
„Und Barsillai, der Gileaditer, kam von Rogelim herab und ging mit dem König über den Jordan … Barsillai war aber sehr alt, ein Mann von achtzig Jahren; und er hatte den König versorgt, als er in Machanaim weilte, denn er war ein sehr reicher Mann. Und der König sprach zu Barsillai: Geh du mit mir hinüber, und ich will dich bei mir in Jerusalem versorgen. Und Barsillai sprach zum König: Wie viele sind noch die Tage meiner Lebensjahre …? Ich bin heute achtzig Jahre alt … Und warum sollte dein Knecht meinem Herrn, dem König, noch zur Last sein? … Und der König sprach: … und alles, was du von mir begehren wirst, will ich für dich tun … Und der König küsste Barsillai und segnete ihn“ (2. Sam 19,32-40).
Ältere Menschen fühlen sich oft
auf ein Abstellgleis gestellt. Sie
meinen, dass es keine Aufgaben mehr für sie gäbe. Aber kann man zu alt sein, um von Gott gesegnet zu werden und für andere ein Segen zu sein? Sicher nicht – denn Gott möchte die Alten und die Jungen segnen und sie zu seinem Lob und zum Segen für andere gebrauchen.
Barsillai, der Gileaditer, ist darin ein schönes Vorbild. Er war schon sehr alt – achtzig Jahre. Die Beschwerden und Einschränkungen des Alters empfand auch er: „Ich bin heute achtzig Jahre alt; kann ich Gutes und Schlechtes unterscheiden? Oder kann dein Knecht schmecken, was ich esse und was ich trinke? Oder kann ich noch auf die Stimme der Sänger und der Sängerinnen horchen?“ (V. 36).
Aber – „der Freund liebt zu aller Zeit, und als Bruder für die Bedrängnis wird er geboren“ (Spr 17,17). David war in großer Bedrängnis und es war ihm so schwer ums Herz. Mit nur einigen wenigen Getreuen war er in der Wüste – hungrig, erschöpft und durstig. Und so machte sich Barsillai auf, um seinen Freund David mit „Betten und Becken und Töpfergefäßen und Weizen und Gerste und Mehl“ und anderen nützlichen Dingen zu versorgen (s. 2. Sam 17,28), als dieser vor seinem Sohn Absalom ins Exil flüchten musste.
König David ist in diesen Umständen ein Vorbild auf den Herrn Jesus, der sich „mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt“ zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt hat und dessen Füßen Gott alles unterworfen hat (s. Heb 2,7.8). Doch die Zeit seiner sichtbaren Herrschaft auf Erden im Friedensreich ist noch nicht gekommen. Er ist noch der von Menschen Verworfene: „… jetzt aber sehen wir ihm noch nicht alles unterworfen“ (Heb 2,8). Deshalb ist es eine Freude für sein Herz, wenn Er solche findet, die Ihn in dieser Zeit ehren und für die Seinen zum Segen sein möchten.
Und ganz praktisch verstehen wir, dass es eine große Ermutigung für David war, dass er diese Unterstützung erleben durfte. Auch heute ist es eine Freude für jeden, der in Not ist, wenn er Unterstützung erfährt und weiß, dass für ihn gebetet wird. Und auch der Herr Jesus freut sich, wenn wir so füreinander da sind.
Das Beten und das Flehen für jede Not um uns her,
sag’, ist das keine Arbeit, sag’,
ist dir das zu schwer?
Barsillai, ein sehr reicher Mann, dachte nicht an sich. Er kam nicht, um etwas von David zu empfangen, sondern um ihm etwas zu bringen. Und Er brachte außer Nahrungsmitteln vor allem Betten. David und sein Volk sollten sich ausruhen können vor dem Kampf.
Betten sprechen von „Ruhe finden“. Es sollte unser Wunsch sein, dass der Herr Jesus, in einer Welt, in der Er verworfen ist, einen „Platz der Ruhe“ persönlich in unseren Herzen findet. Er möchte gerne „durch den Glauben in unseren Herzen wohnen“ (s. Eph 3,17). Wenn wir Ihm unsere Liebe zeigen, indem wir sein Wort halten, seine Rechte als Herr anerkennen und den Wunsch haben, das zu tun, was Ihm wohlgefällt, will Er zu uns kommen, um „Wohnung bei uns zu machen“ (s. Joh 14,23). Das dürfen wir für uns selbst erleben und das darf ein wichtiger Gebetsinhalt in der Fürbitte für andere sein! Ein Gebet, das wir besonders dann, wenn wir schon älter geworden sind, für uns und andere vor Gott bringen dürfen!
David erfährt die Rettung des Herrn. Seine Erfahrungen mit Gott werden uns in Psalm 3 geschildert: „Du aber, Herr, bist ein Schild um mich her, meine Herrlichkeit und der, der mein Haupt emporhebt … von dem Herrn ist die Rettung“ (V. 4.9). David vertraut auf den Herrn, bevor die Rettung da ist. Deshalb kann er sich niederlegen und schlafen trotz der vielen Verfolger. Und er erlebt, dass die Gerechtigkeit siegt – Absalom fällt im Kampf.
David hat nicht vergessen, was der betagte Barsillai für ihn und seine Getreuen in Zeiten der Not getan hat, wie er ihn versorgt hat, als er in Machanaim weilte. Er möchte so gern dem ergrauten Freund seine Wohltaten vergelten. Er lädt ihn zu sich in den Palast des Königs ein: „Geh du mit mir hinüber, und ich will dich bei mir in Jerusalem versorgen“ (2. Sam 19,34).
Dieses Angebot der Liebe Gottes gilt dir heute ganz persönlich: Der Herr Jesus will Gemeinschaft mit dir haben und fordert dich freundlich auf: Geh mit mir und bleib bei mir! Ich will dich versorgen, gerade im Alter, wo du mich so nötig hast! Dann, wenn die frühere Kraft immer mehr schwindet und du bang und sorgenvoll in die Zukunft schaust.
Wenn Er für uns sorgen will, sind dann unsere Sorgen nicht überflüssig? Wir lesen in 1. Petrus 5,7: Werft „all eure Sorge auf ihn“, „denn er ist besorgt für euch“. Auf Ihn werfen, dem so viel an dir liegt und dem „alle Gewalt gegeben [ist] im Himmel und auf der Erde“ (Mt 28,18).
David versichert Barsillai: „… und alles, was du von mir begehren wirst, will ich für dich tun.“ „Bittet, und es wird euch gegeben werden“, fordert uns der Herr Jesus in Lukas 11,9 auf. Er stellt uns damit gewissermaßen einen Blankoscheck aus. Lösen wir ihn doch ein!
Nehmen wir Ihn beim Wort und legen wir Ihm in allen Lebenslagen, zu jeder Zeit alle unsere Anliegen vor. Wir ehren den Herrn dadurch, dass wir Ihm die Erhörung unserer Gebete zutrauen. „Ihr habt nichts, weil ihr nicht bittet“ (Jak 4,2), ist eine Erklärung für unsere oft mangelnden Erfahrungen mit dem Herrn. Stellen wir uns das Bild vor: Der König küsst Barsillai und segnet ihn … und sein Segen gilt auch dessen Söhnen (s. 1. Kön 2,7). Welch eine Ehre für den betagten Mann.
Die segnenden Hände des verherrlichten Herrn im Himmel sind über dir ausgebreitet – und Er lebt allezeit, um sich für dich zu verwenden (s. Heb 7,25).
Deshalb fasse Mut in der Nachfolge eines solchen Herrn!
Friedhelm Müller
Es ist ganz gleich, ob man achtzig oder zehn,
man darf in den Spuren seines Heilandes geh’n.
Manche meinen, mit achtzig sei das Leben vorbei,
doch lebt man mit Gott, ist das Alter einerlei.
Er segnet, Er trägt, Er gebraucht seine Leute
mit zehn oder dreißig oder achtzig auch heute.

Ein betagter Christ war viele Jahre seines Lebens neben Beruf und Familie den Gläubigen Stütze und Halt gewesen. Als ein Hirte unter der Herde Gottes hatte er im Segen gewirkt. Wie oft hatte er die Geliebten des Herrn aufgesucht mit einer „Botschaft des Evangeliums des Friedens“ − mit einem Wort der Ermutigung und des Trostes. Der Herr hatte ihn benutzt, das Wort Gottes recht zu teilen – „öffentlich und in den Häusern“ (Apg 20,20).
Im Lauf der Jahre hatte nun die Schaffenskraft nachgelassen. So manche liebgewordene Aufgabe musste abgegeben werden. Das eine oder andere galt es loszulassen. Die Kräfte reichten einfach nicht mehr. Oft war das für ihn mit einer gewissen Wehmut verbunden.
Oder eine nun gebrechlich gewordene Schwester im Herrn: Ihre Hände ruhen im Schoß … Wie ausgefüllt war ihr Leben gewesen, wie viel Gutes tat sie zum Wohl ihrer Umgebung. Sie hatte ein Zeugnis in guten Werken, ihr Heim war für andere geöffnet. Bedrängten hatte sie Hilfe geleistet – vielleicht auch Kinder in der Furcht des Herrn auferzogen … Und jetzt ist sie selbst auf die Hilfe anderer angewiesen.
Im Alter „Ja“ zu sagen zu Gottes Führungen, sich zu demütigen unter die mächtige Hand Gottes – das sind Lektionen, die gelernt sein wollen … Aber nur so finden wir Ruhe für unsere Seele (s. Mt 11, 26.29; 1. Pet 5,6).
Wir blenden in das Leben Davids, des alt gewordenen Königs von Israel:
David steht am Ende seiner 40-jährigen Regierungszeit über Gottes Volk. Höhen und Tiefen haben sein Leben in reichem Maß gekennzeichnet. Der Zeitpunkt ist gekommen, wo andere feststellen und er es selbst schmerzlich zur Kenntnis nehmen muss:
Meine körperlichen Kräfte lassen nach, denn„David war ermattet …“(2. Sam 21,15b).
Die Philister lagen wieder im Streit mit Israel und König David hatte noch einmal an der Spitze seines Heeres stehend, mit den Feinden des Volkes Gottes im Kampf gestanden.
Wir lesen in 2. Samuel 21,16.17:
„Und Jischbi-Benob, der von den Söhnen Raphas (d. h. der Riesen) war, … wollte David erschlagen. Aber Abisai, der Sohn der Zeruja,kam ihm zu Hilfeund schlug den Philister und tötete ihn. Damals schworen die Männer Davids ihm und sprachen: Du sollst nicht mehr mit uns ausziehen in den Kampf …“.
So lautet der Ratschlag treuer Männer. Das würde für David das Ende als Kämpfer Israels bedeuten.
Und seine Reaktion? Lehnt er sich gegen den gut gemeinten Ratschlag seiner Getreuen auf? War er zutiefst deprimiert und fiel in ein Loch? Nein – wir hören nichts dergleichen.
David ist weise – er lässt sich etwas sagen. Er lernt die Lektion: Es geht auch ohne mich!
In 2. Samuel 21,15-22 ist von insgesamt vier Siegen über die Philister, die Feinde Israels, die Rede. Gott schenkt Israel den Sieg – in drei Fällen auch ohne den König.
Gott hat von allem Kenntnis genommen – und wie schön: Er ehrt den alten König David, den Mann nach seinem Herzen. Denn bemerkenswerterweise wird am Ende der Berichterstattung immer noch Davids Name zuerst genannt: „… und sie fielen durch die Hand Davids und durch die Hand seiner Knechte“ (V. 22).
Gott ist es wohlgefällig, wenn auch wir die Person des Greisen ehren (s. 3. Mo 19,32), auch wenn sie in den Hintergrund getreten sind.
Im Alter körperlich ermattet zu sein, bedeutet aber nicht unbedingt, dass auch die geistliche Kraft abnimmt. Im Gegenteil: „Wenn auch unser äußerer Mensch verfällt, so wird doch unser innerer Tag für Tag erneuert“, stellt der Apostel Paulus fest (2. Kor 4,16).
Da ist eine Schwester durch ihre körperliche Schwäche an das Bett gefesselt. Es ist einsam um sie geworden. Aber − sie benutzt die stillen Stunden zu treuem, anhaltendem Gebet. Jeden, der zu ihr kommt, überrascht sie durch ihr heiteres Wesen und den tiefen Frieden, den sie ausstrahlt. Einem Besucher gegenüber bemerkt sie: „Heute habe ich meinen Rundgang gemacht.“ Der ist überrascht und fragt verwundert, wie er das verstehen soll
„Meinen Gebetsrundgang“, erwidert sie lächelnd, „mache ich oft … Als erstes schenkt mir der Herr die Gnade, für meine Kinder zu beten. Dann fand ich die Aufforderung in Gottes Wort, Fürbitte zu tun für alle Heiligen. So bete ich für die Diener des Herrn in der Nähe und Ferne. Ich bitte Gott, sie zu behüten, zu stärken und zu segnen und ihnen die Gnade zu schenken, das Evangelium und die Lehre des Wortes mit Freimütigkeit zu verkündigen. Dann gedenke ich der vielen Kranken und der Trauernden. Nicht zuletzt bitte ich für Väter und Mütter in den Familien um Kraft und Weisheit für die Versorgung und Erziehung ihrer Kinder.“
Diese Schwester ist inzwischen heimgegangen in die Ruhe ihres Herrn, ins Paradies, aber ihre Gebete waren wirksam: Die Versammlungen der Gläubigen, mit denen sie verbunden war, wurden besonders gesegnet. So war ihre „Arbeit“ in der Stille nicht umsonst.
Vielleicht fragst du dich, was du wohl noch für den Herrn tun kannst – wie du dich noch nützlich machen kannst? Mach doch jeden Tag deinen „Rundgang“, wie der Herr es dir aufs Herz legt. Dann werden Stunden der Einsamkeit von seinem Segen begleitet sein – der Friede Gottes wird dein Herz bewahren.
Auch bei dem alternden David bewirkt die Gnade Gottes ein inneres Aufleben.
Steht er auch nicht mehr als Heerführer an der Spitze seiner Männer, so hat doch dieser „hochgestellte Mann“, „der Liebliche in den Gesängen Israels“, Gemeinschaft mit seinem Herrn, hat Anlass zur Dankbarkeit und Zufriedenheit.
Der Geist des Herrn leitet David – Sein Wort ist auf seiner Zunge.
Denn nun –wo es um David still geworden ist – „an dem Tag, als der Herr ihn errettet hatte aus der Hand aller seiner Feinde …“ (2. Sam 22,1), wendet er sich an seinen Gott mit Worten eines Liedes:
„Der Herr lebt, und gepriesen sei mein Fels! Und erhoben werde der Gott, der Fels meines Heils!“
In Davids Seele wird es hell – für trübe Gedanken ist kein Raum mehr.
Denn „Danken schützt vor Wanken – Loben zieht nach oben!“
Seine weiteren Worte beinhalten Dank für wertvolle Erfahrungen mit dem Herrn. Sie haben zu unserer Glaubensstärkung Eingang in das Wort Gottes gefunden (s. 2. Sam 22):
Auch wenn sich momentan Schwierigkeiten vor dir auftürmen – tiefe Schatten auf deinen Weg fallen – brauchst du nicht zu verzagen! Denn mit IHM, deinem Gott, kannst auch du Probleme, die sich möglichweise wie eine hohe Mauer vor dir auftürmen, überwinden.
Selbst wenn du keinen Ausweg siehst – Er ist niemals ohne einen Ausweg (s. 2. Kor 4,8).
Er lenkt vollkommen – auch deinen Weg!
Trotz tiefer Schatten – dennoch Licht! Denn über allem steht der treue Herr, dessen vollkommene Liebe und Gnade sich niemals verändern und der selbst im Meer einen Weg hat und Pfade in großen Wassern – auch für dich (s. 1. Joh 4,18; Ps 77,20).
Friedhelm Müller