
Gottes Beurteilung der Menschen zur Zeit Noahs war: „Und der Herr sah, dass die Bosheit des Menschen groß war auf der Erde, und alles Gebilde der Gedanken seines Herzens nur böse den ganzen Tag“ (1. Mo 6,5). Er sprach das Gerichtsurteil über die verdorbene Erde aus: „Ich will den Menschen, den ich geschaffen habe, von der Fläche des Erdbodens vertilgen …“ (V. 7).
Gott ist Licht und muss Sünde bestrafen. Die Sintflut war Gottes Gericht über die sündige Menschheit. Gleichzeitig schmerzte es Gott in sein Herz hinein (s. V. 6), denn Er ist Liebe. So gab Er die Möglichkeit der Rettung vor dem Gericht durch ein von Ihm selbst bereitgestelltes Rettungsmittel, die Arche.
In seiner Langmut gab Gott eine Zeitspanne von 120 Jahren (s. V. 3) zur Umkehr. In dieser Zeit wurde die Arche gebaut (s. 1. Pet 3,20). Diese Zeitspanne wurde allerdings in der Mitteilung Gottes an Noah nicht erwähnt. Den Menschen war also nicht bekannt, wann die Flut kommen würde, aber die Arche musste fertig sein.
„Noah aber fand Gnade in den Augen des Herrn“ (1. Mo 6,8). Er hatte also Gnade gesucht und zeigte damit, dass er seinen verlorenen Zustand anerkannte (s. Heb 11,7). Er und seine Familie wurden nicht aufgrund eigener Verdienste gerettet, sondern durch Gottes Gnade und seinen Gehorsam gegenüber Gottes Anweisungen zum Bau der Arche. Gott überließ es nicht Noah, sich eine Rettungsmöglichkeit zu überlegen. Alles wurde von Gott geführt, Noah hatte nur den Anweisungen zu folgen. Wiederholt wird der Gehorsam Noahs hervorgehoben (s. 1. Mo 6,22; 7,5.9.16). Und dieser Gehorsam entsprang seinem Glauben (s. Heb 11,7).
Nur wer in die Arche ging, wurde gerettet, während der Rest der Welt umkam. So wie das Hineingehen in die Arche die einzige Möglichkeit war, der Sintflut zu entkommen, hat der Herr Jesus durch seinen Tod am Kreuz den einzigen Weg gebahnt, auf dem Menschen dem ewigen Gericht Gottes über die Sünde entkommen können (s. Apg 4,12).
Die Gnade Gottes ist auf ganze Häuser, d. h. ganze Familien gerichtet. „Und der Herr sprach zu Noah: Geh in die Arche, du und dein ganzes Haus …“ (1. Mo 7,1; s. a. Apg 11,14; 16,34).
Noahs Herz schlug auch für seine Familie (s. Heb 11,7). Seine Predigt schien bei den Menschen um ihn her nicht zu fruchten, aber seine ganze Familie glaubte und wurde gerettet. Ein Ansporn für uns heute!
Größe, Gestalt und Material der Arche waren von Gott angeordnet. Die Arche hatte optimale Größenverhältnisse für ein Transportschiff. Wenn man für eine Elle 46 cm zugrunde legt, dann war sie 138 m lang, 23 m breit und 13,8 m hoch. Es war Platz für jeden, der kommen wollte (s. Off 22,17). Auch darin ist sie ein Vorausbild auf den Tod des Herrn Jesus (s. 1. Tim 2,3-6).
Die Arche war aus Gopherholz. Diese Holzart war zur damaligen Zeit offensichtlich bekannt, ist aber heute nicht mehr eindeutig zu bestimmen. Ganz allgemein gilt, dass ein Baum aus der Erde wächst. Holz ist daher ein Hinweis auf die wahre Menschheit des Herrn Jesus (s. 1. Tim 2,5).
Das Holz selbst ist aber auch ein Vorausbild auf das Kreuz. Das gleiche Wort, das in 1. Mose 6,14 für „Holz“ verwendet wird, wird auch in 5. Mose 21,22.23 gebraucht. Diese Stelle zitiert Paulus in Galater 3,13: „Christus hat uns losgekauft von dem Fluch des Gesetzes, indem er ein Fluch für uns geworden ist (denn es steht geschrieben: ‚Verflucht ist jeder, der am Holz hängt!‘).“ Das hier gebrauchte Wort wird im Neuen Testament wiederholt für das Kreuz des Herrn Jesus gebraucht (s. z. B. Apg 5,30; 10,39; 13,29; 1. Pet 2,24).
Die Arche besaß Kammern oder (Vogel-)Nester. Sie sind ein Hinweis auf die Geborgenheit und Ruhe, die wir in seinem Werk haben (s. Mt 11,28).
Um die Arche wasserdicht zu machen, musste sie von innen und außen mit Harz (hebr.: kopher) verpicht (hebr.: kaphar) werden. Das Holz allein reichte nicht. Die hier für „Harz“ gebrauchten Worte können auch mit Sühnung (= bedecken) oder Lösegeld übersetzt werden. Der Herr Jesus hat am Kreuz Sühnung getan, d. h., Gottes Ansprüche vollkommen befriedigt. Weil Er sein Leben hingegeben hat, ist Sühnung geschehen und der Preis bezahlt. Wir sind geschützt vor dem Gericht Gottes. Sein Zorn ist abgewendet durch das Opfer des Herrn. Seine Menschheit allein (Holz) hätte uns nicht retten können. Sein Tod, sein kostbares Blut (daran erinnert das Harz, das Verpichen, weil das Wort an den Gedanken der Sühnung erinnert) war notwendig.
Die Lichtöffnung war vermutlich ein Lichtband unterhalb des überstehenden Daches. Sie gab Sauerstoff und Licht. Aber die Wasser der Flut waren dadurch nicht zu sehen. Der Blick ging im Vertrauen nach oben, zu dem, der die Verheißung der Rettung gegeben hatte.
Die Tür sollte als Zugang in die Seite gesetzt werden. Es war die Tür, es gab keine Alternative. Dann schloss der Herr zu (s. 1. Mo 7,16). Nun kam niemand mehr herein und niemand konnte mehr hinaus. Das bedeutete unweigerlich das Gericht für die, die draußen waren und vollkommenen Schutz für Noah und seine Familie.
So ist der Herr Jesus die Tür (s. Joh 10,9), und wer durch diese Tür eingegangen ist, ist vollkommen geschützt vor dem Gericht (s. Joh 5,24; 10,28.29).
Schließlich hatte die Arche 3 Stockwerke. Sie können ein Hinweis auf die drei Aspekte der Errettung sein, die uns das Neue Testament zeigt:
Als die Flut kam, regnete es nicht bloß. Die Quellen der großen Tiefe brachen auf und die Fenster des Himmels öffneten sich. Die Wasser nahmen schließlich überhand auf der ganzen Erde, alle hohen Berge wurden bedeckt und alles Fleisch verschied (s. 1. Mo 7,18-22). Es gab kein Entrinnen vor dem Gericht. Auch alle anderen aus der Familie Seths (ein Bild der Namenschristen heute) kamen um.
Auf Golgatha ging der Herr Jesus in den drei Stunden der Finsternis in das Gericht Gottes über die Sünde und trug stellvertretend auch meine Schuld. Die Wasser des Gerichts, die ich verdient hatte, gingen über Ihn hinweg (s. Ps 42,8), aber sie konnten seine Liebe nicht auslöschen (s. Hld 8,7). Was das für unseren Heiland bedeutete, können wir nicht ermessen. Ihm wollen wir aus ganzem Herzen Dank und Anbetung dafür bringen!
Völlige Sicherheit und eine neue Stellung in Christus
Noah kam auch in die Wasser des Gerichts, aber in der Arche. So konnten ihm die Wasser nichts anhaben (s. 1. Mo 7,23). Das bezeugen wir in der Taufe (s. 1. Pet 3,21). Durch das Untertauchen erkennen wir an, dass wir das Gericht Gottes, den Tod, verdient hatten. Aber weil wir in Christus (in der Arche) sind und Er für uns stellvertretend in das Gericht gegangen ist, können wir direkt wieder aus dem Wasser herauskommen. In Christus zu sein bedeutet, vor Gott in eine ganz neue Stellung gekommen zu sein. Es gibt für uns keine Verdammnis, wir sind eine neue Schöpfung, wir sind begnadigt, mitauferweckt und sitzen mit in den himmlischen Örtern (s. Röm 8,1; 2. Kor 5,17.21; Eph 1,6; 2,6).
Schließlich ruhte die Arche auf dem Gebirge Ararat und eine Zeit später gingen Noah und seine Familie aus der Arche und betraten eine gereinigte Erde (s. 1. Mo 8,4.18). Die Arche ermöglichte einen Neuanfang nach der Flut.
Das Ruhen der Arche weist uns darauf hin, dass das Werk vollbracht ist. Nichts bleibt zu tun übrig. Dadurch hat der Herr Jesus seinen Gott und Vater vollkommen verherrlicht und Er hat Ihn nach drei Tagen aus den Toten auferweckt. Durch den Tod und die Auferstehung des Herrn Jesus sind wir gerettet und haben neues, ewiges Leben.
Dirk Mütze