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...denn außer mir könnt ihr nichts tun

Zeitschrift für die christliche Familie

Dies ist ein Test
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ChatGPT – Chancen und Risiken

© Eakrin, stock.adobe.com

Das digitale Zeitalter, in dem wir längst angekommen sind, bietet Chancen, birgt aber auch viele Risiken. Es ist wie mit der Einnahme von Medikamenten. Sie kann nützlich sein, aber es gibt Risiken und Nebenwirkungen, die wir nicht einfach beiseiteschieben können. Falscher oder übermäßiger Gebrauch kann sehr schädlich, ja, sogar tödlich sein.

Worum es geht

In diesem Artikel geht es nicht um eine generelle Bewertung von KI (Künstliche Intelligenz) im Licht der Bibel. Die­se Diskussion wird an anderer Stel­le geführt.[1]

Mir geht es um die Fra­ge, welche Chancen und Risiken be­stehen, wenn Christen den Chatbot (ChatGPT) nutzen. Der Hype ist groß und ChatGPT ist in aller Munde. Was ist davon zu halten?
Wie so oft gibt es zwei extreme Posi­tionen. Die einen sind sofort be­geistert und nutzen die Möglichkei­ten, ohne groß über mögliche Nebenwirkungen nachzudenken. Sie sind be­eindruckt. Die anderen lehnen die Nutzung aus moralischen, religiösen oder anderen Gründen komplett ab. Sie sind verun­sichert.
Beide Positionen sind meines Erach­tens falsch. Wir sind zwar nicht von der Welt, aber sehr wohl in der Welt (s. Joh 17,11.16). Das reale Leben ist längst digital geprägt – ob wir das wollen oder nicht. Für ChatGPT gilt zunächst, was für den Umgang mit di­gitalen Me­dien allgemein gilt. Wir können die Mög­lichkeiten nutzen – aber mit der nötigen Vorsicht.

Was ist ChatGPT?
ChatGPT (ein sogenannter Chatbot) ist eine Anwendung künstlicher Intelligenz. GPT steht für „Generative Pretrained Transformer“. Dabei handelt es sich um ein mit großen Datenmengen trainiertes Sprachmodell, das mit Menschen interagiert und sich in natürlicher Sprache „unterhält“. Benutzer können Fragen zu einer Vielzahl von Themen stellen und Antworten erhalten. Im Endeffekt ist ChatGPT nichts anderes als eine Internet-Recherche – mit einem begrenzten Informationsstand (der Wissensstichtag von ChatGPT liegt nach eigenen Angaben im September 2021). ChatGPT hilft, Mathematikaufgaben zu lösen, Briefe zu schreiben, Texte zu analysieren und Sachverhalte zu beschreiben.
Auch wenn es „Künstliche Intelligenz“ heißt, findet kein intelligenter Denkprozess statt. Diese Fähigkeit bleibt nach wie vor dem Menschen vorbehalten, dem Gott sie in der Schöpfung geschenkt hat.
ChatGPT verwendet keine vorgefertigten Module. Es ist ein „lernendes System“. Die Antworten basieren auf dem, was das System aus den im Internet verfügbaren Daten gelernt hat – und noch lernt. Auf den ersten Blick scheinen die Antworten überwiegend gut zu sein. Sprache, Rechtschreibung und Grammatik sind weitestgehend fehlerfrei.
Das Besondere an ChatGPT ist, dass es nicht nur für IT- oder Digitalexperten geeignet ist, sondern aufgrund seiner sehr einfachen Bedienbarkeit von „jedermann“ genutzt werden kann. Entsprechend vielfältig sind die Anwendungsmöglichkeiten – von Kindern und Jugendlichen bis hin zu Erwachsenen und Senioren.

Paulus schreibt den Korinthern zwei wichtige Sätze, die wir in diesem Zusammenhang anwenden können:

„Alles ist erlaubt, aber nicht alles ist nützlich; alles ist erlaubt, aber nicht alles erbaut.“
1. Korinther 10,23
„… und die die Welt Gebrauch­en­den als sie nicht als Eigentum Gebrauchende.“
1. Korinther 7,31


So sollten wir mit ChatGPT umgehen. Wir können den Chatbot nutzen, soll­ten uns aber im Klaren darüber sein, wo seine Grenzen sind. Auf keinen Fall sollten wir die gefundenen Ergeb­nisse ungeprüft übernehmen. Wir sollten uns inhaltlich oder zeitlich nicht von ihm beherrschen lassen und einen kla­ren Blick auf die Risiken haben!
Das gilt in doppelter Hinsicht: erstens für uns als Erwachsene und zweitens mit Blick auf unsere Kinder und Ju­gendlichen, die durch ChatGPT vor allem im Schulalltag vor besondere Herausforderungen gestellt werden. Wenn wir als Eltern (oder Großeltern) vielleicht noch einen Bogen um ChatGPT machen – unsere Kinder (und Enkelkinder) werden es mit ziemlicher Sicherheit nicht tun. Deshalb ist es notwendig, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

Achtung!
Besondere Vorsicht ist geboten, wenn man ChatGPT zu biblischen Themen befragt. Ein Chatbot nutzt zwar Wissen, hat aber kein Gewissen und keine Weisheit. Er spricht den menschlichen Intellekt (oder das Gehirn) an, aber sicher nicht Herz und Seele. ChatGPT gibt Antworten auf der Basis von Daten – und die sind im biblischen Bereich sicher nicht hilfreich. Es kann sich um leicht erkennbare Fehler handeln, es gibt aber auch schwer erkennbare Fehler (z. B. dass der Herr Jesus am Kreuz die Sünden aller Menschen getragen haben soll).
Ich rate dringend davon ab, biblische Fragen mit ChatGPT zu „diskutieren“ oder sich informieren zu lassen. Die Gefahr, mit falscher Lehre und Irrlehre konfrontiert zu werden, ist sehr groß!

Grenzen

Es ist sehr bequem. Man könnte fast fragen: Googelst du noch oder hilft dir der Chatbot schon? Du willst deinen Schlaf verbessern? Du brauchst eine Entschuldigung für dein Kind, weil es nicht zur Schule gehen konnte? Du möchtest wissen, wie und warum der Erste Weltkrieg begann? Du brauchst Hilfe bei einem technischen Problem?
Der Chatbot ist eine Anwendung, die so intelligent zu sein scheint, dass sie fast alle Fragen des täglichen Lebens (einschließlich Beruf und Schule) in kürzester Zeit beantworten kann. Dar­über hinaus kann die Nutzung eines Chatbots helfen, sich neue Fähigkeiten und neues Wissen anzueignen.
Es ist zu beachten, dass ChatGPT zwar Antworten auf viele Fragen gibt, aber selbst nicht die Bedeutung oder die Absicht hinter dem generierten Text verstehen kann. Die Antworten ba­sie­ren auf den Informationen, die das System hat und mit denen es trainiert wurde.
Was ChatGPT mit Sicherheit nicht tut: Es vermittelt keine objektiven Werte oder Überzeugungen. Es ist eine Ma­schine, die wiederum von Menschen programmiert wurde.

Risikofaktoren

Im Folgenden möchte ich beispielhaft einige Risiken nennen:
Stimmen die Informationen? Das ist wahrscheinlich die erste Frage, die man sich stellen sollte. Niemand kann garantieren, dass die Antwort sachlich richtig ist. Der Chatbot unterscheidet nicht zwischen richtig und falsch, Wahr­heit und Lüge, Tatsachen und Fake News.
Es ist denkbar, dass falsche – oder nicht mehr aktuelle – Inhalte gene­riert werden (das ist bei der Suche über Google nicht anders). Die Glaub­würdigkeit von Informationen muss – soweit möglich – überprüft werden. Auf jeden Fall müssen wir – und unsere Kinder – lernen, nicht alles für „bare Münze“ zu nehmen, was der Chatbot produziert. Erinnern wir uns an die Mahnung des Herrn: „Gebt acht, was ihr hört“ (Mk 4,24). Und auch die Mahnung des Apostels Johannes sollten wir nicht vergessen: „Geliebte, glaubt nicht jedem Geist, sondern prüft die Geister, ob sie aus Gott sind; denn viele falsche Propheten sind in die Welt ausgegangen“ (1. Joh 4,1).
Sind die Informationen hilfreich? Das können nur wir selbst beurteilen. ChatGPT nimmt uns diese Aufgabe nicht ab. Obwohl die Anbieter gewisse Ein­schränkungen eingebaut haben (z. B. Schutz vor Hassreden oder Belei­digungen), müssen wir davon ausge­hen, dass viele Informationen für uns – und unsere Kinder – schädlich sein können. Moralisch fragwürdige und anstößige Antworten dürfen uns nicht überraschen (was genauso für herkömmliche Suchmaschinen gilt). Rassistische und antisemitische In­halte können nicht ausgeschlossen werden! Paulus fordert uns auf: „Von jeder Art des Bösen haltet euch fern“ (1. Thes 5,22).
Achten wir auf bestehende Urheberrechte? Die Rechtslage ist derzeit noch unklar. Klar ist aber, dass es ein Ur­heberrecht an eigenen Texten gibt. Die aktuelle politische Diskus­sion um mögliche Plagiate sollte uns auf jeden Fall vorsichtig machen, einen von ChatGPT erstellten Text als unseren ei­genen zu kennzeichnen. Das soll­ten auch unsere Kinder wissen. In 3. Mose 19,11 sagt Gott: „Ihr sollt nicht stehlen; und ihr sollt nicht lügen und nicht betrügerisch handeln einer gegen den anderen.“
Gerade die nicht nachvollziehbaren Quellen, die ChatGPT für seine Ant­worten heranzieht, erschweren nicht zuletzt natürlich auch wieder die Über­prüfbarkeit.
Eine weitere wichtige Frage, die auch im Zusammenhang mit einem Chatbot, darüber hinaus aber vor allem in anderen digitalen Medien von Bedeutung ist, betrifft den Datenschutz. Achten wir da auf die nötige Sorgfalt? Wir müssen uns dessen bewusst sein, dass alle Da­ten, die wir eingeben, gesammelt und unter Umständen weiterverwen­det werden. Daher sollten wir sehr sensibel mit der Weitergabe von per­sönlichen Daten umgehen, die nicht in unbefugte Hände gelangen dürfen. Dies sollte auch Kindern und Jugendlichen vermittelt werden. Salomo schreibt: „Wer seinen Mund und seine Zunge bewahrt, bewahrt seine Seele vor Bedrängnissen“ (Spr 21,23).

Eltern und Kinder

Eltern sind gut beraten, ihre Kinder zu begleiten und nicht allein zu lassen (dies gilt generell für den Umgang mit digitalen Medien). Wenn ChatGPT genutzt werden soll, dann unbedingt zunächst gemeinsam und unter Aufsicht. So können Nutzen und Risiken besprochen und abgewogen werden. Wenn ältere Kinder den Chatbot selbst nutzen, sollten sie wissen, an wen sie sich bei Fragen wenden können. Auch hier sollten wir als Eltern und Bezugspersonen unbedingt im Gespräch bleiben.

Hausaufgaben

Ein besonderes Thema sind die Hausaufgaben. Natürlich merken unsere Kin­der schnell, dass ChatGPT ihnen hel­fen kann, schulische Aufgaben schnell zu erledigen. In vielen Fällen sind die Antworten auch richtig.
Trotzdem ist Vorsicht geboten. Hausaufgaben dienen in erster Linie einem pädagogischen Zweck. Sie helfen, das Gelernte zu vertiefen und anzuwenden. Daher ist es nicht lernförderlich, wenn die Lösung nicht von den Kindern selbst erarbeitet, sondern von einem Chatbot erstellt wird.
Auch hier gilt, dass es nicht erlaubt ist, fremde Arbeiten als die eigenen auszugeben (das ist im Prinzip nichts an­deres, als bei einer Klassenarbeit vom Sitznachbarn abzuschreiben). Das ist schlichtweg Betrug. Wir sollen unsere Kinder auch dafür sensibilisieren!
Ganz abgesehen davon können Leh­rer in der Regel gut beurteilen, ob das Kind diese Lösung auch allein hätte erarbeiten können. Außerdem gibt es bereits Programme, die die Nutzung von Chatbots aufdecken kön­nen. An Universitäten (und auch an manchen Schulen) sind solche Programme be­reits im Einsatz.

Zeit

Ein weiterer relevanter Faktor ist das Thema „Zeit“ (auch das gilt grundsätzlich im Umgang mit Medien). Vielen Menschen macht es einfach „Spaß“, sich mit ChatGPT zu „unterhalten“ und alles Mögliche auszutauschen und zu erfragen. Die Frage ist, ob das alles notwendig ist oder nicht.
Wenn wir ChatGPT als Mittel zum Zweck benutzen, als Werkzeug, um eine bestimmte Information zu erhalten, dann kann das in Ordnung sein. Wenn ChatGPT aber zu einem (wei­teren?) digitalen Zeitfresser wird, müs­sen wir sensibel sein. Zeit ist ein Geschenk Gottes, mit dem wir verantwortungsvoll umgehen müssen. Wir sollen die Zeit, die uns gegeben ist, für den Herrn nutzen (s. Eph 5,15.16).

Schlussfolgerung

ChatGPT ist ein Werkzeug, das durchaus das Potential hat, viele Bereiche unseres Lebens zu beeinflussen und zu verändern. Es kann vereinfachen, es kann Zeit sparen und helfen, Ant­worten zu bekommen, die sonst nur mühsam zu finden sind. Insofern kann man den Chatbot durchaus nutzen.
Aber Vorsicht ist geboten. ChatGPT nimmt uns weder das Denken noch das Prüfen und Bewerten ab. Der mensch­liche Verstand und unser in­tellektuelles und geistliches Urteilsvermögen sollen nicht einfach ausge­schaltet werden. Es besteht die Ge­fahr, dass menschliche (und auch geistliche) Entscheidungen und Ver­haltensweisen durch bestimm­te Algorithmen bewusst beeinflusst werden.
Vergessen wir nicht: Künstliche Intel­ligenz ist so gut oder so schlecht wie das System, das dahintersteht. Als Christen können wir sicher sein, dass der Teufel das auch weiß und ChatGPT gerne für seine Zwecke missbrauchen wird.
Vergessen wir auch nicht, dass Gott uns durch sein Wort und durch seinen Geist führen und leiten will. Weichen wir der „geistlichen Übung“ nicht aus, Klarheit aus Gottes Wort zu bekom­men! Verlassen wir uns nicht auf den „Rat“ aus der digitalen Welt.

Ernst-August Bremicker


Fußnoten:

  1. Ein Aspekt, der dabei zu beachten ist, wird im Artikel „Auf die Beurteilung Gottes kommt es an“ in diesem Heft beleuchtet.

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Internet und Smartphone in unseren Familien – Umgang, Gefahren, Schutz

© Rymden, stock.adobe.com

Das Internet und mobile Endgeräte wie Smartphones oder Tablets sind aus den meisten Häusern nicht mehr wegzudenken. Sie prägen unsere Zeit und insbesondere unsere Jugendlichen und Kinder. Umso wichtiger ist es, sich selbst der Gefahren bewusst zu sein und verantwortungsvoll mit diesen Geräten umzugehen, um die nächste Generation zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit Internet und Smartphone anleiten zu können. Das Ziel dieses Artikels soll sein, anhand von Gottes Wort konkrete, praktische Handlungsempfehlungen zu geben, die sich in der Ehe, der Familie und mit den Kindern direkt umsetzen lassen.

Als „Leitvers“ können wir Sprüche 4,23-27 über diesen Artikel setzen, der vor den hockaktuellen Gefahren warnt und auffordert, uns von allem fernzuhalten, das uns zu Fall bringen könnte:
„Behüte dein Herz mehr als alles, was zu bewahren ist; denn von ihm aus sind die Ausgänge des Lebens. Tu von dir die Verkehrtheit des Mundes, und die Verdrehtheit der Lippen entferne von dir. Lass deine Augen geradeaus blicken und deine Wimpern gerade vor dich hinschauen. Ebne die Bahn deines Fußes, und alle deine Wege seien gerade; biege nicht ab zur Rechten noch zur Linken, wende deinen Fuß ab vom Bösen.“

Alarmierende Warnsignale

Wer sich einmal näher mit Statistiken zum Thema dieses Artikels beschäftigt, stellt schnell fest, wie wichtig es gerade für christliche Eltern ist, nach den bestmöglichen Lösungen zu suchen, sich selbst und ihre Kinder vor dem frei zugänglichen Schmutz des Internets zu schützen. Hier nur einige Beispiele:

  • Fast alle Jugendlichen (97%) verfügen über ein mobiles Gerät, auf dem sie durchschnittlich 23 Apps installiert haben. Zu den beliebtesten Anwendungen zählen Kommunikationstools und soziale Netzwerke (z. B. Youtube, WhatsApp, Instagram, Snapchat) sowie Spiele (JIM-Studie 2019).
  • Die durchschnittliche tägliche Onlinenutzung durch Jugendliche liegt bei 248 Minuten (Gesamtbevölkerung: 166 Minuten) (ARD/ZDF-Langzeitstudie Massenkommunikation).
  • Nur 39 Prozent (12 bis 13 Jahre) der Kinder sagen, dass ihre Eltern regelmäßig mit ihnen über ihre Erfahrungen im Internet sprechen (BITKOM-Studie 2016).
  • In einer Befragung von über 500 christlichen Männern auf einer Bibelfreizeit im Jahr 2012 gaben über 90 % zu, dass sie sich von Gott getrennt fühlten, weil Lust, Pornographie oder Fantasien in ihrem Leben Fuß gefasst hatten. 47 % der Familien sagten, dass bei ihnen zu Hause Pornographie ein Problem sei.
  • Ca. 30 Prozent der Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren sehen im Cyber-Mobbing eine der größten Gefahren des Internets. 21% der Befragten geben an, schon einmal Opfer solcher Angriffe geworden zu sein (JIM-Studie 2019).

Diese Zahlen verdeutlichen, dass wir uns gerade als Christen diesen Themen in jeder Hinsicht stellen müssen. Dazu gehört, sich über die technischen und werteseitigen Entwicklungen, die damit verbundenen Gefahren und die verfügbaren Schutzmaßnahmen zu informieren. Es gibt dazu viele gute Angebote, über die man sich informieren kann und Material findet, um dieses Thema auch mit den Kindern gemeinsam zu besprechen.[1]

Vorbild

Möchten Eltern ihren Kindern einen gesunden Umgang mit Smartphones und ähnlichen technischen Geräten und den darüber nutzbaren Medien vermitteln, kommt ihrem Vorbild große Bedeutung zu. Nur wenn sie sich selbst der Gefahren bewusst sind und verantwortungsbewusst und mit Selbstbeherrschung im Internet surfen und ihr Smartphone nutzen, haben sie auch die moralische Autorität, ihren Kindern Wegweiser und Warnschilder zu sein.
Natürlich darf die Vorbildfunktion nicht einseitig betont werden und dazu führen, dass sich die Eltern bei der Mediennutzung mit ihren Kindern auf eine Stufe stellen, indem sie sich etwa die gleichen Einschränkungen auferlegen wie ihren Kindern. Eltern müssen die eigene Mediennutzung aber auf jeden Fall kritisch hinterfragen.
Wie nötig das ist, lässt sich an einer im Jahr 2018 in Hamburg von Kindern organisierten Demonstration ablesen, bei der sie sich wünschten, dass ihre Eltern endlich mal wieder die Handys beiseitelegen und sich die Zeit für gemeinsame Spiele oder das Vorlesen eines guten Kinderbuches nehmen.

Jedes Kind ist anders

„Erziehe den Knaben seinem Weg entsprechend; er wird nicht davon weichen, auch wenn er alt wird“ (Spr 22,6). Dieser Vers zeigt, dass Charakter und Alter des Kindes bei jeder Beurteilung und Maßnahme zu berücksichtigen sind.
Daraus folgt, dass alle Kinder der Familie Anleitung zur Mediennutzung bedürfen, aber es gibt Kinder, mit denen Eltern mehr ins Gespräch gehen oder individuelle technische Maßnahmen ergreifen müssen als mit anderen. Wenn die Eltern das Verständnis des Kindes suchen und ihm erklären, dass die Maßnahmen zum Guten und zum Schutz gedacht sind und sie damit nicht gegängelt werden sollen, wird das die Akzeptanz und Einhaltung der Maßnahmen deutlich erhöhen.
Die Einsicht und das Verständnis zu wecken und zu fördern, ist auch deshalb so wichtig, weil es für die Kinder ein Leichtes ist, sich außerhalb des Elternhauses Zugang zu den Inhalten zu verschaffen, vor denen sie gerade geschützt werden sollen – zum Beispiel über das Smartphone ungläubiger Klassenkameraden.

Zeit und Ort

Beim zeitlichen Umgang mit Internet und Smartphone sind die nötige Disziplin im Hinblick auf die eigene Nutzung einerseits und andererseits das Verantwortungsbewusstsein der Familie und den Kinder gegenüber sehr wichtig.
Ein praxiserprobter Ansatz ist, dass die Kinder ihre Smartphones ab einer bestimmten Uhrzeit (z. B. ab dem Abendessen) an einem zentralen, von den Eltern gut zu beaufsichtigenden Ort ablegen.
Gerade die Abendstunden sind gefährlich, da durch Müdigkeit, Entspannung und freie Zeit die Hemmschwellen zum Missbrauch des Internets und Smartphones besonders niedrig sind. Der König David und seine Sünde mit Bathseba sind ein warnendes Beispiel, denn die Sünde „geschah zur Abendzeit, als David von seinem Lager aufstand“ (2. Sam 11,2).
Auch in Sprüche 7 findet sich ein deutlicher Hinweis: „Denn am Fenster meines Hauses schaute ich durch mein Gitter hinaus; und ich sah unter den Einfältigen, bemerkte unter den Söhnen einen unverständigen Jüngling, der auf der Straße hin und her ging, neben ihrer Ecke, und den Weg zu ihrem Haus schritt, in der Dämmerung, am Abend des Tages, in der Mitte der Nacht und in der Dunkelheit. … Auf einmal ging er ihr nach, wie ein Ochse zur Schlachtbank geht und wie Fußfesseln zur Züchtigung des Narren dienen, bis ein Pfeil seine Leber zerspaltet; wie ein Vogel zur Schlinge eilt und nicht weiß, dass es sein Leben gilt“ (V. 6-9;22.23).
Genauso gefährlich wie die späte Uhrzeit ist die örtliche Abgeschiedenheit. Sünde gedeiht in der Dunkelheit, dort, wo keiner hinschauen kann. Daher ist ein „öffentlicher“ Ort in der Wohnung für die Nutzung des PCs eine sinnvolle Schutzmaßnahme. Dem sind natürlich Grenzen gesetzt, etwa bei mehreren schulpflichtigen Kindern, die den Internetzugang auch für die Erledigung von Hausaufgaben nutzen müssen.
Außerdem geht es ja darum, die Kinder zu einem eigenverantwortlichen Umgang mit den Medien zu erziehen. Dazu gehört auch, den Kindern ab dem richtigen Moment auch „einfach“ Vertrauen schenken zu müssen. Das wird ein gleitender Übergang sein, der durch geeignete Schutzmaßnahmen sinnvoll unterstützt werden kann.
Zur angemessenen zeitlichen und örtlichen Nutzung empfiehlt es sich im Übrigen, für Kinder erst dann einen Mobilfunkvertag mit Internetnutzung abzuschließen, wenn sie erkennbar im Umgang damit geschult und gereift sind. Kinder sollten das Internet zunächst nur über das LAN/WLAN zu Hause nutzen, wo sie im positiven Sinne „unter Beobachtung“ und „im Licht“ sind.

Klare Vereinbarungen

Klare Vereinbarungen zwischen Eltern und Kindern sind wichtig. Dabei sollten keine zwecklosen und kaum umsetzbaren Verbote aufgestellt werden. Das Ziel solcher Vereinbarungen sollte sein, das Verantwortungsbewusstsein der Kinder zu stärken und sie zur Selbstbeherrschung anzuleiten. „Höre, mein Sohn, die Unterweisung deines Vaters, und verlass nicht die Belehrung deiner Mutter! Denn sie werden ein anmutiger Kranz für dein Haupt und ein Geschmeide für deinen Hals sein“ (Spr 1,8.9).
Überregulierung und zu strikte Regeln erreichen erfahrungsgemäß zu oft das Gegenteil: Die Kinder sperren sich gegen die Maßnahmen und suchen sich einen Ausweg. Eine starke technische Nutzungseinschränkung sollte nicht die erste Lösung, sondern die letzte Maßnahme sein.

"Eine starke technische Nutzungseinschränkung sollte nicht die erste Lösung, sondern die letzte Maßnahme sein."


Schutzmaßnahmen

Entscheidender ist, als Eltern Zeit und Energie aufzubringen, mit den Kindern regelmäßig im Gespräch zu sein und auf eine Weise auf die Einhaltung der Vereinbarungen zu achten, die die Kinder spüren lässt, dass wir ihnen vertrauen. Damit kommen wir zu den Schutzmaßnahmen, die in Art und Maß unterschiedlich, aber unbedingt nötig sind und leider viel zu oft aus Unkenntnis vernachlässigt werden.

Vertrauensvolle Gespräche

Ein äußert wichtiger Aspekt ist das Reden mit unseren Kindern. Sie kennen und sehen die Gefahren oft noch nicht und werden daher schnell leichte Beute Satans, wenn wir sie nicht für die Gefahren des Internets sensibilisieren und sie im Umgang mit Internet und Smartphone schulen. Hieran wird noch einmal deutlich, wie wichtig es ist, dass wir als Eltern die Thematik kennen, damit wir unsere Kinder auch konkret und zielgerichtet anleiten und warnen können.
Wir sollten die Dinge offen ansprechen und beim Namen nennen. Die Gefahren sind zu groß, als dass wir schwammige Hinweise geben. Nicht jedem fällt es leicht, Themen wie Pornographie- oder Spielsucht offen anzusprechen, vielleicht auch, weil wir selbst unsicher sind und meinen, uns in der Thematik nicht ausreichend auszukennen. Doch wir dürfen im Gebet Weisheit und Mut dazu vom Herrn erbitten (s. Jak 1,5).
In solchen Gesprächen können wir unseren Kindern auch eigene Erfahrungen weitergeben. Wir stehen in denselben Gefahren wie unsere Kinder. Wenn sie merken, dass wir nicht „über den Dingen schweben“, sondern das Thema für uns selbst auch nicht auf die leichte Schulter nehmen, werden sie leichter unsere Warnungen annehmen und die Schutzmaßnahmen akzeptieren oder sogar begrüßen. „Eisen wird scharf durch Eisen, und ein Mann schärft das Angesicht des anderen“ (Spr 27,17).

Gebet

Die wichtigste Schutzmaßnahme ist und bleibt das Gebet, persönlich und gemeinsam, denn Gemeinschaft im Gebet ist ein großer Schutz für den Einzelnen. Ohne Gebet wird auch ein vertrauensvolles Gespräch kaum Frucht tragen. Satan will mit aller Macht den Schmutz der Sünde in unsere Häuser bringen und so die Familien und den Glauben der Einzelnen zerstören. Ohne das persönliche, tägliche Gebet für uns selbst und unsere Kinder werden wir keine Kraft haben, dauerhaft den Angriffen Satans zu widerstehen. Es mangelt uns dann auch an Weisheit im Umgang mit unseren Kindern und beim Ansprechen von heiklen Themen. Es ist sicher auch gut, in der Familie – soweit die Zusammensetzung das möglich macht – diese Thematik gemeinsam im Gebet vor den Herrn zu bringen.
In Psalm 101 lesen wir ein Gebet von David, das wir als Beispiel nehmen können: „Ich will weise handeln auf vollkommenem Weg. – Wann wirst du zu mir kommen? – Im Innern meines Hauses will ich wandeln in Lauterkeit meines Herzens. Ich will kein Belialsstück vor meine Augen stellen” (V. 2.3).

Technische Schutzmaßnahmen

Auch wenn der Schwerpunkt dieser Zeitschrift auf den geistlichen Aspekten des Themas liegt, sollen auch einige Hinweise zu möglichen technischen Schutzmaßnahmen gegeben werden. Da es verschiedenste Betriebssysteme für Computer und Smartphones gibt und die Möglichkeiten daher unterschiedlich und zahlreich sind, können jedoch an dieser Stelle keine tiefergehenden, spezifischen Erklärungen weitergegeben werden. Wer Interesse daran und an Empfehlungen zu geeigneten technischen Hilfsmitteln hat, findet diese unter dem Artikel.
Die technischen Schutzmaßnahmen lassen sich folgendermaßen kategorisieren:

  • Filter zum Blockieren von Webseiten und Inhalten
  • Sperren/Einschränkungen der zeitlichen Verfügbarkeit
  • Überwachungssoftware

Filter können sowohl am Endgerät (PC, Smartphone etc.) als auch am Router eingestellt werden. Auf dem Router kann man in der Regel auch pro registriertem Endgerät Filter einrichten.
Sperren kann man in den meisten Routern auf zweierlei Weise einstellen. Einerseits lässt sich der Internetzugang auf bestimmte Tageszeiten einschränken, andererseits können Zeitkontingente festgelegt werden. Man kann auch beide Sperren kombinieren, also z. B. den Internetzugang von 8:00 Uhr bis 20:00 Uhr freigeben, aber nur für ein Zeitkontingent von 2 Stunden.
Überwachungssoftware sollte in jedem Fall und unabhängig von Filtern und Sperren genutzt werden. Je nach Funktionsumfang der Software kann auf weitere Filter und Sperren im Router oder Endgerät verzichtet werden. Wir haben gesehen, dass das vertrauensvolle Gespräch und die Gebete Schutz geben, aber wer sein Herz kennt, weiß: „Arglistig ist das Herz, mehr als alles, und verdorben ist es; wer mag es kennen?“ (Jer 17,9).
Daher wäre es töricht, auf die Möglichkeiten technischer Schutzmaßnahen zu verzichten. Über allem steht aber der Herr, der auch in unserer Zeit in der Lage ist, uns auf einem guten Weg zu bewahren, wenn wir auf Ihn vertrauen.

"Bewahre mich Gott, denn ich suche Zuflucht bei dir!“
(Psalm 16,1)


Detaillierte Informationen zu technischen Hilfsmitteln

Die technischen Schutzmaßnahmen lassen sich folgendermaßen kategorisieren:

  • Filter zum Blockieren von Webseiten und Inhalten
  • Sperren/Einschränkungen der zeitlichen Verfügbarkeit
  • Überwachungssoftware

Filter können sowohl am Endgerät (PC, Smartphone, etc) als auch am Router (FritzBox, SpeedPort, etc) eingestellt werden. Auf dem Router kann man in der Regel auch pro Endgerät, das in dem Router registriert sein muss, Filter einrichten. Dazu legt man Profile mit entsprechenden Filtern an, die man dann dem Endgerät zuweist. Sobald sich ein registriertes Endgerät mit dem Router verbindet, greift das voreingestellte Profil. In dem Profil kann man bei manchen Herstellern (z.B. bei FritzBox von AVM) jugendgefährdende Internetseiten (BPjM-Modul) sperren und zudem eigene Blacklists (Liste mit gesperrten Internetseiten) oder Whitelists (Liste mit ausschließlich zugänglichen Internetseiten) anlegen.
Sperren kann man in den meisten Routern auf zweierlei Weise einstellen. Einerseits kann man den Internetzugang auf bestimmte Tageszeiten einschränken, andererseits Zeitkontingente erstellen. Man kann auch beide Sperren kombinieren, also z.B. den Internetzugang von 8:00 Uhr bis 20:00 Uhr freigeben, aber nur für ein Zeitkontingent von 2 Stunden. Außerhalb dieser Tageszeit ist der Internetzugang gesperrt. Innerhalb dieser Tageszeit ist der Internetzugang nur für eine Gesamtnutzungsdauer von 2 Stunden verfügbar.
Überwachungssoftware sollte in jedem Fall und unabhängig von Filtern und Sperren genutzt werden. Je nach Funktionsumfang der Software kann auch auf Filtern und Sperren im Router oder Endgerät verzichtet werden. Eine Überwachungssoftware sollte folgende MUSS-Kriterien erfüllen:

  • Überwachung der kompletten Internetverbindung
  • App-Überwachung bei Smartphones (Installation & Nutzung)
  • Filter von Internetseiten (BPJM-Modul: Jugendschutzfilter der Bundesprüfstelle, Filter nach Inhaltskategorien)
  • Zeit-Limits und Sperrzeiten
  • Email-Berichte bzw. Nutzungsprotokolle für Eltern / Überwachungspartner
  • Keine unbemerkte Deinstallation möglich
  • Kein Umgehen der Überwachung, Sperren und Filter möglich

Basierend auf diesen Überlegungen zu technischen Hilfsmitteln im Artikel „Internet und Smartphone in unseren Familien – Gefahren, Umgang und Schutz“ von Bernhard Brockhaus gibt es nachstehende konkrete Schutzmöglichkeiten, mit denen der Autor sich auseinandergesetzt hat.

Für PC / Mac:

  • Salfeld Kindersicherung (leider nicht für Mac)
  • Norton Family (leider nicht für Mac)
  • Covenant Eyes Accountability + Filtering (keine Sperren, Zeitlimits etc möglich, nur Überwachung und Filter, aber dennoch sehr zu empfehlen in Kombination mit Filtern/Sperren im Router)

Für Smartphone:

  • Norton Family (für Windows, Android und iOS)
    • erfüllt alle MUSS-Kriterien für Windows und Android, bei iOS nur eingeschränkter Funktionsumfang
    • Sperren, Zeitlimits und Überwachung für das gesamte Smartphone – so kann z.B. die Nutzungsdauer des Smartphones und nicht nur die Internetnutzung limitiert werden.
    • bei iOS separater Browser, keine App-Überwachung, keine Zeitüberwachung, keine Überwachung sozialer Netzwerke
    • bei Android keine Unterstützung für Geräte von Huawei, Amazon (Kindle/Fire), Chromebook
  • Covenant Eyes Accountability + Filtering
    • keine Sperren, Zeitlimits etc möglich, nur Überwachung
    • App-Überwachung nur für Android
    • Screen Accountability über alle Apps – hiermit wird überwacht, was auf dem Bildschirm angezeigt wird
    • Filtern von Internetseiten nur für iOS
  • iOS Bildschirmzeit
    • Auch wenn iPhones sicher in die Kategorie “teuer” fallen, lohnt sich die Anschaffung von (gebrauchten) iPhones für die Kinder durchaus, da die iOS Bildschirmzeit in Kombination mit Covenant Eyes derzeit den aus meiner Sicht besten Schutz bietet. Sie beinhaltet eine Steuerungs- und Überwachungsfunktion für Zeit, Aktivitäten und Apps und es lassen sich damit individuelle Inhalts- und Kommunikationsbeschränkungen einstellen.

Bernhard Brockhaus


Fußnoten:

  1. Zum Beispiel die Webseite klicksafe.de, eine Initiative der EU, die die kompetente und kritische Nutzung des Internets vermitteln will, oder die Broschüre „Klicks-Momente“, die vom Programm „Polizeiliche Kriminalprävention“ der Länder und des Bundes herausgegeben wird.

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