
Was uns Menschen wichtig ist, das bestimmt unser Reden (s. Lk 6,45) – und so ist es auch bei Gott. Gleich auf den ersten Blättern der Bibel wird uns in Bildern und Ankündigungen etwas über den Tod des Herrn Jesus mitgeteilt, wodurch wir in das Herz Gottes schauen und Ihn anbeten können. Welch ein Vorrecht ist es, diese Botschaften zu erkennen und zu bewundern! Ungläubige erfassen ihren Wert nicht. Lasst uns daher für diese Illustrationen dankbar sein – und lassen wir sie (neu) zu uns sprechen.
Noch vor dem Sündenfall „beeilt“ Gott sich, uns sein Herz und seinen Ratschluss zu zeigen sowie ein Bild von Christus, seinem Werk und den Ergebnissen seines Werkes zu geben. Er erschuf als Erstes Adam und ließ ihn zunächst allein sein (vgl. 1. Mo 2,18). Umgeben von einer riesigen Menge von Tieren, denen Adam ihre Namen gab, fand Gott keine Hilfe, die ihm entsprach. Erst nach diesem „vergeblichen Suchen“ wurde Eva erschaffen.
War es bei Christus nicht ähnlich? Als ewiger Sohn Gottes umgaben Ihn Myriaden von Engeln, sie waren jedoch nicht in seinem Bild erschaffen worden (s. 1. Mo 1,27) und konnten seine Liebe nicht erwidern. Nachdem Er Mensch geworden war, sprach Er davon, als das Weizenkorn allein zu sein. Erst durch seinen Tod konnte Er viel Frucht (s. Joh 12,24) und viele Söhne zur Herrlichkeit bringen (s. Heb 2,10.16.17). Nur so konnte Er die zerstreuten Kinder Gottes in eins versammeln (s. Joh 11,52). Gott wollte für Christus ein „Gegenüber“, das Ihm entsprach und seine Liebe erwiderte.
Was musste jetzt im Fall Adams geschehen? Konnte Gott denn nicht noch einmal aus Staub einen Menschen bilden und den Odem des Lebens in ihn hauchen, nur dieses Mal eben als Frau? Nein, Gott ging einen anderen Weg, um uns Anschauungsunterricht zu geben. Adam fiel in einen tiefen Schlaf, er entschlief. Dies war jedoch kein Tod, da dieser die Folge der Sünde ist und Sünde zu dieser Zeit noch nicht vom Menschen begangen worden war (vgl. Röm 5,12). Dennoch ist dieser tiefe Schlaf zweifellos ein Bild des Todes (vgl. Ps 13,4, wo das Wort „entschlafen“ auch vorkommt), womit er uns zugleich an die Erniedrigung und die Leiden des Herrn Jesus erinnert, die für Ihn – anders als bei Adam – mit dem Tod in Verbindung standen (s. Heb 2,9).
Damit Eva gebaut werden konnte, musste Adam mit einer Rippe „bezahlen“, doch der Preis für den wahren Adam war unvergleichlich höher: „Du bist geschlachtet worden“ (Off 5,9). Er hat alle Leiden bewusst durchlebt, Er hat sich selbst geopfert (s. Heb 7,27; 9,14) und Er wurde von Gott im Gericht verlassen, um am Ende seine Braut zu bekommen.
Es ist ferner interessant, dass Gott zum Bauen von Eva eine Rippe, also einen Knochen aus der Nähe des Herzens Adams, nahm. Das ist erstens schon ein Hinweis auf die Liebe des Christus, die seinem Herzen entsprang. Dabei übertraf die spätere Wirklichkeit das uns vorgestellte Bild bei Weitem! Christus wurde nicht etwas genommen, sondern Er hat „die Versammlung geliebt und sich selbst für sie hingegeben“ (Eph 5,25). Er tat es freiwillig und Er gab sich vollständig aus Liebe.
Zweitens war Eva dann so sehr wesensgleich mit Adam, dass er sie voller Bewunderung „Männin“ nannte, ihr anhing und ein Fleisch mit ihr wurde. Als Ergebnis des Werkes Christi sind wir Gläubigen ebenfalls so sehr mit Christus verbunden, dass die Versammlung als Leib in Verbindung mit dem Haupt „der Christus“ genannt wird (s. 1. Kor 12,12). Ja, die Versammlung ist „sein Leib, die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt“ (s. Eph 1,23). Welche Innigkeit und welche Höhe der Stellung kommt darin zum Ausdruck – was für ein Vorrecht, was für eine Gnade!
Und drittens sehen wir schon hier im Vorbild, dass diese wesensgleiche Innigkeit und Höhe der Stellung darin begründet ist, dass wir als Leib Christi das gleiche Leben haben wie Christus selbst. Wir leben, weil Er lebt. Und sein Leben ist unser Leben. Deshalb finden wir hier im Vorbild bei Eva auch nicht mehr, dass Gott ihr noch wie bei Adam den Odem des Lebens in die Nase hauchte – Evas Leben entsprach dem Leben Adams. Wie genau und tiefgehend sind schon die ersten Vorbilder im Alten Testament!
Es verging nicht viel Zeit und die ersten Menschen fielen in Sünde, indem sie sich zu ihrem eigenen Schaden auf die Lügen Satans einließen. Als Gott sie zur Rede stellte, schob Adam die Schuld auf Eva und Eva auf die Schlange, „die der Teufel und der Satan ist“ (Off 20,2; s. a. Off 12,9). Das war eine sehr traurige und ernste Situation und Gott handelte dazu passend, gemäß seiner Heiligkeit. Er sprach Gericht aus, zunächst der Schlange, dann der Frau und schließlich dem Mann gegenüber. Doch wie wunderbar: Schon im ersten Gerichtsurteil zeigt sich Gottes Herz voller Gnade, Liebe und Weisheit, indem sein Fluch über die Schlange gleichzeitig eine Verheißung enthielt.
Als Folge des Sündenfalls sollte es zwischen dem Teufel und seinem Samen (s. Joh 8,44) sowie Eva und ihrem Samen Feindschaft geben. Dabei ging es um die Menschheit im Allgemeinen, besonders aber um den einen Nachkommen, wie es Gott später zu Abraham sagte (s. 1. Mo 22,18; Gal 3,16; Mt 1,1). Das schloss in sich ein, dass der Sohn Gottes Mensch werden würde (um sterben zu können). Welch eine Botschaft wird uns hierdurch mitgeteilt!
Als Mensch sollte Er der Sieger über den Teufel werden, denn das Zermalmen des Kopfes deutet den vollständigen Sieg an, der am Kreuz errungen wurde. Der Teufel ist ein besiegter, aber noch nicht beseitigter Feind. Seine Niederlage ist am Kreuz unumkehrbar besiegelt worden, wenngleich das Gericht an ihm noch nicht vollständig vollzogen worden ist.
Dieser Sieg ging für den Herrn Jesus jedoch mit bitteren Leiden des Todes einher („Ferse zermalmen“). Ja, „durch den Tod“ wollte Er „den zunichtemachen, der die Macht des Todes hat“ (Heb 2,14.15); und indem Er „zur Sünde gemacht“ wurde (2. Kor 5,21), konnte die Sünde durch sein Opfer abgeschafft werden (s. Heb 9,26). Das ist wohl der Grund dafür, dass hier zweimal das Wort „zermalmen“ (im Griechischen dasselbe Wort) benutzt wird. So wie David Goliath mit dessen eigener Waffe tötete (vgl. 1. Sam 17,51), so sollte das Handeln der Schlange zwar furchtbar wehtun, aber es würde die Niederlage des Teufels mittels seiner eigenen Waffe bedeuten. Der Tod ist nämlich ein Feind Gottes (vgl. 1. Kor 15,25-27), mit dem der Teufel die Menschen in Schrecken versetzt und die Sünde ist „der Stachel des Todes“ (V. 56). Jetzt aber sagt der Sohn Gottes zu uns: „Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige, und ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und des Hades“ (Off 1,17.18). Und Paulus schreibt, dass Gott in Christus die Sünde im Fleisch verurteilte, d. h., das Urteil darüber vollzog (s. Röm 8,3). Der Tod ist besiegt und die Sünden sind gesühnt, beides hat Christus ein für alle Mal am Kreuz bewirkt.
Dabei war es sein eigenes irdisches Volk, das Ihn nicht angenommen (s. Joh 1,11), sondern verworfen und durch die Hand von Gesetzlosen umgebracht hat (s. Apg 2,23). Somit kann man sagen, dass der Teufel für das Stechen/Zermalmen der Ferse Christi Gottes Volk benutzte. Das wird auch deutlich in 1. Mose 49,7, obwohl die eigentliche Bedeutung dieser Stelle sich noch auf die Zukunft bezieht. Wie bitter war trotz des Sieges für unseren Herrn das damalige Handeln seines irdischen Volkes!
Zusammenfassend können wir festhalten, dass Gott uns von Anfang an, noch vor dem Sündenfall und sogar bei der ersten Gerichtsankündigung, sein Herz voller Liebe zeigt, indem Er uns so viele Einzelheiten seines Ratschlusses und seiner Gedanken über Christus und seinen Tod mitteilt, dass wir nur staunen können. Welch eine Herablassung, für die wir Ihn anbeten wollen!
Damian Korcz

Das Alte Testament ist reich an Bildern, Symbolen und Vorbildern. Sie sind nicht Selbstzweck, sondern – wie Paulus schreibt – „ein Schatten der zukünftigen Dinge“, „der Körper aber ist des Christus“ (Kol 2,17). Sie illustrieren häufig neutestamentliche Wahrheiten, vor allem aber weisen sie auf den Herrn Jesus und sein Werk am Kreuz hin. Nicht nur, dass die Propheten von Ihm zuvor gesprochen und geschrieben haben (s. Lk 24,46; 1. Pet 1,11), gerade die Symbole und Vorbilder enthalten im Blick auf unseren Herrn eine besondere Tiefe. Das macht die Lektüre des Alten Testaments für uns besonders attraktiv.
Unmittelbar nach dem Sündenfall machte Gott „Adam und seiner Frau Kleider aus Fell und bekleidete sie“ (1. Mo 3,21). Auch wenn wir es nicht ausdrücklich lesen, so musste doch ein Tier sterben, damit die beiden bekleidet wurden. Christus ist für uns gestorben, um uns mit Kleidern des Heils zu bekleiden.
Das Passahlamm zeigt dieses Bild ebenfalls. Es musste „ein Lamm ohne Fehl“ sein (2. Mo 12,5). Sein Blut an den Türpfosten war das einzige Schutzmittel: „Und das Blut soll euch zum Zeichen sein … und sehe ich das Blut, so werde ich an euch vorübergehen; und es wird keine Plage zum Verderben unter euch sein“ (2. Mo 12,13). Paulus zieht die Parallele: „Denn auch unser Passah, Christus, ist geschlachtet worden“ (1. Kor 5,7). Wer durch Glauben unter dem Schutz des Blutes steht, ist vor dem Gericht Gottes sicher.
Eine der eindrucksvollsten Szenen der Bibel finden wir in 1. Mose 22. Gott spricht zu Abraham: „Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du lieb hast, den Isaak, und zieh hin in das Land Morija und opfere ihn dort als Brandopfer“ (V. 2). Abraham ist gehorsam, Isaak trägt selbst das Holz für das Opfer (s. V. 6) – ein Hinweis auf Christus, der „sein Kreuz tragend“ hinausging „zu der Stätte, genannt Schädelstätte“ (Joh 19,17).
Isaak fragt: „Wo aber ist das Schaf [o.: Lamm] zum Brandopfer?“ (1. Mo 22,7). Abrahams Antwort weist prophetisch auf Christus hin: „Gott wird sich ersehen das Schaf zum Brandopfer, mein Sohn“ (V. 8). Der Herr musste diese Frage nie stellen. Er wusste es. Die Wirklichkeit geht immer weiter als das Bild. Am Ende greift Gott ein, Isaak wird verschont und ein Widder tritt an seine Stelle. Im Gegensatz dazu greift Gott auf Golgatha nicht ein. Gott hat „seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben“ (Röm 8,32). Das Vorbild wird in Christus zur Wirklichkeit.
Das Opferwesen des Gesetzes zeigt verschiedene Aspekte des Todes Christi. Das Brandopfer war ein Feueropfer lieblichen Geruchs dem Herrn. Es gehörte ganz Ihm. Hier sehen wir Christus, der sich vollkommen Gott geopfert hat (s. Heb 9,14). Am Friedensopfer dagegen hatten sowohl Gott als auch der Mensch teil, ein Hinweis darauf, dass in Christus die Gemeinschaft erlöster Menschen mit Gott und untereinander möglich ist. Grundlage dafür ist, dass Er „Frieden gemacht hat durch das Blut seines Kreuzes“ (Kol 1,20). Das Sündopfer zeigt, dass Christus für uns zur Sünde gemacht wurde (s. 2. Kor 5,21). Das Schuldopfer sollte für die Schuld des Opfernden gebracht werden. Es zeigt, dass Christus „unsere Sünden an seinem Leib auf dem Holz getragen hat“ (1. Pet 2,24). In beiden Fällen legte der Opfernde seine Hand auf das Opfertier – ein Akt der Identifikation. Diese Opfer ergänzen sich und zeigen: Das Kreuz genügt vollkommen – Gott ist verherrlicht, der Sünder gerechtfertigt.
In der Wüste murrte Israel, so dass Gott feurige Schlangen sandte und viel Volk starb (s. 4. Mo 21,6). Doch Gott gab auch ein Heilmittel: „Mache dir eine feurige Schlange und tu sie auf eine Stange … und es geschah, wenn eine Schlange jemand gebissen hatte, und er schaute auf zu der Schlange aus Kupfer, so blieb er am Leben“ (4. Mo 21,8.9). Der Herr Jesus deutet dieses Bild auf sich: „Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöhte, so muss der Sohn des Menschen erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe“ (Joh 3,14.15). Christus, der ohne Sünde war, ging für uns in den Tod. Wer im Glauben zu Ihm aufschaut, empfängt Leben. Sein Tod ist unser Leben.
Jesaja 53 ist wohl die tiefste „Vorschattung“ des Kreuzes im Alten Testament. Es zeigt uns den leidenden Knecht Gottes, der von Gott und Menschen verlassen war. Die Strafe zu unserem Frieden lag auf Ihm, als Er unsere Sünden trug. Selbst dieses Kapitel – eine direkte Voraussage – enthält ein Bild und zeigt seine Perfektion: „Er wurde misshandelt, aber er beugte sich und tat seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm, das zur Schlachtung geführt wird, und wie ein Schaf, das stumm ist vor seinen Scherern; und er tat seinen Mund nicht auf“ (Jes 53,7). Christus hat gelitten, aber Er nahm das Leiden willig aus der Hand Gottes. Er hätte sich wehren und retten können, aber Er tat es nicht.
Es gibt eine Reihe von Gottesmännern, die in ihrem Leben vorbildhaft auf Christus hinweisen (wie z. B. Isaak). Was Joseph, Mose und David miteinander verbindet, ist die Tatsache, dass alle drei durch Leiden zur Herrlichkeit kamen. Sie wurden von ihren Brüdern abgelehnt und am Ende zu einem Segen für das Volk. Das ist ein Hinweis auf den leidenden Christus, für den dies in einem ungleich höheren Maße zutrifft. „Er kam in das Seine, und die Seinen nahmen ihn nicht an“ (Joh 1,11). Gott hat Ihn nach vollbrachtem Werk „sowohl zum Herrn als auch zum Christus gemacht“ (Apg 2,36). Bei Joseph ist es so, dass er seine Brüder vor dem Hungertod rettet und zum Retter der ganzen damaligen Welt wird. Mose ist ein Hinweis auf den Herrn Jesus, der sein Volk aus der Knechtschaft rettet und der dann ihr Führer wird. David rettet sein Volk vor den Feinden und wird sein König.
Alle diese Bilder haben ein Ziel: Sie machen Christus groß. Er ist das wahre Lamm, das vollkommene Opfer, die kupferne Schlange, der leidende Knecht, der verworfene und erhöhte Retter. Wenn wir diese Bildersprache sehen, verstehen wir, wie umfassend und weitreichend das Werk am Kreuz ist und wie groß der ist, der es vollbracht hat. Kein einzelnes Bild reicht aus, doch alle zusammen eröffnen uns ein gewaltiges Panorama. Sie führen uns zur Anbetung: „Würdig ist das Lamm, das geschlachtet worden ist, zu empfangen die Macht und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Herrlichkeit und Segnung“ (Off 5,12).
Das Alte Testament ist voller Hinweise auf die Person und auf den Tod des Herrn Jesus. In Opfern, Symbolen, prophetischen Worten und Lebensbildern zeichnet Gott eine Vorschau auf Golgatha. Wer diese Bilder betrachtet, wird das Kreuz tiefer verstehen – und die Person des Herrn umso mehr lieben.
Ernst-August Bremicker
Alle Bilder, die für den Herrn Jesus und seinen Tod am Kreuz von Golgatha gebraucht werden, haben ein Ziel:
Sie machen Christus groß!