
„Andere aber wurden gefoltert, da sie die Befreiung nicht annahmen, damit sie eine bessere Auferstehung erlangten. Andere aber wurden durch Verhöhnung und Geißelung versucht und dazu durch Fesseln und Gefängnis. Sie wurden gesteinigt, zersägt, versucht, starben durch den Tod des Schwertes, gingen umher in Schafpelzen, in Ziegenfellen, hatten Mangel, Drangsal, Ungemach; sie, deren die Welt nicht wert war, irrten umher in Wüsten und Gebirgen und Höhlen und den Klüften der Erde.“
Wenn es in Hebräer 11 auch um die Glaubenshelden des Alten Testaments geht, so traf und trifft diese Bibelstelle doch auch auf manche Christen zu, die Ähnliches durchgemacht haben um ihres Glaubens willen und die darin standhaft geblieben sind. Gerade dazu soll Hebräer 11 ja ein Ansporn sein.
Ein beeindruckendes Beispiel dafür sehen wir in der Hugenotten-Familie Durand, die trotz großer Widerstände fest bei ihrem Herzensentschluss geblieben ist.
Frankreich im 18. Jahrhundert: Es herrscht der Sonnenkönig Ludwig XIV., der heute noch durch das prunkvolle Schloss von Versailles bekannt ist. Unter seiner Regentschaft wurde die Religionsfreiheit aufgehoben und es begann eine erneute Verfolgung der Hugenotten. Die Hugenotten waren französische Protestanten, die sich der Reformation angeschlossen hatten. Sie wurden gezwungen, zum Katholizismus überzutreten oder zu fliehen.
Le Bouchet-de-Pranles, ein kleines Bauerndorf in den südfranzösischen Bergen: Hier leben der gläubige Etienne Durand und seine Frau Claudine Durand, geborene Gamonet. Auch sie sind Hugenotten. Sie haben zwei Kinder: Pierre Durand (1700) und Marie Durand (1711). Die Eltern wagen es, ihre neugeborenen Kinder der Taufe durch einen katholischen Priester zu entziehen. Deshalb findet man auch keinen Eintrag über sie im Kirchenregister.
Versammlungen von Gläubigen können nur in geheimen Verstecken durchgeführt werden. Auch im Haus der Familie Durand finden in dieser Zeit immer wieder heimlich Gottesdienste statt. Pierre interessiert sich schon sehr früh für das Wort Gottes und übergibt sein Leben dem Herrn. Bereits mit 19 Jahren beginnt er, in der „Untergrundkirche“ zu predigen. Bei einer dieser Versammlungen ist allerdings ein Verräter anwesend, der den Behörden den Ort anzeigt. Pierre Durand und sein Freund Pierre Rouvier können gerade noch entkommen und in die Schweiz flüchten. Dort haben sie die Zeit und die Freiheit, das Wort Gottes intensiver zu erforschen. Währenddessen kommt es in Frankreich zu immer mehr Festnahmen. Bei einer der heimlichen Versammlungen wird die Mutter, Claudine Durand, verhaftet; sie stirbt im Jahr 1719 in der Festung in Montpellier. Das ihr gehörende Haus wird zerstört.
Pierre hält es unterdessen nicht länger in der Schweiz. Er hat Heimweh nach seiner Familie, seinem Heimatdorf und den Glaubensgeschwistern. Daher kehrt er in seine Heimat zurück, darf seine Familie und die Mitgeschwister aber nicht durch sein Erscheinen gefährden und muss sich deshalb versteckt halten. Trotz aller Gefahren versammeln sich die Gläubigen weiterhin und erleben sogar eine Erweckung. Pierre ist ein unermüdlicher Kämpfer für die Wahrheit mit einer großen Liebe zu Gott und den Seinen. 1724 verlobt er sich mit Anne Rouvier, der Schwester seines auf die Galeeren (Ruderschiffe) verbannten Freundes Pierre. 1727 werden die beiden getraut.
Marie ist in diesen bewegten Zeiten inzwischen älter geworden. Im Herbst 1728 marschieren erneut Soldaten heran. Der Vater Etienne flüchtet in ein in der Nähe gelegenes Schloss. Seine Tochter, die nun 17 Jahre alt ist, vertraut er der Fürsorge von Nachbarn an. Die Soldaten nehmen die Bibel, christliche Schriften und das Tagebuch des Vaters mit. Einige Wochen später wird Etienne entdeckt und in das Gefängnis in Valence eingeliefert, wo er mehr als 14 Jahre verbringen wird.
Anne, Pierres Frau, wohnt zunächst bei ihrer Mutter. Sie fühlt sich dort jedoch nicht mehr sicher und gibt ihre Heimat auf, um von nun an in Einöden und Schluchten, in nächtlichen Verstecken und auf einsamen Wegen ein Leben in der „Wüste“ zu führen. Ihr erstes Kind wird geboren, die kleine Jeanne überlebt jedoch die Strapazen der ständigen Flucht nicht und stirbt.
Im Juli 1730 wird Marie in ihrem Haus verhaftet und nach Aigues-Mortes/Camargue in den berüchtigten „Turm der Standhaftigkeit“ (Tour de Constance) gebracht. Mindestens 28 Frauen bevölkern das dunkle, feuchte Gefängnis, durch dessen Öffnungen Nebel, Kälte, Wind und Sonnenglut eindringen und die Gefangenen quälen. Trotz der extremen Bedingungen und des Drucks, ihrem Glauben abzuschwören, bleibt sie standhaft. Ihre Entschlossenheit wird symbolisiert durch das Wort „Résistez!“ („Widersteht!“), das sie angeblich in den Stein des Gefängnisses eingraviert haben soll. Während ihrer Haftzeit ermutigt sie andere inhaftierte Frauen, ihren Glauben nicht zu verleugnen. Ihre Korrespondenz mit der Außenwelt und ihre Rolle als moralische Führerin machen sie zu einer Figur des Widerstands der Gläubigen und des Ausharrens. Der Turm der Constance in Aigues-Mortes ist heute ein Ort des Gedenkens an ihre Leiden und die vieler anderer Hugenotten.
Wie leicht hätte sie die Freiheit erwirken können! Sie hätte „nur“ abschwören und in den Schoß der katholischen Kirche zurückkehren müssen. Doch das wollte sie nicht – nein, um keinen Preis wollte sie die Wahrheit verleugnen.
Pierre ist in den Augen der staatlichen und kirchlichen Behörden ein gefährlicher Aufwiegler, auf dessen Ergreifung eine hohe Geldsumme ausgesetzt ist. In einer kalten Februarnacht des Jahres 1732 fällt er seinen Feinden durch Verrat in die Hände. Er muss sich verschiedenen Verhören unterziehen und bekennt sich dabei als Gläubiger, der Gott mehr gehorchen muss als Menschen. In einem Abschiedsbrief an seine Freunde heißt es: „Mein Lauf wird bald beendet sein. Wenn Gott mir beisteht, werde ich in aller Kürze das Evangelium besiegeln, das ich gepredigt habe. Ich bitte Euch, den Herrn für mich zu bitten, dass Er mich in allen meinen Prüfungen stärkt!“
In der Stadt Montpellier, die nicht weit von dem Turm der Constance entfernt liegt, verbringt Pierre seine letzten Tage in einem unterirdischen Gefängnis. In seiner einsamen und finsteren Zelle bleibt er nicht von Versuchung und Schwäche verschont. Bald ist er jedoch wieder fest und ungebeugt und bleibt es bis zuletzt. Pierre wird schließlich zum Tod am Galgen verurteilt. Als ihm das Todesurteil überbracht wird, hebt er seine Augen zum Himmel auf und ruft mit gefalteten Händen: „Gelobt sei Gott! Dies ist der Tag, der allen meinen Leiden ein Ende bereitet, der Tag, an dem mich der große Gott mit seinen köstlichsten Gnaden überschütten und mir das ewige Glück geben wird.“
In der Stunde der Hinrichtung drängt sich eine große Menge auf dem Marktplatz. In lautem Trommelwirbel sollen die letzten Worte von Pierre Durand untergehen. Aber das Zeugnis des Sterbenden kann nicht verhindert werden. Er singt den Psalm vom guten Hirten und erfleht Gottes Barmherzigkeit für sich. Unerschrocken besteigt er dann die Leiter zum Galgen und gibt dem Henker selbst das Zeichen.
Der Tod des Märtyrers entflammt viele zu neuem Eifer, den Herrn zu bekennen. Junge Männer treten in seine Fußstapfen und sind bereit, ihr Leben zu opfern. Pierre hat durch das kraftvolle Zeugnis seines Märtyrertodes seinen Herrn verherrlicht. Seiner Schwester Marie war das andere Los auferlegt, ihr Glaube musste sich in langer, beschwerlicher Gefangenschaft bewähren. Pierres Frau flieht nach dem Tod ihres Mannes mit den Kindern in die Schweiz, wo nur eine Tochter überlebt.
„RESISTEZ!“ Immer wieder ruft Marie Durand dies sich selbst und den anderen Frauen zu! Und sie widersteht, wenn Versuchungen und Anfechtungen kommen, wenn Krankheiten und Seuchen den Gefangenen zu schaffen machen und manche dahinraffen, wenn die Luft in dem engen Verlies unerträglich wird, wenn sich die Hoffnung auf eine baldige Begnadigung wieder einmal zerschlägt.
Bis zu 38 Frauen sitzen zeitweise in diesem Turmgefängnis ein, die meisten, weil sie Christen sind. Dort müssen sie auf den Tag warten, an dem sie sterben – oder sich von ihrem Glauben lossagen. Als 19-Jährige kommt Marie Durand dort an, und nach einigen Jahren versteht sie, dass ihre Mission darin besteht, den Frauen zu helfen, die dort in diesem Gefängnis sind. So kümmert sie sich Jahr für Jahr um die Frauen, die oft an Rheuma leiden und verzweifelt und schwach sind. Marie widmet sich ganz dieser Arbeit und harrt 38 Jahre in diesem Turm aus. Sie und die anderen eingesperrten Frauen ertragen die härtesten und unhygienischsten Bedingungen, die man sich vorstellen kann. Marie überlebt fast alle Frauen dort.
Sie lässt sich nicht von den Umständen brechen. Sie ist es, die in Gebet und Gesang die anderen anführt. Das Mittel, mit dem sie diese Aufgabe bewältigt, ist ihr unerschütterlicher und unnachgiebiger Glaube an Gott. Es ist gleichzeitig auch das einzige wirksame Werkzeug, das ihr zur Verfügung steht. Das gleiche Mittel steht uns zur Verfügung. Mögen wir uns nicht scheuen und uns nicht schämen, es zu benutzen.
Es gibt eine Gefangenenakte von Marie Durand. Darin steht eine kurze Bemerkung: „Glaubensstand unverändert!“ Was für ein Zeugnis ihrer Treue und Standhaftigkeit!
Trotz des Märtyrertodes von Pierre Durand bleiben die Familienangehörigen für viele weitere Jahre in Haft. Der Vater Etienne wird vierzehn Jahre später im Alter von 86 Jahren freigelassen. Die Schwiegermutter von Pierre Durand stirbt nach vierundzwanzig Jahren Haft im Gefängnis. Neben der Sorge um das Wohlergehen ihrer Mitgefangenen kümmert sich Marie Durand vom Gefängnis aus stets auch intensiv um die Tochter ihres hingerichteten Bruders. Diese lebt seit der Flucht mit ihrer Mutter in der Schweiz, ist jedoch nach deren Tod und dem Tod ihrer Geschwister ganz ohne familiäre Bezugspersonen.
Marie wird erst 1768 im Alter von 56 Jahren als körperlich gebrochene Frau wieder freigelassen. Sie kehrt nach Le Bouchet-de-Pranles zurück. Eine frühere Mitgefangene gesellt sich zu ihr. Es ist ein einfaches, fast erbärmliches Leben, das die beiden führen. Sie versorgen ein paar Ziegen, bebauen einen kleinen Garten und bereiten karge Mahlzeiten zu. Die Kraft des Gebets durchstrahlt ihren schlichten Alltag. Acht Jahre lebt Marie noch in der wiedergeschenkten Freiheit. Im Juli 1776 ruft der Herr sie heim. Der Tod öffnet ihr das Tor in jenes Land, in dem nie mehr menschliche Ungerechtigkeit und Grausamkeit, nie mehr Leiden und Schrecken sein werden. Ihre letzten Worte sollen gewesen sein: „Die Krone des Lebens.“ Ja, diese Krone wird sie empfangen, denn sie bewährte sich in der Prüfung und war auch bereit, für ihren Herrn zu sterben (vgl. Jak 1,12; Off 2,10).
recherchiert und zusammengestellt von
Andreas Kringe
Werft nun eure Zuversicht nicht weg, die eine große Belohnung hat. Denn ihr habt Ausharren nötig, damit ihr, nachdem ihr den Willen Gottes getan habt, die Verheißung davontragt. Denn noch eine ganz kleine Zeit, und „der Kommende wird kommen und nicht ausbleiben“.
Quellen:
Pagel, Arno: Marie Durand. Brunnen Verlag, Gießen. 1987.
Ronner, Emil Ernst : Marie Durand. Brockhaus Verlag, Wuppertal. 1976.
Fabre, André: Pierre Durand, pasteur du désert, martyr (1700-1732), Neuilly, éditions La Cause. 1930.

An den Bächen Rubens waren große Beschlüsse des Herzens. Warum bliebst du zwischen den Hürden, das Flöten bei den Herden zu hören? An den Bächen Rubens waren große Beratungen des Herzens.
Herzensentschlüsse, die in die Tat und in das Leben umgesetzt werden, sind zum großen Segen. Viele gute Beispiele dazu haben wir in diesem Heft gefunden. Doch es gibt auch ein warnendes Beispiel, bei dem zwar Beratungen des Herzens vorhanden waren – es waren sogar große Beratungen –, aber es folgten keine Taten. Deshalb blieben die Beratungen ohne Nutzen für das Volk Gottes.
Der Hintergrund für dieses Beispiel ist dunkel. Wieder einmal war eine traurige Situation im Volk Gottes entstanden. Der Richter Ehud war gestorben und die Israeliten taten erneut, was böse war in den Augen des Herrn. Die Folge war, dass sie unter der Bedrückung des Königs der Kanaaniter und seines Heerobersten Sisera leiden mussten (s. Ri 4,1.2).
Der Ungehorsam der Israeliten war die tiefe Ursache für diese Bedrückung. Eigentlich sollten sie die Völker des Landes, das Gott ihnen geschenkt hatte, völlig vernichten. Leider hatten sie das nicht getan. Juda hatte beispielsweise die Bewohner der Talebene nicht ausgetrieben, weil sie eiserne Wagen hatten (s. Ri 1,19), obwohl Juda erlebt hatte, dass der Herr mit ihm war. Jetzt war es gerade ein König der Völker des Landes, der 900 eiserne Wagen hatte und die Israeliten zwanzig Jahre lang bedrückte.
Nach dieser langen Zeit war der Zustand im Volk Gottes so schwach, dass sich kein Mann fand, der mit Gottes Hilfe für die Befreiung des Volkes eintreten und es zurückführen konnte auf einen Weg des Gehorsams gegenüber Gott. Auch nicht aus dem Stamm Ruben.
Doch Gott kommt dadurch nicht in Verlegenheit. Wenn es keinen Mann gibt, der in geistlicher Kraft vorangeht, dann hat Er hat eine Frau, die aus der Gemeinschaft mit Gott seine Gedanken kennt und die auch in der Lage ist, sie weiterzugeben. Es war die Prophetin Debora (s. Ri 4,4).
Dabei verließ sie ihren Platz als Frau nicht, an den Gott sie gestellt hatte. Sie reiste nicht im Land umher wie z. B. Samuel (s. 1. Sam 7,16), sondern sie blieb im Bereich ihres Hauses und die Kinder Israel kamen zu ihr. Ähnlich war es bei der Prophetin Hulda viele Jahre später (s. 2. Chr 34,22). Und als es sich dann um den Kampf gegen Sisera handelte, ging Barak voran und Debora unterstützte ihn (s. Ri 4,6 ff.).
Eigentlich soll der Mann in (geistlicher) Kraft vorangehen und Verantwortung übernehmen. Die Frau ist das schwächere Geschöpf (s. 1. Pet 3,7). Das hat nichts damit zu tun, dass die Frau in den Augen Gottes einen geringeren Wert hat. Aber es hat damit zu tun, dass Gott Mann und Frau unterschiedliche Aufgaben zugewiesen und sie dafür jeweils optimal ausgestattet hat.
Bei dieser Frau sehen wir einen deutlichen Kontrast zu den Männern aus dem Stamm Ruben, die zwar große Beratungen abhielten, aber nicht für die Interessen Gottes und für sein Volk eintraten.
Sie blieben an den Flüssen und zwischen den Hürden, wo sie ihre Herden bewachten. Sie machten sich nicht auf, um das Volk Israel zu befreien. Gott konnte sie in seinem Volk nicht zum Segen benutzen.
Ruben war der erstgeborene Sohn Jakobs. Der Erstgeborene steht für die natürliche Kraft und Stärke (s. 1. Mo 49,3). Doch die eigene Kraft ist nicht tauglich, in geistlicher Not eine gute Hilfe zu sein.
Die ganze Aufmerksamkeit Rubens galt seinen Herden, seinem irdischen Besitz. Dort hatten sich die Männer aus dem Stamm Ruben bequem eingerichtet, dort hörten sie zufrieden den Flöten bei den Herden zu. Sie waren weder bereit, diese Komfortzone aufzugeben, noch bereit, die Not im Volk Gottes vor ihre eigenen Interessen zu stellen.
Dieses Beispiel redet ernst zu unseren Gewissen. Es ist verhältnismäßig einfach, Not im Volk Gottes zu identifizieren und darüber zu beraten. Aber die eigene Komfortzone zu verlassen, mit anzupacken und mit Gottes Hilfe die Not zu lindern, das ist eine andere Sache. Damals führte der Einsatz der treuen Führer zur Befreiung des Volkes und zur Verherrlichung Gottes (s. Ri 5,2). Aber Ruben hatte darin versagt, dem Herrn zu Verfügung zu stehen.
Wenn dieses traurige Beispiel zu unseren Gewissen redet, dann redet Gott zugleich auch zu unserem Herzen. Wenn Er den Wunsch in uns sieht, nicht nur Beratungen zu führen, sondern mit Herzensentschluss auch für seine Interessen einzutreten, dann kommt Er uns entgegen. Er ist immer noch derselbe. Er hat damals Debora und Barak geholfen. Und Er wurde den Philippern als der Gott vorgestellt, „der in euch wirkt sowohl das Wollen als auch das Wirken, zu seinem Wohlgefallen“ (Phil 2,13).
Die Philipper waren in einer schwierigen Situation. Paulus, der unter ihnen gearbeitet hatte, war nicht mehr da. Er konnte nicht mehr unter ihnen wirken, wie er es während seines Aufenthalts in Philippi getan hatte. Also mussten die Philipper persönlich Verantwortung übernehmen, treu auf dem Weg zum Ziel weiterzugehen. Doch wenn auch Paulus nicht mehr bei ihnen war, so waren sie dennoch nicht allein. Gott war da und Er stand bereit, ihnen zu helfen – sowohl im Blick auf das Wollen als auch im Blick auf das Tun.
Dazu steht Gott auch heute bereit. Mit seiner Hilfe dürfen wir Herzensentschlüsse fassen und tatsächlich in die Tat umsetzen.
Christian Rosenthal

„Und ihr seid unsere Nachahmer geworden und die des Herrn, indem ihr das Wort aufgenommen habt in vieler Drangsal mit Freude des Heiligen Geistes, so dass ihr allen Gläubigen in Mazedonien und in Achaja zu Vorbildern geworden seid. Denn von euch aus ist das Wort des Herrn erschollen, nicht allein in Mazedonien und in Achaja, sondern an jedem Ort ist euer Glaube an Gott ausgebreitet worden, so dass wir nicht nötig haben, etwas zu sagen.“
Gott möchte, dass wir Herzensentschlüsse fassen, die sich auf sein Wort gründen. Das ist eine Frage des Gehorsams und der Liebe zu Ihm und seinem Wort. Manchmal scheuen wir mögliche Konsequenzen. Aber das sollte nicht unsere Sorge sein, sondern wir dürfen getrost alle Folgen Ihm überlassen.
Die jungen Thessalonicher nahmen Gottes Wort bereitwillig auf, „nicht als Menschenwort, sondern, wie es wahrhaftig ist, als Gottes Wort“ (s. 1. Thes 2,13). Paulus hatte ihnen das Wort Gottes verkündigt und sie hatten es nicht nur gehört (empfangen), sondern auch aufgenommen (geglaubt). Das hatte Folgen für die Thessalonicher. Denn Paulus schreibt weiter, dass es „auch in euch, den Glaubenden, wirkt“. Gottes Wort wirkt im Innern, um das Herz zu verändern. Doch es blieb keine verborgene Sache, sondern es wirkte erkennbar im Leben der jungen Thessalonicher. So wurde deutlich, dass ihr Glaube echt war. Diese sichtbaren Auswirkungen sind auch für uns bedeutsam.
Zuerst lesen wir davon, dass sie zu Nachahmern von Paulus geworden waren. Was genau bedeutet es, Nachahmer zu sein? Es war wohl kaum so, dass sie sich angestrengt haben, so wie der Apostel Paulus zu werden, seine Kenntnis zu erwerben, seinen Redestil zu imitieren oder Zeltmacher zu sein. Auch wird es bestimmt nicht so sein, dass die Thessalonicher sich so gekleidet haben wie Paulus und am liebsten unverheiratet bleiben wollten, weil er ja auch ledig geblieben ist. Keineswegs! Nachahmer von Paulus waren sie, weil sie den gleichen Glauben hatten wie er. In Hebräer 13,7 lesen wir diese Aufforderung: „Ahmt ihren Glauben nach.“ Die Thessalonicher taten genau das, obwohl sie den Hebräerbrief noch gar nicht kennen konnten.
Wir werden aufgefordert, nicht die Person zu imitieren, sondern den Glauben nachzuahmen, den Menschen wie Paulus hatten. Und dabei ist auch klar, dass nicht der rettende Glaube an das Werk des Herrn Jesus gemeint ist, sondern das Glaubensvertrauen in Gott. Genau das zeigt sich in der täglichen Lebenspraxis, wenn wir in jeder Situation mit Gott rechnen und Ihn in alle Themen einbeziehen.
Die Thessalonicher waren also Nachahmer von Paulus, aber sie wollten auch Nachahmer des Herrn selbst sein. Ebenso konnte auch Paulus die Korinther ermuntern, seine Nachahmer zu sein, weil er selbst Nachahmer des Herrn war: „Seid meine Nachahmer, wie auch ich Christi“ (1. Kor 11,1). Für die Thessalonicher ergaben sich direkte Folgen für sie selbst: eine äußerliche und eine innerliche. Die Menschen in ihrem Umfeld lehnten sie ab. Diese Ablehnung hatte Paulus in ähnlicher Weise in Thessalonich erlebt (s. Apg 17). Einige nahmen ihn auf und glaubten, andere aber lehnten ihn und seine Botschaft ab. Der Widerstand und Aufruhr wurde so groß, dass er heimlich bei Nacht aus der Stadt fliehen musste.
In gleicher Weise wurden auch die gläubigen Thessalonicher abgelehnt und angeklagt, wie z. B. Jason und andere Brüder. Was war der Grund? Ein klarer Herzensentschluss, dem Wort Gottes zu gehorchen und standfest auf der Seite des Herrn Jesus zu stehen. Es brachte ihnen Drangsal ein, wie bei Paulus und wie beim Herrn Jesus selbst.
Eine andere Wirkung des Wortes Gottes war die innerliche Veränderung. Es bewirkte Freude in ihren Herzen, und zwar keine Freude über die äußeren Umstände, sondern eine Freude unabhängig von allen äußeren Einflüssen, gewirkt vom Heiligen Geist. Das hatte der Herr schon in Johannes 15,11 verheißen. Wenn seine Jünger seine Gebote halten würden, dann würde seine Freude in ihnen sein und ihre Freude völlig sein. Das erlebten die Thessalonicher jetzt und das erleben auch wir heute, wenn wir seinem Wort gehorchen.
Es gab noch eine weitere sichtbare Auswirkung im Leben der Thessalonicher: Sie waren zu Vorbildern für die Gläubigen in näherer und weiterer Umgebung geworden. Sie lebten so, dass erkennbar war, wofür und für wen sie lebten. Es war deutlich, dass sie Nachfolger des Herrn Jesus waren.
Bleibt denn heute wohl ein klarer Herzensentschluss für den Herrn Jesus verborgen? Wird das nicht sichtbar in unserem Lebensstil? Was wird sichtbar in der Art und Weise, wie du redest, wie du dich verhältst in herausfordernden Situationen, im Kontakt mit anderen, wenn man dich verbal angreift, dich verletzt, dich herausfordert? Dass du „mit gleicher Münze heimzahlst“, versuchst, den anderen genauso „in die Pfanne zu hauen“? Oder wird dein innerer Friede sichtbar, dein Vertrauen auf die Macht Gottes, dein sanfter und stiller Geist, wie bei Mose, der der sanftmütigste Mann auf der Erde genannt wurde, nachdem er in Gottes Schule gelernt hatte?
Das ist ja keine Charakterfrage, weil du lieb und nett bist – nein! Das ist eine Wirkung des neuen Lebens, das in der Frucht des Geistes sichtbar wird – in diesem Fall Sanftmut (s. Gal 5,22.23)! Wie konkret oder wie allgemein dein Herzensentschluss auch sein mag: Wenn er sich auf das Wort Gottes gründet, wird er in deinem Verhalten im Alltag deutlich werden. Übrigens wird das auch und gerade unter Druck sichtbar, viel eher, als wenn alles „glatt“ läuft!
So waren die Thessalonicher zu Vorbildern geworden für andere, die vielleicht die Frage hatten, ob es sich wohl lohnt, einen Herzensentschluss für den Herrn zu fassen. Die vielleicht eine Rechnung aufmachten und sich fragten, ob der Aufwand gerechtfertigt sei oder ob sie dadurch zu Verlierern würden. Die Thessalonicher lebten vor, dass es sich lohnt. Aus Nachahmern wurden Vorbilder, die nachahmenswert für andere waren.
Welches Vorbild hast du? Wird Christus darin sichtbar? Welche Herzensentschlüsse hat dein Vorbild gefasst und sind das nachahmenswerte Herzensentschlüsse, die auf die Bibel gegründet sind?
Und welches Vorbild bist du? Welchen Herzensentschluss hast du gefasst und wird er sichtbar in deinem Leben?
Es sollte nicht die vorrangige Priorität sein, darüber nachzudenken, welchen Einfluss unsere Herzensentschlüsse auf andere haben. Das Wichtigste ist, dass wir bereit sind, einen Herzensentschluss zu fassen für den Herrn Jesus! Wie bei den Thessalonichern wird die Wirkung auf andere dann die fast unvermeidliche Folge sein. Auf der anderen Seite ist es aber durchaus Wert, darüber nachzudenken, welchen Einfluss wir auf andere haben, wenn wir keinen Herzensentschluss für den Herrn fassen.
Die dritte sichtbare Auswirkung im Leben der Thessalonicher zeigte sich darin, dass sie das Evangelium weitersagten. Sie hatten so eine großartige Errettung erlebt, dass sie das niemals für sich behalten konnten, sondern weitergeben mussten. „Von euch aus ist das Wort des Herrn erschollen“ (V. 8). Das war kein leises Flüstern, sondern wie eine „Trompete“, die nicht zu überhören war. Und offenbar blieb das nicht geheim, sondern wurde bekannt in der ganzen Region – die Landschaften Mazedonien und Achaja waren damals zusammen größer als das heutige Griechenland!
Der Herr Jesus freut sich über einen Herzensentschluss bei dir und mir. Wir wollen Ihm dienen mit unserem ganzen Leben. Wie bei den Thessalonichern ist das keine Frage der Erfahrung oder Erkenntnis über viele Jahre, sondern der Liebe zum Herrn.
Johannes Kogut

Herzensentschlüsse – sich innerlich zu positionieren und die Zuneigungen auf die Person des Herrn Jesus und sein Wort auszurichten – haben ihren Ausgangspunkt in unserem persönlichen Glaubensleben.
Dann sind wir aber als Glaubende auch zusammengestellt. Ja, noch mehr: Wir sind in dem einen Leib – der Versammlung des lebendigen Gottes – untrennbar miteinander verbunden. Die Versammlung Gottes ist unendlich kostbar für das Herz Gottes. Er hat sie sich erworben durch das Blut seines Eigenen – seines geliebten Sohnes (s. Apg 20,28). Der Herr Jesus hat sich selbst für diese Versammlung hingegeben (s. Eph 5,25).
Diese eine weltweite Versammlung wird örtlich dargestellt. Wenn Gläubige auf der Grundlage des Wortes Gottes zusammenkommen, wird etwas sichtbar von der Wahrheit über Christus und seine Versammlung (s. 1. Kor 11,18 ff.; 14,23 ff.).
Wenn nun die Versammlung kostbar für das Herz Gottes ist, sollte sie es auch für unsere Herzen sein. Sind wir dann mit freudigem Herzensentschluss da, wo etwas davon dargestellt wird und der Herr Jesus persönlich seine Gegenwart verheißen hat (s. Mt 18,20)?
Am Abend des Auferstehungstages waren die Jünger und einige mit ihnen versammelt (s. Luk 24,33; Joh 20,19). Dies war vermutlich auf dem Obersaal, wo sie mit dem Herrn noch drei Tage zuvor das Passah gefeiert und Er das Mahl zu seinem Gedächtnis eingesetzt hatte. Wie selbstverständlich hatten sie sich dort zusammengefunden. Der Herr war an diesem Tag bereits mehreren von ihnen in Auferstehung erschienen. Und nun kam Er selbst „und stand in der Mitte“.
Der Herr ist der gesegnete Mittelpunkt, auf den sich alles ausrichtet und von dem alles ausgeht. Er rief ihnen ein zweifaches „Friede euch“ zu. Das erste zeigte ihnen, dass Er durch seinen Sühnungstod am Kreuz Frieden mit Gott, den Frieden des Gewissens, gemacht hatte (vgl. Röm 5,1; Eph 2,14; Kol 1,20). Dieser ist ein für alle Mal fest. Das zweite „Friede euch“ steht in Verbindung mit einem Auftrag zum Dienst. Sie sollten Ihm im Genuss des Friedens des Herzens dienen und die Botschaft des Friedens verkündigen.
Diese Szene gibt uns ein Vorausbild auf das Zusammenkommen als Versammlung. Der Herr ist der Mittelpunkt und der Anziehungspunkt der Herzen. Sie freuten sich, „als sie den Herrn sahen“ (Joh 20,20). Das bewegte ihre Herzen. Als sie dann mit ihrem Mitjünger Thomas sprachen, der bei dieser Begebenheit nicht dabei gewesen war, waren sie davon erfüllt. Sie sagten zum ihm: „Wir haben den Herrn gesehen“ (V. 25).
Wie treibt uns dieses Bewusstsein an, die Zusammenkünfte aufzusuchen? Möchten wir den Herrn erleben? Dort hat Er seine Gegenwart verheißen!
Das Erste, was uns von den jungen Gläubigen nach der Bildung der Versammlung Gottes durch den Heiligen Geist zu Pfingsten gesagt wird, ist: „Sie verharrten aber in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft, im Brechen des Brotes und in den Gebeten“ (Apg 2,42).
Die Gläubigen waren gemeinsam durch ein intensives, anhaltendes Festhalten an der Lehre der Apostel gekennzeichnet, die ihren Auftrag direkt vom Herrn erhalten hatten (s. Mt 28,20a), und von der beständigen praktischen Gemeinschaft, in die sie als Kinder Gottes gekommen waren (s. 1. Joh 1,3). Das wirkte sich im persönlichen Leben und im Miteinander als Familie Gottes aus.
Dann werden uns zwei gottesdienstliche Tätigkeiten genannt – das Brechen des Brotes und die Gebete. Sie wurden praktiziert, wenn die Gläubigen als Versammlung zusammenkamen (s. 1. Kor 11,18 ff.; Mt 18,19.20). So ist es auch heute noch.
Sie hatten dafür keine konkrete Anordnung, kein Gebot, sondern ihr Herz trieb sie dazu. Der Heilige Geist weckte in ihnen den Wunsch, sich mit dem Wort Gottes zu beschäftigen und es in ihrem Leben umzusetzen, Gemeinschaft zu pflegen und als Versammlung zusammenzukommen.
Einige Ergebnisse davon waren Einmütigkeit, Freude, Lob Gottes und Wachstum. Das ist auch ein Ansporn für uns. Wenn uns diese Haltung und Praxis der ersten Christen auch heute mehr prägen würde, was für ein machtvolles Zeugnis zur Ehre des Herrn und zu unserem Segen würde dann sichtbar werden!
In Apostelgeschichte 20 kam Paulus auf der Rückreise von seiner dritten Missionsreise nach Troas. Offensichtlich war es ihm und seinen Begleitern wichtig, das dortige Zusammenkommen der Gläubigen am Sonntag zu besuchen. Denn obwohl ihn die Zeit drängte, um zu Pfingsten in Jerusalem zu sein (s. V. 16), blieb er sieben Tage in Troas (s. V. 6). Schon damals war also der Sonntag – der erste Tag der Woche – der Tag, an dem die Gläubigen zum Brotbrechen zusammenkamen.
Die Reisen zu Fuß oder mit dem Schiff dauerten teilweise sehr lange und unterwegs hatten sie nicht immer Gelegenheit, die Zusammenkünfte zu besuchen. Nun hatten sie eine Möglichkeit dazu, auch wenn sich dadurch ihre Weiterreise verzögerte. Wir könnten doch denken, dass sie als Brüder – es waren vermutlich mit Paulus und Lukas mindestens neun (s. Apg 20,4.5) –Gemeinschaft, Austausch über Gottes Wort und gemeinsames Gebet haben konnten. Das war sicher auch so und doch ersetzte es für sie offensichtlich nicht das Zusammenkommen als Versammlung.
Es ist eine Sache, persönlich mit dem Herrn den Weg zu gehen, Ihm zu dienen und darüber auch im Miteinander Austausch zu haben und eine zweite, als Versammlung in der Gegenwart des Herrn zusammenzukommen. Das eine wie das andere ist wichtig. Wir wollen beides nicht vernachlässigen.
Der Zweck dieses Zusammenkommens in Troas war, das Brot zu brechen. Im Anschluss daran hatten sie auch einen Austausch über Gottes Wort. Und doch waren die Gläubigen nicht zuerst zusammengekommen, um Paulus zu hören, so sehr sie sich sicher freuten, Belehrungen zu empfangen. Das Brot zu brechen im Gedenken an den Herrn und seinen Sühnungstod zog die Herzen an. Der Weiterreise von Paulus im Dienst für den Herrn, so wertvoll und wichtig er war, stand dahinter zurück.
Das erste Sendschreiben in Offenbarung 2 ist an die Versammlung in Ephesus gerichtet. Paulus hatte den Gläubigen dort über höchste geistliche Segnungen geschrieben. Nun waren etwa 30 Jahre vergangen und Johannes wandte sich an sie.
Äußerlich war alles in bester Ordnung. In dieser Versammlung wurde hart und mühevoll in dem Werk des Herrn gearbeitet und das Böse abgewiesen. Und der Herr erkannte das an. Aber sein Auge erkannte auch die inneren Beweggründe! Das, was für Menschen in der Regel nicht erkennbar ist – die Motive der Herzen –, beurteilt der Herr. Er musste ihnen sagen: „Aber ich habe gegen dich, dass du deine erste Liebe verlassen hast“ (Off 2,4). Sie hatten zwar nicht Christus selbst aufgegeben, aber die Frische der Zuneigung zu Christus und das Empfinden für seine unendliche Liebe zu ihnen war verloren gegangen. Er erfüllte nicht mehr allein ihre Herzen, ihre Herzen brannten nicht mehr für Christus. Und das wog in den Augen des Herrn schwer. Er forderte sie daher auf, Buße zu tun.
Und wir? Müssen wir nicht auch bekennen, dass wir unserem Herrn oft nicht ungeteilt unsere besten Zuneigungen geben, dass sich manchmal andere Motive als die Liebe zu unserem Herrn bei uns finden? Nicht nur das „Was“, sondern vor allem das „Wie“ ist wichtig. Wenn unsere Herzensverbindung zu unserem Herrn intakt ist, können wir wieder zur Frische des Anfangs zurückfinden und in den Zusammenkünften mit ganzem Herzen auf Ihn gerichtet sein.
Einen Herzensentschluss im Blick auf das Zusammenkommen der Gläubigen zu haben setzt voraus, dass wir unseren Herrn von Herzen lieben und auf Ihn ausgerichtet sind. Auf dem gemeinsamen Weg zeigt sich das darin, dass wir
Das bedeutet dann, himmlische Atmosphäre auf dieser Erde zu erleben, da Christus der gesegnete Mittelpunkt ist, von dem alles ausgeht und auf den alles ausgerichtet ist.
Wenn wir uns darauf freuen, bald in der Herrlichkeit bei Ihm zu sein, dann werden wir auch mit Freuden – wann immer es möglich ist – die Zusammenkünfte als Versammlung mit Herzensentschluss aufsuchen. Denn dort ist Er in der Mitte.
Dirk Mütze

Warum stellt uns Gottes Wort mit Ruth und Maria die Herzensentschlüsse von zwei gläubigen Frauen vor? Eine Frage, der wir durch die Beschäftigung mit den beiden etwas nachgehen wollen.
Ruth, die Moabiterin, lebte zur Anfangszeit der Richter. Die Moabiter waren ein Nachbarvolk Israels und übten als Heiden Götzendienst aus. Gott hatte ihnen verboten, in seine Versammlung zu kommen (s. 5. Mo 23,4). Trotzdem widmet Er einer Frau aus diesem Umfeld ein ganzes Bibelbuch. Durch ihre Geschichte zeigt Gott seine unendliche Gnade: Ohne Anspruch auf Verheißungen schenkt Er ihr reichen Segen, weil sie im Glauben die Gnade ergreift. Doch das Buch Ruth zeigt uns noch mehr: Wir sehen eine vorbildliche Entwicklung in ihrem Glaubensleben, weil sie in ihrem Herzen gute, Gott wohlgefällige Entschlüsse fasst.
… denn wohin du gehst, will ich gehen, und wo du weilst, will ich weilen; dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott
Im Elternhaus von Ruth war der wahre Gott sicher unbekannt. Vermutlich lernt sie Ihn erst kennen, als sie in die aus Bethlehem stammende „Migranten“-Familie von Elimelech einheiratet. Doch zunächst macht Ruth negative Erfahrungen: Ihr Schwiegervater, ihr Mann und ihr Schwager sterben, ihre Schwiegermutter Noomi wird völlig verbittert. Doch als Noomi erfährt, dass Gott „sich seinem Volk zugewandt habe, um ihnen Brot zu geben“ (Rt 1,6), macht sie sich auf den Weg zurück in ihre Heimat. Ruth fasst den Entschluss, sie zu begleiten. Sie will das Volk kennenlernen, dem dieser Gott solche Zusagen macht. Ihn will sie zu ihrem Gott und dieses Volk zu ihrem Volk machen. Nichts bringt sie davon ab, den Entschluss in die Tat umzusetzen, auch wenn sie dabei ihre Eltern und ihr Heimatland verlassen muss (s. Rt 2,11). Das belohnt Gott, denn als sie in Bethlehem ankommt, beginnt gerade die Gerstenernte und sie erlebt, wie Gott seine Zusage an Israel wahr macht und reichen Segen gibt.
Sich für Gott zu entscheiden, kann – gerade wenn man aus einem ungläubigen Umfeld kommt – mit feindseligen Folgen und Veränderungen sogar innerhalb der eigenen Familie verbunden sein. Aber jeder, der so mutig wie Ruth diesen Entschluss fasst und umsetzt, darf erfahren, dass Gott mit ihm ist.
Lass mich doch aufs Feld gehen und unter den Ähren lesen …
Ruth genügt es nicht, Gott und sein Volk nur zu kennen. Obwohl sie eine Fremde ist, möchte sie auch an dem Segen teilhaben, den Gott seinem Volk zugesagt hat. Ihren Entschluss, auf dem Feld Nahrung zu sammeln, belohnt Gott – gleich in mehrfacher Hinsicht: Ruth kommt auf das Feld von Boas, hier gibt es Frucht in Überfluss. Dann begegnet Ruth Boas persönlich, er will ihr in seiner Gnade vollen Segen schenken. Schließlich lädt Boas sie zu einer gemeinsamen Mahlzeit ein. Hierbei erlebt Ruth, das Boas selbst der Gebende ist.
Boas ist ein Bild des Herrn Jesus, sein Feld ein Bild von dem Platz, wo seine Rechte anerkannt werden und wo Er segnen kann. Wenn wir nach unserer Bekehrung Gottes Segen praktisch genießen wollen, müssen wir auf das „richtige Feld“ gehen. An dem Platz, wo der Herr seine Gegenwart zusagt, finden wir nicht nur Nahrung, sondern begegnen Ihm selbst. Wir erfahren, dass Er – das Brot des Lebens – von sich selbst gibt.
Und es geschehe, wenn er sich niederlegt, so merke dir den Ort, wo er sich hinlegt, und geh und decke zu seinen Füßen auf und lege dich hin; er aber wird dir mitteilen, was du tun sollst. Und sie sprach zu ihr: Alles, was du sagst, will ich tun
Ruth soll bei Boas nicht nur Nahrung finden, sondern auch zur Ruhe kommen. Deshalb rät Noomi ihr, aktiv seine Nähe aufzusuchen. Ruth entschließt sich, genau das zu tun und erlebt dann, wie Boas die Initiative übernimmt und sie in innige Gemeinschaft mit sich selbst bringt. Sie lernt, ihn zu verstehen; lernt, wer er ist, was er an ihr schätzt und was er für sie tun will. Wie voll wird das Herz von Ruth gewesen sein, als sie spürt, was Boas für sie empfindet. In seiner Gemeinschaft fühlt sie sich auch nicht mehr als „Fremde“.
Für inneres Wachstum ist es wichtig, mit Energie geistliche Nahrung zu sammeln. Nicht weniger benötigen wir aber die persönliche Gemeinschaft mit dem, der die Nahrung gibt. In seiner Nähe wird uns bewusst, wie innig Er uns liebt. Das gibt uns Ruhe, Kraft für unser Glaubensleben und Freude auf unsere herrliche und ewige Zukunft mit Ihm. Diese Gemeinschaft müssen wir – so wie Ruth – mit festem Herzensentschluss suchen.
Sechs Tage vor seinem Kreuzestod salbt Maria den Herrn mit einem sehr kostbaren Salböl. Der Entschluss für diese – für den Herrn so wertvolle – Tat hat eine schöne „Vorgeschichte“.
Beim Abendessen in ihrem Haus saß Maria zu den Füßen des Herrn (s. Lk 10,39). Sie war dort sitzend zur Ruhe gekommen (wie auch schon Ruth in der Nähe von Boas). Diese Gemeinschaft kam nicht „zufällig“, sondern Maria hatte sie (anders als ihre Schwester Martha) bewusst gesucht. Es gab keinen besseren Platz, denn hier erlebte sie Ihn ganz nah und hörte, was Er sagte. Sicher sprach Er von seinen bevorstehenden Leiden und seinem Tod – so wie Er das vorher bei den Jüngern getan hatte. In seiner Gemeinschaft lernte sie, dass Er auch aus Liebe zu ihr in den Tod gehen würde. Das wird einen tiefen Eindruck bei ihr hinterlassen haben.
Als ihr Bruder Lazarus gestorben war und der Herr zu ihr kam, als er schon vier Tage in der Gruft lag, fiel sie Ihm zu Füßen und erlebte in diesen schweren Stunden erneut Gemeinschaft mit Ihm. Hier erfuhr sie, dass Er voll Liebe, Mitgefühl und Trost ist. Aber sie sollte noch mehr erleben: die Macht des Sohnes Gottes, der Lazarus aus den Toten auferweckte.
Bei diesen Gelegenheiten zu den Füßen ihres Meisters erkennt sie mehr und mehr, wer Er ist. Und je mehr ihr bewusst wird, wie sehr Er sie liebt, umso mehr liebt sie Ihn. Aus dieser Liebe reift in ihrem – ganz von Ihm erfüllten – Herzen der wunderbare Entschluss: Sie will Ihm dadurch, dass sie Ihn salbt, ihre ganze Hingabe und Zuneigung schenken.
Dieser Entschluss ist kein spontaner emotionaler Ausbruch, das zeigen die Umstände der Salbung. Da sie nicht in ihrem Haus, sondern bei Simon, dem Aussätzigen stattfindet, ist kaum anzunehmen, dass sie das wertvolle Salböl „einfach so“ mit sich führt; sie wird das Fläschchen bewusst mitgenommen haben. Da sie es zerbricht, hatte Maria es offensichtlich noch nicht angebrochen und speziell für ein Ereignis wie dieses aufbewahrt. Der Wert des Salböls (mehr als 300 Denare) entsprach fast dem Jahresverdienst eines Arbeiters, vielleicht hatte Maria lange dafür gespart. Das alles zeigt uns, wie viel sie für den Herrn empfindet, als sie sich entschließt, Ihn mit dieser kostbaren Narde zu salben.
Marias Herzensentschluss und ihre Tat lassen uns etwas über Anbetung lernen. Anbetung ist mehr als Dankbarkeit für Errettung, sie ist Bewunderung für den, durch den wir sie haben. Das bewirkt tiefe Hingabe für unseren Herrn und Heiland. Wenn wir – so wie Maria – jede Gelegenheit zur Gemeinschaft mit Ihm nutzen, werden wir Ihn und seine große Liebe immer mehr kennenlernen. Im Bewusstsein, wer Er ist und wie Er uns liebt, wird unsere Liebe zu Ihm wachsen und wir werden zur Anbetung geführt.
Gottes Wort stellt uns die Herzensentschlüsse dieser beiden Frauen vor, um zu zeigen, …
Wenn Ruth und Maria gläubige Frauen zu ähnlichen Herzensentschlüssen motivieren können, wird der Herr in den Familien und in der Versammlung geehrt. Gleichzeitig sind sie ihren Kindern – und auch den Männern – zu Vorbildern.
Henning Panthel
Und die Zwölf waren bei ihm, und einige Frauen, die von bösen Geistern und Krankheiten geheilt worden waren … und viele andere Frauen, die ihm mit ihrer Habe dienten.

Es ist wichtig, einen Herzensentschluss im Bereich der Familie und im Blick auf das Zusammenkommen als Versammlung zu haben. Doch die Voraussetzung ist ein Herzensentschluss im persönlichen Leben. Das zeigen uns die vier Personen in diesem Artikel, die jeweils einen persönlichen Herzensentschluss gefasst haben. Ihr Beispiel ist lehrreich für unser Leben.
Der Prophet Micha lebte in schwierigen Zeiten. Der Großteil des Volkes hatte sich von Gott und seinen Gedanken abgewandt. Doch Micha hatte einen persönlichen Herzensentschluss gefasst: „Ich aber will ausschauen nach dem Herrn, will harren auf den Gott meines Heils; mein Gott wird mich erhören“ (Mich 7,7). Er ließ sich von den katastrophalen Zuständen nicht entmutigen, sondern vertraute auf Gott. Ähnlich war es bei Habakuk. Trotz der Gewalt und Mühsal, die er um sich her entdeckte, sagte er: „Ich aber, ich will in dem Herrn frohlocken, will jubeln in dem Gott meines Heils“ (Hab 3,18).
Eltern reagieren aufgrund ihrer Erfahrungen mit den Kindern oft allergisch auf die Worte „ich“, „aber“ und „will“. Für einen persönlichen Herzensentschluss in bösen Zeiten sind sie jedoch – in ihrer positiven Bedeutung – unerlässlich.
Bei beiden Propheten gab es mindestens zwei große Gefahren:
Aber Micha und Habakuk hatten sich fest entschlossen, Gott zu vertrauen und sich an Ihm zu freuen.
Wir sehen: Es ist zu jeder Zeit möglich, mit Herzensentschluss bei dem Herrn zu verharren. Es mag böse und schwierige Zeiten geben, die mit besonderen Gefahren verbunden sind. Wenn wir aber auf Christus ausgerichtet sind, können wir bei Ihm verharren.
Auch im Neuen Testament finden wir dazu ein vorbildliches Beispiel: Der Apostel Paulus lässt uns an manchen Stellen einen Blick in sein Herz und auf seine Herzensentschlüsse werfen. In Galater 2,20 schreibt er: „Was ich aber jetzt lebe im Fleisch, lebe ich durch Glauben, durch den an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat.“ Drei Punkte wollen wir auf unser Thema anwenden:
Wir sehen: Ein persönlicher Herzensentschluss ist eine Antwort auf das Werk Christi von Golgatha. Dabei geht es zunächst um die grundlegenden Dinge in unserem Glaubensleben: durch Gebet und Lesen des Wortes Gottes den Herrn Jesus besser kennenzulernen. Und dann bewusst mit Ihm zu leben – an jedem Tag neu.
Das letzte Beispiel, das wir uns ansehen möchten, ist zugleich das größte und vollkommene Vorbild. Die ersten Worte, die wir von dem Herrn Jesus nach seiner Geburt lesen, zeigen den Herzensentschluss, den Er hatte: „Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meines Vaters ist?“ (Lk 2,49). Die oberste Priorität im Herzen des Herrn Jesus war seine Beziehung zu seinem Vater. Und diese Beziehung lebte Er vollkommen aus. Sein Entschluss war für Ihn nicht ein „Kann“ oder „Sollte“, sondern ein absolutes „Muss“. „Mein Vater“ – das ist ein Teil der ersten und der letzten Worte, die wir von dem Herrn Jesus im Lukasevangelium lesen (s. Lk 2,49; 24,49). Er hat tatsächlich bei seinem Vater verharrt.
Gerade am Beispiel des Herrn Jesus wird auch deutlich, wie glücklich und segensreich ein Leben ist, bei dem ein persönlicher Herzensentschluss Tag für Tag verwirklicht wird.
Der Herr Jesus ist tatsächlich das vollkommene Vorbild und zugleich die größte Hilfe, um Ihm auch in diesem Punkt nachzufolgen.
Wir sehen: Im persönlichen Leben mit Herzensentschluss bei dem Herrn zu verharren, ist eine große Verantwortung. Aber es führt auch zu einem glücklichen, kraftvollen und segensreichen Leben.
Und das wünschen wir uns doch alle! Gerade die Beschäftigung mit dem Herrn Jesus wird uns helfen, mit Herzensentschluss bei Ihm zu verharren.
Mario Wolff
Ich aber will ausschauen nach dem Herrn, will harren auf den Gott meines Heils.

„Du kannst deinen Kindern sagen, was du willst – sie tun doch das, was sie an dir sehen.“ So lautet ein bekanntes Sprichwort, das viele Väter und Mütter bestätigen können. Natürlich trifft das nicht immer und in jedem Fall zu, aber es steckt doch viel Wahres in dieser Aussage. Im praktischen Familienleben ist es manchmal ernüchternd, wenn wir unsere eigenen (Erziehungs-)Fehler erkennen können. Durch die Gnade Gottes dürfen wir aber auch Positives mit und an unseren Kindern erkennen und erleben.
Im Folgenden wird auf zwei biblische Beispiele eingegangen, die uns ermuntern und motivieren möchten, gute Herzensentschlüsse im familiären Umfeld zu treffen, die zum geistlichen Nutzen unserer Kinder sind und zu ihrem Wohlergehen führen sollen.
Denn ich habe ihn erkannt, dass er seinen Kindern und seinem Haus nach ihm befehle, damit sie den Weg des Herrn bewahren, Gerechtigkeit und Recht auszuüben, damit der Herr auf Abraham kommen lasse, was er über ihn geredet hat.
Das sagte Gott zu Abraham, als Er ihn bei den Terebinthen Mamres besuchte und ihm die Geburt Isaaks und das Gericht über Sodom ankündigte. Gottes Beurteilung macht deutlich, dass Er bei Abraham einen Herzensentschluss erkannt hatte, indem er nämlich seiner Familie (seinen Kindern und seinem Haus) befahl, den Weg des Herrn zu bewahren. Das sah Gott und das machte Abraham für die Mitteilungen Gottes geeignet. Da Gott Abraham seinen Freund nannte (s. z. B. Jes 41,8), unterhielt Er sich mit ihm auch auf vertraute Weise – wie es eben Freunde tun.
Offensichtlich hat Abraham in seinem Leben dieser Aussage Gottes auch entsprochen. Ein besonders beeindruckendes Beispiel ist die Szene auf einem Berg im Land Morija (s. 1. Mo 22). Es war für den Sohn Isaak offenbar nicht außergewöhnlich, dass sein Vater Gott ein Opfer bringen wollte. Gott zu opfern und Ihn anzubeten, das hatte Isaak schon vorher bei seinem Vater gesehen (s. 1. Mo 21,33). Sonst hätte er nicht die Frage nach dem fehlenden Schaf für das Opfer stellen können (s. 1. Mo 22,7). Isaak wusste auch, dass Feuer und Holz für ein Opfer erforderlich waren. Die Dialoge dieser Begebenheit und das Verhalten Isaaks zeigen das enge, vertrauensvolle Verhältnis, das zwischen Vater und Sohn bestand. Wie oft wird sich Isaak in seinem Leben an diese Reise mit seinem Vater und ihren wunderbaren Ausgang erinnert haben!
Später war es Abraham ein Herzensanliegen, dass sein Sohn eine Frau aus seiner Verwandtschaft bekam und nicht eine Frau von den Kanaanitern (s. 1. Mo 24,3.4)[1]. Wir lesen nicht, dass Isaak opponierte – im Gegenteil, er schien ganz einverstanden damit gewesen zu sein. Er erwartete nämlich, wie es scheint, die Rückkehr des Dieners Abrahams sehnlich (s. 1. Mo 24,63) und er hatte seine Frau lieb (s. 1. Mo 24,67).
Natürlich war im (Familien-)Leben Abrahams und Isaaks nicht alles perfekt. Das Wort Gottes berichtet uns sogar manches Versagen. Aber der Herzensentschluss Abrahams, seinen Kindern den Weg des Herrn vorzustellen, hat großen Segen eingebracht, der sogar noch die übernächste Generation in seiner Familie erreichte. Denn sogar noch sein Enkel Jakob wandte sich wie einst Abraham mit einem entschiedenen Befehl an sein ganzes Haus (s. 1. Mo 35,2).
Im Elternhaus Samuels wurde eine gute Basis gelegt, die für seinen Dienst bei Eli in Silo äußerst hilfreich war. Gerade in seinen frühen Jahren als (kleiner) Junge bei Eli am Zelt der Zusammenkunft wirkte die Erziehungszeit im Elternhaus positiv nach. Wie sonst sollte Samuel sich von den schlechten Einflüssen durch die Söhne Elis ferngehalten haben (s. 1. Sam 2,12-17)?
Das Elternhaus Samuels war vor allem durch zwei positive Elemente gekennzeichnet:[2]
Erstens entsprach Elkana als Familienoberhaupt seiner geistlichen Verantwortung, indem er jährlich nach Silo ging, um dort anzubeten und zu opfern (s. 1. Sam 1,3). Seine Frauen und Kinder begleiteten ihn dabei und hatten einen Nutzen von diesem geistlichen Verhalten des Familienvaters.
Und zweitens: Hanna, die lange kinderlos war, betete unter Tränen um einen Sohn. Dabei gelobte sie Gott, dass sie das erbetene Kind dem Herrn geben würde (s. 1. Sam 1,10.11). Hanna fasste diesen Herzensentschluss, bevor sie überhaupt schwanger war. Das ganze anschließende Verhalten von Hanna zeigte, dass sie ihren Sohn nach geistlichen Grundsätzen erzog (vgl. 1. Sam 1,20-28):
Obwohl Samuel nur eine relativ kurze Zeit unter dem direkten Einfluss seines frommen Elternhauses und insbesondere seiner Mutter stand, hat diese Zeit doch einen sehr guten Einfluss auf ihn gehabt, an den er sich in seinem erfüllten, gottgeweihten Leben gern erinnern durfte. Dies alles hatte seine Grundlage in einem Herzensentschluss seiner Mutter Hanna.
Marco Steih
Fußnoten:
Diese Art der Eheanbahnung ist uns im Abendland des 21. Jahrhundert befremdlich. Im Orient war es damals (und wohl teilweise auch heute noch) allerdings üblich und wir sollten uns bei einer Bewertung zurückhalten. Jedenfalls erkennen wir, dass es auch heute das Gebet und der Wunsch gläubiger Eltern sein sollte, dass ihre Kinder einen gläubigen Ehepartner bekommen und „im Herrn“ (s. 1. Kor 7,39) heiraten und nicht einen Ehepartner von den „Kanaanitern“ nehmen.
Dass Elkana zwei Frauen hatte, entsprach nicht Gottes ursprünglichen Gedanken und sein Verhalten gegenüber Hanna zeigte auch keine besondere Empathie für seine traurige Frau. Das bleibt neben den positiven Aspekten leider auch wahr.
Samuel wurde ein Diener Elis, aber Hanna sagte klar und deutlich, dass sie ihren Sohn dem Herrn gegeben hatte. Außerdem machte sie in diesem Lob- und Dankgebet Aussagen, die weit über ihre Bitte hinausgingen und auf den kommenden Messias hinwiesen.

Gib mir, mein Sohn, dein Herz!
Diese Aufforderung an dich und mich trifft mitten ins Herz, oder? Ich weiß nicht, wie alt du bist, ob 16, 26 oder 36 Jahre, vielleicht bist du auch schon im fortgeschrittenen Lebensalter angelangt. Jedenfalls ist eine gesunde Herzenshaltung in jeder Lebensphase entscheidend für unser geistliches und damit generelles Leben als Christen.
In diesem Heft wird deutlich, dass die wesentlichen Weichen für Entscheidungen im Herzen gestellt werden. Wir wollen vier Männer aus ganz unterschiedlichen Altersklassen zu uns sprechen lassen, die gute Herzensentschlüsse gefasst hatten.
Da ist zuerst Daniel, über den in Daniel 1,8 gesagt wird: „Und Daniel nahm sich in seinem Herzen vor, sich nicht mit der Tafelkost des Königs und mit dem Wein, den er trank, zu verunreinigen.“ Daniel ist mit seinen Freunden ein starkes Vorbild für junge Christen, Gott auch in fremder, einsamer Umgebung entschieden nachzufolgen. Sie werden als Jünglinge bezeichnet (s. Dan 1,3.6) und waren vermutlich etwa 16 bis 20 Jahre alt. In diesem Alter beginnt man, selbst Verantwortung zu übernehmen und eigene Überzeugungen zu entwickeln. Bist du, der du diese Zeilen liest, entweder selbst in diesem Alter oder begleitest in deiner Familie oder in der Jugendarbeit junge Menschen dieser Altersklasse? Dann lass dich neu von Daniel ansprechen. Er zeichnete sich durch folgende Eigenschaften aus:
Und Gott bekannte sich eindeutig zu seiner Herzensentscheidung und seinem Verhalten. Ihr äußeres Erscheinungsbild und auch ihr Inneres (Kenntnis, Einsicht, Verständnis in Bezug auf göttliche Dinge) entwickelte sich deutlich besser als bei allen anderen Jünglingen. Ein Leben in Gottesfurcht ist nicht unbedingt einfach, aber es ist immer mit reichem Segen verbunden.
Ein zweites Vorbild eines noch jungen Mannes ist Josia. Zu ihm redet die Prophetin Hulda mit sehr berührenden Worten: „weil dein Herz weich geworden ist und du dich vor Gott gedemütigt hast, als du seine Worte über diesen Ort und über seine Bewohner hörtest“ (2. Chr 34,27). Was war geschehen? Josia hatte in einem sehr schwierigen Umfeld eine erstaunliche Entwicklung genommen. Nach dem frühen Tod seines gottlosen Vaters Amon wurde er mit 8 Jahren König. Im Alter von 16 Jahren traf er offenbar eine Herzensentscheidung, denn „er fing an, den Gott seines Vaters David zu suchen“ (s. Kap. 34,3). Mit 20 Jahren begann er, Israel konsequent und auf radikale Weise vom Götzendienst zu befreien. Und mit 26 Jahren beauftragte er Schaphan, Maaseja und Joach, „das Haus des Herrn, seines Gottes, auszubessern“ (Kap. 34,8).
Im Zuge dieser Ausbesserungsarbeiten „fand der Priester Hilkija das Buch des Gesetzes des Herrn durch Mose“ (Kap. 34,14). Als man es zu Josia brachte und ihm daraus vorlas, rief dies eine beeindruckende Reaktion bei ihm hervor: Er zerriss seine Kleider als Zeichen seiner Demut und Betroffenheit über die Diskrepanz zwischen dem, was er hörte und dem Zustand des Volkes (s. Kap. 34,19.21). Er blieb dabei nicht stehen, sondern ließ die Prophetin Hulda befragen, die ihm ein wunderbares Zeugnis ausstellte: „Die Worte betreffend, die du gehört hast – weil dein Herz weich geworden ist und du dich vor Gott gedemütigt hast“ (Kap. 34,26.27).
Welche Wirkung hat das Wort Gottes auf dein und mein Herz? Fällt es wie im Gleichnis vom Sämann (s. Mt 13,3-9) auf gute Erde und gibt viel Frucht? Oder gleicht unser Herzensboden eher dem festgetretenen Weg, dem Steinigen oder den Dornen? Muss bei uns das Wort eher wie ein Hammer arbeiten, der Felsen zerschmettert (s. Jer 23,29)? Wie gut, wenn wir diese Haltung Josias haben – ein weiches, sensibles, aufnahmebereites Herz, damit das Wort Gottes unser Herz und damit unser praktisches Leben formen kann.
Im Gegensatz zu Josia war Esra zu Beginn seines Dienstes bereits ein kundiger Schriftgelehrter im Gesetz Moses. Zudem war die gute Hand Gottes über ihm. Das hatte einen Grund: „Denn Esra hatte sein Herz darauf gerichtet, das Gesetz des Herrn zu erforschen und zu tun und in Israel Satzung und Recht zu lehren“ (Esra 7,10). Er war vermutlich ein Mann im mittleren Lebensalter, dessen Herz auf drei Dinge gerichtet war:
Echtes und authentisches praktisches Christenleben geht nur in dieser Reihenfolge: lernen – tun – lehren. Wenn wir diese Reihenfolge umkehren, verlieren wir als Christen unsere Glaubwürdigkeit.
Kommen wir nun zu Josua, einem beeindruckenden Glaubensmann, der bis ins hohe Alter eine vorbildliche Herzenshaltung zeigte – mit positiven Auswirkungen auf das Volk. Während Josia in der Mitte seines Lebens mit 39 Jahren auf seinem Glaubensweg strauchelte – mit fatalen Folgen für das Volk –, sehen wir bei Josua Konstanz bis an sein Lebensende. Wir denken dabei an die Worte in Hebräer 13,7: „Gedenkt eurer Führer, die das Wort Gottes zu euch geredet haben, und, den Ausgang ihres Wandels anschauend, ahmt ihren Glauben nach.“
Josua richtete in seiner bewegenden Abschlussrede den eindringlichen Appell an das Volk: „So tut nun die fremden Götter weg, die in eurer Mitte sind, und neigt euer Herz zu dem Herrn, dem Gott Israels“ (Jos 24,23). Bitte lies für dich persönlich die Kapitel 23 und 24, dann legt sich der ganze Eindruck der Worte Josuas auf dein Herz.
Es ist eine Herzensentscheidung, die Dinge in unserem Leben bewusst zu entfernen, die sich zwischen den Herrn und uns schieben und die Verbindung zu Ihm beeinträchtigen. Götter in unserem Leben können viele Ausprägungen haben: Sport, der Garten, der Beruf, die Haustiere, das Smartphone, generell Hobbies, der Urlaub, bis hin zum Eigenwillen (s. 1. Sam 15,23) oder der Habsucht (s. Kol 3,5) im weitesten Sinn und vielem mehr. Prüfen wir uns immer wieder, ob unser Herr die erste Priorität in unserem Herzen hat. Es ist so beeindruckend zu sehen, wie Josua eine Entscheidung für sich persönlich und seine Familie getroffen hatte: „Ich aber und mein Haus, wir wollen dem Herrn dienen“ (Jos 24,15).
Lassen wir uns von diesen vier Glaubensmännern anspornen, in jeder Phase unseres Lebens „mit Herzensentschluss bei dem Herrn zu verharren“ (Apg 11,23).
Markus Krauss
Du suchst nach Herzen, Dir zugewandt,
die für Dich schlagen, oft unerkannt,
die sich Dir weihen mit ganzer Kraft.
Es ist nur Gnade, die solches schafft.

Eine junge Versammlung wird durch einen Bruder besucht, der „ein guter Mann war und voll Heiligen Geistes und Glaubens“ (s. Apg 11,24). Seine Ermahnung (oder: Ermunterung) an sie, die noch am Anfang der Zeit der Versammlung lebten, lautet aber nicht: „Schreitet weiter fort!“, sondern sie lautet: „Verharrt!“ Das ist interessant, oder?
Die junge Versammlung in Antiochien bestand aus Geschwistern mit sehr unterschiedlichen Hintergründen. Entstanden war sie durch vertriebene Gläubige, die ursprünglich Juden waren und die aufgrund der Verfolgung nach der Steinigung von Stephanus aus Jerusalem fliehen mussten. Jetzt nutzten sie diese Gelegenheit dazu, den Juden außerhalb von Jerusalem das Evangelium von Jesus Christus zu verkündigen. Neben diesen waren dort Gläubige aus Zypern und Kyrene, die in der Verkündigung weitergingen und auch solchen „das Evangelium von dem Herrn Jesus“ predigten, die keine Juden, sondern Griechen waren.
Aufgrund der unterschiedlichen Hintergründe der Gläubigen in Antiochien gab es sicherlich reichlich menschlichen „Zündstoff“. Doch diese junge Versammlung wuchs, weil die Hand des Herrn mit ihnen war (s. Apg 11,21). Vor diesem Hintergrund kam Barnabas als Abgesandter der Versammlung in Jerusalem nach Antiochien. Es ist schön zu sehen, wie hier in Antiochien keine unabhängige Gemeinde entstand, sondern dass die Einheit des Leibes – ohne vorherige Belehrung! – praktiziert und es dadurch sichtbar wurde, dass die Geschwister in Jerusalem sich mit denjenigen aus Antiochien uneingeschränkt verbanden. Der Bericht in Apostelgeschichte 11 ist geprägt durch eine schöne Natürlichkeit und Einmütigkeit.
Die Reaktion von Barnabas war Freude, als er „die Gnade Gottes sah“, die abseits von Jerusalem ein solches Werk vollbrachte. Nun folgte daraufhin aber keine Ermahnung an die Versammlung in Antiochien, sich der Versammlung in Jerusalem unterzuordnen und keine unabhängigen Schritte zu unternehmen, sondern die wunderbare Ermunterung, „mit Herzensentschluss bei dem Herrn zu verharren“. Dadurch würde sich alles Weitere in Übereinstimmung mit Gottes Gedanken ergeben.
Die Geschwister kannten die Offenbarungen noch nicht, die der Heilige Geist später insbesondere Paulus anvertrauen würde. Doch sowohl ihre Handlungen als auch die Ermahnung des Barnabas passten vollständig zu diesen später gegebenen Belehrungen. Paulus schrieb an die Kolosser, dass bei ihnen die Gefahr bestand, das Haupt nicht festzuhalten (s. Kol 2,19). Beinhaltet die Ermahnung von Barnabas, „mit Herzensentschluss bei dem Herrn zu verharren“, nicht genau dieses Festhalten des Hauptes?
Barnabas ermunterte die Geschwister in viererlei Hinsicht. Diese einzelnen Punkte wollen wir uns etwas genauer ansehen – unter dem Schwerpunkt, was es für eine örtliche Versammlung bedeutet, „mit Herzensentschluss bei dem Herrn zu verharren“.
„Gib mir, mein Sohn, dein Herz“, lesen wir in Sprüche 23,26. Damit fängt es an. Wem gehört dein Herz? Sind wir in den Versammlungen noch „mit dem Herzen“ dabei? Der Herr Jesus muss das Zitat aus Jesaja 29,13 auf das ungläubige Volk anwenden: „Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist weit entfernt von mir“ (Mt 15,8; Mk 7,6). Wie sieht das bei uns aus, wie sieht es bei dir persönlich aus?
Das Herz der Geschwister in Antiochien brannte für den Herrn. Sie waren bereit, in einer Zeit starker Verfolgung und trotz Vertreibung aus Judäa weiter das Evangelium zu predigen.
Wir merken: Wenn wir als Versammlung bei dem Herrn verharren wollen, geht es zuallererst darum, wem das Herz jedes einzelnen Gläubigen gehört. Hier hat wiederum das Glaubensleben in der Familie einen großen Einfluss. Ist es die Priorität von Vater und Mutter, dass die Herzen der Kinder dem Herrn Jesus gehören? Es gibt keinen stärkeren Einfluss, als wenn die Herzen der Eltern selbst dem Herrn gehören.
Wenn das Herz dem Herrn Jesus gehört, beeinflusst dies unsere Herzensentschlüsse. Das brennende Herz der Geschwister in Antiochien war kein Garant dafür, dass sie durch Verfolgungen und unterschiedliche Hintergründe nicht in Gefahr standen, den gemeinsamen Weg mit dem Herrn zu verlassen. Wie schnell hätte eine solch „bunte“ Gemeinschaft auseinanderbrechen können, wenn sie ihrem Eigenwillen Raum gegeben und nicht jeder persönlich bewusst die Entscheidung getroffen hätte, bei dem Herrn zu verharren.
Dieses Verharren ist kein Automatismus, sondern eine bewusste Entscheidung.Josua stellte das Volk am Ende seines Dienstes vor diese Entscheidung: „So erwählt euch heute, wem ihr dienen wollt“ (Jos 24,15). Elia forderte das Volk zu einer Entscheidung auf: „Wie lange hinkt ihr auf beiden Seiten? Wenn der Herr der Gott ist, so wandelt ihm nach; wenn aber der Baal, so wandelt ihm nach!“ (1. Kön 18,21).
Auch als Versammlung haben wir eine Entscheidung zu treffen: Halten wir das Haupt fest (s. Kol 2,19), oder folgen wir einem Bruder, einer Gruppe von Brüdern oder einer Lehrmeinung? Der Herr Jesus ist „das Haupt des Leibes, der Versammlung … damit er in allem den Vorrang habe“ (Kol 1,18) und es handelt sich um seinen Leib und seine Versammlung. Es sollte mehr unser Gebetsanliegen als Versammlung sein, dass der Herr uns Festigkeit in dem Entschluss schenkt, gemeinsam Ihn als das Haupt festzuhalten und Ihm in allem den Vorrang zu geben – beginnend in unserem persönlichen Leben, weiter in unseren Ehen und Familien und dann auch gemeinsam mit unseren Glaubensgeschwistern.
Es geht um den Herrn und seine Rechte, um nichts weniger. Es geht nicht um Antiochien und Jerusalem, um Meinungen von Brüdern oder die Frage, wem sie „das Evangelium von dem Herrn Jesus“ verkündigten. Dieser Abschnitt in Apostelgeschichte 11 zeigt in schöner Weise, wie die Gläubigen, durch den Geist geleitet, einmütig und schlicht in Einheit handelten, denn sie hatten den Einen vor sich, der sie verband. Sie hatten noch keine große Erkenntnis über die Gedanken Gottes über seine Versammlung und „wie man sich verhalten soll im Haus Gottes“ (1. Tim 3,15), aber sie hatten den Herrn, und der Heilige Geist wohnte in der Versammlung. Das genügte. Wie schön wäre es, wenn wir uns heute mehr in dieser Hinsicht ermahnen ließen und in dieser Schlichtheit und Einfalt bei dem Herrn verharren würden.
Und doch brauchten sie diese Ermunterung von Barnabas – und die brauchen auch wir. Wir müssen immer wieder unsere Ausrichtung prüfen. Wir sagen zu Recht immer wieder, dass wir uns nach Matthäus 18,20 versammeln möchten: „Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte.“ Das ist schnell gesagt und geschrieben, aber ist es auch unsere innere Ausrichtung, Ihn als das Haupt und als den alleinigen Mittelpunkt festzuhalten?
„Bei dem Herrn zu verharren“ bedeutet, bei Ihm und bei dem zu bleiben, was Er gegeben hat und uns nicht davon abzuwenden, indem wir entweder darüber hinausgehen oder Abstriche machen. Da gibt es auch heute nichts Neues, keinen neuen Weg, keine neue Lehre, sondern immer wieder eine bewusste Entscheidung, bei dem zu bleiben, was der Herr von Anfang an durch die Apostel gegeben hat. Die Kolosser mussten gerade deshalb ermahnt werden, weil sie in Gefahr standen, neben der Lehre des Wortes Gottes philosophisches Gedankengut und das Halten von Feiertagen und Speisevorschriften einzuführen, „nicht festhaltend das Haupt“ (Kol 2,19).
Man sagt landläufig, Stillstand sei Rückschritt. So wahr das auch hier und da ist, auch beim geistlichen Wachstum – doch bei der Frage nach den Rechten des Herrn und der vollständigen Wahrheit des Wortes Gottes ist „Stillstand“, ein bewusstes Verharren, gefragt.
Lasst uns diese Ermunterung des Barnabas neu und vermehrt in unserem persönlichen, familiären und gemeinsamen Leben in der Versammlung zu Herzen nehmen. Lasst uns verinnerlichen, dass nur dieses Verharren beim Herrn uns vor falschen und eigenwilligen Wegen bewahrt und nur dann die gute Hand des Herrn uneingeschränkt zum Segen und zum Wachstum wirken kann.
Bernhard Brockhaus

In diesem Sonderheft geht es um das Thema: Herzensentschlüsse
Der weise König Salomo macht in Sprüche 4,23 klar, dass unser Herz der Ausgangspunkt aller Lebensäußerungen ist:
Behüte dein Herz mehr als alles, was zu bewahren ist; denn von ihm aus sind die Ausgänge des Lebens.
Dabei geht es nicht um das Organ des Menschen, sondern um das Herz als Entscheidungszentrale.
Natürlich liegen unseren Entscheidungen in der Regel auch gedankliche Abwägungen und Überlegungen zugrunde. Unser Herz mit unseren Zuneigungen, Vorlieben und Wünschen hat aber maßgeblichen Einfluss darauf, wie wir letztendlich entscheiden. Und genau deswegen ist es so wichtig, dass „der Christus in unseren Herzen wohnt“ (s. Eph 3,17), damit Entscheidungen in Übereinstimmung mit seinen Absichten getroffen werden.
Das zusammengesetzte Wort „Herzensentschluss“ macht bereits deutlich, dass es um Entschlüsse für unser Leben geht, an denen das Herz beteiligt ist oder die im Herzen gefasst werden. Barnabas kam zu den Gläubigen in Antiochien, die das Evangelium angenommen hatten. Und er ermahnte sie, „mit Herzensentschluss bei dem Herrn zu verharren“ (Apg 11,23).
Das für „Entschlüsse“ im griechischen Text verwendete Wort bedeutet so viel wie: festes Vornehmen oder Vorhaben, Absicht, Entschluss, Streben. So lesen wir von Daniel, dass er sich in seinem Herzen vornahm, sich nicht mit der Tafelkost des Königs zu verunreinigen (s. Dan 1,8).
Im Neuen Testament wird es sowohl für den Vorsatz oder Ratschluss Gottes verwendet (s. Röm 8,28; Eph 1,11; 3,11; 2. Tim 1,9) als auch für die Pläne und Absichten von Menschen (s. Apg 27,13; 2. Tim 3,10).
Ein Herzensentschluss ist also, wie bei Daniel, eine ganz persönliche Sache. Eltern können keine Herzensentschlüsse für ihre Kinder fassen – das müssen diese schon selbst tun.
Im Rahmen dieses Sonderheftes werden noch weitere Personen aus der Bibel vorgestellt werden, die Herzensentschlüsse in ihrem Leben gefasst haben und damit ein gutes Beispiel für Kinder Gottes in der heutigen Zeit sind. Dabei werden wir sehen, wie die richtigen Herzensentschlüsse das praktische Glaubensleben zum Guten beeinflussen.
Doch einen wichtigen Unterschied überdenken wir vorab. Viele Menschen nehmen besondere Tage im Jahr oder besondere Erlebnisse zum Anlass, sogenannte „gute Vorsätze“ zu fassen. Der eine möchte abnehmen und nimmt sich deshalb vor, weniger zu essen. Ein anderer möchte etwas für seine Gesundheit tun und nimmt sich vor, jeden Tag Sport zu treiben. Wieder ein anderer hat einen Unfall verursacht und nimmt sich vor, zukünftig noch besser aufzupassen. Und so könnte man die Liste der guten Vorsätze weiterführen.
Einen Vorsatz zu fassen, ist grundsätzlich etwas sehr Gutes. Auch Daniel hat das getan. Aber – woher kommt die Kraft, den Vorsatz auch konsequent umzusetzen? Warum scheitern so viele Menschen in der Umsetzung dessen, was sie sich vorgenommen haben?
Für Kinder Gottes sind bei dem Fassen eines Herzensentschlusses folgende Punkte von besonderer Bedeutung:
In diesem Sinn wollen wir „mit Herzensentschluss bei dem Herrn verharren“ – zu seiner Freude und zu unserem Segen.
Friedhelm Runkel
Er freute sich und ermahnte alle, mit Herzensentschluss bei dem Herrn zu verharren.