
Großes Entsetzen bei den Ägyptern: Die Erstgeburt in ihren Häusern ist diese Nacht getötet worden, sowohl die Erstgeburt der Menschen als auch des Viehs.
Im Gegensatz dazu herrscht in den Häusern der Israeliten eine freudige Aufbruchstimmung. Sie alle haben ein Lamm geschlachtet, das Blut an die Türpfosten und den Türsturz gestrichen und essen gemeinsam das gebratene Lamm mit ungesäuertem Brot und bitteren Kräutern. Mose hat ihnen diese Anordnung Gottes weitergegeben. In den Häusern der Israeliten gibt es Sicherheit. So wird ein Festmahl der Befreiung eingenommen – der unmittelbar bevorstehenden Befreiung aus der Sklaverei Ägyptens (vgl. 2. Mo 12,51).
Gott gibt in diesem Zusammenhang eine wichtige Anordnung: Dieser Tag soll regelmäßig (jährlich) als Gedächtnisfest gefeiert werden (s. 2. Mo 12,14; 3. Mo 23,5). Die Befreiung aus Ägypten ist also von solcher Bedeutung, dass die Israeliten sich regelmäßig an dieses Ereignis erinnern sollen. Das Passah soll außerdem nicht nur während der Wüstenreise, sondern auch später im Land Kanaan gefeiert werden. Besonderen Wert legt Gott darauf, dass auch die Begründung für die Ursache dieses Festes an nachfolgende Generationen weitergegeben wird, nämlich die Errettung von dem Gericht, das an den Ägyptern ausgeübt wurde (s. 2. Mo 12,24-27). Allerdings ist bei allen weiteren Passahfeiern das Bestreichen des äußeren Türrahmens mit Blut nicht mehr erforderlich. Die Verschonung vom Gericht war einmalig – aber die Erinnerung daran ist dauerhaft.
Das Volk erlebt in den Tagen und Wochen nach dem ersten Passah mehrfach die wunderbare Leitung und Fürsorge ihres Gottes: z. B. den Durchzug durch das Rote Meer auf dem Trockenen, die Versorgung mit Wasser und dem Man in der Wüste sowie den Sieg über Feinde (Amalekiter). Außerdem erhalten sie das Gesetz, die Anordnungen für den Bau des Zeltes der Zusammenkunft und die verschiedenen Opferdienste.
Schließlich ist ein Jahr vergangen und Gott spricht zu Mose, dass das Passah gefeiert werden soll (s. 4. Mo 9,1-5). Dabei hat der Israelit darauf zu achten, dass er nicht verunreinigt ist (s. 4. Mo 9,6-8). Wir können sicher annehmen, dass dies eine freudige Feier voller Dankbarkeit gegenüber Gott war, der sie auf so wunderbare Weise aus Ägypten erlöst und bis hierher durch die Wüste geführt hatte. Alle, die dieses Passah feierten, hatten es ja bereits vor einem Jahr in Ägypten getan und die damit verbundenen Wunder noch lebhaft in Erinnerung.
Später weist Gott sein Volk darauf hin, wo das Passah im Land Kanaan zu feiern sei (s. 5. Mo 16,2.6.7.16): Gott würde sich einen Ort erwählen, an dem das Passah jährlich als erstes Fest im Jahr gefeiert werden soll. Alle männlichen Israeliten sollen dann an diesen Ort ziehen, um das Passah zu feiern.
Von weiteren Passahfesten in der Wüste berichtet Gottes Wort nichts. Erst als das Volk den Jordan durchquert hat und im Begriff steht, das Land Kanaan in Besitz zu nehmen, feiern sie das Passah in Gilgal (s. Jos 5,10-12).
Der Herr Jesus hat während seiner Zeit auf der Erde mehrfach das Passah gefeiert. So geht Er im Alter von 12 Jahren mit seinen Eltern nach Jerusalem zum jährlichen Passahfest (s. Lk 2,41.42). Und auch später, im Laufe seines öffentlichen Dienstes, geht der Herr nach Jerusalem, um das Passah zu feiern (s. z. B. Joh 2,13).
Dann kommt ein besonders beeindruckendes Passahfest: Der Herr Jesus feiert es mit seinen Jüngern in dem Obersaal in Jerusalem und Er hat sich mit Sehnsucht danach gesehnt, es zu tun (s. Lk 22,7-20).
Neben der Erinnerung an die geschehene Erlösung aus Ägypten hat das Passah auch eine prophetische, vorausschauende Bedeutung: Diese Bedeutung findet wenige Stunden nach diesem letzten Passah des Herrn ihre Erfüllung, indem Jesus das Passahlamm wird, welches am Kreuz auf Golgatha Leiden (bittere Kräuter) und Tod (geschlachtetes Lamm) erdulden wird. Damit ist die Bedeutung des Passahs erfüllt. Paulus bestätigt diesen prophetischen Aspekt: „Denn auch unser Passah, Christus, ist geschlachtet worden“ (1. Kor 5,7).
Es ist bemerkenswert, dass der Herr nach dieser Passahfeier etwas Neues einführt. Die Beziehung mit dem Volk Israel kommt zu einem (vorläufigen) Ende und Er führt seine Jünger in eine neue Beziehung zu Gott ein. Er gibt ihnen Brot und anschließend einen mit Wein gefüllten Kelch.
Das Brot ist ein Bild von seinem Leib, den Er für sie hingeben würde, der Wein ist ein Bild seines Blutes, das am Kreuz vergossen werden würde. Er steht im Begriff, für seine Jünger zu sterben, damit sie ewiges Leben bekommen. Der Herr sagt dabei ausdrücklich, dass seine Jünger dieses Mahl weiterhin zu seinem Gedächtnis halten sollen (s. Lk 22,19.20). Dass dieses Mahl ein Gedächtnismahl[1] an den Tod des Herrn Jesus ist, wird im ersten Korintherbrief bestätigt (s. 1. Kor 11,26). So wird ein Erinnerungsmahl (das Passah als Erinnerung an das vorübergegangene Gericht Gottes und die Erlösung aus der Sklaverei Ägyptens) durch ein neues Erinnerungsmahl (das Mahl des Herrn als Erinnerung an sein stellvertretendes Erlösungswerk am Kreuz auf Golgatha) ersetzt, wobei der göttliche Grundsatz unverändert bestehen bleibt: „Und sehe ich das Blut, so werde ich an euch vorübergehen“ (2. Mo 12,13). Das Blut des vorbildlichen Passahlammes ist also ein direkter Hinweis auf das „kostbare Blut Christi, als eines Lammes ohne Fehl und ohne Flecken“ (s. 1. Pet 1,19).
Paulus fügt dann noch eine wichtige Ergänzung hinzu: Es ist die Verkündigung des Todes des Herrn – bis Er kommt. Wir dürfen uns also immer wieder an den Tod des Herrn Jesus erinnern und durch die Handlung des Essens und des Trinkens seinen Tod verkündigen, bis Er kommt, um uns zu sich in die Herrlichkeit des Himmels zu holen. Wir sollen niemals vergessen und dürfen immer dafür dankbar sein, was der Herr für uns am Kreuz auf Golgatha getan hat. Genauso wie das Volk Israel sich immer wieder daran erinnern sollte, dass Gott sie mit starker Hand und ausgestrecktem Arm aus der Macht Ägyptens befreit hatte (s. z. B. 5. Mo 26,8).
Nie sei, Lamm Gottes,
Dein Opfer vergessen,
dass Du Dich legtest
auf Gottes Altar,
wenn wir die Tiefen
auch niemals ermessen,
was Dir das Kreuz,
was Dir Golgatha war!
Schließlich werden sowohl das Passahfest als auch das Gedächtnismahl in Gemeinschaft mit dem Herrn und anderen Erlösten gefeiert. Ein Fest ist ein freudiges Ereignis, das man gerne mit vielen Gleichgesinnten gemeinsam feiert. Es gibt einen Anlass, der die Feiernden verbindet. Beim Passah war es die Freude über die Erlösung aus der Sklaverei in Ägypten, beim Gedächtnismahl ist es die Dankbarkeit erlöster Sünder über die Befreiung aus der Macht Satans und das erhaltene Heil in ihrem Retter Jesus Christus.
Gleichzeitig bewundern die Erlösten gemeinsam verschiedene Herrlichkeiten ihres Heilandes durch Lieder, Gebete und Schriftlesungen.[2] Es gipfelt im Gedenken an seine Hingabe bis in den Tod, wenn das Gedächtnismahl genommen wird.[3] Das tun die versammelten Erlösten gemeinsam, indem sie den Sohn Gottes, ihren Erlöser Jesus Christus, loben, ehren, Ihm danken und Ihn anbeten – bis Er kommt.
Wie damals im Volk Israel gibt es auch heute den von Gott bestimmten „Ort“, an dem das Mahl des Herrn eingenommen wird. Es ist der „Tisch des Herrn“ (s. 1. Kor 10,21), ein geistlicher Ort der Gemeinschaft (Tisch) mit dem Herrn Jesus und untereinander, an dem Er selbst alle Rechte hat, weil es sein Tisch ist. Und wie damals nur diejenigen das Passah feiern konnten, die nicht unrein waren, so gilt auch heute, dass man nur mit reinem Herzen und Leben an dem Gedächtnismahl des Herrn teilhaben kann.
Wenn Er sie zu sich in die Herrlichkeit geholt hat, ist diese Erinnerung nicht mehr nötig, dann werden alle Erlösten zu dem Herrn Jesus entrückt sein und ihren Erretter „von Angesicht zu Angesicht“ (1. Kor 13,12) sehen, so „wie er ist“ (1. Joh 3,2).
Marco Steih
Fußnoten:
„Gedächtnis“ ist ein weiter gehender Begriff als nur „Erinnern“. Es schließt das Gedenken an die moralischen Herrlichkeiten des Erlösers Jesus Christus mit ein.
Im Rahmen des Zusammenkommens zum Brotbrechen ist auch Dank und Anbetung an Gott, den Vater, angebracht, der seinen Sohn zur Errettung verlorener Sünder gegeben hat.
Das Einnehmen des Gedächtnismahles ist der eigentliche Zweck dieses Zusammenkommens. Ob es mehr am Anfang, in der Mitte oder mehr am Ende des Zusammenkommens eingenommen wird, bleibt dabei der Leitung durch den Heiligen Geist überlassen.