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...denn außer mir könnt ihr nichts tun

Zeitschrift für die christliche Familie

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Treue im Kleinen und wie Gott sie belohnt

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„Den Weg der Treue habe ich erwählt. Lass mich nicht abirren von deinen Geboten!“
Psalm 119,30.10


Wenn ältere Christen von Gottes Fürsorge in ihrem Leben erzählen, wo Gott sie bewahrt und ihre Gebete erhört hat, stärkt das auch unseren Glauben. Ja, unser Gott ist der lebendige Gott, allwissend und allmächtig. Er belohnt die Treue im Kleinen – auch heute noch.

Eine Glaubensschwester berichtete dazu ein Erlebnis aus ihrer Kinderzeit: „Die Begebenheit, von der ich er­zählen möchte, bleibt mir unvergessen. Sie geht auf die ersten so entbehrungsreichen Jahre kurz nach Ende des 2. Weltkrieges zurück.
Wir waren eine große Kinderschar, sieben an der Zahl. Mein Vater hatte eine Arbeitsstelle und fuhr zusätzlich noch für einige Zeit bei einer Spedition Dynamit. Wir bewohnten im Süd-Siegerland eine kleine, auf einem Basaltsockel aufgerichtete Holzba­racke, in der während des Krieges russische Gefangene untergebracht worden waren. Da das Haus aus Man­gel an Wasserrohren noch keinen Wasseranschluss besaß, mussten wir mehrmals am Tag eimerweise Was­ser zum Waschen und Kochen aus dem nahe gelegenen Grubenstollen herbeiholen. Das war eine sehr anstrengende und mühevolle Arbeit, besonders für unsere Mutter.
Monate vergingen. Immer wieder bedrängte sie unseren Vater, doch nun endlich die so nötigen Rohre zu besorgen. Aber so sehr auch unser Vater sich um die passenden Wasserrohre bemühte, es waren zu jener Zeit einfach keine aufzutreiben.
An einem Freitagabend sagte mein Vater zur Mutter: ‚Morgen muss ich für die Firma sowieso nach Düsseldorf fahren – dort werde ich endlich bei einer Röhrenfabrik die passenden Rohre bekommen.‘
Nachdem er am Samstag verschiedene Abladestellen angefahren hatte, kam er um die Mittagszeit bei der besagten Röhrenfabrik an – doch leider zu spät. Wie ärgerlich: Kein Mensch war mehr da, der ihm Rohre hätte verkaufen können. Auf Nachfrage bei dem Pförtner zuckte dieser nur mit den Schultern und meinte dann: ‚Es ist nun mal niemand mehr da – nimm dir doch die Rohre, die du brauchst, ich werde dich beim Herausfahren nicht kontrollieren.‘
Welch ein Kampf entbrannte in Vaters Herzen: Soll ich – soll ich nicht …?
Er dachte daran, wie viel Mühe doch seine liebe Frau mit dem Wasserschleppen hatte … Es war ihm so, als wenn zwei Stimmen in seiner Brust gewesen wären. Die eine sagte: ‚Wenn der Pförtner dir das anbietet, dann wärst du wirklich dumm, sie nicht auf­zuladen.‘ Und die andere warnte vernehmlich: ‚Wenn du sie mitnimmst, dann ist das Diebstahl!‘
Die Gottesfurcht siegte: Nein, er wollte kein Wasser aus unehrlich erworbenen Rohren trinken.
Zu Hause angekommen, gab es enttäuschte Gesichter und auch Vorwürfe … Aber unser Vater blieb unbeirrt: ‚Wir wollen kein Wasser aus gestohlenen Rohren! Gott stellt uns auch einmal auf die Probe. Ich kann nicht heute Rohre stehlen und morgen zum ‚Tisch des Herrn‘ gehen. Wir werden schon noch Rohre bekommen.‘
An diesem Sonntag schauten Bekannte bei meinen Eltern vorbei. Sie unterhielten sich natürlich auch über die so dringend benötigten Wasserrohre. Der Bruder erkannte die Notlage und bemerkte, er wolle auf der Grube den Steiger nach passenden Rohren fragen. Die könne man dann rechtmäßig erwerben.
Und was geschah? Schon am nächsten Tag, während unser Vater an seiner Arbeitsstelle war, bekamen wir die Nachricht: Die älteren Jungen unserer Familie möchten um 15 Uhr zum Haltepunkt der ‚Bimmelbahn‘ kommen; es kämen Rohre von der Grube. Mit Freude wurden die Jungen losgeschickt, um die Rohre mit einer Karre zu holen.
Vaters Augen glänzten, als er am Abend nach Hause kam: Vor unserem Häuschen lagen genau die Rohre, die wir brauchten. Was für eine Freude!
Wie groß war der Dank gegenüber unserem gütigen Herrn für diese wunderbare Führung, aber auch für die Bewahrung unseres Vaters vor der Versuchung, zu stehlen. In unserem Haus wurde schon viel gesungen – doch an diesem Abend aus besonders dankerfüllten Herzen.“
Lasst uns Gottes Wort genau nehmen und „den Weg der Treue erwählen“. Das Gebet: „Lass mich nicht abirren von deinen Geboten“, ist dem Herrn wohlgefällig. Er ist der „Hörer des Gebets“ (Ps 65,3) und will sich „mächtig erweisen an denen, deren Herz ungeteilt auf ihn gerichtet ist“ (s. 2. Chr 16,9).

Verriegle alle falschen Türen,
versperre jeden krummen Weg.
Möcht’ nur Dein Wort
mich allzeit führen –
es sei mein Rat, mein Licht,
mein Steg,
der Fels, auf den ich sicher baue,
der Führer, dem allein ich traue.

Friedhelm Müller

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Die Hugenotten-Familie Durand
– ein Beispiel für Treue und Ausharren

© B. Hof
„Andere aber wurden gefoltert, da sie die Befreiung nicht annahmen, damit sie eine bessere Auferstehung erlangten. Andere aber wurden durch Verhöhnung und Geißelung versucht und dazu durch Fesseln und Gefängnis. Sie wurden gesteinigt, zersägt, versucht, starben durch den Tod des Schwertes, gingen umher in Schafpelzen, in Ziegenfellen, hatten Mangel, Drangsal, Ungemach; sie, deren die Welt nicht wert war, irrten umher in Wüsten und Gebirgen und Höhlen und den Klüften der Erde.“
Heb 11,35-38

Wenn es in Hebräer 11 auch um die Glaubenshelden des Alten Testaments geht, so traf und trifft diese Bibelstelle doch auch auf manche Christen zu, die Ähnliches durchgemacht haben um ihres Glaubens willen und die darin standhaft geblieben sind. Gerade dazu soll Hebräer 11 ja ein Ansporn sein.
Ein beeindruckendes Beispiel dafür sehen wir in der Hugenotten-Familie Durand, die trotz großer Widerstände fest bei ihrem Herzensentschluss geblieben ist.

Geschichtlicher Hintergrund

Frankreich im 18. Jahrhundert: Es herrscht der Sonnenkönig Ludwig XIV., der heute noch durch das prunkvolle Schloss von Versailles bekannt ist. Unter seiner Regentschaft wurde die Religionsfreiheit aufgehoben und es begann eine erneute Verfolgung der Hugenotten. Die Hugenotten wa­ren französische Protestanten, die sich der Reformation angeschlossen hatten. Sie wurden gezwungen, zum Katholizismus überzutreten oder zu fliehen.

Die Familie Durand

Le Bouchet-de-Pranles, ein kleines Bauerndorf in den südfranzösischen Bergen: Hier leben der gläubige Etienne Durand und seine Frau Clau­dine Durand, geborene Gamonet. Auch sie sind Hugenotten. Sie haben zwei Kinder: Pierre Durand (1700) und Marie Durand (1711). Die El­tern wagen es, ihre neugeborenen Kin­der der Taufe durch einen katho­lischen Priester zu entziehen. Deshalb findet man auch keinen Eintrag über sie im Kirchenregister.
Versammlungen von Gläubigen kön­nen nur in geheimen Verstecken durch­­geführt werden. Auch im Haus der Familie Durand finden in dieser Zeit immer wieder heimlich Gottesdiens­te statt. Pierre in­teressiert sich schon sehr früh für das Wort Gottes und übergibt sein Leben dem Herrn. Be­reits mit 19 Jahren beginnt er, in der „Untergrundkirche“ zu predigen. Bei einer dieser Versammlungen ist al­lerdings ein Verräter anwesend, der den Behörden den Ort anzeigt. Pierre Durand und sein Freund Pierre Rou­vier können gerade noch entkommen und in die Schweiz flüchten. Dort haben sie die Zeit und die Freiheit, das Wort Gottes intensiver zu erforschen. Wäh­­renddessen kommt es in Frankreich zu immer mehr Festnahmen. Bei einer der heimlichen Versammlungen wird die Mutter, Claudine Durand, verhaftet; sie stirbt im Jahr 1719 in der Festung in Montpellier. Das ihr gehörende Haus wird zerstört.

Pierre und Marie

Pierre hält es unterdessen nicht länger in der Schweiz. Er hat Heimweh nach seiner Familie, seinem Heimatdorf und den Glaubensgeschwistern. Daher kehrt er in seine Heimat zurück, darf seine Familie und die Mitgeschwister aber nicht durch sein Erscheinen gefährden und muss sich deshalb versteckt halten. Trotz aller Gefahren versammeln sich die Gläubigen weiterhin und erle­ben so­gar eine Erweckung. Pierre ist ein unermüdlicher Kämpfer für die Wahrheit mit einer großen Liebe zu Gott und den Seinen. 1724 verlobt er sich mit Anne Rouvier, der Schwester sei­nes auf die Galeeren (Ruderschiffe) verbannten Freundes Pierre. 1727 werden die beiden getraut.
Marie ist in diesen bewegten Zeiten inzwischen älter geworden. Im Herbst 1728 marschieren erneut Soldaten heran. Der Vater Etienne flüchtet in ein in der Nähe gelegenes Schloss. Seine Tochter, die nun 17 Jahre alt ist, vertraut er der Fürsorge von Nach­barn an. Die Soldaten nehmen die Bibel, christliche Schriften und das Tagebuch des Vaters mit. Einige Wo­chen später wird Etienne entdeckt und in das Gefängnis in Valence einge­liefert, wo er mehr als 14 Jahre verbringen wird.
Anne, Pierres Frau, wohnt zunächst bei ihrer Mutter. Sie fühlt sich dort jedoch nicht mehr sicher und gibt ihre Heimat auf, um von nun an in Einöden und Schluchten, in nächtlichen Verstecken und auf einsamen Wegen ein Leben in der „Wüste“ zu führen. Ihr erstes Kind wird geboren, die kleine Jeanne überlebt jedoch die Strapazen der ständigen Flucht nicht und stirbt.

Treu in der Gefangenschaft

Im Juli 1730 wird Marie in ihrem Haus verhaftet und nach Aigues-Mor­tes/Camargue in den berüchtigten „Turm der Standhaftigkeit“ (Tour de Constance) gebracht. Mindestens 28 Frauen bevölkern das dunkle, feuchte Gefängnis, durch dessen Öffnungen Nebel, Kälte, Wind und Sonnenglut eindringen und die Gefangenen quälen. Trotz der extremen Bedingungen und des Drucks, ihrem Glauben abzu­schwören, bleibt sie standhaft. Ihre Entschlossenheit wird symbolisiert durch das Wort „Résistez!“ („Widersteht!“), das sie angeblich in den Stein des Gefängnisses eingraviert haben soll. Während ihrer Haftzeit ermutigt sie andere inhaftierte Frauen, ihren Glauben nicht zu verleugnen. Ihre Korrespondenz mit der Außenwelt und ihre Rolle als moralische Führerin machen sie zu einer Figur des Widerstands der Gläubigen und des Ausharrens. Der Turm der Constance in Aigues-Mortes ist heute ein Ort des Gedenkens an ihre Leiden und die vieler anderer Hugenotten.
Wie leicht hätte sie die Freiheit erwirken können! Sie hätte „nur“ abschwören und in den Schoß der katho­lischen Kirche zurückkehren müssen. Doch das wollte sie nicht – nein, um keinen Preis wollte sie die Wahrheit verleugnen.

Treu bis in den Tod

Pierre ist in den Augen der staatlichen und kirchlichen Behörden ein gefährlicher Aufwiegler, auf dessen Ergreifung eine hohe Geldsumme ausgesetzt ist. In einer kalten Februarnacht des Jahres 1732 fällt er seinen Feinden durch Verrat in die Hände. Er muss sich verschiedenen Verhören unterziehen und bekennt sich dabei als Gläubiger, der Gott mehr gehorchen muss als Menschen. In einem Abschiedsbrief an seine Freunde heißt es: „Mein Lauf wird bald beendet sein. Wenn Gott mir beisteht, werde ich in aller Kürze das Evangelium besiegeln, das ich gepredigt habe. Ich bitte Euch, den Herrn für mich zu bitten, dass Er mich in allen meinen Prüfungen stärkt!“
In der Stadt Montpellier, die nicht weit von dem Turm der Constance entfernt liegt, verbringt Pierre seine letzten Tage in einem unterirdischen Gefängnis. In seiner einsamen und finsteren Zelle bleibt er nicht von Versuchung und Schwäche verschont. Bald ist er jedoch wieder fest und ungebeugt und bleibt es bis zuletzt. Pierre wird schließlich zum Tod am Galgen verurteilt. Als ihm das Todesurteil überbracht wird, hebt er seine Augen zum Himmel auf und ruft mit gefalteten Händen: „Gelobt sei Gott! Dies ist der Tag, der allen meinen Leiden ein Ende bereitet, der Tag, an dem mich der große Gott mit seinen köstlichsten Gnaden überschütten und mir das ewige Glück geben wird.“
In der Stunde der Hinrichtung drängt sich eine große Menge auf dem Marktplatz. In lautem Trommelwirbel sollen die letzten Worte von Pierre Durand untergehen. Aber das Zeugnis des Sterbenden kann nicht verhindert werden. Er singt den Psalm vom guten Hirten und erfleht Gottes Barmherzigkeit für sich. Unerschrocken besteigt er dann die Leiter zum Galgen und gibt dem Henker selbst das Zeichen.
Der Tod des Märtyrers entflammt vie­le zu neuem Eifer, den Herrn zu bekennen. Junge Männer treten in seine Fußstapfen und sind bereit, ihr Leben zu opfern. Pierre hat durch das kraftvolle Zeugnis seines Märtyrertodes seinen Herrn verherrlicht. Seiner Schwester Marie war das andere Los auferlegt, ihr Glaube musste sich in langer, beschwerlicher Gefangenschaft bewähren. Pierres Frau flieht nach dem Tod ihres Mannes mit den Kindern in die Schweiz, wo nur eine Tochter überlebt.

Treue im Ausharren

„RESISTEZ!“ Immer wieder ruft Marie Durand dies sich selbst und den an­deren Frauen zu! Und sie widersteht, wenn Versuchungen und Anfech­tungen kommen, wenn Krankheiten und Seuchen den Gefangenen zu schaffen machen und manche dahinraffen, wenn die Luft in dem engen Verlies unerträglich wird, wenn sich die Hoffnung auf eine baldige Begna­digung wieder einmal zerschlägt.
Bis zu 38 Frauen sitzen zeitweise in diesem Turmgefängnis ein, die meis­ten, weil sie Christen sind. Dort müssen sie auf den Tag warten, an dem sie sterben – oder sich von ihrem Glauben lossagen. Als 19-Jährige kommt Marie Durand dort an, und nach einigen Jahren versteht sie, dass ihre Mission darin besteht, den Frauen zu helfen, die dort in diesem Gefängnis sind. So kümmert sie sich Jahr für Jahr um die Frauen, die oft an Rheuma leiden und verzweifelt und schwach sind. Marie widmet sich ganz dieser Arbeit und harrt 38 Jahre in diesem Turm aus. Sie und die anderen eingesperrten Frauen ertragen die härtesten und unhygienischsten Bedingungen, die man sich vorstellen kann. Marie überlebt fast alle Frauen dort.
Sie lässt sich nicht von den Umständen brechen. Sie ist es, die in Gebet und Gesang die anderen anführt. Das Mit­tel, mit dem sie diese Aufgabe bewältigt, ist ihr unerschütterlicher und unnachgiebiger Glaube an Gott. Es ist gleichzeitig auch das einzige wirksame Werkzeug, das ihr zur Verfügung steht. Das gleiche Mittel steht uns zur Verfügung. Mögen wir uns nicht scheuen und uns nicht schämen, es zu benutzen.
Es gibt eine Gefangenenakte von Marie Durand. Darin steht eine kurze Bemerkung: „Glaubensstand unverän­dert!“ Was für ein Zeugnis ihrer Treue und Standhaftigkeit!

Gottes Hilfe in und aus den Umständen

Trotz des Märtyrertodes von Pierre Durand bleiben die Familienange­hö­rigen für viele weitere Jahre in Haft. Der Vater Etienne wird vierzehn Jahre später im Alter von 86 Jahren freigelassen. Die Schwiegermutter von Pierre Durand stirbt nach vierundzwanzig Jahren Haft im Gefängnis. Ne­ben der Sorge um das Wohlergehen ihrer Mitgefangenen kümmert sich Marie Durand vom Gefängnis aus stets auch intensiv um die Tochter ihres hingerichteten Bruders. Diese lebt seit der Flucht mit ihrer Mutter in der Schweiz, ist jedoch nach deren Tod und dem Tod ihrer Geschwister ganz ohne familiäre Bezugspersonen.
Marie wird erst 1768 im Alter von 56 Jahren als körperlich gebrochene Frau wieder freigelassen. Sie kehrt nach Le Bouchet-de-Pranles zurück. Eine frühere Mitgefangene gesellt sich zu ihr. Es ist ein einfaches, fast erbärmliches Leben, das die beiden führen. Sie versorgen ein paar Ziegen, bebauen einen kleinen Garten und bereiten karge Mahlzeiten zu. Die Kraft des Gebets durchstrahlt ihren schlichten Alltag. Acht Jahre lebt Marie noch in der wiedergeschenkten Freiheit. Im Juli 1776 ruft der Herr sie heim. Der Tod öffnet ihr das Tor in jenes Land, in dem nie mehr menschliche Ungerechtigkeit und Grausamkeit, nie mehr Leiden und Schrecken sein werden. Ihre letzten Worte sollen gewesen sein: „Die Krone des Lebens.“ Ja, diese Krone wird sie empfangen, denn sie bewährte sich in der Prüfung und war auch bereit, für ihren Herrn zu sterben (vgl. Jak 1,12; Off 2,10).

recherchiert und zusammengestellt von
Andreas Kringe

Werft nun eure Zuversicht nicht weg, die eine große Belohnung hat. Denn ihr habt Ausharren nötig, damit ihr, nachdem ihr den Willen Gottes getan habt, die Verheißung davontragt. Denn noch eine ganz kleine Zeit, und „der Kommende wird kommen und nicht ausbleiben“.
Hebräer 10,35-37

Quellen:
Pagel, Arno: Marie Durand. Brunnen Verlag, Gießen. 1987.
Ronner, Emil Ernst : Marie Durand. Brockhaus Verlag, Wuppertal. 1976.
Fabre, André: Pierre Durand, pasteur du désert, martyr (1700-1732), Neuilly, éditions La Cause. 1930.

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Die Frucht des Geistes in der Ehe

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Die neunteilige Frucht des Geistes, die in Galater 5 vorgestellt wird, beschreibt die natürlichen Merkmale des neuen Lebens, das in der Kraft des Heiligen Geistes tätig wird. In diesem Artikel gehen wir besonders der Frage nach, wie es in unseren Ehen und Familien aussieht und wie die Frucht des Geistes da erkennbar werden kann.

Die Frucht des Geistes aber ist: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Gütigkeit, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit [oder: Selbstbeherrschung].
(Gal 5,22.23)


Liebe

Das Wesen der Liebe ist, dass sie zu­nächst an den Anderen und an seinen Nutzen denkt. So hat sich die Liebe Gottes uns gegenüber gezeigt. Wenn wir in unseren Ehen denken: „Ich wünschte sehr, dass mein Mann sich mehr bemühte, mich zu verstehen", oder: „Meine Frau geht nicht auf meine Bedürfnisse ein“, oder: ,,Was habe ich denn noch von dieser Ehe?", entspricht das nicht der Liebe als Teil der Frucht des Geistes.
Gott hat uns geliebt, ohne seine Lie­be davon abhängig zu machen, eine Antwort zu erhalten. Er hat in seiner Liebe gegeben. Das dürfen wir auch tun! Wenn wir – vielleicht unbe­wusst – mit dem Gedanken lieben, etwas zurückzubekommen, werden wir möglichweise enttäuscht. Vielleicht sagen wir dann: „Vergiss es! Ich wer­de nie mehr irgendet­was geben!“ Aber das ist keine echte Liebe. So hat Gott uns nicht geliebt. Wie sehr liebte Chris­tus uns? Wie viel gab Er? Er gab sich selbst. Mehr konnte Er nicht geben.
Wahre Liebe opfert sich auf und stellt dabei keine Bedingungen. Wah­re Liebe ist selbstlos und lässt sich nicht erbittern. Sie gibt nicht auf und sie erträgt (s. 1. Kor 13,4-8). In unse­ren Ehen kann es sein, dass wir uns selbst lieben und gleichgültig gegen­über dem Ehepartner werden. Doch das ist das genaue Gegenteil der Frucht des Geistes.
Nicht von ungefähr fordert die Bibel besonders die Männer auf, ihre Frau­en zu lieben (s. Eph 5,25). Wir Män­ner haben diese Aufforderung sehr nötig! Wir sollen unsere Frauen lie­ben, wie Christus die Versammlung geliebt hat. Sind wir bereit, uns selbst aufzuopfern, unsere Interessen, Freunde, Hobbies und Beschäf­tigungen zurückzustellen, um un­sere Frauen zu nähren und zu pflegen?
Oft ziehen wir es vor, die Anerken­nung zu suchen, die wir durch einen hohen Einsatz im Beruf oder auch im Dienst für den Herrn erwarten, statt unserer Verantwortung in Ehe und Familie nachzukom­men.
Auch die Frauen sollen ihre eigenen Männer lieben. Das stellt Gottes Wort noch vor die Liebe zu den Kin­dern (s. Tit 2,4). Die Liebe der Ehe­partner zueinander wird den Einzel­nen auch vor der Gefahr schützen, Zuwendung und Anerkennung in an­deren Bereichen zu suchen.
Und wenn wir den Eindruck haben, immer nur zu geben? Dann sind wir in guter Gesellschaft, denn auch der Herr Jesus hat geliebt und gegeben, ohne etwas zu erwarten. Und sicher wird es so sein, dass auch etwas zu­rückkommt von dem, was wir geben. Machen wir es zu einem aufrichti­gen Gebet, ohne dabei aufzuhören, mit des Herrn Hilfe zu lieben und zu geben. Er wird uns zu Hilfe kommen!

,,Wandelt in Liebe, wie auch der Christus uns geliebt und sich selbst für uns hingegeben hat."
Epheser 5,2


Freude und Frieden

Auch wenn Mann und Frau in der Ehe zu einer Einheit werden, bleibt es doch erforder­lich, dass je­der Ehepartner ein eigenes geistli­ches Leben führt. Dann wird im Vertrauen auf den Herrn auch in schwierigen Umständen Freude und Dankbarkeit erlebt. Angst und Be­sorgnis werden dann dem Frieden Platz machen, den Gott gibt, wenn wir mit unseren Anlie­gen zu ihm kom­men.
Wenn sowohl der Mann als auch die Frau die Freude im Herrn Jesus und den Frieden Gottes im täglichen Leben erfahren, wird auch in der Ehe eine Atmo­sphäre bestehen, die von gegensei­tigem Ver­trauen geprägt ist. Dann wird auf jeder Ebene – nach Körper, Geist und Seele – ein vertrauter Umgang mit­einander bestehen. Dann wird man sich in der Gegenwart des anderen wohlfühlen und ungehin­dert alle Vor­stellungen, Meinungen, Ängste, An­liegen und Empfindungen miteinan­der teilen. Es wird keine Angst davor geben, zurückgewiesen oder gar un­terdrückt oder lächerlich gemacht zu werden.
Jeder Ehepartner wird auch bereit sein, Fehler einzugestehen, ohne da­bei Sorge vor Kritik und Zurückwei­sung zu haben. Positive Erlebnisse und Erfolge werden gerne geteilt werden, ohne dass der andere darin gleich Stolz und Angeberei sieht und tadelt. Man wird Freude aneinander und miteinander erleben und in Frieden sein. Und die gemeinsame Freude am Herrn Jesus wird das schönste Teil sein, das Mann und Frau miteinander ge­nießen.

,,Die Freude an dem Herrn ist eure Stärke."
Nehemia 8,10

„Der Friede des Christus regiere in euren Herzen."
Kolosser 3,15


Langmut

Manche Eigenschaft und Angewohn­heit des Ehepartners hätten wir in der Verlobungszeit nicht vermutet. Solange der Partner durch die Brille des ersten Verliebtseins wie der Traumprinz oder die Prinzessin er­scheint, übersieht man manches, das erst nach der Hochzeit auffällt.
Manchmal ist es so, dass auch nach vielen Ehejahren noch immer dieses oder jenes geschieht, von dem der Partner eigentlich genau weiß, dass es dem anderen Mühe macht. Dann fehlt uns oft die nötige Geduld und Langmut! Doch wie ist es bei mir selbst? Wie viel Langmut muss mein Gott mit mir haben, obwohl ich doch schon so lange auf dem Glaubens­weg bin?
Wenn ich langmütig bin, bleibe ich ruhig und entspannt, auch wenn mein Partner „immer noch“ Dinge tut, die für mich schwer zu ertragen sind. Dann lebe ich in einer Haltung, die nicht das eigene Glück darin sieht, den Partner nach den eigenen Vorstellungen zu verändern, sondern die bereit ist, ihn zu lieben, so wie er ist. Die Langmut wird dazu füh­ren, einander in Liebe zu ertragen (s. Eph 4,2). Der Partner ist dann kei­ne Last für mich, sondern ich freue mich über ihn und liebe ihn von Herzen, auch wenn nicht alles so ist, wie ich es mir vorgestellt habe.

Freundlichkeit

Das griechische Wort für „Freund­lichkeit“ wird an manchen Bibelstel­len mit „Güte“ übersetzt. Der Reich­tum der Freundlichkeit Gottes (s. Röm 2,4), der uns in Güte zur Buße gelei­tet hat, steht uns zur Verfügung. Die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes sind in Christus erschienen (s. Tit 3,4). Von dieser Freundlichkeit dürfen wir im Miteinander in der Ehe und Familie etwas zeigen. Das ist das Gegenteil von Herrschsucht, von Gleichgültigkeit dem anderen gegenüber oder von Selbstsucht. Es führt dazu, das Wohl des Ande­ren zu suchen und ihm zu vergeben (s. Eph 4,32).
Gott hat uns in Christus vergeben. Darin ist seine ganze Freundlichkeit sichtbar geworden. Und genauso sol­len wir vergeben. Wir holen es beim nächsten Vorfall nicht mehr zur An­klage hervor. Dann kommt das Ge­schehene nie mehr zwischen mich und den Partner. Und wenn der Ge­danke daran doch aufkommt, bitte ich Gott um Hilfe, den Gedanken so­fort wieder wegzutun. Nur so kön­nen Beziehungen gesund werden und bleiben. Und nur so können Herzen ungehindert in Liebe füreinander schlagen.

Gütigkeit

Gütigkeit wird nicht nur als ein Teil der Frucht des Geistes vorgestellt. In Epheser 5,9 wird sie zusammen mit Gerechtigkeit und Wahrheit als eine Frucht des Lichts genannt. In Lukas 23,50 finden wir den Rats­herrn Joseph, der ein guter und gerechter Mann war.
Sind wir in un­seren Ehen auch durch Gütigkeit gekennzeich­net, die in Über­einstimmung mit praktischer Ge­rechtigkeit ausge­übt wird? Dann wer­den wir hilfsbe­reit sein und mehr danach fragen, wie wir unserem Ehe­partner eine Hilfe sein können, als selbst Hilfe von ihm zu erwarten. Dann werden wir mehr an den An­deren und sei­nen Nutzen denken, als an uns selbst.

,,Seid aber zueinander gütig, mitleidig, einander vergebend, wie auch Gott in Christus euch vergeben hat.“
Epheser 4,32


Treue

Das Wort, das hier mit „Treue“ wie­dergegeben wird, wird an den meis­ten Stellen mit „Glaube“ übersetzt. Unser Glaube lässt uns auf Gott ver­trauen, und zwar nicht nur im Blick auf unsere ewige Errettung. Nein, wir „wandeln durch Glauben, nicht durch Schauen“ (2. Kor 5,7).
Unser ganzes Leben als Christen darf ein Leben aus Glauben sein, d. h. ein Leben im Vertrauen auf den Herrn und in der Abhängigkeit von Ihm. Dieses Vertrauen gibt innere Ruhe und lässt uns nach sei­nem Willen für unser Leben fragen. Wir vertrauen Ihm, dass Er es gut macht, auch wenn es einmal anders läuft, als wir es uns vorgestellt haben.
Dabei ist uns völlig klar, dass dieser Glaube niemals beschämt wird, weil unser Gott absolut vertrauenswür­dig und treu ist. Doch wie sieht es in unseren Ehen aus? Sind wir unse­rem Partner gegenüber absolut treu, sodass er sich auf uns verlassen kann? Schaffen wir durch unsere Treue ein gegenseitiges Vertrauen, sodass wir uns „blind“ aufeinander verlassen können?
Dazu gehört auch die Bereitschaft, böse Worte und falsches Verhalten rückhaltlos zu bekennen. Das ist ein entscheidender Bestandteil einer sta­bilen Ehe. Die eheliche Treue be­schränkt sich nicht darauf, keine tat­sächliche Hurerei zu begehen (das, was die Welt verharmlosend „Sei­tensprung“ nennt, was aber in den Augen Gottes Hurerei und Ehebruch ist), sondern bedeutet, auch in Ge­danken jederzeit fest zu dem Ehe­partner zu stehen und auch die Au­gen und Gefühle in Reinheit zu be­wahren (s. Mt 5,28)!
Treue als Teil der Frucht des Geistes schließt auch ein, dass wir täglich im Glauben und in Abhängigkeit vom Herrn leben und wandeln, dass wir jede Entscheidung mit Ihm treffen und danach verlangen, seine Leitung zu erleben und seinen Willen zu tun. Das ist praktische Treue, die sich aus der Glaubensverbindung zu dem Herrn ergibt.
Wie viele Konflikte in unseren Ehen wären nicht entstanden, wenn wir immer so gelebt hätten. Wie viele Diskussionen wären unnötig gewor­den, wenn der Wille des Herrn im Vordergrund gestanden hätte. Statt zu diskutieren, was uns selbst besser passt und gefällt, würden wir ge­meinsam beten, um den Willen des Herrn zu erkennen. Das würde auch im Miteinander zu neuem und ver­mehrtem Vertrauen führen.

Sanftmut

Sanftmut hat damit zu tun, auf die eigenen Rechte zu verzichten und auf erlebtes Unrecht nicht mit Ver­geltung zu reagieren. Mose war zu seiner Zeit der sanftmütigste Mann auf der Erde (s. 4. Mo 12,3). Auch als er von seinen eigenen Geschwistern angegriffen wurde, reagierte er nicht aufgebracht. Und als Gott sein Volk vernichten wollte, da will Mose lie­ber selbst ausgelöscht werden, wenn dadurch das Volk verschont wür­de (s. 2. Mo 32,32).
So groß das Beispiel Moses auch ist, es gibt noch ein größeres Vor­bild. Es ist der Herr Jesus selbst, der von sich sagt, dass er „sanftmütig und von Herzen demütig“ ist (Mt 11,29). Wir dürfen von Ihm lernen. Wie heilsam wäre das für unsere Ehen. Wie viel Verletzung und Streit würden so vermieden. Der sanfte und stille Geist ist tatsächlich vor Gott sehr kostbar (s. 1. Pet 3,4). Er macht um Vieles schöner als jeder äußere Schmuck.

Enthaltsamkeit oder Selbstbeherrschung

Nach Jakobus 3 ist die Zunge der Körperteil, der am schwierigsten zu bändigen ist. Fast ein ganzes Kapitel widmet der Geist Gottes diesem Thema. Dabei können wir mit unse­rer Zunge sündigen, indem wir zu viel sagen. Aber wir können auch zu wenig sagen.
Beleidigungen, Erniedrigungen, harte Worte, vorschnelle Vermutungen, Un­terstellungen und ähnliche Äuße­rungen unserer Zunge zerstören Be­ziehungen. Aber auch wenn die gu­ten Worte fehlen, wenn es kein Lob, keine Anerkennung, keine Zusicherung der Liebe und keine ernstgemeinten Komplimente in der Ehe mehr gibt, können Zunei­gungen erkalten und die Beziehung wird leiden.
Richtig ausgelebte Enthaltsamkeit ist auch auf sexuellem Gebiet wich­tig. Die Sexualität hat der Schöpfer­gott in den Menschen gelegt, damit er sie in der Ehe zu seiner Freude und zur Fortpflanzung auslebt. Paulus, der zwar selbst nicht verheiratet war und der die Gnadengabe dazu hatte, weiß um die geschlechtlichen Be­dürfnisse und ermahnt die Verheirateten, sich einander nicht zu entzie­hen (s. 1. Kor 7,5).
Zugleich fordert Gottes Wort beson­ders die Männer auf, bei den Frauen zu wohnen nach Erkenntnis. Das ist sicher nicht beschränkt auf den Bereich der Sexualität, aber dieser ist unbedingt mit eingeschlossen (s. 1. Pet 3,7).
Möge der Heilige Geist uns helfen, die Frucht des Geistes in unserem ganzen Leben und besonders in un­seren Ehen und Familien mehr zu zeigen. Unsere Ehen werden dann mehr und mehr dem entsprechen, was sie sein sollen – ein Hinweis auf Christus und seine Versammlung (s. Eph 5,32).

In Anlehnung an einen Artikel von Paul L. Canner (aus Grace & Truth Magazine, 1999)

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