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Zeitschrift für die christliche Familie

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Vorbild sein – eine Predigt ohne Worte

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Neulich sah ich eine bemerkenswerte Karikatur: Auf einer Parkbank saßen zwei Mütter mit jeweils einem Kind nebeneinander. Die eine Mutter und ihr Kind neben ihr hielten jeweils ein Smartphone in der Hand. Die andere Mutter und ihr Kind hatten jeweils ein Buch in der Hand und lasen darin. Dann sagte die Dame mit dem Smartphone zur lesenden Frau: „Sagen Sie mal, wie schaffen Sie es bloß, dass Ihr Kind tatsächlich ein Buch liest?“ Man könnte zum Schmunzeln geneigt sein, wenn die Aussage der Karikatur nicht gleichermaßen treffend wie ernst wäre. Ein Sprichwort sagt: „Wir brauchen unsere Kin­der nicht zu erziehen. Sie machen uns sowieso alles nach.“ Zugegeben, ein provokativer Satz, der so auch nicht uneingeschränkt richtig ist. Aber doch enthält diese Aussage eine Portion Wahrheit – hat doch das Vorbild der Eltern einen massiven Einfluss auf die Entwicklung der Kinder. Und da­zu finden wir in der Bibel viele ermu­ti­gende, aber auch warnende Beispiele.

Vorbild im Gebet

Hanna und ihr Mann Elkana lebten am Ende der Richterzeit – einer der dunkelsten Epochen, die es jemals in Israel gab. Sie war geprägt von In­dividualismus und Relativismus. Ein „jeder tat, was recht war in seinen Augen“ (Ri 21,25) – so wie in unserer Gesellschaft heute. Die von Gott eingesetzten Richter hatten völlig versagt. Der Hohepriester hatte kein klares Urteilsvermögen mehr und machte von seiner Autorität keinen Gebrauch. Die Priester selbst waren nicht mehr Mittler zwischen dem Volk und Gott, sondern kannten den Herrn gar nicht und verhielten sich so, dass das Volk den Gottesdienst verachtete (s. 1. Sam 1,13; 2,12.17.22.29).
Mitten in dieser Zeit lebte die gottesfürchtige Hanna, die eine persönliche Beziehung zu dem lebendigen Gott im Himmel pflegte und sich von Ihm einen Sohn erbat. Und das nicht, um sich selbst zu verwirklichen, sondern um ihn Gott zu weihen (s. 1. Sam 1,11.27.28). Aus dem göttlichen Bericht über ihre Familie geht deutlich hervor, dass sie in dieser Zeit Zuflucht im Gebet bei ihrem Gott suchte. Die ersten beiden Kapitel von 1. Samuel machen ganz klar, dass das Leben Hannas durch zwei wesentliche Dinge gekennzeichnet war: Gebet und Hingabe. Und darin war sie ihrem Sohn Samuel ein echtes Vorbild.
Da wundert es nicht, dass ihr Sohn Samuel durch dieses Verhalten geprägt wurde und später selbst ein Mann des Gebets geworden ist, der sich für das Volk Gottes einsetzte. Sehr häufig berichtet die Bibel auch von ihm, dass er betete. Dabei lesen wir nie, dass er für sich betete. Vielmehr betete und rang er für das Volk Gottes, dem er sein ganzes Leben lang diente. Seine Gebete waren niemals oberflächlich, sondern ein intensives, langes Rufen und Schreien im Vertrauen auf Gott – mitunter sogar die ganze Nacht hindurch (s. 1. Sam 7,8.9; 15,11 u. a.). Das Gebet ist so kennzeichnend für das Leben Samuels, dass Gott ihn an zwei Stellen als eine Referenz des vorzüglichsten Beters nennt (s. Ps 99,6; Jer 15,1).

Vorbild in Gottesbeziehung

Während Mose eine herausragende und prominente Persönlichkeit in der Bibel ist, lesen wir von seinem Va­ter Amram nur äußerst wenig. Und doch gibt es eine Stelle, die einen tiefen Einblick in sein Leben gibt und ein helles Licht auf seine Gottesbe­ziehung wirft. Als Gott sich dem mittlerweile achtzigjährigen Mose am brennenden Dornbusch in der Wüste vorstellte, sagte Er: „Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs“ (2. Mo 3,6). Hier nennt Gott Moses Vater Amram in einem Atemzug mit den Patriarchen und drückt damit aus, dass Amram eine tiefe Glaubensbeziehung zu Gott gehabt hat. Diese echte, gelebte Beziehung zu Gott war die Kraftquelle für sein mutiges Verhalten zur Zeit der Kindermorde in Ägypten (s. Heb 11,23) und die Richtschnur für die Erziehung seiner Kinder (s. Apg 7,20).
Mose hatte in seinem Vater Amram ein Vorbild, wie ein Mann in Gemein­schaft mit Gott lebt. Und diese Gottesbeziehung prägte das Leben Moses bis ins hohe Alter. Von ihm berichtet die Bibel: „Und der Herr redete mit Mose von Angesicht zu Angesicht, wie ein Mann mit seinem Freund re­det“ (2. Mo 33,11). Später sagte Gott: „Nicht so mein Knecht Mose. Er ist treu in meinem ganzen Haus; mit ihm rede ich von Mund zu Mund, und deutlich und nicht in Rätseln, und das Bild des Herrn schaut er“ (4. Mo 12,7.8). Nach seinem Tod berichtet die Bibel: „Und es stand in Israel kein Prophet mehr auf wie Mose, den der Herr gekannt hätte von Angesicht zu Angesicht“ (5. Mo 34,10). Was für eine besondere und enge Bezie­hung hat Mose mit Gott gehabt! Und sein stiller und im Hintergrund der biblischen Berichterstattung ste­hen­der Vater war ihm darin ein gutes Vorbild.

Vorbild im Glaubens­gehorsam und Glaubensmut

Wenn wir in Hanna eine Mutter und in Amram einen Vater gesehen haben, die jeweils ein gutes Vorbild gewesen sind, dann sehen wir in Amram und Jokebed ein Elternpaar, das ihren Kindern in ihrem Verhalten richtungsweisende Belehrung gab. Als Eltern hatten sie gemeinsam erkannt, dass das Gebot des Pharaos, die männlichen Säuglinge zu töten, gottlos war. Und trotz des massiven Drucks der Ägypter beugten sie sich dem nicht, sondern fürchteten Gott mehr als Menschen. In diesem Glaubensgehorsam und Glaubensmut waren sie ihren Kindern ein leuchtendes Vorbild. Wir lesen in Hebräer 11,23: „… und sie fürchteten das Gebot des Königs nicht.“ Und dann wird von ihrem Sohn Mose später berichtet: „Durch Glauben verließ er Ägypten und fürchtete die Wut des Königs nicht; denn er hielt standhaft aus, als sähe er den Unsichtbaren“ (Heb 11,27). Das elterliche Vorbild trägt viele Jahre später Früchte: Furchtlo­se Eltern haben einen furchtlosen Sohn. Gläubige Eltern vertrauen auf den lebendigen Gott – ihr Sohn zieht aus, „als sähe er den Unsichtbaren“.

Vorbild in Glaubensenergie

38 lange, harte, entbehrungsreiche Jahre in der Wüste ertrug Kaleb still das göttliche Gericht über den Un­glauben seiner Altersgenossen, der damals in Kades-Barnea deutlich geworden war (s. 4. Mo 13). Die gan­ze Generation der damaligen Erwach­senen war während der Wüstenwan­derung verstorben, außer Josua, Mo­se und ihm selbst. In all den Jahren hatte ihn der feste Glaube an die Zusage Gottes und der tiefe Eindruck von der Schönheit und Fruchtbarkeit des Landes aufrechterhalten. Wie oft wird er voller Vorfreude seinen Kindern davon erzählt haben.
Die Tatsache, dass er immer noch lebte, war ein Beweis der Gültigkeit der göttlichen Zusage. Mittlerweile war er 85 Jahre alt und seit wenigen Jahren in Kanaan. Und dann kam der Moment, auf den er jahrzehntelang im Glauben gewartet hatte: Das Land wurde verteilt. In voller Glaubenskraft trat er vor Josua und erinnerte ihn daran, dass Mose ihm vor nunmehr 45 Jahren das Gebirge und die Stadt Hebron zugesagt hatte. Mit Glaubensenergie forderte er: „Und nun gib mir dieses Gebirge, von dem der Herr an jenem Tag geredet hat“ (Jos 14,12). Hebron – Gemeinschaft mit Gott –, das war Kaleb wichtig. Dafür hatte er Jahrzehnte im Glauben gelebt.
In dieser Glaubensenergie war er der nachfolgenden Generation ein prägendes Vorbild. Als seine Tochter Aksa in die Stadt Debir einzog, die ihr Ehemann Othniel im Glaubensmut zuvor erobert hatte, forderte sie von Kaleb: „Gib mir einen Segen; denn ein Mittagsland hast du mir gegeben, so gib mir auch Wasserquellen!“ (Jos 15,19). Auffallend ist, dass sie dabei nicht nur den gleichen Eifer und die gleiche Wertschätzung für das Land an den Tag legte, sondern sogar die gleichen Worte wie ihr Vater benutzte: „Gib mir“ (vgl. Jos 14,12). Und wie gern wird Kaleb ihr die dazugehörigen Quellen gegeben haben, weil er sich freute, dass seine Kinder die gleiche Wertschätzung für das Land hatten wie er selbst – und vor allem wie Gott.

Vorbild in der Liebe zur Welt

Wie bei (fast) allen Themen stellt die Bibel auch bei elterlichen Vorbildern nicht nur positive, sondern auch ne­gative Beispiele vor. Eines davon ist Lot. Dabei fielen die Probleme in Lots Familie nicht plötzlich über Nacht vom Himmel – sie waren vielmehr das Ergebnis einer langen Fehlentwick­lung, die bei Lot persönlich begann.
Der alttestamentliche Bericht schil­dert ihn als einen Mitläufer, der im Windschatten seines Onkels Ab­ra­ham lief: „… und Lot ging mit ihm“ (1. Mo 12,4; s. a. 13,1). Als er dann einmal eine eigene Entscheidung treffen musste, traf er diese nicht aus der Gemeinschaft mit Gott heraus, sondern ließ sich von seinen Augen und menschlichen Beweggründen leiten. Als Schafhirte wählte er als Aufenthaltsort für sich, seine Familie und Herde das fruchtbare Weideland im Jordantal. Dabei nahm er billigend in Kauf, dass ihn dieser Weg in die Nähe der bösen Städte Sodom und Gomorra brachte. Er kam diesen Städten und ihrer gottlosen Gesellschaft immer näher, bis er schließlich als Mitglied des Stadtrates in deren Tor saß (s. 1. Mo 13,11-13; 14,12; 19,1).
So wuchsen seine Kinder mitten in einer gottlosen Umgebung auf, in der ihr Vater mittlerweile bestens integriert war. Dort in Sodom wurde von Sünde offen gesprochen (s. Jes 3,9), genau wie heute in unserer Gesellschaft. Das prägte die Töchter Lots ohne Zweifel in ihrer Jugend.
Dann kam das Gericht Gottes über diese Städte, dem sie beide zusam­men mit ihrem Vater Lot nur knapp entgingen. Ihre Männer kamen dar­in um, weil sie die Warnung ihres Schwiegervaters nicht ernst nahmen. Und ihre Mutter starb auf der Flucht, weil sie dem Gebot der Engel, sich nicht umzudrehen, ungehorsam war. Offensichtlich hing ihr Herz sehr an dieser Stadt.
So fanden sie sich als Flüchtlinge mit ihrem Vater Lot allein im Gebirge wieder. Und dann zeigte sich, wie sehr sie von Sodom und seinen (sexualisierten) Wertmaßstä­ben geprägt worden waren. Sie wollten unbedingt Nachkommen und Ge­schlechtsverkehr haben – so wie es ja jeder macht (s. 1. Mo 19,31.32). Aber es gab keinen potentiellen Mann dafür, von einem Ehemann ganz zu schweigen. Der einzige dafür verfügbare Mann war ihrer Einschätzung nach ihr eigener Vater. Deshalb ersonnen sie den bösen Plan, ihren Vater mit Alkohol „abzufüllen“, um anschließend mit ihm intim zu werden. Das passte zu den Gedanken und Handlungen in Sodom, das „machte man so“. Gesagt, getan. Und die Ka­tastrophe nahm ihren Lauf – mit schrecklichen Auswirkungen für das Volk Israel bis heute.
Natürlich sind die Töchter Lots für ihr böses Verhalten selbst verant­wort­lich. Aber diese Geschichte spricht eine ernste Sprache für uns heute als Eltern, wie sich Liebe zur Welt auf unsere Familien auswirkt. Erschreckenderweise finden wir zwi­schen den gesellschaftlichen Wertvorstellungen von Sodom und unseren westeuropäischen Län­dern auffallende Parallelen. Die Ge­schichte ist spürbar hochaktuell für uns.

Heute sind wir gefragt

Diese biblischen Begebenheiten lie­gen weit in der Vergangenheit. Und doch enthalten sie bis heute eine kla­re Ansprache für uns als Eltern. Was ist uns im Leben wichtig – Kanaan oder Sodom? Vor wem fürchten wir uns mehr: vor dem Fürst dieser Welt oder dem lebendigen Gott? Wie ist unsere Gottesbeziehung – eher „Amram-like“ oder eher „Lot-like“? Damals wie heute spricht das elterliche Vorbild im Leben im Positiven wie im Negativen eine laute Sprache, oft lauter als die gesprochene Belehrung. Ob wir es wollen oder nicht – es hat massive Auswirkungen auf unsere Kinder. Möge bei uns Le­ben und Wort möglichst übereinstimmend sein. Wir haben denselben Gott und dieselben Kraftquellen wie die Glaubenseltern vor uns: Gemeinschaft mit Gott und Gebet. Darin liegt der Schlüssel zu kraftvollem und authentischem Vorbild.

Matthias Krommweh

Das elterliche Vorbild

Im Leben spricht - im Positiven wie im Negativen - das elterliche Vorbild,
oft lauter, als die gesprochene Belehrung.

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