
Unter den vielen alttestamentlichen Vorbildern vom Opfertod Christi sind zwei davon besonders bedeutungsvoll, weil diese von dem Herrn selbst auf seinen Tod angewendet werden.
Es ist das Bild der erhöhten kupfernen Schlange in der Wüste (s. 4. Mo 21), das der Herr in Johannes 3,14 mit seiner Erhöhung am Kreuz auf Golgatha vergleicht.
Und Er erklärt seinen Jüngern, dass Er nach seinem Tod am Kreuz „drei Tage und drei Nächte in dem Herzen der Erde sein wird“ (s. Mt 12,40b) und bringt dies unmittelbar mit dem Zeichen Jonas in Verbindung: „so wie Jona drei Tage und drei Nächte in dem Bauch des großen Fisches war“ (Mt 12,40a; s. Mt 16,4).
Das Zeichen Jonas im Bauch des Fisches deutet also direkt auf Christus im Grab hin, und zwar so exakt, dass sogar die Zeitdauer übereinstimmend ist – es geht jeweils um drei Tage. Warum es genau drei Tage sind, erfahren wir gleich. Doch zu Beginn sind noch weitere Besonderheiten anzumerken.
Denn bevor wir das Zeichen Jonas im Vorbild auf den Tod Christi näher betrachten, wollen wir zunächst auf die Person Jonas eingehen. Bereits hier gibt es eine auffallende Übereinstimmung von Jona mit Christus in seinem Leben als Mensch auf der Erde: Beide kamen als Propheten aus Galiläa! Der Herr wuchs in der verachteten Stadt Nazareth in Galiläa auf (s. Lk 2,39; 4,16; Joh 1,45.46) und Jona war aus Gat-Hepher (s. 2. Kön 14,25) in der Nähe von Nazareth und somit ebenfalls aus Galiläa.
Diese Tatsache ist von weitreichender Bedeutung, denn sie überführte die Obersten und Pharisäer Israels in der Ablehnung ihres Messias, als sie Nikodemus aufforderten: „Forsche und sieh, dass aus Galiläa kein Prophet aufsteht“ (Joh 7,52). Gerade sie als Schriftgelehrte hätten wissen müssen, dass Jona als Prophet schon lange zuvor aus Galiläa aufgestanden war, um damals die Nationen aus der Stadt Ninive zur Buße zu führen und Gottes Gnade zu offenbaren (s. Jona 3).
Doch mit diesem Vorwand lehnten sie den Herrn Jesus als den von Gott gesandten Propheten aus Galiläa ab und ignorierten dabei ganz bewusst, dass sich die Gnade Gottes bereits damals über die Grenzen Israels hinaus den Nationen zugewandt hatte. Ganz im Gegensatz zu den Obersten des Volkes taten die Menschen aus Ninive auf die Predigt Jonas hin aber Buße (s. Mt 12,41a), und obwohl der Herr, der ihnen gerade gegenüberstand, größer als Jona war, hörten die Schriftgelehrten nicht auf Ihn. „Und siehe, mehr als Jona ist hier“ (Mt 12,41b), das musste Christus ihnen vorwerfen. Dies alles machte ihre Schuld nur umso größer.
Wie deutlich und folgenschwer ist das Vorbild Jonas auf Christus in Bezug auf seine Verwerfung von seinem irdischen Volk Israel. Doch wenden wir uns nun der vorbildlichen Bedeutung Jonas mit Blick auf den Tod des Herrn Jesus für jeden einzelnen der Seinen zu, zu denen auch wir aus den Nationen aus Gnade gehören dürfen.
Um die ganze Tragweite des Vorbildes von Jona auf den Tod Christi zu erkennen, benötigen wir zunächst einen chronologischen Überblick der Ereignisse im Buch Jona.
Alles hat in diesem Prophetenbuch eine genaue, von Gott angeordnete Abfolge:
Es fällt auf, dass Jona erst dann nach Ninive ging (s. Kap. 3), nachdem er zuvor im Ungehorsam den entgegengesetzten Weg einschlug (s. Kap. 1), der ihn letztendlich in den Bauch des großen Fisches führte (s. Kap. 2). Doch das, was auf den ersten Blick nach einem planlosen „Hin-und-Her“ aussieht, gewinnt bei der Anwendung auf Christus an Bedeutung: Denn bevor die Gnade Gottes zu den Nationen kommen konnte (vorgebildet in Kap. 3), war zuerst der Tod Christi nötig (vorgebildet in Kap. 2). Zuerst musste durch die Hingabe Christi in Gericht und Tod die Grundlage gelegt werden, auf der dann die gute Botschaft der Gnade Gottes zu den verlorenen Sündern gelangen konnte. Diese Reihenfolge im göttlichen Ratschluss ist sogar schon hier im Vorbild Jonas eingebettet, obwohl Jona im Gegensatz zu dem Herrn Jesus leider ungehorsam war.
Doch Gott kommt mit Jona zu seinem Ziel und sorgt sogar dafür, dass alles auf Christus und sein Werk hindeutet – ein weiterer Beweis der Schönheit und Einzigartigkeit des inspirierten Wortes Gottes!
Im Vorbild sehen wir nun den ungehorsamen Jona auf hoher und stürmischer See in einer lebensbedrohlichen Situation. Die gesamte Schiffsbesatzung konnte nur dadurch gerettet werden, dass Jona durch das Los von Gott dazu bestimmt wurde, ins Meer geworfen zu werden. So war auch Christus das von Gott ausersehene Opfer für die Verlorenen. Doch es bleibt ein großer Unterschied zwischen Vorbild und Wirklichkeit bestehen: Jona musste wegen seines Ungehorsams hingegeben werden, Christus aber hat sich in seinem vollkommenen Gehorsam selbst gegeben – ohne dass es in Ihm auch nur die geringste Ursache dazu gegeben hätte.
Jona in den Fluten des Meeres ist ein Vorausbild auf Christus im Gericht Gottes: „In Wassertiefen bin ich gekommen, und die Flut überströmt mich“ (Ps 69,3). Gott schickte daraufhin einen großen Fisch, der Jona verschluckte und ihn so aus dem Gericht rettete. Der Bauch des Fisches ist ein Bild von Tod und Grab, von den unteren Teilen der Erde, in die der Herr Jesus nach vollbrachtem Sühnungswerk im Gericht Gottes eingegangen ist.
Zwar lebte Jona während dieser drei Tage noch, aber es war auch für ihn wie ein Begräbnis – in dieser Zeit konnte ihn kein Mensch mehr sehen, kein Lebenszeichen war mehr nach außen hin von ihm erkennbar. Doch auch hier bleibt das Vorbild nur ein Schatten der Wirklichkeit, denn Christus „war tot“ (Off 1,18)!
Aber wir finden auch eine schöne Übereinstimmung des Vorbildes von Jona mit dem Werk Christi. Aus Hebräer 9 wissen wir, dass es den Menschen gesetzt ist, „einmal zu sterben, danach aber das Gericht“ (V. 27). Den Menschen erwartet also das göttliche Gericht, nachdem er gestorben ist. Bei Christus war es umgekehrt: Er musste (als einziger Mensch!) zuerst das Gericht Gottes in den drei Stunden der Finsternis lebend erdulden, bevor Er verschied. Bemerkenswerterweise finden wir diese außergewöhnliche Reihenfolge – zuerst Gericht, dann Tod – auch bei Jona wieder: Er war zuerst in den Wasserfluten (Gericht) und dann im Bauch des Fisches (Grab).
Welch ein detailliertes Vorbild auf den Tod Christi nach vollbrachtem Werk!
Es gibt noch eine weitere Besonderheit mit Blick auf die Zeitdauer, die Jona im Bauch des Fisches verbringen sollte: „Und Jona war im Bauch des Fisches drei Tage und drei Nächte“ (Jona 2,1). Die genaue Angabe von drei Tagen, in denen Jona im Vorbild auf Christus gleichsam begraben war, ist ein Hinweis darauf, dass Christus ebenso nach drei Tagen aus der Gruft wieder auferstanden ist (vgl. Mk 9,31; 10,34).
Aber warum genau drei Tage? Zunächst einmal stellen wir fest, dass nach Gottes Wort jede Sache durch zwei oder drei Zeugen bestätigt werden soll (s. 5. Mo 19,15). So ist die Tatsache, dass der Herr Jesus drei Tage und drei Nächte „in dem Herzen der Erde“ (Mt 12,40) gelegen hat, nicht nur das ausreichende (zwei), sondern das vollkommene (drei) Zeugnis davon, dass Er tatsächlich gestorben war. Dann erinnern wir uns aber noch an die Tagesabfolge in Verbindung mit dem vollbrachten Werk Christi auf Golgatha damals in Jerusalem: Am Rüsttag, dem Vorsabbat (Freitag), wurde Christus gekreuzigt und noch am Abend in das Grab gelegt (s. Mk 15,42 ff.). Am dritten Tag, also am ersten Tag der Woche (Sonntag), ist Er auferstanden. Daraus folgt, dass Christus den ganzen Sabbat (Samstag), den siebten Tag in der Woche, im Grab war.
Und genau hierin liegt die Antwort auf die Frage nach der Notwendigkeit von drei Tagen: Diesen siebten Tag, den Gott damals schon als Ruhetag nach vollbrachtem Schöpfungswerk verordnet hatte (s. 1. Mo 2,2.3), sollte auch sein Christus nach vollbrachtem Erlösungswerk auf der Erde ruhen! Vorher konnte Er nicht ruhen – da hatte Er keinen Ort, wo Er sein Haupt hinlegen konnte (s. Lk 9,58). Doch nun hat Er auf der Erde diese Ruhestätte am Sabbat im Grab gefunden, weil Er zuvor das Werk auf Golgatha vollbracht hatte. Es blieb nichts mehr zu tun übrig. Anbetungswürdiger Herr!
Durch die Auferweckung seines Sohnes hat Gott dieses vollkommene Werk besiegelt und die Grundlage für die noch ausstehende Sabbatruhe Gottes gelegt (s. Heb 4).
Matthias Wölfinger
Nach jüdischer Zeitrechnung endete der Tag bei Sonnenuntergang um 18 Uhr. Der neue Tag begann also schon am Abend des Vortages (nach römischer und heutiger Zeitrechnung beginnt der neue Tag erst um Mitternacht). Daher lag der Herr von Freitag bis Sonntag an drei Tagen im Grab, allerdings nur am dazwischenliegenden Sabbattag 24 Stunden lang.

Auch im vierten Buch Mose gibt es Bilder, die auf den Tod des Herrn Jesus am Kreuz auf Golgatha hinweisen. Ein besonders eindrückliches Bild ist das Opfer der roten jungen Kuh. Dass es gerade im vierten Buch Mose und nicht im Zusammenhang mit den anderen Opfern im dritten Buch Mose vorgestellt wird, hat eine besondere Bedeutung. Es geht in diesem Buch um den Weg der Israeliten durch die Wüste und auf diesem Weg konnten sie in Berührung mit dem Tod kommen. Das würde sie verunreinigen. Dafür war das Opfer der roten jungen Kuh nötig, damit wieder Reinigung geschehen konnte. Für uns verstehen wir, dass der Herr Jesus durch sein Werk am Kreuz auch für jede Verunreinigung auf unserem Weg als wiedergeborene Christen durch diese Welt alles gutgemacht hat.
Die Berührung mit dem Tod war für den Israeliten zum Teil unvermeidbar (wenn z. B. ein Angehöriger starb); zum Teil war sie aber durch die nötige Vorsicht vermeidbar (wenn es z. B. um die Berührung eines Skeletts auf dem freien Feld ging). In jedem Fall würde der Israelit aber dadurch verunreinigt (s. 4. Mo 19,13). Reinigung war nötig und der Maßstab dafür war die Heiligkeit Gottes, der in der Mitte des Volkes wohnte (s. 4. Mo 19,20b). Gott wusste im Voraus um diese Notwendigkeit und stellte das Mittel bereit, durch das die Reinigung geschehen konnte.
Der Tod ist die Folge der Sünde und steht zusammenfassend für das, was Sünde ist und bewirkt. Der Kontakt mit Sünde verunreinigt. Manche Berührung mit der Sünde ist in unserem Leben nicht vermeidbar, oft könnten wir jedoch unser Verhalten so einrichten, dass wir vermeiden, mit Sünde in Kontakt zu kommen. Nehmen wir als praktisches Beispiel Filme, die wir uns anschauen. Wie oft kommen wir dabei freiwillig in Kontakt mit der Sünde der Hurerei, der Gewalttat oder der Lüge? Das nimmt Einfluss auf uns, wir werden verunreinigt und benötigen Reinigung!
Bevor das zur Reinigung notwendige Entsündigungswasser zubereitet werden konnte, musste zunächst das Opfer selbst gebracht werden. Es spricht von dem einmal geschehenen Opfer des Herrn Jesus, das immer wieder seine Wirkung auf unser Gewissen und Herz haben muss, wenn es um Verunreinigung auf dem Weg geht. Es geht dabei nicht um die Frage des ewigen Heils, sondern um die Frage der praktischen Reinheit im Leben der Gläubigen und die Freude der Gemeinschaft mit Gott.
Eine rote junge Kuh ohne Fehl und Gebrechen musste geopfert werden, auf der noch nie ein Joch[1] gelegen hatte. Dieses Opfertier gibt uns schöne Hinweise auf den Herrn Jesus.
Dieses Opfertier musste geschlachtet, das Blut siebenmal gegen die Vorderseite des Zeltes der Zusammenkunft hin gesprengt und das ganze Tier außerhalb des Lagers verbrannt werden. So gab der Herr Jesus sein Leben, sein Blut, damit für uns der Weg zu Gott (ins Heiligtum) frei gemacht ist. Das siebenmalige Sprengen des Blutes ist die vollkommene Zusicherung für uns, dass Er alles gutgemacht hat und durch die Hingabe seines Blutes eine vollkommene Sühnung geschehen ist, damit wir Gott nahen können. Dieses Wissen ist für uns gerade dann wichtig, wenn wir als Gläubige gesündigt haben.
Doch damit das möglich wurde, musste Er außerhalb des Lagers die ganze Schrecklichkeit des göttlichen Gerichts erdulden (s. Heb 13,11.12; 2. Kor 5,21). In seinem Gericht fand alles, was mit der menschlichen Natur zu tun hat, sein Ende. Davon spricht die Tatsache, dass sowohl Zedernholz (spricht bildlich von allem Hohen und Erhabenen der menschlichen Natur) als auch Ysop (alles Niedrige und Schwache der menschlichen Natur) in den Brand der roten jungen Kuh geworfen werden mussten.
Die Asche der roten jungen Kuh musste gesammelt und aufbewahrt werden. Im Fall einer Verunreinigung eines Israeliten musste lebendiges Wasser[2] auf diese Asche gegeben werden. Mit Ysop[3] wurde dieses Wasser mit der Asche auf den gesprengt, der zu reinigen war, und zwar am dritten und am siebten Tag. Erst danach war das Werk der Reinigung abgeschlossen.
Das lebendige Wasser ist in Verbindung mit Epheser 5,26 und Johannes 13,5 ein Hinweis auf das Wort Gottes, das der Heilige Geist benutzt, um es „lebendig“ und aktuell in der richtigen „Portion“ und Bibelstelle auf Herz und Gewissen anzuwenden. Dann erkennen wir, wie Gott über Sünde denkt, wir werden – wenn das Wort als vollkommenes Zeugnis (der dritte Tag) gewirkt hat – zum Bekenntnis geführt und das Werk der Reinigung kann vollendet werden (der siebte Tag).
Nicht nur das Bekenntnis der Sünde, auch das Verstehen ihrer Wurzel in uns und das Einnehmen der richtigen Haltung demgegenüber möchte Gott bei uns bewirken. Die Wiederherstellung von Petrus illustriert das gut.
Am Auferstehungstag ist der Herr Simon erschienen. Das entspricht dem Sprengen am dritten Tag. Doch in Johannes 21 ging der Herr bis auf die Wurzel des Problems, was mit dem Sprengen am siebten Tag vergleichbar ist.
Wenn wir uns anhand von Gottes Wort damit beschäftigen, wie der Herr Jesus für jede Sünde gelitten hat, dann wird uns das einerseits zu einem klaren Blick auf die Sünde führen. Andererseits werden wir dankbar und glücklich erkennen, dass Er alles gutgemacht hat. Wir nehmen seine Vergebung und Reinigung an und können wieder froh und in Gemeinschaft mit Gott unseren Weg weitergehen. Wie gut, dass das Werk des Herrn Jesus am Kreuz auf Golgatha auch für alles, was auf unserem Lebensweg bis zum Himmel geschehen mag, völlig ausreichend ist.
Christian Rosenthal
Fußnoten:
Ein Joch ist ein Holzbalken, der Zugtieren auf den Nacken gelegt wird, die allein oder gemeinsam einen Pflug oder einen Karren ziehen sollen. Es sorgt dafür, dass die Last getragen und gleichmäßig auf die Tiere verteilt wird, wenn mehrere Tiere das Joch tragen.
Lebendiges Wasser war Quellwasser, das nicht aus einer Zisterne kam oder auf andere Weise „abgestanden“ war. Es kam aus einem Brunnen mit Grundwasseranschluss oder einer Quelle.
Eine Pflanze von geringem Wert, an der ein Schwamm befestigt werden konnte (s. Joh 19,29) oder die selbst genügend Wasser aufnehmen konnte, um damit Flüssigkeit zu sprengen.

Der große Sühnungstag ist ein sehr umfangreiches Bild vom Tod des Herrn Jesus. In diesem Themenheft können wir nur auf die wesentlichen Punkte eingehen. Deswegen ist es nützlich, zunächst 3. Mose 16 und anschließend Hebräer 9 und 10 in Ruhe zu lesen. Dort wird die Bedeutung dieses Tages erklärt.
Gott wohnte inmitten seines aus Ägypten erlösten Volkes Israel. Die Grundlage dazu war das beständige Brandopfer, das jeden Morgen und Abend geopfert wurde (s. 2. Mo 29,38-46). Allerdings kam es innerhalb kurzer Zeit zu großer Sünde. Zwei der Söhne Aarons – Nadab und Abihu – versündigten sich während ihres Priesterdienstes an Gott, so dass sie augenblicklich sterben mussten (s. 3. Mo 10,1.2). Diese Sünde war der Anlass dafür, dass Gott den großen Sühnungstag als eine ewige Satzung einsetzte – und tatsächlich musste dieses Fest des Herrn jedes Jahr wiederholt werden (s. 3. Mo 16,34; 23,26-32). Denn wenn die Sünde der beiden Priester auch besonders schwerwiegend war, so wurde der Wohnort Gottes (das Heiligtum) auch durch die vielen Übertretungen des Volkes verunreinigt (s. 3. Mo 16,16). Zwei Fragen helfen, die Hauptgedanken dieses Tages zu verstehen:
Die Antwort auf diese beiden Fragen ist der große Sühnungstag. Dabei ist beeindruckend, wie diese Fragen beantwortet wurden: Für jede Frage finden wir in 3. Mose 16 einen Ziegenbock.
An diesem Tag standen die beiden Ziegenböcke, die vom Volk gegeben werden sollten, im Mittelpunkt. Nachdem über die beiden Böcke das Los geworfen wurde, musste der Bock für den Herrn geschlachtet werden. Sein Blut sollte dann von Aaron in das Allerheiligste gebracht werden, um dort einmal auf den Deckel der Bundeslade und siebenmal davor gesprengt zu werden. Die Bundeslade spricht von dem Thron Gottes (s. 2. Sam 6,2). Und die beiden Cherubim zeigen seine Heiligkeit, die mit diesem Thron in Verbindung steht. Außerdem lagen in der Bundeslade die beiden Gesetzestafeln, auf denen die zehn Gebote geschrieben waren – die gerechten Anforderungen Gottes an den Menschen.
Damit kommen wir zu unserer ersten Frage: Wie kann der heilige Gott mit seinen gerechten Anforderungen an den Menschen inmitten eines Volkes wohnen, das diesen Anforderungen aber nicht nachkam? Die Antwort ist das einmalige Sprengen des Blutes auf den Deckel der Lade. Das ist bemerkenswert! In 3. Mose 4 und 5 musste für jede einzelne Sünde ein Opfer gebracht werden. Aber hier reichte das einmalige Sprengen mit Blut aus, um Gott völlig zufriedenzustellen – wie war das möglich?
Das Blut dieses Bockes ist ein Bild vom Tod des Herrn Jesus, der Sühnung getan hat. Alles, was Gott verunehrte und beleidigte, wurde durch den Tod des Herrn Jesus zugedeckt.[1] Das ist die Gott zugewandte Seite der Sühnung. Christus hat sich selbst einmal geopfert (s. Heb 9,14.26.28). Das „kostbare Blut Christi“ (s. 1. Pet 1,19) reicht aus, um Gott im Blick auf die Sünde völlig zufriedenzustellen. Und noch mehr: Gott wird durch dieses eine Werk sogar unendlich verherrlicht und findet daher völliges Wohlgefallen daran.
Das wenige Blut reicht aus, weil dieses Blut von dem Wert spricht, den der Tod des Herrn Jesus in den Augen Gottes hat. Und dafür können wir den Herrn Jesus nur bewundern und anbeten:
Wie groß auch die Sünde –
Dein Opfer ist größer;
der Sühnewert, Herr,
liegt in Deiner Person.
Dich beten wir an,
Dich, o Lamm und Erlöser,
der Du jetzt erhöht
auf den göttlichen Thron!
Das siebenmalige Sprengen des Blutes vor den Deckel der Lade zeigt eine weitere Seite der Sühnung. Weil die Sünde vor Gott gesühnt wurde (Blut auf dem Deckel), kann Er allen Menschen anbieten, Ihm zu nahen. Das ist die den Menschen zugewandte Seite der Sühnung. Doch dieses Angebot kann nur dann angenommen werden, wenn man – im Bild gesprochen – auch den zweiten Bock kennt.
Dieser Bock Asasel beantwortet die zweite Frage: Wie können solche, die sündigen, da sein, wo Gott wohnt, ohne aus Angst vor Gericht weit weg zu fliehen? Denken wir an Adam und Eva: Sie flohen und versteckten sich aufgrund ihrer Sünde vor Gott (s. 1. Mo 3,8). Die Antwort ist: Es gab einen Stellvertreter. Auf den Kopf des Bockes Asasel wurden alle Ungerechtigkeiten des Volkes bekannt, bevor er mit diesen Ungerechtigkeiten in die Wüste fortgeschickt wurde (s. 3. Mo 16,21.22). Weil dieser Bock mit den Sünden des Volkes weit weg vom Lager des Volkes war, konnte das Volk ganz nahe bei Gott sein.
Und so ist es auch heute: „Mit einem Opfer hat er auf immerdar die vollkommen gemacht, die geheiligt werden“, so dass Gott unserer Sünden und Gesetzlosigkeiten nie mehr gedenken wird (s. Heb 10,14.17).
Diese beiden Böcke zeigen zwei Seiten und Ergebnisse des einen Werkes des Herrn Jesus. Und damit der heilige Gott inmitten eines erlösten Volkes wohnen konnte, um Anbetung zu empfangen (vgl. Ps 22,4), waren beide Böcke nötig:
Zwei Böcke waren nötig, um ein wenig von der Größe des einen Werkes des Herrn Jesus vorzustellen.
Wir haben bisher vor allem die beiden Ergebnisse betrachtet, die der große Sühnungstag vorstellt. Doch bei den beiden Böcken finden wir auch einige Hinweise auf den Herrn Jesus und sein Leiden und Sterben – und das war nötig, um diese großartigen Ergebnisse zu bewirken:
Der große Sühnungstag ist also ein beeindruckendes und detailreiches Bild vom Tod des Herrn Jesus. Doch ein Gedanke steht über allem: Sein Werk am Kreuz ist unvorstellbar groß – so groß, dass dadurch alle Anforderungen Gottes erfüllt wurden, Gott darüber hinaus vollständig verherrlicht wurde, alle Sündenprobleme von uns Gläubigen für immer gelöst wurden und wir in Gemeinschaft mit Gott als Anbeter nahen können.
O teurer Herr,
wir singen Dankeslieder
und preisen Dich,
Du starbst an unsrer statt!
Wir beten an
und fallen staunend nieder vor Dir,
der Gott so hoch verherrlicht hat.
Mario Wolff
„Und er ist die Sühnung für unsere Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die ganze Welt“
„Der selbst unsere Sünden an seinem Leib auf dem Holz getragen hat.“
In den Anordnungen zum großen Sühnungstag liegt auch ein schönes prophetisches Bild. Zunächst ging der Hohepriester (ein Bild von dem Herrn Jesus) ins Allerheiligste und sprengte das Blut des Opfers für sich und seine Familie. So ist der Herr Jesus jetzt mit seinem eigenen Blut gekommen und in den Himmel eingegangen (Er musste kein Opfer für sich selbst bringen, wohl aber für uns). Wir – die „priesterliche Familie“ in der Gnadenzeit – sehen Ihn mit den Augen des Glaubens dort im Himmel und haben freien Zugang zum Heiligtum, um Gott als Anbeter zu nahen. Aber es kommt der Augenblick, an dem der Herr Jesus aus dem Heiligtum herauskommt, um sichtbar auf dieser Erde zu erscheinen. In Verbindung damit wird dann auch der Überrest des Volkes Israel verstehen, dass der Herr Jesus auch für ihre Sünden alles gutgemacht hat!
Fußnoten:
Das hebräische Wort kaphar, das mit „sühnen“ oder „Sühnung tun“ übersetzt wird, bedeutet eigentlich „bedecken“ oder „zudecken“ (s. 1. Mo 6,14; 32,21).

2. Mose 17,1-7 / 4. Mose 20,1-13 / 2. Mose 33,18-23 / 5. Mose 32,4
Das Volk Israel war aus der Wüste Sin aufgebrochen und kam nach Rephidim. Allerdings fehlte es dort an Wasser zum Trinken und die Israeliten murrten gegen Mose und klagten ihn an. Da schrie Mose zu Gott und fragte: „Was soll ich mit diesem Volk tun?“ (2. Mo 17,4). Gott gab eine klare Anweisung: Mose sollte zu dem Felsen am Berg Horeb gehen und diesen mit dem Stab schlagen, dann würde Wasser daraus hervorkommen. Und so geschah es.
Was hat uns dieses Vorausbild zu sagen? 1. Korinther 10,4 hilft uns dabei. Dort lesen wir: „… und alle denselben geistlichen Trank tranken; denn sie tranken aus einem geistlichen Felsen, der sie begleitete. (Der Fels aber war der Christus.)“
Wir sehen hier das erfrischende Wasser aus dem geschlagenen Felsen hervorströmen – ein Bild von dem Heiligen Geist, der dem Gläubigen auf der Grundlage des Opfers des Herrn Jesus geschenkt wird.
Aber wer hätte trinken können, bevor der Felsen geschlagen worden war? Der Herr Jesus musste im Gericht für unsere Sünden am Kreuz von Gott gerichtet und geschlagen werden. Schon in Jesaja 53,10 heißt es: „Doch dem Herrn gefiel es, ihn zu zerschlagen, er hat ihn leiden lassen.“ Die Gabe des Heiligen Geistes ist eine Folge des am Kreuz vollbrachten Werkes und der Himmelfahrt des auferweckten Herrn. So kann Er einladen: „Wenn jemand dürstet, so komme er zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen. Dies aber sagte er von dem Geist, den die an ihn Glaubenden empfangen sollten …“ (Joh 7,37-39).
Später, als die Israeliten jahrelang durch die Wüste gezogen waren, hatten sie wieder einmal kein Wasser. Sie murrten, sie klagten, sie schrien Mose und Aaron an und beschuldigten sie, sie aus Ägypten hierhergebracht zu haben, damit sie hier sterben sollten (s. 4. Mo 20,3-5).
Wir können ihre Verzweiflung verstehen. Aber Mose? Er hatte die Klagen so oft gehört. Er ging zu Gott, und Gott gab ihm eine klare Anweisung: „Nimm den Stab und versammle die Gemeinde, du und dein Bruder Aaron, und redet vor ihren Augen zu dem Felsen, so wird er sein Wasser geben …“ (4. Mo 20,8; Hervorhebung hinzugefügt).
Hier kam der entscheidende Moment. Mose versammelte das Volk, nahm den falschen Stab[1], den Stab, der Wunder gewirkt hatte, und anstatt zu reden, wie Gott es ihm befohlen hatte, schlug Mose zweimal auf den Felsen. Wasser floss heraus, das Volk wurde gerettet.
Obwohl Mose ungehorsam war, war Gott doch gnädig und barmherzig und wandte die unmittelbare Katastrophe ab. Aber Gott war auch zornig. Er sagte zu Mose und Aaron: „Weil ihr mir nicht geglaubt habt, mich vor den Augen der Kinder Israel zu heiligen, darum sollt ihr diese Versammlung nicht in das Land bringen, das ich ihnen gegeben habe“ (V. 12).
Was war das große Vergehen? Das Wunder wurde gewirkt, Wasser kam aus dem Felsen hervor. Aber Mose war auf seine eigene Art vorgegangen, nicht auf Gottes Weise. Er hatte gehandelt, anstatt zu reden. Er hatte dem Felsen zwei Schläge versetzt, was nicht Gottes Anweisung gewesen war. Es waren Schläge aus menschlicher Frustration, aus Wut. Es war, als hätte er nicht geglaubt, dass das bloße Wort Gottes ausreicht, um ein Wunder zu vollbringen. Es fehlte ihm der Glaube, die Geduld, die völlige Abhängigkeit von Gott. Er hatte Gott durch sein Verhalten nicht geheiligt, das bedeutet, Gottes Wesen nicht so vor dem Volk gezeigt, wie Gott wirklich ist. Das hatte Folgen in den Erziehungswegen, die Gott mit Mose und Aaron gehen würde.
Mose durfte das verheißene Land nicht betreten, weil er in einem entscheidenden Moment versagt hatte. Eine harte Strafe für einen einzigen Fehler, mag man meinen.
Was Mose nicht ahnen konnte, war, dass er durch sein eigenwilliges Handeln ein wertvolles Vorausbild auf Christus zerstört hatte. Christus musste nämlich nur einmal geschlagen werden. In Hebräer 10,10 lesen wir: „Durch diesen Willen sind wir geheiligt durch das ein für alle Mal geschehene Opfer des Leibes Jesu Christi“ (Hervorhebung hinzugefügt). Er hat ein Schlachtopfer für Sünden dargebracht und sich dann auf immerdar gesetzt zur Rechten Gottes (s. V. 12). „Denn mit einem Opfer hat er auf immerdar die vollkommen gemacht, die geheiligt werden“ (V. 14). Herrliche Tatsachen!
Vom Himmel aus verwendet sich der Herr Jesus jetzt für uns als der Hohepriester, der Mitleid zu haben vermag mit unseren Schwachheiten. Davon spricht der Stab Aarons, den Mose eigentlich nehmen sollte. Wir dürfen mit Freimütigkeit hinzutreten zum Thron der Gnade und zu Ihm reden, um Barmherzigkeit und Gnade zu finden zu rechtzeitiger Hilfe (s. Heb 4,15.16). Alle geistlichen Segnungen, die wir genießen dürfen, sind in Christus (s. Eph 1,3).
Der Fels spielte auch noch an anderen Stellen im Leben Moses eine Rolle. Als er den Wunsch hatte, die Herrlichkeit Gottes zu sehen, sprach der Herr zu ihm: „Siehe, es ist ein Ort bei mir, da sollst du auf dem Felsen stehen. Und es wird geschehen, wenn meine Herrlichkeit vorübergeht, so werde ich dich in die Felsenkluft stellen und meine Hand über dich decken …“ (2. Mo 33,21.22). Natürlich ist das alttestamentlicher Boden. Wir dürfen heute mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauen und uns immer mehr in sein Bild verwandeln lassen (s. 2. Kor 3,18). Aber möglich ist das nur, weil wir auf dem Felsen stehen und in Ihm geborgen sind.
Mose hatte ein langes und bewegtes Leben. Er bedauerte es sehr, nicht in das verheißene Land einziehen zu dürfen. Doch am Ende seines Weges konnte er sagen: „Der Fels: Vollkommen ist sein Tun; denn alle seine Wege sind recht. Ein Gott der Treue und ohne Trug, gerecht und gerade ist er!“ (5. Mo 32,4). Damals konnte Mose nicht ahnen, dass Gott ihm in seiner Gnade Jahrhunderte später
doch noch den Zutritt ins Land gewähren sollte – dort auf dem Berg der Verklärung (s. Lk 9,30).
Fassen wir noch einmal zusammen:
Andreas Kringe
Denn sie tranken aus einem geistlichen Felsen,
der sie begleitete. (Der Fels aber war der Christus.)
Fußnoten:
Mose sollte den Stab Aarons nehmen, der von Gnade in Verbindung mit dem Priestertum spricht. Stattdessen nahm er seinen eigenen Stab, der von der Macht Gottes im Gericht spricht.

Während der Wüstenreise versorgte Gott sein irdisches Volk mit allem Nötigen. Trotzdem lesen wir immer wieder, dass sie gegen Gott und Mose murrten, weil sie die Geduld verloren und unzufrieden wurden. So war es auch am Ende der Wüstenreise auf dem Weg zum Schilfmeer. Das Volk wurde ungeduldig und hungrig. Deshalb redete es gegen Gott und Mose. Sogar über die von Gott geschenkte Speise murrten sie. Da sandte der Herr feurige Schlangen, welche die Menschen bissen, dadurch einen brennenden Schmerz verursachten (deshalb „feurige“ Schlangen) und als Folge davon mussten sie sterben.
So beginnt der zunächst traurige Bericht in 4. Mose 21 ab Vers 4. Eine alte Geschichte – und doch so aktuell. Gott versorgt uns auch heute noch, besonders mit geistlicher Speise, indem Er uns durch sein Wort seinen Sohn vorstellt, das wahrhaftige Brot aus dem Himmel – wovon das Manna ein Bild ist (vgl. Joh 6,32.33). Aber werden nicht auch wir oft ungeduldig und unzufrieden, weil wir einen vermeintlichen Mangel empfinden und Gott anklagen, da wir mit seinem Handeln in unserem Leben nicht zufrieden sind? Von den Gottlosen wird gesagt: „Diese sind Murrende, mit ihrem Los Unzufriedene“ (Jud 16). Wir werden ermahnt: „Tut alles ohne Murren“ (Phil 2,14), und: „seid dankbar“ (Kol 3,15).[1]
Das Besondere an dieser Begebenheit ist, dass sie am Ende der Wüstenreise steht, aber viele Parallelen zum Anfang der Wüstenreise enthält, als das Volk auch am Schilfmeer war. Dadurch wird deutlich, dass auch vierzig Jahre Wüstenerfahrung, vierzig Jahre Hilfe Gottes in so vielen Schwierigkeiten, das Herz des Menschen nicht besser machen. Darum geht es bei diesem Vorbild auf den Herrn Jesus und seinen Tod – nicht so sehr um unsere Sünden, sondern um die sündige, verdorbene und unverbesserliche Natur des Menschen. Dieses „Problem“ erkennen wir im Lauf unseres Lebens, wenn wir dem Herrn Jesus nachfolgen wollen und doch immer wieder sündigen. Die kupferne Schlange zeigt uns im Vorbild, dass auch dieses Problem durch das Werk des Herrn Jesus am Kreuz gelöst ist!
Der Bericht im 4. Buch Mose endet nicht mit den tödlichen Bissen der Schlangen. Das Volk kam zur Besinnung und erkannte, dass es gesündigt hatte und die Schlangen die gerechte Strafe Gottes dafür waren. Sie baten Mose: „Flehe zum Herrn, dass er die Schlangen von uns wegnehme“ (4. Mo 21,7). Mose erkannte das aufrichtige Bekenntnis ihrer Sünde gegen den Herrn und ihn selbst an und flehte für sie zu Gott. Doch Gott nahm die Schlangen nicht weg, sondern beauftragte Mose, eine Schlange aus Kupfer anzufertigen und sie auf einer Stange aufzurichten. Jeder, der von den feurigen Schlangen gebissen wurde und auf die kupferne Schlange schaute, wurde gerettet und musste nicht sterben. Ein wunderbares Gnadenangebot Gottes an das Volk im Hinblick auf das damals noch bevorstehende Werk Christi.
Nun sehen wir uns die kupferne Schlange etwas genauer an, die Mose auf eine Stange für alle Israeliten sichtbar erhöhte.
Es war eine Schlange im Bildnis der feurigen Schlangen, die das Mittel der Bestrafung des Volkes für ihre Sünde waren (s. 4. Mo 21,8). Warum ist ausgerechnet eine erhöhte Schlange ein Vorbild auf das Werk des Herrn Jesus? Die auf dem Bauch kriechende Schlange weist auf den Fluch wegen der Sünde hin. „Weil du dies getan hast, sollst du verflucht sein“, sprach Gott in 1. Mose 3,14 zu ihr. Von unserem Herrn lesen wir: „Christus hat uns losgekauft von dem Fluch des Gesetzes, indem er ein Fluch für uns geworden ist“ (Gal 3,13). Die Menschen damals wurden von den Schlangen gebissen und mussten sterben; die einzige Rettungsmöglichkeit war der Blick auf die Schlange aus Kupfer, die Gott durch Mose dem ganzen Volk gegeben hatte. Aber jeder musste persönlich auf das Rettungsmittel schauen. Wir standen ebenfalls vor dem gerechten Gericht Gottes wegen der Sünde in uns. Unser einziges Mittel zur Errettung war die Annahme des Werkes Christi, das Er am Kreuz vollbracht hat, als Er zur Sünde gemacht wurde. Auch dieses kann nur jeder persönlich annehmen. Wir können unseren Herrn nur bewundern, dass Er, der Sündlose, für uns ins Gericht Gottes ging.
Er ging ins Gericht,
das ganze Gewicht
des Fluches für mich zu empfangen.
Die Schlange wurde von Mose aus Kupfer erstellt. Dieses Metall ist durch eine hohe Schmelztemperatur besonders hitzebeständig und steht in der Bibel für die unnachgiebige Gerechtigkeit Gottes, die auch bestehen bleibt, wenn sie im Feuer des Gerichts erprobt wird. So war z. B. auch der Brandopferaltar mit Kupfer überzogen (s. 2. Mo 27,1.2). Darauf wurden Gott Opfer für die Sünde dargebracht. Zusätzlich ist bemerkenswert, dass Kupfer in Gottes Wort oft mit Feuer in Verbindung gebracht wird (z. B. beim Altar in 2. Mo 27,1-8 oder bei der Darstellung der Füße des Sohnes des Menschen in Off 1,15). Wenn Kupfer mit Feuer in Berührung kommt, bleibt es unversehrt. Dieses Bild weist auf den Herrn Jesus hin, der als der vollkommen Reine, Heilige und Gerechte dem verzehrenden Feuer des Gerichts Gottes ausgesetzt war und standhielt. Welch präzises Vorbild. Wenn wir unseren Herrn so in den Gluten des göttlichen Gerichts über die Sünde sehen, führt es uns zur Dankbarkeit und Anbetung Ihm gegenüber. „Den, der Sünde nicht kannte, hat er für uns zur Sünde gemacht, damit wir Gottes Gerechtigkeit würden in ihm“ (2. Kor 5,21).
Versunken in der Leiden Flut,
verzehrt von des Gerichtes Glut,
gabst Du für uns Dein eignes Blut
auf dem Kreuz, auf dem Kreuz.
Mose sollte diese Schlange auf einer Stange befestigen und hoch, für jeden sichtbar, aufrichten. Alle Israeliten bekamen somit die Möglichkeit, die Rettung anzunehmen. Dieser Gedanke führt uns zu der ersten Erwähnung des alttestamentlichen Vorbildes im Neuen Testament: „Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöhte, so muss der Sohn des Menschen erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe“ (Joh 3,14.15). Unser Herr erniedrigte sich selbst (vgl. Phil 2,7.8), indem Er sich durch Menschen an das Kreuz nageln ließ und dort zum Spott von der Erde erhöht für jeden sichtbar hing: „Alle, die mich sehen, spotten über mich“ (Ps 22,8a). Das Kreuz auf Golgatha gehörte zu dem ewigen Heilsplan Gottes, den der Herr Jesus freiwillig und vollkommen ausgeführt hat.
Du wardst erhöht von dieser Erde
auf das Kreuz, auf das Kreuz,
dass, wer da glaubt, errettet werde
durch das Kreuz, durch das Kreuz.
Ein doppeltes Vorbild auf Christus:
Zunächst sehen wir in dem treffenden Vorbild, dass der Herr Jesus das Gericht Gottes über die Sünde getragen hat, als Er zur Sünde gemacht wurde. Gott hat in Ihm die Sünde im Fleisch verurteilt (s. Röm 8,3). Das rechnet Gott dem Glaubenden zu, so dass wir wissen dürfen, dass auch das Problem der Sünde in uns gelöst ist. Wir sind mit Christus gestorben und müssen nicht mehr sündigen. Wir dürfen in Freiheit und in der Kraft des Geistes Gottes leben (vgl. Gal 5,16).
Darüber hinaus lesen wir in 2. Könige 18,4 noch einmal von dieser kupfernen Schlange, die Mose auf Anweisung Gottes anfertigte. Dort regierte der gottesfürchtige König Hiskia. Er „… zertrümmerte die Schlange aus Kupfer, die Mose gemacht hatte; denn bis zu jenen Tagen hatten die Kinder Israel ihr geräuchert …“ Dieses bedeutsame Vorbild war zum Götzen geworden. Wie viele Menschen pilgern heute zu der Stelle in Jerusalem, wo sich Golgatha der Überlieferung nach befunden haben soll. Sie warten dort oft lange, um eine Steinplatte zu berühren.
Auch das Tragen eines Kreuzsymbols als Schmuckstück ist für Gott wertlos. Es geht nicht um äußere Symbole oder Rituale, sondern um die Person Jesus Christus, die einst am Kreuz hing, um Gottes Gericht über die Sünde zu erdulden. Das wollen wir uns doch immer wieder vor Augen führen.
Zum ew’gen Gedächtnis wird,
heilig und rein,
Dein Opfer am Kreuze –
wird Golgatha sein!
Benjamin Hof
Fußnoten:
Dieser Gedanke wird auch im Neuen Testament aufgegriffen: In 1. Korinther 10,9-11 wird dazu auf die Begebenheit mit der kupfernen Schlange Bezug genommen.

Das Zelt der Zusammenkunft ließ Gott während der Wüstenwanderung bauen, um dort in der Mitte seines Volkes Israel zu wohnen. Sein Areal teilte sich in den Vorhof und das eigentliche Zelt. Im Zelt gab es wiederum zwei Bereiche: das Heilige und das Allerheiligste. Im Allerheiligsten stand – hinter dem Scheidevorhang – die Bundeslade. Zwischen den beiden Cherubimfiguren auf ihrem Deckel thronte Gott (s. 1. Sam 4,4). Hier durfte nur der Hohepriester einmal im Jahr am Sühnungstag eintreten, während im Heiligen die Priester ununterbrochen am Leuchter, dem Schaubrottisch und dem Räucheraltar ihren Dienst ausübten.
Den Vorhof hingegen konnte jeder Israelit betreten. Hier stand der Brandopferaltar (um den es in diesem Artikel geht) und das kupferne Waschbecken. Alle Geräte des Zeltes der Zusammenkunft sind wunderbare Bilder von der Person Christi. Der Brandopferaltar weist uns besonders auf seinen Opfertod am Kreuz hin.
Im Alten Testament wurde ein Altar errichtet, um Gott zu nahen – seinen Namen anzurufen (vgl. 1. Mo 12,8). Das konnte man nur auf der Grundlage eines Opfers, denn die Sünde trennte den Menschen von Gott. Das erlöste und befreite Volk Israel konnte Gott freiwillige (Brand-, Speis- oder Friedensopfer) und verpflichtende Opfer (Sünd- und Schuldopfer) bringen. Gott nahm damals diese Opfer an, weil sie von Christus sprachen. „Denn mit einem Opfer hat er auf immerdar die vollkommen gemacht, die geheiligt werden“ (Heb 10,14). Das geschah am Kreuz von Golgatha. Bildlich gesprochen treten wir heute „an den Altar“, wenn wir Gott geistliche Schlachtopfer bringen, die Ihm durch Jesus Christus wohlangenehm sind (s. 1. Pet 2,5). Wir dürfen mit Gott anbetend Gemeinschaft über den Opfertod seines Sohnes haben.
Der Brandopferaltar stand unmittelbar hinter dem einzigen Eingang, durch den man in den Vorhof kam. Hierhin kam das Volk, um zu opfern, an ihm gingen die Priester auf dem Weg zum Zelt vorbei, um dort ihren Dienst zu verrichten. Als Gläubige sind wir heute Menschen von Gottes (himmlischem) Volk in der Wüste und gleichzeitig Priester „im Zelt“. Beides ist ohne den Blick auf den Opfertod Christi nicht möglich.
Die Geräte im Zelt waren aus Gold gefertigt oder mit Gold überzogen, der Brandopferaltar aus Akazienholz mit Kupfer überzogen. Darin finden wir wertvolle Hinweise auf den Tod unseres Herrn:
Holz wird in der Bibel häufig als Bild für den erdgebundenen Menschen gebraucht, denn Ursprung und Lebensraum für Bäume ist die Erde. Das Holz des Altars redet von Christus, der – obwohl Er immer ewiger Sohn Gottes ist – als Mensch auf der Erde geboren wurde und hier lebte und diente. Nur weil Er wahrer Mensch wurde, konnte Er am Kreuz sterben. Die Akazienbäume für das Holz des Altars werden in der Wüste gewachsen sein. Ihr Holz ist hart und widerstandsfähig, und gleichzeitig wegen seiner Maserung und Farben sehr schön. Merkmale, die wir auch bei dem Menschen Jesus finden. Für Ihn war die Erde eine „Wüste“ – geprägt von Entbehrung und Anfeindung. Aber Er widerstand allem, Er war der vollkommene Mensch, dessen ganzes Leben für Gott wohlgefällig war.
Kupfer wird zum ersten Mal in 1. Mose 4,22 erwähnt. Man schmolz Roherz bei großer Hitze in Lehmöfen und trennte dabei die Schlacke ab. Nach dem Erlöschen des Ofens blieb Kupfer zurück – ein rötliches, korrosionsbeständiges und formbares Halbedelmetall. Dieser „Hochtemperaturprozess“ und sein Ergebnis – das reine Kupfer – lässt uns verstehen, worum es geht: um Gerechtigkeit, die im Gerichtsfeuer erprobt und erwiesen wird. Das war im Leben des Herrn Jesus in Vollkommenheit der Fall. Und es war im Blick auf sein Werk am Kreuz ebenso der Fall. Der Herr Jesus kam in das Gericht des heiligen Gottes, der Sünde nicht übersehen kann und den Sünder richten muss. Doch Gott brachte dieses Gericht nicht über uns, sondern über seinen Mensch gewordenen Sohn. Am Kreuz musste Er – „der keine Sünde tat“ (1. Pet 2,22), „der Sünde nicht kannte“ (2. Kor 5,21) und in dem keine Sünde war (s. 1. Joh 3,5) – in den drei Stunden der Finsternis die ganze Glut des Zornes Gottes über sich ergehen lassen; dort musste Er für uns sterben. Das Ergebnis ist „Kupfer“: Die vollkommene Gerechtigkeit des Herrn Jesus wurde deutlich. Und deshalb sind auch Gottes gerechte Ansprüche bezüglich der Sünde in diesem Gericht vollständig befriedigt.
Auch die quadratische Grundfläche von jeweils 5 Ellen (ca. 2,5 Meter) und seine Höhe von 3 Ellen (ca. 1,5 Meter) zeigt uns etwas vom Tod Christi:
Die gleich langen Seiten illustrieren unter anderem, dass Gott „kein Ansehen der Person“ kennt (Röm 2,11), Er behandelt alle Menschen gleich und gerecht. „Alle haben gesündigt“ (Röm 3,23), ausnahmslos, und alle verdienten den Tod. Diese Gerechtigkeit zeigt sich auch am Kreuz: Obwohl Christus der Sündlose war, musste Er für die Sünden gerichtet werden und sterben.
Die Zahl „5“ symbolisiert den von Gott abhängigen und Ihm verantwortlichen Menschen (fünf Sinne, fünf Finger, fünf Zehen usw.). Aber wir hatten versagt und den Platz am Kreuz verdient. Doch den hat Christus an unser Stelle eingenommen, Er hat sich „auf den Altar gelegt“.
Eine der Bedeutungen der Zahl „3“ ist die Dreieinheit Gottes (Gott der Vater; Gott der Sohn; Gott der Heilige Geist). Diese Einheit können wir im Opfertod Christi bewundern.
Neben dem eigentlichen Korpus des Altars gibt es auch noch Anbauteile, die wertvolle Hinweise auf den Tod Christi sind:
Offensichtlich waren sie Verlängerungen der vier Ecken des Altars und aus einem Stück mit ihm hergestellt. Die Hörner eines Tieres symbolisieren seine Kraft. So geht es bei den Hörnern des Altars um die kraftvolle Wirkung des Werkes des Herrn Jesus. Sie weisen in alle vier Himmelsrichtungen und zeigen die Größe des Werkes des Herrn, durch das Gottes unendliche Gnade allen Menschen angeboten wird. Offensichtlich wussten auch Menschen aus dem Alten Testament um diese Bedeutung, denn aus Angst vor der sicheren Todesstrafe suchten Adonija und Joab Zuflucht bei den Hörnern des Altars (s. 1. Kön 1,50; 2,28).
Das Netz aus Kupfer wurde auf halber Höhe des Altars angebracht. Offensichtlich trug es einerseits das Feuerholz, andererseits die Opfer selbst, die auf ihm verbrannt wurden. Feuer und Opfer sollten auf den Altar gelegt werden (s. 3. Mo 1,7.9). Das Gitter war dabei der größten Hitze ausgesetzt, was uns an die tiefen Leiden erinnert, die unseren Herrn am Kreuz trafen. Durch die herabgelassene Höhe des Netzes innerhalb des Altars konnte man das Opfer nicht von außen sehen. So war Christus dem Feuer des göttlichen Gerichts ausgesetzt und blieb dabei den Blicken der Menschen verborgen.[1] Ebenso können wir in die Tiefen der Leiden Christi im Gericht Gottes nicht hineinschauen. Dementsprechend herrschte in diesen drei Gerichtsstunden auf Golgatha eine absolute Finsternis auf der ganzen Erde (s. Mt 27,45).
Zum Abschluss noch ein praktischer Gedanke: An die vier Ecken des Gitters wurden vier Ringe als Halterungen für die Stangen gegossen (s. 2. Mo 38,5). Man schob sie offensichtlich durch Ösen in der Altarwand, so dass das Gitter auflag. Durch diese Ringe konnten die Stangen gesteckt werden, an denen der Altar durch die Wüste transportiert wurde. Als
Christen sind wir „Pilger“, unterwegs durch die Wüste – ein Bild von den Umständen des Lebens – hin zu unserer himmlischen Heimat. So wie das Volk Israel den Altar durch die Wüste trug, so tragen wir das Gedächtnis an den Tod unseres Herrn mit uns. Wir wollen dabei keine Gelegenheit versäumen, an den „Altar zu treten“ – sei es gemeinsam beim Brechen des Brotes oder in der persönlichen Gemeinschaft mit Gott.
Henning Panthel
Fußnoten:
Das Zelt der Zusammenkunft ist ein Bild vom Himmel. Der Altar stand nicht „im Lager“, sondern im Vorhof, einem Bild des „ersten Himmels“. Damit stand er sozusagen zwischen dem Lager und dem Heiligtum im Zelt der Zusammenkunft. Ähnlich erging es dem Herrn Jesus am Kreuz. Er hing dort, erhöht von der Erde (s. Joh 12,32), gewissermaßen zwischen Himmel und Erde.

Großes Entsetzen bei den Ägyptern: Die Erstgeburt in ihren Häusern ist diese Nacht getötet worden, sowohl die Erstgeburt der Menschen als auch des Viehs.
Im Gegensatz dazu herrscht in den Häusern der Israeliten eine freudige Aufbruchstimmung. Sie alle haben ein Lamm geschlachtet, das Blut an die Türpfosten und den Türsturz gestrichen und essen gemeinsam das gebratene Lamm mit ungesäuertem Brot und bitteren Kräutern. Mose hat ihnen diese Anordnung Gottes weitergegeben. In den Häusern der Israeliten gibt es Sicherheit. So wird ein Festmahl der Befreiung eingenommen – der unmittelbar bevorstehenden Befreiung aus der Sklaverei Ägyptens (vgl. 2. Mo 12,51).
Gott gibt in diesem Zusammenhang eine wichtige Anordnung: Dieser Tag soll regelmäßig (jährlich) als Gedächtnisfest gefeiert werden (s. 2. Mo 12,14; 3. Mo 23,5). Die Befreiung aus Ägypten ist also von solcher Bedeutung, dass die Israeliten sich regelmäßig an dieses Ereignis erinnern sollen. Das Passah soll außerdem nicht nur während der Wüstenreise, sondern auch später im Land Kanaan gefeiert werden. Besonderen Wert legt Gott darauf, dass auch die Begründung für die Ursache dieses Festes an nachfolgende Generationen weitergegeben wird, nämlich die Errettung von dem Gericht, das an den Ägyptern ausgeübt wurde (s. 2. Mo 12,24-27). Allerdings ist bei allen weiteren Passahfeiern das Bestreichen des äußeren Türrahmens mit Blut nicht mehr erforderlich. Die Verschonung vom Gericht war einmalig – aber die Erinnerung daran ist dauerhaft.
Das Volk erlebt in den Tagen und Wochen nach dem ersten Passah mehrfach die wunderbare Leitung und Fürsorge ihres Gottes: z. B. den Durchzug durch das Rote Meer auf dem Trockenen, die Versorgung mit Wasser und dem Man in der Wüste sowie den Sieg über Feinde (Amalekiter). Außerdem erhalten sie das Gesetz, die Anordnungen für den Bau des Zeltes der Zusammenkunft und die verschiedenen Opferdienste.
Schließlich ist ein Jahr vergangen und Gott spricht zu Mose, dass das Passah gefeiert werden soll (s. 4. Mo 9,1-5). Dabei hat der Israelit darauf zu achten, dass er nicht verunreinigt ist (s. 4. Mo 9,6-8). Wir können sicher annehmen, dass dies eine freudige Feier voller Dankbarkeit gegenüber Gott war, der sie auf so wunderbare Weise aus Ägypten erlöst und bis hierher durch die Wüste geführt hatte. Alle, die dieses Passah feierten, hatten es ja bereits vor einem Jahr in Ägypten getan und die damit verbundenen Wunder noch lebhaft in Erinnerung.
Später weist Gott sein Volk darauf hin, wo das Passah im Land Kanaan zu feiern sei (s. 5. Mo 16,2.6.7.16): Gott würde sich einen Ort erwählen, an dem das Passah jährlich als erstes Fest im Jahr gefeiert werden soll. Alle männlichen Israeliten sollen dann an diesen Ort ziehen, um das Passah zu feiern.
Von weiteren Passahfesten in der Wüste berichtet Gottes Wort nichts. Erst als das Volk den Jordan durchquert hat und im Begriff steht, das Land Kanaan in Besitz zu nehmen, feiern sie das Passah in Gilgal (s. Jos 5,10-12).
Der Herr Jesus hat während seiner Zeit auf der Erde mehrfach das Passah gefeiert. So geht Er im Alter von 12 Jahren mit seinen Eltern nach Jerusalem zum jährlichen Passahfest (s. Lk 2,41.42). Und auch später, im Laufe seines öffentlichen Dienstes, geht der Herr nach Jerusalem, um das Passah zu feiern (s. z. B. Joh 2,13).
Dann kommt ein besonders beeindruckendes Passahfest: Der Herr Jesus feiert es mit seinen Jüngern in dem Obersaal in Jerusalem und Er hat sich mit Sehnsucht danach gesehnt, es zu tun (s. Lk 22,7-20).
Neben der Erinnerung an die geschehene Erlösung aus Ägypten hat das Passah auch eine prophetische, vorausschauende Bedeutung: Diese Bedeutung findet wenige Stunden nach diesem letzten Passah des Herrn ihre Erfüllung, indem Jesus das Passahlamm wird, welches am Kreuz auf Golgatha Leiden (bittere Kräuter) und Tod (geschlachtetes Lamm) erdulden wird. Damit ist die Bedeutung des Passahs erfüllt. Paulus bestätigt diesen prophetischen Aspekt: „Denn auch unser Passah, Christus, ist geschlachtet worden“ (1. Kor 5,7).
Es ist bemerkenswert, dass der Herr nach dieser Passahfeier etwas Neues einführt. Die Beziehung mit dem Volk Israel kommt zu einem (vorläufigen) Ende und Er führt seine Jünger in eine neue Beziehung zu Gott ein. Er gibt ihnen Brot und anschließend einen mit Wein gefüllten Kelch.
Das Brot ist ein Bild von seinem Leib, den Er für sie hingeben würde, der Wein ist ein Bild seines Blutes, das am Kreuz vergossen werden würde. Er steht im Begriff, für seine Jünger zu sterben, damit sie ewiges Leben bekommen. Der Herr sagt dabei ausdrücklich, dass seine Jünger dieses Mahl weiterhin zu seinem Gedächtnis halten sollen (s. Lk 22,19.20). Dass dieses Mahl ein Gedächtnismahl[1] an den Tod des Herrn Jesus ist, wird im ersten Korintherbrief bestätigt (s. 1. Kor 11,26). So wird ein Erinnerungsmahl (das Passah als Erinnerung an das vorübergegangene Gericht Gottes und die Erlösung aus der Sklaverei Ägyptens) durch ein neues Erinnerungsmahl (das Mahl des Herrn als Erinnerung an sein stellvertretendes Erlösungswerk am Kreuz auf Golgatha) ersetzt, wobei der göttliche Grundsatz unverändert bestehen bleibt: „Und sehe ich das Blut, so werde ich an euch vorübergehen“ (2. Mo 12,13). Das Blut des vorbildlichen Passahlammes ist also ein direkter Hinweis auf das „kostbare Blut Christi, als eines Lammes ohne Fehl und ohne Flecken“ (s. 1. Pet 1,19).
Paulus fügt dann noch eine wichtige Ergänzung hinzu: Es ist die Verkündigung des Todes des Herrn – bis Er kommt. Wir dürfen uns also immer wieder an den Tod des Herrn Jesus erinnern und durch die Handlung des Essens und des Trinkens seinen Tod verkündigen, bis Er kommt, um uns zu sich in die Herrlichkeit des Himmels zu holen. Wir sollen niemals vergessen und dürfen immer dafür dankbar sein, was der Herr für uns am Kreuz auf Golgatha getan hat. Genauso wie das Volk Israel sich immer wieder daran erinnern sollte, dass Gott sie mit starker Hand und ausgestrecktem Arm aus der Macht Ägyptens befreit hatte (s. z. B. 5. Mo 26,8).
Nie sei, Lamm Gottes,
Dein Opfer vergessen,
dass Du Dich legtest
auf Gottes Altar,
wenn wir die Tiefen
auch niemals ermessen,
was Dir das Kreuz,
was Dir Golgatha war!
Schließlich werden sowohl das Passahfest als auch das Gedächtnismahl in Gemeinschaft mit dem Herrn und anderen Erlösten gefeiert. Ein Fest ist ein freudiges Ereignis, das man gerne mit vielen Gleichgesinnten gemeinsam feiert. Es gibt einen Anlass, der die Feiernden verbindet. Beim Passah war es die Freude über die Erlösung aus der Sklaverei in Ägypten, beim Gedächtnismahl ist es die Dankbarkeit erlöster Sünder über die Befreiung aus der Macht Satans und das erhaltene Heil in ihrem Retter Jesus Christus.
Gleichzeitig bewundern die Erlösten gemeinsam verschiedene Herrlichkeiten ihres Heilandes durch Lieder, Gebete und Schriftlesungen.[2] Es gipfelt im Gedenken an seine Hingabe bis in den Tod, wenn das Gedächtnismahl genommen wird.[3] Das tun die versammelten Erlösten gemeinsam, indem sie den Sohn Gottes, ihren Erlöser Jesus Christus, loben, ehren, Ihm danken und Ihn anbeten – bis Er kommt.
Wie damals im Volk Israel gibt es auch heute den von Gott bestimmten „Ort“, an dem das Mahl des Herrn eingenommen wird. Es ist der „Tisch des Herrn“ (s. 1. Kor 10,21), ein geistlicher Ort der Gemeinschaft (Tisch) mit dem Herrn Jesus und untereinander, an dem Er selbst alle Rechte hat, weil es sein Tisch ist. Und wie damals nur diejenigen das Passah feiern konnten, die nicht unrein waren, so gilt auch heute, dass man nur mit reinem Herzen und Leben an dem Gedächtnismahl des Herrn teilhaben kann.
Wenn Er sie zu sich in die Herrlichkeit geholt hat, ist diese Erinnerung nicht mehr nötig, dann werden alle Erlösten zu dem Herrn Jesus entrückt sein und ihren Erretter „von Angesicht zu Angesicht“ (1. Kor 13,12) sehen, so „wie er ist“ (1. Joh 3,2).
Marco Steih
Fußnoten:
„Gedächtnis“ ist ein weiter gehender Begriff als nur „Erinnern“. Es schließt das Gedenken an die moralischen Herrlichkeiten des Erlösers Jesus Christus mit ein.
Im Rahmen des Zusammenkommens zum Brotbrechen ist auch Dank und Anbetung an Gott, den Vater, angebracht, der seinen Sohn zur Errettung verlorener Sünder gegeben hat.
Das Einnehmen des Gedächtnismahles ist der eigentliche Zweck dieses Zusammenkommens. Ob es mehr am Anfang, in der Mitte oder mehr am Ende des Zusammenkommens eingenommen wird, bleibt dabei der Leitung durch den Heiligen Geist überlassen.

Bei manchen der Vorbilder auf den Tod des Herrn Jesus, die uns im Alten Testament vorgestellt werden, brauchen wir nicht nach ihrer Bedeutung zu suchen, weil Gottes Wort selbst sie uns aufschließt. Eines davon ist das Passah-Lamm und seine Bedeutung als Hinweis auf den stellvertretenden Tod des Herrn Jesus im gerechten Gericht Gottes für unsere Sündenschuld.
Es waren spannende Tage für das Volk Israel. Neun Plagen hatte Gott bereits über das Land Ägypten und die Ägypter gesandt. Nicht von allen waren die Israeliten direkt betroffen, Gott hatte sie bewahrt. Nun stand die letzte der zehn Plagen unmittelbar bevor: „Und Mose sprach: So spricht der Herr: Um Mitternacht will ich ausgehen mitten durch Ägypten; und alle Erstgeburt im Land Ägypten soll sterben, vom Erstgeborenen des Pharaos, der auf seinem Thron sitzt, bis zum Erstgeborenen der Magd, die hinter der Mühle ist, und alle Erstgeburt des Viehs. Und es wird ein großes Geschrei sein im ganzen Land Ägypten, wie nie gewesen ist und wie nicht mehr sein wird“ (2. Mo 11,4-6).
Auch dieses Mal sollte das Volk Israel vor dem Gericht Gottes bewahrt bleiben: „Aber gegen alle Kinder Israel wird nicht ein Hund seine Zunge spitzen, weder gegen Menschen noch gegen Vieh; damit ihr wisst, dass der Herr einen Unterschied macht zwischen den Ägyptern und den Israeliten“ (2. Mo 11,7).
Doch das würde nicht „einfach so“ geschehen. Die Israeliten mussten der Anweisung Gottes entsprechend den einzig möglichen Weg wählen, um von der Plage verschont zu werden. „Und der Herr redete zu Mose und Aaron im Land Ägypten und sprach: … Redet zu der ganzen Gemeinde Israel und sprecht: Am Zehnten dieses Monats, da nehme sich jeder ein Lamm für ein Vaterhaus, ein Lamm für ein Haus“ (2. Mo 12,1.3). Um nicht mit ihren Bedrängern im selben Gericht Gottes umzukommen, musste ein Opfer gebracht werden, das den Anforderungen Gottes genügte. Geopfert werden sollte deshalb ein einjähriges männliches Lamm, an dem keinerlei Fehl zu finden war (s. 2. Mo 12,5). Das war erforderlich, weil die Israeliten in Gottes Augen ebenso Sünder waren wie die Ägypter (vgl. Röm 3,9-12).
Das Blut dieses Lammes sollten die Israeliten an die Türpfosten und an den Türsturz über der Tür streichen. Jeder, der sich hinter einer so behandelten Tür befand, war in Sicherheit. Denn Gott hatte gesagt: „Und sehe ich das Blut, so werde ich an euch vorübergehen“ (2. Mo 12,13). Es kam nicht darauf an, dass die Menschen im Haus das Blut sahen. Entscheidend war einzig und allein, dass Gott es sah. Aber jeder, der hinter der Tür im Haus war, wusste, dass er am Leben blieb, weil statt seiner ein Lamm geschlachtet und dessen Blut an die Pfosten und den Türsturz des Hauses gestrichen worden war. Er konnte sich auf die Zusage Gottes stützen und deshalb ganz ruhig sein.
„Denn auch unser Passah, Christus, ist geschlachtet worden“ (1. Kor 5,7).
So wie das Lamm in 2. Mose 12 sterben musste, damit sein Blut an die Türpfosten und den Türsturz gestrichen werden konnte, musste auch der Herr Jesus am Kreuz von Golgatha sterben, um Gottes heilige Ansprüche der Sünde wegen zu befriedigen und allen Verschonung vom Gericht zu schenken, die an Ihn glauben. Auch das hat Gott schon im Alten Testament vorhergesagt. „Und der Herr hat ihn treffen lassen unser aller Ungerechtigkeit [o.: Strafe; o.: Schuld]“ (Jes 53,6). Und so wie damals in der Dunkelheit der Nacht (s. 2. Mo 12,12) durch das Blut des Lammes Sühnung vor den Augen Gottes geschah, trug auch das Lamm Gottes in den drei Stunden der Finsternis am Kreuz unsere Schuld im Gericht Gottes. Kein Mensch kann hineinschauen, was dort geschah – außer Gott allein: „Und sehe ich das Blut …“ Aber wir dürfen es im Glauben in Anspruch nehmen.
So ist für jeden, der heute an den Herrn Jesus und sein Werk am Kreuz von Golgatha glaubt, das Ergebnis das gleiche wie damals für die Erstgeborenen in Ägypten: „Und sehe ich das Blut, so werde ich an euch vorübergehen.“
Stefan Busch
Das hebräische Wort pesach, das im Deutschen mit Passah wiedergegeben wird, bedeutet so viel wie „vorüberschreiten, vorübergehen, verschonen“.

Gottes Beurteilung der Menschen zur Zeit Noahs war: „Und der Herr sah, dass die Bosheit des Menschen groß war auf der Erde, und alles Gebilde der Gedanken seines Herzens nur böse den ganzen Tag“ (1. Mo 6,5). Er sprach das Gerichtsurteil über die verdorbene Erde aus: „Ich will den Menschen, den ich geschaffen habe, von der Fläche des Erdbodens vertilgen …“ (V. 7).
Gott ist Licht und muss Sünde bestrafen. Die Sintflut war Gottes Gericht über die sündige Menschheit. Gleichzeitig schmerzte es Gott in sein Herz hinein (s. V. 6), denn Er ist Liebe. So gab Er die Möglichkeit der Rettung vor dem Gericht durch ein von Ihm selbst bereitgestelltes Rettungsmittel, die Arche.
In seiner Langmut gab Gott eine Zeitspanne von 120 Jahren (s. V. 3) zur Umkehr. In dieser Zeit wurde die Arche gebaut (s. 1. Pet 3,20). Diese Zeitspanne wurde allerdings in der Mitteilung Gottes an Noah nicht erwähnt. Den Menschen war also nicht bekannt, wann die Flut kommen würde, aber die Arche musste fertig sein.
„Noah aber fand Gnade in den Augen des Herrn“ (1. Mo 6,8). Er hatte also Gnade gesucht und zeigte damit, dass er seinen verlorenen Zustand anerkannte (s. Heb 11,7). Er und seine Familie wurden nicht aufgrund eigener Verdienste gerettet, sondern durch Gottes Gnade und seinen Gehorsam gegenüber Gottes Anweisungen zum Bau der Arche. Gott überließ es nicht Noah, sich eine Rettungsmöglichkeit zu überlegen. Alles wurde von Gott geführt, Noah hatte nur den Anweisungen zu folgen. Wiederholt wird der Gehorsam Noahs hervorgehoben (s. 1. Mo 6,22; 7,5.9.16). Und dieser Gehorsam entsprang seinem Glauben (s. Heb 11,7).
Nur wer in die Arche ging, wurde gerettet, während der Rest der Welt umkam. So wie das Hineingehen in die Arche die einzige Möglichkeit war, der Sintflut zu entkommen, hat der Herr Jesus durch seinen Tod am Kreuz den einzigen Weg gebahnt, auf dem Menschen dem ewigen Gericht Gottes über die Sünde entkommen können (s. Apg 4,12).
Die Gnade Gottes ist auf ganze Häuser, d. h. ganze Familien gerichtet. „Und der Herr sprach zu Noah: Geh in die Arche, du und dein ganzes Haus …“ (1. Mo 7,1; s. a. Apg 11,14; 16,34).
Noahs Herz schlug auch für seine Familie (s. Heb 11,7). Seine Predigt schien bei den Menschen um ihn her nicht zu fruchten, aber seine ganze Familie glaubte und wurde gerettet. Ein Ansporn für uns heute!
Größe, Gestalt und Material der Arche waren von Gott angeordnet. Die Arche hatte optimale Größenverhältnisse für ein Transportschiff. Wenn man für eine Elle 46 cm zugrunde legt, dann war sie 138 m lang, 23 m breit und 13,8 m hoch. Es war Platz für jeden, der kommen wollte (s. Off 22,17). Auch darin ist sie ein Vorausbild auf den Tod des Herrn Jesus (s. 1. Tim 2,3-6).
Die Arche war aus Gopherholz. Diese Holzart war zur damaligen Zeit offensichtlich bekannt, ist aber heute nicht mehr eindeutig zu bestimmen. Ganz allgemein gilt, dass ein Baum aus der Erde wächst. Holz ist daher ein Hinweis auf die wahre Menschheit des Herrn Jesus (s. 1. Tim 2,5).
Das Holz selbst ist aber auch ein Vorausbild auf das Kreuz. Das gleiche Wort, das in 1. Mose 6,14 für „Holz“ verwendet wird, wird auch in 5. Mose 21,22.23 gebraucht. Diese Stelle zitiert Paulus in Galater 3,13: „Christus hat uns losgekauft von dem Fluch des Gesetzes, indem er ein Fluch für uns geworden ist (denn es steht geschrieben: ‚Verflucht ist jeder, der am Holz hängt!‘).“ Das hier gebrauchte Wort wird im Neuen Testament wiederholt für das Kreuz des Herrn Jesus gebraucht (s. z. B. Apg 5,30; 10,39; 13,29; 1. Pet 2,24).
Die Arche besaß Kammern oder (Vogel-)Nester. Sie sind ein Hinweis auf die Geborgenheit und Ruhe, die wir in seinem Werk haben (s. Mt 11,28).
Um die Arche wasserdicht zu machen, musste sie von innen und außen mit Harz (hebr.: kopher) verpicht (hebr.: kaphar) werden. Das Holz allein reichte nicht. Die hier für „Harz“ gebrauchten Worte können auch mit Sühnung (= bedecken) oder Lösegeld übersetzt werden. Der Herr Jesus hat am Kreuz Sühnung getan, d. h., Gottes Ansprüche vollkommen befriedigt. Weil Er sein Leben hingegeben hat, ist Sühnung geschehen und der Preis bezahlt. Wir sind geschützt vor dem Gericht Gottes. Sein Zorn ist abgewendet durch das Opfer des Herrn. Seine Menschheit allein (Holz) hätte uns nicht retten können. Sein Tod, sein kostbares Blut (daran erinnert das Harz, das Verpichen, weil das Wort an den Gedanken der Sühnung erinnert) war notwendig.
Die Lichtöffnung war vermutlich ein Lichtband unterhalb des überstehenden Daches. Sie gab Sauerstoff und Licht. Aber die Wasser der Flut waren dadurch nicht zu sehen. Der Blick ging im Vertrauen nach oben, zu dem, der die Verheißung der Rettung gegeben hatte.
Die Tür sollte als Zugang in die Seite gesetzt werden. Es war die Tür, es gab keine Alternative. Dann schloss der Herr zu (s. 1. Mo 7,16). Nun kam niemand mehr herein und niemand konnte mehr hinaus. Das bedeutete unweigerlich das Gericht für die, die draußen waren und vollkommenen Schutz für Noah und seine Familie.
So ist der Herr Jesus die Tür (s. Joh 10,9), und wer durch diese Tür eingegangen ist, ist vollkommen geschützt vor dem Gericht (s. Joh 5,24; 10,28.29).
Schließlich hatte die Arche 3 Stockwerke. Sie können ein Hinweis auf die drei Aspekte der Errettung sein, die uns das Neue Testament zeigt:
Als die Flut kam, regnete es nicht bloß. Die Quellen der großen Tiefe brachen auf und die Fenster des Himmels öffneten sich. Die Wasser nahmen schließlich überhand auf der ganzen Erde, alle hohen Berge wurden bedeckt und alles Fleisch verschied (s. 1. Mo 7,18-22). Es gab kein Entrinnen vor dem Gericht. Auch alle anderen aus der Familie Seths (ein Bild der Namenschristen heute) kamen um.
Auf Golgatha ging der Herr Jesus in den drei Stunden der Finsternis in das Gericht Gottes über die Sünde und trug stellvertretend auch meine Schuld. Die Wasser des Gerichts, die ich verdient hatte, gingen über Ihn hinweg (s. Ps 42,8), aber sie konnten seine Liebe nicht auslöschen (s. Hld 8,7). Was das für unseren Heiland bedeutete, können wir nicht ermessen. Ihm wollen wir aus ganzem Herzen Dank und Anbetung dafür bringen!
Völlige Sicherheit und eine neue Stellung in Christus
Noah kam auch in die Wasser des Gerichts, aber in der Arche. So konnten ihm die Wasser nichts anhaben (s. 1. Mo 7,23). Das bezeugen wir in der Taufe (s. 1. Pet 3,21). Durch das Untertauchen erkennen wir an, dass wir das Gericht Gottes, den Tod, verdient hatten. Aber weil wir in Christus (in der Arche) sind und Er für uns stellvertretend in das Gericht gegangen ist, können wir direkt wieder aus dem Wasser herauskommen. In Christus zu sein bedeutet, vor Gott in eine ganz neue Stellung gekommen zu sein. Es gibt für uns keine Verdammnis, wir sind eine neue Schöpfung, wir sind begnadigt, mitauferweckt und sitzen mit in den himmlischen Örtern (s. Röm 8,1; 2. Kor 5,17.21; Eph 1,6; 2,6).
Schließlich ruhte die Arche auf dem Gebirge Ararat und eine Zeit später gingen Noah und seine Familie aus der Arche und betraten eine gereinigte Erde (s. 1. Mo 8,4.18). Die Arche ermöglichte einen Neuanfang nach der Flut.
Das Ruhen der Arche weist uns darauf hin, dass das Werk vollbracht ist. Nichts bleibt zu tun übrig. Dadurch hat der Herr Jesus seinen Gott und Vater vollkommen verherrlicht und Er hat Ihn nach drei Tagen aus den Toten auferweckt. Durch den Tod und die Auferstehung des Herrn Jesus sind wir gerettet und haben neues, ewiges Leben.
Dirk Mütze

„Ich … umgehe deinen Altar, Herr, um hören zu lassen die Stimme des Lobes und um zu erzählen alle deine Wundertaten“ (Ps 26,6.7).
Genau das wollen wir bei der Beschäftigung mit den ersten Opfern, die im 1. Buch Mose erwähnt werden, tun. Es ist beeindruckend, wie bereits diese Opfer Hinweise auf das „ein für alle Mal geschehene Opfer des Leibes Jesu Christi“ (Heb 10,10) geben und verschiedene Seiten dieses vollkommenen Opfers zeigen.
„Und Gott der Herr machte Adam und seiner Frau Kleider aus Fell und bekleidete sie".
Bei dem ersten in der Bibel erwähnten „Opfer“ ist allein Gott der Handelnde. Es ist erforderlich wegen des Sündenfalls und dabei wird deutlich, dass Gottes Heiligkeit angesichts der Sünde nur durch den Tod eines Stellvertreters entsprochen werden kann. Was muss es für Adam und Eva gewesen sein, die den Tod nicht kannten, dass Gottes Antwort auf ihre Sünde der Tod eines Tieres[1] war, dem Adam ja zuvor einen Namen gegeben hatte.
Sowohl Gottes Gerechtigkeit als auch seine Liebe werden deutlich und wir denken an Römer 5,8: „Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus, da wir noch Sünder waren, für uns gestorben ist.“
Angesichts der Kleider aus Fell dürfen wir auch Jesaja 61,10 lesen: „Denn er hat mich bekleidet mit Kleidern des Heils, den Mantel der Gerechtigkeit mir umgetan.“ Es wird deutlich, dass wir nichts dazu beitragen konnten. Adam selbst bezeichnet sich in 1. Mose 3,10 immer noch als „nackt“, obwohl er den Schurz aus Feigenblättern trug. Auch heute versuchen die Menschen, eigene religiöse Anstrengungen zu unternehmen, um vor Gott nicht „nackt“ dazustehen – ohne Erfolg!
Dieses erste „Opfer“ macht klar: Es muss ein Werk Gottes sein, Er gibt das Opfer, Er bekleidet jeden einzeln (so wie Adam und seine Frau). Wenn Gott auf uns blickt, sieht Er das Opfer, Er sieht den Herrn Jesus. Wir sind nach Römer 8,1 „in Christus“, wir haben Christus angezogen (s. Röm 13,14; Gal 3,27).
Wir sind Gott von Herzen dankbar für das einzigartige Opfer des Herrn Jesus auf Golgatha, wovon wir hier ein herrliches Vorausbild haben!
„Abel, auch er brachte von den Erstlingen seiner Herde und von ihrem Fett“.
„Durch Glauben brachte Abel Gott ein vorzüglicheres Opfer dar als Kain, durch das er Zeugnis erlangte, dass er gerecht war, wobei Gott Zeugnis gab zu seinen Gaben; und durch diesen [d. i.: „Glauben“; oder: „dieses Opfer“] redet er noch, obgleich er gestorben ist“.
Das Handeln Gottes nach dem Sündenfall hatte bei Adam und Eva einen tiefen Eindruck hinterlassen. Einen Eindruck, den sie ihren Kindern Kain und Abel weitergegeben haben müssen, denn wie hätten diese sonst auf den Gedanken des Opferns kommen können!? Wie ist das bei uns Eltern? Machen wir unseren Kindern das Handeln Gottes groß und vermitteln wir ihnen etwas von dem Wert des einzigartigen Opfers Gottes, welches Er in dem Herrn Jesus gegeben hat. Auch wenn Adam und Eva für die erste Sünde Verantwortung trugen, hatten sie offenbar geistliche Einsicht in das Handeln Gottes und es lag ihnen am Herzen, das weiterzugeben.
Doch nur bei Abel traf dies auf Glauben – im Gegensatz zu seinem Bruder Kain. Das macht deutlich, dass Eltern ihre Kinder nicht erretten können. Jedes Kind muss individuell und ganz persönlich eine Entscheidung treffen, da es auch ganz persönlich vor Gott verantwortlich ist.
Kain hatte keinen Glauben und er bemühte sich, Gott durch eigene Werke zu gefallen, indem er von der Frucht des Erdbodens eine Opfergabe brachte. Wir sahen das schon bei den Schurzen aus Feigenblättern: Alles eigene Bemühen des Menschen, um bei Gott angenommen zu werden, ist nutzlos. Das nennt Judas „den Weg Kains“ (Jud 11).
Abel hatte durch Glauben verstanden, dass ein Tier sterben und Blut vergossen werden musste, um Gott gefallen zu können. Er gab das Beste – von den Erstlingen und darüber hinaus von ihrem Fett. In 4. Mose 18,29-32 finden wir genau diesen Gedanken wieder – und hier bereits vorgeschattet. Das Fett ist „das Beste“ und spricht von der inneren Kraft des Herrn Jesus, mit der Er sich Gott darbrachte. Abels Opfer wird in Hebräer 11,4 „vorzüglicher“ genannt, Abel wird als „gerecht“ bezeichnet, als einer, dem „Gott Zeugnis gab zu seinen Gaben“ – und das über seinen Tod hinaus! Was für eine Wertschätzung, die Gott dem Opfer Abels gegenüber ausdrückt.
Sünder waren beide, Kain und Abel: Den Unterschied, wer bei Gott angenommen wurde, machte der Glaube im Herzen in Verbindung mit dem Opfer aus. Auch heute gilt: Alle Menschen sind Sünder, da ist kein Unterschied. Jeder jedoch, der Jesus Christus im Glauben annimmt und sich auf sein einzigartiges Werk auf Golgatha stützt, findet Annahme bei Gott, wird von Ihm gerecht gesprochen.
„Und Noah baute dem Herrn einen Altar; und er nahm von allem reinen Vieh und von allen reinen Vögeln und opferte Brandopfer auf dem Altar. Und der Herr roch den lieblichen Geruch, und der Herr sprach in seinem Herzen: Nicht mehr will ich fortan den Erdboden verfluchen um des Menschen willen; denn das Sinnen des menschlichen Herzens ist böse von seiner Jugend an; und nicht mehr will ich fortan alles Lebende schlagen, wie ich getan habe“.
Wir gehen etwas weiter um den Altar Gottes herum und entdecken in dem Opfer Noahs nach der Flut auf einer gereinigten Erde eine weitere Seite des Opfers des Herrn Jesus. Erstmalig wurde auf einem Altar ein Brandopfer geopfert. Noah wandte dabei besondere Sorgfalt an, indem er von „allem reinen Vieh“ und von „allen reinen Vögeln“ sein Opfer brachte. Es spricht deutlich von dem Herrn Jesus. Ein Brandopfer wird allein Gott geopfert und wir dürfen dabei Gott anbetend sagen, was das Opfer des Herrn Jesus für Ihn bedeutet (vgl. Heb 13,15).
Wie wertvoll das für Gott ist, zeigt seine Antwort: „der Herr roch“, es war ein „lieblicher Geruch“, ein „Duft der Beruhigung“, und es hat Konsequenzen für sein Handeln: „Nicht mehr will ich …“
Es sind besonders wertvolle Zeiten, wenn wir Gott für dieses einzigartige Opfer auf Golgatha Anbetung bringen dürfen. Es ist der Ausdruck des bekehrten Christen, der in Neuheit des Lebens wandelt und nun Gott anbeten möchte. Denn „der Vater sucht solche als seine Anbeter“ (Joh 4,23).
Einen Höhepunkt finden wir in der Opferung Isaaks durch Abraham, die in 1. Mose 22 geschildert und in Hebräer 11,17-19 aufgegriffen wird (bitte nimm dir die Zeit und lies diese Abschnitte in deiner Bibel). Folgende Aspekte wollen wir mitnehmen, die das einzigartige, vollkommene Opfer unseres Herrn Jesus vorschatten:
Dieser inhaltsreiche Abschnitt führt uns zur Anbetung. Welch wunderbarer Ratschluss im Herzen Gottes, der in seinem eigenen geliebten Sohn, unserem Herrn Jesus, zur vollkommenen Ausführung gekommen ist.
Markus Krauss
Angenehm für Gott und teuer
war Dein Opfer, Jesu Christ,
dessen Duft im Leidensfeuer
lieblich aufgestiegen ist.
Oh, wie Du Sein Herz erfreutest,
als Du Dich im Tod Ihm weihtest,
als Dein Opfer vor Ihn kam,
das Er wohlgefällig nahm!
Fußnoten: