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Die Bildersprache des Alten Testaments – Christus und sein Tod im Vorbild

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Das Alte Testament ist reich an Bildern, Symbolen und Vorbildern. Sie sind nicht Selbstzweck, sondern – wie Paulus schreibt – „ein Schatten der zukünftigen Dinge“, „der Körper aber ist des Christus“ (Kol 2,17). Sie illustrieren häufig neutestamentliche Wahrheiten, vor allem aber weisen sie auf den Herrn Jesus und sein Werk am Kreuz hin. Nicht nur, dass die Propheten von Ihm zuvor gesprochen und geschrieben haben (s. Lk 24,46; 1. Pet 1,11), gerade die Symbole und Vorbilder enthalten im Blick auf unseren Herrn eine besondere Tiefe. Das macht die Lektüre des Alten Testaments für uns besonders attraktiv.

Für andere geschlachtet – sein stellvertretender Tod

Unmittelbar nach dem Sündenfall machte Gott „Adam und seiner Frau Kleider aus Fell und bekleidete sie“ (1. Mo 3,21). Auch wenn wir es nicht ausdrücklich lesen, so musste doch ein Tier sterben, damit die beiden bekleidet wurden. Christus ist für uns gestorben, um uns mit Kleidern des Heils zu bekleiden.
Das Passahlamm zeigt dieses Bild ebenfalls. Es musste „ein Lamm ohne Fehl“ sein (2. Mo 12,5). Sein Blut an den Türpfosten war das einzige Schutzmittel: „Und das Blut soll euch zum Zeichen sein … und sehe ich das Blut, so werde ich an euch vorübergehen; und es wird keine Plage zum Verderben unter euch sein“ (2. Mo 12,13). Paulus zieht die Parallele: „Denn auch unser Passah, Christus, ist geschlachtet worden“ (1. Kor 5,7). Wer durch Glauben unter dem Schutz des Blutes steht, ist vor dem Gericht Gottes sicher.

Das Opferlamm – von Gott ausersehen

Eine der eindrucksvollsten Szenen der Bibel finden wir in 1. Mose 22. Gott spricht zu Abraham: „Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du lieb hast, den Isaak, und zieh hin in das Land Morija und opfere ihn dort als Brandopfer“ (V. 2). Abraham ist gehorsam, Isaak trägt selbst das Holz für das Opfer (s. V. 6) – ein Hinweis auf Christus, der „sein Kreuz tragend“ hinausging „zu der Stätte, genannt Schädelstätte“ (Joh 19,17).
Isaak fragt: „Wo aber ist das Schaf [o.: Lamm] zum Brandopfer?“ (1. Mo 22,7). Abrahams Antwort weist pro­phetisch auf Christus hin: „Gott wird sich ersehen das Schaf zum Brandopfer, mein Sohn“ (V. 8). Der Herr musste diese Frage nie stellen. Er wusste es. Die Wirklichkeit geht immer weiter als das Bild. Am Ende greift Gott ein, Isaak wird verschont und ein Widder tritt an seine Stelle. Im Gegensatz da­zu greift Gott auf Golgatha nicht ein. Gott hat „seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben“ (Röm 8,32). Das Vorbild wird in Christus zur Wirklichkeit.

Brand-, Friedens-, Sünd- und Schuldopfer – verschiedene Seiten des Kreuzes

Das Opferwesen des Gesetzes zeigt verschiedene Aspekte des Todes Christi. Das Brandopfer war ein Feueropfer lieblichen Geruchs dem Herrn. Es gehörte ganz Ihm. Hier sehen wir Christus, der sich vollkommen Gott geopfert hat (s. Heb 9,14). Am Friedensopfer dagegen hatten sowohl Gott als auch der Mensch teil, ein Hinweis darauf, dass in Christus die Gemeinschaft erlöster Menschen mit Gott und untereinander möglich ist. Grundlage dafür ist, dass Er „Frieden gemacht hat durch das Blut seines Kreuzes“ (Kol 1,20). Das Sündopfer zeigt, dass Christus für uns zur Sünde gemacht wurde (s. 2. Kor 5,21). Das Schuldopfer sollte für die Schuld des Opfernden gebracht werden. Es zeigt, dass Christus „unsere Sünden an seinem Leib auf dem Holz getragen hat“ (1. Pet 2,24). In beiden Fällen legte der Opfernde seine Hand auf das Opfertier – ein Akt der Identifi­kation. Diese Opfer ergänzen sich und zeigen: Das Kreuz genügt vollkom­men – Gott ist verherrlicht, der Sünder gerechtfertigt.

Die kupferne Schlange – der Tod als Heilmittel

In der Wüste murrte Israel, so dass Gott feurige Schlangen sandte und viel Volk starb (s. 4. Mo 21,6). Doch Gott gab auch ein Heilmittel: „Mache dir eine feurige Schlange und tu sie auf eine Stange … und es geschah, wenn eine Schlange jemand gebissen hatte, und er schaute auf zu der Schlange aus Kupfer, so blieb er am Leben“ (4. Mo 21,8.9). Der Herr Jesus deutet dieses Bild auf sich: „Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöhte, so muss der Sohn des Menschen erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe“ (Joh 3,14.15). Christus, der ohne Sünde war, ging für uns in den Tod. Wer im Glauben zu Ihm aufschaut, empfängt Leben. Sein Tod ist unser Leben.

Der leidende Knecht – ein Schaf, stumm vor seinen Scherern

Jesaja 53 ist wohl die tiefste „Vor­schattung“ des Kreuzes im Alten Tes­tament. Es zeigt uns den leidenden Knecht Gottes, der von Gott und Menschen verlassen war. Die Strafe zu unserem Frieden lag auf Ihm, als Er unsere Sünden trug. Selbst dieses Kapitel – eine direkte Voraussage – enthält ein Bild und zeigt seine Per­fektion: „Er wurde misshandelt, aber er beugte sich und tat seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm, das zur Schlachtung geführt wird, und wie ein Schaf, das stumm ist vor sei­nen Scherern; und er tat seinen Mund nicht auf“ (Jes 53,7). Christus hat gelitten, aber Er nahm das Leiden willig aus der Hand Gottes. Er hätte sich wehren und retten können, aber Er tat es nicht.

Joseph, Mose und David – abgewiesen und erhöht

Es gibt eine Reihe von Gottesmän­nern, die in ihrem Leben vorbildhaft auf Christus hinweisen (wie z. B. Isaak). Was Joseph, Mose und David miteinander verbindet, ist die Tatsache, dass alle drei durch Leiden zur Herrlichkeit kamen. Sie wurden von ihren Brüdern abgelehnt und am Ende zu einem Segen für das Volk. Das ist ein Hinweis auf den leidenden Christus, für den dies in einem ungleich höheren Maße zutrifft. „Er kam in das Seine, und die Seinen nahmen ihn nicht an“ (Joh 1,11). Gott hat Ihn nach vollbrachtem Werk „sowohl zum Herrn als auch zum Christus gemacht“ (Apg 2,36). Bei Joseph ist es so, dass er seine Brüder vor dem Hungertod rettet und zum Retter der ganzen damaligen Welt wird. Mose ist ein Hinweis auf den Herrn Jesus, der sein Volk aus der Knechtschaft rettet und der dann ihr Führer wird. David rettet sein Volk vor den Feinden und wird sein König.

Die Größe der Person Christi im Licht der Vorbilder

Alle diese Bilder haben ein Ziel: Sie machen Christus groß. Er ist das wah­re Lamm, das vollkommene Opfer, die kupferne Schlange, der leidende Knecht, der verworfene und erhöhte Retter. Wenn wir diese Bildersprache sehen, verstehen wir, wie umfassend und weitreichend das Werk am Kreuz ist und wie groß der ist, der es vollbracht hat. Kein einzelnes Bild reicht aus, doch alle zusammen eröffnen uns ein gewaltiges Panorama. Sie füh­ren uns zur Anbetung: „Würdig ist das Lamm, das geschlachtet wor­den ist, zu empfangen die Macht und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Herrlichkeit und Segnung“ (Off 5,12).

Fazit

Das Alte Testament ist voller Hinweise auf die Person und auf den Tod des Herrn Jesus. In Opfern, Symbo­len, prophetischen Worten und Lebensbildern zeichnet Gott eine Vorschau auf Golgatha. Wer diese Bilder betrachtet, wird das Kreuz tiefer verstehen – und die Person des Herrn umso mehr lieben.

Ernst-August Bremicker

Alle Bilder, die für den Herrn Jesus und seinen Tod am Kreuz von Golgatha gebraucht wer­den, haben ein Ziel:
Sie machen Christus groß!

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