BleibtInMir

...denn außer mir könnt ihr nichts tun

Zeitschrift für die christliche Familie

Dich zu lieben, Dich zu kennen

Lied 184 aus dem Liederbuch "Geistliche Lieder (254 Lieder)", CSV Hückeswagen
Erhältlich beim Herausgeber der Zeitschrift

Entstehung und Inhalt des Liederbuches „Kleine Sammlung Geistliche Lieder“

© Ernst-Paulus-Verlag

Nachdem der Schullehrer Carl Brockhaus, der aktiver und vollzeitlicher Mitarbei­ter im Evangelischen Brüderverein Wuppertal war, Ende 1852 aus diesem Verein austrat und seine Reisetätigkeit in Deutschland zur Verbreitung des Evangeliums und der biblischen Wahrheit über Christus und seine Versamm­lung begann, entstanden an vielen Orten christliche Versammlungen. In diesen Versammlungen entstand sehr bald ein Bedürfnis nach guten, biblisch begrün­deten Liedern.
Aufbauend auf einem Liederbuch von Julius Anton von Poseck („Lieder für die Kinder Gottes“) gab Carl Brockhaus erstmals im Jahr 1853 ein Liederbuch mit dem Titel „Kleine Sammlung geistlicher Lieder“ mit zunächst 83 Liedern heraus.
Fünf Jahre später erschien eine zweite Auflage mit 115 Liedern, bei der die Ver­tonung bereits in einem jeweils vierstimmigen Satz erfolgte. Im Jahr 1909 um­fasste die aktuelle Auflage 147 Lieder. Nach verschiedenen Überarbeitun­gen und Erweiterungen gibt es seit dem Jahr 2013 eine Auflage mit gleichem Titel und insgesamt 254 Liedern.

Inhalt des Liederbuches

Geistliche Lieder – das sind Lieder mit bibelorientiertem Inhalt, die in geistli­cher Gesinnung gesungen werden können. Sie dienen zum Dank, zum Lob Gottes, zur Anbetung und auch als Glaubenslieder zur Ermutigung und Erbauung der Gläubi­gen. Sie drücken Wahrheiten des Wortes Gottes aus und haben vielseitige Inhalte.
Häufig wird die Größe Gottes und seines Sohnes Jesus Christus besungen, es geht um sein Erlösungswerk und auch um die lebendige Hoffnung des Christen. Viele Lieder drücken auch das Glaubensvertrauen der Kinder Gottes aus oder handeln von den Erfahrungen, die auf dem Weg mit Gott gesammelt werden.
Auch wenn die „Kleine Sammlung geistlicher Lieder“ eine Reihe von Liedern ent­hält, die schon viele Jahre alt sind, ist ihr Inhalt doch immer noch aktuell und er­mutigend. Oft sind sie in schwierigen Situationen aus einer gelebten Gemein­schaft mit Gott und dem gestorbenen und auferstandenen Herrn entstanden und haben damit bis heute eine anspornende Wirkung. Es handelt sich wirklich um ein empfehlenswertes Liederbuch für den Gebrauch in den Zusammenkünften der Gläubigen und auch darüber hinaus.

in Anlehnung an einen älteren Aufsatz

"Geistliche Lieder (254 Lieder)", CSV Hückeswagen
Erhältlich beim Herausgeber der Zeitschrift

Ein neues Lied – gesungen im Himmel

© maltiase, stock.adobe.com
Und als es das Buch nahm, fielen die vier lebendigen Wesen und die vierundzwanzig Ältesten nieder vor dem Lamm, und sie hatten jeder eine Harfe und goldene Schalen voll Räucherwerk, welches die Gebete der Heiligen sind. Und sie singen ein neues Lied: Du bist würdig, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu öffnen; denn du bist geschlachtet worden und hast für Gott erkauft, durch dein Blut, aus jedem Stamm und jeder Sprache und jedem Volk und jeder Nation, und hast sie unserem Gott zu einem Königtum und zu Priestern gemacht, und sie werden über die Erde herrschen!
Off 5,8-10

Schon auf der Erde dürfen Glauben­de ihren Gott und den Herrn Jesus in Liedern loben, preisen und anbeten. Aber unsere Verse berichten von ei­nem Lied, das im Himmel, vor dem Thron Gottes, gesungen wird. Diese beeindruckende Szene, die Johannes in Offenbarung 5 schildert, spielt sich nach der Entrückung der Gläubigen und vor der Erscheinung des Herrn Jesus auf der Erde ab[1] .
Noch niemals hat es einen solchen Chor gegeben. Die 24 Ältesten, die dieses Lied singen, symbolisieren alle Gläubigen, sowohl diejenigen vor dem Erlösungswerk am Kreuz als auch die aus der Zeit der Gnade bis zum Kommen des Herrn Jesus zur Entrückung.

Der Anlass für das neue Lied

Was ist der Anlass zu diesem Lobge­sang, zu dieser Huldigung zu den Fü­ßen des Lammes? Es ist die Tatsa­che, dass allein Christus, das „Lamm wie geschlachtet“, die Würde (d. h. die Kompetenz, Fähigkeit und das Recht) hat, das Buch aus der Rech­ten Dessen zu nehmen, der auf dem Thron sitzt. Niemand sonst im ganzen Universum ist dazu imstande. Johan­nes weint, weil zunächst niemand ge­funden wird, das Buch zu öffnen. Aber die Ältesten wissen, dass Christus, der „Löwe aus dem Stamm Juda“, überwunden hat (s. Off 5,1-5).
Das Buch, um das es hier geht, ent­hält die Pläne Gottes in Bezug auf die Erde, ja die ganze Schöpfung. Es ist von innen und außen beschrie­ben. Das macht deutlich, wie detail­liert Gott alles „aufgezeichnet“ hat und dass kein Platz für menschliche Einfügungen oder Veränderungen da ist. Nein, alles mussgenau so gesche­hen, wie Gott es beschlossen hat (s. Off 1,1; 4,1).
Gott hat nie seinen Anspruch an die Erde aufgegeben. Kapitel 4 zeigt uns, dass Er alle Rechte hat, weil Er der Schöpfer ist. Kapitel 5 zeigt, dass Chris­tus der rechtmäßige „Erbe aller Din­ge“ ist. Er allein kann die Siegel die­ses Buches „öffnen“ und damit die darin beschriebenen Ereignisse auf der Erde in Gang setzen (s. Off 6,1ff).

Der Mittelpunkt des Thrones Gottes

Der Thron, den Johannes schon in Kapitel 4 sieht, steht im Himmel und zeigt die Erhabenheit, Majestät und Regierungsmacht Gottes. Er allein hat das Recht, zu regieren und das Böse zu richten. Die „Blitze, Stim­men und Donner“, die aus diesem Thron hervorgehen, sind ein Hinweis auf das Gericht Gottes, das über die Erde kommen wird. Dieser Thron ist also der Ausgangspunkt für alle Er­eignisse, die nach der Entrückung der Versammlung auf der Erde „ge­schehen müssen“ (Kap 4,1).
Johannes sieht jetzt den eigentli­chen Mittelpunkt dieses Thrones und derer, die den Thron umgeben: Es ist Chris­tus, das „Lamm wie geschlachtet“. Aber dieses „Lamm“ lebt wieder und „steht“ nun dort. Das deutet an, dass Christus nun bereit ist, seine Rechte an die Erde geltend zu machen. Er trägt die Kennzeichen von absoluter Macht (sieben Hörner) und absolu­ter Weisheit (sieben Geister Gottes). Als der „Löwe aus dem Stamm Juda“ hat Christus am Kreuz überwunden. Er ist der Sieger von Golgatha, dem nach dem Ratschluss Gottes alle Fein­de als Schemel für seine Füße hin­gelegt werden (s. Ps 110,1). Dieser Au­genblick steht nun kurz bevor. Doch Christus wird auch ewig die Kennzei­chen seiner Leiden und sei­nes Todes an sich tragen. Durch sein Werk am Kreuz hat Er sich das Recht erwor­ben, das Gericht auszuführen.

Die Ältesten fallen nieder

Dieses Lamm kommt jetzt und nimmt das Buch aus der Hand Gottes. Das ist der Moment, in dem die ganze Schöpfung in Be­wegung gerät. Zuerst lesen wir von dem neuen Lied im Himmel, dann von dem Lobpreis der Engel (s. V. 11.12) und schließlich von dem der ganzen Schöpfung (s. V. 13).
Zunächst fallen die lebendigen We­sen und die 24 Ältesten[2] nieder vor dem Lamm. Ohne eine besondere Aufforderung und ohne einen „Diri­genten“ oder „Vorsänger“ singen jetzt zum ersten Mal Gläubige aus der Zeit des Alten und Neuen Testamen­tes gemeinsam ein Lied. Und sie tun das zu den Füßen des Lammes.
Durch diese angemessene Haltung drücken sie aus, was in ihren Herzen ist: Ehrfurcht vor der Person ihres Heilands und tiefe Dankbarkeit für das, was Er getan hat, besonders für das, was Er für Gott getan hat.

Harfen und Schalen voll Räucherwerk

Schon in Kapitel 4 sehen wir in den „weißen Kleidern“ und den „goldenen Kronen“ der Ältesten die Kennzeichen eines heiligen und kö­niglichen Priestertums (s. Kap 4,4). Diese Tatsache wird jetzt bekräftigt durch die Harfen (Symbol der Anbe­tung und des Lobpreises Gottes – s. z. B. 1. Chr 13,8) und die Schalen von Räucherwerk, welches die Gebete der Heiligen sind. Die Heiligen, deren Ge­bete hier von den Ältesten vor Gott und das Lamm gebracht werden, sind Gläubige auf der Erde – vornehm­lich ein Überrest aus dem Volk Israel. Sie müssen noch durch schreckliche Ge­richte und Drangsale gehen und wer­den in ihrer großen Not zu Gott ru­fen. Wir, die wir zu den himmlischen Heiligen gehören, sind gewürdigt, uns in priesterlicher Weise für sie zu ver­wenden und ihre Gebete vor Gott zu bringen.
Sehr berührend ist die Formulie­rung: „Sie hatten jeder …“ Diese Worte zei­gen, dass jeder einzelne der himmli­schen Heiligen ganz persönlich eine Wertschätzung für das Lamm hat und ebenso ganz persönlich Anteil nimmt an dem Schicksal der Heiligen auf der Erde. In diesem großen Chor wer­den eigene Empfindungen und persönli­che anbetende Gedanken keines­wegs „untergehen“.

Das neue Lied

Dieses Lied, das man den „Triumph­gesang der Erlösten“ nennen kann, ist in mehrfacher Hinsicht „neu“:

  • Es wird im Himmel gesungen, an einem „neuen Ort“, wo bis dahin außer Christus noch nie ein Mensch war und zuvor auch noch nie ge­sungen wurde.
  • Es wird von Gläubigen gesungen, die einen „neuen Leib“ haben, „gleich­förmig seinem Leib der Herr­lichkeit“ (Phil 3,21), und die völlig frei sind von Sünde und Schwach­heit.
  • Es steht in einem gewissen Gegen­satz zu dem „alten Lied“ der Erlö­sung, welches das Volk Israel nach der Befreiung aus Ägypten gesun­gen hat (s. 2. Mo 15). Damals be­jubelte ein erlöstes Volk eine irdi­sche, zeitliche Befreiung. Hier sin­gen erlöste Menschen aus allen Zeitepochen und allen Völkern die­ser Erde, die bis zur Entrückung ge­lebt haben. Und sie besingen eine durch die Auferstehung des Herrn Jesus besiegelte und in seinen Aus­wirkungen ewige Erlösung.
  • Durch das Eingreifen des Lammes wird nun ein „neues“ und endgül­tig letztes Kapitel in der Geschich­te der Menschheit auf der Erde eingeläutet. Am Ende kann gesagt werden: „Siehe, ich mache alles neu“ (Off 21,5).
  • Besungen wird hier auch ein „neu­er Segen“, eine neue Stellung derer, die aus allen Völkern durch das Blut des Lammes erkauft sind. Sie mögen in der Drangsalszeit ver­folgt, verachtet oder vielleicht sogar ge­tötet werden. Aber sie sind durch den Opfertod des Lammes zu ei­nem „Königtum“ und zu „Priestern Gottes“ gemacht. Sie werden „über die Erde herrschen“.

Vier „Liedzeilen“ des neuen Liedes

Dieses Lied hat vier Strophen oder Liedzeilen, deren Reihenfolge bedeut­sam ist:

  • Zuerst wird die „Würde des Lam­mes“ besungen. Es wird festge­stellt, was der Herr Jesus in sich selbst ist. Er ist „würdig“ und kann daher auch alles empfangen, was Gott Ihm als Mensch geben wird: Die Herrschaft über „alle Werke seiner Hände“ (Ps. 8,7). Mit welch einer Vertrautheit kommt den Ältesten das persönliche „Du“ über die Lip­pen. Sie haben eine persön­liche Beziehung zu dem, der sie erkauft hat, und wissen, dass al­les nur von seiner Würde ab­hängt.
  • Zweitens sagen sie, worin diese Würde jetzt besonders erkennbar wird:
    ○ Es ist sein volles Recht, sein Erb­teil in Besitz zu nehmen und das Buch zu nehmen.
    ○ Es ist sein Recht, die Siegel des Buches zu öffnen, damit alle in diesem Buch aufgeschriebenen Ereignisse genauso und in festgeschriebener Reihenfolge auf der Erde stattfinden. Ja, dieses Lamm, das einst misshandelt wur­de und „stumm war vor sei­nen Scherern“ (Jes 53, 7), wird jetzt mit großer Macht seine Rechte an die Erde geltend ma­chen. Die Menschen werden spü­ren, dass nun „der Zorn des Lam­mes“ ge­kommen ist (Off 6,17).
  • Drittens weisen sie auf sein voll­brachtes Werk am Kreuz hin – die Grundlage für alles. Sie nennen auch den unendlich kostbaren Kauf­preis: sein Blut. So legen sie den Nachdruck darauf, dass Er „für Gott“ erkauft hat.
  • Erst zuletzt sprechen sie von der Segensstellung, von den Fol­gen für alle, die durch das Blut des Lammes erkauft sind. Dabei tre­ten die himmlischen Heiligen in den Hintergrund und die Heili­gen der Drangsalszeit in den Vorder­grund. Denn obwohl dieser Se­gen, das „königliche Priester­tum“ und die herrschende Stellung über die Erde, auch ihr Teil sein wird, den­ken sie zunächst an andere. Sie sagen nicht „Du hast uns“, son­dern „und hast sie …“ Dabei steht be­sonders groß vor ihren Augen, dass Er es „für unseren Gott“ ge­tan hat.

Anbetung schon heute

Wie darf gerade dieser letzte Ge­danke auch schon heute unsere An­betung prägen. Gewiss, sie ist noch im „Leib der Schwachheit“ und un­vollkommen. Aber es macht uns glücklich, daran zu denken, dass der Herr Jesus das Werk am Kreuz in erster Linie für Gott vollbracht hat. Er wollte dem Vater Anbeter zufüh­ren, die sich auch einmal selbst vergessen können. Stattdessen dür­fen sie über die Größe und Erhaben­heit seines Sohnes sprechen (und davon singen) und Ihn selbst in An­betung vor den Vater bringen. Hier auf der Erde dürfen wir schon mit dem beginnen, was wir bald voll­kommen und in Ewigkeit fortsetzen werden.

Wolfgang Kleine


Fußnoten:

  1. Mit Kapitel 4 beginnt der dritte Teil der Offenba­rung, gemäß der Einteilung in Kapitel 1,19. Johan­nes sieht eine geöffnete Tür im Himmel und wird aufgefordert: „Komm hier herauf, und ich werde dir zeigen, was nach diesem geschehen muss.“ „Nach diesem“ - das ist nach der Zeitperi­ode des christli­chen Zeugnisses auf der Erde, des­sen Ent­wicklungsgeschichte in den Kapiteln 2 und 3 be­schrieben wird. Die Glaubenden werden ab jetzt nur noch im Himmel gesehen, dargestellt in den „24 Äl­testen“. Alles, was ab Kapitel 4 in der Offen­barung berichtet wird, ist daher aus heutiger Sicht noch zukünftig. Die Kapitel 4 und 5 gehören inhaltlich zusammen. Sie sind eine Art Einleitung zu dem, „was bald ge­schehen muss“ und mit Kapitel 6,1 (dem Öffnen des ersten Siegels) beginnt. Sie lassen uns gewis­sermaßen einen Blick „hinter die Kulissen“ werfen. Wir erfahren, warum Gott Ansprüche an die Erde hat (weil Er der Schöpfer ist), dass alles seinen Ur­sprung im Himmel hat (Ausgangspunkt ist der Ge­richtsthron) und vor allem, dass es nur Einen gibt, der die Würde hat, alle seine Pläne auszuführen und das Erbe in Besitz zu nehmen.

  2. Es braucht uns nicht zu wundern, dass hier – anders als in Kapitel vier – die lebendigen Wesen und die Ältesten nicht voneinander getrennt gese­hen wer­den. Diese „lebendigen Wesen“ sind keine Perso­nen oder Engel im eigentlichen Sinn, auch wenn die Beschreibung in Kapitel 4,6-8 zum Teil an Engel erinnert. Sie sind eine symbolische Darstel­lung von der Art und Weise, wie Gott das Gericht ausführen wird. Sie zeigen uns Gottes Handlungs- und Regie­rungsprinzipien: Stärke (Löwe), Beharrlich­keit (Stier), Weisheit (Mensch) und Schnelligkeit (Adler). Wir dürfen daraus schließen, dass wir im Himmel in vollkommener Übereinstimmung mit Gott sein wer­den, sowohl mit seinem Handeln als auch mit der Art und Weise, wie alles „geschehen muss

Die Nützlichkeit gemeinsamen Singens und Spielens christlicher Lieder

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  1. Eine Familie mit noch kleinen Kindern ist mit dem Abendessen fertig. „Welches Lied sollen wir heute Abend singen?“, fragt der Vater. „Nur mit einer Schlinge, …“, tönt es aus dem Mund eines der Kleinen. Alle können dies Lied auswendig und mit großer Freude wird es mit dazu passenden Handbewegungen gesungen. „Wer will uns diese Geschichte noch einmal etwas ausführlicher erzählen?“, fährt der Vater fort, nachdem das Lied ver­klungen ist.
  2. Vater, Mutter und die schon erwachsenen Kinder stehen am Klavier, an dem die älteste Tochter sitzt. „Wir haben schon lange nicht mehr `Die Himmel erzählen die Ehre Gottes´ gesungen“, sagt die Mutter. „Wollen wir es einmal probieren?“ Alle sind begeistert und nach einigen Anläufen gelingt es der musikalischen Familie, den herrlichen Choral fehlerfrei vorzutragen. „Das müssen wir wieder öfter machen“, klingt es unisono.
  3. Einige junge Geschwister sind beieinander. Es wird Smalltalk über dieses und jenes geführt, bis jemand die Frage stellt: „Wollen wir nicht einmal ein Lied singen?“ Dem ersten Lied folgen weitere und die danach geführten Gespräche haben ganz andere Inhalte als die davor.
  4. Brüder sitzen zusammen und unterhalten sich über Schwierigkeiten in den Versammlungen. Die Stimmung ist etwas bedrückend. Plötzlich sagt einer von ihnen: „Lasst uns doch einmal ein Lied singen.“ Gesagt, getan. Es ist, als ob es im Raum heller wird.
  5. In einem von Gläubigen geführten Altenheim sitzen einige alte Geschwister verstreut in den Sitzgruppen des Aufenthaltsraumes. Viele blicken stumm vor sich hin. Ein Besucher kommt herein und setzt sich an ein dort stehendes Klavier. Er beginnt, „Gott ist die Liebe“ zu spielen und zu singen. Ein Heimbewohner nach dem andern stimmt mit ein und man sieht manche leuchtenden Augen.

Die Liste dieser Beispiele ließe sich beliebig verlängern. Wer von uns hat nicht schon Ähnliches erlebt und denkt nicht gerne daran zurück? Wir wollen einmal mit dem letzten Bei­spiel beginnen und es mit dem ers­ten verbinden.
Die meisten alten Geschwister, die trotz beginnender Demenz „Gott ist die Liebe“ mitsingen und sich dar­über freuen, haben dieses Lied in jungen Jahren gelernt. Bis ins höchs­te Alter bleibt es im Gedächtnis. Ein Kind gläubiger Eltern, das sich vom Herrn abgewandt hat, sagte einmal: „Die frommen Lieder, die ich als Kind gesungen habe, würde ich am liebs­ten vergessen, aber ich kann es nicht.“
Ich durfte als junger Bursche einige Zeit in einer Familie sein, in der die Mutter die Schulkinder am Morgen immer mit einem Gebet und einem gemeinsam gesungenen Lied im Flur entließ. Welch ein Vorbild für viele unter uns!
Die ältere Tochter, die den Choral am Klavier begleitet (Beispiel 2), wird viel­leicht einmal Mutter sein und ihrem Kind das erste christliche Lied mit Klavierbegleitung vorsingen. Wel­chen guten Grundstock für die Pflege christlicher Hausmusik der zukünfti­gen Generation wird in den jetzigen gelegt – auch dadurch, dass man die Kinder Instrumente erlernen lässt, die zur Begleitung solcher Lieder ge­eignet sind.[1]
Wie freuen wir uns, wenn in den Zu­sammenkünften die vorgeschlagenen Lieder zu dem vorgelesenen Bibel­text, dem betrachteten Gegenstand oder dem zuvor gesprochenen Ge­bet „passen“. Der Bruder, der das Lied vorgeschlagen hat, hat dies mit geist­licher Einsicht und unter der Leitung des Heiligen Geistes getan. Aber dazu muss er den Liedschatz gut kennen. Durch das regelmäßige Singen dieser Lieder in den Häusern der Gläu­bigen eignen sich alle Beteilig­ten dieses Liedgut immer mehr an.
Größeren Kindern kann man auch einmal die Aufgabe stellen, sich zu überlegen, an welche Bibelstellen der Autor bei der Abfassung des Lied­textes wohl gedacht hat. Dadurch ler­nen die Kinder den außergewöhnli­chen Wert der geistlichen Lieder zu schätzen und erwerben gleichzeitig das Rüstzeug dafür, neues christli­ches Liedgut, mit dem sie in Berührung kommen, geistlich zu beurteilen.
Beispiel 3 zeigte uns junge Geschwis­ter, die spontan gemeinsam singen. Die Freude junger Gläubiger am Sin­gen kann vielfältig genutzt werden. Viele ältere Geschwister sind schon an ihrem Geburtstag durch Lieder ermuntert worden, die ihnen einige junge Leute gesungen haben. In vie­len Altenheimen und auch manchen Krankenhäusern ist ein Chor immer noch herzlich willkommen. Geschwis­ter, die einen christlichen Bücher­tisch betreiben, freuen sich, wenn junge Leute die Passanten mit ei­nem frisch gesungenen Lied auf den Herrn Jesus aufmerksam machen und zwischen den Lie­dern viel­leicht auch noch eine kurze evangelistische Botschaft an die Zu­hörer richten. Wenn an deinem Ort nicht genügend Leute sind, um einen kleinen Chor zusammenzustel­len, könnt ihr euch vielleicht mit Ge­schwistern von benachbarten Ver­sammlungen zusammentun. Gleich­zeitig wird dadurch die praktische Einheit gefördert.
Das vierte Beispiel erinnert mich an Paulus und Silas im Gefängnis in Philippi. Sie haben nicht gleich gesun­gen, nachdem sie inhaftiert worden waren, sondern erst gegen Mitter­nacht. Bevor sie äußerlich wieder frei wurden, sind sie innerlich frei geworden. Das Sprichwort „Danken schützt vor Wanken und Loben zieht nach oben“ hat sich schon oft be­wahrheitet. Manche von uns sind häufig im Auto unterwegs. Statt sich mit Musik berieseln zu lassen, kann man auch selbst singen. Das ist mög­lich, wenn man alleine unter­wegs ist, und ebenso, wenn man zu mehre­ren im Auto sitzt.
Möchten diese Beispiele uns alle ani­mieren, alleine, in der Familie und als Glaubensgeschwister wieder mehr zu singen.

Lobt den Herrn! Denn es ist gut, unseren Gott zu besingen;
denn es ist lieblich, es geziemt sich Lobgesang.
Psalm 147,1


Horst Zielfeld


Fußnoten:

  1. Dabei sind natürlich die Möglichkeiten der Kinder und der finanzielle Spielraum der Familie zu berück­sichtigen. Es geht nicht darum, perfekte Musiker auszubilden, sondern eine Hinführung und Unter­stützung zum Singen und Spielen von guten christli­chen Liedern zu finden.

Philipp Friedrich Hiller
Der Dichter des Liedes „Die Gnade sei mit allen, die Gnade unseres Herrn …“

© wikipedia.org
© Landeskirchliche Zentralbibliothek Sign.: A13 751

… wurde am 6. Januar 1699 in Mühl­hausen bei Vaihingen an der Enz in Ba­den- Württemberg geboren. Philipp Friedrich Hiller hatte es schwer: Als er zwei Jahre alt war, starb sein Vater. Im Alter von acht Jahren war Hiller mit seiner Mutter und seinem Stiefvater auf der Flucht vor den mor­denden und plündernden Soldaten der französischen Besatzung.
Schon früh wurde sein außerordent­liches musikalisches Talent deutlich. Er wurde an der Lateinschule in Vaihin­gen und ab 1713 in der Klosterschule in Denkendorf ausgebildet. Dort war er Schüler des schwäbisch lutherischen Theologen Johann Albrecht Bengel.
Ab 1719 studierte er Theologie am Stift in Tübingen, wo er 1724 das Examen ablegte. Nach einigen Stellen als Vikar und zwei Jahren als Hauslehrer in Nürnberg wurde er 1732 Pfarrer in Neckargröningen bei Ludwigsburg und heiratete eine Pfarrerstochter.
Schließlich wechselte Philipp Friedrich Hiller 1748 auf eine Pfarrstelle in Stein­heim auf der rauen schwäbischen Ostalb bei Heidenheim.

Hier nahm ihn Gott in seine Schule:

Die Familie ging durch manche Nöte. Seine Frau wurde mehrmals so schwer krank, dass man nicht mit ihrem Überleben rechnen konnte. Aufgrund seines niedrigen Gehalts wusste er des Öfteren nicht, wie er seine 11 Kinder versor­gen sollte.
Philipp Friedrich Hiller selbst traf 1751 ein schwerer Schlag: Infolge eines Hals­leidens verlor er innerhalb kurzer Zeit trotz aller ärztlichen Bemühungen seine Stimme. Ein anonymer Geldgeber sorgte zwar für Linderung der finanziellen Situation. Die Symptome dieser seltsamen Krankheit steigerten sich aber, bis schließlich die Stimmbänder keinen klaren Laut mehr hervorbringen konnten.
Seine Tätigkeit als Prediger konnte der redebegabte Philipp Friedrich Hiller nicht mehr ausüben. Er wurde immer bedrückter und verzweifelter. Indem er einen Vikar einstellte, konnte er seine Stelle behalten. Er selbst übte weiter die Seelsorge aus und hielt Erbauungsstunden im privaten Kreis ab.
Nun nutzte er die Zeit zu vertieftem Bibelstudium. Dabei fand er in Gottes Wort Jesus, den Retter – den, der das Licht ins Leben bringt. Er bekennt:

Das Suchen (in der Schrift) ist gut, und das Finden ist gewiss. Man muss aber in diesem unvergleichlichen Buch das Zeugnis von Jesus suchen. Wer Je­sus nicht sucht, der bleibt in der Finsternis, und wer ihn anderwärts als da sucht, der findet ihn nirgends.


In diesen für ihn dunklen Führungen schrieb er im Oktober 1751 an Johann Albrecht Bengel [1687 – 1752]:

Ich bin eine Zeit her in so schweren An­fechtungen, dass sie mir bisweilen übermenschlich zu sein scheinen. Ich bete, ich weine, ich schütte mein Herz aus, flehe um Wiederer­langung mei­ner Stimme. … Von den täglich sich wiederholenden Kämpfen will ich keine weiteren Worte machen. Aber das kann ich nicht unterlassen, Dich herzlich zu bitten, dass auch Du den Herrn angehst und bittest, dass Er, der größer ist als mein Herz, mich seines Willens gewiss mache, sei es durch seine Hilfe, sei es, dass er mir aus seinem Worte Weisheit gebe zum Dulden (s. Jak 1,5), sei es durch Deinen Rat oder Deinen Trost oder Deine Belehrung.


Später schrieb er ihm sinngemäß:

Ich schütte mein Herz aus, und unter dem Gebet werde ich ruhig. Aber unversehens kehrt die Bangigkeit zurück und die Wogen brechen wieder herein, ich hänge zwischen Furcht und Hoffnung. Ich stütze mich auf das Wort: Alles, was ihr bittet im Gebet, wenn ihr glaubt, wer­det ihr’s empfangen. – Aber ach, welche Einwendungen erheben sich dage­gen: Du betest um Irdisches und nicht nach dem Willen Gottes; es ist zu groß, was du begehrst! Aber was ist dem Allmächtigen zu groß? Hätte Er selbst nicht das Wort gesprochen, ich wagte nicht, so zu bitten. Nach der Ruhe folgt ein neuer Sturm: Hör auf mit Bitten! Wenn Gott hören wollte, wäre die Krankheit längst gewichen! Doch Er selbst fordert uns auf, allezeit zu beten und nicht zu ermat­ten. So fahre ich denn getrost mit Beten fort.

In dieser schweren Zeit dichtete Philipp Friedrich Hiller viele Lob- und Danklie­der.
Es entstanden daraus zwei Liedbände unter dem Titel „Geistliches Lieder­kästlein”. Thematische Schwerpunkte sind zu ausgewählten Bibelworten das Lob Gottes, die Hoffnung auf die Wie­derkunft Christi und das vollkommene Heil.
Darin bekannte er:

Herr, Du kennst meine Schwäche / nur Deiner harre ich. / Nicht das, was ich verspreche /was Du sprichst, tröstet mich.


Oder auch:

Dass ich schwach bin, wird Er wissen;/ dass Er stark ist, weiß auch ich.


Gleichzeitig wusste er:

Auf Gnade darf man trauen, / man traut ihr ohne Reu; / und wenn uns je will grauen, / so bleibt’s: Der Herr ist treu!


So gewann er Kraft „aus der Schwachheit“ und obwohl er fast nicht mehr sprechen konnte, war „seine Zunge der Griffel eines fertigen Schreibers“ (s. Heb 11,34; Ps 45,2).
In dieser Zeit dichtete er auch ein Lied, welches auszugsweise unter der Nummer 187 Eingang in das Liederbuch „Geistliche Lieder“gefunden hat:

Die Gnade sei mit allen,
die Gnade unsers Herrn,
des Herrn, dem wir hier wallen
und sehn sein Kommen gern.

Auf Gnade darf man trauen,
man traut ihr ohne Reu;
und wenn uns je will grauen,
so bleibt´s: der Herr ist treu!

Auf dem so schmalen Pfade
gelingt uns ja kein Tritt,
es gehe Seine Gnade
denn bis zum Ende mit.

Auch ist es uns kein Schaden,
was man verliert für Ihn.
Wir haben Seine Gnaden
als ewigen Gewinn.

Herr, lass es Dir gefallen,
von Herzen rufen wir:
Die Gnade sei mit allen,
die Gnade sei mit mir!


Als praktische Hilfe in notvollen Zeiten gibt der Dichter den Ratschlag, die Blickrichtung zu ändern – von dem Grund des Leidens wegzuschauen und den Blick hin auf den himmlischen Vater zu richten, der in die Leiden und die Not des Einzelnen sieht.
Darin sind auch Vorschläge enthalten, die einem Wort aus Psalm 42,12 ent­sprechen:

Mein Herz, gib dich zur Ruh, was soll das Zagen? / Was willst du immerzu dein Elend klagen? / Lass die bekümmert sein, die Gott nicht kennen, / die Ihn in ihrer Pein nicht Vater nennen.

Auf, schau nur über dich, wer dich betrübet; / der Vater sieht auf dich, der stäupt und liebet; / nach Ihm sieh in die Höh mit festem Sehnen / und glaube nur, Er seh dir in die Tränen.

Wenn du im Seufzen meinst, wieviel dir fehle, / so sage, wenn du weinst, doch deiner Seele: / An Jesus ist’s genug, den Er gegeben; / das ist des Vaters Zug, / Er zieht zum Leben.

Sei still in mir, mein Herz, was willst du wanken? Ich werde Ihm nach dem Schmerz / gewiss noch danken. Mir hilft sein Angesicht, ich habe Proben. Mein Gott, ich will im Licht / Dich ewig loben.

Gott hat es mit seinem Ende gnädig gemacht, so wie er es in einem seiner Lie­der erbeten hat:

Herr, meine Leibeshütte / sinkt nach und nach zu Grab. / Gewähre mir die Bitte und brich sie stille ab …

Er starb nach einem Schlaganfall am 24. April 1769 in Steinheim bei Heiden­heim in Baden-Württemberg.
Albert Knapp [1798-1864] schreibt darüber: „Sein Gesuch wurde ihm nicht ver­weigert. Nach Vollendung seines 70. Lebensjahres, als er die meisten seiner Kinder teil versorgt oder doch auf dem ewigen Weg wandeln sah, befiel ihn eines Tages, dem 24. April 1769, nachts unvermutet ein Schlaganfall; und als die Seinen, durch sein Röcheln aufgeweckt, herbeieilten, vernahmen sie auf ihre be­sorgten Fragen nur noch ein Wort seines Mundes: es sei ihm wehe. Sogleich hernach stockte der Atem … um seinem schon so lange gefundenen Gott ster­bend in die Arme zu fallen“.
Philipp Friedrich Hiller sagte einmal, es sei eine erquickliche und nützliche Vorbereitung auf die Ewigkeit, sich in der Zeit in Gottes Lob zu üben.
Davon spricht auch sein Lied „Wir warten Dein, o Gottes Sohn“ – Liederbuch „Geistliche Lieder“, Nummer 26:

Wir warten Dein – Du kommst gewiss,
die Zeit ist bald vergangen.
Dann endet jede Kümmernis
dann schweiget das Verlangen.
Was wird geschehn,
wenn wir Dich sehn?
Wir werden jauchzend singen.
Lob, Ehr und Dank Dir bringen.

Friedhelm Müller

Julie Katharina von Hausmann
Die Dichterin des Liedes „So nimm denn meine Hände“

© wikipedia.org
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Julie Katharina von Hausmann (* 7. März 1826 in Mitau; † 15. August 1901 in Võsu, Estland) war eine deutsch-baltische Dichterin, die vor allem durch ihr Gedicht „So nimm denn meine Hän­de“ bekannt wurde.
Julie verbrachte als Tochter eines Gym­nasiallehrers ihre Kindheit in Mitau. Als die fünfte in der Reihe von sechs Schwestern, von denen die vierte sechs Jahre älter und die sechste sechs Jah­re jünger als sie war, stand sie ziem­lich allein im Elternhaus, liebte aber die Stille und Einsamkeit, die für ihre innere Entwicklung und ihr Gebetsle­ben so wertvoll waren.
In der Zeit der Vorbereitung auf die Konfirmation durch Pastor Theodor Ne­ander lernte sie den Heiland kennen und lieben, dem sie dann ihr Herz und junges Leben übergab. Julie von Hausmann war als Lehrerin und Erzieherin in ver­schiedenen Häusern ihrer baltischen Heimat tätig, musste aber wegen ihrer schwachen Natur und des häufigen Krankseins oft ihre Stellungen wechseln.
In stillen Stunden schrieb sie nieder, was sie innerlich erlebte oder was in schlaflo­ser, schmerzensreicher Nachtstunde zum Lied geworden war. In ihrer Scheu, anderen einen Blick in ihr Innenleben zu gewähren, hielt sie ihren Schatz ängstlich geheim und teilte ihre Gedichte nur Wenigen mit. Ihre Freundin Olga von Karp war überzeugt, dass die Gedichte, die Julie Hausmann schrieb, für einen weiteren Kreis von Menschen nützlich sein könnten. Die Dichterin selbst nannte ihre Verse „schwach und unvollkommen“.
Trotzdem ließ sie sich überreden, eine Sammlung ihrer Gedichte an Pfarrer Gustav Knack (1806-1878) zu senden. Sie verschickte die Lieder anonym. Knack machte den Absender ausfindig und gab ein Liederbändchen mit hundert Liedern heraus. Julie schrieb an Knack: „Sollte auch nur ein Herz durch diese schwachen unvollkommenen Lieder erfreut werden, so wäre es ja eine Gna­de, deren ich nimmermehr wert bin, für die ich immer wieder singen und lo­ben wollte mein Leben lang“… und bemerkte schließlich: „Dass Sie meinen Namen verschweigen, brauche ich Sie wohl nicht zu bitten.“ So stand auf dem unscheinbaren Heft nur: »Maiblumen, Lieder einer Stillen im Lande, darge­reicht von Gustav Knack«. Der Verkaufserlös war einem Waisenhaus in Hong­kong gewidmet.
Ganz gegen ihren Wunsch wurde so ihr Name doch bekannt.
Sie hat ein Gedicht niedergeschrieben, das unzähligen Menschen zum Se­gen werden sollte:

So nimm denn meine Hände und führe mich
bis an mein selig Ende und ewiglich!
Ich mag allein nicht gehen, nicht einen Schritt;
wo Du wirst gehen und stehen, da nimm mich mit.


In Dein Erbarmen hülle mein schwaches Herz
und mach es endlich stille in Freud und Schmerz.
Lass ruhn zu deinen Füßen Dein armes Kind;
es will die Augen schließen und glauben blind.


Wenn ich auch gleich nichts fühle von deiner Macht,
Du bringst mich doch zum Ziele, auch durch die Nacht.
So nimm denn meine Hände und führe mich
bis an mein selig Ende und ewiglich.
Author


Aus großer Not sind die Worte dieses Gedichtes von ihr zu Papier gebracht worden.
Julie Hausmann hatte sich in einen Theologen verliebt. Doch der wollte nicht Gemeindepastor werden, sondern als Missionar nach Afrika gehen. Sein Abreisetermin stand schon fest, als die beiden sich kennenlernten. Sie verlob­ten sich, und dann ging der junge Missionar auf die Reise. Bald danach folgte Julie ihrem Verlobten. Sie nahm die strapaziöse Schiffsreise auf sich mit der frohen Erwartung vor Augen: Sie wird ihren Liebsten wiedersehen. Doch der erwartete sie nicht im Hafen. Stattdessen wurde sie auf den Friedhof der Missionsstation geführt: Ihr Verlobter war kurz vorher einer Epidemie zum Opfer gefallen.
Alles schien zusammenzubrechen. Sie war allein. Doch nach langem, stillem und heißem Ringen erhob sie sich wie von einem schweren Traum. Die Prü­fung war bestanden; auf der Station löste sich von ihrem Herzen jenes Ge­betslied, das Ungezählten zum Trost werden sollte. Noch am gleichen Abend – so heißt es – setzte sich Julie Hausmann hin und dichtete ihr Lied, in dem es in der dritten Strophe heißt: „Wenn ich auch gleich nichts fühle von Deiner Macht, Du führst mich doch zum Ziele, auch durch die Nacht: So nimm denn meine Hände …!“ Damit hatte sie ein Lied voller Vertrauen und Glauben ge­schaffen, das ihr sicherlich auf ihrem schweren Rückweg von Afrika geholfen hat, das aber auch mit der bewegenden Melodie heute vielen Menschen, die Abschied nehmen, Trost und Halt gibt.
Und mit dem kindlichen Vertrauen, dass sie an die Hand genommen wird, ihre Hände gehalten werden und sie ihren Weg sicher gehen kann, hat sie eine wichtige Erfahrung weitergegeben, die sicherlich auch viele Men­schen nach ihr und vor ihr gemacht haben.
Durch die Melodie von Friedrich Silcher (1789-1860) fand „So nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich“ rasche Verbreitung.[1]
Ihr Leben blieb ein stilles Heldentum. In Jesus allein fand sie die Lösung aller unverstandenen Lebensfragen. Zeitlebens litt sie an krankhaftem Kopfweh.
Vier Jahre brachte sie in Biarritz (Südfrankreich) zu, wo ihre jüngste Schwester Organistin an der englischen Kirche war. 1870 fand sie eine Heimat in St. Pe­tersburg bei ihrer ältesten Schwester, die dort Vorsteherin der St. Annenschu­le war. Sie führte den Haushalt und gab einige Musikstunden in dem Haus und außerhalb davon.
1901 siedelte sie in den estnischen Kurort Wösso (Deutsch)/Võsu (Estnisch) um, wo sie am 15. August 1901 verstarb.
Ihr Grab auf dem Friedhof der Kapelle von Illomäggi/Ilumäe beim Gut Palms/ Palmse ist erhalten geblieben.
Möge der treue Gott auch unsere schwachen Herzen in sein Erbarmen hüllen und sie vollkommen still machen in Freud und Schmerz … Ergeben in Gottes Willen bitten wir: So nimm denn meine Hände und führe mich – und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird unser Herzen und unsere Gedanken bewahren in Christus Jesus (s. Phil 4,7).

Friedhelm Müller


Fußnoten:

  1. Genannt sei auch ihr Passionslied „Wenn ich die Dornenkrone auf Deinem Haupte seh, so zieht durch meine Seele ein tiefes, tiefes Weh“.

Horatio G. Spafford
Der Dichter des Liedes „Wenn Friede mit Gott meine Seele durchdringt“

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Horatio G. Spafford wurde am 20. Ok­tober 1828 in NordTroy, New York, geboren, studierte Rechtswissenschaft und war anschließend als erfolgreicher Rechtsan­walt in Chicago tätig. Er besaß eine im Stadt­zentrum Chicagos gelege­ne Immobilie und Ländereien entlang den Ufern des Michigan-Sees. Das so­genannte „Große Feuer“, ein verhee­render Großbrand, der 1871 in Chica­go wütete, zerstörte seinen Besitz. Seine materiellen Ver­luste waren erheblich.
Horatio G. Spafford, Vater von vier Töchtern, war bekannt als aufrichti­ger, hingegebener Christ.
Im Herbst 1873 entschied Spafford, mit seiner gesamten Familie nach Eng­land zu reisen, wobei diese dort ihre Ferien verbringen sollte. Er selbst beab­sichtigte, seinen Freund, den Evangelisten Dwight L. Moody, in England bei dessen evangelistischer Arbeit zu unterstützen. Jedoch wurde Rechtsanwalt Spafford unerwartet in Chicago wegen einer dringenden Geschäftsangelegen­heit zurückgehalten. Er bestimmte, dass seine Frau Anna mit den Kindern an Bord des französischen Dampfers Ville du Havre wie geplant abreisen sollte.Er wollte später nachkommen.
Am 2. November 1873 wurde das Passagierschiff mitten auf dem atlantischen Ozean durch ein englisches Containerschiff gerammt. Das Schiff sank in gerade 12 Minuten und Spaffords vier Töchter Anna (11), Maggie (9), Bessie (7) und Tanetta (2) wurden über Bord gespült. 226 Passagiere ertranken bei die­sem Unglück. Mrs. Anna Spafford war eine von den Wenigen, die überlebten. Ihre letzte Er­innerung war ihr Baby Tanetta gewesen, das durch die Kraft des Wassers aus ihren Armen gerissen wurde. Sie selbst wurde von einem Matro­sen gerettet und nach Cardiff/Wales gebracht. Ihrem Ehemann sandte sie das herzzerreißen­de Telegramm: „Alles ist verloren, nur ich überlebte.“
Nach dieser schrecklichen Nachricht segelte Spafford sofort mit schwerem Her­zen nach England ab, um seiner leidgeprüften Frau beizustehen und sie zu trösten.
Bertha Spafford-Vester, eine später geborene Tochter Horatio Spaffords, schrieb über seine Überfahrt in ihrem Buch „Unser Jerusalem“:
„… Vater war überzeugt, dass Gott gut ist und dass er seine Kinder im Himmel wiedersehen würde. Dieser Gedanke beruhigte sein Herz … Auf der Reise über den Atlantik bat der Kapitän, Herr Goodwin, meinen Vater in seine priva­te Ka­bine: `Eine vorsichtige Berechnung ist vorgenommen worden´, erklärte er ihm, `und ich glaube, dass wir uns jetzt in dem Bereich befinden, in dem die „Ville du Havre“ unterging´.
Vater schrieb der Tante Rachel: Am Donnerstag befanden wir uns über der Stelle, wo das Schiff im mittleren Ozean hinunterging; das Wasser ist drei Mei­len tief. Aber ich denke nicht an unsere Lieben dort. Sie sind sicher und gebor­gen in den Armen des „guten Hirten“ und dort – nicht mehr lang – wer­den auch wir sein. In der Zwischenzeit danken wir Gott und haben noch Gelegen­heit, Ihm zu dienen und Ihn zu preisen wegen seiner Liebe und Gnade zu uns.“
Nach dieser Unterredung mit Kapitän Goodwin schrieb Spafford nachts in sei­ner Kabine die Worte des Liedes, das jetzt schon weit mehr als 100 Jahre alt ist und Millionen Menschen zum Segen wurde:

Wenn Friede mit Gott meine Seele durchdringt,
Ob Stürme auch drohen von fern,
Mein Herze im Glauben doch allezeit singt:
Mir ist wohl, mir ist wohl in dem Herrn!

Refrain:
Mir ist wohl, mir ist wohl in dem Herrn!
Mir ist wohl, mir ist wohl in dem Herrn!


Wenn Satan mir nachstellt und bange mir macht,
So leuchtet dies Wort mir als Stern:
Mein Jesus hat alles für mich schon vollbracht;
Ich bin rein durch das Blut meines Herrn!
Refrain


Die Last meiner Sünde trug Jesus, das Lamm,
Und warf sie weit weg in die Fern;
Er starb ja für mich auch am blutigen Stamm;
Meine Seele lobpreise den Herrn.
Refrain


Nun leb ich in Christus für Christus allein.
Sein Wort ist mein leitender Stern.
In ihm hab ich Fried' und Erlösung von Pein;
Meine Seele ist selig im Herrn.
Refrain
Ins Deutsche übersetzt von Theodor Kübler (1832-1905).


Statt bitter zu werden und sogar mit Gott zu hadern, schrieb Spafford diese Liedstrophen und erfuhr für sein Herz den „Frieden Gottes, der allen Ver­stand übersteigt“ (Phil 4,7). Er hatte glaubensvoll festgehalten, dass „denen die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken“ müssen (Röm 8,28).
Später wurde dem Ehepaar Spafford noch ein Sohn namens Horatio und die schon erwähnte Tochter Bertha geschenkt, die am 24.03.1878 in Chicago geboren wurde. Als der kleine Horatio infolge Scharlachfieber im Alter von 3 Jahren starb, war es ein weiterer Schlag für die Eltern. Bevor diese schreckli­chen Ereignisse ihr Leben überschatteten, war bereits das Interesse der Spaffords am „Heiligen Land“ geweckt worden.
Am 17. August 1881 reisten die Eheleute Spafford mit ihrem Töchterchen Bert­ha und einer kleinen Gruppe von Leuten von ihrer Heimatstadt Chicago aus über London nach Jerusalem. Ursprünglich geplant als vorübergehender Be­such, blieben Spaffords jedoch dort. Ihre Tätigkeit legte die Grundlage für eine Gruppe, die als die „amerikanische Kolonie“ in Jerusalem bekannt wurde.
Am 16. Oktober 1888 starb Horatio Gates Spaffordim Alter von 60 Jahren in Je­rusalem an Malaria.

Friedhelm Müller

Als sie ein Loblied gesunden hatten …

© Klaus Mauden

Es ist eine bewegende Szene. Der Herr Jesus ist mit seinen Jüngern zusammen in dem Obersaal und es sind nur noch wenige Stunden bis zu seinem Tod am Kreuz. Er hatte seinen Jüngern die Füße gewaschen und ihnen großartige Dinge mitgeteilt über ihre Beziehung zu dem Vater und ihm selbst sowie über den Heiligen Geist. Sie hatten zusammen das letzte Passah gefeiert und der Herr Jesus hatte etwas Neues eingesetzt: Das Brotbrechen. Nun würden sie bald den Obersaal und die Stadt verlassen, um in den Garten Gethsemane zu gehen. Doch bevor sie aufbrechen, singen sie ein Loblied.

Im Obersaal

Diese besondere Situation für das Loblied bewegt uns. Wusste der Hei­land doch um all das Schreckliche, das bald geschehen würde. Wusste Er doch um seine Leiden von den Menschen und auch um das Gericht Gottes. Dennoch singt Er mit seinen Jüngern ein Loblied. Bald würde Er in ringendem Kampf im Gebet sein, doch jetzt singt Er zum Lob Gottes. Dabei zeigt sich auch, dass Er die bestürzten Herzen der Jünger ruhig­machen konnte, damit sie mit Ihm zu­sammen das Loblied singen können!
Darüber hinaus lässt uns das Zu­sammensein des Herrn Jesus mit seinen Jüngern im Obersaal an die Zusam­menkünfte der Gläubigen heute den­ken. Auch wenn der Herr Jesus in den Evangelien nur zweimal von sei­ner „Versammlung“ spricht[1], gibt es doch manche Situation, die ein Bild auf das Zusammenkommen als Ver­sammlung ist.
Dazu gehört auch das Zusammen­sein des Herrn Jesus mit seinen Jün­gern im Obersaal[2]. In der Antwort des Herrn auf die Frage der Jünger, an welchem Ort Er mit ihnen das Passah feiern wolle, lernen wir etwas über den Platz des Zusammenkom­mens und darüber, wie wir ihn fin­den können.
Und aus dem, was der Herr Jesus dort mit seinen Jüngern tut, lernen wir etwas über die Inhalte des Zu­sammenkommens. Das Loblied ge­hört dazu!

Das Zusammenkommen als Versammlung

Das Neue Testament kennt drei Ge­legenheiten für das Zusammenkom­men als Versammlung[3]. Es handelt sich um das Zusammen­kommen zum Brotbrechen (s. 1. Kor 11,18ff.), zur Auferbauung (s. 1. Kor 14, 19.26) und zum Gebet (s. Mt 18, 19. 20). Es sind diese drei Zusammen­kommen, bei denen wir im Namen des Herrn Je­sus versammelt sind und seine be­sondere Verheißung erle­ben dürfen, dass Er in der Mitte ist. Bei allen die­sen Zusammenkommen fol­gen wir gerne dem Beispiel des Herrn Jesus und sin­gen geistliche Lieder.
Dabei stützen wir uns nicht „nur“ auf diese Be­gebenheit im Obersaal, die eine gute Illustration für das Zusam­menkommen der Gläubigen ist, son­dern auch auf Bibelstellen wie He­bräer 13,15 oder Epheser 5,19.20.
Besonders wollen wir uns im Fol­genden auf Kolosser 3,16 bezie­hen. In dem Abschnitt, zu dem dieser Vers gehört, geht es um das Verhalten von Glaubenden in ih­rem Miteinan­der. Dabei werden in den Versen 16 und 17 das Wort des Christus, ver­schiedene Arten von Lie­dern und das Gebet (danksagend Gott, dem Vater) genannt. Diese drei Dinge gehören auch in die Zusammen­künfte der Gläubigen.

Psalmen

Zuerst werden in Kolosser 3,16 die Psalmen (gr. psalmos) genannt. Da­bei handelt es sich nicht in erster Li­nie um die Psalmen des Alten Testa­ments. Die­se Psalmen sind Lie­der, die von den Glau­benserfahrungen der Glauben­den aus der Zeit des Al­ten Testa­mentes handeln. Von ihren Er­fahrungen kön­nen wir heute durch­aus profi­tieren. Auch ist das Buch der Psalmen Vie­len zur Ermu­tigung geworden.
Allerdings dürfen wir nicht ver­gessen, dass wir heute in einer anderen Zeit leben, in einer nä­heren Bezie­hung zu Gott als unse­rem Vater ste­hen und mit geistlichen Seg­nungen gesegnet sind. Das müs­sen wir beim Nachdenken über die Psal­men des Alten Testaments be­achten.
Aber auch wir gehen einen Weg des Glaubens und machen Er­fahrungen auf diesem Weg. Es sind Erfahrun­gen mit Gottes Füh­rung, mit seiner Hilfe, seiner Nähe und der Ermuti­gung durch Ihn. Da­von dürfen wir singen, das darf der Inhalt unserer Psalmen sein.

„Diese Psalmen sind Lieder, die von den Glaubenserfahrungen der Glaubenden aus der Zeit des Alten Testamentes handeln. Von ihren Erfahrungen können wir heute durchaus profitieren.“


Loblieder

Dann nennt Paulus die Loblieder (gr. hymnos). Es sind Lieder, die das Lob Gottes zum Inhalt haben. In solchen Liedern danken wir Gott für das, was wir empfangen haben. Wir loben Ihn für das, was Er getan hat. Und wir drücken Anbetung aus für das, was Er ist. Wie viel Grund und Inhalt gibt es für solche Loblieder!

Geistliche Lieder

Schließlich werden die geistlichen Lieder genannt. Es sind Lieder (gr. Ode), also gesungene Worte, die geistliche Wahrhei­ten zum Inhalt ha­ben. Auch solche Lieder sind in erster Linie an Gott ge­richtet, um Ihn zu preisen. Aber wir verste­hen gut, dass sie auch für die Glau­benden zur Er­mutigung und Stärkung sind, weil geistliche Wahr­heiten neu bewusst gemacht wer­den. Das för­dert die Freude und die Dankbarkeit über diese Wahrheiten. Wie oft ha­ben wir das schon beim Singen guter geistlicher Lieder erlebt!

Singen und spielen

Die gleiche Aufzählung wie in Kolos­ser 3,16 finden wir auch in Epheser 5,19. Während im Kolosserbrief nur das Singen erwähnt wird, finden wir im Epheserbrief sowohl das Singen als auch das Spielen.
Grundsätzlich ist es also eine von Gott geschenkte und gute Sache, wenn Lieder auch mit Musikinstru­menten gespielt oder begleitet wer­den. Sogar von den 24 Ältesten, die im Himmel das neue Lied singen, wird gesagt, dass sie Harfen[4] hatten.
Jedoch finden wir im Neuen Testa­ment keinen Hin­weis darauf, dass Mu­sikinstrumente in den Zusammen­künften der Gläubi­gen benutzt wurden.

„Wir finden im Neuen Testament keinen Hinweis darauf, dass Musikinstrumente in den Zusammenkünften der Gläubigen benutzt wurden.“


Die Zeit des Alten Testaments …

Das ist sicher nicht ohne Grund der Fall. Wir erinnern uns daran, dass wir mit geistlichen Segnungen gesegnet sind und dass die Anbetung in der christlichen Zeit nicht mit materiel­len Opfern, sondern mit geistli­chen Schlachtopfern zu tun hat.
In der Zeit des Alten Testaments war das anders. Da gab es einen pracht­vollen Tempel, die Priester tru­gen heilige Kleider zur Herrlich­keit und zum Schmuck und es wurden mate­rielle Opfer gebracht. Deshalb war in dieser Zeit der Gebrauch von Musik­instrumenten im Gottesdienst durch­aus angemessen.
In unserer Zeit gibt es jedoch keinen von Gott bestimmten geographi­schen Ort mit einem prachtvollen Gebäude als Ort des Zusammenkommens der Gläubigen. Wir sind als Himmelsbür­ger Fremde auf der Erde und versam­meln uns in Einfachheit und Schlicht­heit, ganz passend zu den einfachen und schlichten sichtbaren Zeichen, Brot und Kelch, die der Herr bei sei­nem Mahl eingesetzt hat. Unsere An­betung geschieht in Geist und in Wahrheit. Deshalb benutzen wir in den Zusammenkommen als Ver­sammlung keine Musikinstru­mente. Sie können durchaus gespielt und ge­hört werden, wenn die Anbetung in Geist und Wahrheit aufgehört hat.

… unsere christliche Zeit

In großen Teilen der Christenheit hat man leider vergessen, dass wahre Christen zum Himmel gehören und im Glauben das genießen, was für das natürliche Auge unsichtbar ist. In dem Maß, wie man das vergessen hat, wurden mehr und mehr sicht­bare Elemente, die Ähnlichkeit zu dem Judentum haben, eingeführt.
Dazu gehört auch der Einsatz von Musikinstrumenten im Gottesdienst, durch die besonders die Sinne ange­sprochen werden.
Wenn wir jedoch verstanden ha­ben, was unsere Stellung ist, und den „Mitternachtsruf“ ernst nehmen – auszugehen, unserem Bräuti­gam ent­gegen (s. Mt 25,6) –, dann werden diese sichtbaren und die Sinne an­sprechenden Dinge für uns unwich­tig und wir werden dar­auf kon­zentriert sein, den Vater in Geist und in Wahr­heit anzubeten. Das dürfen wir auch mit angemesse­nen Lie­dern tun, so wie es auch im Himmel ge­schehen wird (s. Off 5).

Christian Rosenthal


Fußnoten:

  1. In Matthäus 16 spricht Er von der Versammlung in ihrem universellen Aspekt, die Er selbst bauen wür­de. In Matthäus 18 spricht Er von der örtlichen Ver­sammlung. Wenn zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind, dann würde Er in der Mitte sein. Das würde der örtlichen Versammlung Autorität zum Binden und Lösen geben.

  2. Weitere Beispiele sind das Abendessen im Haus Si­mons, des Aussätzigen, in Bethanien, während Ma­ria den Herrn Jesus salbt (s. Joh 12), oder das er­neute Zusammensein der Jünger im Obersaal, bei dem der auferstandene Herr in ihre Mitte tritt (s. Joh 20).

  3. Ein Zusammenkommen „als Versammlung“ oder „in Versammlung“ ist ein Zusammenkommen im Cha­rakter von Versammlung, d. h. man kommt mit dem Wunsch zusammen, Versammlung Gottes praktisch auszuleben. Es ist mehr als ein Treffen zu einem geistlichen Anlass. Es ist ein Zusammenkom­men, bei dem man als örtliche Versammlung im Namen des Herrn versammelt ist und dabei am Ort die Wahrheit von der einen weltweit bestehenden Versammlung sichtbar macht.

  4. Der Zusammenhang macht deutlich, dass es sich in Offenbarung 5,8 um symbolische Sprache handelt; wir müssen also nicht buchstäblich an Harfen oder goldene Schalen denken. Die Harfen stehen für das priesterliche Lob und die Anbetung der Gläubigen im Himmel, während die goldenen Schalen ihren priesterlichen Dienst zugunsten der Gläubigen auf der Erde zeigen.

Lobt den Herrn!

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In Psalm 1 wird uns vorgestellt, dass der Mensch glückselig ist, der sich interessiert und voller Freude mit dem Wort Gottes beschäftigt. Im weiteren Verlauf der Psalmen finden sich dann die unterschiedlichsten Themenschwerpunkte, etwa Prophezeiungen auf den Sohn Gottes, die Absichten Gottes mit seinem irdischen Volk oder bemerkenswerte Erfahrungen des Gläubigen auf seinem Weg des Glaubens in der Gemeinschaft mit Gott.
Dabei gliedert sich das Buch der Psalmen noch einmal in fünf Bücher. Die ersten vier enden jeweils mit einem Lobpreis des Herrn, der „von Ewigkeit bis in Ewigkeit“ fortbesteht (Ps 41,14; Ps 72,18.19; Ps 89,53; Ps 106,48).
Den Schlusspunkt setzt schließlich Psalm 150, mit dem das fünfte Buch der Psalmen endet. Es ist, als ob der glückselige Mensch aus Psalm 1 über alle Höhen und Tiefen hinweg zum Gipfel des Glaubensweges geführt wird, dem Lob Gottes. Denn darum geht es in diesem Psalm einzig und allein.

Eine wichtige Vorbemerkung

Bevor wir uns anhand einiger Frage­stellungen näher mit diesem letzten aller Psalmen beschäftigen, ist es wichtig, uns daran zu erinnern, dass nicht alles, was wir im Alten Testa­ment finden, eins zu eins auf die Zeit der Gnade übertragen werden kann, in der wir heute leben. Des­halb ist bei der Übertragung alttestament­licher Aussagen in die Gegenwart eine gewisse Vorsicht und Sorgfalt ge­boten, um nicht zu falschen Schluss­folgerungen zu kommen.
So finden wir beispielsweise in den Evangelien, der Apostelgeschichte und den Briefen des Neuen Tes­tamentes keine Hinweise darauf, dass der Lob­gesang zur Ehre Got­tes mit Instru­menten begleitet wird, wenn die Gläubigen zum Namen des Herrn hin versammelt sind.
Wenn wir das beachten, liefert uns Psalm 150 wertvolle Impulse für un­ser gemeinschaftliches Lob Gottes.

Wen sollen wir loben?

Lobt den Herrn!“ (V. 1a).
Es ist gut, wichtig und richtig, wenn wir uns immer wieder dankbar daran erinnern, was uns in dem Herrn Je­sus alles geschenkt ist. Doch wenn wir dabei stehen bleiben, fehlt Ent­scheidendes. Denn über den Gaben steht ja der Geber dieser Gaben. Und das ist kein Geringerer als Gott selbst, denn „jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben herab, von dem Vater der Lich­ter, bei dem keine Veränderung ist noch der Schatten eines Wechsels“ (Jak 1,17).
Natürlich können wir die empfange­nen Gaben und den Geber dieser Gaben nicht messerscharf voneinan­der trennen. Deshalb werden uns die Freude und der Dank über die emp­fangenen Gnadengaben auch im­mer zur Dankbarkeit dem Geber gegen­über bringen. Doch wenn wir uns mit Ihm beschäftigen und seine Grö­ße und Herrlichkeit rühmen, tritt alles andere dahinter zurück. Dann sehen wir nur noch auf Ihn und nicht mehr auf uns.

Wo sollen wir ihn loben?

Lobt Gott in seinem Heiligtum; lobt ihn in der Feste seiner Stärke!“ (V. 1b).
Während der Wüstenwanderung Is­raels war das Zelt der Zusammen­kunft das Heiligtum Gottes, in dem Er bei seinem irdischen Volk wohnte. Nachdem das Volk Israel das von Gott verheißene Land in Besitz ge­nommen hatte, trat der Tempel in Je­rusalem an die Stelle dieses Zeltes.
Das Heiligtum Gottes ist heute nicht mehr ein aus Steinen gebautes Haus. Es besteht vielmehr aus der Gesamt­heit aller Gläubigen: „Zu welchem kommend, als zu einem lebendigen Stein, von Menschen zwar verwor­fen, bei Gott aber auserwählt, kostbar, werdet auch ihr selbst als lebendige Steine aufgebaut, ein geistliches Haus, zu einer lebendigen Priesterschaft, um darzubringen geistliche Schlacht­opfer, Gott wohlangenehm durch Je­sus Christus“ (1. Pet 2,4.5).
Wenn sich diejenigen, die an das Er­lösungswerk des Herrn Jesus am Kreuz von Golgatha glauben und es persönlich für sich in An­spruch ge­nommen haben, zum Na­men des Herrn Jesus versammeln, wird dies in besonderer Weise sicht­bar[1]. Das Lob Gottes ist bei diesen Zusam­menkünften ein prägendes Element.
Das gemeinschaftliche Lob Gottes ist jedoch nicht auf die Zusammenkünf­te als Versammlung beschränkt, denn es heißt ja weiter: „… lobt ihn in der Feste seiner Stärke!“. Das hebräi­sche Wort „ragia“, das hier mit „Fes­te“ übersetzt wird, wird an anderen Stellen mit „Ausdehnung“ übersetzt und meint den geschaffenen Himmel.
Es geht hier also darum, dass Gott ein universelles Lob sowohl auf der Erde (in seinem Heiligtum) und im geschaffenen Himmel (Ausdehnung) gebracht wird. Als Menschen auf der Erde erleben wir Gottes Allmacht, Allgegenwart und Allwissenheit in seinen Machttaten in jedem Bereich, in den wir auf der Erde gestellt sind.
Gott schenkt uns neben unseren ir­dischen Verpflichtungen zum Beispiel am Arbeitsplatz oder in der Schule auch freie Zeiten. Womit beschäfti­gen wir uns in dieser Zeit, wenn wir etwa mit anderen Christen zusam­men sind? Auch bei die­sen Gelegen­heiten dürfen und sollen wir Gott loben.

Weshalb sollen wir Ihn loben?

Lobt ihn wegen seiner Machttaten; lobt ihn nach der Fülle seiner Größe!“ (V. 2).
Ob wir uns bei einem Spaziergang an der wunderbaren Vielfalt der Schöp­fung erfreuen oder über Gottes gnädiges Eingreifen in einer Notsi­tuation staunen – es gibt unzählige Anlässe, die uns an die alles überra­gende Allmacht Gottes erinnern. Wie auch immer Gott seine Machttaten sichtbar werden lässt, immer sollte es ein Lob zur Ehre Gottes in unse­ren Herzen anstimmen.
Doch sind wir uns auch immer der überragenden Herrlichkeit und Größe Gottes bewusst? Erinnern wir uns nur einmal daran, dass der Herr Jesus Gottes Sohn ist, es aber „nicht für einen Raub achtete, Gott gleich zu sein, sondern sich selbst zu nichts machte und Knechtsgestalt annahm, indem er in Gleichheit der Men­schen geworden ist, und, in seiner Gestalt wie ein Mensch erfunden, sich selbst erniedrigte, indem er gehorsam wur­de bis zum Tod, ja zum Tod am Kreuz“ (Phil 2,6-8).
Wir können es mit unserem Ver­stand nicht erfassen, dass der Herr Jesus vollkommen Mensch und zu­gleich vollkommen Gott ist: „In ihm (dem Menschen Christus Jesus) wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaf­tig“ (Kol 2,9).
Was wir nicht verstehen und erklä­ren können, darf uns aber im Glau­ben zu Lob und Dank führen.

Wie sollen wir Ihn loben?

„Lobt ihn mit Posaunenschall; lobt ihn mit Harfe und Laute! Lobt ihn mit Tamburin und Reigen; lobt ihn mit Saitenspiel und Schalmei! Lobt ihn mit klingenden Zimbeln; lobt ihn mit schallenden Zimbeln!“ (V. 3-5)
In diesen Versen stehen sehr ver­schiedene Instrumente eng beiein­ander. Es finden sich solche, mit de­nen eine Melodie gespielt werden kann, und solche, die diese Melodie harmonisch untermalen und beglei­ten. Auch Instrumente, die nur einen einzigen Ton erzeugen können, wer­den genannt. Manche Instrumente werden geblasen, bei manchen wer­den Saiten zum Schwingen gebracht und andere müssen geschlagen werden.

Posaune

Die Posaune ist ein gut hörbares Blasinstrument mit einem tiefen, warmen Ton. Unter der im Alten Testament erwähnten Posaune dür­fen wir uns jedoch keine Zugposau­ne vorstellen, wie wir sie heute ken­nen. Es handelt sich vielmehr um das sogenannte Schofar-Horn, auf dem mit einer gewissen Übung zwar ver­schiedene Töne gespielt werden kön­nen, das für das Spielen einer um­fangreicheren Melodie jedoch eher ungeeignet ist.
In der Bibel finden wir es meist als Signalinstrument, mit dem zu be­stimmten Anlässen Signale gegeben werden, etwa zum Beginn eines Kampfes wie bei der in Josua 6 be­schriebenen Eroberung Jerichos. Im Neuen Testament wird das Posau­nensignal in 1. Thessalonicher 4 als Zeichen der Wiederkunft Christi für die Seinen genannt.
Ihren Zweck kann die Posaune auch deshalb gut erfüllen, weil sie weit­hin hörbar ist. Dazu ist es aber erforder­lich, dass der Posaunenbläser kräftig in die Posaune bläst. Es erfordert also Übung und Kraft, um die Posaune zu spielen.
Im übertragenen Sinn können wir den Posaunenschall daher als einen Hinweis darauf verste­hen, dass es für das gemeinsame Lob Got­tes einen Auslöser oder An­lass gibt, der uns gemeinsam in das Lob Got­tes ein­stimmen lässt.
Außer­dem über­trifft das Lob Got­tes alle ande­ren Stim­men, die zu hören sein können.

„Das Lob Gottes übertrifft alle anderen Stimmen, die zu hören sein können.“
Harfe

Mit einer Harfe können sowohl Me­lodien als auch eine Melodie unter­stützende und begleitende Harmo­nien gespielt werden. Im Gegensatz zur Posaune hat die Harfe einen kla­ren, hellen Klang. Sie hat eine we­sentlich größere Tonvielfalt, so­dass auch feine Notensprünge ge­spielt werden können.
Zugleich können mit einer Harfe sehr gut die inneren Empfindungen zum Ausdruck gebracht werden, da die Saiten der Harfe sowohl kräftig als auch sehr feinfühlig zum Schwin­gen und Klingen gebracht werden können.
So wie ich als Einzelner zum Lob Got­tes nur das zum Ausdruck brin­gen kann, was ich auch in meinem Her­zen empfinde, sollen auch alle Herzen innerlich zum Lob Gottes ge­stimmt sein, wenn wir mit an­deren Gläu­bigen zusammen Gott loben.
Gerade wenn wir als Versamm­lung mit dem Herrn Jesus in der Mitte Gott loben möchten, ist es deshalb besonders wichtig, dass auch wirklich alle An­wesenden von dieser Her­zenshaltung geprägt sind.

Laute

Die Laute ist ebenfalls ein Saitenin­strument. Sie hat nicht die Tonvielfalt einer Harfe und auch nur einen ge­ringeren Tonumfang vom höchsten bis zum tiefsten Ton. Eine Laute hat auch nicht den kräftigen Klang einer Posaune und tritt daher bei einem Musikvortrag nicht so deutlich in den Vordergrund.
Mit einer Laute lässt sich aber sehr gut der melodiöse Gesang eines Sängers oder auch ein Instrument begleiten, das die Melodie spielt.

Tamburin

Das Tamburin ist noch unscheinba­rer als die Laute. Es handelt sich dabei um ein Schlaginstrument, bei dem ein Fell über einen Holzrahmen gespannt wird und das mit den Fin­gern oder dem Handballen ange­schlagen wird.
Mit diesem Instrument lassen sich weder Melodien noch be­gleitende Harmonien spielen. Durch die Schlä­ge wird vielmehr ein Takt oder Rhyth­mus erzeugt. Beim gemeinsa­men Musizieren orientie­ren sich alle an­deren Instrumente an diesem Takt und Rhythmus.
Wie wichtig der gleiche Takt und Rhythmus sind, verstehen wir leicht, wenn wir uns einmal vorstellen, in einem Orchester würden die Streich­instrumente im Drei-Viertel-Takt und die Blasinstrumente im Vier-Viertel-Takt spielen. Ein großes Durcheinan­der wäre die Folge und nicht ein wohltönender Musikvortrag.
Am Ende muss das Lob Gottes hör­bar werden, gar keine Frage. Aber stellen wir uns weiter vor, die Noten eines Liedes hätten alle die gleiche Länge und wären ohne jede Pause an­einander gereiht. Es käme nur noch eine nichtssagende Klangfolge her­aus und keine wohlklingende Melo­die.
Deshalb ist es gut, wenn wir beim ge­meinsamen Lob Gottes neben dem gleichen Takt auch die Bedeutung und den Wert der Pausen nicht ver­gessen. Auch daran kann uns das Tamburin erinnern.
Für das gemeinsame Lob Gottes be­deutet das, zwischen den einzelnen Liedern oder Gebeten Raum zu las­sen, um noch einmal über die gerade geäußerten Gedanken etwas nach­zusinnen. Dadurch wird gleich­zeitig der Platz geschaffen, dar­über nach­zudenken, in welche Richtung das gemeinsame Lob Got­tes weiter ge­lenkt werden soll.
Nehmen wir uns diese Zeit und gön­nen wir sie auch denen, die mit uns gemeinsam Gott loben.
Dieses unscheinbare Instrument er­innert uns noch an einen weiteren Aspekt: Das Tamburin muss im Ge­gensatz zur Posaune, deren Klang noch eine Weile nachhallt, immer wieder neu angeschlagen werden, da­mit es einen Ton von sich gibt. Wenn wir Gott gemeinsam loben möch­ten, ist das keine einmalige Angele­genheit. So wie das Tamburin wäh­rend eines Liedes immer wieder und mit Ausdauer geschlagen wird, darf auch das Lob Gottes täglich und be­ständig erklingen.

Reigen

Der Reigen fällt streng genommen aus der Reihe in dieser Aufzählung, denn beim Reigen handelt es sich nicht um ein Instrument, sondern um einen Tanz.
Zum ersten Mal erwähnt wird er in 2. Mose 15, nachdem Gott das Volk durch das Schilfmeer geführt und aus der Gefangenschaft der Ägyp­ter befreit hatte. Den Lobgesang Mo­ses und der Kinder Israel beant­worteten Mirjam und alle Frauen Israels, in­dem sie „mit Tamburinen und in Reigen“ (2. Mo 15,20) auszo­gen und einen Wechselgesang mit den Männern Israels anstimmten (s. 2. Mo 15,21 Fußnote).
Wenn ein Reigen getanzt wird, be­wegen sich alle Tänzer im Kreis um einen gemeinsamen Mittelpunkt. Gott ist sowohl der Ursprung als auch der Gegenstand und der Mittelpunkt des gemeinsamen Lobes Gottes.
Zugleich ist ein Reigen ein Ausdruck der Freude, gerade so wie das ge­meinsame Lob Gottes ein Ausdruck unserer gemeinsam empfundenen Freude ist.
Das Tamburin und der Reigen sind in Psalm 150 durch das Wort „und“ direkt miteinander verbunden. Auch das beinhaltet für uns einen wichti­gen Hinweis. Denn nur, wenn alle – bildlich gesprochen – im gleichen Takt[2] und in die gleiche Richtung vorangehen, können wir wirklich ge­meinsam Gott loben.

Schalmai

Die Schalmai ist ebenfalls ein Blas­instrument mit einem gut hör­baren, kräftigen Klang. Ähn­lich wie bei einer Flöte können damit Melo­dien ge­spielt werden. Sie ist in diesem Psalm ein weiterer Hin­weis darauf, dass das Lob Gottes für an­dere gut wahr­nehmbar zu hören ist.

Zimbel

Zimbeln sind kreisrunde Instrumente aus Blech, die gegeneinander geschla­gen werden. Geschieht dies unkon­trolliert, machen Zimbeln einfach nur Krach, der nichts Wohltönendes an sich hat. Werden sie zum Lob Gottes gespielt, klingen sie jedoch ange­nehm und gut hörbar (= schallend).

Wer soll Ihn loben?

Alles, was Odem hat, lobe Jah! Lobt den Herrn!“ (V. 6).
Ähnlich wie in Offenbarung 5,13 scheint sich die Aufforderung zum Lob Gottes hier an die ganze Schöp­fung zu richten. Aber nur in den Men­schen hauchte Gott den Odem des Lebens, sodass er eine lebendi­ge See­le wurde (s. 1. Mo 2,7). Der Mensch ist damit gewisserma­ßen die „Krö­nung“ der Schöpfung. Damit hat er aber auch eine beson­dere Ver­antwortung, der Aufforde­rung zum Lob Gottes Folge zu leisten.
Das spornt uns als Gläubige ganz besonders an, das Lob Gottes schon hier auf der Erde anzustimmen. Denn nur die, die schon zu Lebzeiten hier auf der Erde an den Herrn Jesus und sein Erlösungswerk am Kreuz von Gol­gatha glauben, können Gott frei­willig und mit dankbarem Herzen loben.
Dazu ist keine besondere geistliche Gabe erforderlich. Vielmehr ist jeder Gläubige gefragt, in dieses Lob ein­zustimmen und seinen Beitrag dazu zu leisten[3]. Eine kleine Begebenheit kann dies vielleicht etwas veranschau­lichen: Ein Musiker wurde aufgefor­dert, die Bedeutung einer Querflöte für das ganze Orchester zu beschrei­ben. Schließlich sei der Klang der vie­len Streichinstrumente und der an­deren (Blech-)Blasinstrumente doch viel kräftiger als der einer Querflöte. „Wenn die Querflöte nicht gespielt würde, würden Sie es merken“, war die kurze, aber aussagekräftige Ant­wort.
Durch ihn nun lasst uns Gott stets ein Opfer des Lobes darbringen, das ist die Frucht der Lippen, die sei­nen Namen bekennen“ (Heb 13, 15). Es heißt dazu in einem Lied:

Oh, lass uns dir von Jesus singen, Er allein dich erfreuen kann.
Lied 165 Strophe 4 aus dem Liederbuch „Geistliche Lieder“


Stefan Busch


Fußnoten:

  1. Nach 1. Korinther 6,19 wird auch jeder einzelne Gläubige als Tempel Gottes angesehen.

  2. Damit ist nicht die musikalische Perfektion beim ge­meinsamen Singen eines Lobliedes gemeint, son­dern die Herzenshaltung und der gemeinsame Gegen­stand des Lobes Gottes zum Beispiel in den Zusam­menkünften.

  3. Dies wird natürlich immer in dem Maß und Rah­men geschehen, den uns das Wort Gottes vorgibt. So sind nach 1. Korinther 14,26 alle aufgefordert, einen Psalm, eine Lehre oder eine Offenbarung im Herzen zu haben, wenn wir zusammenkommen. Eine Schwester wird dies aufgrund dessen, was uns in Vers 34 des gleichen Kapitels gesagt ist, aber nicht in den Zusammenkünften aussprechen. Wenn dann aber ein Bruder – wie es schon oft, ohne es zu wissen, geschehen ist – gerade das Lied vorschlägt, das eine Schwester im Herzen hat, ist das eine be­sondere Freude für die Schwester.

Kennzeichen weltlicher Musik & geistlicher Musik in der Bibel

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Wir haben in diesem Heft schon über den Anfang der Musik auf der Erde nachgedacht, wie er in 1. Mose 4 beschrieben wird. Dort hatten wir gesehen, dass auch die Musik zu den Mitteln gehörte, die der Mensch benutzte, um sich das Leben ohne Gott so angenehm wie möglich zu machen. Leben ohne Gott – das ist der eigentliche Charakter der Welt.
Und in diesem Sinn verstehen wir in den folgenden Zeilen „weltliche“ Musik im Gegensatz zu „geistlicher“ Musik, die in Verbindung mit Gott und zu seiner Ehre eingesetzt wird.

Die Art der Musik

Der Zweck einer Sache bestimmt auch die Art und Weise, in der diese Sache geschieht. Das ist auch bei der Musik der Fall. Soll sie zum Lob Gottes sein, dann wird sich das auch auf die Art der Musik auswirken. Dient sie etwas anderem, wird sich die Art der Musik ändern.
Ein Beispiel dafür finden wir in 2. Mo­se 32. Wäh­rend das erlöste Volk in 2. Mose 15 zum Lob Gottes gesun­gen hatte, tanzt das Volk nun mit Reigen und Wech­selgesang um das gol­dene Kalb. Es geht dem Volk mit dieser Musik jetzt um die eige­ne Belustigung (s. 2. Mo 32,6) und die Huldigung der selbstgemach­ten Göt­zen (s. 2. Mo 32,8).
Es ist offensichtlich, dass sich durch diesen veränderten Zweck auch die Art der Musik geändert hatte, denn Josua hält diese Musik für Kriegsge­schrei. Er kannte den Gesang aus 2. Mo­se 15, doch jetzt hört sich alles ganz anders an. Mose, der erfahrene Mann Gottes, weiß es besser. Er hat­te in der Gegenwart Gottes schon die Erklärung für das, was im Volk ge­schehen war, bekommen. Aber Josua fehlt diese Information weshalb er denkt, dass es sich um Kriegsge­schrei han­delt. Wie hatte sich die Art der Musik im Vergleich zu 2. Mose 15 verän­dert!

Merkmale der Musik

Ein wesentliches Merkmal der geist­lichen Musik ist, dass eine Textbot­schaft im Vorder­grund steht, die durch die Musik angemessen un­terstützt wird. Das ist bei weltlicher Musik anders[1]. Dort steht oft die Musik selbst im Vordergrund.
Ein Beispiel dafür finden wir in Da­niel 3. Der König Nebukadnezar will sein großes Reich durch eine „Religi­on“ zusammenhalten. Dazu hat er ein großes Bild aus Gold angefertigt, vor dem alle niederfallen sollen. Bei die­ser „Religion“ spielt auch die Mu­sik eine große Rolle. Es wird im­mer wie­der betont, dass es um den Klang der vielen Instrumente geht (s. Dan 3,5.7.10.15). Wenn der Klang der In­strumente ertönt, dann sollen alle niederfallen. Nicht der Text, son­dern die Musik selbst stand im Vorder­grund!

Ein wesentliches Merkmal der geistlichen Musik ist, dass eine Textbotschaft im Vordergrund steht, die durch die Musik angemessen unterstützt wird.


Geist, Seele und Körper

Der Mensch besteht nach 1. Thessa­lonicher 5,23 aus Geist, Seele und Kör­per. Für alle drei Bereiche wünscht Paulus die Bewahrung Gottes für die Thessalonicher.

Der Geist des Menschen

Musik kann ebenfalls diese drei Be­reiche des Menschen ansprechen. Wenn es um das Zusammenkom­men der Versammlung zur Auferbau­ung geht, schreibt Paulus in 1. Korin­ther 14 von dem Lobsingen mit dem Geist und mit dem Verstand.
Der Geist ist der Teil des Menschen, mit dem Gott durch seinen Geist kommuniziert.
Der Verstand des Menschen ist seine gedankliche Fähigkeit, mit der er Din­ge aufnimmt, versteht und beurteilt.
Das Lobsingen in den Zusammenkünf­ten wird also durch den Geist und den Verstand kontrolliert. Das zeigt deutlich, dass eine Textbot­schaft im Vordergrund steht und nicht an­dere Elemente, die in erster Linie die Seele oder den Körper des Menschen an­sprechen.

Seele und Körper des Menschen

Produzenten weltlicher Musik wählen bewusst andere Wege. Durch Rock-, Pop- und Technomusik werden kör­perliche Reaktionen stimuliert, be­sonders durch Rhythmus und Takt. Manche Lieder und Musikstücke sind so aufgebaut, dass zunächst in ei­nem ruhigen Einstieg für Entspan­nung gesorgt wird. Dadurch werden die Sinne des Menschen geöff­net.
Im weiteren Verlauf wird unter an­derem durch harten und mono­tonen Beat die seelisch-kör­perliche Seite des Menschen angesprochen. Der Text besteht dann oft nur noch aus wenigen Phrasen, die häufig wieder­holt werden.
Leider werden im Bereich der christ­lichen Welt diese Elemente mit so­genannten christlichen Tex­ten ver­bunden. Dadurch werden diese Lie­der aber nicht zu geistlicher Musik. Viel­mehr ist die Vermischung eine schreckliche Sache. Besonders in der charismatischen Bewegung wird ge­rade das Mittel, einfache und kurze Textbot­schaften zu wiederholen, ein­gesetzt, um eine Sti­mulation, die sogar zur Ekstase führen kann.

Verschiedene Beispiele

Der Gitarrist Jimi Hendrix aus dem Bereich der Rockmusik hat sinnge­mäß gesagt: „Aber ich kann alles bes­ser durch Musik erklären. Du hypno­tisierst die Leute (…) und wenn du die Leute an ihrem schwächsten Punkt hast, dann kannst du ins Un­terbewusstsein predigen, was wir sagen wollen.“[2]
David Bowie, ein bekannter Rock- und Popmusiker, geht sogar noch weiter: „Rock ist schon immer die Musik des Teu­fels gewesen. Du kannst mich nicht über­zeugen, dass das nicht so ist.“[3]
Ein ganz anderes Beispiel aus der Bibel zeigt, dass Musik durch­aus be­ruhigende Wir­kung ha­ben kann. Als Saul von einem bösen Geist geplagt wurde, spielte David und Saul fand Erleichterung (s. 1. Sam 16,23). Das war ein positiver Nutzen, der dem Wil­len Got­tes ent­spricht.

Fazit

Bei geistlicher Musik steht immer die Textbotschaft im Vordergrund. Sie muss in Übereinstimmung mit Gottes Wort sein, sonst handelt es sich nicht um ein gutes geistliches Lied. Die Musik selbst unterstützt den Text und hat keine „aufputschen­de“ Wirkung. Das Ziel dieser Art von Musik ist immer die Ehre Gottes. Diese wichtigen Elemente geistlicher Musik finden sich auch im „neuen Lied“ in Offenbarung 5 wieder.

Christian Rosenthal

Weitere nützliche Gedanken zum Thema dieses Artikels sind in einer Präsentation von Hans-Jochen Fröhlich mit dem Titel „Soli Deo Gloria – Einige Gedanken zum Thema 'Musik' aus biblischer und wissenschaftlicher Sicht“ enthalten, die unter nachstehendem Link
verfügbar ist:
https://www.bleibtinmir.de/a/musik-aus-biblischer-sicht/


Fußnoten:

  1. Dass bei weltlicher Musik häufig unmoralische, böse oder gar gotteslästerliche Texte verwendet werden, ist offensichtlich. Dann ist es leicht zu er­kennen, dass es sich um Musik handelt, die für den wiedergeborenen Christen nicht in Frage kommt.

  2. Jimi Hendrix in Life Magazin, Oktober 1969, Seite 74.

  3. David Bowie im Musikmagazin Rolling Stone, 12. Fe­bruar 1976.

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