
„Andere aber wurden gefoltert, da sie die Befreiung nicht annahmen, damit sie eine bessere Auferstehung erlangten. Andere aber wurden durch Verhöhnung und Geißelung versucht und dazu durch Fesseln und Gefängnis. Sie wurden gesteinigt, zersägt, versucht, starben durch den Tod des Schwertes, gingen umher in Schafpelzen, in Ziegenfellen, hatten Mangel, Drangsal, Ungemach; sie, deren die Welt nicht wert war, irrten umher in Wüsten und Gebirgen und Höhlen und den Klüften der Erde.“
Wenn es in Hebräer 11 auch um die Glaubenshelden des Alten Testaments geht, so traf und trifft diese Bibelstelle doch auch auf manche Christen zu, die Ähnliches durchgemacht haben um ihres Glaubens willen und die darin standhaft geblieben sind. Gerade dazu soll Hebräer 11 ja ein Ansporn sein.
Ein beeindruckendes Beispiel dafür sehen wir in der Hugenotten-Familie Durand, die trotz großer Widerstände fest bei ihrem Herzensentschluss geblieben ist.
Frankreich im 18. Jahrhundert: Es herrscht der Sonnenkönig Ludwig XIV., der heute noch durch das prunkvolle Schloss von Versailles bekannt ist. Unter seiner Regentschaft wurde die Religionsfreiheit aufgehoben und es begann eine erneute Verfolgung der Hugenotten. Die Hugenotten waren französische Protestanten, die sich der Reformation angeschlossen hatten. Sie wurden gezwungen, zum Katholizismus überzutreten oder zu fliehen.
Le Bouchet-de-Pranles, ein kleines Bauerndorf in den südfranzösischen Bergen: Hier leben der gläubige Etienne Durand und seine Frau Claudine Durand, geborene Gamonet. Auch sie sind Hugenotten. Sie haben zwei Kinder: Pierre Durand (1700) und Marie Durand (1711). Die Eltern wagen es, ihre neugeborenen Kinder der Taufe durch einen katholischen Priester zu entziehen. Deshalb findet man auch keinen Eintrag über sie im Kirchenregister.
Versammlungen von Gläubigen können nur in geheimen Verstecken durchgeführt werden. Auch im Haus der Familie Durand finden in dieser Zeit immer wieder heimlich Gottesdienste statt. Pierre interessiert sich schon sehr früh für das Wort Gottes und übergibt sein Leben dem Herrn. Bereits mit 19 Jahren beginnt er, in der „Untergrundkirche“ zu predigen. Bei einer dieser Versammlungen ist allerdings ein Verräter anwesend, der den Behörden den Ort anzeigt. Pierre Durand und sein Freund Pierre Rouvier können gerade noch entkommen und in die Schweiz flüchten. Dort haben sie die Zeit und die Freiheit, das Wort Gottes intensiver zu erforschen. Währenddessen kommt es in Frankreich zu immer mehr Festnahmen. Bei einer der heimlichen Versammlungen wird die Mutter, Claudine Durand, verhaftet; sie stirbt im Jahr 1719 in der Festung in Montpellier. Das ihr gehörende Haus wird zerstört.
Pierre hält es unterdessen nicht länger in der Schweiz. Er hat Heimweh nach seiner Familie, seinem Heimatdorf und den Glaubensgeschwistern. Daher kehrt er in seine Heimat zurück, darf seine Familie und die Mitgeschwister aber nicht durch sein Erscheinen gefährden und muss sich deshalb versteckt halten. Trotz aller Gefahren versammeln sich die Gläubigen weiterhin und erleben sogar eine Erweckung. Pierre ist ein unermüdlicher Kämpfer für die Wahrheit mit einer großen Liebe zu Gott und den Seinen. 1724 verlobt er sich mit Anne Rouvier, der Schwester seines auf die Galeeren (Ruderschiffe) verbannten Freundes Pierre. 1727 werden die beiden getraut.
Marie ist in diesen bewegten Zeiten inzwischen älter geworden. Im Herbst 1728 marschieren erneut Soldaten heran. Der Vater Etienne flüchtet in ein in der Nähe gelegenes Schloss. Seine Tochter, die nun 17 Jahre alt ist, vertraut er der Fürsorge von Nachbarn an. Die Soldaten nehmen die Bibel, christliche Schriften und das Tagebuch des Vaters mit. Einige Wochen später wird Etienne entdeckt und in das Gefängnis in Valence eingeliefert, wo er mehr als 14 Jahre verbringen wird.
Anne, Pierres Frau, wohnt zunächst bei ihrer Mutter. Sie fühlt sich dort jedoch nicht mehr sicher und gibt ihre Heimat auf, um von nun an in Einöden und Schluchten, in nächtlichen Verstecken und auf einsamen Wegen ein Leben in der „Wüste“ zu führen. Ihr erstes Kind wird geboren, die kleine Jeanne überlebt jedoch die Strapazen der ständigen Flucht nicht und stirbt.
Im Juli 1730 wird Marie in ihrem Haus verhaftet und nach Aigues-Mortes/Camargue in den berüchtigten „Turm der Standhaftigkeit“ (Tour de Constance) gebracht. Mindestens 28 Frauen bevölkern das dunkle, feuchte Gefängnis, durch dessen Öffnungen Nebel, Kälte, Wind und Sonnenglut eindringen und die Gefangenen quälen. Trotz der extremen Bedingungen und des Drucks, ihrem Glauben abzuschwören, bleibt sie standhaft. Ihre Entschlossenheit wird symbolisiert durch das Wort „Résistez!“ („Widersteht!“), das sie angeblich in den Stein des Gefängnisses eingraviert haben soll. Während ihrer Haftzeit ermutigt sie andere inhaftierte Frauen, ihren Glauben nicht zu verleugnen. Ihre Korrespondenz mit der Außenwelt und ihre Rolle als moralische Führerin machen sie zu einer Figur des Widerstands der Gläubigen und des Ausharrens. Der Turm der Constance in Aigues-Mortes ist heute ein Ort des Gedenkens an ihre Leiden und die vieler anderer Hugenotten.
Wie leicht hätte sie die Freiheit erwirken können! Sie hätte „nur“ abschwören und in den Schoß der katholischen Kirche zurückkehren müssen. Doch das wollte sie nicht – nein, um keinen Preis wollte sie die Wahrheit verleugnen.
Pierre ist in den Augen der staatlichen und kirchlichen Behörden ein gefährlicher Aufwiegler, auf dessen Ergreifung eine hohe Geldsumme ausgesetzt ist. In einer kalten Februarnacht des Jahres 1732 fällt er seinen Feinden durch Verrat in die Hände. Er muss sich verschiedenen Verhören unterziehen und bekennt sich dabei als Gläubiger, der Gott mehr gehorchen muss als Menschen. In einem Abschiedsbrief an seine Freunde heißt es: „Mein Lauf wird bald beendet sein. Wenn Gott mir beisteht, werde ich in aller Kürze das Evangelium besiegeln, das ich gepredigt habe. Ich bitte Euch, den Herrn für mich zu bitten, dass Er mich in allen meinen Prüfungen stärkt!“
In der Stadt Montpellier, die nicht weit von dem Turm der Constance entfernt liegt, verbringt Pierre seine letzten Tage in einem unterirdischen Gefängnis. In seiner einsamen und finsteren Zelle bleibt er nicht von Versuchung und Schwäche verschont. Bald ist er jedoch wieder fest und ungebeugt und bleibt es bis zuletzt. Pierre wird schließlich zum Tod am Galgen verurteilt. Als ihm das Todesurteil überbracht wird, hebt er seine Augen zum Himmel auf und ruft mit gefalteten Händen: „Gelobt sei Gott! Dies ist der Tag, der allen meinen Leiden ein Ende bereitet, der Tag, an dem mich der große Gott mit seinen köstlichsten Gnaden überschütten und mir das ewige Glück geben wird.“
In der Stunde der Hinrichtung drängt sich eine große Menge auf dem Marktplatz. In lautem Trommelwirbel sollen die letzten Worte von Pierre Durand untergehen. Aber das Zeugnis des Sterbenden kann nicht verhindert werden. Er singt den Psalm vom guten Hirten und erfleht Gottes Barmherzigkeit für sich. Unerschrocken besteigt er dann die Leiter zum Galgen und gibt dem Henker selbst das Zeichen.
Der Tod des Märtyrers entflammt viele zu neuem Eifer, den Herrn zu bekennen. Junge Männer treten in seine Fußstapfen und sind bereit, ihr Leben zu opfern. Pierre hat durch das kraftvolle Zeugnis seines Märtyrertodes seinen Herrn verherrlicht. Seiner Schwester Marie war das andere Los auferlegt, ihr Glaube musste sich in langer, beschwerlicher Gefangenschaft bewähren. Pierres Frau flieht nach dem Tod ihres Mannes mit den Kindern in die Schweiz, wo nur eine Tochter überlebt.
„RESISTEZ!“ Immer wieder ruft Marie Durand dies sich selbst und den anderen Frauen zu! Und sie widersteht, wenn Versuchungen und Anfechtungen kommen, wenn Krankheiten und Seuchen den Gefangenen zu schaffen machen und manche dahinraffen, wenn die Luft in dem engen Verlies unerträglich wird, wenn sich die Hoffnung auf eine baldige Begnadigung wieder einmal zerschlägt.
Bis zu 38 Frauen sitzen zeitweise in diesem Turmgefängnis ein, die meisten, weil sie Christen sind. Dort müssen sie auf den Tag warten, an dem sie sterben – oder sich von ihrem Glauben lossagen. Als 19-Jährige kommt Marie Durand dort an, und nach einigen Jahren versteht sie, dass ihre Mission darin besteht, den Frauen zu helfen, die dort in diesem Gefängnis sind. So kümmert sie sich Jahr für Jahr um die Frauen, die oft an Rheuma leiden und verzweifelt und schwach sind. Marie widmet sich ganz dieser Arbeit und harrt 38 Jahre in diesem Turm aus. Sie und die anderen eingesperrten Frauen ertragen die härtesten und unhygienischsten Bedingungen, die man sich vorstellen kann. Marie überlebt fast alle Frauen dort.
Sie lässt sich nicht von den Umständen brechen. Sie ist es, die in Gebet und Gesang die anderen anführt. Das Mittel, mit dem sie diese Aufgabe bewältigt, ist ihr unerschütterlicher und unnachgiebiger Glaube an Gott. Es ist gleichzeitig auch das einzige wirksame Werkzeug, das ihr zur Verfügung steht. Das gleiche Mittel steht uns zur Verfügung. Mögen wir uns nicht scheuen und uns nicht schämen, es zu benutzen.
Es gibt eine Gefangenenakte von Marie Durand. Darin steht eine kurze Bemerkung: „Glaubensstand unverändert!“ Was für ein Zeugnis ihrer Treue und Standhaftigkeit!
Trotz des Märtyrertodes von Pierre Durand bleiben die Familienangehörigen für viele weitere Jahre in Haft. Der Vater Etienne wird vierzehn Jahre später im Alter von 86 Jahren freigelassen. Die Schwiegermutter von Pierre Durand stirbt nach vierundzwanzig Jahren Haft im Gefängnis. Neben der Sorge um das Wohlergehen ihrer Mitgefangenen kümmert sich Marie Durand vom Gefängnis aus stets auch intensiv um die Tochter ihres hingerichteten Bruders. Diese lebt seit der Flucht mit ihrer Mutter in der Schweiz, ist jedoch nach deren Tod und dem Tod ihrer Geschwister ganz ohne familiäre Bezugspersonen.
Marie wird erst 1768 im Alter von 56 Jahren als körperlich gebrochene Frau wieder freigelassen. Sie kehrt nach Le Bouchet-de-Pranles zurück. Eine frühere Mitgefangene gesellt sich zu ihr. Es ist ein einfaches, fast erbärmliches Leben, das die beiden führen. Sie versorgen ein paar Ziegen, bebauen einen kleinen Garten und bereiten karge Mahlzeiten zu. Die Kraft des Gebets durchstrahlt ihren schlichten Alltag. Acht Jahre lebt Marie noch in der wiedergeschenkten Freiheit. Im Juli 1776 ruft der Herr sie heim. Der Tod öffnet ihr das Tor in jenes Land, in dem nie mehr menschliche Ungerechtigkeit und Grausamkeit, nie mehr Leiden und Schrecken sein werden. Ihre letzten Worte sollen gewesen sein: „Die Krone des Lebens.“ Ja, diese Krone wird sie empfangen, denn sie bewährte sich in der Prüfung und war auch bereit, für ihren Herrn zu sterben (vgl. Jak 1,12; Off 2,10).
recherchiert und zusammengestellt von
Andreas Kringe
Werft nun eure Zuversicht nicht weg, die eine große Belohnung hat. Denn ihr habt Ausharren nötig, damit ihr, nachdem ihr den Willen Gottes getan habt, die Verheißung davontragt. Denn noch eine ganz kleine Zeit, und „der Kommende wird kommen und nicht ausbleiben“.
Quellen:
Pagel, Arno: Marie Durand. Brunnen Verlag, Gießen. 1987.
Ronner, Emil Ernst : Marie Durand. Brockhaus Verlag, Wuppertal. 1976.
Fabre, André: Pierre Durand, pasteur du désert, martyr (1700-1732), Neuilly, éditions La Cause. 1930.
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Es ist wichtig, einen Herzensentschluss im Bereich der Familie und im Blick auf das Zusammenkommen als Versammlung zu haben. Doch die Voraussetzung ist ein Herzensentschluss im persönlichen Leben. Das zeigen uns die vier Personen in diesem Artikel, die jeweils einen persönlichen Herzensentschluss gefasst haben. Ihr Beispiel ist lehrreich für unser Leben.
Der Prophet Micha lebte in schwierigen Zeiten. Der Großteil des Volkes hatte sich von Gott und seinen Gedanken abgewandt. Doch Micha hatte einen persönlichen Herzensentschluss gefasst: „Ich aber will ausschauen nach dem Herrn, will harren auf den Gott meines Heils; mein Gott wird mich erhören“ (Mich 7,7). Er ließ sich von den katastrophalen Zuständen nicht entmutigen, sondern vertraute auf Gott. Ähnlich war es bei Habakuk. Trotz der Gewalt und Mühsal, die er um sich her entdeckte, sagte er: „Ich aber, ich will in dem Herrn frohlocken, will jubeln in dem Gott meines Heils“ (Hab 3,18).
Eltern reagieren aufgrund ihrer Erfahrungen mit den Kindern oft allergisch auf die Worte „ich“, „aber“ und „will“. Für einen persönlichen Herzensentschluss in bösen Zeiten sind sie jedoch – in ihrer positiven Bedeutung – unerlässlich.
Bei beiden Propheten gab es mindestens zwei große Gefahren:
Aber Micha und Habakuk hatten sich fest entschlossen, Gott zu vertrauen und sich an Ihm zu freuen.
Wir sehen: Es ist zu jeder Zeit möglich, mit Herzensentschluss bei dem Herrn zu verharren. Es mag böse und schwierige Zeiten geben, die mit besonderen Gefahren verbunden sind. Wenn wir aber auf Christus ausgerichtet sind, können wir bei Ihm verharren.
Auch im Neuen Testament finden wir dazu ein vorbildliches Beispiel: Der Apostel Paulus lässt uns an manchen Stellen einen Blick in sein Herz und auf seine Herzensentschlüsse werfen. In Galater 2,20 schreibt er: „Was ich aber jetzt lebe im Fleisch, lebe ich durch Glauben, durch den an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat.“ Drei Punkte wollen wir auf unser Thema anwenden:
Wir sehen: Ein persönlicher Herzensentschluss ist eine Antwort auf das Werk Christi von Golgatha. Dabei geht es zunächst um die grundlegenden Dinge in unserem Glaubensleben: durch Gebet und Lesen des Wortes Gottes den Herrn Jesus besser kennenzulernen. Und dann bewusst mit Ihm zu leben – an jedem Tag neu.
Das letzte Beispiel, das wir uns ansehen möchten, ist zugleich das größte und vollkommene Vorbild. Die ersten Worte, die wir von dem Herrn Jesus nach seiner Geburt lesen, zeigen den Herzensentschluss, den Er hatte: „Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meines Vaters ist?“ (Lk 2,49). Die oberste Priorität im Herzen des Herrn Jesus war seine Beziehung zu seinem Vater. Und diese Beziehung lebte Er vollkommen aus. Sein Entschluss war für Ihn nicht ein „Kann“ oder „Sollte“, sondern ein absolutes „Muss“. „Mein Vater“ – das ist ein Teil der ersten und der letzten Worte, die wir von dem Herrn Jesus im Lukasevangelium lesen (s. Lk 2,49; 24,49). Er hat tatsächlich bei seinem Vater verharrt.
Gerade am Beispiel des Herrn Jesus wird auch deutlich, wie glücklich und segensreich ein Leben ist, bei dem ein persönlicher Herzensentschluss Tag für Tag verwirklicht wird.
Der Herr Jesus ist tatsächlich das vollkommene Vorbild und zugleich die größte Hilfe, um Ihm auch in diesem Punkt nachzufolgen.
Wir sehen: Im persönlichen Leben mit Herzensentschluss bei dem Herrn zu verharren, ist eine große Verantwortung. Aber es führt auch zu einem glücklichen, kraftvollen und segensreichen Leben.
Und das wünschen wir uns doch alle! Gerade die Beschäftigung mit dem Herrn Jesus wird uns helfen, mit Herzensentschluss bei Ihm zu verharren.
Mario Wolff
Ich aber will ausschauen nach dem Herrn, will harren auf den Gott meines Heils.
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In diesem Sonderheft geht es um das Thema: Herzensentschlüsse
Der weise König Salomo macht in Sprüche 4,23 klar, dass unser Herz der Ausgangspunkt aller Lebensäußerungen ist:
Behüte dein Herz mehr als alles, was zu bewahren ist; denn von ihm aus sind die Ausgänge des Lebens.
Dabei geht es nicht um das Organ des Menschen, sondern um das Herz als Entscheidungszentrale.
Natürlich liegen unseren Entscheidungen in der Regel auch gedankliche Abwägungen und Überlegungen zugrunde. Unser Herz mit unseren Zuneigungen, Vorlieben und Wünschen hat aber maßgeblichen Einfluss darauf, wie wir letztendlich entscheiden. Und genau deswegen ist es so wichtig, dass „der Christus in unseren Herzen wohnt“ (s. Eph 3,17), damit Entscheidungen in Übereinstimmung mit seinen Absichten getroffen werden.
Das zusammengesetzte Wort „Herzensentschluss“ macht bereits deutlich, dass es um Entschlüsse für unser Leben geht, an denen das Herz beteiligt ist oder die im Herzen gefasst werden. Barnabas kam zu den Gläubigen in Antiochien, die das Evangelium angenommen hatten. Und er ermahnte sie, „mit Herzensentschluss bei dem Herrn zu verharren“ (Apg 11,23).
Das für „Entschlüsse“ im griechischen Text verwendete Wort bedeutet so viel wie: festes Vornehmen oder Vorhaben, Absicht, Entschluss, Streben. So lesen wir von Daniel, dass er sich in seinem Herzen vornahm, sich nicht mit der Tafelkost des Königs zu verunreinigen (s. Dan 1,8).
Im Neuen Testament wird es sowohl für den Vorsatz oder Ratschluss Gottes verwendet (s. Röm 8,28; Eph 1,11; 3,11; 2. Tim 1,9) als auch für die Pläne und Absichten von Menschen (s. Apg 27,13; 2. Tim 3,10).
Ein Herzensentschluss ist also, wie bei Daniel, eine ganz persönliche Sache. Eltern können keine Herzensentschlüsse für ihre Kinder fassen – das müssen diese schon selbst tun.
Im Rahmen dieses Sonderheftes werden noch weitere Personen aus der Bibel vorgestellt werden, die Herzensentschlüsse in ihrem Leben gefasst haben und damit ein gutes Beispiel für Kinder Gottes in der heutigen Zeit sind. Dabei werden wir sehen, wie die richtigen Herzensentschlüsse das praktische Glaubensleben zum Guten beeinflussen.
Doch einen wichtigen Unterschied überdenken wir vorab. Viele Menschen nehmen besondere Tage im Jahr oder besondere Erlebnisse zum Anlass, sogenannte „gute Vorsätze“ zu fassen. Der eine möchte abnehmen und nimmt sich deshalb vor, weniger zu essen. Ein anderer möchte etwas für seine Gesundheit tun und nimmt sich vor, jeden Tag Sport zu treiben. Wieder ein anderer hat einen Unfall verursacht und nimmt sich vor, zukünftig noch besser aufzupassen. Und so könnte man die Liste der guten Vorsätze weiterführen.
Einen Vorsatz zu fassen, ist grundsätzlich etwas sehr Gutes. Auch Daniel hat das getan. Aber – woher kommt die Kraft, den Vorsatz auch konsequent umzusetzen? Warum scheitern so viele Menschen in der Umsetzung dessen, was sie sich vorgenommen haben?
Für Kinder Gottes sind bei dem Fassen eines Herzensentschlusses folgende Punkte von besonderer Bedeutung:
In diesem Sinn wollen wir „mit Herzensentschluss bei dem Herrn verharren“ – zu seiner Freude und zu unserem Segen.
Friedhelm Runkel
Er freute sich und ermahnte alle, mit Herzensentschluss bei dem Herrn zu verharren.