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Zeitschrift für die christliche Familie

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Mütter gesucht

© nadezhda1906, stock.adobe.com

„Es ruhten die Landstädte in Israel, sie ruhten, bis ich, Debora, aufstand, bis ich aufstand, eine Mutter in Israel“ (Ri 5,7).
Es ist unstrittig, dass eine Mutter in der Familie eine andere Rolle einnimmt als ein Vater. Ebenso unstrittig ist es, dass „Mütter in Christus“ keine „Väter in Christus“ sind. Aber beide „Rollen“ und die damit verbundenen „Dienste“ sind im Volk Gottes wichtig.

Im Buch der Richter nennt sich De­bora in ihrem bemerkenswerten Lied in Kapitel 5 selbst eine „Mutter in Israel“. Das ist weit mehr als eine biografische Randbemerkung. Es ist eine geistliche Auszeichnung – und zugleich eine Herausforderung für Schwestern in allen Zeiten.
Das Volk Gottes braucht auch heute solche Mütter: nicht nur im buchstäblichen Sinn, sondern gerade im geistlichen Sinn. „Mütter in Christus“ werden gesucht, weil sie gefragt sind und gebraucht werden. Inmit­ten von zunehmender geistlicher Orientierungslosigkeit, von Müdigkeit und Resignation sind solche Schwestern gefragt, die sich im Volk Gottes als Mütter im Glauben verstehen – und bereit sind, diese Aufgabe mit Liebe, Treue und Weisheit zu erfüllen.

Das Beispiel Deboras

Was kennzeichnet eine solche „Mut­ter“ im Volk Gottes? Debora gibt da guten Anschauungsunterricht. Sie war Prophetin und Richterin (s. Ri 4,4). Doch der Heilige Geist legt den Schwerpunkt nicht zuerst auf ihre öffentlichen Dienste, sondern auf ihr Herz: Sie war eine Mutter – für das Volk Gottes. Ihr Dienst war geprägt von Eigenschaften, die bis heute auch als Orientierung für Schwestern dienen, die sich im Volk Gottes gebrauchen lassen möchten.

Was geistliche Mütter ausmacht:

  • Gemeinschaft mit Gott: Debora „wohn­te unter der Debora-Palme zwischen Rama und Bethel, auf dem Gebirge Ephraim“ (Ri 4,5). Man kann vermuten, dass das für sie ein Rückzugsort war, wo sie die Nähe Gottes erlebte. Geistliche Mütter sind Frauen, die zuerst in der Verborgenheit mit dem Herrn le­ben und dort geprägt werden. Ihr Einfluss beginnt in der Gemeinschaft mit Gott, im Lesen seines Wortes und im Gebet – und nicht in der Öffentlichkeit.
  • Einsicht in Gottes Gedanken: Als Prophetin besaß Debora ein geistliches Unterscheidungsvermögen. Sie sah die negative Entwicklung im Volk Gottes und wünschte, etwas dagegen zu tun. Wie andere Prophetinnen im Alten ­Testament (z. B. Mirjam, Hulda oder die Frau Jesajas) hatte sie Anteil an Gottes Plänen. Frauen, die mit Gott leben, haben biblische Einsicht und können so durch ihren Rat und ihre Erfahrung anderen helfen, eine göttliche Perspektive zu gewinnen.
  • Geistliche Urteilsfähigkeit: Debora richtete das Volk. Sie besaß das Vertrauen anderer, Recht zu sprechen und Streit zu schlichten. Solche Urteilskraft entwickelt sich nicht über Nacht. Sie ist das Ergeb­nis des vertrauten Umgangs mit Gott und der Einsicht in seine Gedan­ken. Frauen, die im Wort Gottes gegründet sind, können anderen Orientierung geben – besonders den Jüngeren (s. Tit 2,3-5), aber nicht nur diesen.
  • Ein Auge für geistliche Notwen­dig­keiten: Debora konnte Israel nicht selbst retten. Das war nicht ihre Aufgabe als Frau. Doch sie sah, dass Barak berufen war, ein Werkzeug in Gottes Hand zu werden – aber er brauchte Er­mutigung. Genau dazu ließ Debora sich gebrauchen. Mütter in Christus sehen, wo der Dienst anderer gefördert werden muss, und stärken solche durch ihr Wort und ihr Gebet.
  • Motivation zum geistlichen Kampf: Debora selbst zog nicht in den Kampf, aber sie motivierte andere, ihre Verantwortung wahrzuneh­men. Frauen haben nicht die Aufgabe, im öffentlichen Predigtdienst zu stehen (dafür hat Gott die Brüder vorgesehen). Sie übernehmen auch keine Leitungsfunktion in der (örtlichen) Versammlung. Aber sie kön­nen sehr wohl Männer Gottes im Glauben stärken und sie an ihre Berufung und ihre Aufgaben erinnern.
  • Ein Herz voller Lob und Dank: Richter 5 ist ein einzigartiges Lied. Es zeigt, dass Debora nicht nur tiefe Einsicht hatte, sondern das Lob Gottes kannte. Geistliche Mütter leben aus einem dankbaren Herzen – und helfen den anderen, den Blick auf den Herrn gerichtet zu halten und sein Lob nicht zu vergessen.
  • Klarheit über ihre Rolle: Debora übernahm durchaus in einer besonderen Situation im Volk Gottes Aufgaben, die eigentlich Männer hät­ten wahrnehmen sollen (ähnlich wie die Prophetin Hulda in der Zeit Josias). Aber Debora überschritt ihre Stellung als Frau nicht. Sie übernahm keine Aufgaben, die Gott ausschließlich Männern zugewiesen hatte. Doch sie tat das, was sie konnte – und das mit ganzer Hingabe.

Mütter im Neuen Testament

Auch das Neue Testament kennt geistliche Mütter. Einige von ihnen werden namentlich genannt – als Vorbilder für heute:

  • Phöbe war eine treue Dienerin der Versammlung in Kenchreä (s. Röm 16,1). Sie war hilfsbereit, verant­wortungsbewusst und wurde von Paulus mit großer Achtung emp­fohlen. Er attestierte ihr, dass sie vielen „ein Beistand“ (eine Für­sorgerin) gewesen ist, sogar ihm selbst. Worin diese Fürsorge genau bestand, wird nicht näher gesagt.
  • Priska (Priszilla) diente gemeinsam mit ihrem Mann Aquila. Sie übte Gastfreundschaft und war anderen auch geistlich eine Hilfe (s. Apg 18,26) in Lehre und Gastfreundschaft. Als Ehepaar waren die beiden ein „Hafen“ für andere Gläubige.
  • Die Töchter des Philippus weis­sag­ten (s. Apg 21,9). Das bedeutet nicht, dass sie es in der örtlichen Versammlung taten. Aber sie taten es auch nicht im „luftleeren“ Raum. Auch heute dürfen Schwestern im Rahmen der biblischen Ordnung geistliche Einsicht weitergeben – besonders an andere Frauen.
  • Die (leibliche) Mutter des Rufus war Paulus eine (geistliche) „Mut­ter“ (s. Röm 16,13). Das ist ein besonderes Zeugnis und ein beson­deres Lob! Es zeigt, wie sehr Schwestern auch Brüdern im Glau­ben durch mütterliche Fürsorge, Gastfreundschaft und Zuwendung Hilfestellung geben können.

Mütterlicher Dienst – eine Aufgabe für alle

Paulus schreibt den Thessalonichern einen interessanten Satz. Er lautet: „Wir sind in eurer Mitte zart gewesen, wie eine nährende Frau ihre eigenen Kinder pflegt“ (1. Thes 2,7). Natürlich übernahm Paulus nicht die Rolle einer Frau, aber er gebraucht ein Bild aus der Welt der Mütterlichkeit für seinen eigenen Dienst (in V. 11 ist es dann das Bild des Vaters). Es geht um Zartheit, Nahrung und Pflege. Das zeigt: Mütterliche Züge sind nicht nur eine Frage des Geschlechts, sondern der geistlichen Prägung. In diesem Sinn können auch Männer „mütterlich“ dienen.

Ein Wort der Ermutigung

Der Ruf zur geistlichen Mutterschaft im Volk Gottes sollte nicht überhört werden. Wir brauchen mehr denn je geistliche Schwestern, die diesen Dienst in ihrer ganz eigenen Weise und Rolle leben. Dazu braucht es vor allem Hingabe – das heißt ein Herz für den Herrn und für die Geschwister. Wer mit dem Herrn lebt, wird von Ihm gebraucht werden – vielleicht ganz im Verborgenen, aber mit Ergebnissen, die vor dem Richterstuhl des Christus einmal gewürdigt werden.
Darum: Wo sind sie, die „Mütter in Christus“? Wo sind sie, die beten, trösten, weise raten, anspornen, zuhören, dienen und lieben?

Ernst-August Bremicker

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