
Jeder Gläubige möchte grundsätzlich dem Herrn Jesus folgen. „Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt“ (Joh 14,21). Das ist eine normale Frucht des göttlichen Lebens in uns. Wir wissen, wie viel unser Heiland für uns getan und wie viel Er uns vergeben hat. Daher tun wir gerne, was Ihm gefällt und Ihn verherrlicht. Doch dies fällt uns nicht immer leicht, wofür es unterschiedliche Gründe geben kann. Einer dieser Gründe ist „die Kraft der Gegenströmung“, die wir zu spüren bekommen, wenn wir anders sind oder handeln als die Mehrheit um uns her. Diese Kraft verspüren besonders unsere Kinder und wir wollen darüber nachdenken, wie wir ihnen helfen und damit unseren Herrn ehren können.
Vor unserer Bekehrung waren wir selbst als Ungläubige „unverständig, ungehorsam, irregehend, dienten mancherlei Begierden und Vergnügungen, führten unser Leben in Bosheit und Neid, verhasst und einander hassend“ (Tit 3,3). Nach unserer Bekehrung leben die Menschen dieser Welt weiterhin „nach dem Zeitlauf dieser Welt, nach dem Fürsten der Gewalt der Luft, des Geistes, der jetzt wirksam ist in den Söhnen des Ungehorsams“ (Eph 2,2). Wir wundern uns deshalb nicht, wenn die Menschen dieser Welt auf dem Glaubensweg keine Hilfe, sondern oft sogar ein Hindernis für uns sind. Die Welt hasst uns, wie sie den Herrn Jesus gehasst hat, weil wir nicht mehr zu ihr gehören und mit Worten oder Taten bewusst oder unbewusst gegen sie zeugen (s. Joh 15,18.19).
Doch obwohl wir wissen, dass die Welt uns hasst und schon im Voraus mit Ablehnung zu rechnen ist, schrecken wir doch immer wieder neu davor zurück, Dinge zu tun, für die wir gehasst oder angefeindet werden (vgl. Joh 7,13; 19,38).
Wir befinden uns nämlich oft in Beziehungen, in denen wir zumindest zeitweise mit Ungläubigen zusammengestellt sind und miteinander auskommen müssen: In der (vielleicht teilweise ungläubigen) Familie, in der Schule, in der Nachbarschaft oder im Beruf ist es unsere nicht immer leichte Aufgabe, zum Segen zu sein und dem Frieden nachzujagen (s. Röm 12,17.18; Heb 12,14). Noch schwieriger wird es jedoch, wenn wir nach Gottes Wort handeln wollen und es dem allgemeinen Trendgedanken der gottlosen Welt gänzlich und offensichtlich entgegen ist. Es bedarf stets der Nähe zu unserem Herrn, damit wir Überwinder sind. Doch wenn wir von seiner Liebe erfüllt sind, dann sind wir sogar „mehr als Überwinder, durch den, der uns geliebt hat“ und „unser Glaube überwindet die Welt“ (Röm 8,37; s. 1. Joh 5,4). Gott ruft uns in seinem Wort zu: „Lass dich nicht von dem Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit dem Guten“ (Röm 12,21). Nur in der Nähe des Herrn haben wir die Kraft, die benötigt wird, um „gegen den Strom zu schwimmen“.
Darüber hinaus sind wir als Gläubige untereinander in Beziehungen gestellt, und zwar in der Familie, der örtlichen Versammlung und im Volk Gottes allgemein. Das ist natürlich im moralischen Sinn ein ganz anderes Umfeld, als wir es von der ungläubigen Welt her kennen. Kinder Gottes lieben Gott, sie wollen nach der Bibel leben und Gott durch Gehorsam ehren. Je mehr wir dabei persönlich und gemeinsam den Herrn Jesus vor Augen haben, werden wir uns untereinander in seiner Nachfolge ermutigen und stärken können. Paulus ist darin ein anziehendes Vorbild für uns (s. Phil 3,13-17). Lasst uns bestrebt sein, unseren Teil dazu beizutragen, dass auch wir für unsere Kinder, Familienangehörigen oder Mitgeschwister eine Motivation und Stärkung sind, dem Herrn Jesus entschieden nachzufolgen!
Es kann jedoch sein, dass wir auch im Volk Gottes manches vielleicht nicht aus eigener Überzeugung tun, sondern uns einfach nur der Mehrheit anpassen, weil es eben die meisten machen und wir nicht auffallen wollen. Das können Verhaltensweisen, Äußerlichkeiten oder Ansichten zu bestimmten Themen sein. So war es z. B. sowohl zur Zeit Josuas als auch zur Zeit des Königs Josia (s. Ri 2,7; 2. Chr 34-36). Das Volk lebte jeweils von außen betrachtet nach Gottes Gedanken, aber sobald die prägenden Persönlichkeiten und Führer des Volkes verschwanden (die Gottes Werk persönlich sahen und das taten, was recht war in seinen Augen), ging es bergab. Dadurch offenbarte sich, dass das Volk vorher vieles nicht aus eigener Überzeugung oder einer persönlichen Beziehung zu Gott getan hatte, sondern nur mitgelaufen war, um nicht aufzufallen, um nicht anders zu sein. Doch der Herr sucht nicht unsere äußere Anpassung, sondern ein ungeteiltes Herz (s. Jes 29,13.14; Mt 15,8; 2. Chr 16,9; 2. Chr 19,9). So war es auch schon bei Johannes dem Täufer: Die Masse des Volkes ließ sich von ihm im Jordan taufen und die Pharisäer und Sadduzäer wollten es nur der Form halber dem Volk gleichtun. Sie mussten jedoch streng zurechtgewiesen werden, denn sie taten es nicht aus Glauben (s. Mt 3,7-9).
Leider ist es möglich, dass im Volk Gottes Verhaltensweisen und Themen auftreten, in denen die Mehrheit in gewissen Punkten nicht (mehr ganz) nach Gottes Wort handelt oder sich der allgemeinen Strömung dieser Welt (Schritt für Schritt) anpasst. Als Gläubige sind wir dann selbst inmitten von Gläubigen dazu aufgerufen, „nicht gleichförmig dieser Welt“ zu sein. Wir dürfen und sollen unseren Sinn von Gottes Wort verändern lassen, damit wir den guten und wohlgefälligen Willen Gottes ausleben.
Wenn sich Gläubige der Welt anpassen, dürfen wir nicht mitlaufen. Niemand kann sich davon ausnehmen, denn wir haben die Aufgabe, sowohl dem Frieden als auch der Heiligkeit nachzujagen (s. Heb 12,14). Haben wir auch dann den Mut, nach Gottes Wort zu handeln und nicht unsere Verantwortung auf andere abzuwälzen nach dem Motto: „Das tun doch (fast) alle so!“
Unser Heiland ist uns hier wie immer das beste Vorbild (z. B. für die Aufforderung in Heb 12,14). Er suchte stets den Willen des Vaters – inmitten seiner zweifelnden Familie, der unverständigen Jünger und der feindseligen Welt. Er ertrug manche Schwachheit und manches Versagen, aber Er widerstand immer der Strömung, die gegen Gottes Willen war.
Als die ungläubigen Juden die Tempelsteuer von den Jüngern „verlangten“, sorgte der Herr dafür, dass Petrus diese durch ein Wunder bezahlen konnte, damit man ihnen keinen Anstoß gäbe (s. Mt 17,27). Der Herr musste sie nicht zahlen, aber Er tat es, um dem Frieden nachzujagen. Wenn die Juden jedoch Gott verunehrten, trat Er immer für Gottes Ehre ein und war bereit, „gegen den Strom zu schwimmen“ (vgl. Joh 8,39-47).
Als die Jünger Ihn kurz vor seinem Tod mit ihrem Unverstand konfrontierten und dem Heiland zwei Schwerter präsentierten, ertrug Er sie (s. Lk 22,35-38; vgl. a. Mt 17,17), aber wenn sie gegen Gottes Willen redeten, dann widerstand Er ihnen ins Angesicht (s. Mt 16,23).
Lassen wir uns motivieren, nicht einfach der Mehrheit angepasst, sondern nach Gottes Wort zu handeln. In den meisten Fällen benötigen wir diese Motivation der ungläubigen Welt gegenüber, der wir nicht gleichförmig sein sollen. Doch wenn Gläubige in unserer Familie, in unserem Freundeskreis, in der örtlichen Versammlung oder darüber hinaus nicht nach Gottes Wort handeln sollten, gilt auch dann für uns das „Du aber“ (1. Tim 6,11; 2. Tim 3,10.14; 4,5), das der Herr schon Timotheus durch den Apostel Paulus zurief in einer Zeit, in der die Gläubigen sich zunehmend in der Welt „sesshaft“ machten und nicht mehr für Gottes Reich mitkämpften. Das „Du aber“ bleibt für uns persönlich immer möglich und hat die Anerkennung unseres Herrn. Es wird sogar ein Segen für andere sein.
Und wenn unser Kind an uns beobachten kann, wie wir mit des Herrn Hilfe mit vermeintlichen Gruppenzwängen umgehen, sind wir ihm damit Vorbild und Hilfe, auch für sich selbst den Mut zu entwickeln, wo es nötig ist, gegen den Strom zu schwimmen.
Damian Korcz