk! Leben wir in Über­einstimmung mit dem Schöpfer und seinen Gedanken, dann wird diese Liebe erhalten bleiben.
Zudem haben wir das neue Leben und den Heiligen Geist als die Kraft dieses Lebens. Deshalb können wir in echter Liebe zueinander leben. Dass diese Liebe in der Familie der Liebe zu Gott untergeordnet ist, die sich im Gehorsam seinem Wort ge­genüber zeigt, wollen wir nicht ver­gessen. Der Gehorsam Gott gegen­über bildet die „Leitplanken“ für die Liebe in den natürlichen Beziehungen.
Das Vertrauen zueinander wird dann nicht ausbleiben. Es erfordert einer­seits einen Einsatz von uns Eltern. Wir müssen unseren Kindern Vertrau­en entgegenbringen. So hat Paulus auch die Thessalonicher an sei­nem persönlichen Leben teilha­ben lassen. Normalerweise wer­den die Kinder das geschenkte Ver­trauen mit ei­nem entsprechenden Verhalten be­lohnen. Das hatten die Thessaloni­cher getan, indem sie die Botschaft von Paulus gerne ange­nommen hatten (s. 1. Thes 2,13). Als Eltern dürfen wir unsere Kinder zu einem solchen Verhalten anspornen.
Liebe und Vertrauen – das sind zwei wichtige Merkmale in unseren Fami­lien. Das lässt unsere Kinder auch dann, wenn sie älter werden, gerne zu uns kommen und ihre Fragen und Erlebnisse mit uns teilen. Dann ha­ben wir Gelegenheit, ihnen mit ei­nem guten Rat aus Gottes Wort zu Hilfe zu kommen.

Die Mütter nähren und pflegen

Die Tätigkeiten, die Paulus im Ver­gleich mit einer Mutter[1] herausstellt, sind das Nähren und das Pflegen der Kinder.
Beim Nähren geht es zunächst um die Nahrung für das natürliche Leben und wir verstehen gut, dass es – be­sonders in der ersten Zeit – als die Aufgabe der Mutter vorgestellt wird. Sie ist in der Lage, dem Kind die notwendige Muttermilch zu ge­ben und es zu nähren.
Beim Pflegen geht es darum, die Wärme und Liebe zu ge­ben, die das Kind für eine gute Ent­wicklung be­nötigt. Das Wort kommt noch einmal in Epheser 5,29 vor.

„Beim Pflegen geht es darum, die Wärme und Liebe zu geben, die das Kind für eine gute Entwicklung be­nötigt.“

Dort wird ge­sagt, dass jeder sich selbst nährt und pflegt.[2]
Genau so sollen die Männer ihre Frauen lieben, nähren und pflegen wie ihr eigenes Fleisch. Und es ist ein Merkmal der Liebe des Christus zu seiner Versammlung, dass Er sie nährt und pflegt, wie Er sie auch reinigt und heiligt.
Beim Nähren geht es also mehr um die Bedürfnisse, die gestillt werden. Bei der Pflege geht es mehr um das, was über die direkten Bedürfnisse hinaus zum Wohl des Kindes gege­ben wird.
Besonders die Mütter kennen auf­grund der Nähe, die sie zu den Kin­dern haben, deren Be­dürfnisse und das, was ihnen gut tut. Dem zu begeg­nen ist eine Aufga­be, die viel Kraft und Aufopferung erfor­dert. Als Ehe­männer wollen wir eine hohe Wert­schätzung für diese Aufgabe un­serer Frauen haben, die sich oft bis an ihre Gren­zen aufop­fern.
Wir wollen unsere Frauen dabei in der richtigen Art und Weise und mit dem nötigen Einsatz unterstützen! Als Mütter wollen wir die Schönheit und Wichtigkeit dieser Aufgabe er­kennen und ihr nicht ausweichen oder sie an Einrichtungen oder fremde Per­sonen delegieren, um Zeit für andere Dinge zu haben.[3]
Wenn die Kinder älter werden, ist es manchmal nicht so einfach, ihre wirk­lichen Bedürfnisse zu erkennen. Dann brauchen wir Zeit und das nötige Interesse für die Situation der Kinder. Gott wird uns dabei zu Hilfe kom­men, die Bedürfnisse zu erkennen und ihnen in der richtigen Weise zu begegnen.

Die Mutter ist zart

Die nährende Frau, die ihre Kinder pflegt, ist zart.
Paulus benutzt dieses Wort hier in einem Gegensatz: Statt den Thessa­lonichern zur Last zu fallen, das heißt, ihre materielle Hilfe in Anspruch zu nehmen, war er zart gewesen. Er hat­te seine Autorität als Apostel nicht dazu missbraucht, von den Thessa­lonichern etwas für sich selbst zu ver­langen. Im Gegenteil! Er hatte Tag und Nacht gearbeitet, um seinen Lebens­unterhalt selbst zu verdienen und das Evangelium kostenfrei zu machen.
Zart sein bedeutet in diesem Zu­sammenhang also, nichts für sich selbst zu suchen, sondern in geben­der Liebe tätig zu sein, um nicht zu einer Last für diejenigen zu sein, de­nen man dienen möchte. In diesem Sinn schreibt Paulus auch an die Korinther, dass die Eltern Schätze sammeln sollen für ihre Kinder und nicht umgekehrt (s. 2. Kor 12,14).
Die Erziehung der Kinder ist eine Auf­gabe, die viel Selbstaufgabe erfordert und bei der wir als Eltern nicht ver­langen dürfen, etwas zurück zu be­kommen. Wir selbst haben von un­seren eigenen Eltern viel empfan­gen und stehen jetzt in der Ver­antwortung, zart zu sein, also gerne zu geben und nichts zu verlangen.
Als Eltern haben wir von Gott gege­bene Autorität und diese müssen wir unbedingt einsetzen, um die Kinder in der Zucht und Ermahnung des Herrn aufzuziehen. Aber wir sollten unsere Autorität nicht dazu missbrauchen, von den Kindern et­was zu verlangen, das nur unserem eigenen Nutzen dient. Niemals dür­fen Kinder zur Befriedigung der Be­dürfnisse der Eltern „missbraucht“ werden.
Dabei vergessen wir nicht, dass wir unseren Kindern nicht jeden Stein aus dem Weg räumen können und dass wir sie mit zunehmendem Alter auch zur Übernahme von Verant­wortung erziehen müssen.
Und noch eins ist im Zusammenhang mit der Zartheit wichtig. Weil diese Zartheit besonders das Merkmal der Mütter ist, müssen wir als Väter un­seren Frauen die nötige Unterstüt­zung geben. Das ist unbedingt wich­tig, damit es ein Gleichgewicht in der Erziehung der Kinder gibt und damit die Mütter nicht überfordert werden.

Die Väter ermahnen, trösten und bezeugen

Wie ein Vater seine eigenen Kinder, hatte Paulus die Thessalonicher er­mahnt. Das Wort bedeutet, jeman­den zur Seite zu nehmen und zu ihm zu sprechen. Es wird sowohl mit ermahnen, als auch mit ermuntern oder mit trösten übersetzt.
Das ist eine wichtige Aufgabe für Väter im Blick auf ihre eigenen Kin­der. Wir müssen uns Zeit dafür neh­men, in Ruhe mit den Kindern reden zu können. Dabei müssen wir sie er­mahnen, sie aber auch zu richtigem Verhalten ermutigen.
Weiterhin hatte Paulus getröstet. Auch wenn das Wort ermahnen im entsprechenden Zusammenhang ebenso trösten bedeuten kann, wird doch gesondert noch auf das Trösten hingewiesen. Das macht klar, dass dem Trösten eine besondere Bedeu­tung zukommt.
Zweimal kommt dieses Wort in Jo­hannes 11 vor (V. 19.31). Dort nah­men die Juden Anteil an der Trauer von Maria und Martha und trös­teten sie durch ihren Besuch und ihre Anteilnahme.
Unsere Kinder brauchen bei allem, was sie in einer Welt erleben, die Gott feindlich gegenüber steht, den Trost der Väter. Sie brauchen eine „starke Schulter“, an die sie sich leh­nen können. Sie brauchen uns und unsere Anteilnahme an ihren Erleb­nissen – sie brauchen Trost.
Dann hatte Paulus auch etwas be­zeugt. Das ist ein klares und verbind­liches Mitteilen von wichtigen Dingen. Auch das müssen wir als Väter ge­genüber unseren Kindern tun.
Unverbindliche Ideen oder Meinun­gen helfen unseren Kindern nicht weiter. Sie brauchen ein klares und verbindliches Mitteilen der Gedanken Gottes. Wir müssen ihnen mit der nötigen Deutlichkeit vorstellen – be­gründet und erklärt aus der Bibel, dem Wort Gottes – was es heißt, würdig des Gottes zu leben, der uns berufen hat.
Es sind bedauernswerte Kinder, die keine Väter haben, die das in der nötigen Liebe und Klarheit tun. Je mehr die uns umgebende Welt sich von Gott und seinen Gedanken ent­fernt, desto wichti­ger ist dieses Be­zeugen. Es erfor­dert Geduld, aber es lohnt sich! Gottes Wort wird auch auf unsere Kinder eine positive Wir­kung haben. Nur müs­sen wir es ih­nen immer wieder deutlich vorstellen.

„Gottes Wort wird auch auf unsere Kinder eine positive Wirkung haben.“


Der Vater liebt

Wenn Paulus von seinem Wirken bei den Thessalonichern schreibt, dann vergleicht er die Art und Weise, in der er ihnen gedient hat, mit der Art und Weise eines Vaters, in der er mit seinen eigenen Kindern umgeht.
Wir fragen uns vielleicht, was dieser Vergleich deutlich machen soll. Ist es nicht die Liebe des Vaters zu sei­nen Kindern, die gezeigt werden soll? War das nicht ein herausragendes Merkmal der Beziehung zwischen Abraham und Isaak? Er sollte seinen einzigen Sohn, den er lieb hatte, op­fern. Und war es nicht auch das Merkmal der Beziehung zwischen Ja­kob und Joseph? Jakob liebte Joseph!
In einer väterlichen Liebe war Pau­lus den Thessalonichern begegnet und wir als Väter sollen unseren Kindern in Liebe begegnen. Nicht von ungefähr werden die Väter ermahnt, die Kinder nicht zum Zorn zu reizen.
Das ist eine Gefahr bei uns Vätern! Wir haben von Gott gegebene Autorität und müssen diese auch ein­setzen, um unsere Kin­der aufzuziehen in der Zucht und Ermahnung des Herrn. Aber wir müssen es in Liebe tun! Auch dann, wenn die Auf­gabe der Er­ziehung einmal schwie­rig ist.
Gott wird gerne seinen Segen dazu geben, wie Er es auch zu den Bemü­hungen von Paulus in Thessalonich getan hat.

Christian Rosenthal


Fußnoten:

  1. Auch wenn Paulus in 1. Thessalonicher 2,7 von ei­ner nährenden „Frau“ schreibt, so ist doch ganz klar, dass er an die Mutter denkt. Denn es geht um die Pflege der eigenen Kinder und nicht von frem­den Kindern.

  2. Das wird als eine ganz natürliche Sache bei einem gesunden Menschen vorgestellt, nicht in übertrie­bener Selbstsucht, sondern als normale Handlungs­weise der Erhaltung des natürlichen Lebens.

  3. Das bedeutet nicht, dass man in besonderen Si­tuationen wie Krankheit oder Erschöpfung gute Hil­fe ablehnen sollte. Dankbar dürfen wir entspre­chende Möglichkeiten nutzen, wenn die Situation es erfordert.

Schuld sind immer die anderen! Wirklich?

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„Und der Mensch sagte: Die Frau, die du mir beigegeben hast, sie gab mir von dem Baum, und ich aß. Und Gott der Herr sprach zu der Frau: Was hast du da getan! Und die Frau sagte: Die Schlange betrog mich, und ich aß“
(1. Mose 3,12.13)

Die Menschheitsgeschichte stand noch ganz an ihrem Anfang. Gott hatte alles wunderbar geschaffen, es gab beste Bedingungen für den Menschen, um in dem Garten Gottes zu leben und die Gemeinschaft mit Gott zu genießen. Nur ein Gebot hatte das erste Menschenpaar zu beachten: Sie sollten nicht von der Frucht des „Baumes der Erkenntnis des Guten und Bösen“ essen (1. Mo 2,17). Von allen anderen Bäumen in Gottes genialer Schöpfung durften Adam und Eva nach Belieben genießen.

Gott fragt den Menschen

Auf die Frage Gottes an Adam: „Wer hat dir mitgeteilt, dass du nackt bist?“(1. Mo 3,11), geht Adam gar nicht ein. In seiner Antwort an Gott will er nur klarmachen, dass er nicht schuld an der Sache ist. Wenn jemanden Schuld trifft, dann seine Frau. Aber Adam geht noch weiter – auch Gott ist aus seiner Sicht schuld an der Misere, denn Er hatte ihm ja schließlich Eva zur Frau gegeben.
Anstatt den Fehler einzugestehen und vor Gott ein gründliches Bekenntnis abzulegen, schiebt Adam die Ver­antwortung von sich. War diese Frau, die Gott ihm gegeben hat­te, nicht ein Grund tiefer Freude und Dankbarkeit für ihn gewesen? Offensichtlich hatte Adam ganz ver­gessen, dass Eva von Gott speziell für Ihn geschaffen worden war. Eva war ein perfektes Ge­genüber für Adam (s. 1. Mo 2,20-23).

Mann und Frau schieben die Schuld von sich

Dann wendet sich Gott an Eva: „Washast du da getan!“ (1. Mo 3,13). Wird Eva ihre Schuld einsehen oder rea­giert sie wie ihr Mann? Kaum zu glau­ben und doch unserem Verhalten oft so ähnlich – auch sie versucht, die Schuld von sich wegzuschieben, indem sie der Schlange die Schuld zu­schiebt.
Im weiteren Verlauf des Gesche­hens geht Gott gar nicht weiter auf die Argumente von Adam und Eva ein, sondern zeigt ihnen die dramati­schen Folgen des „Sündenfalls“ auf.
Wie oft haben wir schon die Schuld bei anderen gesucht? Wie oft haben wir Gott schon die Schuld an unse­rem eigenen Versagen gegeben?Warum fällt es uns nur so schwer, Fehler einzugestehen und Schuld zu­zugeben?

Der Alltag in unseren Familien

In der Familie schieben sich die Kin­der meist gegenseitig die „Schuld in die Schuhe“ und als Eheleute sind wir oft auch nicht besser. Wie kann es sein, dass wir tagelang Unstim­migkeiten und Streit in der Ehe ei­nem klaren und eindeutigen Bekennt­nis unserer Sünde vorziehen? Ich möchte es nicht gewesen sein, für die Schuld muss ein anderer her. Schuld sind mein Ehepartner, meine Kinder, meine Arbeitskollegen, die Umstände, die Zeit, meine Gesund­heit oder vielleicht sogar Gott!
Gott möchte, dass wir lernen, Schuld einzugestehen und ein klares Be­kenntnis abzulegen. Wir sollen lernen, die Sachen beim Na­men zu nennen, in denen wir schuldig ge­worden sind. Rum­drucksen und das Er­finden schlau­er Ausreden wird unse­re Gewissen niemals entlasten.

„Das Erfinden schlauer Ausreden wird unsere Gewissen niemals entlasten.“


Die Gefahr, Dinge zu beschönigen

Wenn wir gesündigt haben, dann sollten wir nicht von unserer „Schwach­heit“ oder unserem „Versagen“ spre­chen, sondern die Sache vor Gott und den Menschen so bezeich­nen, wie sie ist. Sünde bleibt Sün­de. Nachdem David sich mit Bath­seba versündigt hatte (s. 2. Sam 11), spricht er in Psalm 51,6 sehr klare Worte aus: „Gegen dich, gegendich allein habe ich gesündigt, und ich habe getan, was böse ist in dei­nen Augen; damit du gerechtfertigt wirst, wenn du redest, für rein be­funden, wenn du richtest.“ In seinem Bekennt­nis ist David für uns ein Vorbild im Umgang mit persönlicher Schuld.

Persönliche und gemeinsame Schuld

Es gibt auch gemeinsa­me Schuld – Nehemia, Esra und zum Beispiel auch Daniel sprechen von ei­ner gemein­samen Schuld des Volkes Got­tes. Das Volk Gottes hatte ge­sündigt und sich von Gott ab- und den Götzen zuge­wandt. Die Folgen lagen auf der Hand – Gott führte sein Volk in eine harte und langjährige Gefan­genschaft nach Babylon. Aber wie gingen diese Män­ner Gottes mit der Schuld des Volkes um? Sie waren ja persönlich im Großen und Ganzen frei von die­ser Schuld.
Nehemia betet in Nehemia 1,6: „Lass doch dein Ohr aufmerksam und deine Augen offen sein, dass du hörest auf das Gebet deines Knech­tes, das ich heute, Tag und Nacht, für die Kinder Israel, deine Knechte, vor dir bete, und wie ich die Sünden der Kinder Israel bekenne, die wir gegen dich begangen haben! Auch wir, ich und meines Vaters Haus, ha­ben gesündigt.
Auch heute gibt es so viel Versagen in der Versammlung Gottes. Aber nicht „nur“ Versagen – in unserem Zeugnis als Licht vor der Welt und in dem Auftrag, die „Einheit des Geis­tes zu bewahren“ (Eph 4,3), haben wir gesündigt. Die Christenheit gleicht einem „Trümmerhaufen“, ist zersplit­tert, uneins und von vielen falschen Lehren durchsetzt. Was bewirkt das bei uns, bei dir und mir? Wie gehen wir damit um?
Zeigen wir, wie damals Adam und Eva, mit dem Finger auf „die anderen“ oder sogar auf Gott, der das alles zugelassen hat?
Gott, der Herr, möchte uns dahin bringen, dass auch wir betend sagen können: „Auch wir, ich und meines Vaters Haus, haben gesündigt.“

Unser großes Vorbild

Zum Schluss wenden wir den Blick noch auf unseren Herrn und Hei­land. Er war völlig anders. Er selbst hatte keinerlei Schuld, Er war der Heilige und der Reine. Doch was hat Er getan? „Doch um unserer Übertre­tungen willen war er verwundet, um unserer Ungerechtigkeiten willen zer­schlagen. Die Strafe zu unserem Frie­den lag auf ihm, und durch seine Striemen ist uns Heilung geworden. Wir alle irrten umher wie Schafe, wir wandten uns jeder auf seinen Weg; und der Herr hat ihn treffen lassen unser aller Ungerechtigkeit“ (Jes 53, 5.6).
Als der Herr Jesus am Kreuz auf Gol­gatha litt und starb, hat Er fremde Schuld auf sich genommen und zu seiner eigenen Schuld gemacht. In einem prophetischen Wort klagt Chris­tus: „Denn Übel bis zur Unzahl ha­ben mich umgeben, meine Unge­rechtigkeiten haben mich erreicht, dass ich nicht sehen kann; zahlrei­cher sind sie als die Haare meines Hauptes, und mein Herz hat mich verlassen“ (Ps 40,13).
Er wurde von Gott wegen deiner und meiner Schuld gestraft und zer­schlagen. Er ging wegen un­serer Schuld in die Finsternis und wurde von Gott verlassen. Nie hat Er Schuld von sich geschoben, ob­wohl Er selbst schuldlos war. So hat Er einen Weg zur Vergebung geöff­net!

„Wenn wir unsere Sünden beken­nen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns rei­nigt von aller Ungerechtigkeit“
(1. Johannes 1,9)

Johannes Achenbach

Der Herr Jesus und kleine Kinder

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Im griechischen Urtext des Neuen Testaments gibt es für das deutsche Wort „Kind“ zwei Wörter: teknon (Kind) und paidion (junges, kleines Kind).
Wir wollen uns nur mit Stellen beschäftigen, in denen das letztere Wort verwendet wird.
Zuerst wird Johannes der Täufer nach der Geburt in Lukas 1 viermal damit bezeichnet. Zehnmal wird es für den gerade geborenen Heiland in Matthäus 2 und Lukas 2 verwendet.
Aber nun wollen wir uns den Begebenheiten zuwenden, in denen der Herr Jesus dieses Wort für kleine Kinder benutzt.

Werdet wie die Kinder (MT 18,1-14)

„Was habt ihr auf dem Weg bespro­chen?“, fragt der Herr die Jünger, nachdem sie in Kapernaum angekom­men und in das Haus gegangen wa­ren. Erst schweigen sie, weil sie sich schämen. Sie hatten darüber gespro­chen, wer von ihnen der Größte im Reich der Himmel sei (s. Mk 9,33.34). Endlich rücken sie doch mit der Sprache heraus und formulieren es als eine allgemeine Frage: „Wer ist der Größte im Reich der Himmel?“
Der Herr, der alles weiß und ihre Be­weggründe kennt, antwortet: „Wenn jemand der Erste sein will,so soll er der Letzte von allen und aller Diener sein“.
Dann ruft Er ein kleines Kind herbei. Da der Herr mit seinen Jüngern in einem Haus war, kannte das Kind ihn wahrscheinlich. Jedenfalls hat es kei­ne Scheu, zu Ihm zu kommen. Der Herr Jesus stellt das kleine Kind zwar in die Mitte (s. Mt 18,2), aber doch an seine Seite (s. Lk 9,47). Einerseits durfte es sich in seiner Nähe sicher fühlen, andererseits war das der Platz, den die Jünger in seinem Reich begehrten, aber dazu mussten sie wie dieses kleine Kind werden.
Schließlich nimmt er das Kind auch noch in seine Arme und zeigt ihm so seine ganze Zuneigung (s. Mk 9,36). Wie einfühlsam ist der Herr. Er weiß genau, wie dem Kleinen, umringt von so vielen erwachsenen Männern, zu Mute ist. Wir wollen im Umgang mit Kindern von Ihm lernen.
Mit dem kleinen Kind in der Mitte macht der Herr nun diesbezüglich fünf wichtige Aussagen:

  • „Wahrlich, ich sage euch, wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Reich der Himmel eingehen.“ So beginnt der Herr, nachdem er das Kind in die Mitte gestellt hat. Die erste Frage ist nicht, ob ich der Größte im Reich der Himmel bin, sondern ob ich über­haupt in die­sem Reich bin. Um in das Reich der Himmel eingehen zu können, müssen Erwachsene wie Kinder wer­den, d. h. einfach und kindlich an den Herrn Jesus glau­ben. Wir dre­hen die Sache manch­mal um und verlangen von Kindern, dass sie wie Erwachsene reagieren, bevor wir ihr Bekenntnis zum Herrn Jesus an­erkennen wollen.
  • „Darum, wer irgend sich selbst er­niedrigen wird wie dieses Kind, der ist der Größte im Reich der Him­mel“, fährt der Herr fort. Niemand hat sich so erniedrigt wie Er. Dar­um fordert Paulus auch die Philip­per auf, seine Gesinnung zu haben (s. Phil 2,5-8). Er selbst strebte da­nach (s. 1. Kor 4,3).
  • Wer irgend ein solches Kind auf­nimmt in meinem Namen, nimmt mich auf“, ist die nächste Aussage des Herrn. Ist das nicht ein großer Ansporn, unsere Herzen und Häu­ser für Kinder zu öffnen und ihnen zu dienen, auch wenn sie Schmutz ins Haus bringen, Unordnung ma­chen und hinterlassen, laut sind und manchmal vergessen, sich für das Empfangene zu bedan­ken?
  • Wer aber irgend einem dieser Kleinen, die an mich glauben, An­stoß gibt, für den wäre es besser, dass ein Mühlstein um seinen Hals gehängt und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde.“ Nun wech­selt der Herr Jesus den Ausdruck. Er spricht nicht mehr von einem kleinen Kind, sondern von den Klei­nen, die an Ihn glauben. Das kön­nen Kinder sein, das können aber auch solche sein, die jung im Glau­ben sind, oder solche, die wenig beachtet werden. Es gibt Kleine und Große (s. Offb 11,18; 13,16; 19,5.18) und in der Welt mögen diese Unterschiede eine Rolle spie­len, aber gemessen an der Größe Gottes sind sie marginal. Wie ernst ist es, wenn jemand den Kleinen einen Fallstrick legt.
  • „Gebt acht, dass ihr nicht eins die­ser Kleinen verachtet; denn ich sage euch, dass ihre Engel in den Him­meln allezeit das Angesicht meines Vaters schauen, der in den Him­meln ist.“ Wertschätzung ist heute ein für den zwischenmenschlichen Bereich häufig verwendetes Wort. Es bedeutet das Gegenteil von Ver­achtung. Wenn wir verachtet oder geringschätzig behandelt werden, dann wollen wir daran denken, dass der Herr Jesus auch verach­tet, ja sogar für nichts ge­achtet (s. Jes 53,3) und gering­schätzig be­handelt wurde (s. Luk 23,11). Wir sollten hingegen nie­manden so behandeln (s. Röm 14, 3.10; 1. Kor 11,22). Die Kleinen sind die Gegen­stände besonderer Gunst des Vaters.

Mit diesen Worten prägt der Herr seinen Jüngern einerseits die Not­wendigkeit eines Geistes der Demut und der Abhängigkeit ein. Anderer­seits stellt Er ihnen die Gesinnung des Vaters vor, die sie nachahmen sollten, um wahrhaft Kinder des Rei­ches zu sein. Er belehrt sie, nicht so gesinnt zu sein wie der natürliche Mensch, der stets seinen Platz zu be­haupten und seine Wichtigkeit gel­tend zu machen sucht. Sie sollen stattdessen Spott und Verachtung willig erdulden, sich selbst erniedri­gen und zu gleicher Zeit Nachahmer Gottes sein, der auf die Geringen achtet und ihnen stets Zugang zu sich gewährt.

Lasst die Kinder zu mir kommen (Mk 10,13-15)

Kleine Kinder werden zu dem Herrn gebracht. Weder Matthäus, noch Markus, noch Lukas, die uns die­se Begebenheit berichten, teilen uns mit, wer sie brachte. Das Wahr­scheinlichste ist natürlich, dass es die Mütter der Kinder taten. Ist das nicht eine Ermunterung für Eltern, täglich ihre Kinder dem Herrn im Gebet zu bringen?
Die Bitte derer, die die Kinder brin­gen, ist, dass der Herr die Kleinen an­rühren, ja ihnen die Hände auflegen und (für sie) beten möge (s. Mt 18,13).
Was geschah alles, wenn der Herr Menschen anrührte: Ein Aussätziger wurde gereinigt (s. Mt 8,3), das Fie­ber verließ die Schwiegermutter von Petrus (s. Mt 8,15), Blinden wurden die Augen aufgetan (s. Mt 9,29; 20,34), einem Taubstummen wurde Gehör und Stimme geschenkt (s. Mk 7,33-35) und das Ohr von Malchus wurde geheilt (s. Lk 22,51). Umge­kehrt wurden auch diejenigen geheilt, die Jesus im Glauben berührten (s. Mt 9,20; 14,36). Wie oft mangelt es uns an diesem Glauben und deshalb empfangen wir oft nichts (s. Jak 1,5-8).
Mit der Bitte waren sie nicht direkt zu dem Herrn gekommen, sondern zu den Jüngern. Diese aber wiesen sie ab. Ob die Jünger den Herrn vor einer zu großen Arbeitslast schützen wollten, wie ein Lie­derdichter be­hauptet, wissen wir nicht. Die Bibel sagt nichts über die Beweggründe der Jünger. Wir alle neigen oft dazu, Kinder nicht so wichtig zu nehmen.
Der Herr hatte alles gesehen und wurde unwillig. Zweimal lesen wir von den Jüngern, dass sie unwillig waren (s. Mt 20,24; 26,8) und zwei­mal von den religiösen Führern (s. Mt 21,16; Lk 13,14), aber nur hier von dem Herrn Jesus. Er rief den Men­schen zu: „Kommt her zu mir“ (Mt 11,28) oder „Bringt ihn mir her“ (Mt 17,17) und hatte grundsätzlich ge­sagt: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen“ (Joh 6,37). Wie wenig entsprach das Verhalten der Jünger seinem Wesen und dies obwohl sie schon so lange bei Ihm waren. Aber wir wollen die Jünger nicht zu schnell verurteilen, sondern uns fragen, ob uns die Gesinnung Jesu immer kennzeichnet.
Trotz seines Unwillens über die Jün­ger verliert der Herr die kleinen Kin­der nicht aus den Augen. Er wendet sich aber nicht direkt an die, welche die Kinder gebracht haben. Nein, er sagt zu den Jüngern: „Lasst die Kin­der zu mir kommen und wehrt ihnen nicht“. Nun mussten die Jünger zu denen gehen, die sie abgewiesen hatten und ihnen sagen, dass die Kinder doch zum Heiland kommen könnten. Das war demütigend, aber heilsam für sie.
Wie schwer fällt es uns oft, einen Fehler zuzugeben und ihn dann auch dort zu korrigieren, wo wir ihn began­gen haben, wenn es noch möglich ist.
Der Herr fügt aber noch hinzu, warum die Jünger die Kinder zu Ihm kom­men lassen sollten: Das Reich der Himmel gehörte ihnen. Welch einen Wert haben die Kinder in den Augen des Herrn! Das hatten die Jünger nicht gewusst. Wir wissen oder soll­ten es wissen, weil es der Herr ge­sagt hat, aber ist uns diese wunder­bare Tatsache immer bewusst? Wie viel mehr Wertschätzung würden wir dann den kleinen Kindern entgegen­bringen!
Welch ein Trost liegt aber auch für Eltern, deren Kinder in einem Alter sterben, wo sie noch nicht verant­wortlich sind, in der Tatsache, dass ihren Kindern das Reich der Himmel gehört. Sie dürfen wissen, dass sie nicht verloren sind.
Zum Schluss spricht der Herr noch die Warnung aus: Wer irgend das Reich Gottes nicht aufnehmen wird wie ein Kind, wird nicht dort hin­einkommen! Diese Aussage ent­spricht der in Matthäus 18 Vers 3, die wir weiter oben schon be­trachtet haben.
Dann wendet sich der Herr Jesus den Kindern zu. Er war gebeten worden, sie anzurühren, ihnen die Hände auf­zulegen und für sie zu beten. Jetzt nimmt Er sie in die Arme, legt ihnen die Hände auf und segnet sie. Er tut mehr als das, worum Er gebeten wor­den war. Das ist immer die Weise Gottes (s. Eph 3,20).

Horst Zielfeld

Hoffnung, die den Alltag prägt

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Hoffnung ist in der Bibel die freudige und zufriedene Erwartung einer sicheren Sache, die bald in Erfüllung geht. Während der Glaube einmal durch das Schauen abgelöst werden wird, wird sich die Hoffnung erfüllen. Der Glaube nimmt an, was Gott sagt. Die Hoffnung erwartet die kommende Erfüllung, die Gott sicher bringen wird. Glaube und Hoffnung prägen also unser Leben als Christen auf der Erde. Sie werden nicht mehr nötig sein, wenn wir das Ziel erreicht haben.
Im Folgenden denken wir über drei Bereiche nach, in denen die Hoffnung eine wichtige Rolle für uns spielt. Es ist einmal der Bereich von Schwierigkeiten in zwischenmenschlichen Beziehungen und dann der Bereich der allgemeinen Probleme, die in unserem Leben auftreten. Die Hoffnung hilft uns, darin auszuhalten! Schließlich geht es um den Bereich der herrlichen Zukunft, die vor uns liegt und der durch die Hoffnung jetzt schon lebendig für uns wird.

Hoffnung bei Schwierigkeiten in Beziehungen

In der Versammlung in Korinth gab es viele Schwierigkeiten. Ein Problem bestand darin, dass die Apostelschaft von Paulus durch falsche Apostel angegriffen wurde. Damit versuchte der Feind, die Belehrungen durch Paulus zu untergraben. Der Angriff auf die Person des Apostels war in Wahr­heit ein Angriff auf das, was er die Korinther gelehrt hatte. Durch diese Angriffe des Feindes sollten die Be­ziehungen zwischen Paulus und den Korinthern zerstört werden. Zum Teil war es dem Feind bereits gelun­gen.
Mit großer Liebe und Geduld wirbt Paulus um die Korinther. Er hatte mit großem Einsatz unter ih­nen gearbei­tet. Dann hatte er ihnen mit viel Herz und unter Gebet einen ers­ten Brief geschrieben. Jetzt schreibt er einen weiteren Brief. Und am Ende teilt er ihnen mit, dass er darauf hofft, dass sie ihn annehmen und erkennen, dass der Herr selbst durch ihn redet (s. 2. Kor 13,6).
Von dieser Hoffnung kann Paulus schreiben, weil er weiß, dass die Ko­rinther Leben aus Gott haben. Sie leben im Glauben, sie sind nicht un­bewährt. Daran knüpft Paulus seine Hoffnung (s. V. 5). Dabei klammert er sich im Gebet an Gott (s. V. 7a) und wünscht nur das Beste für die Korinther, ohne seine eigene Ehre zu suchen (s. V. 7).
Das sind auch für uns vier wichtige Punkte, wenn Schwierigkeiten in Be­ziehungen unter Gläubigen auftreten, ob in der Ehe, der Familie oder unter Glaubensgeschwistern.

  • Weil das neue Leben da ist, kön­nen wir auf Besserung hoffen. Das neue Leben will auf der Grundlage der Wahrheit Gottes nichts ande­res als Frieden. Das neue Leben liebt und deshalb sind gute Bezie­hungen möglich!
  • Im Gebet klammern wir uns an Gott und bitten Ihn um seine Unterstützung. Bei Ihm ist jede Kraft und Hilfe vorhanden, sodass selbst eine ausweglose Situation zu einem guten Ende gebracht wer­den kann. Es gibt bei Gott keine hoffnungslosen Fälle!
  • Wenn uns an einer guten Bezie­hung liegt, dann müssen wir von Herzen das Gute des Anderen su­chen.
  • Wenn wir wirklich Heilung wollen, dann ist kein Verlangen nach eige­ner Ehre in unseren Herzen.

Und wie ist es, wenn Ungläubige mit betroffen sind? Da gibt uns Petrus einige wichtige Lektionen am Bei­spiel einer Ehe, in der die Frau zum Glauben an den Herrn Jesus gekom­men ist und der Mann noch nicht.[1] Solchen Frauen stellt Petrus die Vorbilder aus dem Alten Testament vor. Sie setzten ihre Hoffnung auf Gott und Er half ihnen. Dabei blieben sie auf dem Platz, den Gott ihnen gegeben hatte und hörten nicht auf, das Gute zu wirken und einen Le­benswandel nach Gottes Gedanken zu führen. So wird auch in solchen Beziehungen die Hoffnung auf Gott gestärkt, der alles bewirken kann (s. 1. Pet 3,1-6).

Hoffnung in schwierigen Lebenssituationen

Gerade in den schwierigen Situatio­nen unseres Lebens brauchen wir die Hoffnung auf einen guten Aus­gang, unabhängig davon, welchen Bereich unseres Lebens die Schwie­rigkeiten betreffen.
Paulus ist uns darin ein gutes Bei­spiel. Auch in seinem Leben gab es große Schwierigkeiten, die ihn sogar ins Gefängnis und in Lebensgefahr brachten. Manchmal gab es aus menschlicher Perspektive keinen Aus­weg mehr. Doch immer wieder setzte er seine Hoffnung auf Gott! Er konn­te schreiben: „Wir vertrauen auf den Gott, der die Toten auferweckt, der uns von so großem Tod errettet hat und errettet, auf den wir unsere Hoffnung gesetzt haben, dass er uns auch ferner erretten wird“ (2. Kor 1,10).
Es geht in diesem Vers nicht um die Errettung der Seele, sondern um die tägliche Errettung aus den Gefah­ren auf dem Weg. Da hatte Gott ihn schon von so großem Tod er­rettet, aus Lebensgefahr und so­gar aus ei­ner Situation, in der die Menschen dachten, Paulus sei schon durch die Steinigung gestorben (s. Apg 4,19).
Aufgrund seiner Erfahrungen wurde Paulus im Glauben gestärkt und konn­te voller Zuversicht seine Hoffnung auf Gott setzen, der auch weiter seine Hilfe geben würde. Er hat ja alle Macht – eine Macht, die sogar Leben aus dem Tod hervorbringen kann.
Auf diesen Gott dürfen auch wir in allen Schwierigkeiten und Heraus­forderungen des Lebens unsere Hoff­nung setzen. Er wird helfen, indem Er unseren Glauben stärkt. Und zu seiner Zeit wird Er aus der Schwie­rigkeit her­ausführen.

Hoffnung im Blick auf die Zukunft im Himmel

Bei aller Ruhe und Gelassenheit, die uns die Hoffnung auf Gott in den ir­dischen Lebensumständen gibt, bleibt doch noch ein viel größeres Teil in Verbindung mit dem Begriff der Hoff­nung. Es ist die Erwartung der herrli­chen Zukunft im Himmel, die wir si­cher erreichen werden.
Paulus betet für die Epheser, dass sie erleuchtete Herzensaugen haben, um unter anderem zu wissen, welches die Hoffnung der christlichen Beru­fung ist (s. Eph 1,18). Haben wir sol­che Augen, die jetzt schon etwas se­hen von der herrlichen Zukunft, die vor uns liegt? Es ist eine Zukunft im Himmel und die Beschäftigung damit wird uns helfen, auf der Erde als sol­che zu leben, die zum Himmel gehö­ren.
Wir haben hier keine bleibende Stadt, keinen bleibenden Besitz, keine blei­bende irdische Freude. Aber wir er­warten eine Zukunft, die alles Ge­genwärtige in den Schatten stellt! Dabei lernen wir aus dem Neuen Testament, dass wir heute schon ge­segnet sind mit den geistlichen Seg­nungen, die wir auch in der Zukunft genießen werden. Dann wird es keine Ein­schränkung und kein Hindernis im Genuss dieser Segnungen mehr ge­ben. Aber etwas von der Freude, die wir dann völlig genießen wer­den, dürfen wir heute schon erleben, wenn wir uns nur mehr damit be­schäftigen!

Jeder, der diese Hoffnung zu Ihm hat ...

Diese Beschäftigung mit unserer herrlichen Zukunft wird unser Leben verändern. Wir werden andere Ziel­setzungen haben, wir werden andere Prioritäten setzen, wir werden das suchen, was droben ist und nicht das, was auf der Erde ist (s. Kol 3, 1.2). Wir werden Schätze im Him­mel sammeln, wenn diese Hoffnung le­bendig in unserem Leben ist. Wir wer­den ermutigt, um mit neuer und ge­stärkter Freude den Weg zu ge­hen, wenn wir über die Entrückung spre­chen und nachdenken (s. 1. Thes 4,18). Wir werden dann auch ange­spornt, den Menschen, die noch ohne Gott und ohne Hoffnung in der Welt sind, die gute Botschaft des Evangeliums zu sagen (s. 2. Kor 5,11).
Wir werden auch nicht unsere Hoff­nung auf vergängliche Dinge setzen. In einer Zeit, in der viele Dinge un­seres Lebens abgesichert zu sein scheinen, besteht die Gefahr, das doch zu tun. Doch das ist gefährlich! Die Reichen, die scheinbar alles ha­ben, was sie brauchen, werden auf­gefordert, eben nicht auf den Reich­tum, das Geld und die irdischen Din­ge zu vertrauen, sondern auf Gott (s. 1. Tim 6,17).
Wie nötig ist es, immer wieder die­sen Blick zu haben, damit heu­te schon das Licht des Himmels auf unseren Lebensweg fällt.

… der reinigt sich selbst

Ein weiterer Aspekt wird von Johan­nes in seinem ersten Brief genannt. Wir werden einmal den Herrn Jesus sehen, wie Er ist. Dann werden wir Ihm gleich sein. Diese herrliche Zu­kunft prägt den Alltag insofern, als wir uns hier und heute reinigen! Wir möchten gerne jetzt schon rein sein, wie Er, der Herr Jesus, rein ist. Wir wünschen, Ihm schon heute mehr und mehr gleich zu sein. Er ist der Reine und Heilige. Wir müssen uns reinigen, weil wir immer wieder mit dem Schmutz der Sünde zu tun haben. Doch wir werden dazu durch die herrliche Zukunft angespornt, die vor uns liegt.
Der Gott der Hoffnung will uns mit Freude und Frieden erfüllen, damit wir in der Kraft des Heiligen Geistes überreich in der Hoffnung sind (s. Röm 15,13)!

nach einem Vortrag von Christian Rosenthal

Und nun, worauf harre ich, Herr?
Meine Hoffnung ist auf dich!
(Psalm 39,8)

Fußnoten:

  1. Dass ein Gläubiger keine Ehe mit einem Ungläubi­gen eingehen soll, liegt auf der Hand. Wie könnte eine solche Verbindung „im Herrn“ geschlossen werden (s. 1. Kor 7,39)? Aber es kann sein, dass in einer Ehe von Ungläubigen einer der Ehepartner zum Glauben kommt und der andere noch nicht. Um diesen Fall geht es hier.

Liebe – Motiv und Hilfsquelle in der Familie

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Über Liebe gibt es die unterschiedlichsten Gedanken und es ist wichtig, ein klares Verständnis darüber zu haben, was Liebe im biblischen Sinn ist. Darüber denken wir am Anfang des Artikels nach. In unseren Ehen, Familien und Beziehungen soll die Liebe das leitende Motiv sein. Das ist ein hoher Anspruch. Weil wir das neue Leben haben, sind wir in der Lage, das praktisch auszuleben – nicht in eigener Kraft, sondern in der Kraft des Heiligen Geistes.
Und wenn es in der Praxis trotzdem nicht so ist? Das ist sicher häufiger der Fall, als wir es uns wünschen. Dann gibt es mit Gottes Hilfe einen Ausweg, über den wir auch in diesem Artikel nachdenken wollen.

Liebe, nur ein gutes Gefühl?

Häufig hört man die Meinung, dass Liebe ein gutes Gefühl sei, das mit „Schmetterlingen im Bauch“ zu tun hat. Doch ist das alles? Was tun, wenn das Gefühl nicht vorhanden ist? Oder wenn es aufhört? Nicht zuletzt führt dieses falsche Verständ­nis von Liebe häufig zu Ehebruch und Ehescheidung. Das ist in Gottes Au­gen eine große Sünde! Was ist nun das richtige Verständnis von Liebe?
Im Neuen Testament werden ver­schiedene Worte für „Liebe“ benutzt. Zunächst beschreibt das Wort „agápē“ die göttliche Liebe, die ein­fach liebt, weil sie Liebe ist. Sie braucht im Ge­genstand der Liebe keinen Anknüp­fungspunkt, sie er­wartet auch keine Gegenliebe. Wie dankbar sind wir, dass wir diese Lie­be Gottes erfahren durften, als wir kraftlose Sünder und Feinde Gottes waren (s. Röm 5,8).
Dann wird das Wort „philia“ ge­braucht.[1] Es beschreibt eine Liebe, die im Gegenüber etwas Anziehendes, Liebenswertes findet. Zu dieser Lie­be werden wir besonders aufgefordert, wenn es um die Beziehungen in der Familie Gottes, um die Bruderliebe, geht. Wir lieben die Glaubensge­schwister, weil wir in ihnen Merk­male des neuen Lebens und der Wesens­züge Christi finden.
Schließlich gibt es in der griechi­schen Sprache noch das Wort „eros“ für die körperliche Liebe.[2] Für diese Art der Liebe hat Gott einen Rahmen gege­ben, in der sie ausgelebt und genos­sen werden darf. Es ist die Ehe zwi­schen dem einen Mann und der einen Frau!

Die Fähigkeit des neuen Lebens

Als wiedergeborene Christen ha­ben wir das neue Leben und sind des­halb fähig, zu lieben, wie Gott uns geliebt hat. Das zeigt Jo­hannes in seinem ersten Brief sehr deutlich. Das neue Leben, das uns geschenkt ist, liebt Gott, der es ge­geben hat. Und es liebt auch die Glaubensge­schwister, die ebenso aus Gott ge­boren sind.
Der Heilige Geist, der in uns wohnt, ist die Kraft des neuen Lebens. In dieser Kraft können wir lieben, wie der Herr Jesus uns geliebt hat. Das ist das neue Gebot, das Er selbst gegeben hat (s. Joh 13,34).
Wenn wir dabei an unsere Ehen und Familien denken, dann haben wir als Kinder Gottes einen großartigen Vor­teil! Wir sind in der Lage, unsere Ehe­partner mit dieser göttlichen Liebe zu lieben. Auch die Liebe zwischen Eltern und Kindern wird durch diese Liebe bestimmt.
Natürlich gibt es zwischen Ehepart­nern auch glückliche Gefühle und Empfindungen. Und manchmal gibt es auch „Schmetterlinge im Bauch“. Auch zu den Kindern besteht die na­türliche Liebe, die für die Mutter und auch für den Vater „normal“ ist.
Aber darüber hinaus lieben wir ein­ander mit dieser göttlichen Liebe und sind dadurch in der Lage, die Bezie­hungen in Ehe und Familie nach Got­tes ursprünglichen Ge­danken zu füh­ren. Obwohl durch die Sünde Feind­schaft und Hass in die Welt gekom­men sind, können wir in der Fähigkeit des neu­en Lebens und in der Kraft des Heili­gen Geistes in die Praxis umsetzen, was Gott ur­sprünglich wollte. Dar­über hinaus dürfen wir in unseren Ehen sogar ein Bild von Christus und seiner Ver­sammlung sein!

Schöpfung und Sündenfall

Wie hatte Gott den Menschen ur­sprünglich gemacht? Er hatte ihn in seinem Bild geschaffen, damit der Mensch zu seiner Ehre lebt. Auch hatte Er Mann und Frau geschaffen, damit sie füreinander da sind. Doch durch den Sündenfall ist eine Ent­fremdung eingetreten – sowohl zwi­schen Gott und dem Menschen als auch zwischen den Menschen selbst.
Diese Entfremdung ist in Christus überwunden! Die Kinder Gottes wer­den daran erkannt, dass sie Gerech­tigkeit tun und einander lieben (s. Jak 3,10).
Die Liebe, die Christen in ihren Be­ziehungen ausleben dürfen, ist also eine Liebe, die mehr ist als ein gutes Gefühl. Sie ist eine bewusste Willens­entscheidung und sie bezieht auch den Verstand und den Geist des Menschen mit ein. Und vor allem ist sie bestimmt durch die göttliche Liebe, zu der wir fähig sind, weil wir das neue Leben haben.

Die Bedeutung der Liebe

Wie wichtig die Liebe für den Men­schen ist, macht schon ein Experi­ment deutlich, das dem König Fried­rich II. zugeschrieben wird.[3] Es heißt, dass er herausfinden wollte, welches die Ursprache des Menschen ist und zu diesem Zweck gerade geborene Kinder von ihren Eltern getrennt habe. Er soll sie durch Pflegerinnen mit Nahrung und der nötigen Kör­perhygiene versorgt haben, jedoch keine Liebkosungen und keine Worte erlaubt haben. Das Ergebnis soll ge­wesen sein, dass alle Kinder trotz äußerlich guter Versorgung starben. Ohne Liebe, ohne Liebkosungen, ohne Zuwendung konnten sie nicht über­leben.
Als wiedergeborene Christen sind wir so dankbar für die Liebe Gottes, in der wir stehen. Und wir dürfen in unseren Beziehungen echte Liebe geben. Diese Liebe hat Interesse an dem Gegenüber, sie will ihn kennen­lernen und schätzt ihn. Diese Lie­be macht uns bereit, uns zu öff­nen und uns von dem, den wir lieben, ken­nenlernen zu lassen (s. 1. Thess 2,8). Diese Offenheit ist eine wichtige Vor­aussetzung für eine gute Bezie­hung. Die Liebe ist Voraussetzung für das Vertrauen, welches dafür nötig ist. Sie orientiert sich an dem, was Gott getan hat. Schon im Alten Testament lesen wir von seiner Liebe zu seinem Volk. Wie viel mehr kennen wir heu­te von sei­ner Liebe, weil sie sich vollkommen am Kreuz von Golgatha gezeigt hat .
Unseren Kindern müssen wir unbe­dingt diese bedingungslose Liebe erweisen. Sie wird sich nicht in jeder Situation auf die gleiche Art und Weise zeigen. Auch Erziehung und Züchtigung geschehen ja aus Liebe!
Aber niemals sollte in unseren Kin­dern der Gedanke aufkommen, dass sie sich die Liebe der Eltern durch ein bestimmtes Verhalten erkaufen müs­sen. Das würde ihnen in ihrer Ent­wicklung zum Schaden sein – zu ei­nem Schaden, der sich sogar auf die gelebte Gemeinschaft mit Gott aus­wirken kann. Göttliche Liebe liebt eben ohne Bedingungen. Aber sie wird auch nicht ohne Antwort blei­ben!

Und wenn es mit der Liebe nicht klappt?

Leider sind wir im Alltag unseres Fa­milienlebens oft von diesem „Ideal“ entfernt. Das Lesen in der Bibel kommt zu kurz, das gemeinsame Ge­bet fällt aus. Dann ist es kein Wunder, dass die Liebe erkaltet. Es gibt auch viele Einflüsse in unserer Umgebung, die unsere Beziehungen in Ehe und Familie belasten und die Liebe ersti­cken wollen. Was ist dann zu tun, wenn es in unseren Beziehungen nicht so ist, wie es sein sollte?
Es ist wichtig, die traurige Situation zu erkennen und im Licht Gottes richtig zu bewerten. Doch dabei dür­fen wir nicht stehen bleiben. Sonst drehen wir uns im Kreis und es wird sich nichts ändern. Ein Wechsel der Perspektive ist erforderlich!

Der Blick auf die Liebe Gottes

Schon im Propheten Maleachi zeigt Gott uns den richtigen Ausweg. Wo­mit beginnt Er diesen letzten Appell des Alten Testamentes an sein irdi­sches Volk? Er stellt ihnen seine Liebe vor: „Ich habe euch geliebt“ (s. Mal 1,2)!
Übertragen wir das auf uns, dann rich­ten wir unseren Blick auf das Kreuz von Gol­gatha. Dort ist die Liebe Gottes in der klarsten und deutlichsten Weise sichtbar gewor­den. „Hieran haben wir die Liebe erkannt, dass er für uns sein Leben hingegeben hat“ (1. Joh 3,16).
Ganz persönlich dürfen wir diese Liebe für uns annehmen und glück­lich sagen, dass der Sohn Gottes „mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben“ hat (Gal 2,20). Ein tiefer Friede wird dann in unser Herz kommen. Wir wissen, dass wir teuer und wertvoll sind in den Augen des Herrn und dass Er uns lieb hat (s. Jes 43,4). Bei diesem Blick auf unseren Gott und seine Liebe erken­nen wir auch, dass Er alle Macht hat und dass sein Plan sich erfüllen wird.
Das dürfen wir auch für unsere Be­ziehungen in Anspruch nehmen. In uns haben wir keine Kraft, aber Gott hat alle Macht, damit auch in unse­ren Ehen und Familien sein Plan erfüllt werden kann. Dass wir als Männer unsere Frauen lieben, wie Christus die Versammlung geliebt hat. Dass die Frauen ihre Männer lieben und sich ihnen un­terordnen. Dass Liebe der Eltern zu den Kindern da ist und umgekehrt.
Gott wird uns helfen, seine Liebe in unseren Bezie­hungen zu leben. Und bald wird Er kommen und uns in das Haus seines Vaters bringen. Dort werden wir für immer die ewige, göttliche Liebe genießen! Glaube und Hoffnung hören dann auf. Aber die Liebe bleibt!

"Auf Golgatha ist die Liebe Gottes in der klarsten und deutlichsten Weise sichtbar geworden"

nach einem Vortrag von Waldemar Reizenstein und Hartmut Rotert


Fußnoten:

  1. Als Hauptwort kommt „philia“ nur einmal im NT vor, nämlich in Jakobus 4,4 (in der Elberfelder Über­setzung Edition CSV Hückeswagen mit „Freund­schaft“ übersetzt). Als Tätigkeitswort „phi­leo“ kommt es häufiger vor.

  2. Dieses Wort kommt in der Bibel an keiner Stelle vor.

  3. Ob dieses Experiment tatsächlich durchgeführt wur­de, ist nicht zweifelsfrei erwiesen und umstrit­ten.

Kinder erziehen oder Kinder überfordern

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Kürzlich beobachtete ich auf einem Marktplatz Eltern, die dort mit ihrem kleinen Sohn im Alter von etwas mehr als einem Jahr Rast machten. Sie hatten Backwaren gekauft und machten ein Picknick.
Der kleine Junge saß kaum auf der Bank, als er schon wieder aufsprang und weglief. Nachdem die Eltern ihn wieder zurückgeholt hatten, nahm er ein Stück von seinem Brötchen – und schon war er wieder weg. So ging es einige Male.
Nach einer gewissen Zeit fragte die Mutter, ob der Junge noch etwas essen wolle. Die Antwort war ein kurzes Nein und schon war der Kleine wieder unterwegs. Doch kurz darauf war er wieder da und verlangte nach seinem Brötchen. Die Mutter beklagte sich mit dem Vorwurf, dass der Junge sich einfach nicht entscheiden könne, was er denn eigentlich möchte – essen oder nicht. Sie hatte gar nicht erkannt, dass der Junge dazu überhaupt nicht in der Lage war. Was ihm geholfen hätte, das wäre eine Mutter gewesen, die ihn liebevoll und deutlich dazu angehalten hätte, zuerst das Nötige zu essen, bevor es zur nächsten Aktion geht. Dabei ist es die Mutter, die weiß, was das Nötige ist. Der kleine Junge war – seinem Alter entsprechend – noch gar nicht in der Lage, das richtig zu erkennen.
In einer Zeit, die zunehmend durch Erziehungsunsicherheit geprägt ist, rufen wir uns neu in Erinnerung, dass Kinder tatsächlich Erziehung nötig haben. Sicher ist das Ziel dabei, dass Kinder zu jungen Erwachsenen werden, die ein selbständiges Leben mit dem Herrn Jesus führen können. Dabei dürfen wir aber nicht vergessen, dass wir sie durch zu viele Freiräume völlig überfordern können. Die Größe dieser Freiräume wird sich mit dem Alter der Kinder ändern. Doch wenn wir ihnen zu früh zu viel zur Entscheidung überlassen, dann sind wir unseren Kindern keine Hilfe, dann schaden wir ihnen und kommen unserer Verantwortung zur Erziehung nicht nach.

Christian Rosenthal

"Und ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn, sondern zieht sie auf in der Zucht und Ermahnung des Herrn."
(Ephesser 6,4)

Glaube – praktiziert in der Familie

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Familie, ein Ort des Segens – unter dieser Überschrift konnte auch in diesem Jahr wieder eine Konferenz im Begegnungszentrum am Erikasee in Laubusch stattfinden. Der erste Tag war ausgefüllt durch drei Vorträge mit ergänzenden Beiträgen zu den Themen Glaube, Hoffnung und Liebe. Die Kerninhalte dieser Vorträge sind in den folgenden Artikeln zusammengefasst. Am zweiten Tag wurde das dreizehnte Kapitel des ersten Korintherbriefes betrachtet. Ein Artikel dazu ist für das nächste Heft vorgesehen.
Während dieser Zeit gab es viele Impulse aus Gottes Wort und aus dem Austausch miteinander. Einige davon sollen auch den Lesern von „Bleibt in mir“ zugänglich gemacht werden. Vielleicht ist es ja für einige Leser ein Ansporn, diese Konferenz künftig auch zu besuchen.
Weitere Informationen finden sich auf der Webseite www.laubusch-am-erikasee.de. Unter der Rubrik „Veranstaltungen“ findet man unter „Bibelkonferenz – Sommer“ sowohl nähere Informationen zur Konferenz als auch weitere Unterlagen zu den drei Vorträgen vom ersten Konferenztag.

Gelebter Glaube und geschätztes Glaubensgut

Der erste der drei Begriffe aus dem letzten Vers in 1. Korinther 13 ist der Begriff „Glaube“. Der eigentliche Be­griff meint, eine Person oder eine Sache für wahr halten. Das führt uns direkt zum Kern dessen, was unser Christenleben ausmacht. Wir sind völ­lig überzeugt von dem, was Gott sagt, obwohl wir es nicht sehen. Wir hal­ten es für wahr, weil Gott absolut ver­trauenswürdig ist!
Wir halten für wahr, was Er über uns als natürliche Menschen sagt und erkennen uns als verlorene Sünder. Wir halten das für wahr, was Er über die Rettung in dem Herrn Jesus sagt. Wir glauben an den Herrn Jesus, der für unsere Sünden starb. Das ist der rettende Glaube! Aber wir halten auch alles, was Gott uns darüber hin­aus in seinem Wort mitgeteilt hat, für wahr. Denn der, der es uns gesagt hat, ist unseres Vertrauens absolut wert und würdig. So stützen wir uns im Glauben auf seine Verheißungen, wir sind aber auch gehorsam seinem Wort gegenüber. Im Glaubensgehor­sam nehmen wir sein Wort an und befolgen es (s. Röm 1,5; 16,26).

Glaube, der rettet

Der persönliche Glaube eines Men­schen ist die Grundlage für seine Beziehung zu Gott. Ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu nahen (s. Heb 11,6) und durch Glauben werden wir gerechtfertigt, nicht aus Werken (s. Gal 2,16).
Das entspricht auch der Antwort von Paulus auf die Frage des Gefängnis­aufsehers in Philippi. Dieser Mann hatte erkannt, dass er verloren war. Er wusste genau, dass er Hilfe brauchte. Und er fragt, was er tun muss, um errettet zu werden. Die Antwort von Paulus ist so einfach und so klar: „Glaube an den Herrn Jesus, und du wirst erret­tet wer­den“ (Apg 16,31). Das ist das ein­zige, was ein Mensch „tun“ kann und letztlich ist selbst dieser Glaube ein Geschenk Gottes (s. Eph 2,8).
Das nimmt jedoch nichts weg von der Verantwortung, die jeder Mensch hat, dem Aufruf Gottes zur Buße und zum Glauben an den Herrn Jesus zu folgen. Diese ernste Verantwortung müssen wir unseren Kindern unbe­dingt vorstellen und ihnen einerseits die Liebe Gottes und andererseits die schrecklichen Konsequenzen des Un­gehorsams gegenüber dieser Auffor­derung Gottes vorstellen. Dabei spornt uns an, was Paulus in Apo­stelgeschichte 16,31 weiter sagt: „… du und dein Haus.“
Gott will ganze Häuser retten! Das macht schon die Geschichte Noahs deutlich. Und auch in der heutigen Zeit ist es für Gott ein großes Anlie­gen, ganze Häuser zu retten. Dazu ist na­türlich der persönliche Glaube je­des Einzelnen nötig. Im Haus des Gefäng­nisaufsehers in Philippi wurde auf die­sem Weg das ganze Haus ge­rettet!

Glaube, der erprobt wird

Diese Rettung ist der Anfang des Glaubensweges, der schließlich an das Ziel im Himmel führt, wo der Glaube durch das Schauen ab­gelöst wird. Auf diesem Weg braucht der Glaube immer wieder Stärkung durch das Wort Gottes, durch die Gemein­schaft mit Gott im Gebet und auch durch die Gemein­schaft mit Glau­bensgeschwistern.
Doch manchmal kommen echte Glau­bensproben, denn der Weg des Glau­bens ist nicht immer einfach. Aber es ist ein Weg, auf dem wir nie­mals ohne Hilfe sind. Die Hilfsquel­len er­schließen wir uns durch den Glauben! Drei grundsätzliche Punkte können uns helfen, Glaubensprüfungen aus­zuhalten:

  • Wenn Gott den Glauben erprobt, dann hat Er immer nur gute Ab­sichten. Das erkennen wir oft nicht sofort, aber im Glauben halten wir daran fest (s. Heb 12,10b.11).
  • Die Prüfung bringt Training im Glauben, Ausharren wird gefördert und wir kommen zur Ruhe bei Gott, mit dem uns der Glaube verbindet (s. Jak 1,2-4).
  • Der durch Erprobung bewährte Glaube wird einmal zu Lob und Herrlichkeit und Ehre für den Herrn Jesus sein, wenn Er sichtbar er­scheint (s. 1. Pet 1,7). Das ist eine großartige Perspektive!

Glaube, der sich im täglichen Leben beweist

Wie gehen wir nun mit solchen Glaubensprüfungen um? Wie zeigt sich der Glaube in den Herausforde­rungen des Alltagslebens? Wie kann es uns gelingen, trotz Schwierigkeiten den Glaubensweg weiter zu gehen und dabei immer noch Frieden im Herzen zu haben und Freude im Herrn Jesus?
Es kann uns gelingen, wenn wir den Glaubensblick fest auf Gott gerich­tet halten, im Gebet den Kontakt zu ihm halten[1] und dabei ein „Ja“ fin­den zu seinen Wegen. Wenn wir das, was uns begegnet, aus Gottes Hand annehmen, wird die Situation noch nicht anders, aber wir können anders mit der Situation umgehen. Wir de­mütigen uns unter Gottes mächtige Hand und werden erleben, wie Er uns hilft. Dabei dürfen wir alle Sorgen auf Ihn werfen (s. 1. Pet 5,6.7).
Besonders in solchen Prüfungszei­ten finden wir Ermutigung in Gottes Wort. Darin finden wir so viele Zusa­gen Gottes, der uns gerade in sol­chen Zeiten nahe ist und uns stärkt. Dort gibt es auch viele Beispiele von Glaubensmännern und Glaubensfrau­en, die uns anspornen.
Mit dem Wunsch, dass Gott durch unseren Glauben geehrt wird, halten wir fest an seinen guten Absichten und werden Schritt für Schritt seine Hilfe erleben. Entweder darin, dass Er uns aus der Not herausführt, oder darin, dass Er uns immer wieder Kraft und Ermutigung gibt.

Eine besondere Art von Glaubensprüfungen

Eine besondere „Glaubensprüfung“ für unsere Ehen und Familien be­steht darin, dass die Gesellschaft, in der wir leben, immer weniger Gottes Gedanken kennt und entsprechend lebt. Da stellt sich uns die Frage, ob wir Festigkeit haben im Blick auf das, was Gott sagt.
Wir brauchen eine feste Glaubens­überzeugung davon, dass nach Got­tes Gedanken eine Ehe zwischen einem Mann und einer Frau be­steht und auf Lebenszeit Gültig­keit hat. Dass Gott in einer Ehe Kin­der schenken will und wir das nicht durch eine egoistische und eigenwil­lige Lebensplanung verhindern sollen. Dass Kinder in der Zucht und Ermah­nung des Herrn auferzogen werden sollen. Und dass der Mann in der Ehe und Familie das Haupt ist.
Diese Gedanken Gottes müssen wir kennen und mit seiner Hilfe in den Alltag unserer Ehen und Familien um­setzen. Dann können unsere Häu­ser wirklich Orte des Segens sein!

Glaube, der einen Inhalt hat

Es ist tatsächlich eine herrliche Sa­che, im Glauben unseren Weg zu gehen und Gott in den täglichen Lebenssituationen zu erleben. Doch es gibt noch einen anderen Aspekt, den wir nicht vergessen wollen. Wenn wir unsere Glaubenshand zu Gott hin ausstrecken, dann legt Er auch etwas hinein – die Glaubenswahr­heiten, die Glaubensinhalte und das Glaubensgut.
Es sind die Dinge, die Gott uns ge­schenkt hat. In dem Herrn Jesus sind sie unser bleibender Besitz und im Wort Gottes werden sie uns er­klärt. Durch den Heiligen Geist, der in uns wohnt, können wir sie verstehen und genießen.
Es geht um unsere Stellung vor Gott als seine Kinder und Söhne, es geht um den Ratschluss Gottes, der Chris­tus und seine Versammlung zum Mittelpunkt hat, es geht um die herrliche Zukunft der Glaubenden und um viele Glaubensinhalte mehr, die uns in der Bibel mitgeteilt sind. Kennen wir diese Glaubensinhalte?
Nehmen wir uns Zeit, sie immer mehr zu erforschen und immer bes­ser zu verstehen! Dann werden sie auch mehr Bestandteil unseres Le­bens und wir werden Freude darin haben. Das ist ein Genuss, den wir heute schon kennen dürfen und den wir im Him­mel immer noch haben werden. Es ist eine Freude von besonderer und bleibender Qualität!

Glaube, der zum Schauen führt

Wenn wir auch heute noch durch Glauben leben, so wird sich das in der Zukunft einmal ändern. Bald kommt der Herr Jesus zur Ent­rückung. Dann wird Er unseren Körper der Niedrigkeit umgestalten „zur Gleich­förmigkeit mit seinem Leib der Herr­lichkeit“ (Phil 3,21). Dann werden wir in der Lage sein, Ihn zu sehen wie Er ist. Dann wird der Glaube durch das Schauen abgelöst. Wir werden für immer bei Ihm sein und uneinge­schränkt alles genießen, was wir heu­te schon durch Glauben besitzen.

nach einem Vortrag von Friedhelm Runkel


Fußnoten:

  1. Es kann auch einmal Situationen geben, in denen wir keine Kraft mehr haben, in der Bibel zu lesen oder zu beten. Dann ist es gut, zu wissen, dass an­dere für uns beten und uns in der rechten Weise mit einem passenden Bibelwort zu Hilfe kommen. Der Heilige Geist verwendet sich für uns und der Herr wird uns auch dann nicht verlassen und uns wieder herausführen. Solche Situationen sind je­doch deutlich zu unterscheiden von der Trägheit, in der wir nicht bereit sind, die Energie aufzuwenden, aktiv zu Gott zu gehen. Diese Trägheit müssen wir überwinden! Auch dabei wird der Herr uns helfen.

Ein Notruf der Schwestern aus Bethanien:

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„Herr, siehe, der, den du lieb hast, ist krank.“
(Johannes 11,3)

Die Situation im Haus der Martha wiederholt sich auch heute noch in den Häusern so mancher Kinder Gottes. Da ist jemand krank, ernstlich krank … Verschiedene Ärzte sind konsultiert worden, aber die Behandlungen brachten nicht den gewünschten Erfolg. Im Gegenteil, oftmals ist eine Operation unumgänglich. Neben manchen Schmerzen empfindet der Betroffene seine Not auch als eine schwere seelische Belastung.
Und die ihm Nahestehenden leiden mit. Wie gern würden sie die Verhältnisse ändern, aber da ist vielfach nur noch das Empfinden tiefer Hilflosigkeit …

Sein Ohr: immer geöffnet

Wie gut ist es, dass Christen einen Ort kennen, wo sie die Last abladen können: beim Herrn!

Wirf Sorgen und Schmerz
ins liebende Herz
des mächtig dir helfenden Jesu.
Lied 3 aus „Geistliche Lieder“, Beröa-Verlag, CH-Zürich.

Genau das haben auch die Schwes­tern des erkrankten Lazarus getan.
Sie kannten den Herrn. Sie wussten um seine Allmacht. Wie oft war der Herr Jesus in ihr Haus eingekehrt – Er war ein gern gesehener Gast. Ma­ria hatte so vieles zu seinen Füßen sitzend gelernt. Ihr Herz gehörte ih­rem Herrn.
Und jetzt senden Martha und Maria einen Boten zum Herrn Jesus mit dem Hinweis: „Herr, siehe, der, den du lieb hast, ist krank“ (V. 3).
Sie wussten sich mit einer vollkom­menen Liebe geliebt. Das erübrigte auch jede weitere konkrete Bitte. Sie waren sich sicher: Er, der so vielen Kranken die Gesundheit wieder ge­schenkt hatte, würde sie nicht im Stich lassen, denn „Jesus liebte Mar­tha und ihre Schwester und Lazarus“ (V. 5).

Seine Hilfe: immer rechtzeitig

Aber seltsam: Der Herr Jesus macht sich nicht sofort auf den Weg. Er bleibt noch zwei Tage an dem Ort, wo Er war (s. V. 6).
Und genau das erleben wir auch heute noch! Wir haben unsere Bitten voll Vertrauen IHM vorgelegt. Wir haben aufrichtig gerungen und uns an Gottes Verheißungen geklammert. Und doch war zunächst keine Ände­rung unsere Lage erkennbar.
Dann dürfen wir uns aber daran er­innern lassen: Hilft Er nicht zu jeder Frist, hilft Er doch, wenn’s nötig ist! Deshalb wollen wir daran fest­halten: Der Herr Jesus verspätet sich nie!
Wie viele der Glaubensgeschwister könnten berichten, wie der Herr durch diese oder jene Not hindurch­getragen hat. Und wie seine Hilfe zwar nicht unbedingt „frühzeitig“, aber doch immer „rechtzeitig“ war (s. Heb 4,16). Denn wenn seine Hilfe nicht sogleich eintrifft, so hat Er sicher seine weisen Absichten damit.

Sein Herz: voller Mitgefühl

Zugleich zeigt der Herr Jesus wahres Mitgefühl, als Er tief im Geist seufzt und sich erschüttert (s. V. 33) und auf dem Weg zum Grab des Verstorbe­nen Tränen vergießt (s. V. 34).
Er ist dort in Bethanien am Grab sei­nes Freundes Lazarus der „Gott allen Trostes“ (2. Kor 1,3).
Hast du nicht auch schon in schwe­ren Augenblicken erleben dürfen, dass der Herr „voll innigen Mitge­fühls und barmherzig“ ist? (Jak 5,11). Er vermag dir auch heute als der vollkommen mitleidsvolle Hohepries­ter bei Gott das Bewusstsein seines Naheseins zu schenken und dich „zu trösten wie einen seine Mutter trös­tet“ (Jes 66,13; s. auch Heb 4,15; Mt 28,20).
Denke daran: Alles muss zu dei­nem Nutzen ge­reichen – zum Gu­ten mitwirken (s. Heb 12,10; Röm 8,28)! Und du darfst bei allen Schwierigkei­ten Erfahrungen mit deinem Herrn machen. Erlebnisse, die du nie­mals gehabt hättest, wäre in deinem Leben immer alles „glatt“ verlaufen.

„Du darfst bei allen Schwie­rigkeiten Erfahrungen mit deinem Herrn machen – Erlebnisse, die du niemals gehabt hättest, wäre in deinem Leben immer alles „glatt“ verlaufen.“


Sein Eingreifen: zu Gottes Ehre

Was hatte der Herr den Schwestern ausrichten lassen? „Diese Krankheit ist nicht zum Tod, sondern um der Herrlichkeit Gottes willen, damit der Sohn Gottes durch sie verherrlicht werde(V. 4). Ja, alles muss doch letztlich zur Verherrlichung Gottes ausschlagen. Gott möchte sich hier und heute auch in deinen Umstän­den verherrlichen!
Und wie ist doch in der Geschichte des Lazarus alles zur Ehre des Herrn Jesus ausgeschlagen! Denn schlus­sendlich war die Krankheit doch nicht zum Tod: Jesus, der Fürst des Lebens, zeigte sich als der, der die Aufer­stehung und das Leben“ ist (V. 25): Er rief mit lauter Stimme über die Grabstät­ten von Bethanien: „Laza­rus, komm heraus!“ Und – der Ver­storbene kam her­aus … (V. 43.44).
Und viele von den anwe­senden Juden, die das sa­hen, „glaubten an Ihn“ (V. 45).

Seine Zusagen: immer zuverlässig

Wenn wir auch die „glückselige Hoffnung“, die Wiederkunft des Herrn Jesus, in unseren Herzen fest­halten dürfen, so muss vielleicht doch der eine oder andere noch durch den Tod gehen. Aber welch eine kostbare Zusage finden wir in unserem Kapitel!
Der Herr Jesus versichert, „wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt … Glaubst du dies?“ (V. 25. 26).
Jeder, der glaubt: „Herr Jesus, du bist auch für meine Sünden am Kreuz von Golgatha gestorben“, darf dieses Wissen haben: „Weil ER lebt, werde auch ich leben!“ (s. Joh 14,19).
Unsere Begebenheit zeigt in beein­druckender Weise, dass der gebie­tende Ruf des Herrn „Lazarus, komm heraus“ ge­nügt – und der, dessen Körper schon in Verwesung überge­gangen war, verlässt die Grabstätte (V. 44).
Wenn der Herr Jesus heute wieder­kommt, werden ebenso alle Gläubi­gen, die in den Gräbern sind, die Stimme des Sohnes Gottes hören und zwar zur Auferstehung des Lebens (s. Joh 5,28.29).

Unsere Antwort: Lob und Dank

Einige Zeit später bezeugt Maria ihre tiefe Dankbarkeit dem Herrn gegenüber, indem sie mit „einem Pfund von echter, sehr kostbarer Narde“ die Füße des Herrn Jesus salbt (Joh 12,3). Damit bezeugt sie gleichsam: „Herr Jesus, das bist Du mir wert.“
Das ist auch Gottes Ziel mit dir: Du wirst aufgrund der Erfahrungen mit Ihm Ihn mehr lieben und Ihm – nicht zuletzt bei Ihm in der Herrlichkeit – ganz bestimmt die Anbetung deines Herzens dafür bringen, dass Er auch in deinem Leben keinen Fehler gemacht hat.

Friedhelm Müller

Der Herr ist mein Helfer, und ich will mich nicht fürchten…
(Hebräer 13,6)

Und es geht doch!

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Im letzten Heft haben wir uns mit der Verantwortung des Mannes beschäftigt, seiner Frau in der rechten Weise zu Hilfe zu kommen, damit Gottes Gedanken über die geistliche Ordnung in der Ehe verwirklicht werden können.[1] Wir haben dabei auch festgestellt, dass diese geistliche Ordnung nicht ohne Einfluss auf das Zusammenleben als Eheleute und den äußeren Zustand des Haushalts bleiben wird.
Vielleicht hat manche Christin beim Lesen dieses Artikels aber auch gedacht: „Ich möchte ja in unserer Ehe meinen Platz nach den Gedanken Gottes wirklich gerne einnehmen. Aber bei so einem Mann wie dem meinen ist das unmöglich!“
Leider ist es so, dass manche Männer es ihren Frauen sehr schwer machen, die Gedanken Gottes über die Stellung der Frau in der Ehe täglich neu zu verwirklichen. Wie eine Frau dies trotz des Versagens ihres Mannes schaffen kann, zeigt uns das Beispiel Abigails.

Unterschiedlich wie Tag und Nacht

Beim Lesen des biblischen Berichts in 1. Samuel 25 hat sich vielleicht schon Mancher die Frage gestellt, wie zwei so unterschiedliche Men­schen wie Nabal und Abigail über­haupt je heiraten konnten.
Auf der einen Seite Abigail, deren Name im Deutschen „mein Vater ist Freude“ bedeutet. „Und die Frau war von guter Einsicht und schön von Gestalt“ (V. 3). Gut aussehend, intel­ligent und weise. Dieses Zeugnis gibt ihr Gottes Wort.
Auf der anderen Seite der sehr reiche Nabal, ein egoistischer und überheb­licher Mann, der sich bisweilen sehr gehen lässt und dabei so viel Alko­hol trinkt, dass er nicht mehr Herr seiner Sinne ist. Sein Verhalten macht für jeden deutlich, wie treffend sein Name ist, denn Nabal bedeutet über­setzt „Tor“ oder „gemeiner Mensch“. „Denn wie sein Name, so ist er: Nabal ist sein Name, und Torheit ist bei ihm“, muss seine eigene Frau über ihn sagen (V. 25).

Versagen trotz bester Voraussetzungen

Dabei stammte Nabal von Kaleb ab, einem der beiden Kundschafter, die das dem Volk Israel von Gott verhei­ßene Land zusammen mit zehn an­deren Männern ausgekundschaftet hatten, und treu an den Zusagen Gottes festhielten, als das ganze Volk angestachelt von den zehn anderen Kundschaftern gegen Gott rebellierte. Einem Mann, der selbst im hohen Alter noch tatkräftig voranschritt, um das Land Kanaan in Besitz zu neh­men und die drei Söhne Enaks aus Hebron vertrieb (s. Ri 1,20).
Doch der Glaube und die Treue der Eltern und Großeltern sind kein sanf­tes Ruhekissen, auf dem wir es uns bequem machen können. Davon gibt Nabal uns ein Beispiel. Be­sonders als Männer wollen wir uns deshalb nicht damit zufrieden geben, errettet zu sein, sondern da­nach streben, mit der Hilfe des Herrn gerade in der Ehe Täter des Wortes Gottes zu sein (s. Jak 1,22).

Ausharren in widrigen Umständen

Wir könnten gut verstehen, wenn Abigail sich in dieser Situation über ihren Ehemann beschweren und in Selbstmitleid ergehen würde. Doch sie nutzt das Versagen ihres Mannes nicht als Vorwand, es selbst mit der Verwirklichung der Gedanken Gottes nicht so genau zu nehmen. Abigail lehnt sich nicht gegen ihren Mann auf, sondern harrt in den Umständen aus, in die Gott sie gestellt hat. Sie ist Nabals Frau und sie ordnet sich ihm trotz seines Versagens unter.

Eine vertrauenswürdige Frau

Nabal besaß ein Anwesen in Karmel, ihm gehörten große Herden an Scha­fen und Ziegen, dazu das Weide­land und die Flächen für den Acker­bau (s. V. 2). Er beschäftigte zahlrei­che Knechte und Mägde. Die Verwal­tung und Führung seines Besitzes er­forderte sicher einiges an Kraft und Weisheit. Wie es scheint, hat ihn seine Frau Abigail dabei tatkräftig unterstützt.
Auf jeden Fall hatten die Knechte Vertrauen zu ihr. Denn als Nabal sich, sein ganzes Hab und Gut so­wie das Leben seiner Knechte durch seine Grob­schlächtigkeit und seinen Ei­gensinn in große Gefahr bringt, zö­gert einer der Knechte nicht, sich an Abigail zu wenden. Obwohl er mit der Frau seines Herrn spricht, fürchtet er sich nicht, die Dinge beim Namen zu nennen.
Und er traut ihr offensichtlich die Lösung des Problems zu: „Und nun wisse und sieh zu, was du tun willst; denn das Unglück ist beschlossen gegen unseren Herrn und über sein ganzes Haus; und er ist ein solcher Sohn Belials, dass man nicht mit ihm reden kann“ (V. 17).
Auch aus dem Vertrauen dieses Knechtes, der ein klares, zutreffen­des Urteil über das Verhalten Nabals hatte, können wir wertvolle Impulse für die Situation in den Familien heute ableiten. Dabei müssen wir aber vorsichtig sein, denn Kinder sind keine Knechte. Nicht nur kleinere Kinder müssen erst noch lernen, sich ein eigenständiges Urteil zu bil­den. Dabei sind sie auf die Unter­stützung der Eltern angewiesen.
Wenn sich ein Mann in seiner Ehe und Familie so benimmt wie Nabal, ist es für die Kinder besonders wich­tig, zu wissen, dass sie sich mit al­lem an ihre Mutter wenden können. Kinder brauchen je­manden, dem sie vertrauensvoll alles sagen können, was ihre Herzen bewegt, und bei dem sie Hilfe für die Lösung ihrer kleinen und großen Probleme su­chen können.
Dieses Vertrauen werden die Kinder nur schwer aufbauen, wenn ihre Mutter selbst auch immer nur auf den Ehemann und Vater schimpft, sich über die schlimme Lage beklagt und durch ihr Reden die Kinder viel­leicht sogar noch gegen den Vater aufstachelt.
Wobei die Herausforderung für die Mutter in einer solchen Situation noch viel weiter geht als nur, die Kinder nicht gegen den Vater aufzu­stacheln. Denn die Gefahr ist groß, die ohnehin schon vorhandene Ent­fremdung zwischen dem Vater und den Kindern noch zu vergrößern und die Kinder auf die eigene Seite zie­hen zu wollen. Eine geistliche Mutter wird deshalb mit des Herrn Hilfe versuchen, die Beziehung zwischen dem Vater und den Kindern zu för­dern, damit sich das Herz der Kinder dem Vater und das Herz des Vaters den Kindern zuwendet (s. Mal 3,24).
Dass das eine Aufgabe ist, die menschliche Weisheit und Fähigkeit übersteigt, ist dem Verfasser sehr wohl bewusst. Wir dürfen bei alle­dem aber auch nicht übersehen, dass in unserer Zeit nur die wenigsten Si­tuationen (wenn überhaupt) so gra­vierend sein werden wie die bei Nabal und Abigail.

„Kinder brauchen jemanden, dem sie vertrauensvoll alles sagen können, was ihre Herzen bewegt.“


Eine umsichtige Frau

Als Abigail hört, was der Knecht ihr berichtet, zögert sie keinen Moment. Sie erkennt die Gefahr, in der sich Nabal und die Knechte befinden. Deshalb lässt sie sofort etliche Le­bensmittel und Wein zusammen­stellen, um sie zu David zu senden und so, wenn möglich, dessen Zorn ab­zuwenden und damit das Leben ihres Mannes und der Knechte zu retten.
Die Tatsache, dass die Schafe schon als Speise zubereitet waren, deutet daraufhin, dass Abigail „die Speise für ihr Haus und das Tagewerk für ihre Mägde“ bestimmt hatte, so wie es in Sprüche 31,15 von der tüchtigen Frau gesagt wird.
Das Versagen des Mannes kann es einer Frau sehr schwer machen, sich hingebungsvoll um ihren Haushalt zu kümmern. Nicht sel­ten fehlt ihr dann irgendwann die Kraft und Energie für Ordnung im Haus oder in der Wohnung zu sorgen.
Doch es ehrt den Herrn und ist zum Segen der ganzen Familie, wenn sie sich in ihrem Herzen und in ihrer Seele nicht niederdrücken lässt, sondern sich dennoch liebevoll um das Wohlergehen der Kinder und ihres Mannes kümmert. Das kann und wird einer durch das Versagen ihres Mannes geübten Schwester nur mit der Hilfe des Herrn gelin­gen, um die sie ihn aber auch jeden Tag neu bitten darf.

Eine mutige Frau

Abigail schickt David ihre Knechte nicht alleine entgegen. Wir können uns die Furcht der Knechte gut vor­stellen, mit der sie loszogen. Sie hat­ten ja erlebt, was für kampferprobte und furchtlose Männer David und seine Leute waren. Und woher sollte der wutentbrannte David wissen, dass sie kamen, um seinen Zorn zu beschwichtigen, indem sie ihm das brachten, was ihm und sei­nen Männern für ihre Dienste zustand. Dass Abigail ihnen folgte und ihnen den Rücken stärkte, wird die Knechte ermuntert haben.
Ist der Vater eigensinnig und rück­sichtslos, ist das für die Kinder eine große Belastung, die sie leicht mutlos werden lassen kann. Dann ist es wichtig, dass die Mutter ihnen zur Seite steht, ihnen hilft, sie lobt und anspornt.
Doch auch hierbei ist Vorsicht gebo­ten: Nur weil der Ehemann und Vater in der Erziehung konsequent ist oder Wert darauf legt, dass die Eheleute auch Zeit füreinander oder für andere Aufgaben behalten und die Kinder nicht zu sehr in den Mittel­punkt gestellt werden, handelt er noch lange nicht eigensinnig oder gar rücksichtslos.

Eine gottesfürchtige Frau

Es mag so aussehen, als handele Abigail unabhängig und gegen die Interessen ihres Mannes, weil sie ihrem Mann Nabal nicht sagt, was sie tun will. Doch was bleibt ihr in dieser Situation anderes übrig?
Will sie das Leben ihres Mannes und ihrer Knechte retten, so bleibt jetzt keine Zeit für Diskussionen. Abigail ist klar, dass sie ihren Mann weder umstimmen noch ändern kann. Trotz­dem versucht sie alles, um das dro­hende Gericht von ihm abzuwenden.
Dabei fällt auf, dass Abigail noch einen weiteren Beweggrund hat. Sie weiß offensichtlich, dass David der von Gott bestimmte König über das Volk Is­rael ist. Vielleicht noch vor der Ret­tung ihres Hauses liegt ihr daran, dass David nicht Schuld auf sich lädt und dadurch in Verruf gerät (s. V. 30.31).

Eine selbstlose Frau

Als Abigail dann vor David steht, beschönigt sie das Versagen ihres Mannes nicht. Ganz im Gegenteil. Doch sie stellt sich nicht über Nabal und versucht, sich selbst ins rechte Licht zu rücken. Vielmehr macht sie sich eins mit ihrem Mann und nimmt die Verantwortung auf sich: „Ich, deine Magd, habe die Knaben mei­nes Herrn nicht gesehen, die du ge­sandt hast“ (V. 25). Und dann bittet sie um Gnade: „Vergib doch das Ver­gehen deiner Magd!“ (V. 28).

Eine treue Frau

Im Moment des drohenden Gerichts hatte Abigail nicht erst mit ihrem Mann gesprochen, sondern gehan­delt, wie es die Situation erforderte. Dass bedeutet aber nicht, dass Abi-gail hinter seinem Rücken handelte und Geheimnisse vor ihrem Mann hatte. Vielmehr ist sie bereit, ihm Rechenschaft abzulegen, sobald das Gericht abgewendet ist.
Doch als sie nach Hause kommt, ist Nabal sturzbetrunken. Darum schweigt Abigail zunächst und wartet geduldig, bis der Rausch verflogen ist. Erst dann berichtet sie Nabal alles, was geschehen ist. Als er hört, wie seine Frau das Gericht von ihm abgewen­det hat, erlöschen auch die letzten Empfindungen Nabals, die er viel­leicht noch für Abigail hegte. „Und sein Herz erstarb in seinem Innern, und er wur­de wie ein Stein“ (V. 37). Von diesem Moment an verhält er sich ihr ge­genüber so hartherzig wie ein Stein.
Doch trotz des gefühlskalten, lieblo­sen Verhaltens ihr gegenüber scheint Abigail sich auch jetzt noch ihrem Mann unterzuordnen und still auf den Herrn zu vertrauen. Jedenfalls berichtet Gottes Wort nichts über irgendeinen abfälligen oder richten­den Gedanken Abigails über ihren hartherzigen Mann.
Abigail hatte ihren Mann zwar aus der Hand Davids befreien können, aber vor dem gerechten Gericht Gottes kann sie ihn nicht be­wahren. Denn mit seiner Reakti­on vergibt Nabal auch die aller­letzte Chance zur Umkehr, nicht nur mit Blick auf sein abweisendes Ver­halten seiner Frau gegenüber, son­dern vor allem auch von seinen falschen Wegen in Bezug auf David. „Und es geschah ungefähr zehn Tage danach, da schlug der Herr Nabal, und er starb“ (V. 38).
Die Verantwortung für sein Versagen vor Gott muss der Mann selbst tragen. Doch wenn die Ehefrau mit einem liebevollen Herzen versucht, ihrem Mann trotz seines Versagens und der Beschwernisse, die er ihr und anderen damit verursacht, im Alltag hier auf der Erde beizustehen, wird Gott das nicht übersehen, sondern anerkennen.

Eine Frau, die warten kann

„Wenn der Herr meinem Herrn wohl­tun wird, so erinnere dich an deine Magd“, bittete Abigail David, als sie für ihren Mann eintritt (V. 31). Als David vom Tod Nabals erfährt, dankt er als erstes Gott dafür, dass Er ihn davor bewahrt hat, sich selbst Recht zu verschaffen, und ihm gezeigt hat, darauf zu warten, dass Gott für sei­nen Knecht eintreten wird.
Dabei vergisst er auch Abigail nicht, die Gott dazu als Werk­zeug in seiner Hand gebraucht hat.
Wir lesen nichts davon, dass Abigail in irgendeiner Form selbst aktiv ge­worden wäre. Wie es scheint, wartet sie nach dem Tod ihres Mannes auf die Führung Gottes und vertraut dar­auf, dass Er zur rechten Zeit das Richtige für sie tun wird.
Gott belohnt dieses Vertrauen! David wirbt um sie, um sie zu seiner Frau zu machen. Jetzt zeigt sich ein wei­terer schöner Zug bei Abigail. Sie bleibt demütig und beugt sich zur Erde nieder, als die Boten Davids zu ihr kommen.
Abigail denkt nicht an den Luxus, in dem sie als Königin leben kann, son­dern ist bereit, David in der Zeit sei­ner Flucht, in der er von den meis­ten verachtet ist, zu folgen. Zudem sieht sie ihre Pflicht, den Gästen Davids die Füße zu waschen, um ihnen die ihnen zustehende Ehre zu erweisen, aber auch, damit sie sich als Gäste Davids wohlfühlen.

Eine schwere Übung

Wir können uns gut vorstellen, dass es Abigail nicht leicht gefallen ist, ihren den Gedanken Gottes entspre­chenden Platz in der Ehe mit Nabal einzunehmen. Das hinderte sie aber nicht daran, es dennoch zu tun.
Wenn sich ein gläubiger Mann in seiner Ehe als ungeistlich erweist und seiner Verantwortung als Haupt der Frau nicht gerecht wird, ist das für seine Ehefrau eine schwierige Probe, wenn sie dem Herrn treu sein und ihre Stellung entsprechend den Ge­danken Gottes verwirklichen möchte.[2]
Fehlt es in einer solchen Situation an Glauben und Vertrauen, mag je­mand sagen: „Es mag gehen, aber es ist zu schwer.“ Eine Frau, die auf den Herrn vertraut und deren Vertrauen der Herr ist (s. Jer 17,7), darf dem gegenüber mit Glaubenszuversicht sagen: „Es mag schwer sein, aber es geht!“

Das dann auch wirklich umzusetzen und dem Beispiel Abigails nachzuei­fern, wird einer solchen Schwester nicht aus eigener Kraft gelingen. Doch mit diesem Wunsch im Herzen darf sie wissen, dass der Herr da­durch geehrt wird. Und der Herr, der ja nicht nur unser Äußeres sieht, sondern auch unsere Herzen, wird diese Treue und diesen Gehorsam seinem Wort gegenüber gewiss nicht unbelohnt lassen, sondern der Schwester in seiner Gnade segnend zu Hilfe kommen.

Stefan Busch


Fußnoten:

  1. „Wer Ordnung hält …“, erschienen in „Bleibt in mir“, Heft 3/2019, Seite 29.

  2. Es gibt natürlich auch den umgekehrten Fall, dass ein Mann sich alle Mühe gibt, seiner Verantwor­tung entsprechend seiner Stellung als Haupt der Frau und der Familie gerecht zu werden, aber die Frau nicht bereit ist, den ihr von Gott zugedachten Platz in der Ehe einzunehmen. Das wird für den Mann genauso eine schwere Probe sein, denn na­türlich ist er trotz der Auflehnung seiner Frau ge­halten, sie als seine ihm von Gott geschenkte Ehe­frau zu lieben (s. Eph 5,25).

Persönliche Worte (Frisch oder verwelkt?)

In unseren Breitengraden erleben wir in dieser Jahreszeit den Herbst. Da ha­ben wir buntes Laub vor unseren Augen, das vereinzelt und dann schließlich komplett von den Bäumen fällt. Das ist von unse­rem Schöpfer so gewollt und hat seinen Sinn.
Das Verwelken und Abfallen von Pflanzenblättern kann aber auch durch andere Gründe, wie zum Beispiel Wassermangel oder Krankheiten, bedingt werden.
Mit solchen Blättern werden die Sünder in Jesaja 64,5 verglichen. Ganz im Ge­gensatz dazu stellt Psalm 1 den Gläubigen vor, der sich vom Bösen fernhält:

"Und er ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit und dessen Blatt nicht verwelkt; und alles, was er tut, gelingt."


Der Psalmist nennt im vorherigen Vers die Eigenschaften eines solchen Gläubigen:

"Glückselig der Mann, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen und nicht steht auf dem Weg der Sünder und nicht sitzt auf dem Sitz der Spötter, sondern seine Lust hat am Gesetz des HERRN und über sein Ge­setz sinnt Tag und Nacht!"


Tag und Nacht über das Gesetz zu sinnen bedeutet für uns nicht, dass wir 24 Stunden am Tag die Bibel lesen sollen, sondern dass wir die Gele­genheiten, die wir dafür haben, suchen und nutzen und dann unser Le­ben danach ausrichten. Was ist unser Lebensinhalt? Sind wir bestrebt, Frucht für Gott zu brin­gen? Der Herr Jesus sagt in Johan­nes 15,5:

"Wer in mir bleibt und ich in ihm, dieser bringt viel Frucht, denn außer mir könnt ihr nichts tun."

Möchten wir uns gegenseitig zu einer echten und treuen Nachfolge hinter unserem Herrn her anspor­nen! Unter dem schönen Titel „Bleibt in mir“ stehen auch die nachfolgenden Artikel.

Ich wünsche uns allen Gottes Segen beim Lesen und dass in uns der Wunsch aufkommt, „frisch“ für Gott zu bleiben.

Benjamin Hof

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