BleibtInMir

...denn außer mir könnt ihr nichts tun

Zeitschrift für die christliche Familie

Dies ist ein Test

Ich habe deine Tränen gesehen

© motortion, stock.adobe.com

„Siehe, zum Heil wurde mir bitteres Leid: Du zogst liebevoll meine Seele aus der Grube der Vernichtung; denn alle meine Sünden hast du hinter deinen Rücken geworfen“ (Jes 38,17).

Der König Hiskia war in seiner Seele zutiefst erschüttert. Soeben hat­te der Prophet Jesaja ihm im Auftrag Gottes sagen lassen: „Bestelle dein Haus, denn du wirst sterben und nicht genesen“ (Jes 38,1).
Schon länger war der König besorgt wegen seines Gesundheitszustandes – ihn plagte wohl ein ernst zu neh­mendes Geschwür (s. Jes 38,21), das einfach nicht heilen wollte. Vielleicht hoffte er zunächst noch auf die Hilfe eines fähigen Arztes, aber nun war alle Hoffnung auf Besserung und Genesung geschwunden. Hiskia weinte sehr. „Ich bin doch noch jung“, mag er gestöhnt haben, „39 Jahre alt und nun am Rand des Todes …“
Bitteres Leid war über den treuen Mann gekommen, hatte er doch getan, was recht war in den Augen des Herrn (s. 2. Kön 18,3). Sein rückhaltloses Vertrauen auf Gottes Macht angesichts des übermächtig starken assyrischen Heeres, das gegen sein Land gezogen war, hatte er beeindruckend unter Beweis gestellt (s. Jes 36.37).
Vielleicht erlebst du eine ähnlich hoffnungslose Situation: Du weißt mo­mentan nicht mehr aus noch ein. Du kommst dir vor wie in einem dunklen Tunnel – du siehst das Licht am Ende nicht mehr … „Ist das Wort wirklich wahr, dass ‚denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken‘?“ (s. Röm 8,28), fragst du dich in schlaflosen Nachtstunden. „Tatsächlich alle Dinge – auch meine so schwierige gegenwärtige Lage?“
Hiskia erfuhr die Wahrheit der göttlichen Zusage: „Siehe, zum Heil wurde mir bitteres Leid“ (Jes 38,17). Ja, zum Heil.
Seine Seele hatte er im inbrünstigen Gebet vor Gott ausgeschüttet und geklagt: „O Herr, mir ist bange! Tritt als Bürge für mich ein!“ (Jes 38,14).
Hören wir, was der Bote Gottes ihm als „Wort des Herrn“ antwortete: „So spricht der Herr, der Gott deines Vaters David: Ich habe dein Gebet gehört, ich habe deine Tränen gesehen; siehe, ich will zu deinen Tagen fünfzehn Jahre hinzufügen“ (Jes 38,5; Hervorhebung vom Autor).
Und tatsächlich: Gott in seiner Barm­herzigkeit machte ihn gesund und erhielt ihn am Leben (s. Jes 38,16). Man nahm auf Geheiß des Propheten einen Feigenkuchen als Pflaster und legte ihn auf das Geschwür, damit er genese (s. Jes 38,21).
Unser Herr hat sich bis heute nicht verändert, Er ist ewig derselbe in seiner großen Treue:

Oh, wer ist Ihm gleich,
so mild und so reich
an Liebe und Macht und Erbarmen!
„Geistliche Lieder“ Nr. 38,6

Erfasse im Glaubensvertrauen: Er hört auch mein Rufen, Er sieht meine Situation und – Er hat auch alle Macht zu helfen, denn Er hat gesagt: „Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf der Erde“ (Mt 28,18).
In den Tagen seiner Krankheit hatte Hiskia „wie ein Weber sein Leben aufgerollt“ (s. Jes 38,12). Vor dem Angesicht Gottes überdachte er in stillen Stunden seinen Lebensweg … Ob es eine Sünde zu bekennen gab? Er flehte zu Gott: „O Herr, mir ist bange! Tritt als Bürge für mich ein!“ (Jes 38,14).
Einen Bürgen haben solche nötig, die ihre Schulden nicht mehr selbst bezahlen können.
Nein, unsere Sündenschuld können wir vor einem heiligen Gott niemals durch eigenes Tun wiedergutmachen. Doch dankbar dürfen wir mit den Worten des Liederdichters singen:

Ich weiß sonst nichts zu sagen,
als dass ein Bürge kam,
der meine Schuld getragen,
die Rechnung auf sich nahm
und sie so völlig hingezählt,
dass von der ganzen Summe
auch nicht das Geringste fehlt.
„Sag Ja!“ Nr. 81,2

Unser Herr und Heiland hat als Bürge stellvertretend am Kreuz unsere gro­ße Schuld bezahlt, indem Er „selbst unsere Sünden an seinem Leib auf dem Holz getragen hat“ (1. Pet 2,24). Wir durften glaubend erfassen: Du starbst für mich auf Golgatha, du hast mich so geliebt!
Der Heiland wurde im Gericht Gottes gewissermaßen „in die tiefste Grube gelegt“ (Ps 88,7), damit jeder, der an Ihn glaubt, wie Hiskia mit Erleichterung freudig bekennen kann: „Du zogst liebevoll meine Seele aus der Grube der Vernichtung; denn alle meine Sünden hast du hinter deinen Rücken geworfen“ (Jes 38,17).
Sicher, nicht jede Notlage hat einen glücklichen Ausgang, wie Hiskia es erfahren durfte, der so völlig gesundete nach Leib und Seele.
Vielleicht nimmt der Herr in seiner Weisheit unsere Last nicht unmittelbar von uns weg, wie wir es uns gewünscht hätten. Der Apostel Paulus behielt auch zeitlebens einen „Dorn für das Fleisch“ (2. Kor 12,7). Aber wir dürfen uns dennoch seiner vollkommenen Liebe gewiss sein, einer Liebe, die uns aus Gnade aus der „Grube der Vernichtung“ zog – und die immer nur das Beste für uns im Auge hat.
Der schmerzliche Gang im „Tal des Todesschattens“ (Ps 23,4) brachte bei Hiskia Gott wohlgefällige Früchte hervor. Er fasste den Entschluss,

  • sachte (oder demütig) weiterzugehen alle Jahre seines Lebens (s. Jes 38,15) und
  • Gott zu preisen (s. V. 19),
  • seinen Nachkommen von Gottes Treue zu berichten (s. V. 19),
  • Gott (mit Saitenspiel) zu ehren alle Tage seines Lebens (s. V. 20).

Ist Gott mit uns bereits zu diesem Ziel gekommen? Er möchte dies so gern, damit Er uns einmal belohnen kann für das, was Er selbst in seiner Gnade in unserem Leben gewirkt hat.

Friedhelm Müller

Gerade unsere Hilflosigkeit ist unsere Rettung. Wir erkennen, dass Gott selbst eingreifen muss, weil wir nichts mehr tun können.
John Nelson Darby

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