BleibtInMir

...denn außer mir könnt ihr nichts tun

Zeitschrift für die christliche Familie

Dies ist ein Test

Wir haben ja nichts!

© Andre Bonn, stock.adobe.com

Dass es im Dienst für den Herrn Hindernisse gibt, sehen wir in Markus 6 und 7. Kaum hatte der Herr die zwölf Jünger zu sich gerufen und zum Dienst ausgesandt (s. Mk 6,7-13), lernten sie diese Hindernisse kennen:

  1. Das Böse in der Welt: Herodes, der Johannes den Täufer brutal enthaupten ließ (s. Kap. 6,14-29)
  2. Eigenes Unvermögen: die Jünger, die nichts hatten, was sie der Volksmenge zum Essen geben konnten (s. Kap. 6,34-44)
  3. Schwierige Lebensumstände: die Jünger, die nachts auf dem See bei Gegenwind in Not waren (s. Kap. 6,45-52)
  4. Religiöser Eifer: die Pharisäer und Schriftgelehrten, die die Jünger wegen Verstößen gegen jüdische Rituale angriffen (s. Kap. 7,1-5)

Ähnliches können auch wir im Dienst für den Herrn erleben. Wir wollen uns den zweiten Punkt „eigenes Unvermögen“ näher an­schauen, weil er uns etwas über uns selbst erkennen lässt.
„Er aber spricht zu ihnen: Wie viele Brote habt ihr? Geht hin, seht nach. Und als sie es erfahren hatten, sagen sie: Fünf, und zwei Fische“ (Mk 6,38).
„Und er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte auf zum Himmel, segnete und brach die Brote und gab sie seinen Jüngern, damit sie sie ihnen vorlegten; und die zwei Fische verteil­te er unter alle“ (Mk 6,41).

Was ist eigentlich Dienst?

Der im Neuen Testament am häufigs­ten für „dienen“ gebrauchte griechi­sche Begriff ist „diakonéo“. Er bedeu­tet: für jemand anderen sorgen, ihn bedienen. Das umfasst viele unterschiedliche Aufgaben.
In unserer Begebenheit geht es da­rum, dass die Jünger dem Volk, das sich auf den Befehl des Herrn Jesus ge­lagert hatte, Nahrung geben sollten, weil es nichts zu essen hatte. Auch heute noch kann es erforderlich sein, jemandem zunächst einmal etwas zu essen oder saubere und intakte Kleidung zu geben, um grundlegende Bedürfnisse des täglichen Lebens zu decken. Gerade für Seele und Geist ist aber auch die geistliche Nahrung sehr wichtig.
Es gibt viele verschiedene Bereiche, in denen wir anderen „geistliche Nah­rung“ geben können: in der Familie, in der örtlichen Versammlung, in der Kinder- und Jugendarbeit, in der Seel­sorge, aber auch da, wo wir Ungläubige antreffen.
Manche dieser Dienste sollten eigentlich selbstverständlich sein, zum Beispiel der von Eltern an ihren Kindern. Für andere Aufgaben bekommen wir besondere „Einzelaufträge“ vom Herrn.

Eine Aufgabe für jeden

Letztlich hat jeder von uns in irgendeiner Form eine solche Aufgabe. Da ist es gut, dass uns das Markusevangelium den Herrn Jesus als den vollkommenen Knecht und Diener zeigt, der uns viele praktische Hinweise auch für diesen Dienst gibt.
Als der Herr aus dem Schiff steigt, sieht Er am Ufer die große Volks­menge – allein fünftausend Män­ner –, die auf Ihn wartet (s. V. 34). Es sind orientierungslose Menschen, wie Schafe ohne Hir­ten, die dringend geistliche, aber auch materielle Nahrung brauchen.
Der Herr, der davon innerlich berührt ist, kümmert sich zuerst um das geistliche Bedürfnis, indem Er sie lehrt. Aber auch die materiellen Bedürfnisse dieser armen Menschen will Er stillen – auf den ersten Blick eine unmögliche Aufgabe.

Ausweichen gilt nicht

Bevor Er seine Jünger damit beauftragt, kommen diese schon auf Ihn zu und bitten Ihn, die Volksmengen zu „entlassen“. Sie sehen die Bedürfnis­se der Menschen und es ist ihnen auch bewusst, dass geholfen werden muss. Kein Wunder, dass sie den Herrn bitten, die Volksmenge dort hinzuschicken, wo sie sich selbst etwas zu essen besorgen kann. Der Gedanke, dass der Herr hier eine Aufgabe für sie hat, ist ihnen in diesem Moment noch fremd. Dahin will der Herr sie aber nun führen.
Wie oft geht es uns ebenso und wir erkennen die Aufgabe des Herrn an uns nicht. Oder wir sehen sie, versuchen aber, ihr auszuweichen: Bei Fra­gen, die uns gestellt werden, wech­seln wir schnell das Thema. Wir gehen Menschen aus dem Weg, die Probleme mit sich herumschleppen. Wir ducken uns weg, wenn wir Verantwortung übernehmen sollen.
Bei den Jüngern lässt der Herr das nicht zu. Er gibt ihnen jetzt genau die Aufgabe, die Er für sie vorgesehen hat. Nicht um sie bloßzustellen, sondern weil sie etwas lernen (und vor allem Ihn selbst kennenlernen) sollen. Er sagt: „Gebt ihr ihnen zu essen“ (V. 37).

Menschliche Unfähigkeit

Statt den Herrn zu fragen, was sie tun sollen, um diesen Auftrag zu erfüllen, rechnen sie und merken, dass es für sie unmöglich ist: Um für alle Essen zu kaufen, brauchen sie 200 Denare, ungefähr zwei Drittel des damaligen Jahresverdienstes eines Tagelöhners.
Wie oft verhalten wir uns im Dienst wohl auch so? Anstatt Ihm einfach zu sagen, dass wir nichts haben, versuchen wir, Ihm zu erklären, warum etwas nicht „funktionieren“ kann.
Aber der Herr geht der Sache auf den Grund: „Wie viele Brote habt ihr? Geht hin, seht nach“ (V. 38). Dann brin­gen sie fünf Brote und zwei Fische zu Ihm; praktisch nichts im Vergleich zu dem, was erforderlich war. Mehr haben sie nicht und selbst das muss ihnen ein kleiner Junge zur Verfügung stellen (s. Joh 6,9). Aber Er nimmt das Wenige entgegen und macht – nachdem Er gebetet hat – daraus so viel, dass alle satt werden und sogar noch übrig bleibt.

Göttliche Fähigkeit

Die Jünger erfahren, dass der Herr aus dem Wenigen, was sich fand, Segen im Überfluss für andere macht.
Wenn der Herr uns die Aufgabe gibt, anderen geistliche Nahrung zu ge­ben, dann geht es uns oft so wie den Jüngern: Wir spüren unser Unvermögen und se­hen, wie wenig wir haben, das wir Ihm bringen können.

  • Wir sehen als Eltern, wie unsere Kinder in der Schule mit weltlichen Anschauungen zu Sexualität, Gender oder Evolution konfrontiert werden. Jetzt brauchen sie „geistliche Nahrung“, klare biblische Orien­tierung, aber wir merken, dass wir dabei an unsere Grenzen stoßen.
  • Wir erleben, wie Geschwister im Glauben „schwanken“ und wissen viel­leicht, was sie brauchen. Aber wir trauen uns nicht, sie anzusprechen, weil uns selbst Standfestig­keit fehlt.
  • Wir wissen, dass Mitarbeiter für Ju­gendfreizeiten gesucht werden. Ei­gentlich sehen wir für uns diese Auf­gabe, meinen aber, dieser Aufgabe geistlich nicht gewachsen zu sein.
  • Vielleicht will uns der Herr als Brü­der in den Zusammenkünften ge­brauchen, aber wir haben den Ein­druck, dafür nicht zubereitet zu sein.

Wir wollen uns gerne fragen, woran das liegen kann, dass wir oft so we­nig haben. Oder auch, warum wir manch­mal glauben, dass das Wenige für ei­nen Dienst nicht reicht. Vielleicht fin­den wir eine Antwort, wenn wir et­was über die Brote und Fische nachdenken:

Die Brote

In erster Linie sprechen die Brote vom Herrn Jesus selbst als dem „Brot des Lebens“ (Joh 6,35). Er ist vom Vater gesandt, damit wir durch Ihn ewiges Leben haben können, Er ist aber auch die Nahrung auf unserem Weg.
In dieser Begebenheit zeigen uns die Brote aber auch einen praktischen Aspekt im Dienst: Die Herstellung von Brot ist mit Arbeit verbunden.[1]
Man muss ein Feld bestellen, Saat aussäen, das reife Getreide schneiden und ern­ten, Korn dreschen und zu Mehl mah­len und schließlich Teig herstellen und backen.
Für uns heißt das: Wollen wir dem Herrn etwas bringen, das Er dann durch uns an andere als geistliche Nahrung weitergeben kann, müssen wir vorher „arbeiten“:

  • Wir müssen sein Wort studieren, um die darin enthaltene Lehre zu verstehen. Nur dann können wir die rich­tige Nahrung geben.
  • Wir müssen uns mit seiner Person beschäftigen, um Ihm ähnlicher zu werden. Nur dann können wir mit der richtigen Motivation und in der richtigen Haltung dienen.
  • Und wir müssen Zeit für das Gebet in­vestieren. Nur dann haben wir die für den Dienst unerlässliche Ab­hän­gigkeit von Ihm. Es heißt al­so, geist­lichen Fleiß anzuwenden (s. 2. Pet 1,5).

Das Ergebnis dürfen wir dann Ihm – wie die Jünger die Brote – im Gebet bringen. Er kann es zur richtigen Zeit verwenden und vermehren.

Die Fische

Bei den Fischen sehen wir etwas an­deres. Häufig sind Fische in der Bibel ein Bild von Segen im Überfluss, den Gott den Menschen schenkt (s. 1. Mo 1,21.22.26; Hes 47,9.10). Um an Fi­sche zu kommen, muss man „nur“ das Netz ins Wasser werfen oder ei­ne Angel auswerfen. Natürlich ist es Arbeit, die Fische zu fangen, aber es ist Gott, der sie ins Dasein ruft und leben lässt.
Wenn wir geistlichen Fleiß angewandt haben und Ihm „Brote“ bringen durf­ten, dann erleben wir, dass Er aus der Fülle seiner Gnade zusätzlich etwas dazugibt. Interessanterweise fragt der Herr die Jünger in Vers 38 nur nach Broten, nicht nach Fischen (obwohl die meisten von ihnen Fischer waren)! Trotzdem sind die Fische da, denn der kleine Junge hat auch sie dabei. Von bei­dem, Broten und Fischen, bleibt üb­rig. Aber nur das übrig gebliebene Brot wird zahlenmäßig erfasst.
Wir sehen darin, dass das, was der Herr in seiner unendlichen Gnade zum Dienst dazugibt, unermesslich ist. Aber auch, dass es in einer gewissen Weise „exklusiv“ ist. Denn das Brot gibt Er den Jüngern zum Austeilen, die Fische verteilt Er selbst.

Anregungen für uns heute

Wir wollen aus der Begebenheit mitnehmen, uns nicht vor Aufgaben zu fürchten. Er ist ja da und falls bei uns Mangel ist, kann Er auch einen „klei­nen Jungen“ mit Brot und Fischen vor­beischicken.
Wir wollen lernen, weniger darauf zu sehen, was wir haben – oder eben nicht haben –, sondern mehr darauf, was Er tun kann und wird.
Wir wollen uns aber auch motivieren, Fleiß anzuwenden, damit wir Ihm mehr zur Verfügung stellen können, das Er – nachdem es durch seine Hand gegangen ist – uns dann zum Austeilen geben kann.
Aber es gibt einen Punkt, vor dem wir uns warnen lassen wollen: Die Aus­sage „wir haben ja nichts“ kann schnell zu einer demütig klingenden Ausrede werden, wenn wir einem Dienst – warum auch immer – ausweichen wollen.

Henning Panthel


Fußnoten:

  1. Natürlich wollen wir nicht vergessen, dass Gott das Saatkorn und auch das Wachstum gibt. Die Grundlage für jeden Dienst ist immer der Herr selbst.

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