Es ist wichtig, einen Herzensentschluss im Bereich der Familie und im Blick auf das Zusammenkommen als Versammlung zu haben. Doch die Voraussetzung ist ein Herzensentschluss im persönlichen Leben. Das zeigen uns die vier Personen in diesem Artikel, die jeweils einen persönlichen Herzensentschluss gefasst haben. Ihr Beispiel ist lehrreich für unser Leben.
Micha und Habakuk
Der Prophet Micha lebte in schwierigen Zeiten. Der Großteil des Volkes hatte sich von Gott und seinen Gedanken abgewandt. Doch Micha hatte einen persönlichen Herzensentschluss gefasst: „Ich aber will ausschauen nach dem Herrn, will harren auf den Gott meines Heils; mein Gott wird mich erhören“ (Mich 7,7). Er ließ sich von den katastrophalen Zuständen nicht entmutigen, sondern vertraute auf Gott. Ähnlich war es bei Habakuk. Trotz der Gewalt und Mühsal, die er um sich her entdeckte, sagte er: „Ich aber, ich will in dem Herrn frohlocken, will jubeln in dem Gott meines Heils“ (Hab 3,18). Eltern reagieren aufgrund ihrer Erfahrungen mit den Kindern oft allergisch auf die Worte „ich“, „aber“ und „will“. Für einen persönlichen Herzensentschluss in bösen Zeiten sind sie jedoch – in ihrer positiven Bedeutung – unerlässlich. Bei beiden Propheten gab es mindestens zwei große Gefahren:
Einerseits hätten sie durch die Umstände mutlos werden und verzweifeln können. So war es Habakuk zu Beginn seines Buches ergangen. Und das hat auch Asaph erlebt, als er nur noch auf die Umstände sah (s. Ps 73,1-15). Diese Gefahr gibt es auch bei uns heute. Wenn wir uns in der Gesellschaft, der nur äußerlich bekennenden Christenheit und auch im Volk Gottes umsehen, könnten wir mutlos werden und den Herrn aus dem Auge verlieren. Wenn wir in persönlichen schwierigen Umständen sind, Probleme in der Familie haben oder Not in der örtlichen Versammlung, ist die Gefahr groß, dass wir uns gedanklich nur noch mit den Schwierigkeiten und nicht mehr mit dem Herrn selbst beschäftigen.
Andererseits bestand damals wie heute die Gefahr, dem „Mainstream“ nachzulaufen. So war es Demas ergangen (s. 2. Tim 4,10). Er hatte den „jetzigen Zeitlauf“ lieb gewonnen und wurde so auch von einem Glaubensleben mit und für den Herrn abgelenkt. Wir alle unterliegen der Gefahr, von dem Zeitgeist dieser Welt beeinflusst und von Christus abgezogen zu werden.
Aber Micha und Habakuk hatten sich fest entschlossen, Gott zu vertrauen und sich an Ihm zu freuen.
Wir sehen: Es ist zu jeder Zeit möglich, mit Herzensentschluss bei dem Herrn zu verharren. Es mag böse und schwierige Zeiten geben, die mit besonderen Gefahren verbunden sind. Wenn wir aber auf Christus ausgerichtet sind, können wir bei Ihm verharren.
Paulus
Auch im Neuen Testament finden wir dazu ein vorbildliches Beispiel: Der Apostel Paulus lässt uns an manchen Stellen einen Blick in sein Herz und auf seine Herzensentschlüsse werfen. In Galater 2,20 schreibt er: „Was ich aber jetzt lebe im Fleisch, lebe ich durch Glauben, durch den an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat.“ Drei Punkte wollen wir auf unser Thema anwenden:
Er hatte einen tiefen Eindruck von der Liebe des Herrn, der sich selbst für ihn hingegeben hatte. Das führte in seinem Herzen zu einer tiefen Zuneigung zu dem Sohn Gottes. So ist es auch bei uns, wenn wir mit dem Herrn Jesus, seinem Werk am Kreuz und der Liebe beschäftigt sind, die dort sichtbar wird. Und das ist auch wichtig: Schließlich geht es nicht um einen Entschluss in unserem Kopf, sondern in unserem Herzen. Und das schließt unbedingt auch Zuneigungen mit ein.
Aufgrund dieser Zuneigung fasste Paulus den Entschluss, in einer lebendigen Glaubensbeziehung zu dem Sohn Gottes zu leben. Das wollen auch wir tun. Dazu gehört, dass wir uns mit dem Herrn beschäftigen, dass wir das suchen, was droben ist (wo der Christus ist) und darauf sinnen (s. Kol 3,1.2). Das ist gerade für solche, die mit Familie, Arbeit, Haushalt und Versammlung mitten im Leben stehen, schon mit dem Anspruch verbunden, die Zeit suchen und nehmen zu wollen, um sich mit Ihm zu beschäftigen. Und nicht nur das: Dazu gehört auch, dass wir unseren Herrn und Heiland ganz bewusst in die Entscheidungen und in die Herausforderungen unseres Lebens einbeziehen (s. Eph 5,10.17) und Ihm in allen Umständen vertrauen wollen (s. Röm 8,35).
Und das war bei Paulus keine „Eintagsfliege“. Er war fest entschlossen, so lange in dieser Glaubensbeziehung zu leben, wie er noch „im Fleisch“ war. Das meint nichts anderes, als sein ganzes Leben auf der Erde darin zu verharren. Wenn wir sein Leben weiter verfolgen, stellen wir fest, dass er das auch getan hat. Und wir? Wir könnten darüber nachdenken, wie wir wohl in fünf oder zehn Jahren im Glauben leben. Doch darum geht es gar nicht. Wenn wir diesen Entschluss gefasst haben, gilt es, ihn jeden Tag in unserem Leben zu verwirklichen: Heute will ich mit und für den Sohn Gottes leben, der sich selbst aus Liebe zu mir hingegeben hat (s. Gal 2,20). Die beiden großen Hindernisse, mangelnde Zeit und leider oft fehlende Motivation, können wir mit der Hilfe des Herrn überwinden, wenn wir Ihn darum bitten. Wie schön ist der Start in den Tag mit der Bitte, dass der Herr uns heute hilft, Zeit und Motivation zu finden, um tatsächlich bei Ihm zu verharren.
Wir sehen: Ein persönlicher Herzensentschluss ist eine Antwort auf das Werk Christi von Golgatha. Dabei geht es zunächst um die grundlegenden Dinge in unserem Glaubensleben: durch Gebet und Lesen des Wortes Gottes den Herrn Jesus besser kennenzulernen. Und dann bewusst mit Ihm zu leben – an jedem Tag neu.
Jesus Christus
Das letzte Beispiel, das wir uns ansehen möchten, ist zugleich das größte und vollkommene Vorbild. Die ersten Worte, die wir von dem Herrn Jesus nach seiner Geburt lesen, zeigen den Herzensentschluss, den Er hatte: „Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meines Vaters ist?“ (Lk 2,49). Die oberste Priorität im Herzen des Herrn Jesus war seine Beziehung zu seinem Vater. Und diese Beziehung lebte Er vollkommen aus. Sein Entschluss war für Ihn nicht ein „Kann“ oder „Sollte“, sondern ein absolutes „Muss“. „Mein Vater“ – das ist ein Teil der ersten und der letzten Worte, die wir von dem Herrn Jesus im Lukasevangelium lesen (s. Lk 2,49; 24,49). Er hat tatsächlich bei seinem Vater verharrt. Gerade am Beispiel des Herrn Jesus wird auch deutlich, wie glücklich und segensreich ein Leben ist, bei dem ein persönlicher Herzensentschluss Tag für Tag verwirklicht wird.
Micha und Habakuk werden sich oft einsam gefühlt haben. Auch Paulus kannte das (s. 2. Tim 1,15; 4,16). Aber niemand war so einsam wie der Herr Jesus. Weder seine Eltern (s. Lk 2,48) und Brüder (s. Joh 7,3-5) noch seine Jünger verstanden Ihn. Doch weil Er mit Herzensentschluss bei seinem Vater verharrte, war Er nie allein – „ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir“ (Joh 16,32).
Der Herr Jesus hat Leid gekannt wie kein anderer. Er war der „Mann der Schmerzen und mit Leiden vertraut“ (Jes 53,3). Und dennoch lesen wir wiederholt von seiner Freude, die Er in der Gemeinschaft mit seinem Vater genossen hat (s. Joh 15,11; 17,13; Ps 16,9a). Auf der Erde sah Er Leid, aber bei seinem Vater fand Er Freude.
Und selbst in den schwersten Stunden seines Lebens verharrte Er bei seinem Vater. Sei es im Garten Gethsemane oder am Kreuz – Er nahm alles aus seiner Hand an, wandte sich im Vertrauen an Ihn und fand darin Kraft und Hilfe (s. Lk 22,42; 23,34.46; vgl. Ps 16,8).
Der Herr Jesus ist tatsächlich das vollkommene Vorbild und zugleich die größte Hilfe, um Ihm auch in diesem Punkt nachzufolgen.
Wir sehen: Im persönlichen Leben mit Herzensentschluss bei dem Herrn zu verharren, ist eine große Verantwortung. Aber es führt auch zu einem glücklichen, kraftvollen und segensreichen Leben.
Und das wünschen wir uns doch alle! Gerade die Beschäftigung mit dem Herrn Jesus wird uns helfen, mit Herzensentschluss bei Ihm zu verharren.
Mario Wolff
Ich aber will ausschauen nach dem Herrn, will harren auf den Gott meines Heils.
Er fesselt Millionen junger Leser (vor allem Leserinnen) und prägt die Gedankenwelt einer neuen Generation: Es geht um den literarischen Trend sogenannter „New-Adult-Romane“ (Romane für junge Erwachsene) oder Verfilmungen, die in Deutschland seit knapp 10 Jahren auf dem Markt sind und sich mehr und mehr Bahn brechen.
Der Duden beschreibt „Gewohnheit“ als eine durch häufige und stete Wiederholung selbstverständlich gewordene Handlung, Haltung und Eigenheit. Jeder Mensch eignet sich im Lauf seines Lebens gewisse Gewohnheiten an. Auch der Herr Jesus hatte in seinem Leben als Mensch Gewohnheiten. Im Gegensatz zu uns waren es bei Ihm allerdings nur gute Gewohnheiten.
An drei Stellen im Lukasevangelium lesen wir davon, dass der Herr bzw. seine Eltern etwas aus Gewohnheit taten.
In 1. Mose 18 und 19 finden wir zwei Gläubige, zwei Besuche und zwei total verschiedene Resultate. Es ist interessant, dass beide Kapitel eine ähnliche Struktur haben. In den ersten Versen des jeweiligen Kapitels wird der Besuch bei Abraham und bei Lot beschrieben. Anschließend gibt es jeweils eine Botschaft. Danach geht es um das Zeugnis über sie, das unterschiedlicher nicht ausfallen kann. Darüber hinaus gibt es dann noch eine vertraute Mitteilung des Herrn an Abraham und eine persönliche Botschaft an Lot. Auch das Ende der beiden ist äußerst unterschiedlich.
Auf seinem Weg über diese Erde bediente sich der Herr Jesus in Gesprächen häufig einer Frage – und verfolgte damit verschiedene Absichten. Wenn der Herr Jesus Fragen stellte, geschah das nie, weil Er etwas nicht wusste. Die Gedanken jedes Menschen sind „bloß und aufgedeckt vor den Augen dessen, mit dem wir es zu tun haben“ (Heb 4,13). Er hatte es nicht nötig, Fragen zu stellen – umso bemerkenswerter ist es, dass Er es dennoch tat. Diese Tatsache macht es wertvoll, einmal darüber nachzudenken, welche Absichten jeweils hinter seinen Fragen standen – und welche Belehrungen wir daraus ziehen können.
Abraham lebte vor über 4 000 Jahren. Er war sehr reich (s. 1. Mo 13,2), in gewissem Sinn mit den Mächtigsten der damaligen Welt vernetzt (s. 1. Mo 12,14-20; 1. Mo 20), militärisch erfolgreich (s. 1. Mo 14,13-24) und offensichtlich ein entschlossener Geschäftsmann (s. 1. Mo 21,22-32). Aus menschlicher Sicht würden wir ihn als „Mann von Welt“ einordnen, als jemand, der weiß, wie Erfolg funktioniert.
„Seid fruchtbar und mehrt euch“, gab Gott Adam und Eva mit auf den Weg, als Er ihnen die Ehe schenkte (s. 1. Mo 1,28). Wie hoch die daraus erwachsende Erwartungshaltung, Kinder zu bekommen, gerade für christliche Ehepaare sein kann, wurde einem Christen deutlich, als seine Tochter heiratete und er erfuhr, dass seine ungläubigen Arbeitskollegen hinter seinem Rücken eine Wette abgeschlossen hatten, wie lange es wohl dauern würde, bis er Großvater sei. Für sie war klar, dass Christen nach der Hochzeit Kinder bekommen. Bis heute ist es jedoch nicht automatisch so, dass ein Ehepaar Kinder bekommt. Es war und ist so, dass jedes Kind ein Geschenk Gottes ist.