
„Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat“ (Ps 124,8).
Krisenzeiten können zugleich Segenszeiten sein. Man lernt Gott auf eine Weise kennen, wie es in Tagen, in denen alles glatt verläuft, kaum möglich ist. In der Not rufen Menschen zum Herrn, wie es der Psalmdichter ausdrückt: „Du, Herr, halte deine Erbarmungen nicht von mir zurück; deine Güte und deine Wahrheit lass beständig mich behüten!“ (Ps 40,12). Sie erfahren, wie Er sich ihnen in seiner Gnade und Barmherzigkeit zuwendet und auf ihr Rufen hört – oft auf eine Weise, die anders ist, als sie es erwartet haben. Er stellt ihre Füße auf einen Felsen und befestigt ihre Schritte (s. Ps 40,3). Daher gilt: „Glückselig der Mann, der den Herrn zu seiner Zuversicht macht“ (Ps 40,5).
Die Bibel zeigt uns Männer Gottes, an denen Gott vielfach seine Wundertaten und seine Gedanken erwiesen hat (s. Ps 40,6) – zu seiner Ehre und zu ihrem Nutzen.
Mose wird alles zu viel – er ist am Ende seiner Kräfte. Das Volk beklagt sich, das Mischvolk murrt erneut. Ihre Gedanken gehen zurück nach Ägypten zu den Fleischtöpfen, zu Knoblauch, Gurken, Zwiebeln, Melonen und anderen Genüssen. Das „Haus der Knechtschaft“ ist vergessen; ihre Seele ist dürr – wen wundert es? (s. 4. Mo 11,4-6).
Mose ist entmutigt und fragt, im Glauben schwach geworden, den Herrn: „Warum hast du an deinem Knecht übel getan, und warum habe ich nicht Gnade gefunden in deinen Augen, dass du die Last dieses ganzen Volkes auf mich legst?“ (V. 11).
Dabei sollte Mose die Last gar nicht allein tragen! Gott hatte ihm zugesagt: „Ich werde mit dir sein“ (s. 2. Mo 3,12). War das nicht genug?
Mose ist resigniert und des Lebens müde. In seiner Verzweiflung kommt es über seine Lippen: „… so bring mich doch um …“ (4. Mo 11,15). Doch der Herr erfüllt seine törichte Bitte nicht! Stattdessen gibt Er Mose eine Lösung: Siebzig Männer werden ihm zur Seite gestellt, um die Last mitzutragen. Gott legt von seinem Geist auch auf sie (s. V. 24.25). Kein Tadel. Kein Vorwurf. Gott handelt in Liebe, verständnisvoll und fürsorglich.
Elia ist erschrocken und voller Angst – wegen der Drohungen der gottlosen Isebel. Dabei hatte Gott zuvor auf eindrucksvolle Weise seine Macht gezeigt. Feuer fiel vom Himmel und das Volk bekannte: „Der Herr, er ist Gott!“ (1. Kön 18,39). Auf das ernstliche Gebet Elias hatte Gott geantwortet: Der Himmel gab Regen.
Dennoch flieht Elia ängstlich nach Beerseba, lässt seinen Diener zurück und läuft weiter in die Wüste. Dort legt er sich unter einen Ginsterstrauch. „Und er bat, dass er sterben dürfe, und sprach: Es ist genug; nimm nun, Herr, meine Seele, denn ich bin nicht besser als meine Väter“ (1. Kön 19,4).
Er ist erschöpft, enttäuscht, verzagt. Vor dem Angesicht des Herrn steht er in diesem Moment offenbar nicht. Doch Gottes Fürsorge hört nicht auf – auch heute nicht. Es stimmt, wie es in einem geistlichen Lied so ermutigend heißt:
„Wenn Kummer dich quält,
wenn alles dir fehlt,
Er öffnet dir segnende Arme.“
Der Herr begegnet Elia nicht mit Vorwürfen, sondern mit Versorgung und Ruhe. Gottes „Therapie“: schlafen, essen, trinken, schlafen – und ein Fußmarsch in einer einsamen Steinwüste, eine Zeit in der Stille. Elia darf seine Seele vor dem Herrn ausschütten. Er erfährt Mitgefühl und Verständnis.
Wie liebevoll fordert der Herr auch uns auf: „Kommt ihr selbst her an einen öden Ort für euch allein und ruht ein wenig aus“ (Mk 6,31). Immer wieder dürfen wir uns gewissermaßen zu seinen Füßen niedersetzen, zur Ruhe kommen und das gute Teil erwählen (s. Lk 10,42).
Damals wie heute nutzt der Herr die Stille auch zur liebevollen Korrektur.
Jeremia, oft der „weinende Prophet“ genannt, erlebt anhaltenden Widerstand unter Gottes Volk. Er wird geschlagen, verachtet, gedemütigt – und bleibt dennoch treu in der Verkündigung des Wortes Gottes. Schließlich fällt er in ein seelisches Tief und verflucht in seiner Verzweiflung sogar den Tag seiner Geburt: „Und spreche ich: ‚Ich will ihn nicht mehr erwähnen und nicht in seinem Namen reden‘, so ist es in meinem Herzen wie brennendes Feuer, eingeschlossen in meinen Gebeinen; und ich werde müde, es auszuhalten, und vermag es nicht … Verflucht sei der Tag, an dem ich geboren wurde; der Tag, da meine Mutter mich gebar, sei nicht gesegnet!“ (Jer 20,9.14).
Doch der treue Herr weist seinen Diener nicht streng zurecht. Er übergeht die Situation mit Schweigen und gibt ihm schon bald darauf einen neuen Auftrag (s. Jer 21,1.2). In diesem Handeln zeigt sich Gottes herzliches Erbarmen mit unserer Schwachheit. Seine vollkommene Liebe verändert sich nie.
Johannes sitzt unschuldig im Gefängnis. Tag für Tag – nichts geschieht. Eine tiefe Enttäuschung befällt ihn. Er hört von den Werken des Christus, deshalb sendet er seine Jünger zu Ihm und lässt Ihn fragen: „Bist du der Kommende, oder sollen wir auf einen anderen warten?“ (Mt 11,3). Zweifel kommen auf.
Doch Jesus stärkt ihn in seiner Liebe. Er antwortet nicht mit Tadel. Seine Jünger sollen Johannes verkünden, was sie hören und sehen: Ja – Jesus ist der verheißene Messias. Seine Werke und seine Botschaft sind der Beweis (s. Jes 35,5.6).
Auch wenn der Ausgang anders ist, als Johannes es erwartet hatte – Gott lenkt alles nach seiner Weisheit. Vor dem Volk ehrt Er seinen Diener als den in seiner Zeit Größten unter den von Frauen Geborenen. So sind oft Gottes Gedanken anders als unsere Gedanken, und seine Wege anders als unsere Wege (s. Jes 55,8).
Paulus, der Apostel und treue Diener Christi, berichtet von Bedrängnissen und Verfolgungen: „Denn wir wollen nicht, dass euch unbekannt sei, Brüder, was unsere Bedrängnis betrifft, die uns in Asien widerfahren ist, dass wir übermäßig beschwert wurden, über Vermögen, so dass wir sogar am Leben verzweifelten“ (2. Kor 1,8).
„Und damit ich mich nicht durch das Übermaß der Offenbarungen überhebe, wurde mir ein Dorn für das Fleisch gegeben, ein Engel Satans, damit er mich mit Fäusten schlage, damit ich mich nicht überhebe“ (2. Kor 12,7).
Die Nöte, die Paulus erlebt, sind so groß, dass er sie als über seine Kraft hinausgehend empfindet. Überreichliche Mühen begleiten seinen Dienst für den Herrn: Gefängnisse, Schläge und immer wieder Todesgefahren (s. 2. Kor 11,23 ff.).
Hinzu kommt der „Dorn für das Fleisch“, der ihm so viel Not bereitet, dass er den Herrn inständig bittet, ihn wegzunehmen. Doch gerade in dieser Schwachheit darf er Gottes Kraft erfahren – eine Kraft, die genügt und deren er sich schließlich sogar rühmt (s. 2. Kor 12,9). Er erlebt Gott als den „Vater der Erbarmungen und Gott allen Trostes“ (2. Kor 1,3).
Durch Leiden wird er befähigt, andere zu trösten – mit dem Trost, mit dem er selbst getröstet worden ist. So erkennt er: Der Gott, der ihn von so großem Tod errettet hat, wird ihn auch ferner erretten. Auf Ihn setzt er seine Hoffnung, Ihm vertraut er im Leben und im Sterben.
Auch in unseren Tagen tragen viele Christen schwere Lasten. Krankheit, berufliche Anforderungen, familiäre Spannungen und Sorgen bedrängen sie. Dazu kommen die vielfältigen Herausforderungen im täglichen Miteinander – und besonders Eltern benötigen Weisheit und Kraft in der Erziehung ihrer Kinder, die im schulischen Umfeld schon selbst in vielerlei Hinsicht solchen „Krisenzeiten“ begegnen können.
Und mancher hat sich vielleicht mit den vielen Aufgaben im Volk Gottes auch selbst zu viel zugemutet.
Wenn das Leben ins Wanken gerät – durch Überforderung, Enttäuschungen oder anhaltende Belastungen –, dürfen wir wissen: Wir sind nicht allein. Gott sieht uns. Er kennt unsere Sorgen, unsere Tränen und unsere stillen Gebete.
Unsere Lasten dürfen wir bei Ihm abladen, der uns „Zuflucht und Stärke [ist], eine Hilfe, reichlich gefunden in Drangsalen“ (Ps 46,2).
Ja – Gott führt uns manches Mal durch dunkle Täler, aber niemals ohne ein gutes Ziel. Seine Wege sind höher, als wir es erfassen können, doch sie sind stets von Liebe und Weisheit bestimmt.
Gerade in Krisenzeiten erweist Er sich als der weise Töpfermeister. Er knetet und formt uns zu Gefäßen, die zu seiner Ehre dienen sollen – geheiligt und brauchbar, zu jedem guten Werk bereitet (s. Jer 18,1-6; 2. Tim 2,21).
Friedhelm Müller

Transhumanismus – auf den ersten Blick mag es sich harmlos und menschlich anhören. Auf den zweiten Blick erkennen wir einen der Pfeile, die der Teufel abschießt, um unseren Glauben an Gott und sein Wort zu erschüttern.
Als Transhumanismus bezeichnet man eine philosophische und intellektuelle Bewegung, die das Ziel verfolgt, die Grenzen der menschlichen Existenz durch technologische Mittel zu überwinden. Dies schließt die Verbesserung körperlicher, geistiger und emotionaler Fähigkeiten des Menschen ein – oft durch den Einsatz von Gentechnik, Kybernetik, Künstlicher Intelligenz und anderen modernen Technologien.
Letztlich besteht das Ziel des Transhumanismus darin, den menschlichen Zustand so zu verändern und Grenzen zu überwinden, dass Menschen länger leben können oder in letzter Konsequenz sogar unsterblich werden.
Es war der britische Biologe Julian Huxley, der den Begriff „Transhumanismus“ schon in den Fünfzigerjahren prägte. Das Gedankengut, das dahintersteckt, ist jedoch deutlich älter. Die Spuren lassen sich bis in die Zeit der Renaissance und der Aufklärung zurückverfolgen.[1] Schon dort finden wir Denkmodelle, die beschreiben, wie ein Mensch seine eigene Natur verändern kann. Mit dem Aufkommen der modernen Wissenschaft und Technik begannen Philosophen und Wissenschaftler mehr und mehr, Ideen zu entwickeln, wie der Mensch durch technologische Fortschritte seine eigenen biologischen Grenzen überwinden kann.
Es liegt auf der Hand, dass wir aus biblischer Sicht das Gedankengut des Transhumanismus nicht nur kritisch sehen, sondern unbedingt ablehnen müssen. Transhumanismus ist zutiefst antigöttlich und damit antibiblisch. Er untergräbt nicht nur die uns von Gott gegebenen Grenzen sowie unsere Würde als Mensch und raubt uns nicht nur die einzigartige Identität und unseren Wert als Geschöpfe Gottes. Es ist auch zu kurz gegriffen, die Risiken nur in sozialer Ungerechtigkeit zu sehen (ungerecht deshalb, weil zunächst nur eine wohlhabende Elite profitiert und damit die Gesellschaft gespalten wird).
Der Versuch, die Lebenszeit des Menschen zu verlängern – und ihn gar unsterblich zu machen –, ist letztlich nichts anderes als Rebellion gegen Gott. Gott legt die Lebenszeit des Menschen fest. Unsere Zeit ist in seiner Hand. Transhumanistische Bestrebungen sind nichts anderes als der Ausdruck menschlicher Vermessenheit und Überheblichkeit. Der Mensch versucht, Gott zu spielen und in seine Rechte einzugreifen. Wir entdecken die alte Lüge Satans: „Ihr werdet sein wie Gott“ (s. 1. Mo 3,5).
Und noch etwas: Transhumanismus ist der verzweifelte und erfolglose Versuch, die Folgen des Sündenfalls zu eliminieren und die Notwendigkeit der Erlösung durch Jesus Christus zu leugnen. Gott hatte vor dem Sündenfall gesagt: „An dem Tag, da du davon isst, musst du sterben“ (1. Mo 2,17). Auch das hatte die Schlange infrage gestellt: „Ihr werdet durchaus nicht sterben“ (1. Mo 3,4). Doch das Urteil Gottes nach dem Sündenfall gilt immer noch: „Der Lohn der Sünde ist der Tod“ (Röm 6,23). Es ist und bleibt dem Menschen gesetzt, „einmal zu sterben“, und dann folgt das Gericht (s. Heb 9,27). Alle Versuche des Menschen, die Folgen dieser tragischen Entscheidung des ersten Menschenpaares im Ungehorsam gegen Gott zu eliminieren, sind zum Scheitern verurteilt. Gott bleibt der Gott über Leben und Tod. Sein Wort bleibt ewig wahr!
Deshalb lehnen wir jede philosophische Strömung des Transhumanismus entschieden ab und warnen jeden, sich näher damit zu beschäftigen. Es zieht uns nur von dem ab, der Leben und Unverweslichkeit ans Licht gebracht hat (s. 2. Tim 1,10). Wir brauchen keinen Transhumanismus, der uns verbessertes Leben auf der Erde verspricht – und das Versprechen nicht hält. Wir kennen den, der uns ewiges Leben und eine herrliche Zukunft im Haus seines Vaters verspricht – und sein Versprechen hält (s. Joh 10,28; 14,1-6).
Ernst-August Bremicker
Gott legt die Lebenszeit des Menschen fest.
Fußnoten:
Als Renaissance (ca. 1400 bis 1620) und Aufklärung (18. Jh.) werden zwei Epochen in der Geschichte bezeichnet, die die Entwicklung Europas prägten und erheblichen Einfluss darauf haben, wie über das menschliche Dasein gedacht wird.

In 1. Mose 18 und 19 finden wir zwei Gläubige, zwei Besuche und zwei total verschiedene Resultate. Die Besuche zeigen für uns heute, wie unterschiedlich wir als Gläubige in der Welt leben können. Vierzehn Fragen helfen uns, für unser Leben zu lernen.
Die Besucher Abrahams und Lots haben jeweils eine Botschaft für ihre Gastgeber. Für Abraham ist es eine Botschaft des Segens. Es ist die erneuerte Verheißung über den Sohn, den Gott ihm bereits versprochen hatte. Dieses Mal ganz konkret, dass Sara diesen Sohn in einem Jahr in ihren Armen halten würde. Was für eine Freude! Die Zeit des Wartens hat ein Ende.
Menschlich gesehen gab es keine Möglichkeit mehr für Abraham, ein Kind zu zeugen. Doch genau dann gibt Gott ihm den Sohn der Verheißung. Sara glaubt zuerst nicht und lacht. Doch die Gnade Gottes spricht in Hebräer 11 von ihrem Glauben. Vielleicht war es nur ein kleiner Glaube, doch Gott sieht ihn und hält ihn fest. Was für einen wunderbaren Herrn haben wir, dass Er dich und mich so beurteilt, wie Er es bei Sara tat.
Für Lot ist es eine Ankündigung des Gerichts. Sodom wird nun gerichtet, ja, sogar komplett zerstört werden. Der Herr wird Schwefel und Feuer vom Himmel regnen lassen. Solch ein Gericht gab es nur einmal, nur für Sodom und Gomorra. Das verdeutlicht noch einmal, wie böse der Ort war, an dem Lot wohnte. Doch Lot bekommt die Möglichkeit, sich und seine Familie zu retten. Sie sollen so schnell wie möglich die Stadt verlassen und nicht zurückschauen.
Interessanterweise lesen wir in 1. Mose 19,14, dass Lot zögert. Er will Sodom nicht verlassen, sein Herz hängt zu sehr daran. Doch die Engel ergreifen ihn, seine Frau sowie die beiden Töchter und führen sie aus der Stadt hinaus. Lot verliert in der Stadt alles: seinen Beruf, sein Haus, seine Schwiegersöhne. Auf dem Weg hinaus verliert er zudem noch seine Frau, die sich umdreht und zu einer Salzsäule wird (s. V. 26). Nur seine beiden Töchter bleiben übrig. Was für ein Unterschied zwischen Abraham und Lot: Abraham gewinnt alles und Lot verliert (fast) alles.
Neben der Botschaft des Segens für Abraham hat der Herr noch ein positives Zeugnis über ihn. In Kapitel 18,18 spricht der Herr davon, Abraham zu einer großen Nation machen zu wollen. Er fügt an: „Denn ich habe ihn erkannt, dass er seinen Kindern und seinem Haus nach ihm befehle, damit sie den Weg des Herrn bewahren, Gerechtigkeit und Recht auszuüben, damit der Herr auf Abraham kommen lasse, was er über ihn geredet hat“ (V. 19). Das ist Gottes Zeugnis über Abrahams Gehorsam und seine Tätigkeit als Haupt des Hauses. Gerade solche Dinge innerhalb des Hauses, die vielleicht kein Mensch wahrnimmt, sind auch heute wichtig für den Herrn. Er nimmt es wahr und belohnt es auf seine Weise.
Gottes Auge sieht besonders, wie wir uns als Männer gegenüber unseren Frauen und Kindern verhalten. Der Herr weiß schon im Voraus, wie Abraham mit den ihm anvertrauten Kindern umgehen wird und das ist eine Grundlage des Segens. Der Herr zeigt etwas, was wir bisher nicht direkt bei Abraham gefunden haben: Er befiehlt seinen Kindern, den Weg des Herrn zu bewahren. Damit können auch wir nicht früh genug anfangen. Welch eine Freude hat der Herr Jesus, wenn wir unsere Kinder auch heute noch den guten Weg lehren und ihnen diesen Weg vorleben und damit schon beginnen, wenn sie noch klein sind!
Bei Lot war es leider anders. Er hatte weder ein gutes Zeugnis von Gott noch von den Menschen. In 2. Petrus 2,8 lesen wir, wie Gott Lot beurteilt. Lot war ein Gläubiger, aber er quälte durch das, was er sah und hörte, Tag für Tag seine gerechte Seele. In Kapitel 19,14 haben wir sein Zeugnis von den Menschen. Als er seine eigene Familie vor dem Gericht Gottes warnte, war er in den Augen seiner Schwiegersöhne wie einer, der Scherz treibt. In dem Moment, als Lot Zeugnis ablegen wollte, waren selbst die eigenen Schwiegersöhne nicht bereit, auf ihn zu hören. Lot führte ein Leben im Eigenwillen und fern von dem Herrn, sein ganzer Lebensinhalt bezog sich auf das Irdische. Und das machte sein Glaubenszeugnis unglaubwürdig.
Mit den Dingen, Menschen und deren Lebensstil hatte er sich bisher eins gemacht. Jetzt auf einmal möchte er davor warnen und vor dem Gericht fliehen. Er hat gar keine geistliche Kraft, den Ernst der Lage vorzustellen und ist wahrscheinlich die letzte Person, die dazu fähig ist, Gottes Gedanken über Sodom zu teilen. Wenn er seine Familie und Schwiegersöhne geliebt hätte, wäre er schon eher mit einer Warnung zu ihnen gekommen. Hatte er alles vergessen, was er in der Gemeinschaft mit Abraham gelernt hatte? Lasst uns dafür beten, dass wir immer in der Lage sind, für den Herrn Jesus zu zeugen und dass der Herr auch uns ein gutes Zeugnis ausstellen kann.
Im biblischen Bericht folgt noch eine ganz persönliche und für Abraham vertrauliche Botschaft des Herrn bzw. der Engel. In Bezug auf Abraham lesen wir in Kapitel 18,17: „Sollte ich vor Abraham verbergen, was ich tun will?“ Das ist eine Offenbarung, die der Herr ihm hier gibt, und es bestätigt Psalm 25,14: „Das Geheimnis [eig.: die vertraute Mitteilung, der vertraute Umgang] des Herrn ist für die, die ihn fürchten und sein Bund, um ihnen denselben kundzutun.“
Gott offenbarte ihm, was Er mit Sodom und Gomorra tun würde, weil Abraham den Herrn fürchtete. Nicht, weil er in Angst lebte, sondern weil er in Ehrfurcht vor Ihm lebte und das Böse hasste (s. Spr 8,13a). Wenn wir so in der Furcht des Herrn leben, dann wird uns der Herr Klarheit und Weisheit über seine Gedanken und Wege geben. Nicht, weil wir besser wären als andere, sondern weil wir uns im Licht Gottes bewegen, so wie Abraham das tat.
Und wieder ist es bei Lot so anders, denn er lebte nicht wie Abraham in der Furcht des Herrn getrennt vom Bösen, sondern mitten im Tor Sodoms. Die einzige und vielleicht letzte persönliche Mitteilung, die der Herr ihm noch macht, bezieht sich auf die Rettung aus dem Gericht: „Rette dich um deines Lebens willen; sieh nicht hinter dich, und bleib in der ganzen Ebene nicht stehen; rette dich auf das Gebirge, damit du nicht weggerafft wirst!“ (Kap. 19,17). Ja, das ist eine ganz andere Botschaft. Es geht nicht darum, die Gedanken Gottes und seine Pläne zu erkennen, sondern nur noch darum, sich selbst zu retten.
Welche Botschaft hat Gott für uns heute? Müssen wir uns auch erst einmal selbst retten, bevor Er Weiteres tun kann oder wir geistlich wachsen können? Welche „Stadt“ müssen wir verlassen? Im Gegensatz zu Lot erwarten wir als Gläubige heute kein Gericht, aber das Kommen des Herrn, um uns zu sich zu holen. Was löst das bei dir und mir aus?
So unterschiedlich die persönlichen Botschaften an Abraham und Lot ausfallen, so unterschiedlich ist auch ihre Reaktion. Abraham steht fürbittend vor dem Herrn (s. 1. Mo 18,22-32). Er betet für die Gerechten in Sodom. Dabei denkt er an Lot und seine Familie. Anfangend mit 50 Gerechten bittet er immer weiter, bis er bei 10 Gerechten aufhört. Wir sehen in wundervoller Weise, wie Abraham das geistliche Wohl Lots und seiner Familie im Blick hat. Wahrscheinlich rechnet er mit 10 Gerechten (Gläubigen) aus Lots Familie.
Doch nicht einmal die gab es, sondern nur vier (Lot, seine Frau und die beiden Töchter). Zwar waren sie selbst nicht in der Lage, Zeugnis abzulegen, aber Abraham trat fürbittend für Lot und seine Familie ein. Wie schön, wenn wir später lesen, dass Gott an Abrahams Fürbitte gedachte und Lot aus diesem Gericht rettete (s. 1. Mo 19,29). So dürfen auch wir uns ermuntern lassen, füreinander zu beten, ganz besonders, wenn sich jemand vom Herrn weggewendet hat.
Lot hat ganz andere Gedanken im Kopf. Er will die Stadt nicht verlassen und aufs Gebirge gehen (s. 1. Mo 19,18-22). Er möchte viel lieber in die nächste Stadt gehen. Er kann sich nicht von dieser Welt trennen. Das böse System der Welt, inklusive ihrer attraktiven Ablenkungen, hat ihn so gefangen genommen, dass er lieber in die nächste, wenn auch kleinere Stadt geht. Eine „180-Grad-Wende“ von der Stadt aufs Gebirge ist ihm zu viel.
Wie viel Segen entgeht uns, wenn unsere Herzen mit dem Irdischen und Weltlichen verbunden sind und sich nicht davon trennen können. Gibt es auch in unserem Leben etwas, das uns so gefangen hält? Es können Motive sein, wie das Streben nach Reichtum, Ansehen oder danach, den Beifall der Massen zu genießen. Es können eine Position im Beruf oder vielleicht ein schönes Haus, Auto oder sonstige materielle Dinge sein. Es kann alles sein, „was in der Welt ist“ (1. Joh 2,15.16). Was immer es ist, der Herr kann uns alles von einem Moment auf den anderen wegnehmen. Lasst uns darum aufrichtig prüfen, wie wichtig dies alles für uns heute ist!
Nach der Begegnung mit dem Herrn kehrt Abraham an den Ort zurück, von dem er ausgegangen ist (s. 1. Mo 18,33). Das sind die Terebinthen Mamres, die bei Hebron sind. Er geht zurück zu dem Ort, der „Fettigkeit“ oder „Lebensstärke“ bedeutet, in die Gemeinschaft mit dem Herrn. Es hat einmal jemand treffend gesagt: „Nach dem Kampf ist vor dem Kampf!“ Das ist im geistlichen Bereich genauso wie im sportlichen.
Sobald wir einen geistlichen Sieg errungen haben, brauchen wir neue Kraft für den nächsten Kampf. Die gibt uns der Herr genauso wie Abraham, wenn wir in der Gemeinschaft mit Ihm und in Abhängigkeit von Ihm leben. Ohne diese Kraft werden wir den nächsten Kampf nicht bestehen. Geistliche Kraft können wir nicht konservieren. Der Herr gibt die Kraft, aber es liegt an uns, an diesen Ort zurückzukehren.
Am Ende der Begebenheit mit Lot finden wir, dass er von Zoar hinauf in das Gebirge zieht (s. 1. Mo 19,30). Wenn es auch nur eine äußere Absonderung war, tat er doch diesen wichtigen Schritt. Es war ein langsamer und schmerzhafter Prozess für Lot, sich von der Welt zu trennen und leider war er nicht vollständig. Er wohnte auch dann nicht in Zelten, sondern in Höhlen. Er lebte nicht als Fremdling in der Hoffnung auf die zukünftige Stadt und seine Absonderung kam auch nicht aus dem Herzen.
Wenn es nur eine rein äußerliche Hinwendung zu Christus und damit eine Abwendung von der Welt ist, ohne einen Herzensentschluss gefasst zu haben, wird es uns früher oder später wieder in die Welt zurückziehen. Wir werden keine geistliche Kraft haben, um für Christus zu leben. Es ist dann nur eine äußerliche Form und keine lebendige Beziehung mit unserem Herrn. Es gibt keine Frische und keine Freude in unserem Leben für Ihn. Unsere Herzen sind nicht mit Christus beschäftigt, sondern mit den Dingen dieser Welt.
Die Lebensführung Abrahams und Lots hat jeweils Auswirkungen auf die nachkommende Generation. Bei Abraham finden wir Isaak, den Sohn der Verheißung. Es ist der Segen, den Gott ihm verheißen hatte. Isaak ist ein wunderbares Vorbild auf den Herrn Jesus und lässt das Ergebnis eines Lebens in Gerechtigkeit und Ehrfurcht vor Gott erkennen. Ein Leben des Gehorsams führt zu reichem Segen. Wir sehen in dem Leben Isaaks, wie der Segen neu hervorströmt, als er die Brunnen Abrahams wieder aufgräbt und das tut, was Gott ehrt!
Auch wenn wir wissen, dass alles Gute in unserem Leben und im Leben unserer Kinder nur Gnade ist, bleibt die Linie unserer Verantwortung bestehen. Wir wollen dieser Verantwortung nachkommen und dabei für unsere Kinder beten, damit sie in Gnade und Treue dem Herrn nachfolgen und Anbeter in Geist und Wahrheit werden, die der Vater sucht (s. Joh 4,23.24).
Das Ende Lots ist stark mit seinen Töchtern verbunden. Sie kennen die Vorgehensweise dieser Welt und verhalten sich dementsprechend. Zunächst einmal geben sie ihrem Vater viel Wein, so wie sie es aus Sodom gewohnt waren, und machen ihn betrunken. Er fällt ebenfalls wieder in weltliche Muster zurück. Seine äußerliche Trennung von der Welt hat sein Herz nicht erreicht. Um Nachkommen zu erhalten, liegen sie bei ihrem eigenen Vater. Das ist Sünde in den Augen Gottes.
Das Resultat sind zwei Söhne: Moab und Ben Ammi. Diese werden im weiteren Verlauf der Geschichte Feinde des Volkes Gottes. Was für eine Konsequenz, was für eine dramatische Entwicklung. All die wunderbaren Segnungen und Wahrheiten, die wir nicht wertschätzen und von denen wir uns wegwenden, werden in unserer nachfolgenden Generation noch weniger geschätzt.
Die Sünde, in der wir leben, wird vielleicht gar nicht mehr als Sünde in den Augen unserer Kinder wahrgenommen.
Unser Verhalten hat immer Auswirkungen auf die kommende Generation, sei es zum Guten oder zum Schlechten. Wir wollen gute Vorbilder für unsere Kinder und Enkelkinder sein und unserer Verantwortung vor dem Herrn gerecht werden. Alles andere überlassen wir der Gnade des Herrn. Gleichzeitig sind wir dankbar für die Gnade, die Er sogar auch dann noch gibt, wenn wir unserer Verantwortung nicht gerecht werden.
Manuel Dietermann
Wenn es nur eine rein äußerliche Hinwendung zu Christus und damit eine Abwendung von der Welt ist,
ohne einen Herzensentschluss gefasst zu haben, wird es uns früher oder später wieder in die Welt zurückziehen.
Wir werden keine geistliche Kraft haben, um für Christus zu leben.

Im alltäglichen Leben sind viele Entscheidungen zu treffen. Oftmals sind es kleinere Dinge, manchmal aber auch wegweisende Überlegungen: Welche Ausbildung soll nach der Schulzeit begonnen werden? Welche Wohnung oder welches Haus ist wirklich für mich gedacht? Oder wie erkenne ich den von Gott vorgesehenen Ehepartner? Bei allen Erwägungen geht es auch immer um die grundlegende Frage: Wie erkenne ich darin den Willen Gottes in meinem Leben?
Diese so wichtige Frage war auch Paulus für die Gläubigen damals in Kolossä ein großes Anliegen. Nicht umsonst betete er dafür, dass sie mit der Erkenntnis des Willens Gottes in aller Weisheit und geistlicher Einsicht erfüllt werden sollten (s. Kol 1,9). Dabei ging es ihm sicherlich nicht in erster Linie darum, wo der nächste Urlaub mit dem schönsten Strand wohl am besten zu verbringen wäre. Natürlich dürfen wir darum bitten, dass der Herr uns auch darin leitet. Aber es geht hier doch um mehr. Es geht um die grundsätzliche Erkenntnis des Willens Gottes in Bezug auf unseren persönlichen und gemeinsamen Glaubensweg. Dazu sind einige hilfreiche Aspekte zu nennen.
Das Erkennen des Willens Gottes ist kein automatisierter Selbstläufer, den man auf Knopfdruck jederzeit einfach abrufen könnte. Im Gegenteil: Es ist eine stetige Abhängigkeit von Gott im alltäglichen Glaubensleben nötig, um den Willen Gottes in den verschiedenen Lebenssituationen zu erkennen. Es gibt kein allgemeines Rezeptbuch für jede einzelne Entscheidung. Wir haben auch keine neuen oder persönlichen Offenbarungen Gottes, die über sein geschriebenes Wort hinausgehen. Aber wir haben sein Wort, die Bibel.
Gott hat es so eingerichtet, dass die Erkenntnis seines Willens über die Weisheit und die geistliche Einsicht ins tägliche Leben umgesetzt wird. Und diese Dinge werden uns geschenkt – durch den vertrauten Umgang mit Ihm im Lesen seines Wortes und im Gebet.
Wir lernen Gott kennen, wenn wir mit Ihm leben und uns durch sein Wort prägen lassen. Dabei zeigt Er uns nicht lauter zusammenhanglose Gedanken, sondern offenbart Grundsätze, die sein Wesen prägen und Ihm entsprechen.
Bei einer anstehenden Entscheidung ist daher schon oft diese Frage hilfreich: „Würde der Herr Jesus es genauso gemacht haben, entspricht es seinem Wesen?“
Es ist also nicht die verstandesmäßige Kenntnis des Wortes Gottes allein, die uns Verständnis und Licht gibt. Natürlich benutzt Gott sein Wort, um uns anzuleiten. Aber es ist auch eine Frage des persönlichen Zustands der Seele, um Gottes Leitung zu erleben: „Mein Auge auf dich richtend, will ich dir raten“ (Ps 32,8).
Gott gibt seine Gedanken nicht preis, die Er in Bezug auf dich und mich hat, solange der Eigenwille noch wirksam ist. Solange wir den Herrn noch bitten: „Zeige mir deinen Willen – aber ich möchte doch bitte, dass es so geht!“, wird Gott uns seinen Willen nicht offenbaren können.
Ebenso ist es nicht hilfreich, zu fragen: „Wo steht denn geschrieben, dass man das so nicht machen darf?“, denn unterschwellig schwingt hier noch der sich rechtfertigende Eigenwille mit. Fragen wir doch besser mit 1. Johannes 2,16: „Oh mein Vater, ist das von dir oder ist es von der Welt?“ Wenn es von der Welt ist, können wir direkt dankend ablehnen und mit Abraham sagen: „Nichts für mich!“ (1. Mo 14,24).
So ist also die Erkenntnis des Willens Gottes unmittelbar mit dem geistlichen Zustand verbunden, der mit unserem Herzenszustand einhergeht.
Der Herr Jesus sagt dazu: „Die Lampe des Leibes ist das Auge; wenn nun dein Auge einfältig ist, so wird dein ganzer Leib licht sein“ (Mt 6,22). Das Herz lenkt die Augen und die Augen beeinflussen das Herz. Ein schlechter Herzenszustand hängt mit einem Auge zusammen, das nicht einfältig (also nicht allein auf Christus ausgerichtet) ist – und umgekehrt. Ein geschätzter Ausleger hat einmal gesagt: „Wenn ich über eine bestimmte Sache nach langer Zeit immer noch keine Klarheit erlange und einfach kein Licht darüber bekomme, liegt es mit großer Wahrscheinlichkeit daran, dass mein Auge nicht (mehr) einfältig ist.“ Es ist ein einfacher Zusammenhang – eine Regel, die vielleicht wehtut, aber sie ist wahr.
Wir lernen also über das Herz den Weg Gottes kennen. Ist unser Auge noch einfältig? Ist Christus der zentrale Gegenstand, um den es sich in meinem Leben dreht?
Diese drei Voraussetzungen (Gottes Wort, unwirksamer Eigenwille, einfältiges Auge) sind von großer Bedeutung, wenn es darum geht, in den Entscheidungen des Lebens den Willen Gottes zu erkennen. Dazu haben wir (wie auch die Kolosser damals) „Weisheit und geistliche Einsicht“ (s. Kol 1,9) nötig.
Weisheit und geistliche Einsicht beschreiben nicht genau das Gleiche. Die Weisheit hat es mehr mit dem Erfassen der Gedanken Gottes in einer bestimmen Situation zu tun, die geistliche Einsicht mehr mit der Beurteilung der Situation und Anwendung der Gedanken Gottes im praktischen Leben (ein Beispiel dafür finden wir in 1. Chr 12,33). Beides ist wichtig.
Wenn wir diese Dinge im täglichen Umgang mit Gott lernen, werden wir in zunehmendem Maß dazu fähig sein, „würdig des Herrn zu wandeln zu allem Wohlgefallen“ (Kol 1,10) – in der Erkenntnis seines Willens.
Matthias Wölfinger

Jeder Gläubige möchte grundsätzlich dem Herrn Jesus folgen. „Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt“ (Joh 14,21). Das ist eine normale Frucht des göttlichen Lebens in uns. Wir wissen, wie viel unser Heiland für uns getan und wie viel Er uns vergeben hat. Daher tun wir gerne, was Ihm gefällt und Ihn verherrlicht. Doch dies fällt uns nicht immer leicht, wofür es unterschiedliche Gründe geben kann. Einer dieser Gründe ist „die Kraft der Gegenströmung“, die wir zu spüren bekommen, wenn wir anders sind oder handeln als die Mehrheit um uns her. Diese Kraft verspüren besonders unsere Kinder und wir wollen darüber nachdenken, wie wir ihnen helfen und damit unseren Herrn ehren können.
Vor unserer Bekehrung waren wir selbst als Ungläubige „unverständig, ungehorsam, irregehend, dienten mancherlei Begierden und Vergnügungen, führten unser Leben in Bosheit und Neid, verhasst und einander hassend“ (Tit 3,3). Nach unserer Bekehrung leben die Menschen dieser Welt weiterhin „nach dem Zeitlauf dieser Welt, nach dem Fürsten der Gewalt der Luft, des Geistes, der jetzt wirksam ist in den Söhnen des Ungehorsams“ (Eph 2,2). Wir wundern uns deshalb nicht, wenn die Menschen dieser Welt auf dem Glaubensweg keine Hilfe, sondern oft sogar ein Hindernis für uns sind. Die Welt hasst uns, wie sie den Herrn Jesus gehasst hat, weil wir nicht mehr zu ihr gehören und mit Worten oder Taten bewusst oder unbewusst gegen sie zeugen (s. Joh 15,18.19).
Doch obwohl wir wissen, dass die Welt uns hasst und schon im Voraus mit Ablehnung zu rechnen ist, schrecken wir doch immer wieder neu davor zurück, Dinge zu tun, für die wir gehasst oder angefeindet werden (vgl. Joh 7,13; 19,38).
Wir befinden uns nämlich oft in Beziehungen, in denen wir zumindest zeitweise mit Ungläubigen zusammengestellt sind und miteinander auskommen müssen: In der (vielleicht teilweise ungläubigen) Familie, in der Schule, in der Nachbarschaft oder im Beruf ist es unsere nicht immer leichte Aufgabe, zum Segen zu sein und dem Frieden nachzujagen (s. Röm 12,17.18; Heb 12,14). Noch schwieriger wird es jedoch, wenn wir nach Gottes Wort handeln wollen und es dem allgemeinen Trendgedanken der gottlosen Welt gänzlich und offensichtlich entgegen ist. Es bedarf stets der Nähe zu unserem Herrn, damit wir Überwinder sind. Doch wenn wir von seiner Liebe erfüllt sind, dann sind wir sogar „mehr als Überwinder, durch den, der uns geliebt hat“ und „unser Glaube überwindet die Welt“ (Röm 8,37; s. 1. Joh 5,4). Gott ruft uns in seinem Wort zu: „Lass dich nicht von dem Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit dem Guten“ (Röm 12,21). Nur in der Nähe des Herrn haben wir die Kraft, die benötigt wird, um „gegen den Strom zu schwimmen“.
Darüber hinaus sind wir als Gläubige untereinander in Beziehungen gestellt, und zwar in der Familie, der örtlichen Versammlung und im Volk Gottes allgemein. Das ist natürlich im moralischen Sinn ein ganz anderes Umfeld, als wir es von der ungläubigen Welt her kennen. Kinder Gottes lieben Gott, sie wollen nach der Bibel leben und Gott durch Gehorsam ehren. Je mehr wir dabei persönlich und gemeinsam den Herrn Jesus vor Augen haben, werden wir uns untereinander in seiner Nachfolge ermutigen und stärken können. Paulus ist darin ein anziehendes Vorbild für uns (s. Phil 3,13-17). Lasst uns bestrebt sein, unseren Teil dazu beizutragen, dass auch wir für unsere Kinder, Familienangehörigen oder Mitgeschwister eine Motivation und Stärkung sind, dem Herrn Jesus entschieden nachzufolgen!
Es kann jedoch sein, dass wir auch im Volk Gottes manches vielleicht nicht aus eigener Überzeugung tun, sondern uns einfach nur der Mehrheit anpassen, weil es eben die meisten machen und wir nicht auffallen wollen. Das können Verhaltensweisen, Äußerlichkeiten oder Ansichten zu bestimmten Themen sein. So war es z. B. sowohl zur Zeit Josuas als auch zur Zeit des Königs Josia (s. Ri 2,7; 2. Chr 34-36). Das Volk lebte jeweils von außen betrachtet nach Gottes Gedanken, aber sobald die prägenden Persönlichkeiten und Führer des Volkes verschwanden (die Gottes Werk persönlich sahen und das taten, was recht war in seinen Augen), ging es bergab. Dadurch offenbarte sich, dass das Volk vorher vieles nicht aus eigener Überzeugung oder einer persönlichen Beziehung zu Gott getan hatte, sondern nur mitgelaufen war, um nicht aufzufallen, um nicht anders zu sein. Doch der Herr sucht nicht unsere äußere Anpassung, sondern ein ungeteiltes Herz (s. Jes 29,13.14; Mt 15,8; 2. Chr 16,9; 2. Chr 19,9). So war es auch schon bei Johannes dem Täufer: Die Masse des Volkes ließ sich von ihm im Jordan taufen und die Pharisäer und Sadduzäer wollten es nur der Form halber dem Volk gleichtun. Sie mussten jedoch streng zurechtgewiesen werden, denn sie taten es nicht aus Glauben (s. Mt 3,7-9).
Leider ist es möglich, dass im Volk Gottes Verhaltensweisen und Themen auftreten, in denen die Mehrheit in gewissen Punkten nicht (mehr ganz) nach Gottes Wort handelt oder sich der allgemeinen Strömung dieser Welt (Schritt für Schritt) anpasst. Als Gläubige sind wir dann selbst inmitten von Gläubigen dazu aufgerufen, „nicht gleichförmig dieser Welt“ zu sein. Wir dürfen und sollen unseren Sinn von Gottes Wort verändern lassen, damit wir den guten und wohlgefälligen Willen Gottes ausleben.
Wenn sich Gläubige der Welt anpassen, dürfen wir nicht mitlaufen. Niemand kann sich davon ausnehmen, denn wir haben die Aufgabe, sowohl dem Frieden als auch der Heiligkeit nachzujagen (s. Heb 12,14). Haben wir auch dann den Mut, nach Gottes Wort zu handeln und nicht unsere Verantwortung auf andere abzuwälzen nach dem Motto: „Das tun doch (fast) alle so!“
Unser Heiland ist uns hier wie immer das beste Vorbild (z. B. für die Aufforderung in Heb 12,14). Er suchte stets den Willen des Vaters – inmitten seiner zweifelnden Familie, der unverständigen Jünger und der feindseligen Welt. Er ertrug manche Schwachheit und manches Versagen, aber Er widerstand immer der Strömung, die gegen Gottes Willen war.
Als die ungläubigen Juden die Tempelsteuer von den Jüngern „verlangten“, sorgte der Herr dafür, dass Petrus diese durch ein Wunder bezahlen konnte, damit man ihnen keinen Anstoß gäbe (s. Mt 17,27). Der Herr musste sie nicht zahlen, aber Er tat es, um dem Frieden nachzujagen. Wenn die Juden jedoch Gott verunehrten, trat Er immer für Gottes Ehre ein und war bereit, „gegen den Strom zu schwimmen“ (vgl. Joh 8,39-47).
Als die Jünger Ihn kurz vor seinem Tod mit ihrem Unverstand konfrontierten und dem Heiland zwei Schwerter präsentierten, ertrug Er sie (s. Lk 22,35-38; vgl. a. Mt 17,17), aber wenn sie gegen Gottes Willen redeten, dann widerstand Er ihnen ins Angesicht (s. Mt 16,23).
Lassen wir uns motivieren, nicht einfach der Mehrheit angepasst, sondern nach Gottes Wort zu handeln. In den meisten Fällen benötigen wir diese Motivation der ungläubigen Welt gegenüber, der wir nicht gleichförmig sein sollen. Doch wenn Gläubige in unserer Familie, in unserem Freundeskreis, in der örtlichen Versammlung oder darüber hinaus nicht nach Gottes Wort handeln sollten, gilt auch dann für uns das „Du aber“ (1. Tim 6,11; 2. Tim 3,10.14; 4,5), das der Herr schon Timotheus durch den Apostel Paulus zurief in einer Zeit, in der die Gläubigen sich zunehmend in der Welt „sesshaft“ machten und nicht mehr für Gottes Reich mitkämpften. Das „Du aber“ bleibt für uns persönlich immer möglich und hat die Anerkennung unseres Herrn. Es wird sogar ein Segen für andere sein.
Und wenn unser Kind an uns beobachten kann, wie wir mit des Herrn Hilfe mit vermeintlichen Gruppenzwängen umgehen, sind wir ihm damit Vorbild und Hilfe, auch für sich selbst den Mut zu entwickeln, wo es nötig ist, gegen den Strom zu schwimmen.
Damian Korcz

Auf seinem Weg über diese Erde bediente sich der Herr Jesus in Gesprächen häufig einer Frage – und verfolgte damit verschiedene Absichten. Wenn der Herr Jesus Fragen stellte, geschah das nie, weil Er etwas nicht wusste. Die Gedanken jedes Menschen sind „bloß und aufgedeckt vor den Augen dessen, mit dem wir es zu tun haben“ (Heb 4,13). Er hatte es nicht nötig, Fragen zu stellen – umso bemerkenswerter ist es, dass Er es dennoch tat. Diese Tatsache macht es wertvoll, einmal darüber nachzudenken, welche Absichten
jeweils hinter seinen Fragen standen – und welche Belehrungen wir daraus ziehen können.
Der Herr Jesus ging wohltuend und heilend über diese Erde. Immer wieder sehen wir Ihn, wie Er gezielt Einzelnen begegnete – um sie zur Buße zu führen, zu belehren oder zu heilen.
So begegnete Er in Jericho zwei Blinden, die um Erbarmen schrien. Er wusste um ihre Blindheit und dass sie sehend werden wollten. Und doch stellte Er ihnen die Frage: „Was wollt ihr, dass ich euch tun soll?“ (Mt 20,32).
Ebenso wusste der Herr alles über den besessenen Jungen, dessen Vater enttäuscht war, weil die Jünger den bösen Geist nicht hatten austreiben können. Doch Er stellte dem Vater die bemerkenswerte Frage: „Wie lange Zeit ist es schon, dass ihm dies geschehen ist? Er aber sprach: Von Kindheit an“ (Mk 9,21).
Er kannte auch den Zustand des seit 38 Jahren Gelähmten am Teich von Bethesda, den Er gezielt aufsuchte und aus der Menge der Kranken auswählte. Dennoch fragte Er: „Willst du gesund werden?“ (Joh 5,6).
Warum stellte der Herr solche Fragen, obwohl Er alles wusste und obwohl die Not und das Begehren der Menschen offensichtlich waren? Er wünschte, aus ihrem Mund das Bekenntnis ihrer Schwäche, Hilflosigkeit und ihres Vertrauens zu hören – oft auch als Zeugnis für die Umstehenden.
Auch heute kennt der Herr jede unserer Sorgen, jede Not, jede Enttäuschung. Und doch möchte Er, dass wir Ihm diese Dinge bewusst sagen, damit Er sich in unseren Umständen verherrlichen und uns seinen Frieden schenken kann. Dieser Friede kann nur dann in unsere Herzen einziehen und „unseren Sinn bewahren“ (s. Phil 4,7) sowie in unseren Herzen „regieren“ (s. Kol 3,15), wenn wir „in allem durch Gebet und Flehen mit Danksagung unsere Anliegen vor Gott kundwerden lassen“ (s. Phil 4,6).
Auch den enttäuschten Emmaus-Jüngern stellte der Herr eine Frage: „Was sind das für Reden, die ihr im Gehen miteinander wechselt?“ (Lk 24,17) – und sie blieben niedergeschlagen stehen. Er hörte ihnen zu, ließ sie ihre Not aussprechen. Erst danach begann Er, ihnen „in allen Schriften das zu erklären, was ihn selbst betraf“ (s. Lk 24,27). Ihre niedergeschlagenen Herzen verwandelten sich in brennende Herzen.
Der Herr wünscht auch von uns, dass wir Ihm unser niedergeschlagenes Herz ausschütten – doch Er will uns nicht enttäuscht weitergehen lassen. Er hört nicht nur zu – Er will unsere Herzen neu auf sich ausrichten, damit wir Ihn erkennen. Dann wird die Enttäuschung weichen und der Glaube wieder lebendig werden in der Überzeugung: Er enttäuscht nie.
Wo immer der Herr Jesus mit Menschen redete, erkennen wir seine vollkommene, weise Art der Gesprächsführung und können Ihn nur bewundern. Das haben wir auch in den vier Artikeln über die Fragen des Herrn Jesus erkannt.
Heute redet Er zu uns durch sein Wort. Wir wollen seinen ermunternden, prüfenden und herzerforschenden Fragen, die Er uns darin stellt, nicht ausweichen. Denn sie sind heilsam für die verwundete oder enttäuschte Seele, sie stellen unsere Gesinnung ins Licht, sie prüfen unseren Glauben und unsere Bereitschaft zum Zeugnis – und richten unsere Herzen neu auf Ihn aus.
Und wir wollen Ihm dankbar sein, dass Er nie damit aufhört.
Bernhard Brockhaus

„Denn ich werde schon als Trankopfer dargebracht, und die Zeit meines Abscheidens ist gekommen. Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe den Glauben bewahrt; fortan liegt mir bereit die Krone der Gerechtigkeit, die der Herr, der gerechte Richter, mir zur Vergeltung geben wird an jenem Tag; nicht allein aber mir, sondern auch allen, die seine Erscheinung lieben“ (2. Tim 4,6-8).
Der Begriff „Karriere“ ist auf das lateinische Wort „carrus“ (Wagen) bzw. „carrāria“ („Straße für Wagen“) zurückzuführen. Wir verstehen darunter in der Regel einen erfolgreichen Werdegang im Berufsleben. Leider steht das manchmal auch in Verbindung mit dem Streben nach persönlichem Ansehen und mit nicht immer guten Mitteln und Vorgehensweisen, um für sich selbst Vorteile und Weiterkommen zu erzielen. Paulus geht es hier natürlich weder um seine Berufskarriere noch um Ansehen oder Ehre für sich selbst. Es geht ihm um die Laufbahn seines Glaubenslebens, die er hier im letzten Kapitel des Briefes an seinen jüngeren Freund und Mitstreiter Timotheus mit kurzen Worten zusammenfasst. Wir wollen versuchen, daraus etwas für unsere eigene „Glaubenskarriere“ zu erfassen.
Auslöser für seinen Brief an Timotheus war sein zweiter Gefängnisaufenthalt in Rom und der damit verbundene Prozess vor dem römischen Kaiser Nero (dem „Tyrannenkaiser“). Er hatte den ersten Gerichtstermin bereits hinter sich und rechnete nun fest damit, als Märtyrer zum Tod verurteilt zu werden. Freimütig schreibt er darüber an Timotheus; nicht, um ihm sein Leid zu klagen, sondern um ihn im Glauben und Dienst zu stärken. Dazu spannt er in unserem Abschnitt einen Bogen über seine „Glaubenskarriere“:
Um seine Sicht vorzustellen, benutzt Paulus zwei Begriffe, die Timotheus sicher geläufig waren: „Trankopfer“ und „Abscheiden“.
Timotheus kannte die „heiligen Schriften“ (s. Kap. 3,15) und wusste deshalb um die Bedeutung des Trankopfers im Alten Testament. Als Abschluss des Opferrituals goss der Opfernde es über das Hauptopfer. Es war kein eigenständiges Opfer, sondern eine Beigabe (oder Spende, s. 2. Mo 29,40) des Opfernden. Im Sinn von Römer 12,1 hatte Paulus sein Leben Gott als lebendiges, heiliges und wohlgefälliges Schlachtopfer zur Verfügung gestellt. Er hatte seelische und körperliche Leiden in Kauf genommen und sogar sein Leben aufs Spiel gesetzt. Nie hatte er sich darüber beklagt, es war für ihn die „normale“ Folge eines gottseligen Lebens (s. 2. Tim 3,10-12).
Dieses Leben würde nun in seinem Märtyrertod den Höhepunkt finden – aber auch den Abschluss. Bildlich gesehen wurde so ein Trankopfer über sein Gott geweihtes Leben gegossen.
Das Trankopfer im Alten Testament bestand üblicherweise aus Wein (s. 4. Mo 28,14) und wurde nur einmal von Jakob zusammen mit Öl dargebracht (s. 1. Mo 35,14) – das Öl wurde sonst zur Zubereitung des Speisopfers verwendet (s. 4. Mo 15,4-10; 28,13). Der Wein – als Bild der Freude – steht für seine Freude, für Christus zu leiden. Darin waren ihm die anderen Apostel ein Vorbild (s. Apg 5,41). Das Öl – als Bild vom Heiligen Geist – erinnerte bei Jakobs Trankopfer an die Kraftquelle für sein aufopferndes Leben.
Das „Abscheiden“ beschreibt ursprünglich einen Prozess, den Timotheus auf seinen Schiffsreisen mit Paulus oft erlebt hatte. Die Verbform des griechischen Wortes bedeutet: etwas Verschlungenes auflösen. Früher beschrieb man damit das Loswerfen von Tauen beim Ablegen eines Schiffes. Mit diesem Bild illustriert Paulus, dass für ihn der physische Tod – auch der Tod als Märtyrer – gewissermaßen das Ablegen vom Kai eines Gasthafens ist, um Kurs auf den Heimathafen zu nehmen.
Der Gasthafen war für ihn die Erde. Mit Ausnahme der Beziehung zu den Gläubigen und seinem Dienst verband ihn nichts mehr damit. Der Heimathafen war für ihn der Himmel, wo es für ihn „weit besser“ (Phil 1,23) war, weil Christus dort ist. Beim Ihm wollte er sein und wenn Er ihn nun zu sich rief, würde dieser Wunsch Realität werden. Deshalb konnte er mit Freude jedes „Tau“ vom „Gasthafen Erde“ loswerfen – auch durch eine Hinrichtung. Paulus war definitiv nicht dienst- und lebensmüde, doch der Tod war für Ihn nur der letzte Schritt auf dem Weg zu seinem Herrn. Mit dem Ende seiner „Glaubenskarriere“ erreichte er das Ziel, dem er kompromisslos nachgejagt war: den „Kampfpreis der Berufung Gottes droben in Christus Jesus“ (s. Phil 3,13.14).
Zunächst gebraucht Paulus erneut Begriffe, die Timotheus etwas sagen. Sie stammen aus der Welt des Sports, der in der Antike einen hohen Stellenwert hatte (denken wir nur an die Olympischen Spiele): den „gekämpften Kampf“ und den „vollendeten Lauf“. Paulus redet aber auch vom „Glauben“. Timotheus wusste, dass er damit den Inhalt seines Glaubens (das Glaubensgut) meinte, denn er war sein Kind im Glauben (s. 1. Tim 1,2).
Der Kampf, von dem Paulus hier spricht, ist ein Sport-Wettkampf. An diesen Wettkämpfen konnten nur Athleten – „Profisportler“ – teilnehmen. Ihr ganzes Leben galt dem Wettkampf. Sie trainierten hart, richteten ihre Lebensführung auf körperliche Leistung aus und verzichteten auf alles, was ihnen oder ihrer Kondition schaden konnte. Schließlich nahmen sie, wo und wann immer es ging, an Wettspielen teil. Dabei kannten sie nur ein Ziel: den Preis zu gewinnen.
In dieser Haltung hatte auch Paulus seinen Dienst für den Herrn getan. Sein „Training“ bestand in der dauerhaften Gemeinschaft mit seinem Herrn, im anhaltenden Gebet und in der Beschäftigung mit dem Wort Gottes. In seinem Dienst und in seinem Leben fokussierte er sich ganz auf Christus und achtete alles andere – auch seine erfolgreiche „Berufskarriere“ – für Verlust, sogar für Dreck! (s. Phil 3,7-11). Bis an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit arbeitete (oder kämpfte) er im Dienst (s. 1. Tim 4,10).
Und der Preis, den er dabei gewinnen wollte? Das war der verherrlichte Christus selbst (s. Phil 3,12-14). Ihm war klar, dass er das Ziel erst im Himmel bei Christus vollständig erreichen würde, aber er wollte Ihn schon in seinem irdischen Leben gewinnen und in Ihm gefunden werden (s. Phil 3,8.9).
Danach schreibt Paulus von dem „Lauf“ (griech. „dromos“), den in den Arenen der Antike stattfindenden Laufwettbewerben (diese hatten üblicherweise das Längenmaß eines Stadions: 600 Fuß = ca. 180 m). An anderer Stelle wird das Wort aber auch für „Lebenslauf“ benutzt (z. B. in Apg 13,25). Paulus verbindet so den Wettkampf mit dem Verlauf seines Glaubensleben. Der „Einstieg“ in die Rennbahn war seine Bekehrung. Ab diesem Zeitpunkt rannte er mit hohem Tempo Schritt für Schritt auf die Ziellinie zu. In der Rennbahn verhielt er sich vorbildlich, davon schreibt er in 1. Korinther 9,24-27.
Aber wenn er hier das Adjektiv „gut“ hinzufügt, will er nicht sagen, dass er gut gelaufen ist (das ist er sicherlich), sondern weil ein Glaubenslauf vom Grundsatz her eine gute Disziplin ist: richtig (d. h. regelkonform und wahrheitsgetreu), nützlich, edel, herausfordernd und wertvoll. Diesen Wettlauf hat Paulus mit großem Eifer „vollendet“. Er ist ihn komplett gelaufen bis zur Überschreitung der Ziellinie – bis zu dem Augenblick seines Todes. Dafür war viel Kraft und Ausharren erforderlich, doch er hatte sich durch nichts ablenken und entmutigen lassen.
Kein Athlet kann erfolgreich sein, wenn er seine Sportart nicht in der Theorie versteht. Er muss wissen, wofür er kämpft und die Regeln und Abläufe kennen. Im Laufe seiner sportlichen Karriere muss er sich die für seine Disziplin geltenden Grundsätze immer wieder bewusst machen und gegen Angriffe verteidigen. Lässt er sich durch andere irritieren oder gibt er sie auf, wird er im Wettkampf erfolglos sein oder im schlimmsten Fall disqualifiziert werden.
Ähnlich dürfen wir die Aussage von Paulus anwenden, wenn er sagt, dass er „den Glauben bewahrt“ hat. „Der Glaube“ (mit Artikel) weist auf die Glaubenswahrheit als Ganzes hin, auf das umfängliche Glaubensgut, das Paulus bewahrt hatte (während „Glaube“ ohne Artikel mehr den persönlichen Glauben hervorhebt; vgl. Heb 11,1.3). Das Zentrum seines Glaubensguts war Jesus Christus. Gott hatte ihm das Geheimnis über dessen Person offenbart und ihn beauftragt, es allen zu verkündigen (s. Eph 3). Das hatte er getan und es – wann immer es notwendig war – gegen Angriffe auf die Wahrheit über Christus und seine Versammlung verteidigt. Am Ende seiner „Glaubenskarriere“ durfte er zu Recht für sich in Anspruch nehmen, den Glauben (sozusagen bis zum letzten Atemzug) bewahrt zu haben.
Für Paulus war materieller Erfolg oder Anerkennung durch Menschen keine Motivation für seine „Glaubenskarriere“. Doch er wusste, dass der, der ein gutes Werk auf dem Grund Gottes baut, Lohn empfängt (s. 1. Kor 3,14). Für ihn war das „die Krone der Gerechtigkeit“ (2. Tim 4,8). Hier ist keine juwelenbesetzte Königskrone gemeint, sondern ein einfacher Kranz aus einem geflochtenen Ölbaum- oder Myrtenzweig. Mit einem solchen Kranz wurden in der Antike erfolgreiche Sportler ausgezeichnet.
Wenn im Neuen Testament von solchen (verschiedenen) Kronen die Rede ist, dann dürfen wir darin die Anerkennung unseres Herrn für alles in unserem Leben sehen, was seine Zustimmung finden konnte. Paulus nennt sie „Krone der Gerechtigkeit“, weil er sie von seinem Herrn, dem gerechten Richter (oder Beurteiler), bekommen würde, der das Verborgene der Finsternis ans Licht bringen und die Überlegungen der Herzen offenbaren wird (s. 1. Kor 4,4.5). Als Antwort auf sein Leben und seinen Dienst in praktischer Gerechtigkeit, in praktischer Übereinstimmung mit Gott und seinen Gedanken erwartete er diese Krone.
Die Anerkennung seines Herrn für seinen Wettkampf und seinen Lauf bedeutete ihm mehr als alles andere. Jetzt beendete er seine „Glaubenskarriere“ in dem Bewusstsein, dass die Krone schon bereitlag und er sie bald am Richterstuhl Christi in Empfang nehmen würde. Und er freute sich, mit dieser Krone dazu beitragen zu dürfen, dass Christus einmal vor den Augen der Welt verherrlicht wird. Dann, wenn Er – begleitet von den Gläubigen – in Macht und Herrlichkeit auf der Erde erscheinen wird.
Der Lebenslauf von Paulus zeigt: „Glaubenskarriere“ lohnt sich! Dabei geht es nicht um uns, sondern um den, der uns so geliebt hat, dass Er sich selbst für uns hingegeben hat (s. Eph 5,2). Für Ihn dürfen wir uns konsequent aufopfern und sollten bereit sein, nicht als Bürger dieser Erde zu leben. Für Ihn dürfen wir die Wettkampffähigkeiten eines „Glaubensathleten“ haben: Disziplin und Training im geistlichen Wachstum, Ausdauer und die richtige Überzeugung, um den Glaubenslauf vom ersten bis zum letzten Tag zu laufen.
Basis für die „Glaubenskarriere“ ist die Klarheit über die inhaltlichen Grundlagen – über die Wahrheit des Glaubens – und die Bereitschaft, kompromisslos dafür einzustehen. Wenn wir bereit sind, das auf uns zu nehmen, dann wird sie erfolgreich sein: Wir werden ein glückliches Glaubensleben führen, zur Freude und zur Anerkennung unseres Herrn. Wir werden erleben, dass wir dabei selbst Freude und Segen erfahren, weil wir ganz dem leben, der für uns gestorben ist. Wenn wir uns Ihm hingeben, wenn wir Ihn in unserem Leben wirken lassen, dann werden wir als Eltern oder Großeltern, als Ältere in einer örtlichen Versammlung unseren Kindern, Enkelkindern und Jüngeren Vorbild sein. Sie dürfen von uns – so wie Timotheus von Paulus – lernen, dass unsere „Glaubenskarriere“ im vorgestellten Sinn viel wichtiger ist als eine irdische Karriere.
Henning Panthel

Ausharren – das ist ein altes Wort, das in unserem Alltag kaum noch benutzt wird. Es ist aber nicht nur ein altes Wort, es beschreibt auch eine Sache, die nicht (mehr) sehr populär ist. Schauen wir um uns herum, dann stellen wir fest, dass eine Beziehung schnell beendet wird, wenn es nicht mehr so richtig passt. Dass die Arbeitsstelle gewechselt wird, wenn Unzufriedenheit aufkommt. Dass oft die Lösung in der Veränderung der Situation gesucht wird und dass Ausharren kaum noch infrage kommt. Doch was sagt die Bibel dazu?
Seit dem Sündenfall ist das verdorben, was ursprünglich sehr gut aus Gottes Schöpferhand hervorgegangen ist. Die Folgen sind Mühen, Schmerzen, Schwierigkeiten und andere Randbedingungen, die Ausharren nötig machen. Wenn wir uns bekehren und Gott uns neues Leben schenkt, dann hören diese Schwierigkeiten nicht auf. Gott hat uns auch nicht versprochen, dass in unserem Leben alles glattläuft. Aber Er hat versprochen, uns zu helfen, Kraft zu geben und uns sicher bis ans Ziel zu bringen.
Es muss uns deshalb nicht wundern, wenn wir in schwierige Situationen kommen. Dann ist Ausharren gefragt. Gerade lang anhaltende Schwierigkeiten bewirken Ausharren (s. Röm 5,3). Doch das Ausharren bewirkt Bewährung und das ist etwas sehr Positives. Gott verfolgt ein Ziel mit uns, auch in den Schwierigkeiten, in die wir kommen. Im Ausharren werden wir geistlich wachsen und zu mehr Zufriedenheit kommen. Wir werden die Gnade zur rechtzeitigen Hilfe des Herrn erleben (s. Heb 4,16) und ruhig werden in Ihm. Wir werden erleben, dass seine Hilfe oft nicht unmittelbar, aber doch nie zu spät bereitsteht. Wir werden mehr und mehr lernen, dass wir nichts weiter brauchen, wenn wir Ihn haben und das, was Er schenkt (s. Jak 1,4).
So führt das Ausharren zu geistlichem Wachstum in unserem Glaubensleben hier auf der Erde. Aber noch mehr – es wird auch belohnt! Spätestens dann, wenn wir am Ziel angekommen sind, werden wir die volle Erfüllung aller Verheißungen Gottes ungehindert genießen. Dann wird es keine schwierigen Situationen mehr geben, keine Not, keine ungelösten Probleme. Dann werden wir nur noch Freude und Glück erleben. Das wird den Hebräern vorgestellt, die in großen Schwierigkeiten viel Ausharren brauchten (s. Heb 10,36).
Trotzdem bleibt es wahr, dass es nicht einfach ist, in Schwierigkeiten auszuharren. Das weiß unser Herr im Himmel und Er gibt uns vom Himmel her, was wir brauchen, um nicht aufzugeben. Und Er stellt sich selbst vor als der, der auf seinem schweren Weg auf der Erde und in seinem Werk am Kreuz ausgeharrt hat und jetzt immer noch mit Ausharren wartet.
Wie gut, dass Er ausgeharrt hat, bis Er rufen konnte: „Es ist vollbracht!“ (Joh 19,30). Und jetzt ist Er im Himmel und wartet darauf, dass Er die, für die Er sein Leben gegeben hat, zu sich holt. Auf diesen Augenblick seines Kommens zur Entrückung wartet Er mit Ausharren. Unsere Herzen dürfen auf dieses Ausharren und auf die Liebe Gottes ausgerichtet sein (s. 2. Thes 3,5). Die Liebe Gottes begleitet uns von Anfang unseres Glaubensweges an und das Ausharren des Christus erinnert uns an das Ende unseres Glaubensweges hier auf der Erde. Wenn Er selbst mit Ausharren wartet, dann sind wir mit Ihm verbunden im Ausharren, wenn wir in Schwierigkeiten nicht aufgeben.
Und nicht nur das – Gott selbst wird „der Gott des Ausharrens und der Ermunterung“ genannt (Röm 15,5). Ausharren ist also ein Wesenszug Gottes und da wir das göttliche Leben haben, passt dieser Wesenszug zu uns. Nicht zu unserer alten Natur, aber zu der neuen Natur! Und der Gott, der durch Ausharren gekennzeichnet ist, ist auch durch Ermunterung gekennzeichnet. Er wird uns immer wieder neuen Mut und neue Hilfe geben, wenn Ausharren gefragt ist.
Diese Hilfe entspricht seiner eigenen Herrlichkeit (s. Kol 1,11). Weit über unsere Bedürfnisse hinaus gibt es eine Quelle für Kraft, die in Gottes Herrlichkeit liegt. Er hat Macht, Er hat alle Ressourcen. Und Er stellt sie uns zur Verfügung, damit wir Kraft zum Ausharren haben – zum Ausharren sogar mit Freude.
Der Herr sieht uns und erweist uns sein Mitgefühl und seine Barmherzigkeit, so wie Er es bei Hiob in seinem Ausharren getan hat (s. Jak 5,11).
Ausharren ist nicht nur in Schwierigkeiten erforderlich. Auch der Dienst für den Herrn kann manchmal beschwerlich werden. Trotzdem ruft Gottes Wort uns durch das Beispiel von Archippus zu, dass wir auf den Dienst sehen sollen, den der Herr uns gegeben hat und ihn treu und mit Ausharren erfüllen sollen (s. Kol 4,17). Auch im Dienst für den Herrn können wir „weglaufen“, wenn Schwierigkeiten, Gegenwind oder auch Eigenwille aufkommen und wir dann wie Jona vom Angesicht des Herrn weg fliehen (s. Jona 1,3). Doch Weglaufen ist nicht die Option – Erfüllen lautet der göttliche Auftrag.
Grundsätzlich ruft Er uns zu, an dem Platz zu bleiben, an dem wir stehen. Aber Er kann auch Gelegenheiten schenken, die Situation zu verbessern. Dann dürfen wir diese Gelegenheiten dankbar aus seiner Hand annehmen und nutzen (s. 1. Kor 7,20.21). Doch Schwierigkeiten bedeuten nicht, dass wir weglaufen sollen. Paulus spricht gerade da, wo es viele Widersacher gab, von einer großen und wirkungsvollen Tür (s. 1. Kor 16,9) und die wollte er mit Gottes Hilfe gerne nutzen.
Dabei richten wir unsere Augen und unser Herz fest auf das Ziel, das vor uns liegt. Wir verstehen, dass das Ausharren heute und das Herrschen in der Zukunft zusammengehören (s. 2. Tim 2,12). Und wir lernen auch mehr und mehr, dass das Ausharren kein „schweres Los“ ist, sondern ein Ausharren der Hoffnung (s. 1. Thes 1,3), bei dem das vor uns liegende Ziel die Last der Gegenwart leichter werden lässt. Die Hoffnung wird sich erfüllen und dann hat jedes Ausharren ein Ende!
Christian Rosenthal
Eure Zuversicht werft nicht weg,
die einegroße Belohnung hat!
Harrt aus,vertraut auf Ihn,
Er hat’s gesagt,das ist der feste Beleg!
Kommen wird unser Herr,
ja, Er kommt bald!
Er ist nicht weit, eine ganz kleine Zeit:
Das gibt uns sicheren Halt!
Ein Inhaber und Leiter eines Unternehmens, das Schuhe produzierte, wurde einmal nach seiner beruflichen Tätigkeit gefragt. Seine Antwort lautete: „Ich bin auf dem Weg zum Himmel und unterwegs fertige ich einige Schuhe.“
Dieser Mann hatte jeden Tag mit Unternehmensstrategie, Businessplänen, Absatz- und Umsatzthemen, Personalentscheidungen und vielem mehr zu tun. Er hätte darüber berichten können, aber was für ihn entscheidend war, macht seine Antwort klar: Er war unterwegs zum Himmel. Dieses Ziel prägte sein Leben, im Beruf und in anderen Bereichen.
Nicht jeder gläubige Christ ist Unternehmer. Jeder von uns hat andere Aufgaben, die einen mehr in der Öffentlichkeit, die anderen mehr im Verborgenen. Mehr oder weniger ist jeder dadurch gefordert und ausgelastet. Aber die Ausrichtung, die der Schuhproduzent hatte, ist gut und nützlich für jeden Christen.
Wir werden einmal im Himmel sein, für immer bei dem Herrn Jesus. Dann werden wir einen Herrlichkeitskörper haben und Ihn sehen, wie Er ist. Wir werden mit allen Erlösten zusammen sein und nichts wird mehr zwischen uns stehen. Gemeinsam werden wir den Herrn Jesus anbeten. Weder Sünde noch Schwachheit wird dann irgendeinen Einfluss auf uns haben können. Wir werden mit dem Herrn Jesus herrschen, wir werden zugleich für immer unser Zuhause im Vaterhaus haben. Wir werden für immer unendlich glücklich sein.
Zu diesem herrlichen Ziel führt unser Weg. Er führt durch viele Herausforderungen, aber er führt sicher dorthin. Diese Ausrichtung für unser Leben wollen wir neu festmachen und auf dem Weg, den wir noch gehen, soll auch dieses Heft Mut machen und ein wenig Orientierung geben. Ich wünsche jedem Leser viel Segen bei der Lektüre!
Christian Rosenthal